TECHNISCHES GEBIET
[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft eine Schusswaffen-Zielvorrichtung. Sie betrifft
weiterhin eine Schusswaffe mit einem ein Geschoss führenden Lauf und einer derartigen
Zielvorrichtung. Schließlich betrifft die Patentanmeldung auch ein Verfahren zum Ausrichten
einer mit der Schusswaffen-Zielvorrichtung ausgestatteten Schusswaffe.
HINTERGRUND DER ERFINDUNG
[0002] Herkömmliche Schusswaffen erfordern, dass der Schütze die Schusswaffe entweder über
Kimme und Korn oder mittels einer optischen Visiereinrichtung, wie einem Zielfernrohr,
auf das Ziel ausrichtet. Insbesondere bei Geschossen mit großer Masse und verhältnismäßig
niedriger Geschossgeschwindigkeit, wie dies beispielsweise bei Gewehrgranaten oder
bei Panzerfäusten der Fall ist, muss beim Anvisieren die Krümmung der ballistischen
Geschossflugbahn berücksichtigt werden. Dazu werden im Stand der Technik mechanische
Leitvisiere zur Überhöhungseinstellung in Verbindung mit Visierrechnem eingesetzt.
Diese Mittel sind jedoch im allgemeinen schwer und sperrig, so dass sie von einem
mobilen Schützen nur unter unnötig hoher Marschbelastung mitgeführt werden können.
DARSTELLUNG DER ERFINDUNG
[0003] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es daher, eine Schusswaffen-Zielvorrichtung
sowie eine diese Zielvorrichtung aufweisende Schusswaffe anzugeben, durch die für
den Schützen eines ballistischen Geschosses der Zielvorgang erleichtert und beschleunigt
wird.
[0004] Der die Zielvorrichtung betreffende Teil der Aufgabe wird gelöst durch eine Schusswaffen-Zielvorrichtung
mit den Merkmalen des Patentanspruchs 1. Diese erfindungsgemäße Schusswaffen-Zielvorrichtung
ist versehen mit einer Bilderfassungseinrichtung, einer Entfernungsmesseinrichtung,
einer Inertialmesseinheit, einem Steuerungscomputer und einer Bildwiedergabeeinrichtung.
VORTEILE
[0005] Eine derart ausgebildete erfindungsgemäße Schusswaffen-Zielvorrichtung ermöglicht
es, den Schützen in Form eines Zielassistenten beim zuverlässigen Anvisieren eines
Zielobjekts zu unterstützen, um für eine vorgegebene Munition, also für ein vorgegebenes
Geschoss, und für eine ermittelte Entfernung den optimalen Abschusswinkel zu finden.
Durch das Vorsehen einer beispielsweise als hochauflösende digitale Kamera ausgebildeten
Bilderfassungseinrichtung und einer mit dieser verbundenen Bildwiedergabeeinrichtung
kann der Schütze das Ziel vom Beginn des Zielvorgangs bis zum Abschuss im Sichtfeld
behalten. Ist die Kamera mit einer Zoom-Vorrichtung versehen, so kann der Schütze
das Zielobjekt sogar präzise anvisierten und dabei den Auftreffpunkt des Geschosses
exakt festlegen.
[0006] Vorteilhaft ist bei dieser Schusswaffen-Zielvorrichtung auch, dass sie keine mechanisch
beweglichen Elemente aufweist und somit nahezu verzögerungsfrei auf Bewegungen des
Schützen reagiert. Durch Verwendung elektronischer Baugruppen kann die Schusswaffen-Zielvorrichtung
klein und leicht ausgebildet werden. Sie eignet sich daher besonders für den mobilen
Einsatz bei Bodentruppen.
[0007] Der auf die Schusswaffe gerichtete Teil der Aufgabe wird gelöst durch die im Patentanspruch
2 angegebene Schusswaffe.
[0008] Bei dieser Schusswaffe mit einem ein Geschoss führenden Lauf und einer erfindungsgemäßen
Schusswaffen-Zielvorrichtung ist der Steuerungscomputer so ausgebildet, dass er ein
von der Bilderfassungseinrichtung aufgenommenes Bild eines Zielobjekts derart auf
der Bildwiedergabeeinrichtung anzeigt, dass das Bild des Zielobjekts dann mit einer
Visiermarkierung in Überdeckung ist, wenn der Elevations-Winkel der Laufachse dem
Steigungswinkel der in Abhängigkeit von der Richtung zum Zielobjekt und der von der
Entfernungsmesseinrichtung ermitteltenen Entfernung zum Zielobjekt und unter Berücksichtigung
von Waffen- und Geschossparametern vom Steuerungscomputer berechneten Geschossflugbahn
zum Zielobjekt entspricht. Die Geschossflugbahn wird dabei vom Steuerungscomputer
berechnet nachdem mittels der Entfernungsmesseinrichtung die Entfernung zum anvisierten
Zielobjekt ermittelt und die Richtung zum Zielobjekt bestimmt worden ist.
