[0001] Die Erfindung betrifft Verfahren zum Herstellen einer Serie von Gussbauteilen gemäß
dem Oberbegriff des Anspruchs 1 und eine Vorrichtung zum Herstellen eines Gussbauteils
gemäß dem Oberbegriff des Anspruchs 7.
[0002] Im Leichtmetallguss, insbesondere bei der Verarbeitung von Aluminiumlegierungen oder
Magnesiumlegierungen, ist es von hohem Stellenwert für die Qualität der gegossenen
Produkte, dass die Gießformfüllung kontrolliert und in reproduzierbare Weise erfolgt.
Diese Anforderung ist besonders bedeutsam, wenn das Gießen mit einer halbflüssigen
oder halbfesten Metallschmelze, einem halbflüssigen oder halbfesten Gießbrei, in einem
semi-solid Gießverfahren, insbesondere mit einer unter den Liquiduspunkt abgekühlten
Metallschmelze mit Festkörperanteil, erfolgt, da die Eigenschaften der halbflüssigen
Metallschmelze, des Gießbreis stark von einer Vielzahl von Parametern, insbesondere
der Temperatur, abhängen.
[0003] Aufgrund der häufig komplizierten Geometrie oder Topologie der Produkte und damit
auch der zu füllenden Kavität der Gießform wird häufig eine Mehrzahl von Angusspunkten
genutzt, so dass die Kavität mit ausreichend hoher Geschwindigkeit unter Minimierung
von Gießfehlern, bevorzugt ohne Gießfehler, wie Lunkerbildung oder dergleichen, mit
der Leichtmetallschmelze gefüllt werden kann. Beispielsweise ist im Dokument
DE 10 2008 052 062 A1 das Gießen eines rahmenartigen Strukturbauteils mit Öffnung beschrieben, wie es beispielsweise
in konkret gestalteter Ausführung für Rückenlehnen von Fahrzeugsitzen benötigt wird.
Damit die erhaltenen Produkte nur unwesentlich nachbearbeitet werden müssen und in
definierten Bereichen veränderte, insbesondere erhöhte mechanische Kennwerte aufweisen,
wird die Metallschmelze zu mindestens zwei beheizten Schmelzezuführungen zugeführt
und gelangt von dort in die Gussform, wobei die Gussform einen Kanal aufweist, in
welchem Schmelzeströme einander entgegengesetzt oder aufeinander zu fließen.
[0004] Im Zusammenhang des Gießens mit einem halbfesten Gießbrei kann es beim Einsatz mehrerer
Schmelzezuführungen oder Heißkanäle bei ungleichmäßiger Temperatur beim Austritt der
Metallschmelze und/oder bei unterschiedlichen geometrischen Ausströmungen (zum Beispiel
unterschiedlichen Verschließens der Öffnungen) zur unterschiedlichen Bildung von kalten
Metallpfropfen kommen, die wie eine Ventilsperre wirken und die warme Metallschmelze
von einem Teil der kalten Gussform trennen. In einem derartigen Fall nimmt bei unterschiedlich
großen kalten Pfropfen die Metallschmelze den Weg des geringsten Widerstandes und
füllt den Kanal durch die eine geöffnete Schmelzezuführung solange, bis genügen Gegendruck
aufgebaut ist, so dass die andere Schmelzezuführung öffnet. Auf diese Weise können
Füllfronten der Metallschmelze entstehen, die sich unterschiedlich schnell beim Einlaufen
in die Kavität ausbreiten und zu unterschiedlichen Zeiten aufeinander treffen, so
dass die Position der Kontaktflächen, auch als Bindenähte bezeichnet, variiert. Da
die Kontaktflächen andere physikalische und/oder chemische Eigenschaften aufweisen
als ein Materialabschnitt im Inneren des gegossenen Bauteils, bedeutet diese Variation
auch eine Streuung der Bauteileigenschaften. Diese Prozessschwankungen sind für eine
ausreichend hohe Qualität inakzeptabel.
