[0001] Die Erfindung betrifft ein Papier für Digitaldruck-Verfahren. Dieses Digitaldruck-Papier
kann in Form von Bögen oder als Rollenpapier verarbeitet werden. Digitaldruck-Papier
ist aufgebaut aus einem Träger- oder Rohpapier, dessen Oberfläche gestrichen ist.
Es wird zum Beispiel als Druckerpapier für Geschäftspapiere eingesetzt. Digitaldruck-Verfahren
setzen Toner oder Tinte ein, die z. B. in Laserdruckern oder Tintenstrahldruckern
verwendet werden.
[0002] Das Träger- oder Rohpapier muss ausreichend fest sein und ein vorgegebenes Volumen
haben. Die Fasern des Trägerpapiers bewirken die Festigkeit. Füllstoffe bringen die
Opazität und senken die Kosten. Ein bedeutender Kostenfaktor des Digitaldruckpapiers
sind die Fasern, die zur Herstellung des Trägerpapiers eingesetzt werden. Das Trägerpapier
des Digitaldruck-Papiers muss hohe Belastungen aufnehmen. Es muss insbesondere die
Füllstoffe und den Streichauftrag tragen und darf beim Fördern des Papiers durch Drucker
oder Druckmaschinen nicht reißen.
[0003] Nach dem Stand der Technik, wiedergegeben z. B. in der
EP 0785 307 oder der
DE 197 45 082, wird angestrebt, hohe Mengen an preiswertem Füllstoff einzusetzen, aber möglichst
geringe Mengen an Streichauftrag, da Pigmente, die eine höhere Färbekraft haben als
Füllstoffe, deutlich teurer sind als Füllstoffe. Um mit möglichst wenig Streichauftrag
auszukommen, soll schon das Trägerpapier möglichst hell bzw. weiß sein.
[0004] Entsprechend wird im Stand der Technik angestrebt, besonders feste Fasern einzusetzen,
die diesen Anforderungen an die Festigkeit des Trägerpapiers gewachsen sind. Damit
werden derzeit ausschließlich oder überwiegend Frisch- oder Primärfasern zur Herstellung
des Trägerpapiers eingesetzt, die also auf chemischem oder mechanischem Wege oder
mittels einer Kombination chemischer, thermischer und/oder mechanischer Einflüsse
hergestellt wurden, um anschließend erstmals den Blattbildungsprozess zu durchlaufen
und in einem Papier verwendet werden. Frisch- oder Primärfasern werden gebleicht,
so dass das Trägerpapier bereits möglichst hell ist. Üblich sind Weißgrade von 80
% ISO und mehr, sowohl für Zellstoffe als auch für ligninhaltige Fasern wie z. B.
CTMP.
[0005] Der Streichauftrag gewährleistet eine gleichmäßig helle, möglichst weiße Oberfläche
und damit das präzise An- und Aufnehmen der Druckfarbe bzw. des Toners oder der Tinte.
Die Anforderungen an eine für den Digitaldruck geeignete Oberfläche sind vielfältig.
Insbesondere muss gewährleistet sein, dass feinste Linien und präzise Konturen abgebildet
werden können. Gleichzeitig muss die Farbe bzw. der Toner oder die Tinte verlaufsfrei
und schnell aufgenommen werden. Zu diesem Zweck werden Pigmente oder Mischungen von
Pigmenten eingesetzt, die ggf. mit Bindemittel versetzt sind und die dem Papier eine
möglichst gleichmäßig helle Oberfläche verleihen sollen, die gut zur Aufnahme von
Toner oder Tinte geeignet ist. Pigmente zählen zu den kostenintensiven Bestandteilen
von Druckpapier.
[0006] Beim Einsatz neuer Hochleistungs- und Hochgeschwindigkeits-Digitaldrucker, insbesondere
von Hochleistungs-Tintenstrahldruckern hat sich herausgestellt, dass an sich für den
Digitaldruck z. B. in Laserdruckern verwendbare Papiere nicht geeignet sind. Hochleistungs-Tintenstrahldrucker
bedrucken beispielsweise über 500 Blatt/Minute, oft über 1.000 Blatt/Minute, durchaus
auch mehr als 2.000 Blatt/Minute. Sie dringen damit in den Leistungsbereich vor, der
bisher dem Offsetdruck vorbehalten war und streben an, den Offsetdruck zumindest teilweise
zu ersetzen.
[0007] Anders als beim Offsetdruck wird in Tintenstrahldruckern Tinte bzw. Farbe oder Pigmente
mit hohem Flüssigkeitsanteil bzw. mit sehr niedrigviskosen Flüssigkeiten (Wasser)
zum Bedrucken des Papiers eingesetzt. Die bekannten Digitaldruck-Papiere nehmen aber
diesen besonders hohen Flüssigkeitsanteil der für den Tintenstrahldruck verwendeten
Tinte nicht ausreichend auf oder lassen die Tinte auf der anderen Seite durchschlagen.
