[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zum Herstellen und Anbringen von
Brettschnittholz (BSH) oder Leimbindern, insbesondere innerhalb von geschlossenen
Räumen und ohne großen maschinellen Aufwand.
Technischer Hintergrund
[0002] Im Bauwesen werden Binder als Tragwerk eingesetzt, um große Spannweiten zu überbrücken
und schwere Lasten zu tragen. Binder kommen bei jeglicher Art von Bauwerken zum Einsatz,
ob beim Hausbau, beim Ausbau einer Veranda, einem Carport oder der strukturellen Sanierung
von Altbauten. Binder werden aus den verschiedensten Baustoffen hergestellt, wie auch
aus Stahl oder Holz.
[0003] Bei Holzbindern unterscheidet man zwischen massivem Holz und Brettschnittholz (BSH),
aus welchem sogenannte Leimbinder hergestellt sind.
[0004] Bei der Herstellung von Brettschnittholz werden zuerst vorzugsweise Nadelholzbretter
getrocknet und glattgehobelt. Etwaige Unregelmäßigkeiten werden aus den Brettern heraus
geschnitten, so dass alle vorgefertigten Bretter gleiche strukturelle und visuelle
Eigenschaften erhalten. Die Bretter werden an Ihren Breitseiten miteinander verklebt
und in einem Pressbett miteinander verpresst, bis der Leim ausgetrocknet ist. Durch
ein relatives Versetzen der Brettenden in den verschiedenen Lagen können Leimbinder
von beliebiger Länge und beliebiger Dicke hergestellt werden. Der Klebstoffanteil
des fertigen Produktes beträgt in der Regel weniger als ein Prozent.
[0005] Gegenüber massiven Bindern haben Leimbinder den Vorteil, dass sie einerseits den
benötigten Dimensionen entsprechend vorgefertigt werden können, und dass sie andererseits
durch ihre homogenere Struktur belastbarer sind.
Nachteil des Standes der Technik
[0006] Vor dem Einbau eines Leimbinders auf der Baustelle wird dieser in der Regel in einer
Fertigungshalle hergestellt und auf die benötigte Länge und Breite gebracht. Die fertigen
Leimbinder sind entsprechend schwer und werden von einem Lastwagen an die Baustelle
gebracht. Hier werden sie, zumindest bei Neubauten, mittels schwerem Gerät, wie zum
Beispiel einem Kran, zu Ihrer genauen Einbaustelle gebracht.
[0007] Im Falle der strukturellen Sanierung von Altbauten kommt es oft vor, dass Binder
unter einer bestehenden Decke, wie z.B. in einem geschlossenen Raum, angebracht werden
müssen, um die Decke zu tragen. Bei solchen Anwendungen ist es schwierig, den großen
und schweren Binder, ob er aus Stahl, Holz oder Brettschichtholz ist, an seine Einbaustelle
zu bringen.
[0008] Falls sich beim Einbau des Binders darüber hinaus herausstellt, dass ein Fehler bei
der Herstellung oder der Dimensionierung des Leimbinders aufgetreten ist, ist es sehr
umständlich, diesen auf der Baustelle zu beheben. Ist der Binder zu kurz, muss er
zurückgeliefert werden und mit gleichem maschinellen Aufwand durch ein Passteil ersetzt
werden. Ist der Binder zu lang, so muss er abgesägt werden, was wegen der Dicke des
Binders in der Regel nicht ohne größeren Werkzeugaufwand zu bewerkstelligen ist. Das
Gleiche gilt für das Anbringen von Zapfen oder Nuten in dem Binder, um diesen mit
vorhandenen Bauelementen zu verbinden.
[0009] Beim Bauen mit Holzbindern werden üblicherweise gerade Holzteile benutzt. Zum Beispiel
werden die einzelnen Binder in der Regel mit Hilfe von Metallteilen miteinander zu
einer Gesamtstruktur verbunden. Der Einsatz von Stahlwinkelstücken ist insbesondere
notwendig, wenn geradlinige Binder in einem Winkel zueinander verbunden werden sollen.
Allerdings ist diese Lösung oft nicht befriedigend, wenn die Trägerstruktur nach Einbau
sichtbar bleibt.