[0005] Aus dem Dokument
DE 44 44 092 A1 ist für den konventionellen Kunststoff-Druckguss oder konventionellen Aluminium-Druckguss
mittels eines Heißkanals in eine Spritzgussform bekannt, dass die Ist-Temperatur während
eines Gießzyklus gemessen und in Abhängigkeit einer Abweichung von einer Soll-Temperatur
ein Kühl- und/oder Heizmedium zur Temperierung der Spritzgussform zugeführt werden.
[0006] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, beim Gießen einer Metallschmelze, insbesondere
eines halbflüssigen Gießbreis, den zeitlichen Verlauf des Schmelzflusses von einer
Mehrzahl von Angusspunkten ausgehend in die Gießform derart zu kontrollieren, dass
die Lage wenigstens einer Kontaktfläche von in die Gießform einlaufenden Füllfronten
reproduzierbar in einer Serie von Gießvorgängen gesteuert werden kann.
[0007] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß durch ein Verfahren zum Herstellen einer Serie
von Gussbauteilen mit den Merkmalen gemäß Anspruch 1 gelöst. Vorteilhafte Weiterbildungen
der Erfindung sind in den abhängigen Ansprüchen charakterisiert.
[0008] Im erfindungsgemäße Verfahren zum Herstellen einer Serie von Gussbauteilen werden
wenigstens die folgende Schritte durchgeführt: Es wird eine Gussform mit einer Kavität
und einer Mehrzahl von Angusspunkten, insbesondere Heißkanalaustrittspunkte oder Düsen,
bereitgestellt. Eine Leichtmetallschmelze wird durch wenigstens zwei Angusspunkte,
insbesondere Heißkanalaustrittspunkte oder Düsen, mit jeweils einer Temperatur und
einem Druck in die Gussform zur Herstellung eines ersten Gussbauteils eingebracht.
Die Leichtmetallschmelze fließt entlang wenigstens zweier Wege in wenigstens zwei
Strömen (ein Strom pro Weg), insbesondere einander entgegengesetzt fließenden Strömen,
mit jeweils einer Front in die Gussform ein, wobei sich wenigstens zwei Fronten der
Ströme in einem Bereich der Gussform treffen. Wenigstens eine Temperatur und/oder
wenigstens werden ein Druck im Bereich, in welchem die Ströme zusammentreffen, gemessen.
Die gemessene Temperatur und/oder der gemessene Druck werden beim nachfolgenden Herstellen
eines zweiten Gussbauteils in der Gussform für die Wahl der jeweiligen Temperatur
und/oder des jeweiligen Drucks und/oder des jeweiligen Auslösezeitpunkts am jeweiligen
Angusspunkt beim Einbringen der Leichtmetallschmelze berücksichtigt.
[0009] Durch das erfindungsgemäße Vorgehen ist es möglich, die Lage der Kontaktflächen der
Füllfronten aktiv zuverlässig zu kontrollieren oder zu regulieren. Auf diese Weise
wird erreicht, dass der Materialfluss der Metallschmelze in die Gießform bauteilgerecht,
insbesondere geometriegerecht reproduzierbar erfolgt. Insbesondere kann realisiert
werden, dass die Füllfronten an vorgesehenen Punkten einander kontaktieren. Besonders
bevorzugt ist es dabei, wenn der Kontakt in der Nähe eines Vakuumaustritts der Gießform
stattfindet. Durch das Vorsehen einer individuellen Regelung für die Serie von Gießvorgängen
in Abhängigkeit der aktuell gemessenen Werte wird eine vorteilhaft hohe Prozesssicherheit
erreicht, so dass eine Steigerung der Qualität möglich ist, indem die Streuung der
individuellen Ergebnisse verringert wird.
[0010] Das Verfahren ist bevorzugt ein Spritzgussverfahren. Die Angusspunkte können insbesondere
temperierbar sein. Die Gießform kann dann auch als Heißkanalgießform bezeichnet werden.
