[0001] Gegenstand der Erfindung ist ein Verfahren zum Schneiden des Unter- und mindestens
eines Oberfadens am Ende eines Näh- oder Stickvorgangs gemäss Oberbegriff des Patentanspruchs
1, ein Verfahren zum Ansticken zu Beginn eines Näh- oder Stickvorgangs gemäss Oberbegriff
des Patentanspruchs 3 sowie eine Vorrichtung zur Durchführung der Verfahren nach den
Patentansprüchen 1 und 3 gemäss Patentanspruch 4.
[0002] Ein einwandfreies Beginnen einer Näh- oder Sticknaht setzt stets voraus, dass der
Ober- und der Unterfaden eine geeignete Länge und wenn möglich Lage bezüglich des
Näh-oder Stickguts aufweisen. Diese Voraussetzung liegt meist jedoch nicht vor, wenn
ein Näh- oder Stickvorgang in der üblichen Weise beendet wird. Liegen die Fäden nicht
in definierter guter Lage, so wird kein optimaler erster Stich, bzw. erster Knoten
erreicht. Dies kann zu Problemen bei der Weiterverarbeitung des Näh- oder Stickguts
führen und ist insbesondere aus ästhetischer und funktioneller Sicht nicht erwünscht.
[0003] Eine Aufgabe der vorliegenden Erfindung besteht nun darin, für eine Nähmaschine mit
einem CB-greiferartigen oder einem CB-Greifer ein Verfahren und eine Vorrichtung zu
schaffen, welche es erlauben, am Ende eines Näh- oder Stickvorgangs den Ober- und
den Unterfaden in gewünschter Länge abzuschneiden und die losen Enden des Ober- und
des Unterfadens an der Maschine in optimaler Lage für das Ansticken, bzw. Annähen
bereitzustellen. Eine weitere Aufgabe der Erfindung besteht darin, eine Vorrichtung
zur Durchführung des Verfahrens nach den Ansprüchen 1 und 3 zu schaffen.
[0004] Gelöst werden diese Aufgaben durch die Verfahren gemäss der Patentansprüche 1 und
3 sowie die Vorrichtung gemäss den Merkmalen des Patentanspruchs 4.
[0005] Es gelingt durch Verlegen des Ober- und des Unterfadens quer zur Nadelachse während
der Stichbildung und durch temporäres Festhalten bzw. Bremsen des Oberfadens unter
der Stichplatte, die Aufgaben einwandfrei zu lösen. Mit dem erfindungsgemässen Fadenschneid-
und Anstick-Aggregat können die Verfahrensschritte ohne ein zusätzliches Fadenspannungs-
oder Fadenklemmsystem sowie eine Drehrichtungsumkehr der Maschine bzw. deren Hauptwelle
durchgeführt werden. Das Fadenscheid- und Anstick-Aggregat hält den/die losen Fäden
bis zum zweiten Stich und ermöglicht einen satten Knoten im Stoff. Der Antrieb des
Aggregats erfolgt durch Einkuppeln desselben am Hauptantriebsstrang durch einen Hubmagneten,
der als Stellglied fungiert. Ein zwangsgeführtes Kurvengetriebe stellt die erforderliche
Kinematik zur Verfügung. Die Unterscheidung, ob die Fadenschneidfunktion oder die
Anstickfunktion ausgeführt werden soll, geschieht einzig über die oberwellenabhängige
Bestromung eines Hubmagneten bei dem jeweilig vorgegebenen Drehwinkel der Hauptwelle.
[0006] In vorteilhafter Weise gelingt es, die Schnittgeschwindigkeit zu erhöhen oder die
Schnittzeit zu reduzieren und eine hohe Anstickqualität zu erlangen. Es kann das Risiko
des Verklemmens des Faden in der Greiferbahn minimiert werden. Auch ist eine seitliche
Verstellung der Nadel für, bzw. bei der Fadenschneidfunktion nicht notwendig. Im Weiteren
erlaubt das erfindungsgemässe Verfahren das Fadenschneiden und Ansticken mit CB-Greifersystemen
sowie Rundlauf-Greifersystemen.