Es kommt zum Verwischen des Drucks, wenn die bedruckten Blätter in schneller Folge
übereinander abgelegt werden, oder die Blätter lassen sich nicht beidseitig bedrucken.
Daher können die technischen Möglichkeiten dieser Drucker nicht ausgenutzt werden.
[0008] Es ist Aufgabe der Erfindung, ein Digitaldruckpapier für Tintenstrahldrucker herzustellen,
das in Hochgeschwindigkeits-Tintenstrahldruckern einsetzbar ist.
[0009] Diese Aufgabe wird gelöst mit einem Papier für Digitaldruck nach Anspruch 1. Es hat
sich überraschend herausgestellt, dass das erfindungsgemäße Papier besonders saugfähig
ist und ein konturenscharfes, verlaufsarmes Bedrucken gewährleistet. Zudem schlägt
die Tinte nicht auf die Rückseite des Papiers durch. Das Papier nach Anspruch 1 ist
dünn gestrichen, so dass die Fasern des Trägerpapiers nicht vollständig durch den
Streichauftrag abgedeckt sind. Es hat sich weiter herausgestellt, dass insbesondere
die Sekundärfasern, die durch den Streichauftrag nicht vollständig abgedeckt sind,
die Flüssigkeit der Tinte des Tintenstrahldruckers extrem schnell aufnehmen. Die in
der Tinte enthaltenen Pigmente setzen sich deshalb wohl in der Mehrzahl auf der Oberfläche
des erfindungsgemäßen Papiers ab, die aus Streichauftrag und Fasern bzw. Faserabschnitten
gebildet wird. Dadurch wird das erfindungsgemäße Papier unmittelbar nach dem Bedrucken
wischfest und kann bei Geschwindigkeiten von 2000 Blatt/Minute und mehr in Tintenstrahldruckern
bedruckt werden, ohne dass es zum Verwischen des Druckbildes kommt.
[0010] Bisher wurde es stets für erforderlich gehalten, Frischfasern allenfalls mit kleineren
Beimischungen von Sekundärfasern zur Herstellung des Trägerpapiers einzusetzen, um
den Anforderungen an Festigkeit und Helligkeit des Trägerpapiers zu genügen, insbesondere,
wenn es für den Farbdruck, z. B. für Kataloge, eingesetzt werden soll. Frischoder
Primärfasern sind aus Holz oder Einjahrespflanzen mechanisch oder chemisch hergestellte
Fasern. Sie werden erstmals (frisch) zur Herstellung von Papier, Pappe oder Karton
eingesetzt. Sekundärfasern dagegen sind insbesondere Fasern, die bereits einmal zu
Papier oder Pappe verarbeitet wurden. Das Papier oder die Pappe wurden aufgelöst,
ggf. wurde Tinte oder Farbe entfernt und die Fasern werden erneut zu Papier oder Pappe
verarbeitet. Durch den Gebrauch des Papiers oder der Pappe, das Auflösen und erneute
Verarbeiten ist Papier aus Sekundärfasern kürzer, weniger fest und auch dunkler als
Papier aus primären Langfaserzellstoffen. Sekundärfasern, meist Altpapierfasern, sind
dafür preiswerter verfügbar und auch umweltfreundlicher in der Aufbereitung.
[0011] Ein Papier für Digitaldruck, bei dem die Fasern des Trägerpapiers zu mindestens 50
% Gewichts-% Sekundärfasern sind, senkt also die Kosten des Papiers für Digitaldruck
und ist umweltfreundlich. Dieser Vorteil kann - ebenso wie die erfindungsgemäßen Bedruckbarkeitseigenschaften
- umso besser genutzt werden, wenn mindestens 60 Gewichts-%, bevorzugt mindestens
75 Gewichts-%, vorteilhaft mindestens 90 Gewichts-% der Fasern des Trägerpapiers Sekundärfasern
sind. Das Trägerpapier kann ohne weiteres auch vollständig aus Sekundärfasern hergestellt
sein.
[0012] Alle Arten von Sekundärfasern sind für die Herstellung des Trägerpapiers geeignet.
Insbesondere Altpapier, aber auch Hadern können verwendet werden. Werden dem Trägerpapier
andere Fasern beigemischt, so kann es sich um Frisch- oder Primärfasern, aber auch
um synthetische Fasern handeln.
