[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Fahrzeuggerät für ein Straßenmautsystem, auch
"Onboard-Unit" bzw. OBU genannt, mit einem Satellitennavigationsempfänger zur fortlaufenden
Erzeugung von Ortsdaten für eine Verarbeitungs- und Sendeempfangseinheit des Fahrzeuggeräts
und einem gesonderten Trusted-Element-Prozessor zur Protokollierung eines Zeitabschnitts
der erzeugten Ortsdaten und zur kryptographischen Signierung desselben. Die Erfindung
betrifft ferner ein ad-hoc-Netzwerk aus zumindest zwei solchen Fahrzeuggeräten sowie
ein Verfahren zur Protokollierung von Ortsdaten eines ortsaufzeichnenden Fahrzeuggeräts
eines Straßenmautsystems mit mehreren Fahrzeuggeräten, die drahtlos Ortsdaten austauschen
können.
[0002] Zur Überwachung und Kontrolle der Funktionsfähigkeit von interoperablen Straßenmautsystemen,
wie dem neuen European Electronic Toll Service (EETS) werden "Secure Monitoring"-Konzepte
eingesetzt, die auf einer Protokollierung und abschnittsweisen Signierung ("Real-Time
Freezing") der Ortsaufzeichnungen der Fahrzeuggeräte des Straßenmautsystems beruhen.
Zur Signierung werden Trusted-Element-Prozessoren verwendet, die eine kryptographische
Signatur ("Trusted Element Certificate") des Kontrolleurs, z.B. eines Straßenerhalters,
einer Behörde usw. ("Certificate Issuer"), enthalten und daher dessen Vertrauen genießen.
Details des Secure Monitoring- bzw. Secure Freezing-Konzepts sind beispielsweise in
den Publikationen "
Security aspects of the 1,11 EETS", Expert Group 12, Final report V1.0, 5. April 2007; "
Electronic fee collection - Application interface definition for autonomous systems
- Part 1: Changing", ISO Technical Specification 17575-1, 15. Juni 2010; und "
An Example of a view on EETS trust and privacy in GNSS based toll systems", Vis J,
Report Ministry of Transport, Public Works and Water Management of The Netherlands,
15. Dezember 2009, enthalten.
[0003] Bei den bekannten Systemen werden alle im Fahrzeuggerät anfallenden Ortsdaten protokolliert
und fortlaufend abschnittsweise signiert ("freezed"); anschließend werden mit einem
externen Kontrollgerät die signierten Zeitabschnitte zu Kontrollzwecken ausgelesen.
Dies bedeutet einen hohen Datenanfall und erfordert einerseits einen entsprechend
großen Speicherplatz für die Aufbewahrung der signierten Daten und andererseits gesonderte
Kontrollgeräte zu deren Auslesung.
[0004] Die Erfindung setzt sich zum Ziel, die Nachteile des Standes der Technik zu überwinden
und eine verbesserte Secure-Monitoring-Lösung für interoperable Straßenmautsysteme
zu schaffen. Dieses Ziel wird in einem ersten Aspekt der Erfindung mit einem Fahrzeuggerät
der einleitend genannten Art erreicht, das sich dadurch auszeichnet, dass der Trusted-Element-Prozessor
dafür ausgebildet ist, die genannte Protokollierung bei Detektion einer vorgegebenen
Zeit oder eines vorgegebenen Orts des Fahrzeuggeräts zu starten und für einen vorgegebenen
Zeitabschnitt durchzuführen.
[0005] Auf diese Weise wird das Fahrzeuggerät selbst zu seiner eigenen Überwachung eingesetzt:
Der in der genannten Weise programmierte Trusted-Element-Prozessor wirkt ähnlich einem
Computer-Virus, das zu einer vorgegebenen Zeit oder an einem vorgegebenen Ort für
eine begrenzte Zeit Ortsdaten im Fahrzeuggerät sammelt und für Kontrollzwecke bereitstellt.
Die genannte Funktionalität des Trusted-Element-Prozessors "schläft" bis zu ihrem
Einsatz und führt dann eine einzelne Abschnittsprotokollierung durch. Es erübrigt
sich damit, sämtliche Ortsdaten fortlaufend zu protokollieren, zu signieren und aufzubewahren
("einzufrieren"), und es erübrigt sich auch ein gesondertes Kontrollgerät, um den
Monitoring-Vorgang auszulösen.
