[0001] Die Erfindung bezieht sich auf einen weichmagnetischen ferritischen Chromstahl und
dessen Verwendung.
[0002] Derartige Stähle sind in großer Zahl bekannt und eignen sich je nach ihrer speziellen
Zusammensetzung für eine Vielzahl von Verwendungszwecken je nach der Zusammensetzung
im einzelnen.
[0003] So beschreibt die deutsche Patentschrift
695 17 533 T2 einen korrosionsbeständigen ferritischen Automatenstahl mit einer Koerzitivkraft
von höchstens 398 A/m, im günstigsten Falle von 239 A/m bei einer Sättigungsinduktion
von über 10 kG und einem elektrischen Widerstand von mindestens 80 µ-Ω-Zentimeter.
Dieser Stahl besteht aus höchstens 0,3% Kohlenstoff, höchstens 0,06% Stickstoff, 0,7
bis 1,4% Silizium, 0,1 bis 2,0% Mangan, 0,1 bis 0,5% Schwefel, 15 bis 20% Chrom, bis
0,25% Kupfer, 0,8 bis 3% Molybdän, 0,10 bis 0,60% Niob, bis 0,02% Titan, bis 0,05%
Aluminium und bis 0,6% Nickel. Rest Eisen einschließlich erschmelzungsbedingter Verunreinigungen.
Der weite Bereich der Koerzitivkraft zeigt, dass sich der Stahl hinsichtlich seiner
magnetischen Ausscheidungen nicht im Gleichgewichtszustand befindet, h.h. thermodynamisch
instabil ist.
[0004] Seine Eigenschaften sind erheblich von seiner Wärmebehandlung im Anschluß an ein
Warmwalzen bei 1065 bis 870 °C abhängig. Diese Wärmebehandlung besteht in einem 1
bis 4 Stunden dauernden Glühen bei 800 bis 1100 °C mit anschließendem langsam Abkühlen
zur Vermeidung übermäßiger Restspannungen, jedoch so schnell, dass das Ausscheiden
schädlicher Phasen, beispielsweise von Karbiden, im geglühten Zustand auf ein Minimum
reduziert wird. Die Reproduzierbarkeit der Koerzitivkraft mit geringer Streuung ist
daher äußerst problematisch.
[0005] Des weiteren beschreibt die
US-Patentschrift 5 496 515 einen ferritischen rostfreien Stahl mit verbesserter Bearbeitbarkeit. Dieser Stahl
besteht aus höchstens 0,17% Kohlenstoff, bis 2,0% Silizium, bis 2,0% Mangan, bis 0,55%
Schwefel, 11 bis 20% Chrom, bis 3,0% Molybdän, höchsten 30 x 10
-4% Kalzium, unter 1,0% Nickel und über 70 x 10
-4% Sauerstoff mit Ausscheidungen aus dem Phasendiagramm CaO-SiO
2-Al
2O
3, Rest Eisen einschließlich erschmelzungsbedingter Verunreinigungen. Der verhältnismäßig
weite Bereich des Chromgehalts spricht gegen die magnetischen Eigenschaften des Stahls,
und dies um so mehr, als Ausscheidungen auf der Basis von CaO, SiO
2 und Al
2O
3 bezüglich der magnetischen Eigenschaften besonders ungünstig sind.
[0006] Des weiteren beschreibt die US-Patentschrift 2007 01 66 183 einen korrosionsbeständigen
ferritischen Chromstahl mit höchstens 0,025% Kohlenstoff, höchstens 0,025% Stickstoff,
1,0 bis 2,0% Silizium, höchstens 0,6% Mangan, 0,15 bis 0,40% Schwefel, 12 bis 14%
Chrom, bis 0,5% Kupfer, 0,5 bis 1,3% Molybdän, 0,5 bis 1,3% Vanadium, bis 0,02% Aluminium
und bis 0,5% Nickel, Rest Eisen, dessen Korrosionsbeständigkeit jedoch angesichts
der Anwesenheit von Mangansulfiden im Gefüge beeinträchtigt ist.
[0007] Schließlich beschreibt die deutsche Patentschrift
10 2004 063 161 B4 einen katlverformbaren 'korrosionsbeständigen Chromstahl mit 0,005 bis 0,05% Kohlenstoff,
bis 0,01% Stickstoff, 0,3 bis 1,0% Mangan, 0,15 bis 0,65% Schwefel, 14 bis 20% Chrom,
0,2 bis 1,0% Kupfer, 0,1 bis 1,0% Molybdän, 0,005 bis 0,08% Niob, Vanadium und Titan,
bis 0,8% Nickel sowie einzeln oder nebeneinander 0,01 bis 0,1% Blei, 0,01 bis 0,5%
Vismut, 0,01 bis 0,1% Arsen, 0,01 bis 0,1% Antimon, 0,005 bis 0,08% Zirkonium, und
jeweils bis 0,20% Selen und Tellur, Rest Eisen einschließlich erschmelzungsbedingter
Verunreinigungen. Der Stahl ist wegen seiner guten mechanischen Bearbeitbarkeit, insbesondere
seiner guten Zerspanbarkeit, seines homogenen Gefüges sowie seiner gleichmäßigen Verteilung
der sulfidischen Ausscheidungsphasen nach einem Kaltverformen und einem anschließenden
Glühen mit gesteuerter Abkühlung als Werkstoff zum Herstellen von Druckerdüsen, Schreibminenspitzen,
Einspritzdüsen für chemische und elektronische Geräte, Spinndüsen sowie Komponenten
mit kleinen Abmessungen und/oder Ausnehmungen, insbesondere Bohrungen geeignet. Dabei
erweisen sich die Sulfide des Mangans, des Nickels, des Kobalts und des Vanadiums
als günstig. Die betreffenden Ausscheidungsphasen sind für eine weichmagnetische Verwendung
jedoch nachteilig, weshalb dieser Stahl zwar eine sehr gute Mikrozerspanbarkeit besitzt,
jedoch für magnetische Anwendungsfälle nicht geeignet ist.
