Technisches Gebiet
[0001] Die Erfindung betrifft Vorrichtungen und Verfahren zum Spalten von festen Materialien,
insbesondere Felsgestein oder Beton.
Stand der Technik
[0002] Aus dem Stand der Technik sind verschiedene Verfahren bekannt, um Felsgestein, Beton
oder andere harte, mineralische Materialien zu spalten bzw. in kleinere Teile zu zerlegen.
Das Sprengen von Gestein mittels Explosivstoffen ist effizient, ist jedoch für die
unmittelbare Umgebung risikoreich und erfordert speziell ausgebildete Fachleute. Das
Zerlegen mittels Abbauhammer wiederum ist langwierig, vor allem bei hartem Gestein.
Zudem ist bei beiden Methoden die Lärmbelastung gross, und es entstehen erhebliche
Vibrationen.
[0003] Alternative Methoden zum Zerlegen von massivem Felsgestein wurden ursprünglich in
Steinbrüchen angewendet, um Steinblöcke zu abzutrennen. Zu diesem Zweck werden parallel
zu einer gewünschten Spaltrichtung mehrere Löcher gebohrt, und anschliessend in diese
Löcher Keile eingeführt oder gepresst. Diese kombinierte Bohr-Spalt-Technik wurde
später vereinfacht durch die Entwicklung hydraulisch betätigbarer Spaltzylinder, wie
sie beispielsweise in
DE 1254562,
DE 2403317,
DE 543667 beschrieben werden. Diese bestehen im wesentlichen aus zwei Zylinderhälften, zwischen
die hydraulisch ein Zwischenkeil eingepresst wird, so dass die beiden Zylinderhälften
auseinander gespreizt und senkrecht zur Längsachse nach aussen gedrückt werden, und
so entgegen gesetzte Kräfte auf das Gestein erzeugen.
[0004] Bei der Bohr-Spalt-Technik erfolgt das maschinelle oder manuelle Bohren der Löcher
beispielsweise mittels Druckluftbohrern. Nach dem Fertigstellen der Bohrung wird der
Spaltzylinder von Hand in die Bohrung eingeführt, was präzise erfolgen muss, damit
der Spaltzylinder nicht verklemmt. Vor allem der Spaltzylinder ist sehr schwer, bis
zu 45 kg, was die Gesundheit der Arbeiter belastet. Zudem muss der Arbeiter in unmittelbarer
Nähe der Spaltfläche sein, beim Bohren, beim Einführen des Einsatzes, sowie während
des Spaltvorganges, damit der damit der Spaltzylinder nicht in den Spalt fällt. Dies
bedeutet ein erhöhtes Unfallrisiko, beispielsweise wegen splitterndem, oder abrutschendem
Spaltgut, vor allem bei exponierten Positionen wie beispielsweise auf grossen Felsblöcken,
in Felswänden, etc.
Aufgabe der Erfindung
[0005] Aufgabe der Erfindung ist es, Vorrichtungen und Verfahren zum Spalten von festen
Materialien, insbesondere Felsgestein oder Beton, zur Verfügung zu stellen, welche
die oben erwähnten und andere Nachteile nicht aufweisen.
[0006] Insbesondere soll mit einer erfindungsgemässen Vorrichtung bzw. einem erfindungsgemässem
Verfahren der Gesamtvorgang schneller und sicherer ausgeführt werden können.
[0007] Eine andere Aufgabe der Erfindung ist es, eine Vorrichtung zur Verfügung zu stellen,
bei der grössere Spaltvorrichtungen verwendet werden können.
[0008] Eine weitere Aufgabe der Erfindung ist es, eine Vorrichtung zur Verfügung zu stellen,
bei welchem die Spaltebene in jeder beliebigen Lage bzw. Winkel gewählt werden kann.
[0009] Eine erfindungsgemässe Vorrichtung soll flexibel in der Anwendung sein, und soll
kostengünstig herstellbar und wartbar sein.
[0010] Diese und andere Aufgaben werden gelöst durch eine erfindungsgemässe Vorrichtung
zum Bohren und Spalten, eine erfindungsgemässe Maschine, sowie ein erfindungsgemässes
Verfahren gemäss den unabhängigen Ansprüchen. Weitere vorteilhafte Ausführungsformen
sind in den abhängigen Ansprüchen gegeben.