Die Leichtmetallschmelze ist fluid, insbesondere fließfähig. Zum Zweck der Messung
können ein oder mehrere Sensoren, Detektoren, Messsonden oder dergleichen zum Einsatz
gelangen. Der oder die Sensoren, Detektoren oder Messsonden können an oder in der
Gussform aufgenommen sein. Die jeweilige Temperatur und/oder der jeweilige Druck an
den mehreren Angusspunkten für das nachfolgende Herstellen eines weiteren Gussbauteils
kann in Funktion der gemessenen Temperatur eingestellt werden. Anders gesagt, eine
Veränderung der eingestellten jeweilige Temperatur und/oder des eingestellten jeweiligen
Drucks an den mehreren Angusspunkten kann in Abhängigkeit der Abweichung der gemessenen
Temperatur, der Ist-Temperatur, von einer vorgegebenen Temperatur, einer Soll-Temperatur,
erfolgen. Die einzelne Messung oder mehrere Messungen können initial für eine oder
mehrere erste Bauteile der Serie erfolgen, wobei nachfolgende Produkte mit den gefundenen
optimierten Einstellungen hergestellt werden, oder regelmäßig während der Produktion
der Serie derart erfolgen, dass vorhergehende Messwerte für die Herstellung nachfolgender
Produkte berücksichtigend genutzt werden.
[0011] Bevorzugt wird die Leichtmetallschmelze mit im Vergleich zum Umgebungsdruck erhöhtem
Druck in die Gussform eingebracht. Mit anderen Worten, das Verfahren kann ein so genanntes
Druckgussverfahren sein, in welchem wenigstens beim Füllen der Gießform Druckkräfte
größer als der Umgebungsdruck auf die Leichtmetallschmelze wirken.
[0012] Unter einem Leichtmetall wird in dieser Darstellung ein Metall verstanden, dessen
Dichte weniger als 5 g/cm
3 beträgt. Insbesondere sind die Metalle Aluminium, Magnesium, Titan, Lithium und Strontium
Leichtmetalle. Besonders bevorzugt in technischen Anwendungen, insbesondere im Zusammenhang
der Erfindung, sind die Leichtmetalle Aluminium, Magnesium und Titan, da sie mit Werkzeugen
bearbeitbar sind.
[0013] In einer Gruppe von bevorzugten Ausführungsformen des erfindungsgemäßen Verfahrens
wird als Leichtmetall eine Aluminiumlegierung oder eine Magnesiumlegierung verwendet.
Die Bezeichnung Legierung umfasst auch das reine Metall, das im Wesentlichen, insbesondere
innerhalb von herstellungsbedingten Fremdanteilen und/oder Verunreinigungen, frei
von anderen Bestandteilen ist. Des Weiteren oder alternativ dazu gelangt beim erfindungsgemäßen
Verfahren bevorzugt ein halbfester (semi-solid) Gießbrei mit Festphasenanteil oder
Festkörperanteil zum Einsatz. Das heißt, die Leichtmetallschmelze wird als ein halbfester
Gießbrei, insbesondere, mit einem nicht-dendritischen, bevorzugt globulitischen Festphasenanteil,
vergossen. Die Metallschmelze kann fluid, insbesondere fließfähig, flüssig, breiig,
schlammig, teigig oder pastös, sein. Die Metallschmelze kann auf eine Temperatur unter
die Liquidus-Temperatur abgekühlt worden sein. Die verarbeitete Metallschmelze kann
thixotrop sein. Die Metallschmelze kann insbesondere globulitische und/oder nicht-dendritische
Festkörper, beispielsweise sphäroide oder ellipsoide Festkörper, im flüssigen Phasenanteil
aufweisen.
[0014] In einer konkreten Ausführung des erfindungsgemäßen Verfahrens zum Herstellen einer
Serie von Gussbauteilen wird die Leichtmetallschmelze an den wenigstens zwei Angusspunkten
durch Heißkanaldüsen, deren Temperatur und/oder deren Druck eingestellt wird, ausgebracht.
Mittels der einstellbaren Heißkanaldüsen kann in vorteilhafter Weise präzise der Materialfluss
der Metallschmelze in die Gießform hinsichtlich der Menge und des Zeitverlaufs des
Volumenstromes gesteuert werden.
[0015] In einer vorteilhaften Weiterentwicklung des erfindungsgemäßen Verfahrens werden
eine Temperaturverteilung und/oder eine Druckverteilung über einen bestimmten Weg
oder Streckenabschnitt im Bereich, in welchem die Ströme zusammentreffen, gemessen.