[0007] Die Aktivierungsmechanik für die Durchführung der Fadenschneid- und Anstickfunktionen
weist einen sehr einfachen Aufbau auf und umfasst eine Mehrzahl übereinanderliegender
Bleche mit unterschiedlichen Ausbildungen und für die Funktionen spezifisch ausgebildeten
Enden. Einige dieser Bleche werden von einem linear wirkenden Antrieb gemeinsam vor-
und rückwärts verschoben und gelangen, um die Fadenenden in eine optimale Lage zu
bringen, je nach Vorschubposition in Eingriff mit zusätzlichen stationär angeordneten
Blechen mit geeigneten Ausnehmungen zum zeitweiligen Auslenken und/oder Klemmen der
Fäden. Der Antrieb der Aktivierungsmechanik kann direkt über die Oberwelle ausgelöst
und mit einer Kurvenmechanik auf der Hauptwelle synchron zum Drehwinkel der beiden
Wellen erfolgen. Alternativ könnte der Antrieb durch Servo- oder Schrittmotoren durchgeführt
werden.
[0008] Anhand illustrierter Ausführungsbeispiele wird die Erfindung näher erläutert. Es
zeigen
- Figur 1
- Eine perspektivische ausschnittsweise Darstellung der Stichplatte und dem darunter
liegenden Greifer sowie eine Fadenschneid-und Anstickmechanik am Beginn des ersten
Stiches, Oberwellenposition 220°,
- Figur 2
- eine Anordnung wie in Figur 1 nach einer Oberwellendrehung von 50°, ein Fadenfänger
beginnt sich in X-Richtung zu bewegen und erfasst den Unterfaden mit einer Unterfadenfangkante,
- Figur 3
- eine Darstellung bei einem Drehwinkel von 290°; der Unterfaden ist von der Unterfadenkante
abgeworfen und in einem Fadendepot gehalten; die Nadel sticht in den Stoff ein,
- Figur 4
- die Situation bei 320°, der Fadenfänger erreicht seine Endlage, der Unterfaden ist
maximal ausgelenkt,
- Figur 5
- Situation nach einer Drehung von 190° bei 50°, die Greiferspitze erfasst den Oberfaden,
- Figur 6
- der Nadelfaden und der Stofffaden werden aufgespreizt (80°),
- Figur 7
- Situation bei 110°, der Nadel- und Stofffaden sind maximal gespreizt, der Fadenfänger
beginnt sich in X-Richtung zu bewegen,
- Figur 8
- Situation bei 140°, der Fadenfänger erfasst den Nadel- und den Stofffaden mit separaten
Fangkonturen,
- Figur 9
- Situation bei 175°, der Nadelfaden ist vom Fadenhebel auf die erforderliche Länge
vorgezogen und der Oberfaden und der Unterfaden liegen in der Position kurz vor deren
Durchtrennung,
- Figur 10
- eine perspektivische Darstellung der Freischneidanordnung, umfassend mehrere übereinanderliegende
und gegenseitig verschiebbare Bleche,
- Figur 11
- eine vergrösserte perspektivische Darstellung der Trennvorrichtung in Figur 10 im
Trennmoment (abgebildet ist der Unterfaden),
- Figur 12
- wie Figur 11, unmittelbar nach dem Trennen,
- Figur 13
- eine Situation bei 185°, der Fadenfänger erreicht seine Ausgangsstellung, der Oberfaden
wird durch den Fadenhebel aus der Fadenfängermechanik gezogen, der Unterfaden liegt
in definierter Lage auf dem Fadenleitblech und wird dort in Position gehalten,
- Figur 14
- eine Situation bei 220°, der erste Zyklus ist abgeschlossen, der mindestens eine Ober-und
der Unterfaden ist getrennt und auf die erforderliche Länge vorgezogen, bereit für
das Annähen oder das Ansticken, die Maschine stoppt, ein neues Werkstück kann eingelegt
werden,
- Figur 15
- die Maschine beginnt den ersten Stich zu generieren bei Oberwellenwinkel 220°,
- Figur 16
- Situation bei 30°, Oberfaden-Schlinge wurde erstellt und der Greifer erfasst die Oberfadenschlinge,
- Figur 17
- Situation bei 60°, der Fadenfänger beginnt sich nach rechts zu verschieben,
