[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Herstellen eines gut umformbaren, einen
C-Gehalt von 0,1 - 0,4 Gew.-% aufweisenden Stahlflachprodukts, bei dem das Stahlflachprodukt
in einem Durchlaufofen einer Glühbehandlung unterzogen wird.
[0002] Stahlflachprodukte der hier in Rede stehenden Art werden insbesondere zur Herstellung
von Karosserie- und Fahrwerksteilen für Automobile benötigt. Dabei werden an die Stahlflachprodukte
hinsichtlich ihrer Umformeigenschaften höchste Anforderungen gestellt. Dies betrifft
sowohl die Kalt- als auch die Warmumformbarkeit.
[0003] Eine besondere Schwierigkeit stellt die Warmumformung von verzinkten Stahlflachprodukten
zu hoch- bzw. höchstfesten Stahlbauteilen dar. Bei solchen Stahlbauteilen gewährleistet
die in der Regel auf Zink oder einer Zinklegierung basierende Schutzbeschichtung einen
ausreichenden kathodischen Korrosionsschutz.
[0004] Muss jedoch ein mit einer metallischen Korrosionsschutzbeschichtung versehenes Stahlblech
für die Warmumformung und ein gegebenenfalls anschließend oder in Kombination mit
der Warmumformung durchgeführtes Härten auf eine Temperatur erwärmt werden, die oberhalb
der Schmelztemperatur des Metalls der Schutzbeschichtung liegt, so besteht die Gefahr
der so genannten "Flüssigmetallversprödung". Zu dieser Versprödung des Stahls kommt
es, wenn schmelzflüssiges Metall des Überzugs in die sich bei der Verformung an der
Oberfläche des jeweiligen Stahlflachproduktes bildenden Kerben eindringt. Das in das
Stahlsubstrat gelangende flüssige Metall lagert sich dort an den Korngrenzen ab und
reduziert so die maximal aufnehmbaren Zug- und Druckspannungen.
[0005] Besonders kritisch erweist sich die Gefahr der Flüssigmetallversprödung bei höher-
und hochfesten Stählen, die nur eine begrenzte Duktilität aufweisen und die infolgedessen
bei ihrer Umformung zur Bildung von oberflächennahen Rissen neigen.
[0006] Aus der
JP 60-159120 A ist es allgemein bekannt, dass sich die Biegeeigenschaften eines Stahlblechs durch
eine Entkohlungsbehandlung verbessern lassen, durch die eine oberflächennahe, 20 -
100 µm dicke Randschicht mit einem gegenüber dem Kernbereich des Stahlblechs vermindertem
C-Gehalt erzeugt wird. Jedoch steht diese Maßnahme bei diesem Stand der Technik weder
im Zusammenhang mit Stahlblechen, die mit einer metallischen Schutzschicht überzogen
sind, noch betrifft sie höher- oder hochfeste Stähle mit C-Gehalten von mindestens
0,1 Gew.-%.
[0007] Die Entkohlungsneigung einer kohlenstoffhaltigen Stahllegierung ergibt sich aus dem
Oxidationsverhalten des gelösten Kohlenstoffs. Auf Grund seiner großen Beweglichkeit
neigt der im Gitter gelöste Kohlenstoff bei einer Wärmebehandlung zur Effusion. Die
je nach C-Potenzial der Gasphase, unter der die Wärmebehandlung stattfindet, mit oder
ohne gleichzeitige Verzunderung auftretende Entkohlung stellt deshalb eines der ältesten
Probleme bei der Herstellung und Verarbeitung von Stahl dar.
[0008] Prinzipiell erfolgt eine Entkohlung gemäß den Boudouard-Gleichgewichtsreaktionen
gemäß den folgenden Reaktionsprozessen:
[C] + 1/2 O
2 <-> CO
[C] + O
2 <-> CO
2
[C] + CO
2 <-> CO
2
[C] + H
2 <-> CH
4
mit [C] = gelöster Kohlenstoff
[0009] In großtechnischen Glühanlagen mit einer typischen Schutzgasatmosphäre, welche sowohl
Wasserstoff, Stickstoff als auch Wasserdampf enthält, bildet sich folgende Gleichgewichtsreaktion
aus:
H2 + 1/2 O
2 <-> H
2O
[0010] Wasserhaltige Gasatmosphären erweisen sich dabei besonders reaktiv gegenüber Kohlenstoff.
Deshalb tritt zu den erwähnten Entkohlungsreaktionen noch eine weitere und für die
Praxis besonders bedeutsame heterogene Gleichgewichtsreaktion hinzu:
[C] + H
2O <-> CO + H
2
[0011] Gezielt angewandt, können durch eine Entkohlung bestimmte Eigenschaften eines Stahlproduktes
verbessert werden.