[0009] Die steigenden Anforderungen an die Schalt- und Steuerfrequenzen magnetischer Funktionselemente
und die Produktionskosten sowie das Problem der Reproduzierbarkeit mit geringer Streubreite
erfordern jedoch neue Werkstoffe, insbesondere solche, die sich rasch ändernden magnetischen
Feldern ausgesetzt sind und diese insbesondere im Bereich kleiner magnetischer Feldstärken
möglichst unmittelbar, d.h. verzögerungsarm weiterleiten. Das jedoch setzt eine niedrige
Koerzitivkraft bzw. einen weichmagnetischen Werkstoff voraus.
[0010] Weichmagnetische ferritische Stähle müssen jedoch hinsichtlich ihrer Koerzitivkraft
eine hohe Reproduzierbarkeit besitzen. Demgemäß läßt sich eine durch die Kaltverformung
verursachte Beeinträchtigung ihrer Koerzitivkraft durch ein Weichglühen mit dem Ziel
beseitigen, die Kaltverfestigung wieder abzubauen und dabei möglichst den Ausgangszustand
vor dem Kaltverformen wieder zu erreichen. Dies ist jedoch nur dann möglich, wenn
das Gefüge thermodynamisch hinreichend stabil ist.
[0011] Des weiteren müssen ferritische Chromstähle nicht nur hinreichend korrosionsbeständig
sein, sondern auch günstige weichmagnetische Eigenschaften besitzen sowie gut bearbeitbar,
insbesondere gut zerspanbar sein. Dies ist jedoch in vielen Fällen nicht erreichbar,
was damit zusammenhängt, dass die ferritischen Stähle sehr weich sind und es demzufolge
beim Zerspanen oder auch Verformen zu Anschweißungen und Anklebungen am Werkstoff
kommt. Derartige Anklebungen oder Anschweißungen bewirken einerseits eine geringe
Werkzeugstandzeit verbunden mit einer mangelhaften Oberflächengüte, insbesondere -glätte.
Der Grund dafür liegt darin, dass die durch ein Kaltverschweißen unter dem Einfluß
des Schneiddrucks entstehenden Anklebungen und Anschweißungen abgerissen werden. Die
Praxis verlangt jedoch möglichst gratfreie Bohrungen, Nuten oder Sacklöcher. Besonders
nachteilig ist dabei eine Gratbildung, wie sie beim Bohren von Löchern mit einem geringen
Durchmesser unter 0,8 mm auftritt. Bei derartigen Bohrungen ist die Spandicke nur
sehr gering; sie liegt im allgemeinen unter 0,1 mm, so dass der Span sich am Bohrungsrand
unter verschiedenen Winkeln ausbildet, sich aber auch einrollt (vgl. Fig. 3), so dass
stets ein aufwendiges Nachbearbeiten mit entsprechenden Kosten erforderlich ist.
[0012] Zwar läßt sich die Spanbildung und damit die Zerspanbarkeit verbessern und die Neigung
zu Verklebungen durch die Anwesenheit von Ausscheidungen bestimmter Phasen im Gefüge
oder ein örtliches Aufhärten verbessern. Das ist jedoch mit eine Beeinträchtigung
der magnetischen Eigenschaften und insbesondere einer Erhöhung der Koerzitivkraft
verbunden.
[0013] Das Problem der weichmagnetischen ferritischen Chromstähle ist demzufolge nach wie
vor, eine gute Zerspanbarkeit in Verbindung mit einer niedrigen Koerzitivkraft und
hinreichender Korrosionsbeständigkeit zu erreichen.
[0014] Die Ausscheidungen vermindern zwar beim Zerspanen das Entstehen von Kaltverschweißungen
und erhöhen auf diese Weise die Werkzeugstandszeit. Von großem Nachteil ist jedoch,
dass manche Ausscheidungen magnetisch nahezu undurchlässig sind. Die Folge davon ist
eine Erhöhung der Koerzitivkraft. Der Grund dafür ist, dass der magnetische Fluß bzw.
die diesen charakterisierenden magnetischen Flußlinien die erwähnten Ausscheidungen
umgehen, was im Hinblick auf einen bestimmten Magnetfluß höhere magnetische Feldstärken
und Energien erforderlich macht, wie das in einer erhöhten Koerzitivkraft zum Ausdruck
kommt. Hinzu kommt, dass im Vergleich zur ferritischen Matrix das elektrochemische
Korrosionspotential der Ausscheidungen in starkem Maße unterschiedlich ist und daher
Bereiche erhöhter Korrosionsbeständigkeit bilden. Dem ließe sich zwar durch eine Erhöhung
des Chromgehalts entgegenwirken, jedoch ist das Chrom unmagnetisch und verschlechtert
damit die ferromagnetischen Eigenschaften des Stahls.
[0015] Wie die Verhältnisse in der Praxis liegen, zeigt Fig. 1 der Zeichnung schematisch.
Darin kennzeichnet 1 die ferritische Matrix, 2 magnetische Feldlinien, 3 magnetisch
durchlässige Ausscheidungen, 4 magnetisch kaum durchlässige Ausscheidungen und 4 die
Korngrenzen.
[0016] Vor diesem Hintergrund besteht das der Erfindung zugrundeliegende Problem darin,
einen weichmagnetischen ferritischen Stahl zu schaffen, der sich durch eine gute Zerspanbarkeit
mit geringer Neigung zur Gratbildung beim Zerspanen, eine hohe Korrosionsbeständigkeit
und insbesondere eine gute Reproduzierbarkeit seiner Eigenschaften auszeichnet.
[0017] Die Lösung dieses Problems besteht in einer bestimmten Zusammensetzung des Stahls
mit bestimmten Sulfidausscheidungen und vermeidet andererseits das Entstehen schädlicher
Ausscheidungen.