- Figur 18
- Situation bei 80°, vom Oberfadenschlauf werden der Stofffaden sowie der Nadelfaden
in entsprechend angeordneten Ausnahmen am Fadenfänger erfasst,
- Figur 19
- Situation bei 90°, der Stofffaden ist vom Fadenfänger unter die Stichplatte gezogen
worden,
- Figur 20
- einen vergrösserten Ausschnitt in Figur 19,
- Figur 21
- Situation bei 95°, das Fadenbremsblech wird durch die Fadenfängermechanik an der markierten
Stelle A geöffnet und der Fadenwischer wird durch den mittleren Fadenfänger betätigt,
- Figur 22
- Situation bei 100°, das Fadenbremsblech schliesst sich für einen kurzen Augenblick
(die Fäden liegen analog zu Anordnung in Figur 21),
- Figur 23
- Situation bei 120°, der Fadenhebel erreicht die Endstellung und zieht den vorhandenen
Faden durch das geöffnete reibungsarme Fadenbremsblech auf die gewünschte Länge aus,
der erste Stich ist beendet,
- Figur 24
- Situation bei 240°, der zweite Stich beginnt und das Fadenbremsblech schliesst sich
für einen kurzen Augenblick und fungiert als temporäre Fadenbremse, die mit erhöhter
Kraft belastet ist,
- Figur 25
- Situation bei 255°, der Fadenfänger wird in die Ausgangsstellung zurückgefahren und
der Oberfaden wird nun vom Fadenbremsblech mit definierter Haltekraft zurückgehalten,
es entsteht ein satter Knoten und der Fadenwischer wischt den mindestens einen Oberfaden
und den Unterfaden in eine definierte Lage,
- Figur 26
- Situation bei 265°, entspricht vergrösserter Darstellung eines Ausschnitts in Figur
25,
- Figur 27
- Situation bei 30°, der zweite Stich wird generiert,
- Figur 28
- Situation bei 50°, der Greifer zieht den Fadenschlauf von der Nadel weg,
- Figur 29
- Situation bei 150°, der Fadenhebel zieht den Oberfaden zurück,
- Figur 30
- Situation bei 170°, der Nadelfaden liegt knapp unter der Stichplatte,
- Figur 31
- Situation bei 190°, der Unterfaden wird vom Oberfaden erfasst und der Fadenhebel zieht
den Knoten an die Stoffunterseite und
- Figur 32
- Situation bei 220°, der Fadenhebel hat den Oberfadenschlauf mit dem erfassten Unterfaden
an die Stoffunterseite gezogen und ein satter Knoten ist vollendet,
- Figur 33a
- eine vergrösserte Darstellung der Fadenschneid- und Anstickeinheit in der Ausgangsstellung,
- Figur 33b
- eine vergrösserte Darstellung der Fadenschneid- und Anstickeinheit in der Ausgangsstellung,
jedoch in der Endstellung,
- Figur 33c
- eine Detailansicht der Fadenschneideinheit von oben nach dem Fangen des Oberfadens,
- Figur 33d
- die Fadenschneideinheit nach einem weiteren Schritt,
- Figur 33e
- die Fadenschneideinheit nach einem weiteren Schritt, Faden in Fadendepot,
- Figur 34
- eine Explosionsdarstellung der Fadenschneid-und Anstickvorrichtung,
- Figur 34a
- je eine Situation der Fadenlage,
- Figur 35
- eine perspektivische Darstellung der Fadenwischer- und Fadenbremseinheit.
[0009] In der Darstellung gemäss Figur 1 ist mit Bezugszeichen 1 ein Greifer und mit Bezugszeichen
3 eine Stichplatte bezeichnet. Zwischen dem Greifer 1 und der Stichplatte 3 ist eine
Fadenschneid- und Anstickeinheit 5 ersichtlich. Die Fadenschneideinheit 5 umfasst
eine Mehrzahl von übereinander liegenden, teils synchron miteinander verschiebbaren
und teils fest angeordneten, beweglichen Blechen, die als Fadenfänger und Fadenaus-
und Fadenumlenker fungieren (in Figur 10 in Explosionsdarstellung ersichtlich). Die
Beschreibung bzw. Funktionen der einzelnen Bleche erfolgt teils bei den einzelnen
Verfahrensschritten, dargestellt in den nachfolgenden Figuren.