Darstellung der Erfindung
[0011] Eine erfindungsgemässe Vorrichtung zum Bohren und Spalten eines festen Materials,
insbesondere von Felsgestein oder Beton, umfasst eine Lafette mit einem darauf entlang
einer ersten Achse transversal verschiebbaren Arbeitskopf und einer Bohrvorrichtung,
die am Arbeitskopf angebracht ist. Die Bohrvorrichtung ist dazu geeignet, in einer
Arbeitsposition parallel zur ersten Achse in das Material ein Loch zu bohren. Am Arbeitskopf
ist eine Spaltvorrichtung angebracht, welche dazu geeignet ist, in einer Arbeitsposition
parallel zur ersten Achse in einem gebohrten Loch eine rechtwinklig zur Lochachse
wirkende Spaltkraft zu erzeugen. Der Arbeitskopf ist in Bezug auf die Lafette derart
um eine zweite Achse drehbar, dass durch Drehen des Arbeitskopfes um die zweite Achse
und Verschieben des Arbeitskopfes entlang der ersten Achse wechselweise entweder die
Bohrvorrichtung oder die Spaltvorrichtung in die Arbeitsposition bringbar ist.
[0012] Gegenüber dem Stand der Technik ist bei einer erfindungsgemässen Vorrichtung nur
ein einziges Gerät notwendig. Zudem ist für beide Aufgaben (Bohren und Spalten) ein
einmaliges Positionieren der Vorrichtung ausreichend. Es ist weiter keine manuelle
Arbeit notwendig. Dies führt zu einer grossen Zeitersparnis gegenüber der herkömmlichen
Bohr-Spalt-Technik.
[0013] Sowohl während dem Bohren als auch während dem Spaltvorgang muss sich im Gefahrenbereich
(hydraulischer Hochdruck, splitterndes oder rutschendes Material) kein Personal aufhalten.
Die Arbeitplatzsicherheit wird dadurch erheblich verbessert.
[0014] Eine erfindungsgemässe Vorrichtung umfasst vorteilhaft Mittel zur Fixierung der Position
der Lafette in Bezug auf das Material. Dies erlaubt eine exakte Positionierung des
Spaltgerätes in Bezug auf das Bohrloch, und eine ebenso exakte Einführung in das Bohrloch.
Die genannten Fixierungsmittel umfassen vorteilhaft ein Zentrierelement, beispielsweise
einen Zentrierkeil, der an einem Ende der Lafette angebracht ist. Eine solche Ausführungsvariante
erlaubt eine präzise Positionierung der Lafette während des gesamten Bohr- und Spaltvorgangs.
[0015] Alternativ ist es auch möglich, durch geeignete Lagesensoren und ein geeignetes Positionierungssystem,
beispielsweise basierend auf einem GPS-System, die Lafette auch ohne physischen Kontakt
mit dem Material exakt auf der gleichen Position zu halten.
[0016] Die Bohrvorrichtung umfasst vorzugsweise einen Schlagbohrer. Dieser Schlagbohrer
kann beispielsweise hydraulisch, pneumatisch oder elektrisch angetrieben sein.
[0017] Die Spaltvorrichtung umfasst vorteilhaft einen Spalteinsatz in Form eines Spaltzylinders,
wie er beispielsweise aus
DE 1254562,
DE 240331 7,
DE 543667 bekannt ist.
[0018] Anwendbar sind jedoch auch andere Spaltgeräte. Beispielsweise kann die Spaltvorrichtung
über Mittel zum Einbringen eines physikalischen und/oder chemischen Expansionsmittels
in das Spaltloch verfügen. Ein geeigneter solcher Spaltsstoff wird beispielsweise
in
CH694341A5 beschrieben und von der Firma Kubatec Kunststoff und Bau-Technik AG unter dem Handelsnamen
Betonamit vertrieben. Dabei wird mit einem mit Wasser angemischten Expansionsmittel
auf Basis von ungelöschtem Kalk im Bohrloch ein in alle Richtungen gehender Spaltdruck
von 4000 - 9000 t/m
2 (ca. 400 - 900 bar) nach 10 bis 50 Stunden erreicht.
[0019] Entsprechend weist die Spaltvorrichtung einer solchen Variante einer erfindungsgemässen
Vorrichtung Mittel zum Einbringen des Expansionsmittels in das Spaltloch auf, beispielsweise
in Form eines Einfüllstutzens, der in das Bohrloch eingeführt wird. Auch hier ist
eine präzise Positionierung notwendig. Eine geeignete Versorgungsvorrichtung fördert
dann das Expansionsmittel in das Bohrloch.
[0020] Vor dem Einbringen des Expansionsmittels kann ein rohrförmiger Kunststoffbehälter
in das Bohrloch eingeführt werden, welcher das Wegfliessen des zu Beginn flüssigen
Expansionsmittels verhindert. Eine erfindungsgemässe Vorrichtung weist in solch einem
Fall vorteilhaft auch noch eine Vorrichtung zum Einführen der Kunststoffbehälter auf.