[0012] Um diese Erkenntnis in der Praxis effektiv nutzen zu können, ist in der
GB 1 189 464 das "Open-Coil"-Verfahren vorgeschlagen. Bei diesem Verfahren wird ein walzhartes,
kaltgewalztes Band so lose zu einem Coil gewickelt, dass zwischen den einzelnen Wickellagen
des Coils jeweils ein Freiraum vorhanden ist. Das bei der anschließenden Glühbehandlung
in einem Haubenofen durch die Freiräume strömende Glühgas überstreicht dann die gesamte
Stahloberfläche gleichmäßig, so dass ein gleichmäßiges Entkohlungsergebnis über die
gesamte Länge des behandelten Stahlbands erzielt wird. Die so durchgeführte Glühbehandlung
benötigt jedoch mehrere Stunden.
[0013] Ein wirtschaftlicher durchführbares Verfahren zum Entkohlungsglühen von Stahlband
in einem Durchlaufofen unter einer reduzierenden Glühatmosphäre ist in der
DE-OS 2 105 218 beschrieben. Gemäß diesem bekannten Verfahren wird das jeweilige Stahlband bei einer
Glühtemperatur von weniger als 780°C über eine ausreichend lange Glühdauer so lange
geglüht, bis der Kohlenstoffgehalt im Stahlband beim Austritt aus dem Durchlaufofen
weniger als 0,01% beträgt. Anschließend kann das Stahlband mit einer Schmelztauchbeschichtung
versehen werden, um seine Korrosionsbeständigkeit zu verbessern. Das auf diese Weise
erhaltene Stahlblech weist eine besonders gute Verformbarkeit auf. Jedoch entsprechen
seine Festigkeitswerte nicht den Anforderungen, die heute regelmäßig an Stahlflachprodukte
gestellt werden, aus denen Bauteile für Automobilkarosserien geformt werden sollen.
[0014] Ebenfalls auf das "Open Coil"-Verfahren ist bei einem aus der
WO 2009/024472 A1 bekannten Vorschlag zurückgegriffen worden, gemäß dem für ein aus einem Werkzeugstahl
bestehendes Stahlband, das insbesondere für die Herstellung von Schneidwerkzeugen
und desgleichen bestimmt ist und einen C-Gehalt von mindestens 0,4 Gew.-% aufweist,
eine Randschichtentkohlung vorgeschlagen worden ist, um eine hohe Härte mit einer
guten Verformbarkeit zu kombinieren. Im Bereich der entkohlten Randschicht weist das
entsprechend behandelte Stahlband eine gegenüber dem Grundwerkstoff erhöhte Verformbarkeit
auf, wodurch die Gefahr eines Sprödbruchs unter hoher äußerer Last verringert ist.
[0015] Im Gegensatz zu den in der
WO 2009/024472 A1 betrachteten Anwendungen ist der Fachmann im Allgemeinen bemüht, bei hoch- und höchstfesten
Stählen, die für die Herstellung von hochfesten Bauteilen bestimmt sind, die glühbedingte
Entkohlung bzw. Randentkohlung möglichst zu vermeiden. Nach allgemeiner Auffassung
beeinflusst die Entkohlung die für diese Anwendungen wichtigen mechanischen Werkstoffeigenschaften
negativ.
[0016] Dieser Vorstellung folgend, ist in der
DE 102007061489 A1 ein Verfahren vorgeschlagen worden, bei dem an einem Stahlblech eine für die Umformung
vorteilhafte duktile Randschicht erzeugt wird, indem eine selektive Oxidation der
verfestigenden Legierungselemente durchgeführt wird. Dabei wird gezielt jeder Entkohlung
entgegengewirkt.
[0017] Neben dem voranstehend erläuterten Stand der Technik ist aus der
WO 2004/090187 A1 ein Stahlblech bekannt, das eine überlegene Anbindung der Beschichtung an das Stahlsubstrat
aufweisen und dabei hohe Festigkeiten bei gleichzeitig guter Verformbarkeit besitzen
soll. Zu diesem Zweck soll das betreffende Stahlblech aus 0,05 - 0,4 Gew.-% C, 0,2
- 3,0 % Gew-% Si und 0,1 - 2,5 Gew.-% Mn, Rest Fe und unvermeidbaren Verunreinigungen
bestehen und mit einer Zn-Schicht belegt sein, die Gehalte von 0,01 - 1 Gew.-% A1
aufweist. Dabei sollen an der Schnittstelle zwischen dem Stahlsubstrat und der Zn-Beschichtung
über eine Tiefe des Stahlsubstrats von 2 µm oxidische Partikel vorhanden sein, die
der Gruppe der Al-, Si- und Mn-Oxide zugehören. Dies soll durch Einstellung eines
bestimmten Verhältnisses der Partialdrücke PH2O und PH2 in der Glühatmosphäre erreicht
werden, unter der das jeweilige Stahlsubstrat bei einer Temperatur von 600 - 900 °C
über eine Haltezeit von 30 s bis 10 min gehalten wird.
