[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Erzeugung eines Sauerstoffprodukts durch
Tieftemperaturzerlegung von Luft gemäß dem Oberbegriff des Patentanspruchs 1.
[0003] Das Destilliersäulen-System der Erfindung kann als Zwei-Säulen-System (zum Beispiel
als klassisches Linde-Doppelsäulensystem), oder auch als Drei- oder Mehr-Säulen-System
ausgebildet sein. Es kann zusätzlich zu den Kolonnen zur Stickstoff-Sauerstoff-Trennung
weitere Vorrichtungen zur Gewinnung hochreiner Produkte und/oder anderer Luftkomponenten,
insbesondere von Edelgasen aufweisen, beispielsweise eine Argongewinnung und/oder
eine Krypton-Xenon-Gewinnung.
[0004] Die Niederdrucksäule weist einen niedrigeren Betriebsdruck als die Hochdrucksäule
auf. Zur Erzeugung von Dampf, der in ihren Stoffaustauschabschnitten aufsteigt, weist
die Niederdrucksäule einen Sumpfverdampfer auf, der als Hauptkondensator bezeichnet
wird. Dieser ist als Kondensator-Verdampfer ausgebildet, das heißt in indirektem Wärmeaustausch
mit der verdampfenden Sumpfflüssigkeit der Niederdrucksäule wird ein gasförmiges Heizfluid
verflüssigt, zum Beispiel Kopfstickstoff der Hochdrucksäule. Der Hauptkondensator
wird häufig unmittelbar innerhalb der Niederdrucksäule angeordnet (innen liegender
Hauptkondensator); alternativ ist er in einem separaten Behälter außerhalb der Niederdrucksäule
untergebracht und mit Rohrleitungen mit der Niederdrucksäule verbunden (außen liegender
Hauptkondensator).
[0005] Jeder "Kondensator-Verdampfer" weist einen Verflüssigungsraum und einen Verdampfungsraum
auf, die aus Verflüssigungspassagen beziehungsweise Verdampfungspassagen bestehen.
In dem Verflüssigungsraum wird die Kondensation eines ersten Fluidstroms durchgeführt,
in dem Verdampfungsraum die Verdampfung eines zweiten Fluidstroms. Die beiden Fluidströme
stehen dabei in indirektem Wärmeaustausch. Verdampfungs- und Verflüssigungsraum werden
durch Gruppen von Passagen gebildet, die untereinander in Wärmeaustauschbeziehung
stehen.
[0006] Der Hauptkondensator kann als Fallfilmverdampfer oder Badverdampfer ausgebildet sein.
Die vorliegende Erfindung bezieht sich auf Luftzerlegungsverfahren, bei denen der
Hauptkondensator als Badverdampfer ausgebildet ist. Bei einem "Badverdampfer" (gelegentlich
auch "Umlaufverdampfer" oder "Thermosiphon-Verdampfer" genannt) steht der Wärmetauscherblock
in einem Flüssigkeitsbad des zu verdampfenden Fluids. Dieses strömt mittels des Thermosiphon-Effekts
von unten nach oben durch die Verdampfungspassagen und tritt oben als Zwei-Phasen-Gemisch
wieder aus. Die verbleibende Flüssigkeit strömt außerhalb des Wärmetauscherblocks
in das Flüssigkeitsbad zurück. (Bei einem Badverdampfer kann der Verdampfungsraum
sowohl die Verdampfungspassagen als auch den Außenraum um den Wärmetauscherblock umfassen.)
Bei einem Fallfilmverdampfer sind dagegen zusätzliche Maßnahmen notwendig, um die
Flüssigkeit durch die Verdampfungspassagen umzuwerfen.
[0007] Als Hauptkondensator können auch zwei oder mehr nebeneinander angeordnete Badverdampfer
eingesetzt werden, die dann verdampfungs- und verflüssigungsseitig parallel geschaltet
sind. Jeder dieser Badverdampfer beziehungsweise der einzige Badverdampfer, der den
Hauptkondensator bildet, kann einstöckig oder mehrstöckig ausgeführt werden. Ein "mehrstöckiger
Badverdampfer" weist zwei oder mehr übereinander angeordnete Stockwerke auf, die jeweils
durch einen Wärmetauscherabschnitt realisiert sind. Dabei kann jedes einzelne Stockwerk
durch einen separaten Wärmetauscherblock realisiert sein, oder mindestens zwei oder
auch alle Stockwerke werden durch Abschnitte eines gemeinsamen Wärmetauscherblocks
gebildet. Die Stockwerke können sowohl auf der Verdampfungs- als auch auf der Verflüssigungsseite
seriell oder parallel geschaltet sein.
