[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung von Papier, Pappe und Karton
mit hoher Trockenfestigkeit durch Zugabe einer wässrigen Zusammensetzung aus einer
Nanocellulose und mindestens einem Polymerisat, ausgewählt aus der Gruppe der anionischen
Polymerisate und wasserlöslichen kationischen Polymerisate, Entwässern des Papierstoffs
und Trocknen der Papierprodukte.
[0002] Um die Trockenfestigkeit von Papier zu erhöhen, kann man einen Trockenverfestiger
entweder auf die Oberfläche eines bereits getrockneten Papiers auftragen oder einem
Papierstoff vor der Blattbildung zusetzen. Die Trockenverfestiger werden üblicherweise
in Form einer 1 bis 10 %igen wässrigen Lösung angewendet. Trägt man eine solche Lösung
eines Trockenverfestigers auf die Oberfläche eines Papiers auf, so sind bei dem anschließenden
Trocknungsprozess beträchtliche Mengen an Wasser zu verdampfen. Da der Trocknungsschritt
sehr energieaufwendig ist und da die Kapazität der üblichen Trocknungseinrichtungen
an Papiermaschinen meistens nicht so groß ist, dass man bei der maximal möglichen
Produktionsgeschwindigkeit der Papiermaschine fahren kann, muss die Produktionsgeschwindigkeit
der Papiermaschine erniedrigt werden, damit das trockenfest ausgerüstete Papier in
ausreichendem Maße getrocknet wird.
[0003] Setzt man den Trockenverfestiger dagegen einem Papierstoff vor der Blattbildung zu,
so muss das ausgerüstete Papier nur einmal getrocknet werden. Aus der
DE 35 06 832 A1 ist ein Verfahren zur Herstellung von Papier mit hoher Trockenfestigkeit bekannt,
bei dem man zum Papierstoff zunächst ein wasserlösliches kationisches Polymerisat
und anschließend ein wasserlösliches anionisches Polymerisat zugibt. Als wasserlösliche
kationische Polymerisate werden in den Beispielen Polyethylenimin, Polyvinylamin,
Polydiallyldimethylammoniumchlorid und mit Epichlorhydrin vernetzte Kondensationsprodukte
aus Adipinsäure und Diethylentriamin beschrieben. Als wasserlösliche anionische Polymerisate
kommen beispielsweise Homo- oder Copolymerisate von ethylenisch ungesättigten C
3- bis C
5-Carbonsäuren in Betracht. Die Copolymerisate enthalten beispielsweise 35 bis 99 Gew.-%
einer ethylenisch ungesättigten C
3- bis C
5-Carbonsäure wie beispielsweise Acrylsäure.
[0004] Aus
WO 04/061235 A1 ist ein Verfahren zur Herstellung von Papier, insbesondere Tissue, mit besonders
hohen Nass- und/oder Trockenfestigkeiten bekannt, bei dem man zum Papierstoff zunächst
ein wasserlösliches kationisches Polymerisat zugibt, das mindestens 1,5 meq/g Polymer
an primären Aminofunktionalitäten enthält und ein Molekulargewicht von wenigstens
10 000 Dalton aufweist. Besonders hervorgehoben werden hierbei partiell und vollständig
hydrolysierte Homopolymerisate des N-Vinylformamids. Anschließend wird ein wasserlösliches
anionisches Polymerisat zugegeben, das anionische und/oder aldehydische Gruppen enthält.
Als Vorteil dieses Verfahrens wird vor allem die Variabilität der beschriebenen Zweikomponentensysteme
im Hinblick auf verschiedene Papiereigenschaften, darunter Nass- und Trockenfestigkeit,
herausgestellt.
[0005] Aus der
WO 06/056381 A1 ist ein Verfahren zur Herstellung von Papier, Pappe und Karton mit hoher Trockenfestigkeit
durch getrennte Zugabe eines wasserlöslichen Vinylamineinheiten enthaltenden Polymers
und einer wasserlöslichen polymeren anionischen Verbindung zu einem Papierstoff, Entwässern
des Papierstoffs und Trocknen der Papierprodukte bekannt, wobei man als polymere anionische
Verbindung mindestens ein wasserlösliches Copolymerisat einsetzt, das erhältlich ist
durch Copolymerisieren von
mindestens einem N-Vinylcarbonsäureamid der Formel (I)

in der R
1, R
2 = H oder C
1- bis C
6-Alkyl bedeuten,
mindestens einem Säuregruppen enthaltenden monoethylenisch ungesättigten Monomeren
und/oder dessen Alkalimetall-, Erdalkalimetall- oder Ammoniumsalzen, und gegebenenfalls
anderen monoethylenisch ungesättigten Monomeren, und gegebenenfallsVerbindungen, die
mindestens zwei ethylenisch ungesättigte Doppelbindungen im Molekül aufweisen.
[0006] Aus der älteren europäischen Anmeldung mit dem Aktenzeichen
EP 09 150 237.7 ist ein Verfahren zur Herstellung von Papier mit hoher Trockenfestigkeit durch getrennte
Zugabe eines wasserlöslichen kationischen Polymerisats und eines anionischen Polymerisats
zu einem Papierstoff bekannt, wobei das anionische Polymerisat eine wässrige Dispersion
eines wasserunlöslichen Polymeren mit einem Gehalt an Säuregruppen von höchsten 10
Mol-% oder eine anionisch eingestellte wässrige Dispersion eines nichtionischen Polymerisats
ist. Anschließend erfolgt die Entwässerung des Papierstoffs und das Trocknen der Papierprodukte.
[0007] In der älteren europäischen Anmeldung mit dem Aktenzeichen
EP 09 152 163.3 ist ein Verfahren zur Herstellung von Papier, Pappe und Karton mit hoher Trockenfestigkeit
offenbart, welches ebenfalls durch Zugabe eines wasserlöslichen kationischen Polymerisats
und eines anionischen Polymersats zu einem Papierstoff, Entwässern des Papierstoffs
und Trocknen der Papierprodukte gekennzeichnet ist. Dabei wird als anionisches Polymerisat
eine wässrige Dispersion mindestens eines anionischen Latices und mindestens einer
abgebauten Stärke eingesetzt.
[0008] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein weiteres Verfahren zur Herstellung
von Papier mit hoher Trockenfestigkeit und möglichst niedriger Naßfestigkeit zur Verfügung
zu stellen, wobei die Trockenfestigkeit der Papierprodukte gegenüber dem Stand der
Technik möglichst weiter verbessert ist.
[0009] Die Aufgabe wird erfindungsgemäß gelöst mit einem Verfahren zur Herstellung von Papier,
Pappe und Karton mit hoher Trockenfestigkeit gemäß Anspruch 1.
[0010] Unter Nanocellulose werden in dieser Schrift Celluloseformen verstanden, die durch
einen Prozessschritt aus dem Zustand der Naturfaser mit den dafür üblichen Dimensionen
(Länge ca. 2000 - 3000 µm, Dicke ca. 60 µm) in eine Form überführt werden, bei der
insbesondere die Dickedimension stark reduziert wird.
[0011] Die Herstellung von Nanocellulose ist in der Literatur bekannt. Beispielsweise wird
in
WO 2007/091942 A1 ein Mahlverfahren offenbart, welches unter enzymatischem Einsatz durchgeführt werden
kann. Weiterhin sind Prozesse bekannt, bei denen die Cellulose in geeigneten Lösungsmitteln
zunächst aufgelöst wird und anschließend als Nanocellulose im wässrigen Medium ausgefällt
wird (beispielsweise beschrieben in
WO 2003/029329 A2).
[0012] Darüber hinaus sind Nanocellulosen im Handel erhältlich, beispielsweise die von der
Firma J. Rettenmeier & Söhne GmbH & Co. KG unter dem Handelnamen Handelsprodukt Arbocel®
vertriebenen Produkte.
[0013] Die Nanocellulosen, die im erfindungsgemäßen Verfahren eingesetzt werden, können
in jedem geeigneten Lösungsmittel gelöst und eingesetzt werden, beispielsweise in
Wasser, organischen Lösungsmitteln oder in beliebigen Mischungen davon. Derartige
Lösungsmittel können darüber hinaus noch weitere Bestandteile wie beispielsweise in
beliebigen Mengen ionische Flüssigkeiten enthalten.
[0014] Nanocellulosen, die ionische Flüssigkeiten enthalten, werden beispielsweise hergestellt,
in dem in ionische Flüssigkeiten vorliegende Cellulosen in Form der Naturfasern in
einem der oben beschriebenen Prozesse mikronisiert wird. Cellulosen in Form der Naturfasern,
die in ionischen Flüssigkeiten vorliegen, sind u.a. aus
US 6,824,599 B2 bekannt. Auf den Inhalt dieser US-Patentschrift wird hiermit ausdrücklich Bezug genommen.
[0015] Insbesondere sollen in dieser Schrift unter Nanocellulose solche Cellulosen verstanden
werden, deren Längenausdehnung unterhalb 1000 µm, bevorzugt unterhalb von 500 µm,
jedoch oberhalb von 100 nm liegt. Vorzugsweise liegt die Längenausdehnung demnach
zwischen 100 nm und 500 µm, besonders zwischen 100 nm und 100 µm, besonders bevorzugt
zwischen 100 nm und 50 µm und insbesondere zwischen 100 nm und 10 µm. Die Dicke der
Cellulose liegt beispielsweise im Bereich zwischen 50 µm und 3 nm. Vorzugsweise liegt
die Dicke zwischen 1 µm und 5 nm. Die hier angebenen Werte für Dicke und Längenausdehnungen
sind selbstverständlich Durchschnittswerte, beispielsweise liegen mindestens 50 %
der Cellulosefasern in den angegebenen Bereichen und bevorzugt liegen mindestens 80
% der Cellulosefasern in den angegebenen Bereichen.
[0016] Die Nanocellulose des erfindungsgemäßen Verfahrens ist eine Nanocellulose, deren
Faserdicke von mindestens 80 % der Cellulosefasern zwischen 50 µm und 3 nm, bevorzugt
zwischen 1 µm und 5 nm liegt, und die zwischen 5 ppm und 2 Gew.-%, bevorzugt zwischen
10 ppm und 1 Gew.-% ionische Flüssigkeiten enthält.
