[0001] Die Erfindung betrifft ein Ofensystem und ein Verfahren zur gezielten bauteilzonenindividuellen
Wärmebehandlung von Blechbauteilen.
[0002] In der Technik besteht bei vielen Anwendungsfällen in unterschiedlichen Branchen
der Wunsch nach hochfesten Metallblechteilen bei geringem Teilegewicht. Beispielsweise
ist es in der Fahrzeugindustrie das Bestreben, den Kraftstoffverbrauch von Kraftfahrzeugen
zu reduzieren und den CO2-Ausstoß zu senken, dabei aber gleichzeitig die Insassensicherheit
zu erhöhen. Es besteht daher ein stark zunehmender Bedarf an Karosseriebauteilen mit
einem günstigen Verhältnis von Festigkeit zu Gewicht. Zu diesen Bauteilen gehören
insbesondere A-und B-Säulen, Seitenaufprallschutzträger in Türen, Schweller, Rahmenteile,
Stoßstangenfänger, Querträger für Boden und Dach, vordere und hintere Längsträger.
Bei modernen Kraftfahrzeugen besteht die Rohkarosse mit einem Sicherheitskäfig üblicherweise
aus einem gehärteten Stahlblech mit ca. 1500MPa Festigkeit. Dabei werden vielfach
Al-Sibeschichtete Stahlbleche verwendet. Zur Herstellung eines Bauteils aus gehärtetem
Stahlblech wurde der Prozess des so genannten Presshärtens entwickelt. Dabei werden
Stahlbleche zuerst auf Austenittemperatur zwischen 850°C und 950°C erwärmt, dann in
ein Pressenwerkzeug gelegt, schnell geformt und durch das wassergekühlte Werkzeug
zügig auf Martensittemperatur von ca. 250°C abgeschreckt. Dabei entsteht hartes, festes
Martensitgefüge mit ca. 1.500MPa Festigkeit. Ein solcherart gehärtetes Stahlblech
weist aber nur ca. 6-8% Bruchdehnung auf, was in speziellen Bereichen im Falle des
Zusammenstoßes zweier Fahrzeuge, besonders beim Seitenaufprall, nachteilig ist. Die
kinetische Energie des eindringenden Fahrzeugs kann dabei nicht in Verformungswärme
umgesetzt werden. Vielmehr wird in diesem Fall das Bauteil spröd brechen und droht
zusätzlich die Insassen zu verletzen.
[0003] Für die Automobilindustrie ist es daher wünschenswert, Karosseriebauteile zu erhalten,
die mehrere unterschiedliche Dehnungs- und Festigkeitszonen im Bauteil aufweisen,
so dass sehr feste Bereiche einerseits und sehr dehnfähige Bereiche andererseits in
einem Bauteil vorliegen. Dabei sollten die allgemeinen Ansprüche an eine Produktionsanlage
weiterhin beachtet sein: so sollte es zu keiner Taktzeiteinbuße an der Form-Härteanlage
kommen, die Gesamtanlage sollte uneingeschränkt allgemein verwendet und schnell kundenspezifisch
umgerüstet werden können. Der Prozess sollte robust und wirtschaftlich sein und die
Produktionsanlage nur minimalen Platz benötigen. Die Form und Kantengenauigkeit des
Bauteils sollte so hoch sein, dass Hartbeschnitt weitgehend entfallen kann, um Material
und Arbeit einzusparen.
[0004] Im Stand der Technik sind entsprechende Verfahren und Vorrichtungen beschrieben.
Dabei benutzen diese Verfahren partiell beheizte Werkzeuge, wobei ein Bereich des
Bauteils oberhalb der Martensit bildenden Abschreckgeschwindigkeit abgekühlt wird.