[0006] Es versteht sich, dass der vorgegebene Ort, welcher detektiert wird, nicht notwendigerweise
punktförmig sein muss, sondern auch ausgedehnt sein kann, z.B. ein Distrikt, eine
bestimmte Straße usw. Gemäß einer ersten Variante der Erfindung detektiert der Trusted-Element-Prozessor
den vorgegebenen Ort in den eigenen Ortsdaten seines Fahrzeuggeräts, was den Aufwand
gering hält.
[0007] Eine besonders vorteilhafte Ausführungsform der Erfindung zeichnet sich dadurch aus,
dass der Trusted-Element-Prozessor den vorgegebenen Ort in fremden Ortsdaten detektiert,
die er über ein Drahtlosnetzwerk von benachbarten Fahrzeuggeräten empfängt. Dies stellt
einen qualitativen Sprung in der Sicherheit der Überwachung dar: Die Ortsdaten anderer
Fahrzeuggeräte sind unabhängig von allfälligen Manipulationen oder Fehlfunktionen
des kontrollierten Fahrzeuggeräts; die Verwendung fremder Ortsdaten als Auslösekriterium
für das Secure Freezing der eigenen Ortsdaten ermöglicht somit eine hochsichere Kontrolle
der Funktionsfähigkeit eines Fahrzeuggeräts für den Kontrolleur bzw. Certificate Issuer.
Die genannten benachbarten Fahrzeuggeräte brauchen nicht notwendigerweise von Fahrzeugen
mitgeführt werden; sie können auch infrastrukturgestützt ortsfest sein.
[0008] Bevorzugt ist das Drahtlosnetzwerk ein ad-hoc-Netzwerk, insbesondere ein Vehicular-ad-hoc-Network
(VANET), besonders bevorzugt nach dem WAVE- (wireless access in a vehicle environment)
oder WLAN- (wireless local area network) Standard. Solche Netzwerke können spontan
zwischen einer Gruppe benachbarter, sich in gegenseitiger Sendeempfangsreichweite
befindlicher Fahrzeuggeräte ausgebildet werden.
[0009] Besonders günstig ist es, wenn der Trusted-Element-Prozessor die fremden Ortsdaten
mehrerer benachbarter Fahrzeuggeräte empfängt und miteinander abgleicht, um in den
abgeglichenen fremden Ortsdaten den vorgegebenen Ort zu detektieren.
[0010] Um Vertraulichkeitsanforderungen zu erfüllen, kann der Trusted-Element-Prozessor
gemäß einem weiteren bevorzugten Merkmal die fremden Ortsdaten der benachbarten Fahrzeuggeräte
anonym abfragen, z.B. unter einer zufällig gewählten (anonymen) Netzwerk-Absenderkennunq,
einer - ohne Zusatzinformationen nicht weiter zuordenbaren - MAC-Adresse im ad-hoc-Netzwerk,
usw.
[0011] Zur Erhöhung der Kontrollsicherheit kann der Trusted-Element-Prozessor die fremden
Ortsdaten unter Austausch eines Schlüssels mit zeitlich und/oder örtlich begrenzter
Gültigkeit abfragen und nur jene fremden Ortsdaten, die unter einem gültigen Schlüssel
empfangen werden, berücksichtigen. Dadurch kann die Aktualität der als Auslösekriterium
verwendeten Ortsdaten und/oder ihr Nachbarschaftsbereich verifiziert werden; in einem
hochmobilen Umfeld wie einem VANET kann damit die Genauigkeit der Verortung des protokollierten
Fahrzeuggeräts erhöht werden.
[0012] In einer weiteren Variante der Erfindung kann der Trusted-Element-Prozessor den signierten
Zeitabschnitt mittels der Sendeempfangseinheit des Fahrzeuggeräts an eine Zentrale
des Straßenmautsystems absenden. Alternativ kann der Trusted-Element-Prozessor den
signierten Zeitabschnitt über eine Schnittstelle des Fahrzeuggeräts zur Abfrage bereitstellen.
[0013] In einem zweiten Aspekt schafft die Erfindung auch ein ad-hoc-Netzwerk aus zumindest
zwei Fahrzeuggeräten von jener Art, bei der als Auslösekriterium für das Secure Freezing
Daten benachbarter Fahrzeuggeräte verwendet werden, gemäß den Merkmalen des Anspruchs
10.