[0013] Bisher wird der Anteil von Sekundärfasern in bekannten gestrichenen, hochwertigen
Druckpapieren, wie sie z. B. für den Mehrfarbdruck eingesetzt werden, von den Fachleuten
bewusst begrenzt gehalten, da nach dem Stand der Technik die meist dunklere Grundfarbe
der Sekundärfasern als sehr nachteilig angesehen wird. Sie muss nach Auffassung der
Fachleute durch ein Mehr an Streichauftrag kompensiert werden, um die gewünschten
hohen Weißgrade von in der Regel 80 % ISO und mehr zu gewährleisten. Regelmäßig ist
hierzu der Einsatz von optischen Weißmachern/Aufhellern erforderlich.
[0014] Es ist die Erkenntnis der Erfinder als Ergebnis ihrer Versuche, dass nach einer bevorzugten
Ausführung für das erfindungsgemäße Papier-Weißgrade von 60 % ISO bis 75 % ISO völlig
ausreichend sind. Dies ist weitaus dunkler als bei bekannten Offset- oder Laserdruckpapieren,
die in der Regel mit mindestens 80 % ISO hergestellt und angeboten werden. Deshalb
wird nach einer vorteilhaften Ausführung der Erfindung ein Papier für Hochleistungs-Tintenstrahldrucker
vorgeschlagen, das einen über 50 %-igen Anteil an Sekundärfasern aufweist, und in
dessen Streichauftrag keine optischen Aufheller enthalten sind. Ein solches Papier
ist besonders wirtschaftlich und umweltfreundlich herzustellen.
[0015] Das erfindungsgemäße Papier für Digitaldruck enthält Füllstoffe. Diese werden zum
Teil über die Sekundärfasern mit eingetragen, die häufig bis zu 20 Gewichts-% Füllstoff
mitführen. Die Sekundärfasern werden dadurch gewonnen, dass Papier in Wasser oder
alkalischer Lauge aufgelöst wird, die Fasern ggf. von Tinte befreit (De-inken) werden
und Tinte und Verunreinigungen aus der Suspension entfernt werden. Die so aufbereiteten
Sekundärfasern werden dann entweder unmittelbar als Suspension zur Herstellung des
erfindungsgemäßen Papiers eingesetzt oder sie werden getrocknet, gelagert oder transportiert
und dann vor der Verarbeitung wieder in wässriger Lösung suspendiert. Das Deinken
entfernt nicht immer alle Füllstoffe oder den gesamten Streichauftrag des deinkten
Papiers, so dass die Sekundärfasern bis zu 20 Gewichts-% Füllstoffe mitführen. Dies
ist zu berücksichtigen, wenn für das Papier für den Digitaldruck ein vorgegebener
Füllstoffgehalt einzustellen ist. Auch für den im erfindungsgemäßen Trägerpapier erstmals
verwendeten Füllstoff gilt bevorzugt, dass der Einsatz optischer Aufheller nicht erforderlich
ist, da nach einer bevorzugten Ausführung keine hohen Weißgrade für das digitale Druckerpapier
erforderlich sind.
[0016] Als Füllstoffe werden helle, möglichst weiße Partikel eingesetzt, am häufigsten Calciumcarbonate,
sowohl natürliche (GCC) als auch gefällte (PCC) Calciumcarbonate, oder Kaolin. Typischerweise
werden Mischungen verschiedener Füllstoffe eingesetzt. Insgesamt kann der Gehalt an
Füllstoff im Trägerpapier für das Papier für den Digitaldruck 50 Gewichts-% betragen.
[0017] Das erfindungsgemäße Papier für Digitaldruck ist ein- oder beidseitig mit einem Streichauftrag
von bis zu 8 g/m
2 pro Seite des Trägerpapiers versehen. Der Streichauftrag beträgt mindestens 0,5 g/m
2 pro Seite. Bevorzugt werden bis zu 2 g/m
2 bis 6 g/m
2, vorteilhaft ca. 4 g/m
2 Streichauftrag pro Seite auf das Trägerpapier aufgebracht. Bei diesen Mengen an Streichauftrag
ist anzumerken, dass die Pigmente des Streichauftrags das Trägerpapier bzw. dessen
Fasern nicht mehr vollständig abdecken. Die Fasern bilden also einen Teil der Papieroberfläche.
Das Zusammenspiel von dünner Streichfarbenschicht und Trägerpapier, das aus überwiegend
oder ausschließlich Sekundärfasern besteht, führt dazu, dass beim Bedrucken mit Tintenstrahldruckern
ein äußerst gleichmäßiges, kontrastreiches und farbintensives Druckbild entsteht.
Aufgrund des überwiegenden Einsatzes von Sekundärfasern entsteht hier eine Papieroberfläche,
bei der Pigmente des Streichauftrags, Bindemittel, Füllstoffe und mit hohem Anteil
oder ausschließlich Sekundärfasern nebeneinander vorliegen. Die Tinte des Tintenstrahldruckers
trifft auf diese unterschiedlichen Stoffe. Trotzdem ergibt sich ein äußerst konturenscharfes
Druckbild.