Der Rest des Bauteils wird wie üblich schroff abgekühlt und bildet Martensit. Beispielsweise
beschreibt die Druckschrift
EP 2 012 948 ein Umformwerkzeug zum Presshärten und temperierten Umformen einer Platine aus höher-
und/oder höchstfesten Stählen mit Mitteln zur Temperierung des Umformwerkzeugs sowie
ein Verfahren zum Presshärten und temperierten Umformen von Platinen aus höher-und/oder
höchstfesten Stählen, bei welchen die Platine vor dem Umformen erhitzt wird und anschließend
in einem Umformwerkzeug warm oder halbwarm umgeformt wird, wobei das Umformwerkzeug
Mittel zur Temperierung aufweist. Dabei sind in dem Umformwerkzeug eine Mehrzahl regelbarer
Mittel zur Temperierung vorgesehen, wodurch eine Mehrzahl an Temperaturzonen definiert
werden können, wobei zumindest die Kontaktflächen der für die Umformung verwendeten
Umformwerkzeugelemente einzelnen Temperaturzonen zugeordnet sind.
[0005] In dem Dokument
DE 10 2005 032 113 ist eine Vorrichtung und ein Verfahren zum Warmumformen und partiellen Härten eines
Bauteils zwischen zwei Werkzeughälften in einer Presse offenbart. Die Werkzeughälften
sind jeweils in wenigstens zwei Segmente unterteilt, die durch eine Wärmeisolierung
voneinander getrennt sind. Die beiden Segmente können durch eine Temperaturregelung
beheizt oder gekühlt werden, so dass in verschiedenen Bereichen des Bauteils unterschiedliche
Temperaturen und damit Abkühlkurven einstellbar sind. Dadurch lässt sich ein Bauteil
mit Bereichen unterschiedlicher Härte und Duktilität herstellen.
[0006] Das Dokument
WO 2009/113 938 beschreibt ein Presshärteverfahren, mit dem weiche Abschnitte im Fertigprodukt erreicht
werden können, indem die Abkühlgeschwindigkeit dieser Materialabschnitte verringert
werden. Dadurch wird der Martensitanteil in diesen Bereichen verringert und folglich
die Bruchdehnung dieser Bereiche erhöht.
[0007] Dabei weisen alle Verfahren, die ein partiell beheiztes Werkzeugs benutzen, den Nachteil
auf, dass das Bauteil mit Verzug behaftet ist, da das Bauteil mit partiell unterschiedlichen
Temperaturen von ca. 300°C bis 500°C im weichen Bereich und von ca. 100°C in martensitischen
Bereichen dem Werkzeug entnommen wird und außerhalb des Formzwangs weiter abkühlt.
Darüber hinaus wird die Taktzeit des Verfahrens verlängert, da das schnelle Abkühlen
zugunsten der Perlit-Ferrit-Bildung verlangsamt wird, womit im gleichen Zug die Wirtschaftlichkeit
reduziert wird. Zusätzlich sind solche Werkzeuge sehr komplex und damit teuer und
störanfällig.
[0008] Bei einem anderen, im Stand der Technik beispielsweise aus den Dokumenten
DE 10 350 885,
DE 10 240 675,
DE 10 2005 051 403 oder
DE 10 2007 012 180 bekannten Verfahren wird das Bauteil in einem Zwei-Zonen-Ofen im weichen Bereich
auf eine Temperatur unter die werkstoffabhängige AC3-Temperatur erwärmt, der zu härtende
Bereich hingegen auf eine Temperatur oberhalb der AC3-Temperatur. Dabei entsteht dehnbarer
weicher Perlit-Ferrit in dem einen und harter Martensit im anderen Bereich des Bauteils.
Nachteil dieses Prozesses ist, dass der Ofen nur noch eingeschränkt verwendbar ist
und nicht mehr als Universalofen dienen kann. Damit verliert dieses Verfahren an Wirtschaftlichkeit.
Ein weiterer Nachteil ist, dass die Trennung der Bereiche meist nicht dauerhaft mit
genügender Genauigkeit realisiert werden kann. Darüber hinaus sind mehr als zwei unterschiedliche
Zonen nicht sinnvoll erreichbar. Des Weiteren ist es bei Verwendung von Al-Si-beschichteten
Bauteilen erforderlich, die Temperatur ca. 300 Sekunden lang auf ca. 950°C zu halten,
damit die Diffusion der Beschichtung in den Grundwerkstoff stattfinden kann. Bei niedrigeren
Temperaturen dauert dieser Prozess wesentlich länger und die Wirtschaftlichkeit der
Gesamtanlage wird reduziert.