[0014] In einem dritten Aspekt schafft die Erfindung ein Verfahren zur Protokollierung von
Ortsdaten eines ortsaufzeichnenden Fahrzeuggeräts eines Straßenmautsystems mit mehreren
Fahrzeuggeräten, die drahtlos Ortsdaten austauschen können, umfassend, in einem ersten
Fahrzeuggerät:
Empfangen von Ortsdaten eines zweiten Fahrzeuggeräts,
Detektieren eines vorgegebenen Orts in den empfangenen Ortsdaten des zweiten Fahrzeuggeräts,
Starten der Protokollierung eines Zeitabschnitts der Ortsdaten des ersten Fahrzeuggeräts,
und
Signieren des protokollierten Zeitabschnitts mit einer kryptographischen Signatur.
[0015] Bevorzugt erfolgt das Detektieren, Protokollieren und Signieren in einem Trusted-Element-Prozessor
des ersten Fahrzeuggeräts.
[0016] Wenn die Protokollierung der eigenen Ortsdaten zeitgesteuert ausgelöst wird, können
die Ortsdaten der anderen Fahrzeuggeräte als zusätzliche Validierungsdaten verwendet
werden, indem sie beim Secure Freezing der eigenen Ortsdaten "miteingefroren" werden.
Demgemäß schafft die Erfindung in einer alternativen Ausführungsform auch ein Verfahren
zur Protokollierung von Ortsdaten eines ortsaufzeichnenden Fahrzeuggeräts eines Straßenmautsystems
mit mehreren Fahrzeuggeräten, die drahtlos Ortsdaten austauschen können, umfassend,
in einem ersten Fahrzeuggerät:
Detektieren einer vorgegebenen Zeit,
Starten der Protokollierung eines Zeitabschnitts der Ortsdaten des ersten Fahrzeuggeräts
und Empfangen von Ortsdaten eines zweiten Fahrzeuggeräts, und
Signieren des protokollierten Zeitabschnitts und der empfangenen Ortsdaten mit einer
kryptographischen Signatur.
[0017] Hinsichtlich der Vorteile des ad-hoc-Netzwerks und der Verfahren der Erfindung wird
auf die obigen Ausführungen zum erfindungsgemäßen Fahrzeuggerät verwiesen.
[0018] Die Erfindung wird nachstehend anhand eines in den beigeschlossenen Zeichnungen dargestellten
Ausführungsbeispiels näher erläutert. In den Zeichnungen zeigt
Fig. 1 ein Straßenmautsystem mit Fahrzeuggeräten in einem erfindungsgemäßen ad-hoc-Netzwerk
unter Verwendung des Verfahrens der Erfindung in Blockschaltbildform; und
Fig. 2 eines der Fahrzeuggeräte von Fig. 1 in Blockschaltbildform im Detail.
[0019] Fig. 1 zeigt ein interoperables Straßenmautsystem 1, das sich aus einer Vielzahl
von Fahrzeuggeräten (onboard units, OBUs, O
1 - O
6) 2, einer Mehrzahl verschiedener Mautbetreiberzentralen (Toll Charger, TC
1, TC
2) 3 und einer Mehrzahl verschiedener Verrechnungszentralen (Certificate Issuer, CI
1 - CI
3) 4 zusammensetzt. Die Fahrzeuggeräte 2 bestimmen mittels Satellitennavigationsempfängern
5 (Fig. 2) fortlaufend ihren Ort p in einem globalen Satellitennavigationssystem (global
navigation satellite system, GNSS) 6 und erzeugen daraus einen fortlaufenden Strom
(track) von Ortsdaten (position fixes) p
i.
[0020] Mit Hilfe einer Verarbeitungs- und Sendeempfangseinheit 7, 8 (Fig. 2) sendet jedes
Fahrzeuggerät 2 seine Ortsdaten p
i entweder in "roher Form" oder - bevorzugt - verarbeitet zu Mautdaten m über eine
Betreiberzentrale 3 an eine Verrechnungszentrale 4. Der Verarbeitungsteil 7 der Einheit
7, 8 ist beispielsweise ein Mikroprozessor, und die Sendeempfangseinheit 8 der Einheit
7, 8 ein DSRC- (dedicated short range communication), WAVE-, WLAN- oder bevorzugt
PLMN- (public land mobile network) Sendeempfänger.