[0018] Für den Streichauftrag für ein Druckpapier, das für Hochgeschwindigkeits-Tintenstrahldrucker
geeignet ist, wird aus in der Regel weißen Pigmenten oder Mischungen von Pigmenten
einerseits und Bindemittel oder Mischungen von Bindemitteln andererseits eine Dispersion
hergestellt, die flüssig auf das Trägerpapier aufgetragen wird. Das also meist weiß
gestrichene Papier wird dann getrocknet und ggf. wird die Oberfläche verdichtet, z.
B. durch Kalandrieren. Als Pigment können bekannte Streichpigmente wie z. B. PCC,
GCC, Kaolin, Titandioxid einzeln oder in Mischung eingesetzt werden. Als Bindemittel
können bekannte Bindemittel eingesetzt werden. Bevorzugt wird Stärke als Bindemittel
eingesetzt, aber auch Latex, Polyvinylalkohole oder Vernetzer oder Mischungen davon
sind gut geeignet. Der Streichauftrag kann nach einer bevorzugten Ausführung der Erfindung
zum Erreichen von Weißgraden für das fertige Druckerpapier für Hochleistungs-Tintenstrahldrucker
von 60 % ISO oder mehr, falls gewünscht auch von mindestens 70 % ISO oder von mindestens
80 % ISO ausgelegt sein. Vorteilhaft werden diese Werte ohne den Einsatz optischer
Aufheller erreicht. Es ist aber auch möglich, Papiere mit einem Weißgrad von 100 %
ISO oder 110 % ISO herzustellen; die Grenze wird hier durch den Weißgrad von Pigmenten
und Aufhellern gesetzt.
[0019] Das erfindungsgemäße digitale Druckpapier kann ein Blattgewicht von 50 g/m
2 bis zu 180 g/m
2 aufweisen. In diesem Bereich ist es besonders gut zum Einsatz in Hochgeschwindigkeits-
Tintenstrahldruckern geeignet. Es ist ausreichend steif, sowohl in Längs- und auch
in Querrichtung, um in Hochgeschwindigkeits-Tintenstrahldruckern verarbeitet zu werden.
[0020] Das erfindungsgemäße Papier ist insbesondere für die Verwendung in Hochgeschwindigkeits-Tintenstrahldruckern
geeignet, die mehr als 500 Blätter pro Minute, in der Regel mehr als 1.000 Blätter
oder auch 2.000 Blätter pro Minute drucken. Die Eignung von Papieren für die jeweiligen
Drucker oder Druckanlagen wie Offset, Laser oder Tintenstrahldrucker geprüft werden,
wird jeweils durch Bedrucken mit einem einheitlichen Standard getestet. Diese Standards
oder Testbilder sind darauf ausgelegt, dass Parameter wie Konturenschärfe, Farbdichte,
Farbintensität, Druckglanz und dergleichen überprüfbar sind. Die im Folgenden angegeben
Auswertungen verschiedener Parameter beziehen sich auf das Bedrucken eines Blattes
Papier mit einem solchen Testbild oder Standard.
[0021] Eine wesentliche Eigenschaft des erfindungsgemäßen Papiers betrifft das Aufbringen
von Druckfarbe. Die Oberfläche des erfindungsgemäßen Papiers und die Zusammensetzung
des Trägerpapiers aus 50 % oder mehr Sekundärfasern bestimmen die Geschwindigkeit,
mit der die aufgebrachte Druckfarbe bzw. die Druckertinte trocknet. Die Trocknung
erfolgt in weniger als 0,1 Sekunden, bevorzugt in weniger als 0,06 Sekunden, vorteilhaft
in weniger als 0,03 Sekunden. Eine Untergrenze zeichnet sich ab bei 0,001 Sekunden.
Die Trocknungsdauer wurde in Praxistests bestimmt, indem jeweils 5000 Blatt oder eine
dieser Menge entsprechende Bahn des zu prüfenden Papiers mittels eines Hochleistungstintenstrahldrucker
mit einem Testbild bedruckt und ggf. am Ende des Druckvorgangs geschnitten werden.
Nach dem Abstapeln, das unmittelbar am Ausgang des Druckers automatisch erfolgt, werden
die mit demselben Testbild bedruckten Papierblätter visuell auf Klarheit des Druckbildes
bzw. Verwischungen untersucht. Typische, für die Prüfung der Trocknungsdauer geeignete
Hochleistungs-Inkjetdrucker sind z. B. die Geräte Océ Jetstream 2200, InfoPrint 5000
of IBM/Ricoh oder HP T 300, die jeweils ca. 2.700 Blatt A4 pro Minute in Farbe bedrucken
können. Diese Inkjet-Drucker sind dabei, Offset-Druckanlagen zu ersetzen, da sie über
vergleichbare Leistungsfähigkeit verfügen.