[0018] Im einzelnen besteht die Lösung des Problems in einem weichmagnetischen ferritischen
Chromstahl mit
| |
bis 0,025% |
Kohlenstoff |
| |
bis 0,02% |
Stickstoff |
| 0,5 |
bis 1,8% |
Silizium |
| 0,30 |
bis 1,5% |
Mangan |
| 0,20 |
bis 0,35% |
Schwefel |
| 12,0 |
bis 18,0% |
Chrom |
| 0,05 |
bis 0,8% |
Kupfer |
| 0,5 |
bis 3,0% |
Molybdän |
| 0,02 |
bis 0,35% |
Niob |
| 0,4 |
bis 1,2% |
Vanadium |
| |
bis 0,06% |
Titan |
| 0,001 |
bis 0,02% |
Aluminium |
| |
bis 0,02% |
Kalzium |
| 0,01 |
bis 1,0% |
Nickel |
| 0,01 |
bis 0,4% |
Kobalt |
| |
bis 0,004% |
Bor, |
Rest Eisen einschließlich erschmelzungsbedingter Verunreinigungen.
[0019] Der Stahl enthält vorzugsweise
| 0,001 bis 0,020% |
Kohlenstoff |
| mindestens 0,001% |
Stickstoff |
| 0,65 bis 0,70% |
Mangan |
| höchstens 14,0% |
Chrom |
| 0,1 bis 0,5% |
Kupfer |
| bis 2,5% |
Molybdän |
| 0,1 bis 0,35% |
Niob |
| mindestens 0,005% |
Titan |
und 0,1 bis 0,5% Nickel einzeln oder nebeneinander.
[0020] Dabei können die Gehalte an Nickel und Kobalt der Bedingung:

sowie das Verhältnis von Niob und Vanadium der Bedingung

genügen.
[0021] Das Aluminium ist ein sehr starkes Oxidationsmittel und verbindet sich mit dem Sauerstoff
der Schmelze zu sehr stabilem Tonerdeausscheidungen, die in Magnetstählen aufgrund
ihrer geringen magnetischen Durchlässigkeit und Suszeptibilität bzw. ihres Diamagnetismus
die Koerzitivkraft erhöhen. Der Stahl enthält daher höchstens 0,025%, vorzugsweise
höchstens 0,020% Aluminium.
[0022] Der Kohlenstoff ist nicht unerwünscht, aber er erhöht die Festigkeit und Härtbarkeit.
Außerdem bildet er mit den Elementen Chrom, Titan, Vanadium, Niob und Wolfram Karbide,
die sowohl die Korrosionsbeständigkeit verringern als auch die Koerzitivkraft nachteilig
erhöhen. Da zudem der Kohlenstoff das Entstehen von Austenit fördert, sollte der Stahl
möglichst wenig Kohlenstoff enthalten und der Kohlenstoffgehalt 0,025% nicht übersteigen.
[0023] Der Stickstoff bildet mit Aluminium, Chrom, Titan, Vanadium und Niob harte, in weichmagnetischen
Stählen magnetisch ungünstige Ausscheidungen und wirkt zudem austenitstabilisierend.
Der Stickstoffgehalt beträgt daher höchstens 0,02%.
[0024] Das Chrom erhöht als Karbidbildner die Verschleißfestigkeit und gewährleistet bei
einem Gehalt von mindestens 12% eine ausreichende Korrosionsbeständigkeit, wenngleich
Chrom bei einem Gehalt über 18,0% als diamagnetisches Legierungselement die Magnetisierung
im Ferrit verringert. Der Chromgehalt beträgt daher 12,0 bis 18,0%.
[0025] Das Molybdän verringert die kritische Abkühlungsgeschwindigkeit und bildet mit dem
Kohlenstoff stabile Karbide. In Kombination mit dem Chrom verbessert es die Korrosionsbeständigkeit,
erhöht aber auch als diamagnetisches Element den magnetischen Widerstand. Der Molybdängehalt
beträgt daher 0,5 bis 3,0%.
[0026] Das Vanadium ist ein starker Karbid-, Nitrid- und Sulfidbildner; es tritt in mehreren
Oxidationsstufen auf und bildet auch Mischsulfide mit hoher magnetischer Durchlässigkeit
(Suszeptibilität) insbesondere als Folge von Reaktionen mit dem ferromagnetischen
Nickel und Kobalt. Des weiteren sind Vanadiumsulfide für einen guten Spanbruch von
Vorteil. Das Vanadium bildet zudem zusammen mit dem Niob wichtige Kristallisationskeime.
Ein Vanadiumgehalt von 0,4 bis 1,2% gewährleistet daher sowohl günstige magnetische
Eigenschaften als auch eine hohe Korrosionsbeständigkeit. Vorzugsweise beträgt der
Vanadiumgehalt mindestens 0,5%.
[0027] Das Titan ist ein starkes Desoxidationsmittel und bildet stabile Oxide, Karbide,
Nitride und Sulfide, jedoch mit ungünstigen magnetischen Eigenschaften. Der Titangehalt
beträgt daher nur höchstens 0,06%.
[0028] Auch das Niob zählt zu den starken Karbid-, Nitrid- und Sulfidbildnern; es stabilisiert
zudem den Ferrit und bildet als Sulfidbildner Primärkeime, die als Kristallisationszentren
wirken. Der Niobgehalt beträgt daher 0,002 bis 0,35%.
[0029] Das Mangan bildet Sulfide mit Leerstellen, die eine sehr hohe magnetische Durchlässigkeit
(Suszeptibilität) aufweisen. Mit ferromagnetischen Metallen wie Nickel und Kobalt
bildet das Mangan zudem Mischsulfide. Darüber hinaus verbessert das Mangansulfid,
insbesondere stabilisiertes Mangansulfid das Spanbruchverhalten. Andererseits stabilisiert
das Mangan jedoch auch den Austenit. Der Mangangehalt beträgt daher 0,30 bis 1,5%,
vorzugsweise höchstens 0,7%.