[0008] Eine spezielle Ausführungsform eines mehrstöckigen Badverdampfers ist ein "Kaskadenverdampfer".
Hier sind die Stockwerke auf der Verdampfungsseite seriell verbunden, das heißt nicht
verdampfte Flüssigkeit aus einem oberen Stockwerk fließt weiter zum darunterliegenden
Stockwerk. Auf der Verflüssigungsseite sind Kaskadenverdampfer vorzugsweise ebenfalls
seriell geschaltet, zum Beispiel durch über sämtliche Stockwerke durchgehenden Verflüssigungspassagen
eines gemeinsamen Wärmetauscherblocks. Alternativ können auch bei einem Kaskadenverdampfer
die Stockwerke verflüssigungsseitig parallel geschaltet sein.
[0009] Der "Hauptwärmetauscher" kann aus einem oder mehreren parallel und/oder seriell verbundenen
Wärmetauscherabschnitten gebildet sein, zum Beispiel aus einem oder mehreren Plattenwärmetauscher-Blöcken.
[0011] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein derartiges Verfahren und eine entsprechende
Vorrichtung anzugeben, die einen besonders stabilen Betrieb des Systems erlauben,
insbesondere bei schnellen Lastwechseln.
[0012] Ein Lastwechsel ist ein Betriebsfall, in dem sich die Anlage in einer nicht-stationären
Übergangsphase von einer ersten Produktionsmenge an Sauerstoffprodukt zu einer zweiten
Produktionsmenge befindet. Bei einer "Lasterhöhung" ist die zweite Produktionsmenge
höher als die erste, bei einer "Lastverminderung" niedriger.
[0013] Diese Aufgabe wird durch die Merkmale des kennzeichnenden Teils des Patentanspruchs
1 gelöst. Erfindungsgemäß ist ein Flüssigkeitspuffer über dem Hauptkondensator angeordnet.
Dieser wird kann während des stationären Betriebs des Verfahrens mit einer geeigneten
Flüssigkeit gefüllt werden, zum Beispiel mit einem Teil der Rücklaufflüssigkeit, die
aus dem untersten Stoffaustauschabschnitt der Niederdrucksäule abfließt. Der Flüssigkeitspuffer
wird beispielsweise während des stationären Betriebs langsam gefüllt, sodass die gepufferte
Flüssigkeit für den nicht-stationären Betriebsfall einer Lasterhöhung zur Verfügung
steht. Insbesondere wird bei der Erfindung während einer Lastverminderung Flüssigkeit
aus dem Sumpf des Hauptkondensators in den Flüssigkeitspuffer eingeleitet und dabei
der Speicherinhalt des Flüssigkeitspuffers erhöht, das heißt insgesamt wird mehr Flüssigkeit
in den Flüssigkeitspuffer eingeleitet als auch ihm abgezogen wird.
[0014] Während einer Lasterhöhung wird dagegen Flüssigkeit aus dem Flüssigkeitspuffer in
den Hauptkondensator eingeleitet und dabei der Speicherinhalt des Flüssigkeitspuffers
vermindert, das heißt mehr Flüssigkeit aus dem Flüssigkeitspuffer abgezogen als in
ihn eingeleitet wird.
[0015] Grundsätzlich weist ein Badverdampfer im Vergleich zum Fallfilmverdampfer den Vorteil
auf, dass kein solcher externer Flüssigkeitsumlauf notwendig ist. Die Anwendung eines
solchen künstlichen Flüssigkeitsumlaufs vom Sumpf zum Puffer erscheint also zunächst
widersinnig. Im Rahmen der Erfindung hat sich jedoch herausgestellt, dass der betriebstechnische
Vorteil überraschenderweise so groß ist, dass er den entsprechenden zusätzlichen Aufwand
rechtfertigt.
[0016] Während einer Lastverminderung weist das erfindungsgemäße System außerdem den Vorteil
auf, dass die relative hohe Flüssigkeitsmenge, die in diesem Fall mit niedriger Reinheit
aus den oberen Stoffaustauschabschnitten der Niederdrucksäule herabfließt, mindestens
teilweise in dem Puffer aufgefangen werden kann und damit die Verunreinigung der Sumpfflüssigkeit
verhindert oder verringert wird.