[0021] Ebenfalls können zusätzliche Vorrichtungen zum Aufrauen des Bohrloches vorgesehen
sein, wie sie in
CH694341A5 beschrieben wird, in Form einer rotierenden Stange mit einer Vielzahl von Exzenterschlagscheiben.
[0022] Der Durchmesser und die Länge des Bohrlochs richten sich nach der Dimensionierung
des verwendeten Spalteinsatzes. Bei den üblicherweise verwendeten Spalteinsätzen,
beispielsweise der Firma Darda GmbH, betragen Bohrlochdurchmesser/minimale Bohrlochlänge
zwischen 32mm/270mm (Modell Darda C2SN) und 48mm/680mm (Modell Darda C12L). Die Dimensionierung
dieser Geräte ist jedoch mit Blick auf den Handbetrieb gewählt. Bei einer erfindungsgemässen
Vorrichtung, wo keine manuelle Positionierung des Spalteinsatzes notwendig ist, können
auch grössere Dimensionen gewählt werden. Beispielsweise kann der Bohrlochdurchmesser
70 bis 80 mm betragen, und die Bohrlochlänge beispielsweise 1 m.
[0023] In einer besonders vorteilhaften Ausführungsform einer erfindungsgemässen Vorrichtung
sind die Bohrvorrichtung und die Spaltvorrichtung um 180° entgegengesetzt am Arbeitskopf
angeordnet. Um die eine oder die andere Vorrichtung in die Arbeitsposition zu bringen,
muss also der Arbeitskopf um 180° gedreht werden.
[0024] In einer anderen besonders vorteilhaften Ausführungsform einer erfindungsgemässen
Vorrichtung ist zweite Achse gegenüber der ersten Achse in einem Winkel von weniger
als 90° angeordnet. Diese Variante bietet den Vorteil, dass die Bohrvorrichtung und
die Spaltvorrichtung verkippt zueinander stehen können, was die Bauhöhe verkleinert.
[0025] Vorteilhaft ist die Bohrvorrichtung derart am Arbeitskopf angeordnet, dass die beim
Bohren wirkenden Kräfte durch die zweite Achse verlaufen. Die Kräfte können so von
der Lafette aufgenommen werden, ohne dass ein seitliches Drehmoment wirkt.
[0026] Eine erfindungsgemässe Vorrichtung kann an einem stationären oder mobilen Gerät angebracht
werden, insbesondere an Baugeräten mit Hydrauliksystem. Beispielsweise kann die Vorrichtung
mit einer Schnellkupplung ausgestattet sein, mit welcher sie an einem Ausleger eines
Baggers angebracht werden kann. Die Steuerung und Energieversorgung erfolgt in einem
solchen Fall vorteilsweise über den Bagger. Es kann gegebenenfalls auch eine Kamera
vorgesehen sein, welche dem Baggerführer das Aufsetzen des Zentrierelements in der
Zentrierbohrung erleichtert. Die Steuerung der Vorrichtung erfolgt manuellmechanisch
oder kabel-/funkgesteuert.
[0027] Alternativ kann die Vorrichtung als Selbstfahrlafette ausgestaltet sein, bei welchem
die Vorrichtung an einem selbstfahrenden Fahrgestell angebracht ist. Weiter gibt es
die Möglichkeit, eine erfindungsgemässe Vorrichtung beispielsweise an einem Dreibeingestell
zu montieren. In diesem Fall erfolgt die Energieversorgung beispielsweise über ein
separates Hydraulikaggregat.
[0028] In einer weiteren vorteilhaften Ausführungsform verfügt eine erfindungsgemässe Vorrichtung
über Mittel zum Einbringen eines physikalischen und/oder chemischen Spaltstoffes in
das Spaltloch.
[0029] Bei einer anderen vorteilhaften Ausführungsvariante einer erfindungsgemässen Vorrichtung
sind am Arbeitskopf mehrere parallele Bohrvorrichtungen und mehrere parallele Spaltvorrichtungen
angebracht sind. Dies bietet die Möglichkeit, mehrere Löcher gleichzeitig zu bohren
bzw. zu spalten.
[0030] Eine erfindungsgemässe mobile oder stationäre Maschine weist eine oder mehrere solche
erfindungsgemässe Vorrichtungen zum Bohren und Spalten auf.
[0031] Ein erfindungsgemässen Verfahren zum Spalten eines festen Materials, insbesondere
Felsgestein oder Beton, wird vorteilsweise mit einer erfindungsgemässen Vorrichtung
ausgeführt.