[0009] Daneben ist in der Praxis ein weiteres Verfahren bekannt, bei dem die weichen Bereiche
partiell langsam abgekühlt werden. Dabei wird das Bauteil vollständig oberhalb der
Austenittemperatur über die erforderliche Diffusionszeit und -Temperatur hinaus erhitzt
und anschließend in einem separaten oder auch dem gleichen Ofen durch partielles Heraushängen
an Luft langsam wieder unter Austenittemperatur abgekühlt. Wenn anschließend der Formhärteprozess
im Werkzeug durchgeführt wird, sind die Nachteile bezüglich der mangelnden Formgenauigkeit
und der Wirtschaftlichkeit des Produktionsofens eliminiert. Nachteil dieses Verfahrens
ist die langsamere Taktzeit durch den zusätzlichen Arbeitsschritt. Ein weiterer Nachteil
besteht in der undefinierte Abkühlungsrate, die bei Bauteilen unter 1,2mm Dicke gelegentlich
zur Martensitbildung führt. Die Abkühlrate ist undefiniert, da die Abkühlung in nicht
genau zu definierender Umgebungstemperatur stattfindet. Der Prozess kann daher nicht
als robust bezeichnet werden. Des Weiteren ist dieser Prozess nur mit zwei unterschiedlich
harten Zonen darstellbar.
[0010] Schließlich können auch unterschiedliche Stähle miteinander verschweißt werden, so
dass nicht härtbarer Stahl in den weichen und härtbarer Stahl in den harten Zonen
vorliegen. Bei einem anschließenden Härteprozess kann das gewünschte Härteprofil über
dem Bauteil erreicht werden. Die Nachteile dieses Verfahrens liegen in der gelegentlich
unsicheren Schweißnaht bei einem üblicherweise für Karosserieteile verwendeten Al-Si-beschichteten
ca. 0,8-1,5mm dicken Blech, des dortigen schroffen Härteübergangs sowie in den wegen
des zusätzlichen Fertigungsschritts des Verschweißens erhöhten Kosten des Bleches.
In Tests kam es gelegentlich zu Ausfällen durch Bruch in der Nähe der Schweißnaht,
so dass der Prozess nicht als robust bezeichnet werden kann.
[0011] Aufgabe der Erfindung ist es daher, ein Ofensystem und ein Verfahren zur gezielten
Wärmebehandlung von Blechbauteilen bereitzustellen, das die oben beschriebenen Nachteile
vermeidet.
[0012] Erfindungsgemäß wird diese Aufgabe durch ein Ofensystem mit den Merkmalen des unabhängigen
Anspruches 1 gelöst. Vorteilhafte Weiterbildungen des Ofensystems ergeben sich aus
den Unteransprüchen 2 - 10.
[0013] Weiterhin wird die Aufgabe durch ein Verfahren nach Anspruch 11 gelöst. Vorteilhafte
Ausführungsformen des Verfahrens ergeben sich aus den Unteransprüchen 12 - 15.
[0014] Das erfindungsgemäße Ofensystem ist dazu geeignet, Bauteile aus Stahlblech partiell
auf eine Temperatur oberhalb der AC3-Temperatur zu erwärmen. Das Ofensystem weist
einen üblichen, universellen Produktionsofen zum Erwärmen der Stahlblechteile auf
eine Temperatur nahe, aber unterhalb der AC3-Temperatur auf, wobei das Ofensystem
weiterhin einen Profilierofen mit mindestens einer Ebene aufweist. Die mindestens
eine Ebene verfügt über ein Ober- und ein Unterteil, sowie einen in eine entsprechende
Aufnahme eingebrachten produktspezifischen Zwischenflansch, wobei der produktspezifische
Zwischenflansch dazu ausgebildet ist, dem Bauteil ein vorgegebenes Temperaturprofil
mit Temperaturen über der AC3-Temperatur für zu härtende Bereiche und unter der AC3-Temperatur
für weichere Bereiche aufzuprägen.