[0018] Vor dem Hintergrund des voranstehend erläuterten Standes der Technik bestand die
Aufgabe der Erfindung darin, ein Verfahren anzugeben, das es auf wirtschaftliche Weise
erlaubt, ein gut umformbares, hoch- bzw. höchstfestes Stahlflachprodukt zu erzeugen.
[0019] In Bezug auf das Herstellverfahren ist die voranstehend angegebene Aufgabe erfindungsgemäß
dadurch gelöst worden, dass bei der Herstellung eines Stahlflachproduktes die in Anspruch
1 angegebenen Arbeitsschritte absolviert werden.
[0020] Vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung sind in den von den jeweiligen unabhängigen
Ansprüchen abhängigen Ansprüchen angegeben und werden nachfolgend erläutert.
[0021] Das erfindungsgemäße Verfahren zum Herstellen eines gut umformbaren Stahlflachprodukts,
das einen C-Gehalt von 0,1 - 0,4 Gew.-%, insbesondere weniger als 0,4 Gew.-%, aufweist,
geht aus von dem Gedanken, das betreffende Stahlflachprodukt in einem Durchlaufofen
einer Glühbehandlung zu unterziehen, bei der es zu einer Randschichtentkohlung kommt.
Dazu wird die Glühbehandlung erfindungsgemäß unter einer Glühatmosphäre durchgeführt,
die 0,1 - 25 Vol.-% H
2, H
2O und als Rest N
2 sowie technisch bedingt unvermeidbare Verunreinigungen enthält. Der Taupunkt der
Glühatmosphäre liegt dabei im Bereich von -20 °C und +60 °C. Gleichzeitig ist in der
Glühatmosphäre das Verhältnis H
2O/H
2 höchstens gleich 0,957 einzustellen, um eine optimal entkohlende Wirkung zu erreichen.
[0022] Das Stahlflachprodukt wird des Weiteren erfindungsgemäß im Zuge der Glühbehandlung
auf eine 600 - 1100 °C betragende Haltetemperatur erwärmt, bei der es für eine 10
- 360 s dauernde Haltezeit unter der erfindungsgemäß zusammengesetzten Atmosphäre
gehalten wird.
[0023] Im Ergebnis weist das nach der erfindungsgemäßen Glühbehandlung erhaltene Stahlflachprodukt
eine 10 - 200 µm dicke, an seine freie Oberfläche angrenzende duktile Randschicht
mit einer Duktilität auf, die größer ist als die Duktilität der innenliegenden, von
der Randschicht bedeckten Kernschicht des Stahlflachprodukts.
[0024] Entgegen der im Stand der Technik bestehenden Überzeugung gelingt es mit der Erfindung,
die gewünschte Eigenschaftskombination aus hoher Festigkeit und guter Verformbarkeit
bei einem Stahlblech, das 0,1 - 0,4 Gew.-%, insbesondere bis zu 0,38 Gew.-%, Kohlenstoff
enthält, durch eine Glühbehandlung einzustellen, welche zu einer Randentkohlung des
Stahlwerkstoffs führt. Diese Randentkohlung bewirkt eine Duktilisierung des oberflächennahen
Gefügebereichs, welche dem andernfalls umformbedingten Rissversagen des Werkstoffs
entgegenwirkt.
[0025] Die Erfindung basiert somit auf dem Gedanken, eine Randentkohlung von walzharten,
für die Kalt- oder Warmumformung vorgesehenen Stahlflachprodukten, d.h. Stahlbändern
oder -blechen, so durchzuführen, dass das nach der Glühbehandlung erhaltene Flachprodukt
einen duktilen, typischerweise ferritischen, oberflächennahen Randbereich bestimmter
Dicke auf den ersten Kornlagen aufweist, welcher die Umformeigenschaften des Stahlprodukts
sowohl für die Kalt- als auch für die Warmumformung verbessert. Insbesondere ist die
Gefahr einer Riss- oder Kerbbildung an der Oberfläche des Stahlprodukts bei dessen
Umformung minimiert.
[0026] Für das erfindungsgemäße Verfahren wesentlich ist dabei, dass die Randentkohlung
des oberflächennahen Gefüges zwar zeitgleich zu einer Glühkonditionierung der Stahloberfläche
für einen nachfolgenden Auftrag einer Korrosionsschutzschicht ablaufen kann, jedoch
einen entkoppelten Reaktionsmechanismus besitzt.