[0021] Die Mautdaten m sind bevorzugt akkumulierte und ortsanonymisierte Mauttransaktions-Datensätze,
welche beispielsweise eine Anzahl gefahrener Kilometer, ein befahrenes Streckensegment
eines Straßennetzes, die Aufenthaltszeit in einem Mautgebiet (z.B. Citymaut) usw.
angeben. Zur Generierung der Mautdaten m aus den Ortsdaten p
i können letztere beispielsweise mit vorgespeicherten Mautkarten abgeglichen werden
("map matching"). Zu diesem Zweck können sich die Fahrzeuggeräte 2 beispielsweise
auch eines externen Kartenabgleichs-Servers (map matching proxy) 9 bedienen, an den
map matching-Aufgaben unter anonymisierten Taskkennungen ausgelagert werden, um die
Vertraulichkeit der Ortsdaten p
i gegenüber den Betreiber- und Abrechnungszentralen 3, 4 zu wahren, wie dem Fachmann
bekannt. Die Mautdaten m können vom proxy 9 auch direkt an die Betreiber- oder Verrechnungszentralen
3, 4 gesandt werden.
[0022] Zur Überwachung und Kontrolle der Funktionen der Fahrzeuggeräte 2 und auch Betreiberzentralen
3 wird gemäß Fig. 2 jedes Fahrzeuggerät 2 mit einem Trusted-Element-Prozessor 10 ausgestattet,
der eine kryptographische Signatur (trusted key) tk enthält. Die Signatur tk wird
z.B. von einem Contract Issuer CI, Inhaber einer der Verrechnungszentralen 4, ausgestellt
und ist für diesen vertrauenswürdig. Unter einem "Trusted-Element-Prozessor" 10 wird
in der vorliegenden Beschreibung ein mit einer kryptographischen Signatur ausgestattetes
und kryptographisch - bevorzugt auf Hardwareniveau - zugangsgesichertes Prozessorelement
verstanden. Prozessorelemente dieser Art erfüllen hohe Sicherheitsanforderungen, wie
sie beispielsweise an die auf SIM-Karten, Kreditkarten, Bankkarten usw. integrierten
Single-Chip-Prozessoren gestellt werden.
[0023] Der Trusted-Element-Prozessor 10 empfängt den Strom von Ortsdaten p
i aus dem Satellitennavigationsempfänger 5 des Fahrzeuggeräts 2 direkt oder über den
Verarbeitungsteil 7 und ist dafür ausgebildet bzw. programmiert, jederzeit auf spezifische
Anforderungen bzw. Auslösung (Triggerung) über einen vorgegebenen Zeitabschnitt s,
z.B. eine, fünf oder zehn Minuten lang, die Ortsdaten p
i aufzuzeichnen. Der aufgezeichnete Zeitabschnitt s(p
i) wird vom Trusted-Element-Prozessor 10 anschließend mit seiner kryptographischen
Signatur tk signiert und damit "eingefroren".
[0024] Bei der Signierung oder auch unmittelbar davor kann eine Datenreduktion am Zeitabschnitt
s vorgenommen werden, beispielsweise durch Bildung eines Hashwerts desselben. Unter
einem Hashwert wird in der folgenden Beschreibung die Anwendung einer praktisch unumkehrbaren
n:1-Abbildungsfunktion auf einen Eingangsdatensatz verstanden, d.h. einer Funktion,
die nur (extrem) vieldeutig umkehrbar ist, so dass aus der Kenntnis des Hashwerts
praktisch nicht mehr auf den Eingangsdatensatz geschlossen werden kann. Beispiele
solcher Hashfunktionen sind die Quersummenfunktion, die Modulofunktion usw.
[0025] Der signierte protokollierte Zeitabschnitt, hier mit s*(p
i,tk) bezeichnet, wird anschließend über die Sendeempfangseinheit 8 des Fahrzeuggeräts
2 an eine Betreiberzentrale 3 und von dieser an eine Verrechnungszentrale 4 gesandt.
Die Verrechnungszentrale 4 kann anhand der Signatur tk des signierten Zeitabschnitts
s* auf dessen authentischen Ursprung aus einem Trusted-Element-Prozessor 10 ihres
Vertrauens schließen. Alternativ oder zusätzlich kann der signierte protokollierte
Zeitabschnitt s* auf einer Schnittstelle 11 des Fahrzeuggeräts 2 zur Abfrage bereitgestellt
werden.