[0015] In einer bevorzugten Ausführungsform verfügt das Ofensystem weiterhin über ein Positioniersystem,
auf dem das Bauteil nach der Erwärmung im Produktionsofen und/oder nach der Erwärmung
im Profilierofen in eine definierte Position abgelegt werden kann. Dadurch ist sichergestellt,
dass sich das Bauteil nach der Erwärmung im Produktionsofen beziehungsweise nach der
partiellen Erwärmung im Profilierofen in einer vordefinierter Lage befindet. So kann
das Bauteil anschließend gerichtet in eine vordefinierte Lage in den Profilierofen
beziehungsweise eine Presse für den nachfolgende Formhärtungsvorgang eingelegt werden.
Je genauer die Einlegeposition des Bauteils eingehalten werden kann, desto weniger
Beschnitt am fertigen, harten Blechteil ist erforderlich.
[0016] In einer besonders vorteilhaften Ausführungsform verfügt der produktspezifische Zwischenflansch
über Mittel zur aktiven Kühlung einzelner Bereiche. In einer weiteren vorteilhaften
Ausführungsform ist die Kühlung als Wasserkühlung ausgeführt.
[0017] In einer weiteren besonders vorteilhaften Ausführungsform verfügt der produktspezifische
Zwischenflansch über Mittel zur Beheizung einzelner Bereiche, wobei es sich in einer
besonderen Ausführungsform hierbei um elektrische Heizungen handelt. Dadurch ist es
möglich, einzelne, produktspezifische Bereiche gezielt zu beheizen und/oder zu kühlen,
so dass die Temperaturen dieser Bereiche in engen Toleranzen gehalten werden können.
Werden einzelne Bereiche über die AC3-Temperatur beheizt, werden diese Bereiche im
anschließenden Formhärtungsprozess besonders hart werden. Die anderen Bereiche, die
gezielt nicht über die AC3-Temperatur aufgeheizt werden, werden im anschließenden
Formhärtungsprozess weniger hart werden und statt dessen eine höhere Bruchdehnung
aufweisen. Mit den elektrischen Heizungen ist eine besonders genaue Temperaturführung
möglich.
[0018] Es hat sich als vorteilhaft erwiesen, den Produktionsofen mit Gasbrennern zu beheizen.
Dadurch ist eine besonders wirtschaftliche Erwärmung der Bauteile möglich. Da das
erfindungsgemäße Verfahren vorsieht, die Bauteile in dem Produktionsofen nur auf eine
Temperatur unterhalb der AC3-Temperatur aufzuheizen und die Wärme für die Aufheizung
definierter Bereiche auf eine Temperatur oberhalb der AC3-Temperatur in einem späteren
Prozessschritt in dem Profilierofen einzubringen, ist eine sehr genaue Temperaturregelung
im Produktionsofen nicht erforderlich, so dass der Nachteil der schlechteren Regelbarkeit
von Gasbrennern gegenüber der von elektrischen Heizungen zugunsten der Wirtschaftlichkeit
für den günstigeren Energieträger Gas in Kauf genommen werden kann.
[0019] In einer weiteren vorteilhaften Ausführungsform weist das Ofensystem einen Produktionsofen
auf, der als Durchlaufofen über ein Transportsystem zum Durchleiten der Bauteile durch
den Produktionsofen verfügt. Die Zykluszeit für die Erwärmung der Bauteile lässt sich
so auf dem Niveau herkömmlicher Erwärmungsöfen für das Formhärteverfahren halten.
Wenn der nachgeschaltete Verfahrensschritt des Aufprägens eines Temperatur profils
auf das Bauteil Zykluszeit bestimmend wird, so dass sich die Zykluszeit für den Gesamtprozess
zu verlängern droht, kann ein Profilierofen mit mehreren Ebenen eingesetzt werden,
in dem die Bauteile parallel oder teilparallel partiell weiter erwärmt werden. Auch
der parallele Einsatz mehrerer Profilieröfen ist denkbar.
[0020] Um die Temperatur toleranzen am Bauteil bei der gezielten Erwärmung einzelner Bereiche
besonders eng halten zu können, hat es sich als vorteilhaft erwiesen, die Temperaturführung
in einem geschlossenen Regelkreis zu steuern. Dazu weist der Profilierofen in einer
vorteilhaften Ausführungsform Mittel zur Temperaturführung im geschlossenen Regelkreis
auf. Dabei kann vorteilhafterweise auch mehr als ein Regelkreis vorgesehen werden.