[0010] In Figur 1 ist die Grundstellung der Fadenschneideinheit 5 ersichtlich und keines
der Bleche steht im Eingriff mit einem der Fäden (Oberfaden 7 oder Unterfaden 9).
Die Durchführung des letzten Stiches am Ende einer Näh- oder Sticknaht wird anhand
der Figuren 1 bis 14 beschrieben. Es wird davon ausgegangen, dass der Oberfaden 7
und der Unterfaden 9 im Wesentlichen in der in Figur 1 dargestellten Position liegen
und eine Naht bilden. Zu Beginn des letzten Stiches bei einem Oberwellenwinkel 220°
beginnt der letzte Stich und die Nadel 11 hält den Oberfaden zwischen dem Stichloch
13 im Wesentlichen geradlinig gespannt; der Unterfaden 9 verläuft von seinem Austritt
aus der Spulenkapsel 15 im Wesentlichen geradlinig zum Stichloch 13. Nun beginnt eine
synchrone Verschiebung der drei Fadenfängerbleche, kurz oberer, mittlerer und unterer
Fadenfänger 19a, 19b und 19c, eines Fadenspannblechs 31 und eines Klemmblechs 61.
Bei einem Oberwellenwinkel 270°, d.h. nach 50° Drehung erfassen die Steuerkanten 17a,
17b am oberen Fadenfänger 19a und am mittleren Fadenfänger 19b, d.h. den Blechen der
Fadenschneideinheit 5 den Unterfaden 9 (Figur 2 und Figur 33c). Nach weiteren 20°
Drehwinkel, d.h. bei 290° Oberwellenwinkel hat der obere Fadenfänger 19a und der mittlere
Fadenfänger 19b mit dessen Steuer- und Separierkanten 17a, 17b den Unterfaden 9 in
Figur 3 und im Detail in den Figuren 33d und 33e vor und nach dem Abwerfen nach rechts
ausgelenkt. In diesen Positionen wird der Unterfaden 9 von den Steuerkanten 17a, 17b
abgeworfen und gleitet in ein Fadendepot 21 in einem stationären Fadenleitblech 33.
[0011] Bei einem Oberwellenwinkel von 320° hat die Spitze der Nadel 11 die Stichplatte 3
durchquert und nach weiteren 50° hat die Greiferspitze 23 die Oberfadenschlaufe 25
erfasst und den Oberfaden 7 nach links zwischen dem Stichloch 13 und der Greiferspitze
23 ausgelenkt (Fig. 5). Nach weiteren 30°, d.h. bei 80° Oberwellenwinkel hat die Nadel
7 die Stichplatte 3 bereits wieder nach oben verlassen und die Oberfadenschlaufe 25
ist durch die Kanten 17e und 17d der Fadenfänger 19a und 19b weiter aufgespreizt.
Nach weiteren 30°, d.h. bei 110° Oberwellenwinkel ist die Oberfadenschlaufe 25 annähernd
vollständig gespreizt. Der Nadelfaden 7a wird durch die Kante 17c erfasst. Gleichzeitig
ziehen der obere und der mittlere Fadenfänger 19a und 19b den Unterfaden 9 zwischen
dem Stichloch 13 und dem Fadendepot 21 nach links, sodass dieser zwischen dem Stichloch
13 und dem Fadenfänger 19a etwa in Richtung der Nadel 11 verläuft (Figur 7).
[0012] In Figur 8 hat die Oberfadenschlaufe 25 den unteren Scheitel des Greifers 1 überschritten
und befindet sich in Abwurfstellung. Der Unterfaden 9 wird von den weiter zurückfahrenden
Fadenfängern 19a, 19b weiter nach links ausgelenkt und verläuft nun oberhalb des oberen
Fadenfängers 19a in einem spitzen Winkel zum Stichloch 13. Gleichzeitig wird der Nadelfaden
7a gebremst bzw. entkuppelt (Fig. 34d) und die Fadenspannung (Spannorgan nicht dargestellt)
geöffnet, damit der Nadelfaden 7a durch den Fadenhebel aus der Fadenspule auf die
erforderliche Länge vorgezogen werden kann (Figur 8).