[0026] Das Starten des Zeitabschnitts s der Protokollierung der Ortsdaten p
i im Trusted-Element-Prozessor 10 kann auf verschiedene Arten ausgelöst werden. Eine
erste Ausführungsform besteht darin, dass das Fahrzeuggerät 2 einen Zeitgeber 12 enthält,
in der Art eines "Watchdog", welcher zu einem vorgegebenen Zeitpunkt T die genannte
Protokollierung auslöst, d.h. den Trusted-Element-Prozessor 10 zu der genannten Funktionalität
"aufweckt", wenn die aktuelle Zeit t = T ist.
[0027] Ein zweites Startkriterium besteht darin, dass der Trusted-Element-Prozessor 10 das
Auftreten eines vorgegebenen Orts P in den Ortsdaten p
i detektiert. Bei dem vorgegebenen Ort P kann es sich um einen punktuellen Ort handeln,
z.B. um eine "virtuelle Mautstation", oder um einen ausgedehnten Ort wie einen Parkplatz,
eine Innenstadt, ein Autobahnteilstück usw. Sobald der Trusted-Element-Prozessor 10
den Ort P in den Ortsdaten p
i detektiert, d.h. feststellt, dass eine Position p in den Ortsdaten p
i in den Grenzen oder in die Nähe des vorgegebenen Orts P gelangt, startet die Protokollierung
über den genannten vorgegebenen Zeitabschnitts, z.B. über zehn Minuten. Nach Abschluss
der Protokollierung liegt der signierte protokollierte Zeitabschnitt s* der Ortsdaten
p
i zur Versendung und Abfrage vor.
[0028] Ein weiteres, besondere Sicherheit bietendes Startkriterium besteht darin, dass der
Trusted-Element-Prozessor 10 das Auftreten des vorgegebenen Orts P nicht in den eigenen
Ortsdaten p
i des eigenen Fahrzeuggeräts 2, sondern in "fremden" Ortsdaten p
i' detektiert, welche ihm von anderen ("fremden") benachbarten Fahrzeuggeräten 2 mitgeteilt
werden. Dies wird nun im Einzelnen erläutert.
[0029] Wie in den Fig. 1 und 2 dargestellt, können eine Gruppe von Fahrzeuggeräten 2 des
Straßenmautsystems 1 ein Drahtlosnetzwerk 13 bilden, indem sie untereinander über
Drahtlosverbindungen 14 in Verbindung stehen. Die Drahtlosverbindungen 14 können beispielsweise
nach dem WAVE- oder WLAN-Standard aufgebaut sein und das Drahtlosnetzwerk 13 ist bevorzugt
ein ad-hoc-Netzwerk oder VANET. Zu diesem Zweck verfügt jedes Fahrzeuggerät 2 über
einen geeigneten Drahtlos-Sendeempfänger 15. Optional können der Drahtlos-Sendeempfänger
15 und die Sendeempfangseinheit 8 des Fahrzeuggeräts 2 ident sein.
[0030] Innerhalb des Drahtlosnetzwerks 13 können Fahrzeuggeräte 2 sich gegenseitig über
ihren jeweiligen aktuellen Ort p informieren oder z. B. fortlaufend ihre Ortsdaten
p
i austauschen. Ein Beispiel hiefür ist der Austausch von VST-Nachrichten (Vehicle Service
Table Messages) im Rahmen eines VANETs, bei dem sich die einzelnen Netzknoten (Fahrzeuggeräte
2) bei Aufbau einer Drahtlosverbindung 14 über ihre Kommunikationsfähigkeiten und
die von ihnen angebotenen Dienste gegenseitig informieren und einander ihre Orte p
oder ihre Ortsdaten p
i der letzten Zeit mitteilen.
[0031] Alternativ kann ein Trusted-Element-Prozessor 10 eines Fahrzeuggeräts 2 auch von
sich aus jederzeit Positionen p bzw. Ortsdaten p
i' benachbarter Fahrzeuggeräte 2 abfragen. Auch können die in einem Fahrzeuggerät 2
empfangenen Ortsdaten p
i' mehrerer benachbarter Fahrzeuggeräte 2 miteinander abgeglichen werden, z.B. auf
Konsistenz, um Ausreißer-Messwerte auszublenden oder um die empfangenen Ortsdaten
p
i' zu mitteln.
