[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Betrieb einer Heizungsanlage gemäß dem Oberbegriff
des Patentanspruchs 1.
[0002] Eine Heizungsanlage bzw. ein Verfahren zum Betrieb einer Heizungsanlage der eingangs
genannten Art ist nach der
DE 10 2008 003 315 A1 bekannt. Bei dieser wird ein in einem Heizkreis zirkulierendes Heizkreismedium mindestens
zeitweise mit einem Brenner erwärmt, wobei die Zirkulation bzw. ein Zirkulationsmaß
des Heizkreismediums mit einem Volumenstrommesser (ein Mittel zur Erfassung des Volumenstroms)
bestimmt und der Brenner über eine Regelung ein- und ausgeschaltet wird.
[0003] Ferner ist aus der
DE 196 46 314 C1 eine Heizungsanlage bekannt, bei der ebenfalls ein in einem Heizkreis zirkulierendes
Heizkreismedium mindestens zeitweise mit einem Brenner erwärmt wird. Dabei ist bei
dieser Heizungsanlage zwischen dem Vorlauf und dem Rücklauf des Heizkreises eine Überströmleitung
mit einem Überströmventil vorgesehen, das eine Strömung des Heizkreismediums durch
das Heizgerät bzw. dessen Wärmetauscher auch dann gewährleistet, wenn zum Beispiel
alle Thermostatventile im Heizkreis geschlossen sind. Durch diese Maßnahme ist das
Heizgerät bzw. dessen Wärmetauscher vor einer Beschädigung durch Sieden geschützt.
Gleichzeitig verschlechtert sich allerdings der Wirkungsgrad der Heizungsanlage durch
diese Sicherheitsfunktion.
[0004] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zum Betrieb einer Heizungsanlage
der eingangs genannten Art zu verbessern. Insbesondere soll durch eine besondere Betriebsweise
der Wirkungsgrad einer solchen Heizungsanlage zum Beispiel auch bei geschlossenen
Thermostatventilen verbessert werden.
[0005] Diese Aufgabe ist mit einem Verfahren zum Betrieb einer Heizungsanlage der eingangs
genannten Art durch die im Kennzeichen des Patentanspruchs 1 aufgeführten Merkmale
gelöst.
[0006] Nach der Erfindung ist also vorgesehen, dass das Ein- und Ausschalten des Brenners
unterhalb eines vordefinierten Mindestvolumenstroms des Heizkreismediums im Heizkreis
in Abhängigkeit von einem mit dem Volumenstrommesser ermittelten Volumenstrom mit
der Regelung festgelegt wird.
[0007] Mit anderen Worten kann dank der erfindungsgemäß vorgesehenen Verschaltung der Regelung
und des Volumenstrommessers (oder eines entsprechend geeigneten Mittels zur Erfassung
des Volumenstroms bzw. der Zirkulation) und des erfindungsgemäß zu definierenden Mindestvolumenstroms
auf das eingangs genannte Überströmventil verzichtet werden, was nachfolgend näher
erläutert wird:
Da bei der zum Stand der Technik gehörenden Heizungsanlage der tatsächliche Volumenstrom
durch das Heizgerät wahlweise nicht bekannt ist bzw. diese Information für andere
Zwecke verwendet wird, bestand bisher die einzige Möglichkeit, auf eine Unterschreitung
des Mindestvolumenstroms zu reagieren, darin, den Heizkreis über das Überströmventil
kurzzuschließen.
[0008] Mit dem nach der Erfindung mit der Regelung verbundenen Volumenstrommesser ist es
nun möglich, gezielt den tatsächlichen Volumenstrom zu erfassen, und bei einem Unterschreiten
des Mindestvolumenstroms gezielt Einfluss auf die Laufzeit des Brenners zu nehmen.
Nach der Erfindung ist also insbesondere vorgesehen, dass der Brenner oberhalb eines
vordefinierten Mindestvolumenstroms in üblicher Weise von der Regelung betätigt wird.
Wird aber der besagte Mindestvolumenstrom unterschritten, wird eine noch näher zu
erläuternde Funktion verwendet, um die maximale Laufzeit des Brenners in Abhängigkeit
vom tatsächlichen Volumenstrom des Heizkreises festzulegen.
[0009] Andere vorteilhafte Weiterbildungen des erfindungsgemäßen Verfahrens zum Betrieb
einer Heizungsanlage ergeben sich aus den abhängigen Patentansprüchen.