[0027] So erfolgt die Randentkohlung des oberflächennahen Gefügebereichs nach folgendem
Zusammenhang:
[C] + H
2O <-> CO + H
2
mit [C] = gelöster Kohlenstoff,
wogegen die Oxidations-/Reduktionsreaktion der Oberfläche wie folgt abläuft:
x[Me] + yH
20 <-> [Me
xO
y]+yH
2
mit [Me] = jeweiliges Metall
x,y = stöchiometrische Koeffizienten.
[0028] Überraschenderweise gelingt es bei Anwendung der erfindungsgemäß vorgegebenen Glühbedingungen,
die gewünschte Entkohlungstiefe auch bei sehr kurzen Konditionierungszeiten zu erzielen.
So zeichnet sich das erfindungsgemäße Verfahren insbesondere dadurch aus, dass es
auf besonders wirtschaftliche Weise unter Verwendung eines Durchlaufofens durchgeführt
werden kann. Dies ermöglicht es, das erfindungsgemäße Verfahren in kontinuierlich
ablaufende Herstellungsprozesse einzubinden, die hohe Bandgeschwindigkeiten voraussetzen,
wie es beispielsweise in Feuerbeschichtungsanlagen der Fall ist, in denen im kontinuierlichen
Durchlauf Stahlbänder wärmebehandelt und mit einem Korrosionsschutzüberzug schmelztauchbeschichtet
werden.
[0029] Dementsprechend sieht eine besonders vorteilhafte Ausgestaltung der Erfindung vor,
dass das Stahlflachprodukt nach der Glühbehandlung mit einer metallischen Schutzschicht
beschichtet wird. Die Erfindung macht sich insbesondere bei dieser Variante des erfindungsgemäßen
Verfahrens die Erkenntnis zu Nutze, dass sich die Gefahr einer Flüssigmetallversprödung
dadurch minimieren lässt, dass durch eine gezielte Modifikation des oberflächennahen
Bereiches des Stahlflachproduktes der für die Flüssigmetallversprödung anfällige Temperaturbereich
so verschoben werden kann, dass dieser sich nicht mit dem für die Warmumformung typischen
Temperaturintervall deckt.
[0030] Im Fall, dass das erfindungsgemäße Herstellverfahren einer nachfolgenden Schmelztauchbeschichtung
vorgelagert ist, erfolgt die erfindungsgemäß durchgeführte Glühbehandlung zeitgleich
zur Oberflächenkonditionierung für die nachgeschaltete Oberflächenveredelung durch
Kontrolle der oberflächennahen Kohlenstoffeffusion über eine heterogene Glühgas-Metall-Reaktion.
[0031] Dabei ist es besonders vorteilhaft, das erfindungsgemäße Verfahren in einer Feuerbeschichtungsanlage
anzuwenden, da die Glühbehandlung in diesem Fall die Randentkohlung, Oberflächenkonditionierung
und Rekristallisation des Grundwerkstoffs umfassen kann und anschließend die Schmelztauchbeschichtung
in einem kontinuierlichen Verfahrensablauf in-line auf die Glühbehandlung folgend
durchgeführt werden kann.
[0032] Im Zuge der bevorzugt durch Schmelztauchbeschichten durchgeführten Oberflächenveredelung
eines erfindungsgemäß erzeugten Stahlflachproduktes können auf dem Stahlsubstrat an
sich bekannte Überzugssysteme aufgebracht werden, die auf Zn, Al, Zn-Al, Zn-Mg, Zn-Ni,
Al-Mg, Al-Si oder Zn-Al-Mg basieren.
[0033] Alternativ oder ergänzend zur in-line erfolgenden Schmelztauchveredelung kann ein
Stahlband, welches in erfindungsgemäßer Weise in einer Durchlaufglühe mit einer duktilen
entkohlten Randschicht versehen wurde, nachträglich einen metallischen, einen metallischanorganischen
oder einen metallisch-organischen Überzug erhalten, indem es elektrolytisch z.B. mit
einem Zn-, einem ZnNi- oder einem ZnFe-Überzug, per PVD- oder CVD-Abscheidung oder
mittels eines anderen metall-organischen oder metall-anorganischen Überzugsverfahrens
beschichtet wird.
[0034] Gemäß einer für die Praxis besonders wichtigen Verfahrensvariante sieht die Erfindung
somit vor, dass das Stahlflachprodukt in einem kontinuierlich auf die Glühbehandlung
folgend durchgeführten Arbeitsschritt schmelztauchbeschichtet wird. Dabei kann die
Schmelztauchbeschichtung in an sich bekannter Weise als Feuerbeschichtung, insbesondere
Feuerverzinkung, durchgeführt werden. Um dabei eine optimale Haftung der Beschichtung
auf dem Stahlsubstrat zu sichern, kann vor der Feuerbeschichtung eine Oxidation der
Oberfläche des Stahlflachprodukts durchgeführt werden.