[0017] Bei nicht-stationären Betriebsbedingungen, etwa bei einem Lastwechsel, ist häufig
die Wirksamkeit des Wärmeaustauschprozesses am Hauptkondensator verringert. Im Rahmen
der Erfindung wurde herausgefunden, dass dies an einem Flüssigkeitsmangel auf der
Verdampfungsseite liegt. Mit dem erfindungsgemäßen Verfahren kann nun fehlende Flüssigkeit
aus dem Puffer ergänzt werden. Damit ist ein besonders stabiler und störungsfreier
Betrieb der Anlage auch bei extremen Betriebsbedingungen möglich, beispielsweise bei
einem schnellen Lastwechsel mit einer Verstellgeschwindigkeit von mehr als einem Prozent
Laständerung pro Minute.
[0018] Der Flüssigkeitspuffer ist unterhalb des untersten Stoffaustauschabschnitts der Niederdrucksäule
angeordnet und oberhalb des Hauptkondensators, das heißt so, dass Flüssigkeit aufgrund
des natürlichen Gefälles aus dem Puffer in den Verdampfungsraum des Hauptkondensators
beziehungsweise dessen obersten Stockwerks fließen kann. Der Flüssigkeitspuffer kann
beispielsweise durch eine oder mehrere Schalen gebildet werden, die an der Kolonnenwand
angeordnet sind, beispielsweise durch eine umlaufende Schale, oder auch durch einen
oder mehrere Kaminböden.
[0019] Der "Sumpf eines einstöckigen Badverdampfers wird regelmäßig durch sein Flüssigkeitsbad
gebildet. Bei einem mehrstöckigen Badverdampfer wird in der Regel das unterste Flüssigkeitsbad
als Sumpf betrieben. Alternativ kann der Sumpf durch einen separaten Raum unterhalb
des Hauptkondensators gebildet werden.
[0020] Der Flüssigkeitsumlauf vom Sumpf zum Flüssigkeitspuffer kann auch im stationären
Betriebsfall verwendet werden, ohne dass dabei notwendigerweise der Speicherinhalt
steigt; in diesem Fall dient der - bei Badverdampfern ansonsten unübliche - Umlauf
dazu, Reinheitsdifferenzen in der verdampfenden Flüssigkeit über die Höhe des Verdampfers
auszugleichen. Insbesondere bei mehrstöckigen Badverdampfern kann damit ein besonders
stabiler Betrieb erreicht werden.
[0021] In einer weiteren Ausgestaltung des erfindungsgemäßen Verfahrens wird die Flüssigkeit
aus dem Sumpf des Hauptkondensators mittels einer Flüssigkeitspumpe in den Flüssigkeitspuffer
eingeleitet.
[0022] Da der Flüssigkeitspuffer über dem Hauptkondensator, der Sumpf aber darunter beziehungsweise
am unteren Ende angeordnet ist, muss die Sumpfflüssigkeit angehoben werden, um zum
Flüssigkeitspuffer zu gelangen. Grundsätzlich kann dazu jedes Verfahren zum Anheben
einer Flüssigkeit eingesetzt werden. Insbesondere wird eine Flüssigkeitspumpe verwendet.
[0023] Die Erfindung bietet besondere Vorteile bei der Anwendung auf mehrstöckige Badverdampfer.
Am größten ist der Vorteil, wenn der Hauptkondensator als Kaskadenverdampfer ausgebildet
ist. Hier wird durch den Flüssigkeitsumlauf vom Sumpf zum Puffer nicht nur ein möglicher
Flüssigkeitsmangel verhindert, sondern außerdem werden die Konzentrationsunterschiede
auf der Verdampfungsseite der verschiedenen Stockwerke (Stufen) ausgeglichen. Jede
Stufe eines Kaskadenverdampfers wirkt nämlich als partielle Verdampfung, das heißt,
von oben nach unten nimmt die Sauerstoffkonzentration zu und damit die Verdampfungstemperatur.