[0010] Das erfindungsgemäße Verfahren zum Betrieb einer Heizungsanlage einschließlich seiner
vorteilhaften Weiterbildungen gemäß der abhängigen Patentansprüche wird nachfolgend
anhand der zeichnerischen Darstellung eines bevorzugten Ausführungsbeispiels näher
erläutert.
[0011] Es zeigt
- Figur 1
- eine Heizungsanlage gemäß dem Stand der Technik mit Überströmventil zwischen Vor-
und Rücklauf;
- Figur 2
- die erfindungsgemäße Heizungsanlage mit einem Volumenstromsensor;
- Figur 3
- ein Diagramm der Brennerleistung und der Vorlauftemperatur aufgetragen über der Zeit;
- Figur 4
- ein Diagramm der zulässigen Brennerlaufzeit aufgetragen über dem Volumenstrom.
[0012] In den aktuell verfügbaren und für die Erfindung bevorzugt einzusetzenden wandhängenden
Brennwertkesseln mit kleinem Wasserinhalt des Wärmetauschers ist häufig, wie eingangs
erläutert, ein Überströmventil (Bypass) integriert, um das Heizgerät einwandfrei betreiben
zu können. Dieses Überströmventil ist zwischen dem Vor- und dem Rücklauf der Heizungsanlage
installiert (siehe Figur 1).
[0013] Bei hohem Wärmegewinn (Sonnenstrahlung, Beleuchtung, elektronische Geräte) bzw. durch
Verschließen der Thermostatventile durch den Benutzer der Heizungsanlage verringert
sich der Volumenstrom durch den bzw. die Heizkörper 5, 6. Figur 1 stellt den Beispielsfall
dar, dass das Thermostatventil am Heizkörper 5 durch den Nutzereingriff geschlossen
ist, so dass der Volumenstrom durch diesen Heizkörper 5 praktisch bei nahe Null liegt.
Die Rücklauftemperatur von diesem Heizkörper ist somit sehr niedrig (annähernd Raumtemperatur).
Das Thermostatventil vom Heizkörper 6 stellt in diesem Beispiel aufgrund einer hohen
Sonnenstrahlung fast die Stellung geschlossen ein. Durch den Heizkörper 6 fließt damit
lediglich noch ein geringfügiger Volumenstrom von zum Beispiel 30 l/h (Liter pro Stunde).
Die Rücklauftemperatur vom Heizkörper 6 ist aber höher als die vom Heizkörper 5. Der
gesamte Volumenstrom durch die Heizungsanlage beträgt für den genannten Fall weit
unter 50 l/h.
[0014] Wie dem auch sei, benötigt aber der eingangs genannte Kessel mit geringem Wasserinhalt
einen Mindestvolumenstrom, der weit über 100 l/h liegt. Bei einer Unterschreitung
dieses Mindestvolumenstroms kommt es zum Sieden innerhalb des Wärmetauschers. Die
häufige Wiederholung dieses Betriebszustandes verursacht durch das Sieden Materialabrisse,
Korrosion sowie Kalkablagerungen. Demzufolge entstehen Schäden am Wärmetauscher und
schließlich verkürzt dies die Lebensdauer des Kessels. Zusammengefasst ist die Betriebssicherheit
des Heizgeräts beim dargestellten Beispielfall nicht gewährleistet.
[0015] Gewissermaßen als Kompromisslösung für den oben genannten Problemfall lässt sich
die Heizungsanlage, wie oben erläutert, mit einem Überströmventil ausstatten, das
die Vorlaufleitung mit der Rücklaufleitung verbindet. Falls die Thermostatventile
von Heizkörper 5 und 6 nahezu geschlossen sind, steigen der hydraulische Widerstand
der Heizungsanlage und der verfügbare Förderdruck. Überschreitet dieser Förderdruck
die Federkraft des Überströmventils, öffnet es, d. h., das Heizungswasser (Heizkreismedium)
fließt über das Überströmventil von der Vorlaufzur Rücklaufleitung. Somit sorgt das
Überströmventil für den Mindestvolumenstrom im Kesselkreis. Der Volumenstrom, der
durch den Kessel fließt, besteht dabei aus zwei Teilvolumenströmen: den, der durch
das Überströmventil fließt, und den, der durch den Heizkreis mit den beiden Heizkörpern
5 und 6 fließt. Da die Temperatur nach dem Überströmventil (aber vor der Mischung
mit dem Rücklauf von der Heizungsanlage) nahezu identisch mit der Vorlauftemperatur
ist, steigt die Rücklauftemperatur am Kesseleintritt um so höher, je mehr Heizkreismedium
durch das Überströmventil fließt. Diesen Effekt nennt man die Anhebung der Kesselrücklauftemperatur,
welche den Wirkungsgrad bei Brennwertkesseln verringert.