[0030] Der Schwefel mit 0,20 bis 0,35% bildet Sulfide, mit deren Hilfe die Zerspanbarkeit
verbessert wird. Diese Sulfide wirken als Bruchkeime und verbessern daher das Trennen
der Späne. Da der Schwefel jedoch auch unterstöchiometrische Sulfide und Mischsulfide
mit Vanadium, Mangan, Kobalt und Nickel bildet, empfiehlt sich eine thermische Nachbehandlung
zur Verbesserung der magnetischen Eigenschaften und der Korrosionsbeständigkeit.
[0031] Nickel und Kobalt gehören neben dem Eisen zu den ferromagnetischen Metallen, erweitern
jedoch in Chromstählen das austenitische Gamma-Gebiet auf Kosten des Ferrits. Da beide
Elemente mit dem Schwefel magnetisch stabile Sulfide mit hoher magnetischer Suszeptibilität
bilden, beträgt der Nickelgehalt 0,01 bis 1,0% und der Kobaltgehalt 0,01 bis 0,4%.
[0032] Da Kobalt sowohl in einer kubischen als auch in einer hexagonalen Modifikation vorliegt
und die Umwandlung im Temperaturbereich von 400 bis 450 °C stattfindet, empfiehlt
sich ein Glühen unterhalb dieses Temperaturbereichs. Die Glühtemperatur beträgt vorzugsweise
höchstens 380 °C.
[0033] Der erfindungsgemäße Stahl zeichnet sich zudem durch eine geringe Koerzitivkraft
aus und eignet sich deswegen beispielsweise zum Herstellen von Magnetventilen, die
beim Abschalten des Stroms zur Versorgung einer Spule einen möglichst geringen Restmagnetismus
aufweisen sollen, um bleibende magnetische Kraftwirkungen und die damit verbundene
Verringerung der Schaltgeschwindigkeit zu vermeiden.
[0034] Der Stahl nach der Erfindung zeichnet sich des weiteren durch eine hohe Korrosionsbeständigkeit
aus, die eine Beibehaltung des Oberflächenzustandes gewährleistet und gerade bei Funktionskomponenten
von großer Bedeutung ist, um den Reibungsbeiwert bzw. die Oberflächenrauhigkeit und
-glätte für eine möglichst lange Verwendungsdauer konstant zu halten. Dies gilt namentlich
für die Korrosionsbeständigkeit an Luft, im Wasser, gegenüber Salzen sowie den Abgasen
von Verbrennungsmotoren wie beispielsweise Schwefeldioxid und Biokraftstoffen.
[0035] Unter Funktionskomponenten sind hier metallische Bauteile zu verstehen, die unter
der Einwirkung von Kräften und Beschleunigungen eingesetzt werden wie beispielsweise
Komponenten einer Vorrichtung zum Einspritzen von Kraftstoff bei einem Motor oder
wie die Teile eines Magnetventils. Funktionskomponenten unterliegen im allgemeinen
einer starken Beanspruchung auf Verschleiß, Korrosion und magnetische Kräfte.
[0036] Insgesamt basiert die Erfindung auf drei Wirkungsmechanismen.
[0037] Zum einen zielt die Erfindung darauf ab, Legierungsbestandteile und Ausscheidungen
mit einem hohen magnetischen Widerstand, die den magnetischen Fluß bzw. die Flußlinien
verdrängen, zu vermeiden. Der Chromstahl ist daher so zusammengesetzt, dass er vorrangig
nur solche Ausscheidungen enthält, die eine gute magnetische Durchlässigkeit aufweisen,
d.h. paramagnetisch sind. Andererseits vermeidet die Erfindung Ausscheidungen mit
einem hohen magnetischen Widerstand oder schlechter magnetischer Durchlässigkeit.
Andererseits vermeidet die Analyse Ausscheidungen mit einem hohen magnetischen Widerstand
oder schlechter magnetischen Durchlässigkeit.
[0038] Der zweite Wirkungsmechanismus ergibt sich daraus, dass die Mikrozerspanbarkeit durch
thermisch modifizierte zerspanungsfördernde, insbesondere die Gratbildung beim Bohren
vermindernde Sulfide verringert wird.
[0039] Der dritte Wirkungsmechanismus ergibt sich schließlich daraus, dass die Korrosionsempfindlichkeit
schwefelenthaltender Ausscheidungen durch eine thermodynamische Stabilisierung und
Wechselreaktion mit bestimmten Elementen in der Matrix im Wege einer Festkörperreaktion
verringert wird.
[0040] Des weiteren haben umfangreiche Untersuchungen gezeigt, dass sich schwefelhaltige
Ausscheidungen durch ein Diffusions-Wechselglühen, im folgenden als Pendelglühen bezeichnet,
in ihren Eigenschaften, insbesondere den magnetischen Eigenschaften sowie hinsichtlich
ihrer Korrosionsbeständigkeit und Mikrozerspanbarkeit vorteilhaft verändern lassen.
Versuche haben dabei ergeben, dass die sich bei hohen Temperaturen bildenden Metallsulfide
vom Typ MeS und Me
2S
3 sowie Sulfide mit Fehl- oder Gitterleerstellen nicht einheitlich stöchiometrisch
zusammengesetzt sind und auch als Mischungen vorliegen. Diese Sulfide bzw. Sulfidgemische
lassen sich sowohl hinsichtlich ihrer Zusammensetzung als auch ihrer Eigenschaften
durch ein solches Pendelglühen in Wechselwirkung mit bestimmten Elementen des Grundgefüges
modifizieren.