Konkret können an einer Anzahl von Messstellen, beispielsweise an zwei Messpunkten
auf den einander gegenüberliegenden Seiten der erwarteten Lage der Kontaktfläche zweier
Füllfronten, Messwerte genommen werden. Auf diese Weise können Unterschiede der Werte
der Parameter, insbesondere hinsichtlich der den einzelnen Füllfronten zugeordneten
Werte der Parameter, detektiert werden, so dass aus dieser Information einzelne separate
Maßnahmen für die Einstellung der Temperatur und/oder des Drucks an den jeweiligen
Angusspunkten abgeleitet und anschließend durchgeführt werden können.
[0016] Hinsichtlich des Ziels einer reproduzierbaren, gleichbleibenden hohen Qualität ist
es im erfindungsgemäßen Verfahren besonders bevorzugt, eine Einstellung der jeweiligen
Temperatur und/oder des jeweiligen Drucks am jeweiligen Angusspunkt beim Einbringen
der Leichtmetallschmelze derart vorzunehmen oder erfolgen zu lassen, dass bei jedem
einzelnen Herstellen eines Gussbauteils in der Serie die Ströme im Wesentlichen zum
einen an derselben Stelle und zum anderen mit derselben Temperatur und/oder demselben
Druck im Rahmen von Toleranzintervallen aufeinandertreffen. Wird auf diese Weise eine
Serie von Produkten gefertigt, so kann gezielt die Lage der Kontaktfläche der Füllströme
eingestellt werden. Dabei können Kontaktflächen an für die konkrete Produktgeometrie
gewünschten Positionen platziert werden, beispielsweise an solchen, an denen eine
strukturelle Schwächung des Produktes gewünscht ist.
[0017] Im Zusammenhang des erfinderischen Gedankens steht auch eine Vorrichtung zum Herstellen
eines Gussbauteils. Die erfindungsgemäße Vorrichtung kann bevorzugt geeignet Durchführung
eines Verfahrens zum Herstellen einer Serie von Gussbauteilen mit einzelnen oder allen
Merkmalen oder Merkmalskombinationen gemäß dieser Darstellung sein. Die Vorrichtung
umfasst eine Gussform mit einer Kavität und einer Mehrzahl von Angusspunkten, durch
welche eine Leichtmetallschmelze mit jeweils einer Temperatur und einem Druck in die
Gussform derart einbringbar ist, dass die Leichtmetallschmelze entlang wenigstens
zweier Wege in wenigstens zwei Strömen mit jeweils einer Front in die Gussform einfließt,
wobei sich wenigstens zwei Fronten der Ströme in einem Bereich der Gussform treffen.
Sie umfasst des Weiteren wenigstens eine Vorrichtung zum Messen der Temperatur und/oder
wenigstens eine Vorrichtung zum Messen des Drucks, welche im Bereich, in welchem die
Ströme zusammentreffen, angeordnet sind. Darüber hinaus umfasst die Vorrichtung ein
Regelgerät für Temperatur und/oder Druck an der Mehrzahl von Angusspunkten, zur Berücksichtigung
der gemessenen Temperatur und/oder des gemessenen Drucks beim nachfolgenden Herstellen
eines zweiten Gussbauteils in der Gussform für die Wahl der jeweiligen Temperatur
und/oder des jeweiligen Drucks am jeweiligen Angusspunkt beim Einbringen der Leichtmetallschmelze.
In einer konkreten Ausgestaltung kann das Regelgerät der erfindungsgemäßen Vorrichtung
eine Recheneinheit und ein auf der Recheneinheit laufendes Softwareprogramm aufweisen,
welches eine Errechnung oder Auffindung von jeweils an der Mehrzahl von Angusspunkten
einzustellenden Werten von Temperatur und/oder Druck für nachfolgende Gießvorgänge
in Funktion der gemessenen Werte ermöglicht, und/oder eine oder mehrere Tabellen (look-up
tables) enthalten, welche eine Zuordnung von jeweils an der Mehrzahl von Angusspunkten
einzustellenden Werten von Temperatur und/oder Druck in Funktion der gemessenen Werte
gestatten.