[0010] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, ein Verfahren zum Herstellen und Anbringen
von Brettschnittholz zu offenbaren, welches keinen großen maschinellen Aufwand benötigt,
und welches die im Stand der Technik vorhandenen Nachteile wenigstens teilweise überwindet.
Zusammenfassung der Erfindung
[0011] Das Verfahren gemäss der vorliegenden Erfindung dient zur Herstellung und zum Anbringen
eines Leimbinders an einem Bauwerk. Das Verfahren erfordert mehrere Holzelemente,
Leim und Schrauben. In einem ersten Schritt wird wenigstens ein Ankerpunkt an einem
Bauwerk befestigt.
[0012] In einem zweiten Schritt wird ein erstes Holzelement in der Nähe eines seiner Kopfenden
an dem wenigstens einem Ankerpunkt des Bauwerks verleimt. Dieses Holzelement bildet
die erste Lage des Leimbinders.
[0013] In einem weiteren Schritt wird wenigstens ein weiteres Holzelement mit seiner Oberbeziehungsweise
Unterseite an die Unter- beziehungsweise Oberseite des ersten Holzelementes verleimt.
Weiter werden die Holzelemente mittels wenigstens einer Schraube in Pressverbindung
gebracht wird, um so eine zunächst zweilagige Leimbinderstruktur zu erstellen.
[0014] Der wenigstens eine Ankerpunkt kann vorzugsweise aus einem Holzelement bestehen,
welches am Bauwerk befestig wird.
[0015] In einer Ausführungsweise des Verfahrens kann das erste Holzelement an wenigstens
zwei Ankerpunkten befestigt werden.
[0016] In einer weiteren Ausführungsweise des Verfahrens kann wenigstens ein weiteres Holzelement
mit einer freien Ober- beziehungsweise Unterseite eines Holzelementes der Leimbinderstruktur
verleimt und verschraubt werden.
[0017] In einer bevorzugten Ausführungsweise des Verfahrens kann die Höhe der Leimbinderstruktur
erweitert werden. Hierbei können weitere Lagen an die Leimbinderstruktur angebracht
werden, bis die gewünschte Höhe erreicht wird.
[0018] In einer weiter bevorzugten Ausführungsweise des Verfahrens kann wenigstens ein weiteres
Holzelement mit dem wenigstens einem Ankerpunkt verleimt werden.
[0019] In einer weiter bevorzugten Ausführungsweise des Verfahrens können alle Holzelemente
der Leimbinderstruktur parallel zu einander verleimt und verschraubt werden.
[0020] Vorzugsweise ist es möglich, wenigstens ein Holzelemente der Leimbinderstruktur nicht
parallel zu den restlichen Holzelementen zu verleimen und zu verschrauben.
[0021] In einer bevorzugten Ausführungsweise des Verfahrens kann wenigstens eine Holzplatte
lagenüberbrückend, über die gesamte Länge oder über einer Teillänge der Leimbinderstruktur,
seitlich an der Leimbinderstruktur verleimt und verschraubt werden. Die Dicke der
Leimbinderstruktur kann erweitert werden. Hierbei kann eine zweite Leimbinderstruktur
gemäss dem vorliegenden Verfahren mit einer angebrachten Holzplatte verbunden werden.
[0022] In einer Ausführung des Verfahrens kann das Bauwerk eine Mauer sein.
[0023] In einer bevorzugten Ausführung des Verfahrens kann das Bauwerk eine Bodenplatte
sein.
[0024] In einer bevorzugten Ausführungsweise des Verfahrens können einige Holzelemente der
Leimbinderstruktur aus verschiedenem Holz sein.
[0025] In einer weiter bevorzugten Ausführungsweise des vorliegenden Verfahrens können die
äußeren sichtbaren Lagen der Leimbinderstruktur aus einem Edelholz sein.