[0041] Versuche haben in diesem Zusammenhang ergeben, dass die Sulfide von Metallen, die
in mehreren Oxidationsstufen und/oder unterstöchiometischen Verbindungen vorliegen
können, wie im Falle von Mangan, Titan, Vanadium und Niob unterschiedlich stabile
Sulfide bilden. In der Tabelle 1 sind die im vorliegenden Zusammenhang wichtigsten
Sulfide und deren thermodynamischen Bildungswärmen aufgeführt. Sämtliche Bildungswärmen
sind negativ, woraus sich ergibt, dass sich die betreffenden Verbindungen bzw. Ausscheidungen
ohne Zwang bilden. Dabei ist die Neigung zum Entstehen der Ausscheidungen um so größer,
je höher die negativen Bildungswärmen sind.
[0042] Durch ein Glühen, vorzugsweise Pendelglühen, lassen sich bei höherer Temperatur unterstöchiometrische,
also nicht den tatsächlichen Mengenverhältnissen im Werkstoff entsprechende und Fehlstellen
aufweisende Ausscheidungen im Wege von Festkörperreaktionen in stabilere Ausscheidungen
umwandeln, die nicht mehr mit Elementen der Stahlmatrix reagieren und daher ihre spezifischen
Eigenschaften wie im vorliegenden Fall die magnetische Durchlässigkeit beibehalten.
Dafür ist ein bestimmter Temperaturbereich erforderlich, weil bei zu hohen Temperaturen
bestimmte Elemente in der Stahlmatrix gelöst bleiben, während bei zu niedrigen Temperaturen
die Diffusions- und Austauschreaktionen zu langsam ablaufen. Demgemäß kommt dem Bereich
der Glühtemperatur eine entscheidende Bedeutung zu.
[0043] Die im Grundgefüge eingelagerten Sulfide lassen sich demgemäß beim Pendelglühen vorteilhaft
modifizieren. Ein solches Pendelglühen mit beispielsweise 1 bis 3 Zyklen kann bei
einer Dauer von 30 bis 160 Minuten bei 600 bis 900 °C und einem mindestens 30 minütigen
Schlußglühen bei Temperaturen unter 400 °C stattfinden, wie sich das aus dem Diagramm
der Fig. 2 ergibt. Zwischen je zwei Zyklen wird dabei die Temperatur auf unter To,
d.h. hier beispielsweise unter 600 °C verringert, wie das in Fig. 2 veranschaulicht
ist.
[0044] Bei dem Pendelglühen stabilisieren sich die Sulfidausscheidungen, die danach eine
geringere Löslichkeit im Kontakt mit korrodierenden Medien und Wasser mit der Folge
einer besseren Korrosionsbeständigkeit zeigen. Überraschenderweise wirkt sich das
Pendelglühen auch in einer Verbesserung der magnetischen Eigenschaften aus. Das dürfte
sich darauf zurückführen lassen, dass die ferromagnetischen Elemente in der Reihenfolge
Nickel, Kobalt eine zunehmende Affinität zum Schwefel besitzen und sich daher beim
Pendelglühen auch in dieser Reihenfolge wirksam in die Sulfidausscheidungen einbauen
lassen.
[0045] Bei diesem Pendelglühen dürften sich die folgenden Festkörperreaktionen bzw. Sulfidausscheidungen
abspielen:
Me
2S
3 + Co → 2 MeS + CoS (1)
Me
2S
3 + Ni → 2 MeS + NiS (2)
MeS
2 + Co → 2 (Me
0,5Co
0,5) S (3)
MeS
1-x + xCo → (Me, Co) S (4)
[0046] In den Gleichungen 1 bis 4 kann Me beispielsweise Vanadium, Niob oder Mangan bedeuten,
während in den Reaktionsgleichungen 3 und 4 das Kobalt auch durch Nickel ersetzt sein
kann. Mangansulfide können trotz hoher Dichte an Leerstellen auch Mischsulfide bilden.
Aus den entstehenden Sulfiden können sich demgemäß MeCo- und MeNi-Mischsulfide des
Mangans und Vanadiums bilden, deren Nickel- und/oder Kobaltanteil aus dem Grundgefüge
stammt. Dies dürfte der Grund dafür sein, dass sich die Suszeptibilität als Maß der
magnetischen Durchlässigkeit (Permeabilität) von Mangan- und Vanadiumsulfid infolge
des Einbaus des ferromagnetischen Kobalts und Nickels in diese Sulfide vorteilhaft
erhöht. Da das nach den Reaktionsgleichungen 1 oder 3 entstehende Kobaltsulfid oder
-mischsulfid eine höhere magnetische Suszeptibilität besitzt als das Nickelsulfid
nach Gleichung 2 zeigt sich, warum die Wirkung des Kobalts besser ist als die des
Nickels, wenngleich beide Wirkungen vorteilhaft sind. Dabei scheint das teure Kobalt
eine stärkere Wirkung zu haben als das ebenfalls mit Schwefel reagierende Nickel.
Da es sich jedoch in beiden Fällen um wirksame Austenitbildner handelt, sollte der
Nickelgehalt 1 % und der Kobaltgehalt 0,5% nicht übersteigen.
[0047] Die mit dem Pendelglühen erreichbare Verbesserung der Korrosionsbeständigkeit erklärt
sich daraus, dass die beim Glühen entstehenden Sulfide thermodynamisch stabiler und
damit schwerer löslich sind. Diese Stabilisierung der Sulfidausscheidungen wirkt sich
insofern positiv aus, als weitere Glühbehandlungen, beispielsweise nach einem Kaltverformen
und bei höheren Temperaturen, etwa bei 800 °C die Koerzitivkraft kaum beeinflussen.
Das ist insofern von Vorteil, als damit eine höhere Fertigungssicherheit und Reproduzierbarkeit
der Werkstoffeigenschaften verbunden ist.