[0017] Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist daher auch eine solche Nanocellulose, deren
Faserdicke von mindestens 80 % der Cellulosefasern zwischen 50 µm und 3 nm, bevorzugt
zwischen 1 µm und 5 nm liegt, und die zwischen 5 ppm und 2 Gew.-%, bevorzugt zwischen
10 ppm und 1 Gew.-% ionische Flüssigkeiten enthält.
[0018] Die Längenausdehnung sowie die Dicke der Cellulosefasern können beispielsweise anhand
von Cryo-TEM Aufnahmen bestimmt werden. Wie zuvor beschrieben, hat eine in dem erfindungsgemäßen
Verfahren einsetzbare Nanocellulose Faserdicken von bis zu 5 nm und Längenausdehnungen
von bis zu 10 mm. Diese Nanocellulosefasern können auch als Fibrillien bezeichnet
werden, der kleinsten Überstruktur in Cellulosebasierten Stoffen (5-30 nm breit abhängig
von der Pflanzensorte; Polymerisationsgrade bis zu 10.000 Anhydroglykoseeinheiten).
Sie besitzen typischerweise hohe Elastizitätsmodule von bis zu mehreren hundert GPa,
und die Festigkeiten derartiger Fibrilien liegen im GPa Bereich. Die hohe Steifigkeit
ist ein Resultat der Kristallstruktur, in der die langen parallelen Polysacharidketten
durch Wasserstoffbrücken zusammengehalten werden. Die Cryo-TEM Methode ist dem Fachmann
bekannt. Cryo-TEM bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die wässrigen Dipsersionen
der Cellulose gefroren werden und mittels einer Elektronen-Transmissions vermessen
werden. Die Nanocellulosefasern liegen im wässrigen Medium typischerweise in ineinander
verschlungenen Netzwerken mehrerer Fasern vor. Das führt auf makroskopischer Ebene
zu einem Gel. Dieses Gel kann rheolgisch vermessen werden, wobei sich zeigt, dass
das Speichermodul vom Betrag her größer als das Verlustmodul ist. Typischerweise liegt
dieses Gelverhalten schon bei Konzentrationen von 0,1 Massenprozent Nanocellulose
in Wasser vor.
[0019] In dem erfindungsgemäßen Verfahren werden wässrige Anschlämmungen von Nanocellulosen
eingesetzt, die 0,1 bis 25 Gew.-% Nanocellulose, bezogen auf das Gesamtgewicht der
wässrigen Anschlämmung, enthalten. Bevorzugt enthalten die wässrigen Anschlämmungen
1 bis 20 Gew.-%, besonders bevorzugt 1 bis 10 Gew.-% und insbesondere 1 bis 5 Gew.-%
der Nanocellulose.
[0020] Die in dem erfindungsgemäßen Verfahren einsetzbaren wässrigen Zusammensetzungen enthalten
neben der Nanocellulose mindestens ein Polymerisat, welches aus der Gruppe der anionischen
und wasserlöslichen kationischen Polymerisate ausgewählt ist.
[0021] In einer bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens enthält die
wässrige Zusammensetzung neben der Nanocellulose mindestens ein anionisches Polymerisat.
Es ist ebenfalls möglich, dass die wässrige Zusammensetzung neben der Nanocellulose
und dem anionischen Polymerisat noch mindestens ein wasserlösliches kationisches Polymerisat
enthält.
[0022] In einer anderen Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens enthält die wässrige
Zusammensetzung neben der Nanocellulose ein wasserlösliches kationisches Polymerisat.
[0023] Die anionischen Polymerisate im Sinne dieser Erfindung sind in Wasser praktisch unlöslich.
So lösen sich beispielsweise bei einem pH-Wert von 7,0 unter Normalbedingungen (20
°C, 1013 mbar) höchstens 2,5 g Polymer/Liter Wasser, meistens höchstens 0,5 g/l und
vorzugsweise nicht mehr als 0,1 g/l. Die Dispersionen sind aufgrund des Gehalts an
Säuregruppen im Polymerisat anionisch. Das wasserunlösliche Polymer weist beispielsweise
einen Gehalt an Säuregruppen von 0,1 bis 10 Mol-%, meistens 0,5 bis 9 Mol-% und vorzugsweise
0,5 bis 6 Mol-%, insbesondere 2 bis 6 Mol-% auf. Der Gehalt an Säuregruppen im anionischen
Polymerisat beträgt meistens 2 bis 4 Mol-%.
[0024] Die Säuregruppen des anionischen Polymerisats sind beispielsweise ausgewählt sind
unter Carboxyl-, Sulfonsäure- und Phosphonsäuregruppen. Besonders bevorzugt sind hierbei
Carboxylgruppen.
[0025] Die anionischen Polymerisate enthalten
- (a) mindestens ein Monomer aus der Gruppe von C1- bis C20-Alkylacrylaten, C1- bis C20-Alkylmethacrylaten, Vinylestern von bis zu 20 C-Atome enthaltenden gesättigten Carbonsäuren,
Vinylaromaten mit bis zu 20 C-Atomen, ethylenisch ungesättigten Nitrilen, Vinylethern
von 1 bis 10 C-Atome enthaltenden gesättigten, einwertigen Alkoholen, Vinylhalogeniden
und aliphatischen Kohlenwasserstoffen mit 2 bis 8 C-Atomen und ein oder zwei Doppelbindungen,
- (b) mindestens ein anionisches Monomer aus der Gruppe der ethylenisch ungesättigten
C3- bis C8-Carbonsäuren, Vinylsulfonsäure, Acrylamido-2-methylpropansulfonsäure, Styrolsulfonsäure,
Vinylphosphonsäure sowie deren Salze,
- (c) gegebenenfalls mindestens ein Monomer aus der Gruppe der C1- bis C10-Hydroxyalkylacyrylate, C1- bis C10-Hydroxyalkylmethacyrylate, Acrylamid, Methacrylamid, N-C1-bis C20-Alkylacrylamide und N-C1-bis C20-Alkylmethacrylamide, und
- (d) gegebenenfalls mindestens eine Monomer mit mindestens zwei ethylenisch ungesättigten
Doppelbindungen im Molekül einpolymerisiert.
[0026] Die anionischen Polymerisate enthalten mindestens 60 Mol-% und insbesondere mindestens
80 Mol-% mindestens eines Monomers der Gruppe (a) einpolymerisiert. Diese Monomeren
sind praktisch wasserunlöslich bzw. ergeben bei einer damit durchgeführten Homopolymerisation
wasserunlösliche Polymerisate.
[0027] Die anionischen Polymerisate enthalten als Monomer der Gruppe (a) Mischungen aus
(i) einem C
1- bis C
20-Alkylacrylat und/oder einem C
1- bis C
20-Alkylmethacrylat und (ii) Styrol, α-Methylstyrol, p-Methylstyrol, α-Butylstyrol,
4-n-Butylstyrol, Butadien und/oder Isopren im Gewichtsverhältnis 10 : 90 bis 90 :
10 einpolymerisiert. Beispiele für einzelne Monomere der Gruppe (a) der anionischen
Polymerisate sind Acrylsäure- und Methacrylsäureester von gesättigten, einwertigen
C
1- bis C
20-Alkoholen wie Methylacrylat, Methylmethacrylat, Ethylacrylat, Ethylmethacrylat, n-Propylacrylat,
n-Propylmethacrylat, Isopropylacrylat, n-Butylacrylat, sec.-Butylacrylat, tert.-Butylacrylat,
n-Butylmethacrylat, sec.-Butylmethacrylat, tert.-Butylmethacrylat, n-Pentylacrylat,
n-Pentylmethacrylat, n-Hexylacrylat, n-Hexylmethacrylat, Cyclohexylacrylat, Cyclohexylmethacrylat,
2-Ethylhexylacrylat, 2-Ethylhexylmethacrylat, n-Octylacrylat, n-Octylmethacrylat,
n-Decylacrylat, n-Decylmethacrylat, 2-Propylheptylacrylat, 2-Propylheptylmethacrylat,
Dodecylacrylat, Dodecylmethacrylat, Laurylacrylat, Laurylmethacrylat, Palmitylacrylat,
Palmitylmethacrylat, Stearylacrylat und Stearylmethacrylat. Bevorzugt werden von diesen
Monomeren die Ester der Acrylsäure und der Methacrylsäure mit gesättigten, einwertigen
C
1- bis C
10-Alkoholen eingesetzt. Auch Mischungen dieser Monomeren werden bei der Herstellung
der anionischen Polymeren eingesetzt, z. B. Mischungen aus n-Butylacrylat und Ethylacrylat
oder Mischungen aus n-Butylacrylat und mindestens einem Propylacrylat.
[0028] Weitere Monomere der Gruppe (a) der anionischen Poylmerisate sind:
Vinylester von gesättigten Carbonsäuren mit 1 bis 20 C-Atomen z. B. Vinyllaurat, Vinylstearat,
Vinylpropionat, Versaticsäurevinylester und Vinylacetat,
vinylaromatische Verbindungen wie Styrol, α-Methylstyrol, p-Methylstyrol, α-Butylstyrol,
4-n-Butylstyrol und 4-n-Decylstyrol,
ethylenisch ungesättigte Nitrile wie Acrylnitril und Methacrylnitril,
Vinylether von 1 bis 10 C-Atome enthaltenden gesättigten Alkoholen, bevorzugt Vinylether
von 1 bis 4 C-Atome enthaltenden gesättigten Alkoholen wie Vinylmethylether, Vinylethylether,
Vinyl-n-propylether, Vinylisopropylether, Vinyl-n-butylether oder Vinylisobutylether,
Vinylhalogenide wie mit Chlor, Fluor oder Brom substituierte ethylenisch ungesättigte
Verbindungen, bevorzugt Vinylchlorid und Vinylidenchlorid, sowie
eine oder zwei olefinische Doppelbindungen aufweisende aliphatische Kohlenwasserstoffe
mit 2 bis 8 C-Atomen wie Ethylen, Propylen, Butadien, Isopren und Chloropren.