[0035] Um die mechanischen Eigenschaften weiter zu optimieren, kann sich an die erfindungsgemäße
Glühbehandlung eine in konventioneller Weise durchgeführte Überalterungsbehandlung
anschließen.
[0036] Dem voranstehend Erläutertem entsprechend weist ein Stahlflachprodukt, das durch
Anwendung eines erfindungsgemäßen Verfahrens hergestellt ist, einen C-Gehalt von 0,1
- 0,4 Gew.-% und eine 10 - 200 µm dicke duktile Randschicht auf, die eine gegenüber
der Kernschicht des Stahlflachprodukts erhöhte Duktilität besitzt.
[0037] Die Dicke der duktilen Schicht lässt sich in üblicher Weise gemäß der in der DIN
EN ISO 3887 festgelegten Vorgehensweise bestimmen. Demnach ist die Gesamtentkohlungstiefe
der Abstand von der Oberfläche bis zu dem Punkt, an dem der Gehalt an Kohlenstoff
dem des unbeeinflussten Kernbereichs entspricht. Auf diese Weise stellt sich im oberflächennahen
Bereich eine Härte im entkohlten Randschichtbereich ein, die nicht höher ist als 75
% der Härte des Kernbereichs, d.h.

[0038] Die duktile Randschicht eines erfindungsgemäß erzeugten Stahlflachproduktes zeichnet
sich mindestens nahe seiner freien Oberfläche typischerweise durch ein ferritisches
Gefüge aus. Dies gilt für einen mehrphasigen Grundwerkstoff, bei dem sich im Bereich
der erfindungsgemäß entkohlten Randschicht ein ferritisches oberflächennahes Gefüge
einstellt, genauso wie für einen einphasigen, typischerweise ferritischen Stahl, bei
dem die erfindungsgemäße Entkohlung in einer Duktilisierung des oberflächennahen Ferrits
resultiert.
[0039] Ein erfindungsgemäß erzeugtes Stahlflachprodukt eignet sich in gleicher Weise zur
Kalt- und Warmformgebung, wobei sich seine besonderen Vorzüge insbesondere bei der
Warmumformung von mit einer metallischen Schutzschicht, insbesondere einer Verzinkung,
versehenen Stahlblechen oder -bändern zeigen. Die erfindungsgemäß für die Kaltumformung
vorgesehenen Stähle weisen typischerweise eine Zugfestigkeit von 500 - 1500 MPa auf.
Für die Warmumformung lassen sich erfindungsgemäß Stähle einsetzen, die nach der Warmumformung
eine Zugfestigkeit von 900 - 200 MPa besitzen.
[0040] Im Fall, dass ein erfindungsgemäß erzeugtes Stahlflachprodukt durch Warmumformung
zu einem Bauteil geformt werden soll, kann das Stahlflachprodukt gemäß der Erfindung
zunächst auf eine oberhalb seiner Ac1-Temperatur liegende Erwärmungstemperatur erwärmt
und dann zu dem Bauteil warmumgeformt werden.
[0041] Soll sich der Warmumformung beispielsweise eine Härtung anschließen, kann das erfindungsgemäße
Stahlflachprodukt problemlos auch auf eine Erwärmungstemperatur erwärmt werden, die
mindestens gleich der Ac3-Temperatur des Stahlflachprodukts ist. Selbst bei einer
so hohen Erwärmungstemperatur ist bei einem erfindungsgemäß erzeugten Stahlflachprodukt
auch dann die Gefahr einer Versprödung minimiert, wenn das Stahlflachprodukt mit einer
metallischen Beschichtung versehen ist, deren Schmelztemperatur kleiner oder gleich
der Erwärmungstemperatur ist. Die durch die erfindungsgemäße Randschichtentkohlung
erzielte Duktilität der Randschicht verhindert eine Rissbildung und stellt so sicher,
dass kein geschmolzenes Metall der Beschichtung in den Kernbereich des Stahlsubstrats
eindringen kann.
[0042] Das erfindungsgemäße Verfahren verbessert somit insbesondere die Umformeigenschaften
von oberflächenveredelten hoch-/ höchstfesten Stahlflachprodukten sowohl für die Kalt-
als auch für die Warmumformung, wobei erfindungsgemäß mit einem metallischen Schutzüberzug
beschichtete Stahlflachprodukte sich besonders vorteilhaft für die Warmumformung eignen.