[0022] Aber auch bei Inkjet-Druckern, die 100 bis 500 Blätter pro Minute farbig drucken,
zeigen sich die schnellen Trocknungszeiten des erfindungsgemäßen Papiers bereits vorteilhaft.
[0023] Das schnelle Trocknen ist vermutlich auf die gute Flüssigkeitsleitung durch den dünnen
Streichauftrag und die gute Saugfähigkeit der Sekundärfasern im Trägerpapier zurückzuführen.
Auch hier ist anzumerken, dass die durch Tinte eingeführte Feuchtigkeit die Festigkeit
des Trägerpapiers oder dessen Dimensionsstabilität nicht nachteilig beeinflusst.
[0024] Die Konturenschärfe (auch Linienschärfe oder Farbverlaufs-Test) wird in der Weise
bestimmt, dass die Ausdehnung einer gedruckten Linie gegenüber einer Referenzlinie
erfasst wird. Getestet mit dem Messgerät der Firma ImageXpert "Full Motion System",
einem Scannersystem, zeigt das erfindungsgemäße Papier bei einer aufgedruckten Bildpunktgröße
von 5 Pixel eine Konturenschärfe von bis zu 280 µm, bevorzugt von bis zu 240 µm, insbesondere
von bis zu 220 µm. Die Konturenschärfe ist ein wesentlicher Parameter, um die Eignung
eines Papiers für Hochgeschwindigkeits-Tintenstrahldrucker zu erfassen. Die vorstehend
beschriebene, gute Konturenschärfe ist mit bekannten Druckpapieren für Digitaldrucker
nicht zu erreichen. Sie ist auch unerwartet, weil Fachleute Sekundärfasern aufgrund
der guten Saugkraft nicht für geeignet halten, eine gute Konturenschärfe wiederzugeben.
[0025] Das dies doch durch das erfindungsgemäße Papier erreicht wird, ist möglicherweise
darauf zurückzuführen, dass bekannte Papiere die Flüssigkeit der Tinte nicht vergleichbar
schnell aufnehmen können, wobei gleichzeitig der Streichauftrag eine gute Unterlage
für die Pigmente der Druckertinte bietet. Hier wirkt sich also unter Umständen die
besondere Trägerstruktur des erfindungsgemäßen Papiers sehr vorteilhaft aus.
[0026] Bei bekannten Papieren aus Frischfasern verhält es sich möglicherweise dagegen so,
dass die Flüssigkeit sich auf dem Papier ausbreiten kann und nur langsam in das Papier
penetriert. In der auf dem Papier aufstehenden Tinte setzen sich dabei die Pigmente
unter Umständen schneller ab als die Flüssigkeit aufgesogen wird. Gleichzeitig verteilt
sich der Tropfen wohl auch. Dabei schleppt die auf das Frischfaser-Papier aufgebrachte
Tinte dann Pigmente mit, die also nicht im ursprünglich auf 5 Pixel begrenzten Bereich
bleiben sondern darüber hinaus verschleppt werden, was zu einer schlechteren Konturenschärfe
führt.
[0027] Das erfindungsgemäße Papier für den Digitaldruck weist vorteilhaft trotz des dünnen
Streichauftrags und einer ggf. geglätteten, z. B. kalandrierten Oberfläche eine gleichmä-βige
Oberfläche auf, die Toner oder Druckertinte gleichmäßig annimmt. Die Oberfläche des
Papiers weist kaum ein Mottling auf. Als "Mottling" werden hochverdichtete Oberflächenabschnitte
bezeichnet, die farblich von der Oberfläche abgegrenzt sind. Sie verleihen dem Papier
ein verschmutztes Aussehen. Außerdem nehmen sie Druckfarbe, Toner oder Druckertinte
anders auf als die übrige Papieroberfläche und erzeugen so einen ungleichmäßiges Druckbild.
Das Mottling, das visuell durch Betrachten der Oberfläche ermittelt wird, beträgt
beim erfindungsgemäßen Papier weniger als 3 % der geprüften Papieroberfläche. In der
Regel beträgt es weniger als 1 % der geprüften Papieroberfläche.