[0032] Bei einem erfindungsgemässen Verfahren zum Spalten eines festen Materials, insbesondere
von Felsgestein oder Beton, wird mit einer Bohrvorrichtung in das Material ein Loch
gebohrt, im genannten Loch eine Spaltvorrichtung angeordnet, und mit der Spaltvorrichtung
das Material gespalten. Dabei wird eine Lafette bereitgestellt, mit einem darauf entlang
einer ersten Achse transversal verschiebbaren und um eine zweite Achse drehbaren Arbeitskopf,
und einer Bohrvorrichtung und einer Spaltvorrichtung, die am Arbeitskopf angebracht
sind. Mit der Bohrvorrichtung in Arbeitsposition wird in das Material ein Loch gebohrt.
Der Arbeitskopf wird dann derart entlang der ersten Achse verschoben und um die zweite
Achse gedreht, dass sich anschliessend die Spaltvorrichtung in Arbeitsposition im
Bohrloch befindet. Mit der Spaltvorrichtung wird schliesslich das Material gespalten.
[0033] Vorteilhaft wird bei einem solchen Verfahren die Lafette vorübergehend gegenüber
dem Material form- und/oder kraftschlüssig fixiert.
Kurze Beschreibung der Zeichnungen
[0034] Im folgenden wird die erfindungsgemässe Vorrichtung anhand von Zeichnungen erläutert,
die jedoch lediglich Ausführungsbeispiele des Erfindungsgegenstands zeigen.
- Figur 1
- zeigt schematisch eine erfindungsgemässe Vorrichtung (a) in Seitenansicht, (b) in
einer Ansicht von schräg vorne, und (c) von vorne.
- Figur 2
- zeigt die Vorrichtung aus Figur 1, montiert am Ausleger eines Baggers.
- Figur 3
- zeigt schematisch eine erfindungsgemässe Vorrichtung in Seitenansicht, beim Anbringen
eines Zentrierlochs.
- Figur 4
- zeigt schematisch die erfindungsgemässe Vorrichtung von schräg vorne, während des
Bohrens des Spaltlochs mit der Bohrvorrichtung.
- Figur 5
- zeigt schematisch die erfindungsgemässe Vorrichtung während des Drehens des Werkzeugkopfs.
- Figur 6
- zeigt schematisch die erfindungsgemässe Vorrichtung beim Einführen des Spalteinsatzes
in das Spaltloch.
- Figur 7
- zeigt schematisch eine Vorderansicht einer weiteren Ausführungsform einer erfindungsgemässen
Vorrichtung, mit versetzt angeordneter Bohrvorrichtung und Spaltvorrichtung.
- Figur 8
- zeigt schematisch eine Seitenansicht noch einer weiteren Ausführungsform einer erfindungsgemässen
Vorrichtung, mit verkippter Drehachse.
Ausführung der Erfindung
[0035] Die im Folgenden gegebenen Beispiele werden zur besseren Veranschaulichung der vorliegenden
Erfindung gegeben, sind jedoch nicht dazu geeignet, die Erfindung auf die hierin offenbarten
Merkmale zu beschränken.
[0036] Figur 1 zeigt eine mögliche Ausführungsform einer erfindungsgemässen Vorrichtung
1. Auf einer Lafette 2 mit einer Linearschiene 22 ist ein Schlitten 23 entlang einer
ersten Achse 26 verschiebbar angeordnet, angetrieben durch den Antrieb 25. Auf dem
Schlitten ist ein Arbeitskopf 24 angeordnet, der um eine zweite Achse 27 drehbar ist.
[0037] Auf dem Arbeitskopf 24 ist eine Bohrvorrichtung 4 angebracht, sowie eine Spaltvorrichtung
5. Die Bohrvorrichtung 4 ist im gezeigten Beispiel als hydraulisch betriebener Schlagbohrer
mit Bohrgestänge 41 und Bohrkrone 42 ausgestaltet. Jedoch ist die genaue Funktionsweise
nicht relevant, solange die Bohrvorrichtung dazu geeignet ist, ein Loch in das zu
spaltende Material zu bohren. Bei der Spaltvorrichtung 5 handelt es sich um einen
hydraulisch angetriebenen Spaltzylinder, wie er beispielsweise von der Firma Darda
GmbH, Blumberg, Deutschland hergestellt wird. Jedoch sind auch hier andere Vorrichtungen
anwendbar, die nach Einführung in ein Bohrloch eine Spaltkraft auf die Lochwände ausüben
können, um so das Material zu spalten.