[0018] Die Topologie der Kavität kann komplex sein, so dass detailliert strukturierte Bauteile
als Produkte erhältlich sind. Zu diesem Zweck kann die Kavität der Gussform ein nicht
einfach zusammenhängender Raum sein. Etwas anschaulicher ausgedrückt, innerhalb der
Kavität kann wenigstens ein geschlossener Pfad existieren, der sich stetig auf einen
Punkt außerhalb der Kavität zusammenziehen, anders gesagt sich unter Einschluss des
umlaufenen Zentrums verkürzen, lässt. Beispielsweise kann die Kavität rahmenartig,
gitterartig oder netzartig sein oder henkelartige Raumbereiche mit wenigstens zwei
Übergangspunkten zum Restvolumen aufweisen. Bei der Befüllung derartige Kavitäten
mit Metallschmelze ausgehend von einer Mehrzahl von Angusspunkten treten verbreitet
Situationen auf, in der Füllfronten in Teilbereichen aufeinander zu fließen und schließlich
eine Kontaktfläche bilden. Häufig ist sinnvollerweise ein Befüllen der Gießform mit
Metallschmelze von nur einem Angusspunkt ausgehend ohne Gefahr der Erzeugung von Gießfehlern
nicht möglich.
[0019] In einer besonders bevorzugten Ausführungsform der erfindungsgemäßen Vorrichtung
ist wenigstens einer der Angusspunkte vom Austritt einer Heißkanaldüse gebildet.
[0020] In diesem Fall werden Temperiereinrichtungen der Heißkanaldüsen mit den in Abhängigkeit
der gemessenen Werte bestimmten Werte angesteuert. Das Regelgerät kann derart ausgeführt
sein, dass es auch die Ansteuerung der Temperiereinrichtungen der Heißkanaldüsen durchführt.
Eine Temperierung kann beispielsweise eine Kühleinrichtung, bevorzugt eine CO
2-Impulskühlung sein.
[0021] In der erfindungsgemäßen Vorgehensweise, konkret mittels des erfindungsgemäßen Verfahrens
mit einzelnen oder allen Merkmalen oder Merkmalskombinationen gemäß dieser Darstellung
beziehungsweise der erfindungsgemäßen Vorrichtung mit einzelnen oder allen Merkmalen
oder Merkmalskombinationen gemäß dieser Darstellung sind Gussbauteile in Serie mit
gleichbleibend hoher Qualität erhältlich. Erfindungsgemäß ist daher ein Gussbauteil,
das erhalten in einem Verfahren mit einzelnen oder allen Merkmalen oder Merkmalskombinationen
gemäß dieser Darstellung und/oder mittels einer Vorrichtung mit einzelnen oder allen
Merkmalen oder Merkmalskombinationen gemäß dieser Darstellung ist.
[0022] In konkreten Anwendungen kann es sich bei den Gusbauteilen um Strukturbauteile für
Baugruppen eines Fahrzeuges, insbesondere eines Landkraftfahrzeuges, eines Radfahrzeuges,
beispielsweise eines schienenlosen Automobils, handeln.
[0023] Weitere Vorteile und vorteilhafte Ausführungsformen und Weiterbildungen der Erfindung
werden anhand der nachfolgenden Beschreibung unter Bezugnahme auf die Figuren dargestellt.
Es zeigt im Einzelnen:
- Figur 1
- eine Skizze eines Gießwerkzeugs mit zwei Heißkanalaustrittsdüsen zur Durchführung
einer Ausführungsform eines erfindungsgemäßen Verfahrens zum Herstellen einer Serie
von Gussbauteilen,
- Figur 2
- eine Skizze einer Struktur eines Systems zur Steuerung einer Ausführungsform eines
erfindungsgemäßen Verfahrens zum Herstellen einer Serie von Gussbauteilen, und
- Figur 3
- eine vergrößerte Darstellung des Heißkanals mit zwei Heißkanalaustrittsdüsen.