[0021] Es hat sich als besonders vorteilhaft erwiesen, wenn das Ofensystem weiterhin über
ein Handlingsystem zum Handling der Bauteile verfügt. Das Handlingsystem kann die
Bauteile gezielt und schnell in das Positioniersystem ablegen, dem Positioniersystem
wieder entnehmen und in den produktspezifischen Zwischenflansch im Profilierofen einlegen
und wieder entnehmen. Weiter kann das Handlingsystem die Bauteile anschließend in
ein Pressenwerkzeug zum anschließenden Formhärten einlegen. Durch die Verwendung eines
Handlingsystems ist die Verletzungsgefahr des Bedienpersonals durch die heißen Bauteile
minimiert. Ein Handlingsystem führt die Bewegungen in definierten und reproduzierbaren
Zeiten aus, so dass die Bauteile mit minimalen Temperaturtoleranzen in das Pressenwerkzeug
zur Formhärtung eingelegt werden können, was sich als vorteilhaft für die Bauteilqualität
erwiesen hat.
[0022] Das erfindungsgemäße Verfahren zeichnet sich durch die folgenden Prozessschritte
aus:
Erwärmen eines Bauteils im Produktionsofen bis nahe an seine AC3-Temperatur; Positionieren
des erwärmten Bauteils mittels eines Positioniersystems; Einbringen des positionierten
Bauteils in eine definierte Position in dem Profilierofen;
[0023] Aufbringen eines Temperaturprofils auf das Bauteil im Profilierofen durch Erwärmung
ausgewählter Bereiche auf eine Temperatur oberhalb der AC3-Temperatur, wobei andere
Bereiche auf einer Temperatur unterhalb der AC3-Temperatur gehalten werden;
[0024] Austragen des mit einem Temperaturprofil versehenen Bauteils aus dem Profilierofen.
[0025] Es hat sich als vorteilhaft erwiesen, wenn die Erwärmung des Bauteils im Produktionsofen
mittels Gasbrennern erfolgt, wobei als Energieträger beispielsweise Erdgas benutzt
werden kann.
[0026] In einer weiteren vorteilhaften Ausführungsform erfolgt das Einbringen des positionierten
Bauteils in eine definierte Position in dem Profilierofen durch ein Handlingsystem.
Die Vorteile hiervon sind, dass die Verletzungsgefahr für das Bedienpersonal minimiert
ist und der Prozess durch die konstanten Handlingzeiten robuster wird. Von Vorteil
ist dabei, dass ein solches System für bereits vorhandene Anlagen nachrüstbar ist.
[0027] Vorteilhafterweise wird das Aufbringen eines Temperaturprofils auf das Bauteil im
Profilierofen über einen geschlossenen Regelkreis gesteuert. Dadurch können engste
Temperaturtoleranzen am Bauteil verwirklicht werden, was sich positiv auf die Qualität
des formgehärteten Bauteils auswirkt. Dabei hat es sich als vorteilhaft erwiesen,
wenn zur Aufbringung des Temperaturprofils zu härtende Bereiche des Bauteils über
einen produktspezifischen Zwischenflansch gezielt auf eine Temperatur oberhalb der
AC3-Temperatur aufgeheizt werden, während andere Bereiche, die im Fertigteil eine
höhere Dehnfähigkeit aufweisen sollen, auf einer Temperatur unterhalb der AC3-Temperatur
gehalten werden.
[0028] Weitere Vorteile, Besonderheiten und zweckmäßige Weiterbildungen der Erfindung ergeben
sich aus den Unteransprüchen und der nachfolgenden Darstellung bevorzugter Ausführungsbeispiele
anhand der Abbildung.