[0032] Beim Abfragen bzw. Empfangen der fremden Ortsdaten p
i' der benachbarten Fahrzeuggeräte 2 können Abfrage- bzw. Sendeschlüssel mit zeitlich
und/oder örtlich begrenzter Gültigkeit verwendet werden, so dass nur jene fremde Ortsdaten
p
i', welche innerhalb eines vorgegebenen Zeitbereichs empfangen werden oder aus einem
vorgegebenen Ortsbereich rund um das Fahrzeuggerät 2 stammen, Berücksichtigung finden.
[0033] Der Trusted-Element-Prozessor 10 ist nun dafür ausgebildet bzw. programmiert, dass
er das Auftreten des vorgegebenen Orts P in den
fremden Ortsdaten p
i' der benachbarten Fahrzeuggeräte 2 detektiert und dies als Auslösekriterium für das
Starten der Protokollierung der Ortsaufzeichnungen p
i seines eigenen Fahrzeuggeräts 2 verwendet. Dadurch bleiben allfällige Manipulationen,
Korrumptionen bzw. Störungen der eigenen Ortsdaten p
i bei der Auslösung der Protokollierung des Ortsdatenabschnitts s bzw. s* unberücksichtigt,
was das Aufdecken eines Fehlverhaltens erleichtert: Stimmen die im eingefrorenen Zeitabschnitt
s* enthaltenen Ortsaufzeichnungen p
i nicht (annähernd) mit jenem vorgegebenen Ort P überein, der in den fremden Ortsdaten
p
i' detektiert wurde, liegt eine Manipulation oder eine Fehlfunktion des Fahrzeuggeräts
2 vor.
[0034] Auch ist es möglich, die genannten Ausführungsformen zu kombinieren: So kann der
Zeitgeber 12 den Trusted-Element-Prozessor 10 dazu veranlassen, zu einem bestimmten
Zeitpunkt t die Ortsdaten p
i' benachbarter Fahrzeuggeräte 2 abzufragen und sie gemeinsam mit dem Zeitabschnitt
s der eigenen Ortsdaten p
i aufzuzeichnen und zu signieren, d.h. s*(p
i,tk,p
i'), so dass eine Berücksichtigung der Nachbarorte p
i' bei der Überprüfung der eigenen Ortsaufzeichnungen p
i erfolgen kann.
[0035] Die benachbarten Fahrzeuggeräte 2, deren Ortsdaten p
i' verwendet werden, können unter Umständen auch ortsfest sein, z.B. nicht von einem
Fahrzeug mitgeführt, sondern in einer ortsfesten Infrastruktur stationiert. In diesem
Fall brauchen sie ihre Ortsdaten p
i' nicht fortlaufend neu bestimmen, sondern können diese einmal bestimmen oder vorgegeben
eingespeichert enthalten. Auch solche "infrastrukturgebundene" Fahrzeuggeräte 2 fallen
unter den hier verwendeten Begriff der benachbarten Fahrzeuggeräte 2.
[0036] Die vorgegebene Zeit T, der vorgegebene Ort P und/oder die Länge des Zeitabschnitts
können bei der Fertigung des Fahrzeuggeräts 2 oder des Trusted-Element-Prozessors
10 in dieses bzw. diesen eingespeichert oder später über die Schnittstelle 11, die
Sendeempfangseinheit 8 oder den Sendeempfänger 15 eingegeben werden.
[0037] Die Erfindung ist demgemäß nicht auf die dargestellten Ausführungsformen beschränkt,
sondern umfasst alle Varianten und Modifikationen, die in den Rahmen der angeschlossenen
Ansprüche fallen.
1. Fahrzeuggerät für ein Straßenmautsystem (1), mit einem Satellitennavigationsempfänger
(5) zur fortlaufenden Erzeugung von Ortsdaten (pi) für eine Verarbeitungs- und Sendeempfangseinheit (7, 8) des Fahrzeuggeräts (2) und
einem gesonderten Trusted-Element-Prozessor (10) zur Protokollierung (s) eines Zeitabschnitts
der erzeugten Ortsdaten (pi) und zur kryptographischen Signierung (s*) desselben, dadurch gekennzeichnet, dass der Trusted-Element-Prozessor (10) dafür ausgebildet ist, die genannte Protokollierung
(s) bei Detektion einer vorgegebenen Zeit (T) oder eines vorgegebenen Orts (P) des
Fahrzeuggeräts (2) zu starten und für einen vorgegebenen Zeitabschnitt durchzuführen.