[0029] Bevorzugte Monomere der Gruppe (a) sind C
1-C
20-Alkyl(meth)acrylate und Mischungen der Alkyl(meth)acrylate mit Vinylaromaten, insbesondere
Styrol und/oder zwei Doppelbindungen aufweisende Kohlenwasserstoffe, insbesondere
Butadien, oder Gemische von derartigen Kohlenwasserstoffen mit Vinylaromaten, insbesondere
Styrol. Besonders bevorzugte Monomere der Gruppe (a) der anionischen Polymerisate
sind n-Butylacrylat, Styrol und Acrylnitril, die jeweils allein oder in Mischung eingesetzt
werden können. Im Fall von Monomermischungen kann das Gewichtsverhältnis von Alkylacrylaten
oder Alkylmethacrylaten zu Vinylaromaten und/oder zu zwei Doppelbindungen aufweisenden
Kohlenwasserstoffen wie Butadien beipsielsweise 10 : 90 bis 90 : 10, vorzugsweise
20 : 80 bis 80 : 20 betragen.
[0030] Anionische Monomere der Gruppe (b) der anionischen Polymerisate sind ethylenisch
ungesättigten C
3- bis C
8-Carbonsäuren wie beispielsweise Acrylsäure, Methacrylsäure, Dimethacrylsäure, Ethacrylsäure,
Maleinsäure, Fumarsäure, Itaconsäure, Mesaconsäure, Citraconsäure, Methylenmalonsäure,
Allylessigsäure, Vinylessigsäure und Crotonsäure. Als Monomere der Gruppe (b) eignen
sich außerdem Sulfongruppen enthaltende Monomere wie Vinylsulfonsäure, Acrylamido-2-methyl-propansulfonsäure
und Styrolsulfonsäure sowie Vinylphosphonsäure. Die Monomeren dieser Gruppe können
allein oder in Mischung miteinander, in teilweise oder in vollständig neutralisierter
Form bei der Copolymerisation eingesetzt werden. Zur Neutralisation verwendet man
beispielsweise Alkalimetall- oder Erdalkalimetallbasen, Ammoniak, Amine und/oder Alkanolamine.
Beispiele hierfür sind Natronlauge, Kalilauge, Soda, Pottasche, Natriumhydrogencarbonat,
Magnesiumoxid, Calciumhydroxid, Calciumoxid, Triethanolamin, Ethanolamin, Morpholin,
Diethylentriamin oder Tetraethylenpentamin.
[0031] Die wasserunlöslichen anionischen Polymerisate können gegebenenfalls als weitere
Monomere (c) mindestens ein Monomer aus der Gruppe der C
1- bis C
10-Hydroxyalkylacyrylate, C
1- bis C
10-Hydroxyalkylmethacyrylate, Acrylamid, Methacrylamid, N-C
1-bis C
20-Alkylacrylamide und N-C
1-bis C
20-Alkylmethacrylamide enthalten. Falls diese Monomeren zur Modifizierung der anionischen
Polymerisate eingesetzt werden, so verwendet man vorzugsweise Acrylamid oder Methacrylamid.
Die Mengen an einpolymerisierten Monomeren (c) im anionischen Polymerisat betragen
bis zu beispielsweise 20 Mol-%, vorzugsweise bis zu 10 Mol-% und liegen, sofern diese
Monomeren bei der Polymerisation eingesetzt werden, in dem Bereich von 1 bis 5 Mol-%.
[0032] Weiterhin können die anionischen Polymerisate gegebenenfalls Monomere der Gruppe
(d) enthalten. Als Monomere der Gruppe (d) kommen Verbindungen mit mindestens zwei
ethylenisch ungesättigten Doppelbindungen im Molekül in Betracht. Solche Verbindungen
werden auch als Vernetzer bezeichnet. Sie enthalten beispielsweise 2 bis 6, vorzugsweise
2 bis 4 und meistens 2 oder 3 radikalisch polymerisierbare Doppelbindungen im Molekül.
Bei den Doppelbindungen kann es sich beispielsweise um folgende Gruppen handeln: Acryl-,
Methacryl-, Vinylether-, Vinylester-, Allylether- und Allylestergruppen. Beispiele
für Vernetzer sind 1,2-Ethandioldi(meth)acrylat (die Schreibweise "...(meth)acrylat"
bzw. "(Meth)acrylsäure" bedeutet hier sowie im folgenden Text sowohl "... acrylat"
als auch "...methacrylat" bzw. Acrylsäure als auch Methacrylsäure), 1,3-Propandioldi(meth)acrylat,
1,2-Propandioldi(meth)acrylat, 1,4-Butandioldi(meth)-acrylat, 1,6-Hexandioldi(meth)acrylat,
Neopentylglykoldi(meth)acrylat, Trimethylolpropantrioldi(meth)acrylat, Pentaerythrittetra(meth)acrylat,
1,4-Butandioldivinylether, 1,6-Hexandioldivinylether, 1,4-Cyclohexandioldivinylether,
Divinylbenzol, Allylacrylat, Allylmethacrylat, Methallylacrylat, Methallylmethacrylat,
(Meth)acrylsäure but-3-en-2-ylester, (Meth)acrylsäure but-2-en-1-ylester, (Meth)acrylsäure
3-methyl-but-2-en-1-ylester, Ester der (Meth)acrylsäure mit Geraniol, Citronellol,
Zimtalkohol, Glycerinmono- oder -diallylether, Trimethylolpropanmono- oder -diallylether,
Ethylenglykolmonoallylether, Diethylenglykolmonoallylether, Propylenglykolmonoallylether,
Dipropylenglykolmonoallylether, 1,3-Propandiolmonoallylether, 1,4-Butandiolmonoallylether
sowie ferner Itaconsäurediallylester. Bevorzugt sind Allylacrylat, Divinylbenzol,
1,4-Butandioldiacrylat und 1,6-Hexandioldiacrylat. Falls ein Vernetzer zur Modifizierung
der anionischen Polymerisate eingesetzt wird, so betragen die einpolymerisierten Mengen
bis zu 2 Mol-%. Sie liegen beispielsweise in dem Bereich von 0,001 bis 2, vorzugsweise
0,01 bis 1 Mol-%.
[0033] Die wasserunlöslichen anionischen Polymerisate enthalten bevorzugt als Monomere (a)
Mischungen aus 20 - 50 Mol.-% Styrol und 30 - 80 Mol.-% mindestens eines Alkylmethacrylats
und/oder mindestens eines Alkylacrylats einpolymerisiert. Sie können gegebenenfalls
noch bis zu 30 Mol.-% Methacrylnitril oder Acrylnitril einpolymerisiert enthalten.
Solche Polymerisate können gegebenenfalls noch mit den oben unter Monomeren der Gruppe
(c) angegebenen Mengen an Methacrylamid und/oder Acrylamid modifiziert sein.
[0034] Die im erfindungsgemäßen Verfahren eingesetzten anionischen Polymerisate enthalten
- (a) mindestens 60 Mol-% mindestens eines Monomers aus der Gruppe bestehend aus einem
C1- bis C20-Alkylacrylat, einem C1- bis C20-Alkylmethacrylat, Vinylacetat, Vinylpropionat, Styrol, α-Methylstyrol, p-Methylstyrol,
α-Butylstyrol, 4-n-Butylstyrol, 4-n-Decylstyrol, Acrylnitril, Methacrylnitril, Butadien
und Isopren und
- (b) 0,5 bis 9 Mol-% mindestens eines anionischen Monomers aus der Gruppe der ethylenisch
ungesättigten C3- bis C5-Carbonsäuren einpolymerisiert.
[0035] Besonders bevorzugt sind anionische Polymerisate, die mindestens 80 Mol-% mindestens
eines Monomers der Gruppe (a) einpolymerisiert enthalten. Sie enthalten meistens als
Monomer der Gruppe (a) Mischungen aus (i) einem C
1- bis C
20-Alkylacrylat und/oder einem C
1- bis C
20-Alkylmethacrylat und (ii) Styrol, α-Methylstyrol, p-Methylstyrol, α-Butylstyrol,
4-n-Butylstyrol, Butadien und/oder Isopren im Gewichtsverhältnis 10 : 90 bis 90 :
10 einpolymerisiert.
[0037] Bei der Emulsionspolymerisation zur Herstellung der anionischen Polymerisate werden
ionische und/oder nicht-ionische Emulgatoren und/oder Schutzkolloide bzw. Stabilisatoren
als grenzflächenaktive Verbindungen verwendet. Die grenzflächenaktive Substanz wird
üblicherweise in Mengen von 0,1 bis 10 Gew.-%, insbesondere von 0,2 bis 3 Gew.-%,
bezogen auf die zu polymerisierenden Monomeren, verwendet.
[0038] Gebräuchliche Emulgatoren sind z. B. Ammonium- oder Alkalimetallsalze höherer Fettalkoholsulfate,
wie Na-n-Laurylsulfat, Fettalkoholphosphate, ethoxylierte C
8- bis C
10-Alkylphenole mit einem Ethoxylierungsgrad von 3 bis 30 sowie ethoxylierte C
8- bis C
25-Fettalkohole mit einem Ethoxylierungsgrad von 5 bis 50. Denkbar sind auch Gemische
aus nichtionischen und ionischen Emulgatoren. Ferner geeignet sind phosphat- oder
sulfatgruppenhaltige, ethoxylierte und/oder propoxylierte Alkylhenole und/oder Fettalkohole.
Weitere geeignete Emulgatoren sind in
Houben-Weyl, Methoden der organischen Chemie, Band XIV, Makromolekulare Stoffe, Georg
Thieme Verlag, Stuttgart, 1961, Seiten 192 bis 209 aufgeführt.
[0039] Wasserlösliche Initiatoren für die Emulsionspolymerisation zur Herstellung der anionischen
Polymerisate sind z. B. Ammonium- und Alkalimetallsalze der Peroxidischwefelsäure,
z. B. Natriumperoxodisulfat, Wasserstoffperoxid oder organische Peroxide, z. B. tert-Butylhydroperoxid.