[0026] Die Erfindung umfasst einen Leimbinder, welcher durch eine Ausführungsweise des vorliegenden
Verfahrens hergestellt wurde. Weiter umfasst die vorliegende Erfindung einen Leimbinder,
welcher durch wenigstens zwei Holzelemente gebildet ist, wobei die Ober- beziehungsweise
Unterseite des zweiten Holzelementes an der Unterbeziehungsweise Oberseite des ersten
Holzelementes verleimt ist und mittels wenigstens einer Schraube in Pressverbindung
steht. Aus Leimbindern gemäss der vorliegenden Erfindung können jegliche Konstruktionen,
wie auch Möbelstücke oder Häuser, gefertigt werden.
[0027] Das vorliegende Verfahren hat den Vorteil, dass ein Leimbinder an seiner Einbaustelle
hergestellt werden kann. Hierzu werden nur Holzelemente mit geringem Gewicht, sowie
Leim und Schrauben benutzt. Die Länge, Dicke und Höhe des Leimbinders kann an die
Gegebenheiten der Einbaustelle und an die erforderliche Tragfähigkeit des fertigen
Binders angepasst werden. Somit erlaubt das vorliegende Verfahren gegenüber dem Stand
der Technik eine wesentlich höhere Flexibilität beim Arbeiten mit Leimbindern, ohne
das allgemein übliche Erfordernis von großen Maschinen und schwerem Gerät zu benötigen.
Kurze Beschreibung der Zeichnungen
[0028] Die Erfindung wird nun anhand der folgenden Zeichnungen erläutert.
Fig 1 zeigt einen Schritt des Verfahrens gemäss der vorliegenden Erfindung in einer
schematischen isometrischen Darstellung.
Fig 2 zeigt einen weiteren Schritt des Verfahrens gemäss der vorliegenden Erfindung
in einer schematischen isometrischen Darstellung.
Fig 3 zeigt eine weitere Ausführung des Verfahrens gemäss der vorliegenden Erfindung
in einer schematisch isometrischen Darstellung.
Fig 4 zeigt einen Ausführungsschritt des Verfahrens gemäss der vorliegenden Erfindung
in einer isometrischen Darstellung.
Fig 5 zeigt eine schematische Sicht eines Leimbinders, welcher anhand des Verfahrens
gemäss der vorliegenden Erfindung hergestellt wurde, in einer isometrischen Darstellung.
Fig 6 zeigt einen Querschnitt eines Leimbinders, welcher anhand des Verfahrens gemäss
der vorliegenden Erfindung hergestellt wurde.
Fig 7 zeigt einen Querschnitt eines Leimbinders, welcher anhand einer weiteren Ausführungsweise
des Verfahrens gemäss der vorliegenden Erfindung hergestellt wurde.
Fig 8 zeigt einen Querschnitt eines Leimbinders, welcher anhand einer weiteren Ausführungsweise
des Verfahrens gemäss der vorliegenden Erfindung hergestellt wurde, wobei der Leimbinder
anhand von zwei Zapfen mit dem Bauwerk verbunden ist.
Fig 9 zeigt einen weiteren Schritt des Verfahrens gemäss der vorliegenden Erfindung
in einer schematischen isometrischen Darstellung.
Fig 10 zeigt weitere Ausführungsmöglichkeiten des Verfahrens gemäss der vorliegenden
Erfindung in einer schematischen isometrischen Darstellung.
Detaillierte Beschreibung der Erfindung
[0029] Im Folgenden wird zwischen dem fertigen Leimbinder und der Leimbinderstruktur unterschieden.
Während der Anwendung des Verfahrens gemäss der vorliegenden Erfindung besteht zu
jedem Zeitpunkt die Leimbinderstruktur, welche Stück für Stück erweitert wird, bis
Sie schlussendlich zum fertigen Leimbinder wird.
[0030] Die Leimbinderstruktur besteht zu jedem Zeitpunkt aus mindestens einer Holzelementlage,
wobei die Holzelemente in zwei benachbarten Lagen breitseitig überlagert sind. Die
Breite der Leimbinderstruktur hängt von der Anzahl und Breite der Holzelemente ab,
welche schmalseitig nebeneinander gefügt werden. Gleiche Ziffern in den Figuren werden
benutzt, um gleiche Konzepte innerhalb verschiedener Ausführungsweisen darzustellen.
So ist die Leimbinderstruktur zum Beispiel mit den Ziffern 100, 200, 300, 400 und
500 gekennzeichnet.
