(57) Die Erfindung betrifft einen Draht zur Stahlpfanne-Behandlung von Metallschmelzen
mittels Kalziums, der aus einer Stahlhülle und einer Pulverfüllung besteht. Der Draht
ist dabei dadurch mittels Kalziums verbessert, dass dem Kalzium Silizium, Aluminium,
Kohlenstoff, Phosphor und Eisen beigegeben sind, dass die Pulverfüllung zusätzlich
Mangan, Chrom, Schwefel und Begleitelemente wie Stickstoff, Magnesium, Strontium,
Titan usw. aufweist, dass Silizium in der Füllungszusammensetzung in Form einer Legierung
mit Eisen vorliegt und dass das Verhältnis zwischen den Bestandteilen der Drahtpulverfüllung
durch ganz bestimmte Mengen in % (Gew.) vorgegeben ist.
[0001] Die Erfindung betrifft einen Draht zur Stahlpfanne-Behandlung von Metallschmelzen
mittels Kalziums nach dem Oberbegriff des Anspruchs 1.
[0002] Die Erfindung ist in der Eisenhüttenkunde und zwar bei der Behandlung von Metallschmelzen
in einer Stahlpfanne (nicht in einem Ofen) unter Einsatz von pulverartigen Reaktionsmitteln
einsetzbar.
[0003] Zur Zeit ist bei der Stahlpfanne-Behandlung eines flüssigen Stahls ein Draht zur
Stahlpfanne-Behandlung von Metallschmelzen eingesetzt. Der Draht besteht aus einer
Stahlhülle und einer Pulverfüllung. Die Pulverfüllung weist Kalzium, Silizium, Aluminium,
Kohlenstoff, Phosphor und Eisen auf. Dabei ist Kalzium in der Pulverfüllung sowohl
als Kalzium-Silizium-Legierung als auch pur vertreten (s.
RU 2289631 C1, 15.03.2006). Dieser Draht ist zur Umwandlung von nichtmetallischen Einschlüssen und zur Sicherstellung
von einer Stahlgießbarkeit eingesetzt. Die Anwendung dieses Drahts zur Stahlpfanne-Behandlung
ermöglicht, die Einsatzwirksamkeit von Kalzium im Vergleich zum üblichen SiCa-Draht
etwas zu erhöhen. Zugleich erlaubt der in der Füllungszusammensetzung angegebene Anteil
von Kalzium und Silizium es nicht, stabile, chemisch feste Kalzium-Silizium-Verbindungen
zu bilden. Die Schmelztemperatur solcher Verbindungen ist normalerweise niedrig (liegt
unter 1000° C). Dies führt zu einem erhöhten Kalziumbrand, einem niedrigen Kalziumaufnahmegrad
und einem erhöhten Drahtverbrauch. Das Fehlen von Mangan und Chrom in der Füllungszusammensetzung
verlangsamt in einem bestimmten Maße die Bildung von einer Eisen-Kalzium-Silizium-Vorlegierung
in dem Draht und verhindert so eine Synchronisation von solchen Vorgängen wie die
Bildung einer Vorlegierung und ihre Freisetzung in das flüssige Metall. Das ist durch
die Kalziumdampferzeugung im Draht und das Hüllenplatzen in einer unzureichenden Tiefe
verursacht. Dadurch können unstabile Ergebnisse bei der Drahtverwendung entstehen.
[0004] Es ist Aufgabe der Erfindung, den Draht zur Stahlpfanne-Behandlung von Metallschmelzen
mittels Kalziums zu verbessern.
[0005] Die gestellte Aufgabe wird durch die Merkmale des Anspruchs 1 gelöst.
[0006] Der Draht zur Stahlpfanne-Behandlung von Metallschmelzen mittels Kalziums besteht
aus einer Stahlhülle und einer Pulverfüllung. Die Pulverfüllung weist Kalzium, Silizium,
Aluminium, Kohlenstoff, Phosphor und Eisen sowie zusätzlich Mangan, Chrom, Schwefel
und Begleitelemente (Stickstoff, Magnesium, Strontium, Titan u a. m.) auf. Dabei ist
Silizium in der Füllungszusammensetzung als Silizium-Eisen-Legierung präsent. Das
Verhältnis zwischen den Bestandteilen der Drahtpulverfüllung ist in % (Gew.) wie folgt
festgelegt:
| Kalzium |
25 - 52; |
| Silizium |
29 - 66; |
| Aluminium |
max. 2,9; |
| Mangan |
max. 1,1; |
| Kohlenstoff |
max. 0,6; |
| Chrom |
max. 0,6; |
| Phosphor |
max. 0,055; |
| Schwefel |
max. 0,055; |
| Begleitelemente (Stickstoff, Magnesium, Strontium, Titan u. a. m.) |
max. 0,65; |
| Eisen |
Rest. |
[0007] Dafür ist die Zusammensetzung der Drahtfüllung durch zusätzliche Bestandteile wie
Mangan, Chrom, Schwefel usw. ergänzt. Das Silizium ist als eine Legierung mit Eisen
verwendet. Dabei sind bestimmte optimale Verhältnisse zwischen allen Bestandteilen
der Füllung festgelegt.