[0040] Geeignet sind auch sogenannte Reduktions-Oxidations(Red-Ox)-Initiator Systeme, beispielsweise
Kombinationen von Peroxiden, Hydroperoxiden oder Wasserstoffperoxid mit Reduktionsmitteln
wie Ascorbinsäure oder Natriumbisulfit. Diese Initiatorsysteme können noch zusätzlich
Metallionen wie Eisen(II)-Ionen enthalten.
[0041] Die Menge der Initiatoren beträgt im Allgemeinen 0,1 bis 10 Gew.-%, bevorzugt 0,5
bis 5 Gew.-%, bezogen auf die zu polymerisierenden Monomeren. Es können auch mehrere
verschiedene Initiatoren bei der Emulsionspolymerisation Verwendung finden.
[0042] Bei der Emulsionspolymerisation können gegebenenfalls Regler eingesetzt werden, z.
B. in Mengen von 0 bis 3 Gew.-Teile, bezogen auf 100 Gew.-Teile der zu polymerisierenden
Monomeren. Dadurch wird die Molmasse der entstehenden Polymeren verringert. Geeignete
Regler sind z. B. Verbindungen mit einer Thiolgruppe wie tert.-Butylmercaptan, Thioglycolsäureethylacrylester,
Mercaptoethanol, Mercaptopropyltrimethoxysilan oder tert.-Dodecylmercaptan oder Regler
ohne Thiolgruppe, insbesondere z. B. Terpinolen.
[0043] Die Emulsionspolymerisation zur Herstellung der anionischen Polymerisate erfolgt
in der Regel bei 30 bis 130 °C, vorzugsweise bei 50 bis 100 °C. Das Polymerisationsmedium
kann sowohl nur aus Wasser, als auch aus Mischungen aus Wasser und damit mischbaren
Flüssigkeiten wie Methanol bestehen. Vorzugsweise wird nur Wasser verwendet. Die Emulsionspolymerisation
kann sowohl als Batchprozess als auch in Form eines Zulaufverfahrens, einschließlich
Stufen- oder Gradientenfahrweise, durchgeführt werden. Bevorzugt ist das Zulaufverfahren,
bei dem man einen Teil des Polymerisationsansatzes vorlegt, auf die Polymerisationstemperatur
erhitzt, anpolymerisiert und anschließend den Rest des Polymerisationsansatzes, üblicherweise
über mehrere räumlich getrennte Zuläufe, von denen einer oder mehrere die Monomeren
in reiner oder in emulgierter Form enthalten, kontinuierlich, stufenweise oder unter
Überlagerung eines Konzentrationsgefälles unter Aufrechterhaltung der Polymerisation
der Polymerisationszone zuführt. Bei der Polymerisation kann auch z. B. zur besseren
Einstellung der Teilchengröße eine Polymersaat vorgelegt werden.
[0044] Die Art und Weise, in der der Initiator im Verlauf der radikalischen wässrigen Emulsionspolymerisation
dem Polymerisationsgefäß zugegeben wird, ist dem Durchschnittsfachmann bekannt. Es
kann sowohl vollständig in das Polymerisationsgefäß vorgelegt, als auch nach Maßgabe
seines Verbrauchs im Verlauf der radikalischen wässrigen Emulsionspolymerisation kontinuierlich
oder stufenweise eingesetzt werden. Im Einzelnen hängt dies von der chemischen Natur
des Initiatorsystems als auch von der Polymersiationstemperatur ab. Vorzugsweise wird
ein Teil vorgelegt und der Rest nach Maßgabe des Verbrauchs der Polymerisationszone
zugeführt.
[0045] Zur Entfernung der Restmonomeren wird üblicherweise auch nach dem Ende der eigentlichen
Emulsionspolymerisation, d. h. nach einem Umsatz der Monomeren von mindestens 95 %,
erneut mindestens ein Initiator zugesetzt und das Reaktionsgemisch eine bestimmte
Zeit auf die Polymerisationstemperatur oder eine darüber liegende Temperatur erhitzt.
[0046] Die einzelnen Komponenten können dem Reaktor beim Zulaufverfahren von oben, in der
Seite oder von unten durch den Reaktorboden zugegeben werden.
[0047] Im Anschluss an die (Co)Polymerisation können die im anionischen Polymerisat enthaltenen
Säuregruppen noch zumindest teilweise oder vollständig neutralisiert werden. Dies
kann beispielsweise erfolgen mit Oxiden, Hydroxiden, Carbonaten oder Hydrogencarbonaten
von Alkalimetallen oder Erdalkalimetallen, bevorzugt mit Hydroxiden, denen ein beliebiges
Gegenion oder mehrere assoziiert sein kann, z. B. Li
+, Na
+, K
+, Cs
+, Mg
2+, Ca
2+ oder Ba
2+. Weiterhin zur Neutralisierung geeignet sind Ammoniak oder Amine. Bevorzugt sind
wässrige Ammoniumhydroxid-, Natriumhydroxid- oder Kaliumhydroxidlösungen.
[0048] Bei der Emulsionspolymerisation werden wässrige Dispersionen des anionischen Polymerisates
in der Regel mit Feststoffgehalten von 15 bis 75 Gew.-%, bevorzugt von 40 bis 75 Gew.-%
erhalten. Die Molmasse M
w der anionischen Polymeren liegt beispielsweise in dem Bereich von 100 000 bis 1 Million
Dalton. Sofern die Polymeren eine Gelphase aufweisen, ist eine Molmassenbestimmung
nicht ohne weiteres möglich. Die Molmassen liegen dann oberhalb des vorstehend genannten
Bereichs.
[0049] Die Glasübergangstemperatur Tg der anionischen Polymerisate liegt beispielsweise
im Bereich von -30 bis 100 °C, bevorzugt im Bereich von -5 bis 70 °C und besonders
bevorzugt im Bereich von 0 bis 40 °C (gemessen nach der DSC-Methode nach DIN EN ISO
11357).
[0050] Die Partikelgröße der dispergierten anionischen Polymerisate liegt vorzugsweise im
Bereich von 10 bis 1000 nm, besonders bevorzugt im Bereich von 50 bis 300 nm (gemessen
mit einem Malvern® Autosizer 2 C).
[0051] Die anionischen Polymerisate können gegebenenfalls geringe Mengen an kationischen
Monomereinheiten einpolymerisiert enthalten, so dass amphotere Polymere vorliegen,
wobei die Gesamtladung der Polymeren aber anionisch sein muss. Als anionische Polymere
eignen sich darüber hinaus noch Polymerdispersionen von nichtionischen Monomeren,
die mit Hilfe von anionischen Tensiden oder Emulgatoren (solche Verbindungen wurden
oben bei der Emulsionspolymerisation zur Herstellung von anionischen Poylmeren beschrieben)
emulgiert sind. Die Tenside oder Emulgatoren werden für diese Anwendung beispielsweise
in Mengen von 1 bis 15 Gew.-%, bezogen auf die gesamte Dispersion, eingesetzt.
[0052] Wie zuvor beschrieben, kann die wässrige Zusammensetzung neben der Nanocellulose
zusätzlich oder alternativ zum anionischen Polymerisat auch ein wasserlösliches kationisches
Polymerisat enthalten.
[0053] Als kationische Polymere kommen alle im eingangs zitierten Stand der Technik genannten
wasserlöslichen kationischen Polymeren in Betracht. Es handelt sich dabei z. B. um
Amino- bzw. Ammoniumgruppen tragende Verbindungen. Bei den Aminogruppen kann es sich
um primäre, sekundäre, tertiäre oder quarternäre Gruppen handeln. Für die Polymere
kommen im Wesentlichen Polymerisate, Polyadditionsverbindungen oder Polykondensate
in Betracht, wobei die Polymere eine lineare oder verzweigte Struktur bis hin zu hyperverzweigten
oder dendritischen Strukturen aufweisen können. Weiterhin sind auch Pfropfpolymere
anwendbar. Die kationischen Polymere werden im vorliegenden Zusammenhang als wasserlöslich
bezeichnet, wenn ihre Löslichkeit in Wasser unter Normalbedingungen (20 °C, 1013 mbar)
und pH 7,0 beispielsweise mindestens 10 Gew-% beträgt.
[0054] Die Molmassen M
w der kationischen Polymeren betragen z. B. mindestens 1.000 g/mol. Sie liegen beispielsweise
meistens in dem Bereich von 5 000 bis 5 Millionen g/mol. Die Ladungsdichten der kationischen
Polymeren betragen beispielsweise 0,5 bis 23 meq/g Polymer, vorzugsweise 3 bis 22
meq/g Polymer und meistens 6 bis 20 meq/g Polymer.
[0055] Geeignete Monomere zur Herstellung von kationischen Polymerisaten sind beispielsweise:
Ester von α,β-ethylenisch ungesättigten Mono- und Dicarbonsäuren mit Aminoalkoholen,
vorzugsweise C
2-C
12-Aminoalkoholen. Diese können am Aminstickstoff C
1-C
8-monoalkyliert oder dialkyliert sein. Als Säurekomponente dieser Ester eignen sich
z. B. Acrylsäure, Methacrylsäure, Fumarsäure, Maleinsäure, Itaconsäure, Crotonsäure,
Maleinsäureanhydrid, Monobutylmaleat und Gemische davon. Bevorzugt werden Acrylsäure,
Methacrylsäure und deren Gemische eingesetzt. Dazu zählen beispielsweise N-Methylaminomethyl(meth)acrylat,
N-Methylaminoethyl(meth)acrylat, N,N-Dimethylaminomethyl(meth)acrylat, N,N-Dimethylaminoethyl(meth)acrylat,
N,N-Diethylaminoethyl(meth)acrylat, N,N-Dimethylaminopropyl(meth)acrylat, N,N-Diethylaminopropyl-(meth)acrylat
und N,N-Dimethylaminocyclohexyl(meth)acrylat.