Auf der Verflüssigungsseite strömt jedoch überall der gleiche Stickstoff mit praktisch
konstanter Verflüssigungstemperatur. Dadurch arbeiten die oberen Stufen eines Kaskadenverdampfers
grundsätzlich mit größerer Temperaturdifferenz als die unteren. Bei Lastwechseln verstärkt
dies den Mangel an Flüssigkeit in den oberen Stufen weiter, weil diese mehr Wärme
umsetzen als die unteren. Im Rahmen dieser Ausgestaltung der Erfindung wird nun die
reinste Flüssigkeit, die aus der untersten Stufe in den Sumpf austritt, wieder nach
oben in den Puffer und von dort auf die oberste Verdampfungsstufe geführt. Sie gleicht
damit die relativ niedrige Reinheit dort aus und erzeugt insgesamt ein flacheres Konzentrationsprofil
auf der Verdampfungsseite über die Höhe des Kaskadenverdampfers. Sie wirkt damit beiden
negativen Effekten beim Betrieb eines Kaskadenverdampfers gleichzeitig entgegen, nämlich
dem Flüssigkeitsmangel bei Lastwechseln und den unerwünschten Konzentrationsunterschieden
über die Höhe des Hauptkondensators.
[0024] Besonders günstig ist die Anwendung des erfindungsgemäßen Verfahrens, wenn der sauerstoffangereicherte
Produktstrom eine Sauerstoffkonzentration von weniger als 98 % aufweist, beispielsweise
90 bis 95 %. (Alle Prozentangaben beziehen sich hier und im Folgenden auf die molare
Menge, soweit nichts anderes angegeben ist.)
[0025] Das Verfahren kann insbesondere mit zwei Betriebsweisen gefahren werden, indem in
einer ersten Betriebsweise mehr Flüssigkeit in den Flüssigkeitspuffer eingeleitet
wird, als aus ihm abgezogen wird, und in einer zweiten Betriebsweise mehr Flüssigkeit
aus dem Flüssigkeitspuffer abgezogen wird, als in ihn eingeleitet wird. Die erste
Betriebsweise entspricht beispielsweise einem stationären Betrieb mit konstanter Last,
die zweite Betriebsweise einem Lastwechselfall, beispielsweise einer Lasterhöhung
während der Übergangszeit von einem ersten stationären Betrieb mit einer ersten Produktionsmenge
zu einem zweiten stationären Betrieb mit einer zweiten, höheren Produktionsmenge.
[0026] Die Erfindung betrifft außerdem eine Vorrichtung zur Tieftemperaturzerlegung von
Luft gemäß den Patentansprüchen 5 bis 7 .
[0027] Die Erfindung sowie weitere Einzelheiten der Erfindung werden im Folgenden anhand
eines in der Zeichnung schematisch dargestellten Ausführungsbeispiels näher erläutert.
[0028] Verdichtete und gereinigte Einsatzluft 1 strömt unter einem Druck von ca. 5,5 bar
in das warme Ende eines Hauptwärmetauschers 2 ein, und zwar verzweigt in einen ersten
Luftteilstrom 3 und einen zweiten Luftteilstrom 4. Ein Teil der trockenen Luft 1 kann
über Leitung 5 als Instrumentenluft oder zur Versorgung anderer Druckluftverbraucher
abgezweigt werden.
[0029] Der erste Luftteilstrom 3 wird in dem Hauptwärmetauscher 2 auf etwa Taupunkt abgekühlt
und über Leitung 5 in die Hochdrucksäule 6 eingeleitet, die Teil eines Destilliersäulen-Systems
zur Stickstoff-Sauerstoff-Trennung ist, das außerdem eine Niederdrucksäule 7 und einen
Hauptkondensator 8 aufweist, der als Kaskadenverdampfer ausgebildet ist. Die Betriebsdrücke
in den Säulen (jeweils am Kopf) betragen ca. 5,2 bar in der Hochdrucksäule 6 und ca.
1,3 bar in der Niederdrucksäule 7.
[0030] Der zweite Luftteilstrom 4 wird im Hauptwärmetauscher 2 nur auf eine Zwischentemperatur
abgekühlt und unter dieser Zwischentemperatur einer Entspannungsturbine 9 zugeleitet,
die mittels eines Generators 10 gebremst wird. Dort wird er arbeitsleistend auf etwa
Niederdrucksäulendruck entspannt, über Leitung 11 wieder dem Hauptwärmetauscher 2
und schließlich und über Leitung 12 der Niederdrucksäule 7 an einer Zwischenstelle
zugeleitet.
[0031] Gasförmiger Kopfstickstoff 13 der Hochdrucksäule 6 wird zu einem Teil 14 in den Verflüssigungsraum
des Hauptkondensators 8 eingeleitet. Der Rest 15 wird im Hauptwärmetauscher 2 auf
etwa Umgebungstemperatur angewärmt und schließlich über Leitung 16 als gasförmiges
Stickstoff-Druckprodukt (PGAN) abgezogen.