[0013] Beim Oberwellenkinkel 175° werden der Stofffaden 7b des Oberfadens 7 und der Unterfaden
9 geschnitten bzw. durchgetrennt (Figur 9).
[0014] Das Trennen erfolgt, wie in Figur 11 für den Unterfaden 9 dargestellt, indem der
Unter- und Oberfaden 7 an der Stelle A im Fadenleitblech 33 gehalten und an der Stelle
B über eine fest angeordnete Klinge 29 gezogen und getrennt werden. Mit einem Federblech
31 wird der Unterfaden 9 gebremst, bevor er geschnitten wird. Vorangegangen sind die
Schritte, dass der zu trennende Oberfaden 7 bei einem Oberwellenwinkel von etwa 175°
von den Kanten 17a, 17b, 17c an den Fadenfängern 19a, 19b, 19c zu der Klinge 29 hin,
d.h. nach links auf die erforderliche Länge gezogen worden ist (Figur 11). Dies ohne
Spannungserhöhung auf den Oberfaden 7, um die bereits genähte Naht nicht negativ zu
beeinflussen. Kurz bevor die stationär befestigte Klinge 29 erreicht ist, wird durch
das Federblech 31 an der Fadenschneideinheit 5 (siehe Figuren 10 und 34), dessen vordere
Kante 32 als Feder fungiert, lokal auf den zu trennenden Faden 7 eine Fadenspannung
ausgeübt. Der Oberfaden 7 und der Unterfaden 9 können nun als "stehende Schlaufe"
durch die Klinge 29 gezogen werden und wird dort sicher getrennt (Figur 12).
[0015] Nach einer weiteren Drehung der Oberwelle bis zum Winkel 185° haben die Fadenfänger
19 ihre Ausgangsstellung erreicht. Der Oberfaden 7 wird durch den Fadenhebel (nicht
dargestellt) aus den Fadenfängern 19 herausgezogen. Der Unterfaden 9 liegt nun in
definierter Lage C (Figur 12) und auf dem Fadenleitblech 33 und wird dort in Position
gehalten.
[0016] Bei einem Oberwellenwinkel von 220° ist der Zyklus abgeschlossen. Der Nähfuss (nicht
dargestellt) wird angehoben und das Nähgut (nicht dargestellt) kann entnommen werden.
Der Oberfaden 7 und der Unterfaden 9 sind vom Nähgut getrennt und auf die erforderliche
Länge vorgezogen (Figur 14).
[0017] Im Gegensatz zum Oberwellenwinkel 220° zu Beginn des letzten Stiches am Ende einer
Naht liegen nun der Oberfaden 7 und der Unterfaden 9 nicht mehr gestreckt von der
Nadel 11 zum Stickloch 13 bzw. von der Spulenkapsel 15 zum Stichloch 13. Der mindestens
eine Oberfaden 7 ist lose und der Unterfaden 9 wird durch die Fadenschneideinheit
5 positioniert. Sie befinden sich nun in einer optimalen Ausgangslage für das Ansticken
bzw. Annähen einer neuen Naht.
[0018] Nachdem nun durch die Fadenschneid- und Anstickeinheit 5 sowohl der Oberfaden 7 als
auch der Unterfaden 9 am Ende einer Näh- oder Sticknaht in einer optimalen Position
für das Ansticken liegen (vgl. Figur 15), erfolgt ein neues Ansticken oder Annähen
beim Oberwellenwinkel von 220°. Wie aus den Figuren 14 und 15 ersichtlich, ist im
Unterfaden 9 eine Schlaufe 63 gebildet, die sich vom Austritt des Unterfadens 9 aus
der Spulenkapsel 15 nach rechts erstreckt und von dort zurück in Richtung zum Stichloch
13. Die Schlaufe 63 ist jetzt positioniert, jedoch nicht gehalten. Nach dem Einstich
der Nadel in den Stoff bei einem Oberwellenwinkel 30° hat der Greifer 1 die Oberfadenschlinge
erfasst; die Schlaufe 63 des Unterfadens 9 ist dabei noch nicht verändert worden.