2. Fahrzeuggerät nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der Trusted-Element-Prozessor (10) den vorgegebenen Ort (P) in den erzeugten eigenen
Ortsdaten (pi) detektiert.
3. Fahrzeuggerät nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der Trusted-Element-Prozessor (10) den vorgegebenen Ort (P) in fremden Ortsdaten
(pi') detektiert, die er über ein Drahtlosnetzwerk (13) von benachbarten Fahrzeuggeräten
(2) empfängt.
4. Fahrzeuggerät nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass das Drahtlosnetzwerk (13) ein ad-hoc-Netzwerk ist, bevorzugt nach dem WAVE- oder
WLAN-Standard.
5. Fahrzeuggerät nach Anspruch 3 oder 4, dadurch gekennzeichnet, dass der Trusted-Element-Prozessor (10) die fremden Ortsdaten (pi) mehrerer benachbarter Fahrzeuggeräte (2) empfängt und miteinander abgleicht, um
in den abgeglichenen fremden Ortsdaten (pi') den vorgegebenen Ort (P) zu detektieren.
6. Fahrzeuggerät nach einem der Ansprüche 3 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass der Trusted-Element-Prozessor (10) die fremden Ortsdaten (pi') anonym abfragt.
7. Fahrzeuggerät nach einem der Ansprüche 3 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass der Trusted-Element-Prozessor (10) die fremden Ortsdaten (pi') unter Austausch eines Schlüssels mit zeitlich und/oder örtlich begrenzter Gültigkeit
abfragt und nur fremde Ortsdaten (pi'), die unter einem gültigen Schlüssel empfangen werden, berücksichtigt.
8. Fahrzeuggerät nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass der Trusted-Element-Prozessor (10) den signierten Zeitabschnitt (s*) mittels der
Sendeempfangseinheit (8) des Fahrzeuggeräts (2) an eine Zentrale des Straßenmautsystems
(1) absendet.
9. Fahrzeuggerät nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass der Trusted-Element-Prozessor (10) den signierten Zeitabschnitt (s*) über eine Schnittstelle
(11) des Fahrzeuggeräts (2) zur Abfrage bereitstellt.
10. Ad-hoc-Netzwerk aus zumindest zwei Fahrzeuggeräten nach einem der Ansprüche 3 bis
9, die über ihre Sendeempfangseinheiten (8) miteinander in Verbindung stehen, wobei
zumindest ein Fahrzeuggerät (2) Ortsdaten (pi) einem anderen Fahrzeuggerät (2) bereitstellt, welches einen vorgegebenen Ort (P)
darin detektiert, um die Protokollierung (s) seiner eigenen Ortsdaten (pi) zu starten.
11. Verfahren zur Protokollierung von Ortsdaten (p
i) eines ortsaufzeichnenden Fahrzeuggeräts (2) eines Straßenmautsystems (1) mit mehreren
Fahrzeuggeräten (2), die drahtlos Ortsdaten (p
i) austauschen können, umfassend, in einem ersten Fahrzeuggerät (2):
Empfangen von Ortsdaten (pi') eines zweiten Fahrzeuggeräts (2) ,
Detektieren eines vorgegebenen Orts (P) in den empfangenen Ortsdaten (pi') des zweiten Fahrzeuggeräts (2),
Starten der Protokollierung (s) eines Zeitabschnitts der Ortsdaten (pi) des ersten Fahrzeuggeräts (2), und
Signieren (s*) des protokollierten Zeitabschnitts mit einer kryptographischen Signatur.
12. Verfahren zur Protokollierung von Ortsdaten (p
i) eines ortsaufzeichnenden Fahrzeuggeräts (2) eines Straßenmautsystems (1) mit mehreren
Fahrzeuggeräten (2), die drahtlos Ortsdaten (p
i) austauschen können, umfassend, in einem ersten Fahrzeuggerät (2):
Detektieren einer vorgegebenen Zeit (T),
Starten der Protokollierung (s) eines Zeitabschnitts der Ortsdaten (pi) des ersten Fahrzeuggeräts (2) und Empfangen von Ortsdaten (pi') eines zweiten Fahrzeuggeräts (2), und
Signieren (s*) des protokollierten Zeitabschnitts und der empfangenen Ortsdaten (pi) mit einer kryptographischen Signatur.