[0028] Das erfindungsgemäße Papier für den Digitaldruck weist bevorzugt eine hohe optische
Dichte auf. Die optische Dichte gibt an, in welchem Umfang bzw. welcher Intensität
aufgetragene Druckfarbe, Toner oder Druckertinte auf oder durch die Papieroberfläche
aufgenommen und wiedergegeben wird. Die Skala für das Maß der Wiedergabe ist dimensionslos
und beträgt o bis 2, dabei stellt 2 die 100 %-ige Wiedergabe dar. Die anzuwendende
Norm ist ISO /CD 5-3, Status T, Status I oder Status E, wobei Status T überwiegend
in den USA angewendet wird. Hier wurde mit dem für Europa üblichen Status E gemessen.
Die nachstehend aufgeführten Werte wurden mit dem Messgerät Gretag Macbeth D 19 D
Densitometer, Filtersatz Typ 47 B/P, 0°/45° Ringoptik gemäß DIN 16536 "Prüfung von
Drucken und Druckfarben der Drucktechnik - Farbdichtemessung an Drucken" erfasst.
Das erfindungsgemäße Papier erreicht hier überraschenderweise einen Wert von mindestens
0,4, vorzugsweise von mehr als 0,8, bevorzugt von mehr als 1,0. Diese für Papier sehr
guten Werte lassen sich möglicherweise dadurch erklären, dass die gute Saugfähigkeit
der Sekundärfasern die Flüssigkeit aus der Tintenstrahl-Tinte so schnell und vollständig
aufnimmt, dass eine scharfe Trennung von Pigmenten oder Farbstoffen und Flüssigkeit
erfolgt, so dass mehr Pigmente auf der Oberfläche des Druckpapiers verbleiben als
bei bekannten Papieren. Dort führt das langsame Aufnehmen von Tintenstrahl-Tinte möglicherweise
dazu, dass Zeit genug für Absetz-Effekte bleibt, weswegen Pigmente dann durch die
Flüssigkeit mit bis an oder in die Faser geschleppt werden. Sie stehen dadurch nicht
mehr an der Oberfläche des Papiers zur Verfügung.
[0029] Das erfindungsgemäße Papier weist nach einer vorteilhaften Ausführung eine hohe Farbtreue
bzw. Farbechtheit auf, die auch als Farbtonwiedergabe gemessen und bezeichnet wird.
Messvorschrift ist hier die DIN 6174 "Farbmetrische Bestimmung von Farbmaßzahlen und
Farbabständen im angenähert gleichförmigen CIELAB Farbenraum." Gemessen wurde hier
mit einem Spektralphotometer Elrepho SE 070, diffuse Beleuchtung, 0° Messung, Normlichtart
D65. Die Messung setzt die Helligkeit und die Messwerte für die rot-grün-Achse und
die blau-gelb-Achse des untersuchten Objekts in Beziehung zueinander und gibt den
Gesamtfarbabstand an. Die Messwerte sind dimensionslos und können bis zu 6-stellige
Werte, ohne weiteres bis über 200.000, erreichen. Nach einer vorteilhaften Weiterbildung
der Erfindung weist das Papier eine Farbintensität von mindestens 100.000 auf, bevorzugt
von mindestens 120.000, vorteilhaft von mindestens 150.000.
[0030] Gemäß einer bevorzugten Ausführung der Erfindung weist das bedruckte Papier einen
wesentlich höheren Glanz auf als das unbedruckte Papier. Der Druckglanz (Glanz des
bedruckten Papiers) liegt bei mehr als 5, bevorzugt bei mehr als 10, vorteilhaft bei
mehr als 15 bezogen auf den Glanz des unbedruckten Papiers. Der Druckglanz wird bestimmt
durch die Oberfläche des erfindungsgemäßen Papiers. Dieses Papier wird mit einem vorgegebenen
Standard oder Testbild bedruckt und der Druckglanz wird gemessen. Obwohl das bedruckte
Papier gemessen wird, betrifft dieser Parameter eine Eigenschaft des unbedruckten,
erfindungsgemäßen Papiers, da die Farbwiedergabe unmittelbar abhängig ist vom Untergrund,
auf dem sie aufgetragen wurde. Für das erfindungsgemäße Papier sind die gemessenen
Werte ungewöhnlich hoch; Fachleute hätten angesichts des höheren Anteils an Sekundärfasern
gegenüber bekannten digitalen Druckpapieren niedrigere Werte vermutet.