[0024] Die Figur 1 ist eine Skizze eines Gießwerkzeugs mit zwei Heißkanalaustrittsdüsen
zur Durchführung einer Ausführungsform eines erfindungsgemäßen Verfahrens zum Herstellen
einer Serie von Gussbauteilen. Im Gießwerkzeug 30 befindet sich eine Gussform 10,
welche eine rahmenartige Kavität aufweist. Mittels eines anhand der Figur 3 näher
beschriebenen, hier nicht zeichnerisch dargestellten Heißkanals 12 wird der Gussform
10 an einer ersten Heißkanalaustrittsdüse 14 und einer, zweiten Heißkanalaustrittsdüse
16 im Betrieb eine Leichtmetallschmelze, hier eine Magnesiumschmelze, als halbfester
Gießbrei im Druckguss zugeführt. Um die Kavität zu füllen, durchströmt der halbfeste
Gießbrei die Kavität in Strömen auf verschiedenen Wegen derart, dass sich jeweils
zwei aufeinander zulaufende Fronten der Ströme in zwei Bereichen der Gussform 10 treffen,
wodurch eine Kontaktfläche entsteht. Dieses Treffen findet in Bereichen der Gussform
statt, welche von der Metallschmelze in der in Wesentlichen gleichen Zeit ausgehend
von den zwei Heißkanalaustrittsdüsen 14,16 erreichbar ist. Im konkret in der Figur
1 gezeigten Ausführungsbeispiel ist dieses jeweils in der Nähe der zwei Vakuum-Unterstützungen
18 für den Druckguss der Fall.
[0025] Erfindungsgemäß sind für die aktive Kontrolle der genauen Lage der Kontaktflächen
jeweils in den zwei angesprochenen Bereichen an verschiedenen Orten gruppierte Paare
von Sensoren angeordnet: Ein Temperatur-Controller 20 ist mit vier Temperaturfühlern
24, und ein Druck-Controller 22 mit vier Drucksensoren 26 zur Datenübertragung verbunden.
Jeweils ein Temperaturfühler 24 und ein Drucksensor 26 sind eingerichtet, die herrschende
Temperatur beziehungsweise den herrschenden Druck an einer Position zu messen, welche
einer der die Kavität füllenden Ströme des Leichtmetallgießbreis passiert, bevor er
mit dem ihm entgegenkommenden Strom zusammentrifft und eine Kontaktfläche ausbildet.
Quantitativ liegt die Position etwa 350 bis 450 mm in dieser Ausführungsform von der
erwarteten Position der Kontaktfläche entfernt.
[0026] Die Figur 2 skizziert eine Struktur eines Systems zur Steuerung einer Ausführungsform
eines erfindungsgemäßen Verfahrens zum Herstellen einer Serie von Gussbauteilen, wobei
die bereits im Zusammenhang mit der Figur 1 bezeichneten Bauteile gleiche Bezugszeichen
verwendet werden. Aus den jeweils in Abhängigkeit der Zeit an den vier verschiedenen
Orten gemessenen Verläufen der Parameter Temperatur beziehungsweise Druck lässt sich
errechnen beziehungsweise vorhersagen, an welcher Stelle die zwei Kontaktflächen für
einen konkreten Herstellvorgang eines Gussbauteils ausgebildet werden. Der Verlauf
der gemessenen Parameter steht in Abhängigkeit der Einstellparameter, insbesondere
des Zeitpunkts, der Temperatur und des Drucks, beim Einbringen des Gießbreis durch
die Heißkanalaustrittsdüsen 14, 16. Daher kann auf die an den verschiedenen Orten
gemessenen Verläufe der Parameter Temperatur beziehungsweise Druck Einfluss genommen
werden, in dem einer, mehrere oder alle Einstellparameter verändert werden. Erfindungsgemäß
werden Signale vom Temperatur-Controller 20 und vom Druck-Controller 22 an ein Heißkanalregelgerät
28 übermittelt. Im Heißkanalregelgerät 28 wird bestimmt, welche konkrete Ansteuerungen,
welche konkreten Werte der Einstellparameter, erforderlich sind, um gewünschte Verläufe
der Parameter Temperatur beziehungsweise Druck an den bestimmten verschiedenen Orten
zu erreichen. Dazu ist der entsprechende funktionelle Zusammenhang im Heißkanalregelgerät
28 hinterlegt, zum Beispiel in Form von Tabellen. Das Heißkanalregelgerät 28 steuert
dann die einzelnen Heißkanalaustrittsdüsen 14,16 entsprechend an.