[0056] Ebenfalls geeignet sind die Quarternierungsprodukte der vorstehenden Verbindungen
mit C
1-C
8-Alkylchloriden, C
1-C
8-Dialkylsulfaten, C
1-C
16-Epoxiden oder Benzylchlorid.
[0057] Darüber hinaus sind als weitere Monomere N-[2-(Dimethylamino)ethyl]acrylamid, N-[2-(Dimethylamino)ethyl]methacrylamid,
N-[3-(Dimethylamino)propyl]acrylamid, N-[3-(Dimethylamino)propyl]methacrylamid, N-[4-(Dimethylamino)butyl]acrylamid,
N-[4-(Dimethylamino)butyl]methacrylamid, N-[2-(Diethylamino)ethyl]acrylamid, N-[2-(Diethylamino)ethyl]methacrylamid
und Mischungen davon geeignet.
[0058] Ebenfalls geeignet sind die Quarternierungsprodukte der vorstehenden Verbindungen
mit C
1-C
8 Alkylchlorid, C
1-C
8-Dialkylsulfat, C
1-C
16-Epoxiden oder Benzylchlorid.
[0059] Geeignete Monomere sind weiterhin N-Vinylimidazole, Alkylvinylimidazole, insbesondere
Methylvinylimidazole wie 1-Vinyl-2-methylimidazol, 3-Vinylimidazol-N-oxid, 2- und
4-Vinylpyridine, 2- und 4-Vinylpyridin-N-oxide sowie betainische Derivate und Quaternisierungsprodukte
dieser Monomere.
[0060] Weitere geeignete Monomere sind Allylamin, Dialkyldiallylammoniumchloride, insbesondere
Dimethyldiallylammoniumchlorid und Diethyldiallylammoniumchlorid sowie die aus der
WO 01/36500 A1 bekannten Alkylenimineinheiten enthaltenden Monomere der Formel (II)

worin
- R
- für Wasserstoff oder C1- bis C4-Alkyl steht,
- -[Al-]m
- eine lineare oder verzweigte Oligoalkyleniminkette mit m Alkylenimineinheiten bedeutet,
- m
- für eine ganze Zahl im Bereich von 1 bis 20 steht, und das Zahlenmittel m in den Oligoalkyleniminketten
wenigstens 1,5 beträgt,
- Y
- das Anionäquivalent einer Mineralsäure bedeutet und
- n
- für eine Zahl von 1 ≤ n ≤ m steht.
[0061] Monomere bzw. Monomergemische, bei denen in der oben angegebenen Formel (II) das
Zahlenmittel von m wenigstens 2,1, meistens 2,1 bis 8 beträgt, sind bevorzugt. Sie
sind dadurch erhältlich, dass man eine ethylenisch ungesättigte Carbonsäure mit einem
Oligoalkylenimin, vorzugsweise in Form eines Oligomerengemisches, umsetzt. Das dabei
anfallende Produkt kann gegebenenfalls mit einer Mineralsäure HY in das Säureadditionssalz
überführt werden. Solche Monomere können in einem wässrigen Medium in Gegenwart eines
Initiators, der eine radikalische Polymerisation auslöst, zu kationischen Homo- und
Copolymerisaten polymerisiert werden.
[0062] Weitere geeignete kationische Monomere sind aus der
WO 2009/043860 A1 bekannt. Es handelt sich hierbei um Alkylenimineinheiten enthaltende Aminoalkylvinylether
der Formel (III)
H
2C=CH-O-X-NH-[Al-]
n-H (III),
worin
- [Al-]n
- für eine lineare oder verzweigte Oligoalkyleniminkette mit n Alkylenimineinheiten
steht,
- n
- eine Zahl von mindestens 1 bedeutet und
- X
- für eine geradkettige oder verzweigte C2- bis C6-Alkylengruppe steht sowie
[0063] Salze der Monomeren (III) mit Mineralsäuren oder organischen Säuren und Quaternierungsprodukte
der Monomeren (III) mit Alkylhalogeniden oder Dialkylsulfaten. Diese Verbindungen
sind durch Addition von Alkyleniminen an Amino-C
2- bis C
6-alkylvinylether zugänglich.
[0064] Die zuvor genannten Monomere können allein zu wasserlöslichen kationischen Homopolymeren
oder zusammen mit mindestens einem anderen neutralen Monomeren zu wasserlöslichen
kationischen Copolymerisaten oder mit mindestens einem Säuregruppen aufweisenden Monomeren
zu amphoteren Copolymerisaten, die bei einem molaren Überschuss an einpolymerisierten
kationischen Monomeren eine kationische Gesamtladung tragen, polymerisiert werden.
[0065] Als neutrale Monomere, die mit den obengenannten kationischen Monomeren zur Herstellung
von kationischen Polymerisaten copolymerisiert werden, eignen sich beispielsweise
Ester von α,β-ethylenisch ungesättigten Mono- und Dicarbonsäuren mit C
1-C
30-Alkanolen, C
2-C
30-Alkandiolen, Amide α,β-ethylenisch ungesättigter Monocarbonsäuren und deren N-Alkyl-
und N,N-Dialkylderivate, Ester von Vinylalkohol und Allylalkohol mit gesättigten C
1-C
30-Monocarbonsäuren, Vinylaromaten, Vinylhalogenide, Vinylidenhalogenide, C
2-C
8-Monoolefine und Mischungen davon.
[0066] Weitere geeignete Comonomere sind z. B. Methyl(meth)acrylat, Methylethacrylat, Ethyl(meth)acrylat,
Ethylethacrylat, n-Butyl(meth)acrylat, Isobutyl(meth)acrylat, tert.-Butyl(meth)acrylat,
tert.-Butylethacrylat, n-Octyl(meth)acrylat, 1,1,3,3-Tetramethylbutyl(meth)acrylat,
Ethylhexyl(meth)acrylat und Mischungen davon.
[0067] Geeignet sind außerdem Acrylamid, substituierte Acrylamide, Methacrylamid, substituierte
Methacrylamide wie beispielsweise Acrylsäureamid, Methacrylsäureamid, N-Methyl(meth)acrylamid,
N-Ethyl(meth)acrylamid, N-Propyl(meth)acrylamid, N-(n-Butyl)-(meth)acrylamid, tert.-Butyl(meth)acrylamid,
n-Octyl(meth)acrylamid, 1,1,3,3-Tetramethylbutyl(meth)acrylamid und Ethylhexyl(meth)acrylamid
sowie Acrylnitril und Methacrylnitril und Mischungen der genannten Monomeren.
[0068] Weitere Monomere zur Modifizierung der kationischen Polymerisate sind 2-Hydroxyethyl(meth)acrylat,
2-Hydroxyethylethacrylat, 2-Hydroxypropyl(meth)acrylat, 3-Hydroxypropyl(meth)acrylat,
3-Hydroxybutyl(meth)acrylat, 4-Hydroxybutyl(meth)acrylat, 6-Hydroxyhexyl(meth)acrylat
etc. und Mischungen davon.
[0069] Weitere geeignete Monomere für die Copolymerisation mit den obengenannten kationischen
Monomeren sind N-Vinyllactame und deren Derivate, die z. B. einen oder mehrere C
1-C
6-Alkylsubstituenten, wie Methyl, Ethyl, n-Propyl, Isopropyl, n-Butyl, sec.-Butyl,
tert.-Butyl etc. aufweisen können. Dazu zählen z. B. N-Vinylpyrrolidon, N-Vinylpiperidon,
N-Vinylcaprolactam, N-Vinyl-5-methyl-2-pyrrolidon, N-Vinyl-5-ethyl-2-pyrrolidon, N-Vinyl-6-methyl-2-piperidon,
N-Vinyl-6-ethyl-2-piperidon, N-Vinyl-7-methyl-2-caprolactam, N-Vinyl-7-ethyl-2-caprolactam
etc.
[0070] Geeignete Comonomere für die Copolymerisation mit den obengenannten kationischen
Monomeren sind weiterhin Ethylen, Propylen, Isobutylen, Butadien, Styrol, α-Methylstyrol,
Vinylchlorid, Vinylidenchlorid, Vinylfluorid, Vinylidenfluorid und Mischungen davon.
[0071] Eine weitere Gruppe von Comonomeren sind ethylenisch ungesättigte Verbindungen, die
eine Gruppierung tragen, aus der in einer polymeranalogen Reaktion eine Aminogruppe
gebildet werden kann. Hierzu zählen beispielsweise N-Vinylformamid, N-Vinyl-N-methylformamid,
N-Vinylacetamid, N-Vinyl-N-methylacetamid, N-Vinyl-N-ethylacetamid, N-Vinylpropionamid,
N-Vinyl-N-methylpropionamid und N-Vinylbutyramid und Mischungen davon. Die daraus
gebildeten Polymere können, wie in
EP 0 438 744 A1 beschrieben, durch saure oder basische Hydrolysen in Vinylamin- und Amidineinheiten
(Formeln IV - VII) enthaltende Polymere überführt werden.

In den Formeln IV - VII stehen die Substituenten R
1, R
2 für H, C
1- bis C
6-Alkyl und X für ein Anionäquivalent einer Säure, vorzugsweise einer Mineralsäure.
[0072] Bei der Hydrolyse entstehen beispielsweise Polyvinylamine, Poylvinylmethylamine bzw.
Polyvinylethylamine. Die Monomeren dieser Gruppe können in beliebiger Weise mit den
kationischen Monomeren und/oder den obengenannten Comonomeren polymerisiert werden.
[0073] Unter kationischen Polymerisaten im Sinne der vorliegenden Erfindung sollen auch
amphotere Polymerisate verstanden werden, die eine kationische Gesamtladung tragen.
Bei den amphoteren Polymerisaten liegt der Gehalt an kationischen Gruppen beispielsweise
um mindestens 5 Mol-% über dem Gehalt an anionischen Gruppen im Polymerisat. Solche
Polymerisate sind z. B. dadurch zugänglich, dass man ein kationisches Monomer wie
N,N-Dimethylaminoethylacrylamid in Form der freien Base, in partiell mit einer Säure
neutralisierten oder in quaternierter Form mit mindestens einem Säuregruppen enthaltendem
Monomeren copolymerisiert, wobei das kationische Monomer in einem molaren Überschuss
eingesetzt wird, damit die entstehenden Polymeren eine kationische Gesamtladung tragen.