[0032] Der in dem Hauptkondensator 8 erzeugte flüssige Stickstoff 17 wird zu einem ersten
Teil 18 als Rücklauf auf den Kopf der Hochdrucksäule 6 aufgegeben. Ein zweiter Teil
19 wird in einem Unterkühlungs-Gegenströmer 23 abgekühlt und über Leitung 20 als Rücklauf
auf den Kopf der Niederdrucksäule 7 aufgegeben. Bei Bedarf kann ein dritter Teil 21
als flüssiges Stickstoffprodukt (LIN) abgeführt werden.
[0033] Die sauerstoffangereicherte Sumpfflüssigkeit 24 der Hochdrucksäule 6 wird ebenfalls
im Unterkühlungs-Gegenströmer 23 abgekühlt und über Leitung 25 an einer Zwischenstelle
in die Niederdrucksäule 7 eingeleitet.
[0034] Vom Kopf der Niederdrucksäule 7 wird gasförmiger Stickstoff 26 abgezogen, im Unterkühlungs-Gegenströmer
23 und im Hauptwärmetauscher 2 angewärmt und über Leitung 27 abgezogen. Er kann beispielsweise
als Regeneriergas in der nicht dargestellten Luftreinigung eingesetzt werden.
[0035] Aus dem unteren Bereich der Niederdrucksäule 7 (hier unmittelbar oberhalb des Hauptkondensators
8) wird ein sauerstoffangereicherter Produktstrom 28 abzogen, in dem Hauptwärmetauscher
2 auf etwa Umgebungstemperatur angewärmt und über Leitung 29 als Sauerstoffprodukt
(GOX) gewonnen. Über die Leitungen 30, 31, 33 und eine Pumpe 32 kann ein Teil der
Flüssigkeit aus dem Sumpf 35 des Hauptkondensators 8 als Flüssigprodukt (LOX) gewonnen,
beispielsweise zum Füllen eines Flüssigtanks zur Notversorgung.
[0036] Alternativ oder zusätzlich zur gasförmigen Produktentnahme könnte ein Drucksauerstoffprodukt
durch Innenverdichtung gewonnen werden, indem ein Teil des flüssigen Sauerstoffs 31
flüssig auf Druck gebracht und im Hauptwärmetauscher 2 verdampft beziehungsweise pseudo-verdampft
wird.
[0037] Erfindungsgemäß befindet sich unmittelbar unterhalb des untersten Stoffaustauschabschnitts
32 der Niederdrucksäule 7 ein Flüssigkeitspuffer 33 in Form einer ringförmigen Schale.
Während des stationären Betriebs der Anlage kann dieser mit einem Teil der Flüssigkeit,
die aus dem untersten Stoffaustauschabschnitt 32 abläuft, gefüllt werden. Über Leitung
34 wird im Falle einer Lasterhöhung Flüssigkeit aus dem Puffer 33 gezielt in den Hauptkondensator
8 geleitet, und zwar in das Flüssigkeitsbad seines obersten Stockwerks.
[0038] Jedenfalls wird bei einer Lastverminderung über eine Flüssigkeitspumpe 36 und Leitung
37 Flüssigkeit aus dem Sumpf 36 in den Flüssigkeitspuffer 33 eingeleitet.
1. Verfahren zur variablen Erzeugung eines Sauerstoffprodukts durch Tieftemperaturzerlegung
von Luft mit einem Destilliersäulen-System zur Stickstoff-Sauerstoff-Trennung, das
ein Hochdrucksäule (6) und eine Niederdrucksäule (7) aufweist, die Stoffaustauschabschnitte
enthalten, wobei
- ein Einsatzluftstrom (1, 3, 5) in einem Hauptwärmetauscher (2) abgekühlt und in
die Hochdrucksäule (6) eingeleitet wird,
- ein sauerstoffangereicherter Produktstrom (28) aus dem unteren Bereich der Niederdrucksäule
(7) abzogen, in dem Hauptwärmetauscher (2) angewärmt und als Sauerstoffprodukt (29)
gewonnen wird,
- Flüssigkeit, die aus dem untersten Stoffaustauschabschnitt (32) der Niederdrucksäule
(7) abläuft, in einen Hauptkondensator (8) eingeleitet wird, der als Badverdampfer
und Kondensator-Verdampfer ausgebildet ist, und in dem Hauptkondensator teilweise
verdampft wird, und
- nicht verdampfte Flüssigkeit aus dem Hauptkondensator (8) in einen Sumpf (35) eingeleitet
wird,
dadurch gekennzeichnet, dass
- zwischen dem unteren Ende des untersten Stoffaustauschabschnitts (32) der Niederdrucksäule
(7) und dem Hauptkondensator (8) ein Flüssigkeitspuffer (33) angeordnet ist, der zur
Speicherung von Flüssigkeit ausgebildet ist,
- während einer Lastverminderung Flüssigkeit aus dem Sumpf (32) des Hauptkondensators
in den Flüssigkeitspuffer (33) eingeleitet und dort gespeichert wird und dabei der
Speicherinhalt des Flüssigkeitspuffers (33) erhöht wird und
- während einer Lasterhöhung mindestens ein Teil der in dem Flüssigkeitspuffer (33)
gespeicherten Flüssigkeit in den Hauptkondensator (8) eingeleitet (34) und dabei der
Speicherinhalt des Flüssigkeitspuffers (33) vermindert wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Flüssigkeit aus dem Sumpf (35) des Hauptkondensators mittels einer Flüssigkeitspumpe
(36) in den Flüssigkeitspuffer (33) eingeleitet wird.