Dies wird dadurch erreicht, dass erfindungsgemäß durch eine gezielte Glühgas-Metall-Reaktion
in einem Durchlaufofen eine Randentkohlung induziert wird, durch die sich eine duktile,
typischerweise ferritische Randschicht bildet. Diese schirmt den festen, spröden Stahl-Grundwerkstoff
gegen einen von der Oberfläche ausgehenden Rissfortschritt während der Umformung ab.
[0043] Nachfolgend wird die Erfindung anhand von Ausführungsbeispielen näher erläutert.
Es zeigen:
- Fig. 1
- einen senkrechten Anschliff einer erfindungsgemäß randschichtentkohlten Stahlprobe;
- Fig. 2
- einen senkrechten Anschliff einer konventionell geglühten Vergleichsprobe;
- Fig. 3
- GDOES-Tiefenprofile des Kohlenstoffgehaltes der in den Figuren 1 und 2 dargestellten
Proben;
- Fig. 4
- die Ergebnisse von Drei-Punkt-Biegeversuchen mit den in Fig. 1 und 2 dargestellten
Proben.
[0044] Zur Überprüfung der durch das erfindungsgemäße Verfahren erzielten Effekte sind jeweils
walzharte Kaltbandproben eines Mehrphasenstahls "MP" sowie eines üblicherweise für
die Warmumformung eingesetzten Stahls "WU" erzeugt worden. Die Zusammensetzungen der
Stähle MP und WU sind in Tabelle 1 angegeben.
Tabelle 1
| Stahl |
C |
Mn |
P |
Si |
V |
Al |
Cr |
Ti |
B |
Nb |
| [Gew.-%] |
| MP |
0,22 |
1,7 |
0,02 |
0,1 |
0,00 |
1,7 |
0,06 |
0,1 |
0,005 |
0,001 |
| WU |
0,22 |
1,22 |
0,01 |
0,25 |
0,00 |
0,02 |
0,13 |
0,03 |
0,005 |
0,003 |
| Rest Eisen und unvermeidbare Verunreinigungen |
[0045] Zwei aus den Stählen MP und WU gefertigte Proben sind in einem Durchlaufofen für
eine Randschichtentkohlung einer erfindungsgemäßen Glühbehandlung unterzogen worden.
Die dabei angewendeten Glühparameter sind in der Spalte "Erfindungsgemäß" der nachfolgenden
Tabelle 2 angegeben.
[0046] Zum Vergleich sind zwei weitere aus den Stählen MP und WU gefertigte Proben in dem
Durchlaufofen einer konventionellen Glühung unterzogen worden, wie sie üblicherweise
zur Vorbereitung einer Schmelztauchverzinkung durchgeführt wird.
[0047] Um die mechanischen Eigenschaften der Proben zu optimieren, ist zusätzlich eine Überalterungsbehandlung
durchgeführt worden. Diese hat keinen Einfluss auf die Ausbildung der entkohlten Randschicht,
sondern erfolgte lediglich optional zur Verbesserung der Eigenschaften des Bandes.
[0048] Die bei der Überalterungsbehandlung angewendeten, für beide Versuche gleichen Parameter
sind ebenfalls in Tabelle 2 angegeben.
Tabelle 2
| Arbeitsschritt |
Erfindungsgemäß |
Konventionell |
| Glühbehandlung |
| Aufheizrate |
10 K/s |
10 K/s |
| Haltetemperatur |
800 °C |
800 °C |
| Haltezeit |
120 s |
60 s |
| Glühatmosphäre Taupunkt |
5 % H2 |
5 % H2 |
| 95 % N2 |
95 % N2 |
| +5 °C |
-30 °C |
| Abkühlrate nach dem Halten |
20 K/s |
20 K/s |
| Überalterungsbehandlung |
| Temperatur der Überalterungsbehandlung |
480 °C |
480 °C |
| Dauer der Überalterungsbehandlung |
20 s |
20 s |
| Atmosphäre der Überalterungsbehandlung Taupunkt |
5 % H2 |
5 % H2 |
| 95 % N2 |
95 N2 |
| +5 °C |
-30 °C |
| Abkühlung auf Raumtemperatur |
[0049] In Fig. 1 ist das Schliffbild der aus dem Stahl MP erzeugten und erfindungsgemäß
glühbehandelten Probe dargestellt. Es ist deutlich zu erkennen, dass sich in Folge
der erfindungsgemäßen Vorgehensweise ein entkohlter oberflächennaher Gefügebereich
(Randschicht "R") eingestellt hat.
[0050] Das Schliffbild der ebenfalls aus dem Stahl MP erzeugten, jedoch einer konventionellen
Glühbehandlung unterzogenen Probe zeigt dagegen keinen entkohlten Bereich (Fig. 2).