[0031] Nach einer vorteilhaften Ausführung der Erfindung weist das Papier für den Digitaldruck
eine hohe Rupffestigkeit auf, die es für den Einsatz in digitalen Druckern geeignet
macht. Die Rupffestigkeit - gemessen nach ISO 3783 - erfasst, wie stark die Drucker
beim Aufbringen von Druckfarbe bzw. Toner oder Druckertinte die Oberfläche des Papiers
beanspruchen, z. B. indem Fasern oder Partikel aus der Oberfläche des Papiers herausgelöst
(gerupft) werden. Das erfindungsgemäße Paper für den Digitaldruck weist eine Rupffestigkeit
von unter 4,0 auf. Bevorzugt liegt die Rupffestigkeit bei unter 2,0, besonders bevorzugt
bei unter 1,0. Die niedrige Rupffestigkeit ist erstaunlich, da das erfindungsgemäße
Papier einen hohen Anteil an Sekundärfasern aufweist bzw. aus Sekundärfasern besteht,
die kürzer als Primärfasern sind und deshalb leichter aus dem Faserverbund des Trägerpapiers
herausgelöst werden könnten. Gleichzeitig ist der Streichauftrag sehr dünn, so dass
die aufgetragenen Pigmente bzw. die Mischung aus Pigmenten und Bindemitteln die Fasern
nur wenig abdecken und schützen können. Die gute Rupffestigkeit war daher unerwartet.
[0032] Details der Erfindung werden nachfolgend an einem Ausführungsbeispiel näher erläutert.
[0033] Vier Trägerpapiere werden hergestellt. Ausgehend von einer wässrigen Suspension mit
einem Fasergehalt von 1 % werden Probeblätter mit einem Blattgewicht von 80 g/m
2 geformt. Diese Probeblätter werden gestrichen und untersucht.
[0034] Trägerpapier A weist 55 % Sekundärfasern und 45 % Primärfasern, jeweils bezogen auf
die Gesamtmenge der Fasern, auf.
Trägerpapier B weist 75 % Sekundärfasern und 25 % Primärfasern auf.
Trägerpapier C weist 90 % Sekundärfasern und 10 % Primärfasern auf.
Trägerpapier D weist 100 % Sekundärfasern auf.
[0035] Als Sekundärfaser wird deinktes Altpapier eingesetzt. Als Primärfasern werden chemisch
hergestellte Nadelholzfasern (Zellstoff), gebleicht auf Weißgrad 90 % ISO, eingesetzt.
[0036] Neben den Fasern wird der wässrigen Suspension auch Füllstoff zugesetzt. Die Suspension
enthält 30 Gewichts-% Füllstoff, bezogen auf das getrocknete Papier. Die Hälfte des
Füllstoffs wird durch die Sekundärfasern eingetragen. Die andere Hälfte des Füllstoffs
besteht aus einem Kaolin-Karbonatgemisch.
[0037] Die Suspension wird entwässert und es werden Papiere A, B, C und D mit einem Blattgewicht
von jeweils 80 g/m
2 hergestellt und getrocknet bis auf einen Feuchtigkeitsgehalt von 2 Gewichts-%. Diese
Papiere werden dann jeweils mit einem Streichauftrag versehen. Eine Aufschlämmung
von PCC, GCC und Kaolin zu gleichen Teilen, die keine optischen Aufheller enthält,
wird in einer Menge von 3 g/m
2 beidseitig auf die Trägerpapiere aufgebracht. Die gestrichenen Papiere werden wiederum
getrocknet und geglättet. Das Glätten erfolgt mit einem Kalander mit einem Liniendruck
von ca. 100 N/m. Die fertigen Blätter weisen einen Weißgrad von 80 % ISO auf. Bei
Verwendung von hochwertigen, weißen Altpapieren kann der Weißgrad der fertigen Blätter
auch bei über 100 % ISO liegen.
[0038] Diese geglätteten Papiere sowie ein handelsübliches Papier für digitale Druckverfahren,
Weißgrad 95 % ISO, 80 g /m
2 Blattgewicht, dessen Trägerpapier aus 100 % Frischfaser besteht, werden dann nach
den vorstehend beschriebenen Verfahren untersucht auf Konturenschärfe, optische Dichte,
Farbintensität, Druckglanz, Rupffestigkeit und das Trocknen der aufgebrachten Druckfarbe
bzw. des Toners oder der Tinte. Die Ergebnisse sind in Tabelle 1 dargestellt.