[0038] Die Bohrvorrichtung 4 und die Spaltvorrichtung 5 sind parallel und um 180° entgegen
gesetzt zueinander und gefluchtet entlang einer gemeinsamen Achse am Arbeitskopf 24
montiert. In der gezeigten Figur befindet sich die Bohrvorrichtung in der Arbeitsposition.
In dieser kann der laufende Bohrer durch den Linearantrieb 22, 23, 25 gegen das zu
bearbeitende Material gedrückt werden, wie bei bekannten Bohrlafetten.
[0039] Ist nun das Spaltloch gebohrt, so wird der Bohrer 4 wieder nach oben gefahren, und
der Arbeitskopf um 180° um die Achse 27 gedreht. Nun befindet sich die Spaltvorrichtung
5 in der Arbeitsposition. Mit dem Linearantrieb wird nun das Wirkende der Spaltvorrichtung,
hier der Spalteinsatz 51, gegen das Material hin gefahren und in das Bohrloch eingeführt.
Anschliessend wird die Spaltvorrichtung aktiviert.
[0040] Nach dem Ausführen des Spaltvorganges wird die Spaltvorrichtung wieder aus dem Spaltloch
zurückgezogen. Da es beim Spalten zu Verschiebungen des Materials kommen kann, wird
vorteilsweise die Aufhängung der Spaltvorrichtung flexibel ausgestattet, damit beim
Zurückziehen einer eventuell leicht verklemmten Spaltvorrichtung aus dem Bohrloch
Beschädigungen vermieden werden. In Figur 1 wird dies beispielsweise durch eine Pendelaufhängung
53 der Spaltvorrichtung 5 am Arbeitskopf 24 erreicht. Diese erlaubt bei Wirkung einer
seitlichen Kraft eine Auslenkung der Spaltvorrichtung um einen gewissen Winkel weg
von der Arbeitsachse. Analog ist in Figur 1 auch die Bohrvorrichtung 4 über zwei Pendelaufhängungen
43 am Arbeitskopf montiert.
[0041] Die Lafette 2 ist angebracht auf einer Trägerstruktur 11, die Hydraulikanschlüsse
und Steuerelektronik umfassen kann. Die Trägerstruktur kann weiter als Adapter zum
Anbau an ein Gerät dienen, beispielsweise den Ausleger 71 eines Baggers 7, wie in
Figur 2 dargestellt. Alternativ kann die Vorrichtung als Selbstfahrlafette ausgestaltet
sein, beziehungsweise auf einem selbstfahrenden Traggestell montiert sein. Alternativ
kann auch ein statisch aufgebautes Traggestell verwendet werden. Dieses kann beispielsweise
bei Bedarf aufgebaut werden, oder mit anderen Hilfsmitteln verschoben werden, beispielsweise
mit einem Kran.
[0042] Um eine möglichst exakte Positionierung des Spalteinsatzes 51 im Bohrloch zu erhalten,
wird vorteilhaft die Lafette in Bezug auf den Untergrund fixiert. Zu diesem Zweck
weist die dargestellte Ausführungsform der erfindungsgemässen Vorrichtung an einem
der Arbeitsrichtung zugewandten Ende der Lafette eine Zentriervorrichtung auf, in
Form eines Zentrierkeils 21. Mit diesem Zentrierkeil wird vor dem Bohren des Spaltlochs
die Lafette am zu bearbeitenden Untergrund fixiert, in dem die Lafette so auf dem
Untergrund platziert wird, dass der Zentrierkegel in einer Vertiefung zu liegen kommt,
und so die Lafette waagrecht zur Bohrachse 26 formschlüssig fixiert ist. Falls keine
Vertiefung vorhanden ist, wird eine solche einfach und schnell mit der Bohrvorrichtung
4 erzeugt. Vorteilhaft wird die erfindungsgemässe Vorrichtung mit manuellen Steuerelementen
ausgestattet, die es erlauben, die Vorrichtung auch direkt vor Ort zu bedienen, beispielsweise
in Notfällen.
[0043] Die Funktionsweise der erfindungsgemässen Vorrichtung wird nun anhand der einzelnen
Arbeitsschritte eines erfindungsgemässen Verfahrens weiter erläutert.
[0044] Figur 3 zeigt eine erfindungsgemässe Vorrichtung beim Anbringen einer Zentrierbohrung
61 auf dem Spaltgut 6. Die Vorrichtung ist auf einem nur schematisch dargestellten
Ausleger 71 eines Baggers montiert, der in den nachfolgenden Zeichnungen der Übersichtlichkeit
halber nicht weiter dargestellt wird. Der Schlitten 23 mit dem Arbeitskopf 24 befindet
sich in einer Mittelposition auf der Schiene 22 der Lafette. Der Bohrer 4 wird kurz
in Betrieb genommen, und bohrt eine Vertiefung 61 in das Spaltmaterial.