[0051] An den erfindungsgemäß und konventionell glühbehandelten, aus dem Stahl MP erzeugten
Proben sind zusätzlich GDOES-Messungen des Kohlenstoffgehaltes durchgeführt worden.
Bei dem GDOES-Messverfahren ("GDOES" = Glow Discharge Optical Emission Spectrometre)
handelt es sich um ein Standartverfahren zum schnellen Erfassen eines Konzentrationsprofils
von Beschichtungen. Es ist beispielsweise im VDI-Lexikon Werkstofftechnik, hrsg. von
Hubert Gräfen, VDI-Verlag GmbH, Düsseldorf 1993 beschrieben.
[0052] Das Ergebnis der GDOES-Messungen ist in Fig. 3 zusammengefasst, wobei die gestrichelte
Linie die Kohlenstoffverteilung der konventionell behandelten Probe und die durchgezogene
Linie die Kohlenstoffverteilung der erfindungsgemäß behandelten Probe wiedergibt.
[0053] Auch Fig. 3 zeigt deutlich, dass die erfindungsgemäß behandelte Probe eine ausgeprägte
entkohlte Randschicht R aufweist, deren Dicke ca. 40 µm beträgt. Dagegen liegt eine
solche Randschicht bei der konventionell behandelten Probe nicht vor.
[0054] Anhand von Mikrohärte-Messungen konnte nachgewiesen werden, dass der bei der aus
dem Stahl MP erzeugten, erfindungsgemäß wärmebehandelten Probe entkohlte Randbereich
R eine Mikrohärte von 163 HV und der nicht entkohlte Kernbereich K eine Härte von
255 HV aufweist. Das %-Verhältnis Hv
R/Hv
K aus Härte Hv
R des entkohlten Randbereichs R zu Härte Hv
K des Kernbereichs K betrug somit 64 % und lag damit deutlich unter dem erfindungsgemäß
für dieses Verhältnis vorgegebenen Wert von 75 %.
[0055] Im Anschluss an die Glühung erfolgte eine Oberflächenveredelung der Proben, bei der
Zink elektrolytisch auf die Proben aufgebracht worden ist.
[0056] Anschließend ist ein Drei-Punkt-Biegeversuch an den beschichteten Proben sowohl vor
als auch nach einer Presshärtung durchgeführt worden. Die Ergebnisse der Versuche
sind für die aus dem Stahl MP gefertigten Proben in Fig. 4 zusammengefasst. Der Biegewinkel
Bw der erfindungsgemäß erzeugten Probe ist darin durch den schwarzen und der Biegewinkel
Bw der konventionell erzeugten Probe durch den weißen Balken symbolisiert. Auch hier
wird deutlich, dass die erfindungsgemäß erzeugten und behandelten Proben deutlich
bessere Umformund Biegeeigenschaften aufweisen als die konventionell verarbeiteten
Proben.
[0057] Für die aus dem Stahl WU erzeugten, glühbehandelten, verzinkten und verformten Proben
konnten für die erfindungsgemäß und die konventionell glühbehandelten Proben vergleichbare
Ergebnisse nachgewiesen werden.
1. Verfahren zum Herstellen eines gut umformbaren Stahlflachprodukts, das einen C-Gehalt
von 0,1 - 0,4 Gew.-% aufweist, bei dem das Stahlflachprodukt in einem Durchlaufofen
einer Glühbehandlung unterzogen wird, dadurch gekennzeichnet,
dass die Glühbehandlung unter einer Glühatmosphäre durchgeführt wird, die 0,1 - 25 Vol.-%
H2, H2O und als Rest N2 sowie technisch bedingt unvermeidbare Verunreinigungen enthält und die einen zwischen
-20 °C und +60 °C liegenden Taupunkt aufweist, wobei das Verhältnis H2O/H2 der Glühatmosphäre höchstens gleich 0,957 ist, und
dass das Stahlflachprodukt im Zuge der Glühbehandlung auf eine 600 - 1100 °C betragende
Haltetemperatur erwärmt wird, bei der es für eine 10 - 360 s dauernde Haltezeit gehalten
wird,
so dass das nach der Glühbehandlung erhaltene Stahlflachprodukt eine 10 - 200 µm dicke,
an seine freie Oberfläche angrenzende duktile Randschicht mit einer Duktilität aufweist,
die größer ist als die innenliegende, von der Randschicht bedeckte Kernschicht des
Stahlflachprodukts.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Stahlflachprodukt nach der Glühbehandlung mit einer metallischen Schutzschicht
beschichtet wird.
3. Verfahren nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass das Stahlflachprodukt in einem kontinuierlich auf die Glühbehandlung folgend durchgeführten
Arbeitsablauf schmelztauchbeschichtet wird.