[0074] Amphotere Polymerisate sind auch erhältlich durch Copolymerisieren von
- (i) mindestens einem N-Vinylcarbonsäureamid der Formel (I)

in der R1, R2 = H oder C1- bis C6-Alkyl bedeuten,
- (ii) mindestens einer monoethylenisch ungesättigten Carbonsäure mit 3 bis 8 C-Atomen
im Molekül und/oder deren Alkalimetall-, Erdalkalimetall- oder Ammoniumsalzen und
gegebenenfalls
- (iii) anderen monoethylenisch ungesättigten Monomeren, und gegebenenfalls
- (iv) Verbindungen, die mindestens zwei ethylenisch ungesättigte Doppelbindungen im
Molekül aufweisen,
und anschließend teilweise oder vollständige Abspaltung von Gruppen -CO-R
1 aus den in das Copolymerisat einpolymerisierten Monomeren der Formel (I) unter Bildung
von Aminogruppen, wobei der Gehalt an kationischen Gruppen wie Aminogruppen im Copolymerisat
mindestens 5 Mol-% über dem Gehalt an einpolymerisierten Säuregruppen der Monomere
(ii) beträgt. Bei der Hydrolyse von N-Vinylcarbonsäureamidpolymeren entstehen in einer
sekundären Reaktion Amidineinheiten, indem Vinylamineinheiten mit einer benachbarten
Vinylformamideinheit reagieren. Im Folgenden bedeutet die Angabe von Vinylamineinheiten
in den amphoteren Copolymerisaten immer die Summe aus Vinylamin- und Amidineinheiten.
[0075] Die so erhältlichen amphoteren Verbindungen enthalten beispielsweise
(i1) gegebenenfalls nicht hydrolysierte Einheiten der Formel (I)
(i2) Vinylamin- und Amidineinheiten, wobei der Gehalt an Amino- plus Amidingruppen im
Copolymerisat mindestens 5 Mol-% über dem Gehalt an einpolymerisierten Säuregruppen
enthaltenden Monomeren liegt,
(ii) Einheiten eines Säuregruppen enthaltenden monoethylenisch ungesättigten Monomeren
und/oder deren Alkalimetall-, Erdalkalimetall- oder Ammoniumsalzen,
(iii) 0 bis 30 Mol-% Einheiten mindestens eines anderen monoethylenisch ungesättigten
Monomeren und
(iv) 0 bis 2 Mol-% mindestens einer Verbindung, die mindestens zwei ethylenisch ungesättigte
Doppelbindungen in Molekül aufweist.
[0076] Die Hydrolyse der Copolymerisate kann in Gegenwart von Säuren oder Basen oder auch
enzymatisch durchgeführt werden. Bei der Hydrolyse mit Säuren liegen die aus den Vinylcarbonsäureamideinheiten
entstehenden Vinylamingruppen in Salzform vor. Die Hydrolyse von Vinylcarbonsäureamidcopolymerisaten
ist in der
EP 0 438 744 A1, Seite 8, Zeile 20 bis Seite 10, Zeile 3, ausführlich beschrieben. Die dort gemachten
Ausführungen gelten entsprechend für die Herstellung der erfindungsgemäß einzusetzenden
amphoteren Polymeren mit einer kationischen Gesamtladung.
[0077] Diese Polymeren haben beispielsweise K-Werte (bestimmt nach H. Fikentscher in 5 %iger
wässriger Kochsalzlösung bei pH 7, einer Polymerkonzentration von 0,5 Gew.-% und einer
Temperatur von 25 °C) in dem Bereich von 20 bis 250, vorzugsweise 50 bis 150.
[0078] Die Herstellung der kationischen Homo- und Copolymerisate kann durch Lösungs-, Fällungs-,
Suspensions- oder Emulsionspolymerisation erfolgen. Bevorzugt ist die Lösungspolymerisation
in wässrigen Medien. Geeignete wässrige Medien sind Wasser und Gemische aus Wasser
und mindestens einem wassermischbaren Lösungsmittel, z. B. einem Alkohol, wie Methanol,
Ethanol, n-Propanol, etc..
[0079] Die Polymerisationstemperaturen liegen vorzugsweise in einem Bereich von etwa 30
bis 200 °C, besonders bevorzugt 40 bis 110 °C. Die Polymerisation erfolgt üblicherweise
unter atmosphärischem Druck, sie kann jedoch auch unter vermindertem oder erhöhtem
Druck ablaufen. Ein geeigneter Druckbereich liegt zwischen 0,1 und 5 bar.
[0080] Zur Herstellung der kationischen Polymerisate können die Monomeren mit Hilfe von
Radikale bildenden Initiatoren polymerisiert werden.
[0081] Als Initiatoren für die radikalische Polymerisation können die hierfür üblichen Peroxo-
und/oder Azo-Verbindungen eingesetzt werden, beispielsweise Alkali- oder Ammoniumperoxidisulfate,
Diacetylperoxid, Dibenzoylperoxid, Succinylperoxid, Di-tert.-butylperoxid, tert.-Butylperbenzoat,
tert.-Butylperpivalat, tert.-Butylperoxy-2-ethylhexanoat, tert.-Butylpermaleinat,
Cumolhydroperoxid, Diisopropylperoxidicarbamat, Bis-(o-toluoyl)-peroxid, Didecanoylperoxid,
Dioctanoylperoxid, Dilauroylperoxid, tert.-Butylperisobutyrat, tert.-Butylperacetat,
Di-tert.-Amylperoxid, tert.-Butylhydroperoxid, Azo-bisisobutyronitril, Azo-bis-(2-amidinopropan)dihydrochlorid
oder 2-2'-Azo-bis-(2-methylbutyronitril). Geeignet sind auch Initiatormischungen oder
Redox-Initiator-Systeme, wie z. B. Ascorbinsäure/Eisen(II)sulfat/Natriumperoxodisulfat,
tert.-Butylhydroperoxid/Natriumdisulfit, tert.-Butylhydroperoxid/Natriumhydroxymethansulfinat,
H
2O
2/Cu-I- oder Eisen(II)-Verbindungen.
[0082] Zur Einstellung des Molekulargewichts kann die Polymerisation in Gegenwart wenigstens
eines Reglers erfolgen. Als Regler können die üblichen, dem Fachmann bekannten Verbindungen,
wie z. B. Schwefelverbindungen, z. B. Mercaptoethanol, 2-Ethylhexylthioglycolat, Thioglycolsäure,
Natriumhypophosphit, Ameisensäure oder Dodecylmercaptan sowie Tribromchlormethan oder
andere Verbindungen, die regelnd auf das Molekulargewicht der erhaltenen Polymerisate
wirken, eingesetzt werden.
[0083] Kationische Polymere wie Polyvinylamine und deren Copolymere, können auch durch Hofmann-Abbau
von Polyacrylamid oder Polymethacrylamid und deren Copolymeren hergestellt werden,
vgl.
H. Tanaka, Journal of Polymer Science: Polymer Chemistry Edition 17,1239-1245 (1979) und
EI Achari, X. Coqueret, A. Lablache-Combier, C. Loucheux, Makromol. Chem., Vol. 194,
1879-1891 (1993).
[0084] Alle vorgenannten kationischen Polymerisate können dadurch modifiziert werden, dass
man die Polymerisation der kationischen Monomeren und gegebenenfalls der Mischungen
aus kationischen Monomeren und den Comonomeren in Gegenwart mindestens eines Vernetzers
durchführt. Unter einem Vernetzer werden solche Monomere verstanden, die mindestens
zwei Doppelbindungen im Molekül enthalten, z. B. Methylenbisacrylamid, Glykoldiacrylat,
Glykoldimethacrylat, Glycerintriacrylat, Pentaerythrittriallylether, mindestens zweifach
mit Acrylsäure und/oder Methacrylsäure veresterte Polyalkylenglykole oder Polyole
wie Pentaerythrit, Sobit oder Glukose. Falls mindestens ein Vernetzer bei der Copolymerisation
eingesetzt wird, so betragen die angewendeten Mengen beispielsweise bis zu 2 Mol-%,
z. B. 0,001 bis 1 Mol-%.
[0085] Weiterhin können die kationischen Polymerisate durch den nachträglichen Zusatz von
Vernetzern modifiziert werden, d.h. durch den Zusatz von Verbindungen, die mindestens
zwei gegenüber Aminogruppen reaktive Gruppen aufweisen, wie z. B.
- Di-und Polyglycidylverbindungen,
- Di- und Polyhalogenverbindungen,
- Verbindungen mit zwei oder mehr Isocyanatgruppen, eventuell blockierte Kohlensäurederivate,
- Verbindungen, die zwei oder mehrer Doppelbindungen aufweisen, die für eine Michael-Addition
geeignet sind,
- Di-und Polyaldehyde,
- monoethylenisch ungesättigte Carbonsäuren, deren Ester und Anhydride.
[0086] Als kationische Verbindungen kommen außerdem Polymere in Betracht, die durch Polyadditionsreaktionen
erzeugt werden können, wie insbesondere Polymere auf Basis von Aziridinen. Dabei können
sowohl Homopolymere entstehen aber auch Pfropfpolymerisate, die durch Pfropfung von
Aziridinen auf andere Polymere erzeugt werden. Auch hier kann es vorteilhaft sein,
während der oder nach der Polyaddition zuzusetzen, die mindestens zwei Gruppen aufweisen,
die mit den Aziridinen oder den gebildeten Aminogruppen reagieren können, wie z. B.
Epichlorhydrin oder Dihalogenalkane. Vernetzer (s.
Ullmann's Encyclopedia of Industrial Chemistry, VCH, Weinheim, 1992, Kapitel über Aziridine).
[0087] Bevorzugte Polymere dieser Art basieren auf Ethylenimin, z. B. durch Polymerisation
von Ethylenimin hergestellte Homopolymerisate von Ethylenimin oder mit Ethylenimin
gepfropfte Polymere wie Polyamidoamine.