[0045] In einem nächsten Schritt wird nun der Arbeitskopf 24 mit der Bohrvorrichtung 4 vollständig
zurückgefahren, und anschliessend die Lafette 2 auf dem Spaltgut 6 fixiert, indem
der Zentrierkeil 21 in der Zentrierbohrung 61 positioniert wird. Mit dem Lafettenvorschub
wird die Bohrkrone 42 der in der Bohrmaschine 4 eingesetzten Bohrstange 41 mittels
eines geeigneten Näherungstasters auf das Spaltgut 6 aufgesetzt. Vorteilhaft ist der
Taster in Form eines elektromagnetischen Sensors verschiebbar auf der Schiene angeordnet,
wobei der entsprechende Auslöser für die Startposition am Fuss der Bohrvorrichtung
angebracht ist.
[0046] Durch den Lafettenvorschub wird die laufende Bohrmaschine in das Material 6 gedrückt
und das erforderliche Loch 62 gebohrt (dargestellt in Figur 4). Ein an der Aufhängung
der Bohrvorrichtung angebrachter Auslöser wird vom Näherungstaster auf der Schiene
detektiert, wenn die gewünschte Bohrlochtiefe erreicht ist. Die Bohrvorrichtung wird
ausgeschaltet, und es erfolgt durch die Lafette 2 der Rückzug der Bohrvorrichtung
aus dem Loch 62. Dabei wird jedoch die Lafette 2 und damit der Zentrierkeil 21 nicht
vom Untergrund oder der Felswand 6 weggehoben. Die Position der Lafette 2 in Bezug
auf das gebohrte Spaltloch 62 bleibt unverändert.
[0047] Nach dem vollständigen Zurückziehen der Bohrvorrichtung 5 wird der Arbeitskopf 24
um 180° gedreht (dargestellt in Figur 5), und dadurch gleichzeitig die Spaltvorrichtung
5 exakt über die Position des gebohrten Spatloches 62 gefahren. Der Lafettenvorschub
senkt nun den Spalteinsatz 51 des Spaltgerätes 5 in das Bohrloch ein. Die korrekte
Positionierung des Spalteinsatzes 51 im Bohrloch 62 (dargestellt in Figur 6) wird
erreicht, indem ein an der Spaltvorrichtung an passender Stelle angebrachter Auslöser
vom Näherungstaster detektiert wird. Die Arbeitsposition ist erreicht.
[0048] Der Spaltvorgang wird nun in der eingestellten Spaltrichtung 52 vorgenommen. Zum
Abschluss zieht die Lafette die Spaltvorrichtung aus dem nun gespaltenen Spaltgut
zurück.
[0049] Die Spaltrichtung kann vorab durch das Drehen der Spaltvorrichtung um die Zylinderachse
des Spalteinsatzes eingestellt werden. Zu diesem Zweck können entsprechende lösbare
Befestigungsmittel vorgesehen sein, die einen entsprechenden manuellen Umbau erlauben.
Es kann auch vorgesehen sein, die Ausrichtung der Spaltvorrichtung durch eine drehbare
Aufhängung zu verändern. In einer besonders vorteilhaften Variante kann so für jedes
Loch die Spaltrichtung individuell gewählt werden, indem die Spaltvorrichtung vor
dem Spalten maschinell entsprechend ausgerichtet wird.
[0050] Mit der dargestellten erfindungsgemässen Vorrichtung ist es demnach möglich, den
Bohr-Spalt-Vorgang in einem einzigen Arbeitsgang durchzuführen, also das Bohrloch
anzufertigen und ohne Verwendung eines separaten Spaltgerätes oder Neuansetzen die
Spaltung durchzuführen.
[0051] In der vorgenannten Ausführungsform einer erfindungsgemässen Vorrichtung sind die
Bohrvorrichtung und die Spaltvorrichtung in einer Linie, also 180° zueinander gedreht,
am Arbeitskopf angeordnet. Alternativ können die Bohrvorrichtung und die Spaltvorrichtung
jedoch auch in einen anderen Winkel zueinander angeordnet werden, beispielsweise 120°.
Eine solche Ausführungsvariante hat den Vorteil, dass die maximale benötigte Höhe
während des Betriebs kleiner ist, was bei nach oben beengten Platzverhältnissen vorteilhaft
ist. In jedem Fall muss sichergestellt sein, dass beim Bohren des Loches beziehungsweise
beim Einführen des Spalteinsatzes das jeweils andere Gerät nicht am Untergrund bzw.
an der Felswand anstehen kann. In der Praxis muss der Winkel also grösser sein als
90°.