[0031] Vorzugsweise werden Holzelemente, wie Bretter oder Kanthölzer, mit einem rechteckigen
Querschnitt, vorzugsweise von 4x6 cm, verarbeitet. Diese eignen sich zur Verarbeitung
auf der Baustelle und haben ein geringes Gewicht. Vorzugsweise wird wasserlöslicher
Holzleim verarbeitet, jedoch kann jeder geeignete Leim benutzt werden. Es können jedoch
auch beliebige Holzelemente mit unterschiedlichen Ausmaßen verwendet werden. Die verwendeten
Holzelemente werden vorzugsweise vor dem Verleimen glatt gehobelt. Eine bevorzugte
Ausführungsweise des vorliegenden Verfahrens wird nun anhand der Zeichnungen Fig 1
bis Fig 6 erläutert.
[0032] Falls ein Leimbinder zwischen zwei Wänden 101, 102 angebracht werden soll, so muss
er beidseitig mit dem Mauerwerk verankert werden. Ein Holzelement 110 wird vorzugsweise
passgenau auf die Länge gebracht, die der Distanz zwischen den Wänden 101 und 102
entspricht. An beiden Wänden wird ein Anker 103, 104, welcher zum Beispiel aus einem
Kantholz besteht, durch Schrauben oder Leimen am Mauerwerk beliebig fest befestigt.
In einer weiteren Ausführung besteht der Anker aus einem Holzblock, welcher durch
Schrauben und/oder Leim beliebig fest am Mauerwerk befestigt wird. Falls der fertige
Leimbinder waagerecht angeordnet sein soll, so ist es maßgeblich, dass sich beide
Anker 103, 104 in einer waagerechten horizontalen Ebene befinden. Im Allgemeinen gibt
die Anordnung der Ankerpunkte die Ausrichtung des fertigen Leimbinders an. Die aus
dem Holzelement 110 bestehende Leimbinderstruktur 100 wird dann nahe den Kopfenden
des Holzelementes 110 mittels Leim 111 an beiden Ankern befestigt. Wie in Fig 1 abgebildet,
verläuft das Holzelement 110 vorzugsweise rechtwinklig zu den entlang des Mauerwerk
befestigten Ankerpunkten 103, 104.
[0033] Das Befestigen des Ankerpunktes hat den Vorteil, dass das Mauerwerk durch das Anbringen
der Leimbinderstruktur 100 nicht beschädigt wird. Es ermöglicht das Befestigen einer
Leimbinderstruktur ohne weiteres Gerät an einem Mauerwerk, egal ob an diesem Mauerwerk
schon ein bestehender, zu verstärkender Binder befestigt ist, oder nicht. Die neue
Leimbinderstruktur kann so an beliebigen Stellen befestigt werden, welche an der Baustelle
den strukturell günstigsten Stellen entsprechen, und ohne sich zwingend auf bestehende
Binderstrukturen als Ausgangspunkt zu stützen.
[0034] Die so mit dem Mauerwerk verbundene Leimbinderstruktur wird dann in Länge, Dicke
und Breite nach Bedarf auf der Baustelle ausgebaut.
[0035] Wie in Fig 2 gezeigt, kann die Leimbinderstruktur 100 in der Höhe durch ein weiteres
Holzelement 113 erweitert werden. Hierzu wird eine dünne Leimschicht 112 an der Unterseite
des Holzelementes 110 aufgebracht. Das Holzelement 113 wird dann an das Holzelement
110 gepresst und die beiden Holzelemente werden anhand wenigstens einer, jedoch vorzugsweise
mehreren Schrauben 114 verschraubt. Das Verschrauben erzeugt den nötigen Presskontakt
zwischen den so verleimten Holzelementen, und erlaubt es dem Handwerker, die Leimbinderstruktur
100 weiter auszubauen noch bevor der Leim komplett durchgetrocknet ist.