[0048] Bei Versuchen hat sich zudem gezeigt, dass nur jene Teilmenge der Sulfide einer Modifizierung
nach den Reaktionsgleichungen 1 bis 4 zugänglich ist, der außerhalb einer 1:1-Stöchiometrie
von Me und Schwefel liegt und von der Keimbildung abhängt. Höhere Kobalt- und/oder
Nickelgehalte sind auch von daher nicht förderlich. Der Summengehalt dieser Elemente,
d.h. (%Ni) + 3 (%Co) sollte daher bei 0,3 bis 1,0 liegen, da andernfalls auch ein
längeres oder mehrmaliges Pendelglühen keine wesentliche Änderung des Gefüges bewirkt.
Der Grund hierfür liegt darin, dass das Eindiffundieren von Kobalt und auch Nickel
in die Sulfidausscheidungen nur dann wirksam ist, wenn diese Ausscheidungen gesättigt
sind. Daraus folgt, dass hierfür nur geringe Mengen an Kobalt und Nickel erforderlich
sind.
[0049] Der erfindungsgemäße Stahl besitzt eine geringe Koerzitivkraft, die auch unter dem
Einfluß höherer Temperaturen erhalten bleibt, weil die magnetisierbaren Ausscheidungen
durch das erfindungsgemäße Glühen, insbesondere Pendelglühen thermodynamisch stabil
bzw. stabilisiert sind. Dieses Glühen dient dem Zweck, keine weitere Reaktionen von
Ausscheidungen mehr zu ermöglichen. Damit ergibt sich letztendlich eine hohe Konstanz
der magnetischen Eigenschaften.
Tabelle 1
| Sulfidausscheidungen |
Bildungswärme Kcal/mol |
| MnS |
-52,2 |
| MnS2 |
-53,5 |
| NiS |
-19,6 |
| NiS0,84 |
-19,7 |
| CoS |
-19,8 |
| CoS2 |
-36,6 |
| Co3S3 |
-35,2 |
| NbS |
-50,0 |
| NbS2 |
-84,8 |
| VS |
-64,0 |
| V2S3 |
-227,0 |
| CuS |
-12,7 |
Tabelle 2
| Verbindung |
Magnetische Eigenschaften Susceptibility |
Bewertung der Ausscheidung |
| TIC |
|
schlecht |
| TiN |
|
schlecht |
| Cr3C2 |
|
schlecht |
| Cr23C6 |
|
schlecht |
| NbC |
|
schlecht |
| NbN |
|
schlecht |
| MnS |
5630,0 |
sehr gut |
| MnS |
3850,0 |
sehr gut |
| NiS |
190,0 |
sehr gut |
| CoS |
225,0 |
sehr gut |
| VS |
600,00 |
sehr gut |
| V2S3 |
1560,0 |
sehr gut |
| CaO |
|
schlecht |
| CaO.Al2O3 |
|
schlecht |
| CaO.2 Al2O3 |
|
schlecht |
| SiO2 |
|
schlecht |
| Al2O3 |
|
schlecht |
| TiO2 |
|
schlecht |
| PbS |
|
schlecht |
| AS2S3 |
|
schlecht |
| Sb2S3 |
|
schlecht |
[0050] Die Proben mit der Zusammensetzung nach Tabelle 3 wurden in einem Mittelfrequenzofen
unter Argon erschmolzen, in eine längliche Form vergossen und 30 Minuten bei 1200
°C geglüht sowie anschließend auf 980 °C abgeglüht und bei dieser Temperatur zu Stäben
ausgeschmiedet. Nach dem Abkühlen auf Raumtemperatur wurden die Stäbe abgedreht und
dabei vollständig vom Zunder befreit sowie abschließend zwei Stunden bei 800 °C unter
Wasserstoff geglüht. Dabei handelt es sich bei den Proben 1 bis 3 um erfindungsgemäße
Proben, während die Proben V1 und V4 Vergleichsproben betreffen.
[0051] Zur Bewertung der Koerzitivkraft, der Korrosionsbeständigkeit, des Spanbruch- und
Gratbildungsverhaltens beim Mikrobohren sowie zur Beurteilung der Wirkung des Glühens,
insbesondere des Pendelglühens, wurden zylindrische Proben mit einer Länge von 10
mm und einem Durchmesser von 9 mm verwendet. Dabei wurde die Koerzitivkraft mit einem
handelsüblichen Koerzimeter ermittelt.
[0052] In der Tabelle 2 ist die Koerzitivkraft der Versuchsstähle in Abhängigkeit von der
Zahl der Glühbehandlungen sowie des Pendelglühens verzeichnet. Dabei betreffen die
Versuche 1 bis 3 und 8 bis 15 eine bei ferritischen Chromstählen übliche Glühbehandlung
bei 800 °C, während die Versuche 4 bis 7 ein Pendelglühen in dem kritischen Temperatur-Zeit-Bereich
unterworfen wurden. Während bei den Vergleichsstählen 8 bis 15 die Koerzitivkraft
HC höher und demgemäß ungünstiger ist als bei den erfindungsgemäßen Stählen der Versuche
4 bis 7, weisen diese bei jeweils zwei Pendelglühungen einheitlich eine niedrige Koerzitivkraft
auf.
[0053] Die Versuche zeigen des weiteren, dass das Pendelglühen zu gleichmäßigen Ergebnissen
führt, und zwar auch dann, wenn ein Kaltverformen und ein Zusatzglühen stattfindet.
Dies beweist ein Vergleich der Versuche 4 und 5, im Vergleich zu den Versuchen 8,
9 und 14, 15.
[0054] Aus der Tabelle 4 sind die Ergebnisse eines modifizierten Salzsprühtests ersichtlich.