[0052] Verläuft die Wirkachse des Bohrers durch die Drehachse 27 des Arbeitskopfs 24, so
werden vorteilhafterweise die wirkenden Kräfte direkt über die Drehachse auf die Lafette
2 übertragen, und es treten keine auf die tangentialen Kräfte auf. Alternativ können
die Bohrvorrichtung 4 und die Spaltvorrichtung 5 jedoch auch seitlich versetzt zur
Drehachse 27 angeordnet werden, wie in Figur 7 dargestellt. Dies erlaubt eine kompaktere
Bauweise der gesamten Vorrichtung. Hingegen sollte in solch einem Fall zur Vermeidung
einer Beschädigung des Drehantriebs des Arbeitskopfs der Arbeitskopf vor dem Bohren
gegenüber der Lafette mechanisch arretiert werden. Dies ist im Übrigen bei allen Ausführungsformen
vorteilhaft.
[0053] In einer weiteren vorteilhaften Ausführungsform einer erfindungsgemässen Vorrichtung,
wie in Figur 8 dargestellt, ist die Drehachse 27 des Arbeitskopfs 24 nicht senkrecht
zur Bohrachse 26 bzw. Achse der Lafette 2 angeordnet, sondern zu dieser verkippt.
Entsprechend sind auch die Bohrvorrichtung 4 und die Spaltvorrichtung 5 gegeneinander
verkippt. Eine solche Bausweise erlaubt ebenfalls eine erheblich reduzierte Bauhöhe,
bei gleichzeitig symmetrisch wirkender Kraftwirkung beim Bohrvorgang.
[0054] Ein weiterer Vorteil der Ausführungsform aus Figur 8 ist, dass zwei gleiche Vorrichtungen
näher nebeneinander angeordnet werden können, als es bei der Ausführungsvorrichtung
aus Figur 1 der Fall ist, ohne dass die Drehung eingeschränkt ist. Dies erlaubt es,
platzsparend nebeneinander zwei oder mehr erfindungsgemässe Vorrichtungen anzuordnen.
So kann beispielsweise ein gemeinsamer Adapter mit zwei separaten, parallelen Lafetten
mit je einem Arbeitskopf ausgestattet sein, so dass parallel zwei Löcher gebohrt und
gespalten werden können.
[0055] Bei noch einer weiteren vorteilhaften Ausführungsform einer erfindungsgemässen Vorrichtung
sind auf einer gemeinsamen Lafette und auf einem gemeinsamen Arbeitskopf zwei oder
mehr Bohrvorrichtungen parallel zueinander angeordnet, und entsprechend auch zwei
oder mehr Spaltvorrichtungen.
[0056] Die offenbarten spezifischen Ausführungsformen sind nicht dazu geeignet, die vorliegende
Erfindung in ihrem Umfang zu beschränken. Dem Fachmann ergeben sich aus der vorangehenden
Beschreibung und den Zeichnungen verschiedene mögliche Abwandlungen und Modifikationen,
zusätzlich zu den offenbarten Beispielen, die ebenfalls unter den Schutzbereich der
Ansprüche fallen sollen. Weiter soll der Inhalt aller in der Beschreibung zitierten
Referenzen durch Verweis als Teil dieser Offenbarung gelten.
Bezugszeichenliste
[0057]
- 1
- Vorrichtung zum Bohren und Spalten
- 11
- Tragstruktur, Adapter
- 2
- Lafette mit Linearführung
- 21
- Zentrierelement, Zentrierkeil
- 22
- Schiene
- 23
- Schlitten
- 24
- Arbeitskopf
- 25
- Antriebseinheit für Linearführung, Linearantrieb
- 26
- erste Achse, Linearachse
- 27
- zweite Achse, Drehachse
- 4
- Bohrvorrichtung, Bohrmaschine
- 41
- Bohrgestänge
- 42
- Bohrkopf, Bohrkrone
- 43
- Pendelaufhängung Bohrvorrichtung
- 5
- Spaltvorrichtung
- 51
- Spalteinsatz, Spaltzylinder
- 52
- Spaltrichtung
- 53
- Pendelaufhängung Spaltvorrichtung
- 6
- Spaltgut, Fels
- 61
- Zentrierloch
- 62
- Bohrloch
- 63
- Spalt
- 7
- Bagger
- 71
- Ausleger
1. Vorrichtung (1) zum Bohren und Spalten eines festen Materials (6), insbesondere von
Felsgestein oder Beton, umfassend eine Lafette (2) mit einem darauf entlang einer
ersten Achse (26) transversal verschiebbaren (22, 23) Arbeitskopf (24) und einer Bohrvorrichtung
(4), die am Arbeitskopf (24) angebracht ist, und die dazu geeignet ist, in einer Arbeitsposition
parallel zur ersten Achse (26) in das Material ein Loch (62) zu bohren, dadurch gekennzeichnet, dass am Arbeitskopf (24) eine Spaltvorrichtung (5) angebracht ist, welche dazu geeignet
ist, in einer Arbeitsposition parallel zur ersten Achse (26) in einem gebohrten Loch
(62) eine rechtwinklig zur Lochachse wirkende Spaltkraft zu erzeugen, wobei der Arbeitskopf
(24) in Bezug auf die Lafette (2) derart um eine zweite Achse (27) drehbar ist, dass
durch Drehen des Arbeitskopfes um die zweite Achse (27) und Verschieben des Arbeitskopfes
entlang der ersten Achse (26) wechselweise entweder die Bohrvorrichtung oder die Spaltvorrichtung
in die Arbeitsposition bringbar ist.