[0036] Fig 3 und 6 zeigen, wie nach dem gleichen Prinzip weitere Holzelemente, etwa innerhalb
der zweiten Lage 116 oder in einer weiteren dritten Lage 117, in die Leimbinderstruktur
100 eingebaut werden. Dies erfolgt, wie schon beschrieben, durch eine Leimverbindung
112 und durch das Verschrauben 114 an die schon bestehende Leimbinderstruktur. Bei
dem Ausbau der Leimbinderstruktur über mehrere Lagen ist zu beachten, dass die Schnittpunkte
in den verschiedenen Ebenen 115, 118 sich nicht überlagern. Aus strukturellen Gründen
sollen jegliche Schnittpunkte einen horizontalen Abstand von etwa 60cm einhalten.
[0037] Es ist des Weiteren möglich, die Leimbinderstruktur in der Breite auszubauen. Hierbei
ist es wiederum wichtig zu beachten, dass keine Schnittpunkte oder Fugen aufeinandertreffen,
um die Steifigkeit des Leimbinders nicht zu verringern. Vorzugsweise wird hierzu,
wie in Fig 4 gezeigt, zunächst eine Platte 120 breitseitig und lagenüberbrückend an
der bestehenden Leimbinderstruktur 100 angebracht. Die Verbindung wird vorzugsweise
anhand einer Leimschicht 122 und durch Schrauben 124, welche den Presskontakt zwischen
der Platte 120 und der restlichen Struktur erstellen, gewährleistet. Bei der Platte
120 kann es sich vorzugsweise um eine OSB Platte, eine Spanplatte, eine Tischlerplatte
oder eine sonstige Holzplatte handeln. Die Länge der Platte kann der Gesamtlänge oder
einer Teilslänge der Distanz zwischen den Wänden 101, 102 entsprechen. Es können auch
mehrer kleinere lagenüberbrückende Platten angebracht werden.
[0038] Fig 5 zeigt wie nach dem gleichen Verfahren weitere Holzelemente 130, 150, 151, 152,
und weitere Zwischenplatten 140 mittels Verleimen 112 und Presskontakt durch Schrauben
114 in die Leimbinderstruktur 100 eingebunden werden. So wächst der Leimbinder an
Ort und Stelle passgenau auf der Baustelle. Die Höhe und die Breite kann beliebig
nach unten wie nach oben erweitert werden. Im Beispiel von Fig 5 wird der Anker 103
nicht mehr sichtbar sein, da er allerseits von Holzelementlagen umschlossen wird.
Dabei bildet er eine Zapfverbindung zum fertigen Leimbinder. Somit ist das grundlegende
Prinzip des Verfahrens gemäss der vorliegenden Erfindung dargelegt. Es ergeben sich
dem Fachmann sicherlich weitere Anwendungsbeispiele, in welchen dieses Verfahren seine
Nützlichkeit beweisen kann.
[0039] Fig 7 zeigt ein weiteres Anwendungsbeispiel, worin die Leimbinderstruktur 200 an
einer Wand 201 verankert ist. In diesem Fall besteht der Anker nicht aus einem Vorsprung,
sonder aus einer Aussparung 203 in der Wand 201. Ein erstes Holzelement 210 wird in
der Aussparung verleimt, und dann durch weitere Holzelemente 213, 216 nach dem beschriebenen
Verfahren durch Verleimen 212 und Verschrauben 214 erweitert. Falls die Höhe der Aussparung
nicht der Dicke eines vorhandenen Holzelementes entspricht, so kann die Dicke des
Holzelementes etwa durch Verleimen eines dünneren Holzelementes erweitert, oder durch
Absägen verringert werden. So kann in jedem Fall das Holzelement an Ort und Stelle
passgenau eingebaut werden.
[0040] Fig 8 zeigt ein weiteres Beispiel, in dem die Tragfähigkeit der Leimbinderstruktur
300 durch Benutzung von zwei Ankerpunkten 303, 305 in der Wand 301 erhöht wird. Selbstverständlich
ist das Benutzen von mehreren Ankerpunkten an der gleichen Wand nicht auf durch Aussparungen
ausgebildete Ankerpunkte 303, 305 beschränkt. Auch die beschriebenen, an dem Mauerwerk
befestigten, Ankerpunkte können hierzu vervielfältigt eingesetzt werden um die Tragfähigkeit
der Leimbinderstruktur zu erhöhen.