Bei einem Oberwellenwinkel von 60° (Figur 17) wird die Oberfadenschlinge nach links
im Gegenuhrzeigersinn um den Greifer 1 herumgeführt und die Fadenschneid- und Anstickeinheit
5 bewegt sich nach einem vorgegebenen Bewegungsablauf, angetrieben durch die Hauptwelle
oder durch einen Motor, nach rechts. Nach einer weiteren Drehung der Oberwelle um
20° (Figur 18) werden der lose Stofffaden 7b des Oberfadens 7 durch Einschnitte 45
und der Nadelfaden 7a des Oberfadens 7 von entsprechenden Ausnahmen oder Einschnitten
an den Fadenfängern 19a, 19b, 19c erfasst, wobei das freie Ende des Stofffadens 7b
unter die Stichplatte 3 gezogen wird. Figur 19 zeigt nun den Stofffaden unter der
Stichplatte 3 und in vergrösserter Darstellung in Figur 20 ist genau sichtbar, wie
der Stofffaden 7b (oben) und der Nadelfaden 7a (unten) vom unteren Fadenfänger 19c
beabstandet geführt werden. Nach weiteren ca. 5° Drehung der Oberwelle ist durch den
Fadenfänger 19, (Abbug 17f, Fig.34) ein Fadenbremsblech 65 (Fig.35) geöffnet worden
und gemäss Figur 22 schliesst sich bei 100° Oberwellenwinkel das Fadenbremsblech 65
für einen kurzen Augenblick. Die Lage der Fäden ist unverändert bezüglich Oberwellenwinkel
95°.
[0019] Bei 120° Oberwellenwinkel ist die momentane Endstellung erreicht und das Fadenbremsblech
65 ist wieder geöffnet. Der Fadenhebel zieht den vorhandenen Oberfaden 7 durch das
geöffnete reibungsarme Fadenbremsblech auf die erforderliche Länge nach. Bei Oberwellenwinkel
240°, d.h. nach Vollendung einer vollständigen Maschinendrehung um 360°, schliesst
das Fadenbremsblech 65 kurzfristig. Dies ergibt eine zusätzliche wichtige Prozesssicherheit,
da der lose Oberfaden 7 nicht mit dem Fadenfänger 19 aus dem Fadenbremsblech 65 mitgezogen
werden kann (Stelle D). Bei 255° fahren die Fadenfänger 19a-19c in die Ausgangsstellung
zurück und der Oberfaden 7 wird vom Fadenklemmblech 65 mit einer definierten Haltekraft
zurückgehalten, damit ein satter Knoten entstehen kann und damit zudem der lose Oberfadenschlauf
nicht durch das Loch im Stoff nachgezogen werden kann (Figuren 25 und 26). In Figur
27 ist sichtbar, wie der Stich generiert wird; dies bei Oberwellenwinkel 25°. Bei
50° Oberwellenwinkel zieht der Greifer 1 den Oberfaden 7 des folgenden (zweiten) Stichs
von der Nadel 11 weg (Figur 28) und bei 150° wird der Unterfaden 9 vom Oberfaden 7
erfasst und der Fadenhebel zieht den Knoten in Richtung Stoffunterseite (Figur 29).
Nach weiteren 20° Oberwellendrehung hat der Fadenhebel den Oberfadenschlauf mit dem
erfassten Unterfadenschlauf an die Stoffunterseite gezogen und der gewünschte satte
Knoten ist realisiert.
[0020] Bei 220° ist die Anstickfunktion nach zwei Stichen erfolgreich abgeschlossen und
die nächsten Stiche können erfolgen. Die Figuren 33a und 33b zeigen im Wesentlichen
wiederum die Fadenschneideinheit 5, wie sie bereits in Figur 1 dargestellt ist, jedoch
in vergrössertem Massstab und zudem ist nebst den bereits beschriebenen Fadenfängern
19a-19c und dem Fadenleitblech 33 zusätzlich noch die Wischereinheit und Fadenbremseinheit
37 integriert, die in Figur 35 nochmals vergrössert in Alleinstellung wiedergegeben
ist.