2. Vorrichtung nach Anspruch 1, gekennzeichnet durch Mittel (21) zur Fixierung der Position der Lafette (2) in Bezug auf das Material
(6).
3. Vorrichtung nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Fixierungsmittel ein Zentrierelement (21), beispielsweise einen Zentrierkeil,
umfassen, der an einem Ende der Lafette (2) angebracht ist.
4. Vorrichtung nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Bohrvorrichtung (4) eine Bohrmaschine oder einen Schlagbohrer oder einen Kernbohrer
umfasst.
5. Vorrichtung nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Spaltvorrichtung (4) einen Spalteinsatz (51), vorteilhaft einen Spaltzylinder
(51), umfasst.
6. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet dass die Bohrvorrichtung (4) und die Spaltvorrichtung (5) um 180° entgegengesetzt am Arbeitskopf
(24) angeordnet sind.
7. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet dass zweite Achse (27) gegenüber der ersten Achse (26) in einem Winkel von weniger als
90° angeordnet ist.
8. Vorrichtung nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet dass die Bohrvorrichtung (4) derart am Arbeitskopf (24) angeordnet ist, dass die beim
Bohren wirkenden Kräfte durch die zweite Achse (27) verlaufen.
9. Vorrichtung nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Vorrichtung an einem statischen oder mobilen Gerät angebracht ist, beispielsweise
an einem Ausleger (71) eines Baggers (7), an einem selbstfahrenden Fahrgestell, oder
an einem Dreibeingestell.
10. Vorrichtung nach einem der vorangehenden Ansprüche, gekennzeichnet durch Mittel zum Einbringen eines physikalischen und/oder chemischen Spaltstoffes in das
Spaltloch (62).
11. Vorrichtung nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass am Arbeitskopf (24) mehrere parallele Bohrvorrichtungen (4) und mehrere parallele
Spaltvorrichtungen (5) angebracht sind.
12. Mobile oder stationäre Maschine (7), mit einer Vorrichtung nach einem der Ansprüche
1 bis 11.
13. Verfahren zum Spalten eines festen Materials (6), insbesondere von Felsgestein oder
Beton, ausgeführt mit einer Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 11.
14. Verfahren zum Spalten eines festen Materials (6), insbesondere von Felsgestein oder
Beton, bei welchem
mit einer Bohrvorrichtung (4) in das Material ein Loch (62) gebohrt wird,
im genannten Loch eine Spaltvorrichtung (5) angeordnet wird, und
mit der Spaltvorrichtung (5) das Material gespalten wird,
dadurch gekennzeichnet, dass
eine Lafette (2) bereitgestellt wird, mit einem darauf entlang einer ersten Achse
(26) transversal verschiebbaren (22, 23) und um eine zweite Achse (27) drehbaren Arbeitskopf
(24), und einer Bohrvorrichtung (4) und einer Spaltvorrichtung (5), die am Arbeitskopf
(24) angebracht sind;
mit der Bohrvorrichtung (4) in Arbeitsposition in das Material ein Loch (62) gebohrt
wird;
der Arbeitskopf derart entlang der ersten Achse (26) verschoben und um die zweite
Achse (27) gedreht wird, so dass sich anschliessend die Spaltvorrichtung (5) in Arbeitsposition
im Bohrloch (62) befindet; und
mit der Spaltvorrichtung (5) das Material gespalten wird.
15. Verfahren nach Anspruch 14, dadurch gekennzeichnet, dass die Lafette vorübergehend gegenüber dem Material (6) form- und/oder kraftschlüssig
fixiert ist.