[0041] Falls, wie in Fig 9, ein Leimbinder zwischen zwei Wänden 401, 402 angebracht werden
soll, deren Abstand zu einander größer ist als die Länge des längsten vorhandenen
Holzelementes, so muss dieses zur Verankerung verlängert werden. Hierzu wird das Holzelement
410 mit dem passgenauen Holzelement 413 verbunden. Die Verbindung erfolgt über das
überbrückende Holzelement 415, welches mit beiden Holzelementen 410 und 413 verleimt
412 und verschraubt 414 wird. Der restliche Ausbau des Leimbinders folgt dann gemäss
dem beschriebenen Verfahren. Bei noch größeren zu überbrückenden Längen, kann dieses
Verfahren zur Verlängerung auch auf mehrere Zwischenstücke angewendet werden.
[0042] Selbstverständlich können, wie in Fig 10 gezeigt, auch Holzelemente 516 an der Oberseite
des ersten Holzelementes 510 verleimt 512 und verschraubt 514 werden. Des weiteren
müssen die Holzelemente auch nicht zwangsläufig parallel zu einander verbunden werden.
So kann zum Beispiel eine Verzapfung eines Querbalkens, wie anhand der Holzelemente
517 und 518 angedeutet, direkt in die Leimbinderstruktur eingebunden werden. Die Abwinkelung
kann hierbei beliebig sein und kann den Gegebenheiten der Baustelle an Ort und Stelle
angepasst werden. Somit ermöglicht die vorliegenden Erfindung das Erstellen von Brettschnittholz,
welches nicht nur geradlinig, sondern auch nach beliebigen Winkeln verlaufen kann.
[0043] In jedem Fall ergibt sich die Tragfähigkeit des fertigen Leimbinders erst nach komplettem
Durchtrocknen des Leims. Diese Trocknungszeit hängt zwangsläufig von dem benutzten
Leim ab.
[0044] Die Gesamtdicke des Leimbinders kann ortsabhängig ausgeführt werden, indem mehr oder
weniger Holzelementlagen miteinander verleimt und verschraubt werden.
[0045] In einer weiteren Ausführung des Verfahrens gemäss der vorliegenden Erfindung können
an den Seiten der Außenlagen der Leimholzstruktur, welche am fertigen Leimbinder sichtbar
bleiben, hochwertigere Holzelemente, wie zum Beispiel Bretter aus Edelholz verleimt
und verschraubt werden. Somit entsteht ein Leimbinder, welcher im Kern ein robustes
und tragfähiges Holz enthält, und an den Außenseiten visuell ansprechender ist.
[0046] Obwohl das Verfahren nun anhand eines horizontalen Brettschnittholzes erläutert wurde,
ist es nicht auf ein solches begrenzt. So kann die Verankerung des ersten Holzelementes
anstatt an einer Wand, beispielsweise an einer Bodenplatte stattfinden. So kann dann
durch Anwendung des Verfahrens ein Pfosten beliebiger Höhe und Dicke aufgebaut werden.
[0047] Das beschriebene Verfahren kann auch dazu benutzt werden, einen bestehenden Balken
zu verdicken und dessen Tragfähigkeit zu erhöhen, oder ihn mit weiteren Ankerpunkten
im Mauerwerk zu versehen.
[0048] Das vorliegende Verfahren erlaubt es, einen passgenauen Leimbinder vor Ort auf der
Baustelle, d.h. an der Einbaustelle, herzustellen. Weil der Leimbinder von seinem
Ankerpunkt aus wächst, wird kein schweres Gerät benötigt, und es ist zum Beispiel
möglich, den Leimbinder Stück für Stück in einem geschlossenen Raum anzufertigen.
[0049] Durch den geringen maschinellen Aufwand eignet sich das Verfahren insbesondere für
den Bau von stabilen Holzkonstruktionen in Entwicklungsländern, wo die benötigten
Rohstoffe vorhanden sind, jedoch die Kosten das Errichten von konventionellen Konstruktionen
oft nicht erlauben. Allgemein können die nach dem Verfahren hergestellten Leimbinder
in jeglichen Konstruktionen, wie auch beim Möbelbau und beim Hausbau, zum Einsatz
kommen.