[0008] Durch die Lösung dieser Aufgabe ist Folgendes erreicht:
- Je nach Eintauchen des Drahts in das Metallbad bildet sich schnell innerhalb des Drahts
eine homogene Eisen-Kalzium-Silizium-Legierung (mit den Begleitelementen Aluminium,
Kohlenstoff, Mangan, Chrom, Phosphor u. a. m.)
- Eine Mischschmelze mit relativ hoher Schmelztemperatur (über 1200° C) ist gebildet.
- Die Temperatur des zu behandelnden Metalls im lokalen Zusammenwirkungsbereich ist
gesenkt.
- Die Vorgänge der Bildung, der Freisetzung in das Metallbad und die Abschmelzung der
im Draht entstandenen Legierung ist synchronisiert.
- Ein tiefgreifendes Kalziumpassivieren ist erzielt.
- Die größte Metallmenge in der Pfanne ist in die Reaktion der Kalzium-Schmelze-Wechselwirkung
einbezogen. Damit ist die Kalzium-Einsatzwirksamkeit wesentlich erhöht. Als Ergebnis
ist eine vollständige Abrundung der nichtmetallischen Einschlüsse beachtlich erhöht,
und der Aufwand im Zusammenhang mit der Drahtbehandlung und dem Drahtverbrauch ist
verringert.
[0009] Als Silizium-Eisen-Legierung ist Ferrosilizium mit einem Si-Gehalt von 60 - 95 %
(Gew.) verwendet. Das Kalzium ist in der Füllungszusammensetzung in Form von Metallkörnern
mit einem Reinkalziumgehalt Ca von min. 95,0 % (Gew.) enthalten.
[0010] Eisen gilt bekanntlich als Basis für die Bildung einer Eisen-Kalzium-Silizium-Legierung.
Die Legierung mit einem solchen Füllungskomponentenverhältnis ist homogen und weist
eine gleichmäßige Verteilung von Kalzium sowohl im Querschnitt als auch im Drahtumfang
auf. Darum bilden sich in der Tiefe der Schmelze keine mit Kalzium übersättigten Lokalzonen
oder umgekehrt. Zur Drahtherstellung ist meistens ein solches Material verwendet,
welches die Silizium-Eisen-Legierung (Ferrosilizium) und metallenes Kalzium aufweist.
Insgesamt enthalten sie alle genannten Bestandteile. Die Kalzium- und Siliziumanteilgrenzwerte
in der Pulverfüllung sind durch die Bildung einer beständigen Kalzium-Siliziumverbindung
mit einer relativ hohen Schmelztemperatur bedingt, damit die wirksamste Kalziumnutzung
erreicht ist. Die Füllungszusammensetzung weist auch Mangan und Chrom in den angegebenen
Mengen auf. Dank diesen Begleitelementen ist die Bildung einer Eisen-Kalzium-Silizium-Vorlegierung
im Draht beschleunigt. Der Gehalt an Phosphor und Schwefel ist dadurch begrenzt, dass
ihr Gehalt im Stahl während der Behandlung bei einer solchen Menge (über 0,055%) zunimmt.
Das verursacht seinerseits negative Auswirkungen und eine begrenzte Drahtanwendung,
besonders bei der Behandlung von wichtigen Stahlsorten. Das Vorhandensein von Aluminium
und Kohlenstoff in der Pulverfüllung ist einerseits durch die Besonderheiten des Produktionsverfahrens
des Materials bedingt, welches die Silizium-Eisen-Legierung (Ferrosilizium) enthält.
Es handelt sich dabei um eine aluminothermische oder kohlenstoffthermische Legierung.