[0021] In den Figuren 33c, d und e wird vergrössert dargestellt, wie der Faden in das Fadendepot
21 gelangt. Mit Bezugszeichen 45a ist eine Fadenkontur am Fadenfänger 19a bezeichnet
und die Kontur 45b am Fadenfänger 19b sind in Figur 33 nicht aktiv. Jedoch wird gemäss
Figur 33e der Faden von den beiden v-förmigen Konturen 47a und 47b an den vorderen
Enden der Fadenfänger 19a und 19b über die Kontur 47c am Fadenfänger 19c in das Fadendepot
21 geführt. Alle Überführungen des Fadens erfolgen durch die Verschiebung der Elemente
19a - 19 c sowie 31 und 61 der Fadenschneideinheit 5 relativ zu den fest an der Nähmaschine
angeordneten Elementen der Wischer- und Fadenbremseinheit 37. Es findet nur eine lineare
Verschiebung nach einem vorgegebenen Geschwindigkeitsverlauf statt. Einzig die Wischer-
und Fadenbremseinheit 37 führt mit dem daran angebrachten Wischerhebel 51 und Fadenbremsblech
eine quer zur Vorschubrichtung der Fadenschneideinheit 5 verlaufende Bewegung durch,
welche durch die Führungskante 17g am mittleren Fadenfängerblech 19b ausgelöst wird.
[0022] Die Wischereinheit 37 ist ortsfest im Unterarm der Nähmaschine angeordnet. Auf der
Wischer- und Fadenbremseinheit 37 sind zwei schwenkbare und federbelastete Hebel,
nämlich das Fadenbremsblech 65 und ein Wischerhebel 51 gelagert. Der zweiarmige Wischerhebel
51 trägt dazu auf dem ersten seiner Arme einen parallel zur Drehachse des Wischerhebels
51 liegenden Bolzen 53, der vom unteren Fadenfänger 19c (Kontur 17f) zur Seite geschoben
wird. Beim Schwenken des Wischerhebels 51 werden die abgeschnittenen Fadenenden zur
Seite geschoben und liegen dann in optimaler Ansticklage bzw. Annählage.
[0023] In den Figuren 33a und 33b sind nochmals die gegenseitigen Anordnungen der Fadenfänger
19a-19c sowie des Federblechs 31 bezüglich der fest angeordneten Fadenwischereinheit
37 in Ruhestellung ersichtlich. In der Figur 33b sind die Fadenfänger 19a-19c sowie
das Federblech 31 und das Fadenleitblech 33, welche gegenseitig miteinander verbunden
sind, nach rechts vorgefahren und überschneiden sich mit der Fadenwischereinheit 37
wesentlich mehr.
[0024] In den Figuren 33c-33e sind die Lagen des Fadens während den unterschiedlichen Phasen
ersichtlich.
[0025] In der Figur 34 sind zum besseren Verständnis die in explosionsartiger Darstellung
wiedergegebenen Teile der Fadenschneideinheit 5 wiedergegeben.