3. Verfahren nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass der Hauptkondensator (8) als mehrstöckiger Badverdampfer, insbesondere als Kaskadenverdampfer
ausgebildet ist.
4. Verfahren nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass der sauerstoffangereicherte Produktstrom (28) eine Sauerstoffkonzentration von weniger
als 98 % aufweist.
5. Vorrichtung zur Erzeugung eines Sauerstoffprodukts durch Tieftemperaturzerlegung von
Luft
- mit einem Destilliersäulen-System zur Stickstoff-Sauerstoff-Trennung, das ein Hochdrucksäule
(6) und eine Niederdrucksäule (7) aufweist, die Stoffaustauschabschnitte enthalten,
- mit einem Hauptwärmetauscher (2) zum Abkühlen eines Einsatzluftstroms (1, 3, 5),
- mit Mitteln zum Einleiten des abgekühlten Einsatzluftstroms in die Hochdrucksäule
(6),
- mit Mitteln zum Abziehen eines sauerstoffangereicherten Produktstroms (28) aus dem
unteren Bereich der Niederdrucksäule (7) und zu dessen Einleiten in den Hauptwärmetauscher
(2),
- mit einer Sauerstoffproduktleitung zum Gewinnen des angewärmten Produktstroms als
Sauerstoffprodukt (29),
- mit einem Hauptkondensator (8), der als Badverdampfer und Kondensator-Verdampfer
ausgebildet ist,
- mit Mitteln zum Einleiten von Flüssigkeit, die aus dem untersten Stoffaustauschabschnitt
(32) der Niederdrucksäule (7) abläuft, in den Hauptkondensator (8) und
- mit einem Sumpf (35) zum Auffangen nicht verdampfter Flüssigkeit aus dem Hauptkondensator
(8),
gekennzeichnet durch
- einen Flüssigkeitspuffer (33), der zwischen dem unteren Ende des untersten Stoffaustauschabschnitts
(32) der Niederdrucksäule (7) und dem Hauptkondensator (8) angeordnet ist,
- Mittel zum Einleiten von Flüssigkeit in den Flüssigkeitspuffer (33),
- Mitteln zum Einleiten (34) mindestens eines Teils der in dem Flüssigkeitspuffer
(33) gespeicherten Flüssigkeit in den Hauptkondensator (8) und
- mit Regelungsmitteln, die so ausgebildet sind, dass während einer Lastverminderung
Flüssigkeit aus dem Sumpf (32) des Hauptkondensators in den Flüssigkeitspuffer (33)
eingeleitet und dort gespeichert wird und dabei der Speicherinhalt des Flüssigkeitspuffers
(33) erhöht wird und dass während einer Lasterhöhung mindestens ein Teil der in dem
Flüssigkeitspuffer (33) gespeicherten Flüssigkeit in den Hauptkondensator (8) eingeleitet
(34) und dabei der Speicherinhalt des Flüssigkeitspuffers (33) vermindert wird.
6. Vorrichtung nach Anspruch 5 mit einer Flüssigkeitspumpe (36) zur Förderung von Flüssigkeit
aus dem Sumpf (35) des Hauptkondensators in den Flüssigkeitspuffer (33).
7. Vorrichtung nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass der Hauptkondensator (8) als mehrstöckiger Badverdampfer, insbesondere als Kaskadenverdampfer
ausgebildet ist.