Andererseits erhöht die Präsenz dieser Elemente in der Pulverfüllung in der angegebenen
Menge die Kalzium-Einsatzwirksamkeit. Das ist dank einer vorzeitigen Metallberuhigung
im lokalen Zusammenwirkungsbereich möglich. Diese erhöhte Kalzium-Einsatzwirksamkeit
ist durch gezielt durchgeführte Forschungen nachgewiesen. Je nach dem Eintauchen des
Drahts in das Stahlbad schmilzt metallenes Kalzium im Draht ab (die Schmelztemperatur
von Kalzium beträgt 851° C, die Verdampfungstemperatur ist dagegen 1492° C). Danach
wird auch das in der Silizium-Eisen-Legierung enthaltene Material abgeschmolzen (die
Schmelztemperatur der Silizium-Eisen-Legierung (Ferrosilizium) bei einem Si-Gehalt
von 60 - 95% ist 1200 - 1400° C). Danach ist das Kalzium im geschmolzenen Silizium-Eisen-Legierung-haltigen
Material aufgelöst (Kalzium löst sich im Silizium unbegrenzt auf). Im Draht entsteht
die Eisen-Kalzium-Silizium-Legierung mit einer relativ hohen Schmelztemperatur (über
1200° C). Je nach der Bildung der Eisen-Kalzium-Silizium- Legierung und dem Abschmelzen
der Drahthülle läuft eine Gesamtheit von Zusammenwirkungsprozessen von Ca, Si und
deren Verbindungen FeSi, FeSi
2 u. a. m. ab (Erhitzung, Auflösung, Verdampfung, Zersetzung, Phasenübergang usw.).Die
Abschmelzung findet im Draht als auch an einer lokalen Stelle der Freisetzung der
Füllung in die Schmelze (Eintritt der Füllung in die Schmelze) statt. Das senkt die
Temperatur innerhalb der Mikroräume in den Bereichen der Zusammenwirkung von der gebildeten
Vorlegierung und der Schmelze. Als Ergebnis nehmen die Aktivität und die Kalzium-dampftension
ab. Die Temperatur seiner Verdampfung aus der Metallschmelze steigt an. Im lokalen
Bereich der Zusammenwirkung mit der Schmelze löst sich das Kalzium auf und rundet
dabei alle nichtmetallischen Einschlüsse ab. Sind die genannten Grenzwerte für das
Verhältnis zwischen den Füllungsbestandteilen nicht eingehalten, so ist die gebildete
Legierung inhomogen. Ihre einzelnen Teile sind mit Kalzium übersättigt. Andere Teile
weisen unzureichende Mengen von Kalzium auf. Das ruft einen pyroelektrischen Effekt,
Überschwingungen und unstabile Ergebnisse bei der Drahtanwendung hervor. Der Behandlungsvorgang
des flüssigen Stahls mit dem Draht mit allen angegebenen Kennwerten verläuft glatt,
ohne Überschwingungen und Barbotage. Das alles ermöglicht es, den Kalziumausnutzungsgrad
beachtlich zu senken. Dabei sind auch die Staub- und Gasbildung verringert.
[0011] Die Verwendung von Draht mit den angeführten Kenndaten vermindert den Aufwand für
die Drahtherstellung und die -behandlung sowie den Drahtverbrauch. Um den Drahtverbrauch
zu optimieren, ist als Silizium-Eisen-Legierung Ferrosilizium mit einem Si-Gehalt
von 60 - 95 % (Gew.) eingesetzt. Das Kalzium ist in der Füllungszusammensetzung in
Form von Metallkörnern mit einem Reinkalziumgehalt Ca von min. 95,0 % (Gew.) präsent.
[0012] Der Fülldraht ist auf folgende Weise gefertigt. Ein Metallband ist zu einer rinnenähnlichen
Hülle geformt. Die Hülle ist mit pulverartigem Ferrosilizium und metallenem Kalzium
aus zwei Behältern dosiert gefüllt. Diese zwei Pulver werden gleichmäßig über die
Rinne der Hülle verteilt. Danach ist die Hülle mittels Rollengerüsten gestaucht, und
ein Verschluss ist ausgebildet. Der fertige Draht ist auf eine Spule aufgebracht und
den jeweiligen Produktionsbereichen der Stahlbehandlung zugeführt.
[0013] Die Probeproduktion und -anwendung des erfindungsgemäßen Drahts ist in einem Eisenhüttenwerk
durchgeführt worden. Der Draht mit ∅ 13 mm ist mit einer Füllung in einer Menge von
220 g/m gefüllt. Die Zusammensetzung der Füllung, % (Gew.): Kalzium - 40; Silizium
- 40; Aluminium - 2,0; Mangan - 0,8; Kohlenstoff - 0,4; Chrom - 0,4; Phosphor - 0,04;
Schwefel - 0,04; Begleitelemente (Stickstoff, Magnesium, Strontium, Titan u. a. m.)