[0088] Weitere geeignete kationische Polymere sind Umsetzungsprodukte von Dialkylaminen
mit Epichlorhydrin oder mit di- oder multifunktionellen Epoxiden wie z. B. Umsetzungsprodukte
von Dimethylamin mit Epichlorhydrin.
[0089] Als kationische Polymere eignen sich auch Polykondensate, z. B. Homo- oder Copolymere
von Lysin, Arginin und Histidin. Sie können als Homopolymere oder als Copolymeren
mit anderen natürlichen oder synthetischen Aminosäuren oder Lactamen eingesetzt werden.
Beispielsweise eignen sich zur Copolymerisation Glycin, Alanin, Valin, Leucin, Phenylalanin,
Tryptophan, Prolin, Asparagin, Glutamin, Serin, Threonin oder auch Caprolactam.
[0090] Als kationische Polymerisate können weiterhin Kondensate von difunktionellen Carbonsäuren
mit multifunktionellen Aminen eingesetzt werden, wobei die multifunktionellen Amine
mindestens zwei primäre Aminogruppen und mindestens eine weitere weniger reaktive,
d.h. sekundäre, tertiäre oder quaternäre Aminogruppe tragen. Beispiele sind die Polykondensationsprodukte
von Diethylentriamin oder Triethylentetramin mit Adipin-, Malon, Glutar-, Oxal- oder
Bernsteinsäure.
[0091] Auch Aminogruppen tragende Polysaccharide wie z. B. Chitosan sind als kationische
Polymerisate geeignet.
[0092] Weiterhin können alle vorstehend beschriebenen Polymere, die primäre oder sekundäre
Aminogruppen tragen, mittels reaktiven Oligoethyleniminen modifiziert werden wie in
der
WO 2009/080613 A1 beschrieben. In dieser Anmeldung werden Pfropfpolymere beschrieben, deren Pfropfgrundlage
ausgewählt ist aus der Gruppe von Vinylamineinheiten aufweisenden Polymeren, Polyaminen,
Polyamidoaminen und Polymerisaten ethylenisch ungesättigter Säuren, und die als Seitenketten
ausschließlich Oligoalkyleniminseitenketten enthalten. Die Herstellung von Pfropfpolymeren
mit Oligoalkyleniminseitenketten geschieht dadurch, dass man auf eine der genannten
Pfropfgrundlagen mindestens ein Oligoalkylenimin pfropft, das eine terminale Aziridingruppe
enthält.
[0093] In dem erfindungsgemäßen Verfahrens wird als wasserlösliches kationisches Polymerisat
ein Vinylamineinheiten aufweisendes Polymerisate eingesetzt.
[0094] Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist ebenfalls eine wässrige Zusammensetzung
aus einer Nanocellulose und mindestens einem Polymerisat, ausgewählt aus der Gruppe
der anionischen Polymerisate und wasserlöslichen kationischen Polymerisat, wie sie
in dem zuvor beschriebenen erfindungsgemäßen Verfahren einsetzbar ist.
[0095] Als Faserstoffe zur Herstellung der Pulpen kommen sämtliche dafür gebräuchlichen
Qualitäten in Betracht, z.B. Holzstoff, gebleichter und ungebleichter Zellstoff sowie
Papierstoffe aus allen Einjahrespflanzen. Zu Holzstoff gehören beispielsweise Holzschliff,
thermomechanischer Stoff (TMP), chemo-thermomechanischer Stoff (CTMP), Druckschliff,
Halbzellstoff, Hochausbeute-Zellstoff und Refiner Mechanical Pulp (RMP). Als Zellstoff
kommen beispielsweise Sulfat-, Sulfit- und Natronzellstoffe in Betracht. Vorzugsweise
verwendet man ungebleichten Zellstoff, der auch als ungebleichter Kraftzellstoff bezeichnet
wird. Geeignete Einjahrespflanzen zur Herstellung von Papierstoffen sind beispielsweise
Reis, Weizen, Zuckerrohr und Kenaf. Zur Herstellung der Pulpen wird meistens Altpapier
verwendet, das entweder allein oder in Mischung mit anderen Faserstoffen eingesetzt
wird oder man geht von Fasermischungen aus einem Primärstoff und zurückgeführtem gestrichenem
Ausschuss aus, z.B. gebleichtes Kiefernsulfat in Mischung mit zurückgeführtem gestrichenem
Ausschuss.
[0096] Das erfindungsgemäße Verfahren ist für die Herstellung von Papier und Pappe aus Altpapier
von besonderem technischem Interesse, weil es die Festigkeitseigenschaften der zurückgeführten
Fasern deutlich erhöht und besondere Bedeutung für die Verbesserung von Festigkeitseigenschaften
von graphischen Papieren und von Verpackungspapieren hat. Die nach dem erfindungsgemäßen
Verfahren erhältlichen Papiere haben überraschenderweise eine höhere Trockenfestigkeit
als die nach dem Verfahren der
WO 2006/056381 A1 herstellbaren Papiere.
[0097] Der pH-Wert der Stoffsuspension liegt beispielsweise in dem Bereich von 4,5 bis 8,
meistens bei 6 bis 7,5. Zur Einstellung des pH-Wertes kann man beispielsweise eine
Säure wie Schwefelsäure oder Aluminiumsulfat verwenden.
[0098] Bei dem erfindungsgemäßen Verfahren wird zunächst die wässrige Zusammensetzung aus
einer Nanocellulose und mindestens einem Polymerisat hergestellt. Dabei ist es unerheblich,
ob zunächst die Nanocellulose vorgelegt wird und das mindestens eine Polymerisat zur
Nanocellulose zugegeben wird oder umgekehrt. Fall sowohl ein anionisches Polymerisat
als auch ein wasserlösliches kationisches Polymerisat zugegeben werden, ist die Reihenfolge
ebenfalls unerheblich.
[0099] In einer bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens wird zunächst
die wässrige Anschlämmung der Nanocellulose erwärmt, beispielsweise auf bis zu 60
°C, bevorzugt auf bis zu 50 °C und besonders bevorzugt auf einen Bereich zwischen
30 und 50 °C. Anschließend wird eine wässrige Dispersion mindestens eines anionischen
Polymerisats zudosiert. Es ist ebenfalls möglich, dieser wässrigen Zusammensetzung
gegebebenfalls noch mindestens ein kationisches Polymerisat zuzugeben.
[0100] In einer anderen bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens wird
der wässrigen Zusammensetzung mindestens ein kationisches Polymerisat zugesetzt, wobei
dieses mindestens eine kationische Polymerisat bevorzugt zu einer wie zuvor beschriebenen
erwärmten wässrigen Anschlämmung einer Nanocellulose zugegeben wird. Anschließend
wird gegebenenfalls das anionsche Polymerisat zugesetzt.
[0101] Unabhängig von den zuvor genannten Ausführungsformen kann die Zugabe der wässrigen
Zusammensetzung in dem erfindungsgemäßen Verfahren zum Dickstoff (Faserkonzentration
> 15 g/l, z.B. in dem Bereich von 25 bis 40 g/l bis zu 60 g/l) oder vorzugsweise zu
einem Dünnstoff (Faserkonzentration < 15 g/l, z.B. in dem Bereich von 5 bis 12 g/l)
erfolgen. Die Zugabestelle liegt vorzugsweise vor den Sieben, kann jedoch auch zwischen
einer Scherstufe und einem Screen oder danach liegen.
[0102] Das wasserunlösliche anionische Polymerisat wird z. B. in einer Menge von 0,1 bis
10 Gew.-%, vorzugsweise 0,3 bis 6 Gew.-%, insbesondere von 0,5 bis 5,5 Gew.-%, bezogen
auf trockenen Papierstoff, eingesetzt. Das gegebenenfalls eingesetzte kationische
Polymer wird beispielsweise in einer Menge von 0,03 bis 2,0 Gew.-%, vorzugsweise 0,1
bis 0,5 Gew.-%, bezogen auf trockenen Papierstoff, eingesetzt.
[0103] Das Gewichtsverhältnis von gegebenenfalls eingesetztem wasserlöslichen kationischen
Polymer zu wasserunlöslichem anionischen Polymer beträgt, bezogen auf den Feststoffgehalt,
beispielsweise 1 : 5 bis 1 : 20 und liegt vorzugsweise in dem Bereich von 1 : 10 bis
1 : 15 und besonders bevorzugt in dem Bereich von 1 : 10 bis 1 : 12.
[0104] Bei dem erfindungsgemäßen Verfahren können die üblicherweise bei der Papierherstellung
verwendeten Prozeßchemikalien in den üblichen Mengen eingesetzt werden, z.B. Retentionsmittel,
Entwässerungsmittel, andere Trockenverfestiger wie beispielsweise Stärke, Pigmente,
Füllstoffe, optische Aufheller, Entschäumer, Biozide und Papierfarbstoffe.
[0105] Die Erfindung wird anhand der folgenden, nicht einschränkenden Beispiele näher erläutert.
Beispiele
[0106] Die Prozentangaben in den Beispielen bedeuten, falls nichts anderes angegeben ist,
Gewichtsprozent.
[0108] Die angegebenen mittleren Teilchengrößen wurden nach ISO 13321 durch quasielastische
Lichtstreuung mit einem Malvern® Autosizer 2 C an 0,01 Gew.-%igen Proben bestimmt.
[0109] In den Beispielen und Vergleichsbeispielen wurden folgende Polymerisate getestet:
Kationisches Polymer A
[0110] Dieses Polymer wurde durch Hydrolyse eines Poly-N-Vinylformamids mit Salzsäure hergestellt.
Der Hydrolysegrad des Polymeren betrug 50 Mol-%, d.h. das Polymer enthielt 50 Mol-%
N-Vinylformamideinheiten und 50 Mol-% Vinylamineinheiten in Salzform. Der K-Wert des
wasserlöslichen kationischen Polymeren betrug 90.