[0029] Es zeigen:
Fig. 1 das erfindungsgemäße Ofensystem in einer Draufsicht
Fig. 2 eine Detailansicht des Profilierofens
Fig. 3 Schnitt A-A aus Fig. 2
[0030] Fig. 1 zeigt ein erfindungsgemäßes Ofensystem in einer Draufsicht. Ein erster Roboter
61 positioniert ein Bauteil 5 auf einem Rollenband, das das Bauteil 5 durch den Produktionsofen
10 transportiert. Bei dem Produktionsofen 10 handelt es sich um einen üblichen Universalofen,
der mit Erdgasbrennern 9 auf eine Temperatur unterhalb der AC3-Temperatur des jeweiligen
Bauteilmaterials aufgeheizt ist. Die Transportgeschwindigkeit der Bauteile 5 durch
den Produktionsofen 10 ist so gewählt, dass die Bauteile 5 die im Produktionsofen
10 herrschende Temperatur nahezu annehmen. In Transportrichtung hinter dem Produktionsofen
10 befindet sich ein Positioniersystem 20, dass jedes Bauteil 5 in eine definierte
Liegeposition bringt. Ein Handlingsystem 22 nimmt das Bauteil 5 auf und bringt es
in eine definierte Position in den Profilierofen 40. In dem Profilierofen 40 befinden
sich ein Oberteil 40 und ein Unterteil 41, sowie eine Aufnahme 44 für einen produktspezifischen
Zwischenflansch 45, sowie der produktspezifische Zwischenflansch 45 selbst. Der Zwischenflansch
45 weist einerseits Bereiche mit Heizungen 46 und andererseits Bereiche 48 auf, die
gekühlt werden können. Es ist daneben auch möglich, in dem Profilierofen 40 nur Mittel
zur gezielten Erwärmung 46 oder auch nur Bereiche 48, die gezielt gekühlt werden können,
vorzusehen. Dabei können solche Bereiche 48 Kühlbohrungen aufweisen, durch die ein
Kühlmedium, wie Wasser oder Öl, fließt. Es ist aber auch möglich, zur sehr gezielten
Kühlung bekannte Mittel wie Heatpipes oder Einsätze aus hochwärmeleitenden Materialien
wie beispielsweise Kupferlegierungen einzusetzen. Als Heizungen 46 können alle bekannten
Heizungen wie beispielsweise elektrische Heizpatronen oder elektrische Flächenheizungen
eingesetzt werden. Elektrische Heizungen weisen den Vorteil auf, dass sie sich sehr
genau und schnell regeln lassen. Mit der Heizung 46 werden die Bereiche 30, die nach
einem sich anschließenden Formhärtungsprozess besonders hart sein sollen, auf eine
Temperatur oberhalb der AC3-Temperatur aufgeheizt. Andere Bereiche 50, die nach dem
sich anschließenden Formhärtungsprozess eine höhere Bruchdehnung aufweisen sollen,
werden durch die gezielte Kühlung 48 dieser Bereiche auf einer Temperatur unterhalb
der AC3-Temperatur gehalten. Die Temperaturregelung erfolgt in mindestens einem geschlossenen
Regelkreis. Nach der zur Erwärmung der Bereiche 30 auf die gewünschte Temperatur oberhalb
der AC3-Temperatur benötigten Verweilzeit wird das nun mit einem Temperaturprofil
versehene Bauteil 5 aus dem Profilierofen 40 mittels des Handlingsystems 22 ausgetragen.
Das Handlingssystem 22 ist in der dargestellten Ausführungsform als Rechen ausgeführt.
Es sind aber auch alle anderen geeigenten Handlingsysteme einsetzbar. Das Handlingsystem
22 legt das Bauteil 5 erneut auf dem Positioniersystem 20 ab. Es ist aber ebenso vorstellbar,
das Bauteil 5 nach dem Aufprägen eines Temperaturprofils auf einer anderen Übergabestation
abzulegen. Ein zweiter Roboter 60 übernimmt anschließend das Bauteil 5, um es in das
Werkzeug 70 einer Presse zum Formhärten einzulegen. Üblicherweise kann aber das Bauteil
5 ohne erneute Positionierung direkt in das Pressenwerkzeug 70 eingelegt werden, da
im Profilierofen 40 keine Relativbewegung und somit keine Umorientierung des Bauteils
5 mehr stattfindet.