Tabelle 1
| |
Papier |
Papier A |
Papier B |
Papier C |
Papier D |
| Parameter |
Referenz |
|
|
|
|
| Weiße (% ISO) |
95 |
80 |
80 |
80 |
75 |
| Trocknungsdauer |
|
|
|
|
|
| (Sekunden) |
0,2 |
0,06 |
0,04 |
0,03 |
< 0,02 |
| Konturenschärfe (µm) |
300 |
270 |
255 |
235 |
220 |
| Optische Dichte |
0,4 |
0,65 |
1,2 |
1,1 |
1,0 |
| Farbintensität |
95.000 |
120.000 |
145.000 |
150.000 |
165.000 |
| Druckglanz |
5 |
7 |
9 |
11 |
10 |
| Rupffestigkeit |
4 |
1,7 |
1,1 |
0,9 |
0,7 |
| Mottling (% der Oberfläche) |
5 |
2 |
1,5 |
2,5 |
1,0 |
[0039] Es zeigt sich, dass die Trocknungsdauer des erfindungsgemäßen Papiers weitaus niedriger
liegt als die Trocknungsdauer des handelsüblichen Referenzpapiers. Es wird vermutet,
dass die stark verkürzte Trocknungsdauer auch dazu führt, dass Konturenschärfe und
Farbintensität sowie optische Dichte deutlich verbesserte Werte gegenüber dem Stand
der Technik bzw. dem Referenzpapier zeigen. Die schnelle Trennung von flüssiger und
fester Phase (Pigmenten) der Inkjettinte auf dem erfindungsgemäßen Papier kann dazu
führen, dass diese Parameter bessere Werte zeigen als beim Referenzpapier. Die Unterschiede
sind signifikant und zeigen erheblich bessere Druckresultate als beim Stand der Technik.
1. Papier in Bogen- oder Rollenform für Digitaldruck mittels Tintenstrahldruckern,
- mit einem Trägerpapier, das Fasern und mineralischen Füllstoff enthält, wobei
- das Trägerpapier mit einem Streichauftrag versehen ist, der Pigment und Bindemittel
aufweist,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Fasern des Trägerpapiers zu mindestens 50 % Sekundärfasern sind, und dass maximal
8 g/m2 Streichauftrag pro Seite ein- oder beidseitig auf das Trägerpapier aufgetragen sind.
2. Papier nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Fasern des Trägerpapiers zu mindestens 60 %, bevorzugt zu mindestens 75 %, vorteilhaft
zu mindestens 90 % Sekundärfasern sind.
3. Papier nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass es einen Weißgrad von 60 % ISO bis 110 % ISO aufweist, bevorzugt einen Weißgrad von
bis zu 100 % ISO.
4. Papier nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass das als Sekundärfasern Altpapierfasern und / oder Hadern eingesetzt werden.
5. Papier nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass mindestens 0,5 g/m2 und maximal 8 g/m2 Streichauftrag ein- oder beidseitig auf das Trägerpapier aufgetragen sind, bevorzugt
bis zu 6 g/m2, vorteilhaft bis zu 4 g/m2, insbesondere bis zu 2 g/m2 Streichauftrag.
6. Papier nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass als Pigment GCC, PCC, Kaolin, Titandioxid oder Mischungen dieser Pigmente aufgetragen
sind.
7. Papier nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass als Bindemittel Stärke, Latex, Polyvinylalkohole, Vernetzer oder Mischungen davon
aufgebracht sind.
8. Papier nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass das Papier bei einer Bildpunktgröße von 5 Pixel mit einer Konturenschärfe von maximal
280 µm bedruckt ist, bevorzugt mit einer Konturenschärfe von bis zu 240 µm, vorteilhaft
mit einer Konturenschärfe von bis zu 220 µm.
9. Papier nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass das Papier ein Mottling von < 3 % aufweist.
10. Papier nach einem der Ansprüche 1 bis 9, dadurch gekennzeichnet, dass das digital bedruckte Papier eine optische Farbdichte von mehr als 0,4, bevorzugt
von mehr als 0,8, vorteilhaft von mehr als 1,0 aufweist.
11. Papier nach einem der Ansprüche 1 bis 10, dadurch gekennzeichnet, dass das digital bedruckte Papier eine Farbintensität von mindestens 100.000, bevorzugt
von mindestens 120.000, vorteilhaft von mehr als 150.000 aufweist.
12. Papier nach einem der Ansprüche 1 bis 11, dadurch gekennzeichnet, dass das digital bedruckte Papier einen Druckglanz von mehr als 5 bezogen auf den Glanz
des unbedruckten Papiers aufweist, bevorzugt einen Druckglanz von mehr als 10, vorteilhaft
von mehr als 15 aufweist.
13. Papier nach einem der Ansprüche 1 bis 12, dadurch gekennzeichnet, dass das Papier eine Rupffestigkeit von unter 4,0, bevorzugt von unter 2,0, vorteilhaft
von unter 1,0 aufweist.
14. Papier nach einem der Ansprüche 1 bis 13, dadurch gekennzeichnet, dass die aufgebrachte Tinte eines Tintenstrahldruckers in weniger als 0,1 Sekunden, bevorzugt
in weniger als 0,06 Sekunden, vorteilhaft in weniger als 0,03 Sekunden wischfest ist.
15. Verwendung eines Papiers nach mindestens einem der vorstehenden Ansprüche zur Verarbeitung
in einem Inkjet-Drucker mit mindestens 150 Seiten/Minute Druckgeschwindigkeit.