[0027] Die Figur 3 zeigt eine vergrößerte Darstellung des Heißkanals 12 mit zwei Heißkanalaustrittsdüsen
14,16. Die Zuführung der Leichtmetallschmelze, hier der Magnesiumlegierung erfolgt
durch eine gemeinsame Zuführleitung, welche sich zu den einzelnen Austritten verzweigt.
Es sind sowohl eine einstellbare Druckerzeugungsvorrichtung als auch eine einstellbare
Temperierungsvorrichtung an jedem der Heißkanalaustrittsdüsen 14,16 vorhanden, so
dass die beim Druckgießen herrschenden Parameter Druck und Temperatur steuerbar sind.
[0028] Hier zeichnerisch nicht dargestellt umfasst eine Weiterentwicklung auch Paare von
Sensoren (Temperaturfühler und Drucksensoren) jeweils in der Nähe der Heißkanalaustrittsdüsen
14,16, quantitativ etwa 350 bis 450 mm von deren Position in den beiden Richtungen,
in welche die Leichtmetallschmelze in die Kavität hineinfließt, entfernt. Dadurch
kann zusätzliche Information über die zeitliche Entwicklung von Parametern der Metallschmelze,
insbesondere deren Temperatur, gewonnen und vorteilhaft im erfindungsgemäßen Verfahren
ebenfalls berücksichtigt werden.
[0029] Als ein Beispiel der konkreten Anwendung ist an dieser Stelle die Magnesiumlegierung
AZ91 zu nennen. Diese kann in Form eines thixotropen Gießbreis im Temperaturbereich
560 bis 620 Grad Celsius erfindungsgemäß verarbeit werden. Als Arbeitspunkt ist typischerweise
die Temperatur 585 Grad Celsius ± 10 Grad Celsius bestimmt. Der Festphasenanteil variiert
im angegebenen Temperaturintervall teilweise empfindlich mit der Temperatur, so dass
der erfindungsgemäßen Berücksichtigung der gemessenen Temperaturen und Drücke in Bereichen,
in denen Ströme der in die Gussform einlaufenden Magnesiumschmelze, besondere Bedeutung
zukommt, um in einer Serie von hergestellten Gussteilen eine gleichmäßige Qualität
zu erzielen.
Bezugszeichenliste
[0030]
- 10
- Gussform
- 12
- Heißkanal
- 14
- erste Heißkanalaustrittsdüse
- 16
- zweite Heißkanalaustrittsdüse
- 18
- Vakuum-Unterstützung
- 20
- Temperatur-Controller
- 22
- Druck-Controller
- 24
- Temperatur-Fühler
- 26
- Drucksensor
- 28
- Heißkanalregelgerät
- 30
- Gießwerkzeug
1. Verfahren zum Herstellen einer Serie von Gussbauteilen, in welchem eine Gussform (10)
mit einer Kavität und einer Mehrzahl von Angusspunkten bereitgestellt wird, eine Leichtmetallschmelze
durch wenigstens zwei Angusspunkte mit jeweils einer Temperatur und einem Druck in
die Gussform zur Herstellung eines ersten Gussbauteils eingebracht wird und die Leichtmetallschmelze
entlang wenigstens zweier Wege in wenigstens zwei Strömen mit jeweils einer Front
in die Gussform einfließt, wobei sich wenigstens zwei Fronten der Ströme in einem
Bereich der Gussform treffen,
dadurch gekennzeichnet,
dass wenigstens eine Temperatur und/oder wenigstens ein Druck im Bereich, in welchem die
Ströme zusammentreffen, gemessen werden und die gemessene Temperatur und/oder der
gemessene Druck beim nachfolgenden Herstellen eines zweiten Gussbauteils in der Gussform
für die Wahl der jeweiligen Temperatur und/oder des jeweiligen Drucks und/oder des
jeweiligen Auslösezeitpunkts am jeweiligen Angusspunkt beim Einbringen der Leichtmetallschmelze
berücksichtigt werden.