[0031] Fig 2 zeigt den Profilierofen 40 in einer Detailansicht als Draufsicht. Zu erkennen
ist ein sich vor dem Profilierofen 40 auf dem Positioniersystem 20 befindliches Bauteil
5. Ein weiteres Bauteil 5 befindet sich in dem Profilierofen 40. Bereiche 30 des Bauteils
5, die nach dem Formhärteprozess besonders hart sein sollen, befinden sich an Bereichen
des produktspezifischen Zwischenflansches 45, die durch Heizungen 46 gezielt beheizt
werden können. Dabei handelt es sich um ein elektrisches Heizelement, das über Anschlüsse
47 mit elektrischer Energie versorgt wird, die von einem Regelmittel (nicht dargestellt)
zur Verfügung gestellt wird. Ein anderer Bereich 50 des Bauteils 5, der nach dem Formhärteprozess
eine größere Bruchdehnung als der harte Bereich 30 aufweisen soll, befindet sich an
einem Bereich 48 des produktspezifischen Zwischenflansches 45, der gezielt gekühlt
werden kann. Dazu wird Kühlmedium durch die Anschlüsse 49 in den Bereich 48 geleitet.
[0032] Fig. 3 ist der Schnitt A-A aus Fig. 2 durch den Profilierofen 40. Der Profiolierofen
40 weist ein Oberteil 41 und ein Unterteil 42, sowie eine Aufnahme 44 für einen produktspezifischen
Zwischenflansch 45 und den produktspezifischen Zwischenflansch 45 selbst auf. In dem
produktspezifischen Zwischenflansch 45 sind Heizungen 46 zu erkennen, die über Anschlüsse
47 mit Energie versorgt werden. Dadurch kann das
[0033] Bauteil 5 im Bereich 30 gezielt auf eine Temperatur oberhalb der AC3-Temperatur beheizt
werden. Weiterhin ist das Handlingsystem 22, das sich vor dem Profilierofen 40 befindet,
zu erkennen. Die Pfeile deuten an, dass das Handlingsystem 22 ein Bauteil 5 vertikal
und horizontal bewegen kann, so dass ein auf dem Positioniersystem 20 (nicht dargestellt)
befindliches Bauteil 5 mittels des Handlingsystems 22 in den produktspezifischen Zwischenflansch
45 innerhalb des Profilierofens 40 eingelegt werden kann.
[0034] Statt der erwähnten Roboter kann auch jedes andere geeignete Handlingsystem eingesetzt
werden. In der in der Figur dargestellten Ausführungsform ist nur ein Profilierofen
40 mit einer Ebene beschrieben. Es ist aber genauso möglich, in dem Profilierofen
40 mehr als eine Ebene vorzusehen, wobei in jeder Ebene jeweils ein Ober-und Unterteil,
sowie eine Aufnahme für einen produktspezifischen Zwischenflansch vorgesehen ist,
so dass mehreren Bauteile 5 parallel oder teilparallel ein Temperaturprofil aufgeprägt
werden kann. Ebenso ist es zur Kapazitätserhöhung des Ofensystems 1 möglich, mehrere
Profilieröfen 40 vorzusehen.
Bezugszeichenliste:
[0035]
- 1
- Ofensystem
- 5
- Stahlblechteil, Bauteil
- 9
- Gasbrenner
- 10
- Produktionsofen
- 20
- Positioniersystem
- 22
- Handlingsystem
- 30
- harter Bereich
- 40
- Profilierofen
- 41
- Oberteil
- 42
- Unterteil
- 44
- Aufnahme
- 45
- produktspezifischer Zwischenflansch
- 46
- Heizelement
- 47
- Anschluss
- 48
- gekühlter Bereich
- 49
- Kühlwasseranschluss
- 50
- dehnfähiger Bereich
- 60
- Zweiter Roboter
- 61
- Erster Roboter
- 70
- Presswerkzeug
1. Ofensystem (1) zum partiellen Erwärmen von Stahlblechteilen (5) auf eine Temperatur
oberhalb der AC3-Temperatur mit einem Produktionsofen (10) zum Erwärmen der Stahlblechteile
(5) auf eine Temperatur nahe, aber unterhalb der AC3-Temperatur,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Ofensystem (1) weiterhin einen Profilierofen (40) mit mindestens einer Ebene
aufweist, wobei die mindestens eine Ebene über ein Oberteil (41) und ein Unterteil
(42), sowie eine Aufnahme (44) für einen produktspezifischen Zwischenflansch (45)
und den darin eingebrachten produktspezifischen Zwischenflansch (45) verfügt, und
wobei der produktspezifische Zwischenflansch (45) dazu ausgebildet ist, dem Bauteil
(5) ein vorgegebenes Temperaturprofil mit Temperaturen über AC3 für zu härtende Bereiche
(30) und unter AC3 für weichere Bereiche (50) aufzuprägen.