Bei diesen Korrosionsversuchen wurden die unter die Erfindung fallenden Proben und
die Vergleichsproben in einer ersten Versuchsserie 120 Stunden in einer Testkammer
mit einer 3%-tigen NaCl-Lösung besprüht. Bei einer zweiten Versuchsserie enthielt
die 3%-tige NaCl-Lösung zusätzlich noch 3% Natriumsulfit (Na
2SO
3) und 3% Ammoniumchlorid (NH
4Cl) sowie 5% Methanol. Diese Versuchsserie ist in Tabelle 4 mit "Z" gekennzeichnet.
Die Tabelle gibt auch in Stunden den Zeitraum an, der verging, bis sich erste Rostflecken
oder Rostpunkte zeigten. Soweit das nicht der Fall war, wurden die Proben durch den
Hinweis "keine" gekennzeichnet.
[0055] Des weiteren wurden die Proben nach 240 Stunden hinsichtlich der Häufigkeit und/oder
Menge der aufgetretenen Roststellen mit 1 bis 5 bewertet. Dabei steht 1 für "kein
Rost", 2 für zwei bis drei Roststellen, 3 für drei bis vier Roststellen, 4 für vier
bis fünf Roststellen und 5 für "Roststellen größer als 2 mm
2".
[0056] Schließlich wurden die Proben auch Mikrobohrversuchen mit Fein- und Mikrobohrern
aus Hartmetall eines Durchmessers Db von 0,5 mm und einer Drehzahl von 35.000 Upm
unterworfen. Die Bohrungstiefe betrug bei allen Versuchen einheitlich 4,0 mm. Dabei
wurde die Tendenz zur Gratbildung aus jeweils zwei Werten abgeleitet, und zwar durch
die Gratbreite GB und die Grathöhe H. Dabei wurde die Gratbreite nach der Formel

sowie die Grathöhe H entsprechend Fig. 3 ausgemessen. Dazu veranschaulichen die Aufnahmen
der Fig. 4 bis 6 und 8 die starke Gratbildung beim Mikrobohren von Proben aus einem
herkömmlichen ferritischen Chromstahl im Vergleich zu der nahezu gratfreien Bohrung
eines erfindungsgemäßen Stahls (Fig. 7).
[0057] Die Versuchsergebnisse zeigen eindeutig, dass sich das Pendelglühen vorteilhaft auf
die Koerzitivkraft, die Mikrozerspanbarkeit und das Korrosionsverhalten auswirkt,
ohne dass sich bei einem etwaigen Kaltverformen mit anschließendem Glühen wesentliche
Veränderungen ergeben.
[0058] Da ein Kaltverformen stets die Koerzitivkraft erhöht, müssen ferritische Manganstähle
nach dem Kaltverformen stets zum Abbau der erhöhten Koerzitivkraft einem Glühen unterworfen
werden, um den Anstieg der Koerzitivkraft wieder abzubauen und nach Möglichkeit deren
Ausgangswert wieder zu erreichen. Dabei ergaben sich bislang jedoch Schwierigkeiten,
weil die Sulfide nicht stabilisiert waren und daher untereinander reagierten. Das
Pendelglühen ist daher darauf gerichtet, die teilweise instabilen Sulfide und damit
auch deren magnetische Durchlässigkeit zu stabilisieren. Demgemäß kommt es wesentlich
darauf an, dass die Sulfide thermodynamisch stabilisiert sind und sich bei einem Glühen,
beispielsweise einem Spannungsfreiglühen nicht mehr verändern.
[0059] Der Stahl nach der Erfindung zeichnet sich durch eine hohe Fertigungssicherheit bzw.
Reproduzierbarkeit aus, was die Ergebnisse der Versuche 4 und 5 belegen. Diese Versuchsergebnisse
zeigen, dass ein thermodynamisches Stabilisieren der Sulfidausscheidungen im Wege
eines Pendelglühens bei dem Stahl nach der Erfindung auch beim Mikrozerspanen durch
niedrigere GB-Werte von Vorteil ist und insbesondere zu einer geringeren Gratbildung
führt. Hinzu kommt die bessere Korrosionsbeständigkeit der Stähle, wie die Ergebnisse
der Versuche 4 bis 7 im Vergleich zu den Versuchen 8 bis 15 veranschaulichen.
Tabelle 3
| Stahl Nr. |
C |
N |
Si |
Mn |
P |
S |
Cr |
Cu |
Mo |
Nb |
Ti |
V |
Ni |
Co |
Al |
| 1 |
0,018 |
0,008 |
1,33 |
0,62 |
0,025 |
0,27 |
12,40 |
0,30 |
1,50 |
0,10 |
0,02 |
0,82 |
0,35 |
0,03 |
0,006 |
| 2 |
0,010 |
0,015 |
1,34 |
0,71 |
0,020 |
0,30 |
13,20 |
0,24 |
1,05 |
0,25 |
0,01 |
1,18 |
0,28 |
0,06 |
0,003 |
| 3 |
0,022 |
0,008 |
1,66 |
0,64 |
0,028 |
0,31 |
13,92 |
0,35 |
1,80 |
0,15 |
0,01 |
1,08 |
0,36 |
0,10 |
0,003 |
| V1 |
0,021 |
0,015 |
1,55 |
0,95 |
0,022 |
0,06 |
14,02 |
0,32 |
1,30 |
n.n. |
0,06 |
0,60 |
0,55 |
0,50 |
0,012 |
| V2 |
0,020 |
0,020 |
1,64 |
0,55 |
0,024 |
0,20 |
12,90 |
0,22 |
0,08 |
n.n. |
n.n. |
0,55 |
0,45 |
n.n. |
0,020 |
| V3 |