- 0,04; Eisen - Rest). Der Draht ist mittels eines Drahteinspulsystems in die Stahlpfanne
im Pfannenofen nach dem Ausgleichsblasen während einer 1008-Stahlproduktion eingespult.
Der Drahtverbrauch betrug 225 Meter pro eine 150-t-Pfanne (0,57 kg/t von Stahl). Es
sind 10 Stahlbehandlungen vorgenommen worden. Der Kalziumgehalt im Fertigmetall (Probe
in der Stranggussanlage) beträgt durchschnittlich 0,0020%. Die Aufnahme ist 27,8%.
Alle nichtmetallischen Einschlüsse sind abgerundet. Das Metall ist in der Stranggussanlage
vollständig abgegossen und weist erhöhte Gießfähigkeiten und mechanische Eigenschaften
auf.
[0014] In demselben Eisenhüttenwerk sind auch Vergleichsbehandlungen durchgeführt worden.
Dabei ist ein Draht mit folgender Zusammensetzung der Füllung, % (Gew.), eingesetzt
worden: Kalzium - 40; Silizium - 46; Aluminium - 1,0; Kohlenstoff - 1,0, Phosphor
- 0,04, Eisen - Rest). Dabei ist dieser Draht aus einer Mischung von Silikokalzium
SK30 und Metallkalzium gefertigt. Der Draht mit einem Durchmesser ∅ 13 mm ist mit
220 g/m Pulver gefüllt. Der Draht ist mittels eines Drahteinspulsystems in die Stahlpfanne
im Pfannenofen nach dem Ausgleichsblasen während einer 1008-Stahlproduktion eingeführt.
Der Kalziumgehalt im Fertigmetall betrug durchschnittlich (Probe in der Stranggussanlage)
0,0013%. Die Aufnahme betrug 18,1%. Um die gleichen Werte von Kalziumanteil im Fertigmetall
zu erhalten, wie es beim erfindungsgemäßen Draht der Fall ist, muss um 54% (rel.)
mehr Vergleichsdraht eingespult werden (0,88 kg/t Stahl). Dabei sind die Gesamtkosten
für die Pfannenbehandlung von Stahl mit Kalzium beim Einsatz dieses Drahts um 95%
höher. Beim Gießen der mit diesem Draht behandelten Stähle sind in der Stranggussanlage
manchmal Gießhörner mit einbezogen. Dies zeugt von einer unvollständigen Abrundung
der nichtmetallischen Einschlüsse. Es ist auch wegen des Phosphorgehalts mehr Ausschuss
festzustellen.
1. Draht zur Stahlpfanne-Behandlung von Metallschmelzen mittels Kalziums, bestehend aus
einer Stahlhülle und einer Pulverfüllung,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Pulverfüllung aus Kalzium, Silizium, Aluminium, Kohlenstoff, Phosphor und Eisen
besteht, wobei die Pulverfüllung zusätzlich Mangan, Chrom, Schwefel und Begleitelemente
(Stickstoff, Magnesium, Strontium, Titan u. a. m.) aufweist und
dass Silizium in der Füllungszusammensetzung in Form einer Legierung mit Eisen vertreten
ist, wobei das Verhältnis zwischen den Bestandteilen der Drahtpulver-füllung in %
(Gew.) wie folgt festgelegt ist:
| Kalzium |
25 - 52; |
| Silizium |
29 - 66; |
| Aluminium |
max. 2,9; |
| Mangan |
max. 1,1; |
| Kohlenstoff |
max. 0,6; |
| Chrom |
max. 0,6; |
| Phosphor |
max. 0,055; |
| Schwefel |
max. 0,055; |
| Begleitelemente (Stickstoff, Magnesium, Strontium, Titan u. a. m.) |
max. 0,65; |
| Eisen |
Rest. |
2. Draht nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass Ferrosilizium mit einem Si-Gehalt von 60 - 95% (Gew.) als Silizium-Eisen-Legierung
benutzt ist.
3. Draht nach Anspruch 1 und 2,
dadurch gekennzeichnet,
dass Kalzium in der Füllungszusammensetzung in Form von Metallkörnern mit einem Reinkalziumgehalt
Ca von min. 95,0% (Gew.) verwendet ist.