2. Verfahren zum Herstellen einer Serie von Gussbauteilen gemäß Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Leichtmetallschmelze mit im Vergleich zum Umgebungsdruck erhöhtem Druck in die
Gussform (10) eingebracht wird.
3. Verfahren zum Herstellen einer Serie von Gussbauteilen gemäß Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet,
dass als Leichtmetall eine Aluminiumlegierung oder eine Magnesiumlegierung verwendet wird
und/oder dass die Leichtmetallschmelze als ein halbfester Gießbrei mit einem Festphasenanteil
vergossen wird.
4. Verfahren zum Herstellen einer Serie von Gussbauteilen gemäß einem der Ansprüche 1
bis 3,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Leichtmetallschmelze an den wenigstens zwei Angusspunkten durch Heißkanaldüsen,
deren Temperatur und/oder deren Druck eingestellt wird, ausgebracht wird.
5. Verfahren zum Herstellen einer Serie von Gussbauteilen gemäß einem der Ansprüche 1
bis 4,
dadurch gekennzeichnet,
dass eine Temperaturverteilung und/oder eine Druckverteilung über einen bestimmten Weg
im Bereich, in welchem die Ströme zusammentreffen, gemessen werden.
6. Verfahren zum Herstellen einer Serie von Gussbauteilen gemäß einem der Ansprüche 1
bis 5,
dadurch gekennzeichnet,
dass eine Einstellung der jeweiligen Temperatur und/oder des jeweiligen Drucks am jeweiligen
Angusspunkt beim Einbringen der Leichtmetallschmelze derart erfolgt, dass bei jedem
einzelnen Herstellen eines Gussbauteils in der Serie die Ströme im Wesentlichen an
derselben Stelle und mit derselben Temperatur und/oder demselben Druck im Rahmen von
Toleranzintervallen aufeinandertreffen.
7. Vorrichtung zum Herstellen eines Gussbauteils, insbesondere geeignet zur Durchführung
eines Verfahrens zum Herstellen einer Serie von Gussbauteilen gemäß einem der vorstehenden
Ansprüche 1 bis 6, mit einer Gussform (10) mit einer Kavität und einer Mehrzahl von
Angusspunkten, durch welche eine Leichtmetallschmelze mit jeweils einer Temperatur
und einem Druck in die Gussform derart einbringbar ist, dass die Leichtmetallschmelze
entlang wenigstens zweier Wege in wenigstens zwei Strömen mit jeweils einer Front
in die Gussform einfließt, wobei sich wenigstens zwei Fronten der Ströme in einem
Bereich der Gussform treffen,
gekennzeichnet durch
wenigstens eine Vorrichtung (20) zum Messen der Temperatur und/oder wenigstens eine
Vorrichtung (22) zum Messen des Drucks, welche im Bereich, in welchem die Ströme zusammentreffen,
angeordnet sind und ein Regelgerät (28) für Temperatur und/oder Druck an der Mehrzahl
von Angusspunkten, zur Berücksichtigung der gemessenen Temperatur und/oder des gemessenen
Drucks beim nachfolgenden Herstellen eines zweiten Gussbauteils in der Gussform (10)
für die Wahl der jeweiligen Temperatur und/oder des jeweiligen Drucks am jeweiligen
Angusspunkt beim Einbringen der Leichtmetallschmelze.
8. Vorrichtung zum Herstellen eines Gussbauteils gemäß Anspruch 7,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Kavität der Gussform (10) ein nicht einfach zusammenhängender Raum ist.
9. Vorrichtung zum Herstellen eines Gussbauteils gemäß Anspruch 7 oder 8,
dadurch gekennzeichnet,
dass wenigstens einer der Angusspunkte vom Austritt (14,16) einer Heißkanaldüse gebildet
ist.
10. Gussbauteil, erhalten in einem Verfahren gemäß einem der vorstehenden Ansprüche 1
bis 6 und/oder mittels einer Vorrichtung gemäß einem der Ansprüche 7 bis 9.