[0016] Die meisten Überströmventile sind mit Federn ausgestattet. Die Federkraft lässt sich
einstellen. Falls die Federkraft zu niedrig eingestellt wird, öffnet sich das Überströmventil
zu oft. Somit verringert sich der Kesselnutzungsgrad bzw. die Brennwertnutzung wird
nicht ausgeschöpft. Hinzu kommt, dass die Pumpe mit hoher Drehzahl angesteuert werden
muss, um die Wärme vom Kessel in die einzelnen Räume zu transportieren. Dies gewährleistet
zwar den Nutzerkomfort, erhöht aber die elektrische Energie für den Pumpenbetrieb.
Liegt die Pumpendrehzahl dagegen niedrig, fließt das Heizungsmedium ausschließlich
durch den Heizkreis. In diesem Fall öffnet das Überströmventil nicht, d. h. der Mindestumlauf
durch den Kessel wird nicht gewährleistet.
[0017] In den Fällen, in denen die Federkraft zu hoch eingestellt ist, muss die Pumpe immer
einen bestimmten verfügbaren Förderdruck, der höher als die Federkraft des Überströmventils
ist, mit entsprechend hoher Pumpendrehzahl gewährleisten, um sicher zu stellen, dass
bei einem sehr niedrigen Gesamtvolumenstrom das Überströmventil öffnet.
[0018] Ist der Förderdruck der Pumpe hoch, entstehen starke Geräusche an den Thermostatventilen,
falls diese in der Stellung "fast geschlossen" sind. Außerdem läuft die Pumpe unnötig
mit hoher Drehzahl und verbraucht entsprechend viel elektrische Energie.
[0019] Zwischenergebnis: Mit dem Überströmventil ist der Mindestvolumenstrom gewährleistet.
Allerdings ergibt sich hieraus eine Verringerung des Kesselwirkungsgrades und ein
größerer Verbrauch an elektrischer Energie für den Pumpenbetrieb. Bei falscher Einstellung
der Pumpendrehzahl und/oder der Federkraft des Überströmventils, was in der Praxis
leider häufig vorkommt, entstehen darüber hinaus Geräusche, Komforteinbußen und eine
Verringerung des Kesselwirkungsgrades.
[0020] Die Erfindung besteht gegenständlich betrachtet insbesondere darin, dass statt des
Überströmventils ein Mittel zur Erfassung des Volumenstroms 3 bzw. ein Volumenstrommesser
am Heizkreis bzw. besonders bevorzugt an der zentralen Rücklaufleitung des Heizkreises
angeordnet ist (siehe hierzu Figur 2). Der Volumenstromsensor verfügt dabei vorzugsweise
über einen Messbereich von 10 bis 2000 l/h mit einer Genauigkeit kleiner 2% vom Messwert
bzw. einer absoluten Abweichung von +/- 10 l/h. Außerdem beträgt der Druckabfall am
Volumenstromsensor bei einem Volumenstrom von 2000 l/h vorzugsweise weniger als 70
mbar.
[0021] In der Regelung ist die Funktion "Dauer der Brennerlaufzeit" in Abhängigkeit vom
"Volumenstrom" für den Fall hinterlegt, dass dieser kleiner als ein vordefinierter
Mindestvolumenstrom ist. Dieser Mindestvolumenstrom ist wahlweise in der Regelung
fest abgespeichert oder kann entsprechend individuell eingegeben werden. Erfasst der
Volumenstromsensor zum Beispiel den aktuellen Volumenstrom von 30 l/h, der weit unter
dem vordefinierten Mindestvolumenstrom von zum Beispiel 120 l/h liegt, wird die oben
genannte Funktion aktiviert. Diese Funktion übergibt der Regelung dann die maximal
zulässige Brennerlaufzeit von zum Beispiel 50 Sekunden. Gleichzeitig prüft die Regelung,
ob die aktuelle Kesselrücklauftemperatur einen Temperatursollwert unterschreitet.
Ist dies der Fall, wird der Brenner für die zuvor ermittelte zulässige Brennerlaufzeit
gestartet. Sobald die zulässige Brennerlaufzeit abgelaufen ist, wird der Brenner ausgeschaltet.