4. Verfahren nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass das Stahlflachprodukt nach der Glühbehandlung feuerbeschichtet wird.
5. Verfahren nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass vor der Feuerbeschichtung eine Oxidation der Oberfläche des Stahlflachprodukts durchgeführt
wird.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 2 oder 3, dadurch gekennzeichnet, dass das Stahlflachprodukt mit einem metallisch-organischen Überzug beschichtet wird.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 2 oder 3, dadurch gekennzeichnet, dass das Stahlflachprodukt mit einem metallischanorganischen Überzug beschichtet wird.
8. Verfahren nach einem der voranstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der C-Gehalt des Stahlflachproduktes weniger als 0,38 Gew.-% beträgt.
1. Method for producing a readily formable flat steel product which has a C content of
from 0.1 to 0.4% by weight, in which the flat steel product is subjected in a continuous
furnace to an annealing treatment, characterised in that the annealing treatment is carried out under an annealing atmosphere which contains
from 0.1 to 25% by vol. of H2, H2O, with the balance being N2 and technically unavoidable impurities as the balance and which has a dew point between
-20°C and +60°C, the relationship H2O/H2 of the annealing atmosphere being a maximum of 0.957 and in that, in the course of the annealing treatment, the flat steel product is heated to a
holding temperature which is from 600 to 1100°C and at which it is held for a holding
time which is from 10 to 360 seconds, so that the flat steel product obtained after
the annealing treatment has a ductile edge layer which is from 10 to 200 µm thick
and which adjoins its free surface and which has a ductility greater than the ductility
of the inner core layer of the flat steel product that is covered by the edge layer.
2. Method according to claim 1, characterised in that the flat steel product is coated with a metal protective layer after the annealing
treatment.
3. Method according to claim 2, characterised in that the flat steel product is hot-dip-coated in an operating sequence which is carried
out continuously following the annealing treatment.
4. Method according to claim 2, characterised in that the flat steel product is hot-coated after the annealing treatment.
5. Method according to claim 4, characterised in that oxidation of the surface of the flat steel product is carried out before the hot
coating.
6. Method according to either claim 2 or claim 3, characterised in that the flat steel product is coated with a metal/organic coating.
7. Method according to either claim 2 or claim 3, characterised in that the flat steel product is coated with a metal/inorganic coating.
8. Method according to any one of the preceding claims, characterised in that the C content of the flat steel product is less than 0.38% by weight.
1. Procédé de fabrication d'un produit en acier plat facilement formable qui présente
une teneur en C allant de 0,1 à 0,4 % en poids, lors duquel le produit en acier plat
est soumis à un traitement de recuit dans un four à passage continu, caractérisé en ce que
le traitement de recuit est effectué sous une atmosphère de recuit qui contient de
0,1 à 25 % en volume de H2, de l'H2O et comme reste du N2, ainsi que des impuretés techniquement inévitables et qui présente un point de rosée
compris entre -20 °C et +60 °C, auquel cas le rapport H2O/H2 de l'atmosphère de recuit est tout au plus égal à 0,957,
et en ce que le produit en acier plat est chauffé, au cours du traitement de recuit, à une température
de maintien allant de 600 à 1 100 °C, à laquelle il est maintenu pendant un temps
de maintien de 10 à 360 s,
de telle sorte que le produit en acier plat, obtenu après le traitement de recuit,
présente une couche de bordure ductile d'une épaisseur allant de 10 à 200 µm, attenante
à sa surface libre, d'une ductilité supérieure à celle de la couche de coeur du produit
en acier plat, située à l'intérieur et recouverte par la couche de bordure.
2. Procédé selon la revendication 1, caractérisé en ce que le produit en acier plat est revêtu d'une couche métallique de protection après le
traitement de recuit.
3. Procédé selon la revendication 2, caractérisé en ce que le produit en acier plat est revêtu par immersion dans une masse fondue dans une
étape de travail effectuée en continu à la suite du traitement de recuit.
4. Procédé selon la revendication 2, caractérisé en ce que le produit en acier plat est revêtu au feu après le traitement de recuit.
5. Procédé selon la revendication 4, caractérisé en ce qu'avant le revêtement au feu l'on procède à une oxydation de la surface du produit en
acier plat.
6. Procédé selon l'une des revendications 2 ou 3, caractérisé en ce que le produit en acier plat est revêtu d'un enrobage métallique-organique.
7. Procédé selon l'une des revendications 2 ou 3, caractérisé en ce que le produit en acier plat est revêtu d'un enrobage métallique-inorganique.
8. Procédé selon l'une quelconque des revendications précédentes, caractérisé en ce que la teneur en C du produit en acier plat est inférieure à 0,38 % en poids.