[0050] Die Erfindung ist nicht auf das in der vorangehenden Beschreibung aufgeführte Beispiel
beschränkt, und der Schutzbereich der Erfindung ergibt sich aus den beigefügten Patentansprüchen.
1. Verfahren zur Herstellung und zum Anbringen eines Leimbinders an einem Bauwerk, worin
a. in einem ersten Schritt wenigstens ein Ankerpunkt (103; 203; 303; 403; 503) an
einem Bauwerk befestigt wird;
b. in einem zweiten Schritt ein erstes Holzelement (110; 210; 310; 410; 510) in der
Nähe eines seiner Kopfenden an dem wenigstens einem Ankerpunkt (103; 203; 303; 403;
503) des Bauwerks befestig wird, und die erste Lage des Leimbinders bildet, und
c. in einem weiteren Schritt wenigstens ein weiteres Holzelement (113; 213; 313; 414;
513) mit seiner Ober- beziehungsweise Unterseite an die Unterbeziehungsweise Oberseite
des ersten Holzelementes verleimt (112; 212; 312; 412; 512) wird und mittels wenigstens
einer Schraube (114; 214; 314; 414; 514) in Pressverbindung gebracht wird, um so eine
zweilagige Leimbinderstruktur (100; 200; 300; 400; 500) zu erstellen.
2. Verfahren nach Anspruch 1, worin der wenigstens eine Ankerpunkt (103; 203; 303; 403)
aus einem Holzelement besteht, welches am Bauwerk befestig wird.
3. Verfahren nach einem der vorherigen Ansprüche, worin das erste Holzelement (110) an
wenigstens zwei Ankerpunkten (103, 104) befestigt wird.
4. Verfahren nach einem der vorherigen Ansprüche, worin wenigstens ein weiteres Holzelement
mit einer freien Ober- beziehungsweise Unterseite eines Holzelementes der Leimbinderstruktur
(100; 200; 300; 400; 500) verleimt und verschraubt wird.
5. Verfahren zur Erweiterung der Höhe einer Leimbinderstruktur gemäss dem Verfahren nach
einem der vorherigen Ansprüche, wobei weitere Lagen gemäss einem der vorherigen Ansprüche
an die Leimbinderstruktur angebracht werden, bis die gewünschte Höhe erreicht wird.
6. Verfahren nach einem der vorherigen Ansprüche, worin wenigstens ein weiteres Holzelement
(317) der Leimbinderstruktur (300) an einem Ankerpunkt (305) verleimt wird.
7. Verfahren nach einem der vorherigen Ansprüche, worin alle Holzelemente der Leimbinderstruktur
(100) parallel zu einander verleimt und verschraubt werden.
8. Verfahren nach einem der vorherigen Ansprüche, worin wenigstens ein Holzelement (517)
nicht parallel zu den restlichen Holzelementen der Leimbinderstruktur (500) verleimt
und verschraubt wird.
9. Verfahren nach einem der vorherigen Ansprüche, wobei weiterhin wenigstens eine Holzplatte
(120) lagenüberbrückend seitlich an der Leimbinderstruktur (100) verleimt und verschraubt
wird.
10. Verfahren zur Verdickung einer Leimbinderstruktur, wobei wenigstens eine zweite Leimbinderstruktur
gemäss dem Verfahren nach einem der vorherigen Ansprüche mit einer Holzplatte (120,
130) einer ersten Leimbinderstruktur gemäss dem Verfahren nach Anspruch 9 verbunden
wird.
11. Verfahren nach einem der vorherigen Ansprüche, wobei das Bauwerk eine Mauer (101;
201; 301; 401; 501) oder eine Bodenplatte ist.
12. Verfahren nach einem der vorherigen Ansprüche, wobei die äußeren sichtbaren Lagen
der Leimbinderstruktur aus einem Edelholz sind.
13. Leimbinder hergestellt durch ein Verfahren gemäss der Ansprüche 1 bis 12.
14. Konstruktion aus Leimbindern gemäss Anspruch 13.
15. Konstruktion nach Anspruch 14, wobei die Konstruktion ein Haus ist.