Anionisches Polymer B
[0111] Das anionische Polymer B lag als anionisches Acrylatharz mit einem Feststoffgehalt
von 50 % vor und wurde durch die Suspensionspolymerisation von 68 Mol-% n-Butylacrylat,
14 Mol-% Styrol, 14 Mol-% Acrylnitril und 4 Mol-% Acrylsäure erhalten. Die mittlere
Teilchengröße der dispergierten Polymerteilchen betrug 192 nm.
Anionisches Polymer C
[0112] Das anionische Polymer C lag als anionisches Acrylatharz mit einem Feststoffgehalt
von 50 % vor und wurde durch die Suspensionspolymerisation von 87 Mol-% n-Butylacrylat,
5 Mol-% Styrol, 5 Mol-% Acrylnitril und 3 Mol-% Acrylsäure erhalten. Die mittlere
Teilchengröße der dispergierten Polymerteilchen betrug 184 nm.
Nanocellulose
[0113] Zur Herstellung der Nanocellulose wurde ein Spinnig-Disk-Reaktor, der mit einem Zulauf
für Celluloselösung und vier Zuläufen für Wasser ausgestattet war, verwendet. Der
Zulauf für die Cellulose-Lösung wurde zentral über der Achse der Scheibe 1 mm von
der Scheibenoberfläche entfernt positioniert. Die Wasserzuläufe wurden in gleichen
Abständen voneinander jeweils 5 cm von der Achse und 1 mm von der Scheibenoberfläche
entfernt positioniert. Die Scheibenoberfläche sowie der Mantel des Spinning-Disc-Reaktors
wurden auf 95 °C beheizt. Der Reaktor wurde mit Stickstoff gefüllt. Bei einer Scheibenrotationsgeschwindigkeit
von 2500 Umdrehungen pro min wurden innerhalb von 5 Minuten 80 °C warme Lösungen von
Cellulose in einer ionischen Flüssigkeit (Cellulose der Firmar Weyerhäuser, 1 gew.-%
in 1-Ethyl-3-methylimidazolium-Acetat, Dosierung 50 g/min bei 2 bar Stickstoffdruck)
auf die Scheibe dosiert. Gleichzeitig wurde über die vier Wasserzuläufe 80 °C warmes
Wasser mit einer Dosierung von 1000 ml/min zugegeben. Die erhaltene Produktsuspension
wurde nach dem Erkalten über einen Faltenfilter filtriert, portionsweise mit insgesamt
1000 ml Wasser gewaschen. Anschließend wurden die Cellulosefasern mit ca. 200 ml Isopropanol
gewaschen und isopropanolfeucht abgefüllt. Die Nanocellulose enthielt noch 0,4 Gew.-%
1-Ethyl-3-methylimidizaolium-acetat und ca. 95 % der Cellulosefasern hatten eine Faserdicke
zwischen 5 und 200 nm auf.
Beispiel 1
[0114] 200 ml einer 10 %-igen Nanocellulosesuspension wurden auf 50°C erhitzt. Dazu gab
man 0,25 Gew.-% des kationischen Polymeren A (Polymer fest, bezogen auf trockene Nanocellulose).
In einem anderen Behälter wurde das anionische Polymere B mit Wasser um den Faktor
10 verdünnt. Anschließend dosierte man die verdünnte Dispersion des anionischen Polymeren
B unter leichtem Rühren zu der erhitzten Nanocellulosesuspension. Die eingesetzte
Acrylatharzmenge betrug 25 Gew.-% (Polymer fest, bezogen auf trockene Nanocellulose).
[0115] Aus 100 % gemischtem Altpapier wurde eine 0,5 Gew.-%ige wässrige Stoffsuspension
hergestellt. Der pH-Wert der Suspension betrug 7,1, der Mahlgrad des Stoffs betrug
50° Schopper-Riegler (°SR).
[0116] Die behandelte Nanocellulosesuspension wurde unter Rühren zu dem Altpapierstoff gegeben.
Die Dosiermenge an behandelter Nanocellulose (fest) bezogen auf Altpapierstoff (fest)
betrug 5 %. Anschließend wurden aus dem behandelten Altpapierstoff auf einem Rapid-Köthen-Blattbildner
nach ISO 5269/2 Blätter mit einem Flächengewicht von 120 g/m
2 hergestellt. Die Blätter wurden über den einseitigen Kontakt zu einem dampfbeheizten
Metallzylinder für 7 Minuten bei 90 °C getrocknet.
Beispiel 2
[0117] 200 ml einer 10 %-igen Nanocellulosesuspension wurden auf 30 °C erhitzt. In einem
anderen Behälter wurde das anionische Polymere C mit Wasser um den Faktor 10 verdünnt.
Anschließend dosierte man die verdünnte Dispersion unter leichtem Rühren zu der erhitzten
Nanocellulosesuspension. Die eingesetzte Acrylatharzmenge betrug 25 Gew.-% (Polymer
fest, bezogen auf trockene Nanocellulose).
[0118] Aus 100 % gemischtem Altpapier wurde eine 0,5 Gew.-%ige wässrige Stoffsuspension
hergestellt. Der pH-Wert der Suspension betrug 7,1, der Mahlgrad des Stoffs betrug
50° Schopper-Riegler (°SR).
[0119] Die behandelte Nanocellulosesuspension wird unter Rühren zu dem Altpapierstoff gegeben.
Die Dosiermenge an behandelter Nanocellulose (fest) bezogen auf Altpapierstoff (fest)
betrug 5 %. Anschließend wurden aus dem behandelten Altpapierstoff auf einem Rapid-Köthen-Blattbildner
nach ISO 5269/2 Blätter mit einem Flächengewicht von 120 g/m
2 hergestellt. Die Blätter wurden über den einseitigen Kontakt zu einem dampfbeheizten
Metallzylinder für 7 Minuten bei 90 °C getrocknet.
Beispiel 3
[0120] 200 ml einer 10 %igen Nanocellulosesuspension wurden bei Raumtemperatur vorgelegt.
Dazu gab man 0,5 Gew.-% des kationischen Polymeren A (Polymer fest, bezogen auf trockene
Nanocellulose).
[0121] Aus 100 % gemischtem Altpapier wurde eine 0,5 Gew.-%ige wässrige Stoffsuspension
hergestellt. Der pH-Wert der Suspension betrug 7,1, der Mahlgrad des Stoffs betrug
50° Schopper-Riegler (°SR).
[0122] Die behandelte Nanocellulosesuspension wurde unter Rühren zu dem Altpapierstoff gegeben.
Die Dosiermenge an behandelter Nanocellulose (fest) bezogen auf Altpapierstoff (fest)
betrug 5 %. Anschließend wurden aus dem behandelten Altpapierstoff auf einem Rapid-Köthen-Blattbildner
nach ISO 5269/2 Blätter mit einem Flächengewicht von 120 g/m
2 hergestellt. Die Blätter wurden über den einseitigen Kontakt zu einem dampfbeheizten
Metallzylinder für 7 Minuten bei 90 °C getrocknet.
Vergleichsbeispiel 1
[0123] Aus 100 % gemischtem Altpapier wurde eine 0,5 Gew.-%ige wässrige Stoffsuspension
hergestellt. Der pH-Wert der Suspension betrug 7,1, der Mahlgrad des Stoffs betrug
50° Schopper-Riegler (°SR). Aus dem unbehandelten Altpapierstoff wurden auf einem
Rapid-Köthen-Blattbildner nach ISO 5269/2 Blätter mit einem Flächengewicht von 120
g/m
2 hergestellt. Die Blätter wurden über den einseitigen Kontakt zu einem dampfbeheizten
Metallzylinder für 7 Minuten bei 90 °C getrocknet.
[0124] Vergleichsbeispiel 2, entsprechend der älteren europäischen Anmeldung mit dem Aktenzeichen
EP 09 150 237.7
[0125] Aus 100 % gemischtem Altpapier wurde eine 0,5 Gew.-%ige wässrige Stoffsuspension
hergestellt. Der pH-Wert der Suspension betrug 7,1, der Mahlgrad des Stoffs betrug
50° Schopper-Riegler (°SR).
[0126] Das kationische Polymer A wurde unverdünnt dieser Faserstoffsuspension zugegeben.
Die eingesetzte Polymermenge bezogen auf den Faserstoffgehalt betrug 0,3 Gew.-% (Polymer,
fest). Der mit dem kationischen Polymer vorbehandelte Stoff wurde für ca. 30 Sekunden
leicht gerührt. In einem anderen Behälter wurde die Dispersion des anionischen Polymeren
B mit Wasser um den Faktor 10 verdünnt. Anschließend wurde die verdünnte Dispersion
unter leichtem Rühren der Faserstoffsuspension zugesetzt. Die eingesetzte Acrylatharzmenge
betrug 5 Gew.-% (Polymer, fest, bezogen auf den Faserstoffgehalt).
[0127] Aus dem vorbehandelten Faserstoff wurden auf einem Rapid-Köthen-Blattbildner nach
ISO 5269/2 Blätter mit einem Flächengewicht von 80g/m
2 gefertigt. Die Blätter wurden über den einseitigen Kontakt zu einem dampfbeheizten
Metallzylinder für 7 Minuten bei 90 °C getrocknet.
Prüfung der Papierblätter
[0128] Nach einer Lagerzeit der nach den Beispielen und Vergleichsbeispielen hergestellten
Blätter im Klimaraum bei konstant 23 °C und 50 % Luftfeuchtigkeit für 12 Stunden wurde
jeweils die Trockenreißlänge der Blätter nach DIN 54 540 ermittelt. Die Bestimmung
des CMT-Wertes der klimatisierten Blätter erfolgte nach DIN 53 143, der Trockenberstdruck
der Blätter wurde nach DIN 53 141 ermittelt. Die Ergebnisse sind in Tabelle 1 angegeben.
Tabelle 1
| Beispiel |
Trockenreißlänge [m] |
Berstdruck [kPa] |
CMT30 [N] |
| 1 |
5341 |
468 |
241 |
| 2 |
5455 |
487 |
262 |
| 3 |
5245 |
449 |
235 |
| Vergleichsbeispiel 1 |
3412 |
289 |
162 |
| Vergleichsbeispiel 2 |
4611 |
403 |
211 |