Dies erfolgt dabei unabhängig von der tatsächlichen Kesselvorlauftemperatur, da diese
aufgrund des geringen Volumenstroms bzw. der niedrigen Strömungsgeschwindigkeit des
Heizkreismediums im Heizkreis keine Aussage über die tatsächlich Temperatur innerhalb
des Wärmetauschers ermöglicht. - Oder nochmals in anderen Worten: Besonders bevorzugt
ist vorgesehen, dass eine Rücklauftemperatur am Rücklauf 7 des Heizkreises 1 ermittelt
und der Brenner 2 bei einem unterhalb des vordefinierten Mindestvolumenstroms liegenden
Volumenstrom im Heizkreis 1 nur dann eingeschaltet wird, wenn die Rücklauftemperatur
einen vorgegebenen Temperatursollwert unterschreitet. Dabei ist weiterhin bevorzugt
vorgesehen, dass in der Regelung 4 eine Funktion hinterlegt ist, mit der jedem tatsächlich
ermittelten, unterhalb des vordefinierten Mindestvolumenstroms liegenden Volumentstrom
eine maximal zulässige Brennerlaufzeit zugeordnet wird.
[0022] Figur 3 verdeutlicht diesen Zusammenhang: Nach dem Ablauf der vorgegebenen Brennerlaufzeit
(von - wie in diesem Beispiel - 60 Sekunden) beträgt die Temperatur am Vorlauf noch
unter 40°C. Obwohl der Brenner 1 ausgeschaltet ist, steigt die Vorlauftemperatur weiter
an und erreicht den maximalen Wert von etwa 60°C. Somit ist umgekehrt ausgedrückt
bevorzugt vorgesehen, dass der Brenner 2 bei einem unterhalb des vordefinierten Mindestvolumenstroms
liegenden Volumenstrom nach Ablauf der Brennerlaufzeit auch dann ausgeschaltet wird,
wenn eine Vorlauftemperatur am Vorlauf 8 des Heizkreises 1 noch nicht einem vorgegebenen
Temperatursollwert entspricht.
[0023] Figur 4 zeigt schließlich beispielhaft die oben genannte Funktion der zulässigen
Brennerlaufzeit in Abhängigkeit vom Volumenstrom.
[0024] Mit dem erfindungsgemäßen Verfahren lässt sich, wie gezeigt, der Nutzungskomfort
und gleichzeitig die gerätetechnische Sicherheit erhöhen. Der erwähnte Effekt der
"Rücklaufanhebung" tritt aufgrund des Entfalls des Überströmventils nicht auf. Demzufolge
erhöht sich der Kesselwirkungsgrad. Die Pumpe wird nicht mehr unnötig mit hoher Drehzahl
angesteuert und spart somit elektrische Energie. Weiterhin entstehen keine Geräusche
an den Thermostatventilen.
Bezugszeichenliste
[0025]
- 1
- Heizkreis
- 2
- Brenner
- 3
- Mittel zur Erfassung des Volumenstroms
- 4
- Regelung
- 5
- Heizkörper
- 6
- Heizkörper
- 7
- Rücklauf
- 8
- Vorlauf
1. Verfahren zum Betrieb einer Heizungsanlage, wobei ein in einem Heizkreis (1) zirkulierendes
Heizkreismedium mindestens zeitweise mit einem Brenner (2) erwärmt wird, wobei die
Zirkulation des Heizkreismediums mit einem Mittel zur Erfassung des Volumenstroms
(3) bestimmt und der Brenner (2) über eine Regelung (4) ein- und ausgeschaltet wird,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Ein- und Ausschalten des Brenners (2) unterhalb eines vordefinierten Mindestvolumenstroms
des Heizkreismediums im Heizkreis (1) in Abhängigkeit von einem mit dem Mittel zur
Erfassung des Volumenstroms (3) ermittelten Volumenstrom mit der Regelung (4) festgelegt
wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass eine Rücklauftemperatur am Rücklauf (7) des Heizkreises (1) ermittelt und der Brenner
(2) bei einem unterhalb des vordefinierten Mindestvolumenstroms liegenden Volumenstrom
im Heizkreis (1) nur eingeschaltet wird, wenn die Rücklauftemperatur einen vorgegebenen
Temperatursollwert unterschreitet.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet,
dass in der Regelung (4) eine Funktion hinterlegt ist, mit der jedem tatsächlich ermittelten,
unterhalb des vordefinierten Mindestvolumenstroms liegenden Volumentstrom eine maximal
zulässige Brennerlaufzeit zugeordnet wird.
4. Verfahren nach Anspruch 3,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Brenner (2) bei einem unterhalb des vordefinierten Mindestvolumenstroms liegenden
Volumenstrom nach Ablauf der Brennerlaufzeit auch dann ausgeschaltet wird, wenn eine
Vorlauftemperatur am Vorlauf (8) des Heizkreises (1) noch nicht einem vorgegebenen
Temperatursollwert entspricht.