2. Ofensystem (1) nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Ofensystem (1) weiterhin über ein Positioniersystem (20) verfügt, auf dem das
Bauteil (5) nach der Erwärmung im Produktionsofen (10) und/oder nach der Erwärmung
im Profilierofen (40) in eine definierte Position abgelegt werden kann.
3. Ofensystem (1) nach einem der Ansprüche 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet,
dass der produktspezifische Zwischenflansch über Mittel zur aktiven Kühlung einzelner
Bereiche (48) verfügt.
4. Ofensystem (1) nach Anspruch 3,
dadurch gekennzeichnet,
dass der produktspezifische Zwischenflansch (45) über eine Wasserkühlung in einzelnen
Bereichen (48) verfügt.
5. Ofensystem (1) nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass der produktspezifische Zwischenflansch (45) über Mittel zur Beheizung (46) einzelner
Bereiche verfügt.
6. Ofensystem (1) nach Anspruch 5,
dadurch gekennzeichnet,
dass der produktspezifische Zwischenflansch (45) über elektrische Heizungen (46)zur Beheizung
einzelner Bereiche verfügt.
7. Ofensystem (1) nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Produktionsofen (10) mittels Gasbrennern (9) beheizt wird.
8. Ofensystem (1) nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Produktionsofen (10) weiterhin über ein Transportsystem zum Durchleiten der Bauteile
(5) durch den Produktionsofen (10) verfügt.
9. Ofensystem (1) nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Ofensystem (1) weiterhin über ein Handlingsystem (22, 60, 61) zum Handling der
Bauteile (5) verfügt.
10. Ofensystem (1) nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Profilierofen (40) über Mittel zur Temperaturführung im geschlossenen Regelkreis
verfügt.
11. Verfahren zum partiellen Erwärmen von Stahlblechteilen (5) auf eine Temperatur oberhalb
der AC3-Temperatur,
mit den Schritten
Erwärmen eines Bauteils (5) im Produktionsofen (10) bis nahe an seine AC3-Temperatur;
Positionieren des erwärmten Bauteils (5) mittels eines Positioniersystems (20); Einbringen
des positionierten Bauteils (5) in eine definierte Position in dem Profilierofen (40);
Aufbringen eines Temperaturprofils auf das Bauteil (5) im Profilierofen (40) durch
Erwärmung ausgewählter Bereiche (30) auf eine Temperatur oberhalb der AC3-Temperatur,
wobei andere Bereiche (50) auf einer Temperatur unterhalb der AC3-Temperatur gehalten
werden;
Austragen des mit einem Temperaturprofil versehenen Bauteils (5) aus dem Profilierofen
(40).
12. Verfahren nach Anspruch 11,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Erwärmung des Bauteils (5) im Produktionsofen (10) mittels Gasbrennern (9) erfolgt.
13. Verfahren nach einem der Ansprüche 11 oder 12,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Einbringen des positionierten Bauteils (5) in eine definierte Position in dem
Profilierofen (40) durch ein Handlingsystem (22) erfolgt.
14. Verfahren nach einem der Ansprüche 11 bis 13,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Aufbringen eines Temperaturprofils auf das Bauteil (5) im Profilierofen (40)
über einen geschlossenen Regelkreis gesteuert wird.
15. Verfahren nach einem der Ansprüche 11 bis 14,
dadurch gekennzeichnet,
zur Aufbringung des Temperaturprofils zu härtende Bereiche (30) des Bauteils (5) über
einen produktspezifischen Zwischenflansch (45) gezielt auf eine Temperatur oberhalb
der AC3-Temperatur aufgeheizt werden, während andere Bereiche (50), die im Fertigteil
eine höhere Dehnfähigkeit aufweisen sollen, auf einer Temperatur unterhalb der AC3-Temperatur
gehalten werden.