0,015 |
0,020 |
1,30 |
0,25 |
0,039 |
0,38 |
13,50 |
0,34 |
1,00 |
n.n. |
n.n. |
1,15 |
0,20 |
n.n. |
0,010 |
| V4 |
0,010 |
0,022 |
1,02 |
1,20 |
0,026 |
0,36 |
13,55 |
0,25 |
2,00 |
0,05 |
0,24 |
0,35 |
4,35 |
n.n. |
0,015 |
Tabelle 4
| Vers. Nr. |
KORROSIONSTEST 120 h |
MIKROZER-SPANUNGSTEST |
| 3%NaCl |
Bewegung |
3%NaCl + Z |
Bewertunq |
GB |
H |
| 1 |
95 |
2 |
85 |
3 |
0,07 |
0,06 |
| 2 |
110 |
3 |
96 |
3 |
0,08 |
0,05 |
| 3 |
98 |
3 |
90 |
3 |
0,07 |
0,06 |
| 4 |
keine |
1 |
keine |
1 |
0,03 |
0,01 |
| 5 |
keine |
1 |
keine |
1 |
0,03 |
0,01 |
| 6 |
keine |
1 |
115 |
2 |
0,03 |
0,01 |
| 7 |
keine |
1 |
keine |
1 |
0,03 |
0,03 |
| 8 |
keine |
1 |
keine |
1 |
0,21 |
0,14 |
| 9 |
keine |
1 |
keine |
1 |
0,20 |
0,09 |
| 10 |
88 |
5 |
75 |
5 |
0,13 |
0,09 |
| 11 |
90 |
4 |
88 |
5 |
0,12 |
0,09 |
| 12 |
96 |
3 |
86 |
5 |
0,09 |
0,11 |
| 13 |
110 |
3 |
95 |
4 |
0,10 |
0,08 |
| 14 |
keine |
1 |
110 |
3 |
0,11 |
0,07 |
| 15 |
keine |
1 |
115 |
3 |
0,10 |
0,08 |
Tabelle 5
| |
PENDELGLÜHEN |
Verformung |
Glühen 2 h in wasserstoff, °C |
HC (A/m) |
| Stahl Nr. |
Vers. Nr. |
|
To(h) Tu(h) |
To(h) |
Tu(h) |
| 1 |
1 |
keine |
keine |
keine |
keine |
keine |
800 |
156 |
| 3 |
2 |
keine |
keine |
keine |
keine |
keine |
800 |
151 |
| 1 |
3 |
keine |
keine |
keine |
keine |
15% |
800 |
161 |
| 1 |
4 |
680 (2h) |
360 (1h) |
680 (2h) |
RT |
keine |
keine |
132 |
| 1 |
5 |
680 (2h) |
360 (1h) |
680 (2h) |
RT |
15% |
800 |
132 |
| 3 |
6 |
680 (2h) |
370 (2h) |
690 (2h) |
RT |
keine |
keine |
142 |
| 4 |
7 |
680 (2h) |
370 (2h) |
690 (2h) |
RT |
keine |
keine |
146 |
| V1 |
8 |
keine |
keine |
keine |
keine |
keine |
800 |
182 |
| V1 |
9 |
keine |
keine |
keine |
keine |
15% |
800 |
175 |
| V2 |
10 |
keine |
keine |
keine |
keine |
keine |
800 |
215 |
| V2 |
11 |
keine |
keine |
keine |
keine |
15% |
800 |
209 |
| V3 |
12 |
keine |
keine |
keine |
keine |
keine |
800 |
220 |
| V3 |
13 |
keine |
keine |
keine |
keine |
15% |
800 |
180 |
| V4 |
14 |
keine |
keine |
keine |
keine |
keine |
800 |
192 |
| V4 |
15 |
keine |
keine |
keine |
keine |
15% |
800 |
182 |
1. Acier chromé ferritique magnétique doux constitué de jusqu'à 0,025 % de carbone,
jusqu'à 0,02 % d'azote,
0,5 à 1,8 % de silicium,
0,30 à 1,5 % de manganèse,
0,20 à 0,35 % de soufre,
12,0 à 18,0 % de chrome,
0,05 à 0,8 % de cuivre,
0,5 à 3,0 % de molybdène,
0,02 à 0,35 % de niobium,
0,4 à 1,2 % de vanadium,
jusqu'à 0,06 % de titane,
0,001 à 0,02 % d'aluminium,
jusqu'à 0,02 % de calcium,
0,01 à 1,0% de nickel,
0,01 à 0,4 % de cobalt,
jusqu'à 0,004 % de bore,
le reste de fer y compris des impuretés liées à la fusion.
2. Acier chromé selon la revendication 1 avec 0,001 à 0,020 % de carbone, au moins 0,001
% d'azote, 0,65 à 0,70 % de manganèse, jusqu'à 14,0 % de chrome, 0,1 à 0,5 % de cuivre,
jusqu'à 2,5 % de molybdène, au moins 0,02 % de niobium, au moins 0,005 % de titane
et 0,1 à 0,5 % de nickel individuellement ou les uns à côté des autres.
3. Acier chromé selon la revendication 1 ou 2, dans lequel la teneur totale en nickel
et cobalt se monte à
4. Acier chromé selon une des revendications 1 à 3, dans lequel le rapport entre niobium
et vanadium se monte à
5. Acier chromé selon une des revendications 1 à 4, caractérisé en ce que l'acier a été soumis à un recuit cyclique de 30 à 160 min. à 600 à 900°C et à un
recuit final d'au moins 30 minutes à une température inférieure à 400°C.
6. Utilisation d'un acier chromé selon une des revendications 1 à 5 en tant que matériau
micro-usinable, à faible bavure, résistant à la corrosion.
7. Utilisation d'un acier selon une des revendications 1 à 5 en tant que matériau résistant
à la corrosion avec une faible force coercitive pour des éléments fonctionnels magnétiques.
8. Utilisation d'un acier et des revendications 1 à 5 en tant que matériau pour la fabrication
d'électrovannes, de systèmes d'injection pour véhicule automobile, de soupapes de
réglage, d'écrans contre le champ magnétique dans des chambres plasma, d'appareils
physiques et de physique médicale.