1. Verfahren zum Schneiden des Unter- und mindestens eines Oberfadens am Ende eines Näh-
oder Stickvorgangs, auf einer Nähmaschine mit einem CB-greiferartigen oder einem CB-Greifer,
gekennzeichnet durch folgende Verfahrensschritte:
a) nach der Erzeugung des letzten Stichs einer Naht, nähert sich die Nadel (11) der
Oberfläche des Stoffs und der Stichplatte (3),
b) der Unterfaden (9) wird von mindestens einer Steuerkante (19a, 19b, 19c) eines
Fadenfängers (19) zwischen der Fadenaustrittsöffnung an einer Spulenkapsel (15) und
dem Stichloch (13) ausgelenkt,
c) der Unterfaden (9) wird von mindestens einer Steuerkante (19a, 19b, 19c) abgeworfen
und gleitet in ein Fadendepot (21) am Fadenfänger (19) während die Nadel (11) in den
Stoff einsticht,
d) der Fadenfänger (19) erreicht seine Endlage und die Nadel (11) die untere Endlage,
e) der Oberfaden (7) wird von der Greiferspitze erfasst und der Nadelfaden (7a) und
der Stofffaden (7b) werden gespreizt,
f) während die Nadel (11) wieder nach oben fährt bewegt sich der Fadenfänger (19)
rückwärts und zieht den im Fadendepot (21) gefangenen Unterfaden (9) und auch den
nun vom Fadenfänger (19) auch noch erfassten Oberfaden (7) zurück,
g) gleichzeitig wird der Nadelfaden (7a) durch den Fadenhebel vorgezogen und anschliessend der Ober-(7) und der Unterfaden (9) getrennt,
h) der Fadenfänger (19) erreicht die Ausgangsstellung und das lose Ende des Oberfadens
(7) wird durch den Fadenhebel aus der Fadenschneideinheit (5) herausgezogen,
i) der Zyklus ist abgeschlossen und der Ober- (7) und der Unterfaden (9) sind für
das Annähen oder Ansticken auf die erforderliche Länge vorgezogen.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das lose Ende des Unterfadens (9) durch einen Fadenwischer (37) derart positioniert
wird, dass beim Annähen oder Ansticken das Ende nicht eingenäht werden kann.
3. Verfahren zum Annähen oder Ansticken zu Beginn eines Näh- oder Stickvorgangs auf einer
Nähmaschine,
gekennzeichnet durch folgende Verfahrensschritte:
a) der Ober- und der Unterfaden sind auf die erforderliche Länge über bzw. unter der
Stichplatte (3) vorgezogen,
b) die Nadel (11) mit dem Oberfaden (7) beginnt den ersten Stich und zieht das lose
Ende des Oberfadens (7) unter die Stichplatte (3),
c) der Greifer (1) erfasst die Oberfadenschlinge,
d) ein Fadenfänger (19) bewegt sich auf die Oberfadenschlaufe zu und erfasst den Stoff-
(7b) und den Nadelfaden (7a) und zieht den Stofffaden (7b) unter der Stichplatte (3)
quer zur Drehachse des Greifers (1) zur Seite,
e) ein Fadenbremsblech wird geöffnet und schliesst kurz danach, während die Lage des
Fadens nicht ändert,
f) der Fadenhebel zieht den vorhandenen Faden durch das geöffnete reibungsarme Fadenbremsblech und beendet den ersten Stich,
g) nach dem zweiten Strich ist ein satter Knoten auf der Stoffunterseite generiert,
h) es folgen wieder die Schritte a) bis f).
4. Vorrichtung zur Durchführung der Verfahren nach den Patentansprüchen 1 und 3, gekennzeichnet durch eine Fadenschneid- sowie Anstick- und Annäheinheit (5), umfassend mehrere übereinander
geschichtete und fest miteinander verbundene Bleche als Fadenfänger (19a-19c), als
Fadenbremsblech 31 und als Fadenspannblech (41) mit unterschiedlich ausgebildeten
Konturen, einen Antrieb zum linearen Vor- und Rückwärtsschieben der Einheit (5) und
eine ortsfest angeordnete Klinge (29).
5. Vorrichtung nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass den Enden der Fadenschneid- und Anstick- und Annäheinheit (5) gegenüberliegend und
mit dieser beim Verschieben der Fadenschneid- und Anstickeinheit (5) zusammenwirkend
eine Wischereinheit (37) ortsfest angeordnet ist.
6. Vorrichtung nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass auf der Wischereinheit (37) ein zweiarmiger Wischerhebel (51) schwenkbar gelagert
und von beim Verschieben der Fadenschneideinheit (5) von einem Arm am mittleren Fadenfänger
(19b) zum Verlegen des Endes des Unterfadens (9) ausschwenkbar ist.
7. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 4 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass beim Verschieben der Fadenschneideinheit (5) der von den Fadenfängern (19a-19c) gefangene
Unterfaden (9) und/oder der mindestens eine Oberfaden (7) an der Klinge (29) spannungslos
durchtrennbar ist.