[0009] Diese erfindungsgemäße Schusswaffe, die mit einer erfindungsgemäßen Zielvorrichtung
versehen ist, ermöglicht ein schnelles und präzises Anvisieren eines Zielobjekts und
ein Ausrichten des Laufs der Schusswaffe unter Berücksichtigung der zu erwartenden
ballistischen Bahn des Geschosses. Doch nicht nur diese im Wesentlichen vertikale
Ausrichtung der Schusswaffe, sondern auch ein Verfolgen eines bewegten Zieles in horizontaler
Richtung ist mittels dieser erfindungsgemäßen Schusswaffe schnell und problemlos möglich,
ohne dass dadurch die Zielpräzision abnimmt.
[0010] Vorzugsweise verläuft die optische Achse der Entfernungsmesseinrichtung parallel
zur Laufachse. Dadurch ist es möglich, den Lauf der Schusswaffe bereits bei der Entfemungsmessung
direkt auf das Ziel auszurichten, so dass dann, wenn keine ballistische Korrektur
erforderlich ist, sofort auf das Ziel abgefeuert werden kann.
[0011] In einer weiteren bevorzugten Ausführungsform ist die optische Achse der Bilderfassungseinrichtung
in Bezug auf die Laufachse nach unten geneigt. Dadurch wird erreicht, dass beim Ausrichten
des Laufs der Schusswaffe nach oben, also dann, wenn das Geschoss auf einer deutlich
gekrümmten ballistischen Flugbahn fliegt, die Bilderfassungseinrichtung, also beispielsweise
die digitale Videokamera, stets auf einen großen Ausschnitt des zwischen dem Schützen
und dem Zielobjekt gelegenen Bodenbereichs gerichtet ist, so dass der Schütze diesen
Bodenbereich auch dann auf der Bildwiedergabeeinrichtung beobachten kann, wenn die
Schusswaffe nach oben geneigt ist.
[0012] Die Erfindung ist weiterhin gerichtet auf ein Verfahren zum Ausrichten einer mit
der erfindungsgemäßen Schusswaffen-Zielvorrichtung ausgestatteten Schusswaffe, wobei
sich das Verfahren durch die folgenden Schritte auszeichnet:
- a) Anzeigen einer Visiermarkierung auf der Bildwiedergabeeinrichtung derart, dass
die Visiermarkierung einen Bereich des von der Bilderfassungseinrichtung erfassten
Bildes markiert, der in linearer Verlängerung der optischen Achse der Entfernungsmesseinrichtung
liegt, so dass die Visierlinie und die optische Achse der Entfernungsmesseinrichtung
parallel verlaufen;
- b) Anvisieren eines Zielobjekts derart, dass sich das auf der Bildwiedergabeeinrichtung
angezeigte Bild des Zielobjekts mit der Visiermarkierung überdeckt;
- c) Ermitteln der Entfernung zum anvisierten Zielobjekt mittels der Entfemungsmesseinrichtung;
- d) Bestimmen des dem Ziel-Höhenwinkel entsprechenden Neigungswinkels der Zielvorrichtung
mittels der Inertialmesseinheit im Augenblick der Entfernungsermittlung nach Schritt
c);
- e) Berechnen des erforderlichen Schusswinkels im Steuerungscomputer auf der Grundlage
der im Schritt c) ermittelten Entfernung und des im Schritt d) ermittelten Ziel-Höhenwinkels
sowie in einer Speichereinrichtung des Steuerungscomputers abgespeicherten Waffen-
und Geschossparametern;
- f) Veränderung der Darstellung auf der Bildwiedergabeeinrichtung derart, dass die
Visiermarkierung verlagert wird und mit einem Bildausschnitt in Überdeckung gerät,
der einem in der ermittelten Entfernung und der Zielrichtung liegenden Punkt der berechneten
Geschossflugbahn entspricht; und
- g) Nachführen der Schusswaffe bis die im Schritt f) verlagert dargestellte Visiermarkierung
in Überdeckung mit dem angezeigten Bild des Zielobjekts gerät.
[0013] Durch dieses erfindungsgemäße Verfahren wird der Schütze durch den Vorgang des Anvisierens
geleitet, wobei der Steuerungscomputer der erfindungsgemäßen Schusswaffen-Zielvorrichtung
mit einem darauf ablaufenden Verfahrensprogramm einen Zielassistenten für den Schützen
bildet. Mittels dieser Verfahrensschritte wird der Schütze intuitiv durch den gesamten
Zielvorgang geführt bis er das Ziel präzise anvisiert hat und die Waffe abfeuern kann.
[0014] Vorzugsweise erfolgt die Verlagerung der Überdeckung der Visiermarkierung mit dem
Bildausschitt im Schritt f) derart, dass der von der Bilderfassungseinrichtung aufgenommene
und auf der Bildwiedergabeeinrichtung wiedergegebene Bildausschnitt verschoben wird.
Nachdem die Entfernung vom Schützen zum Zielobjekt ermittelt worden ist und aus dieser
Entfernung und den Waffen- und Geschossparametern sowie der Richtungslage des Zielobjekts
die ballistische Bahn des Geschosses ermittelt worden ist, wird der Schütze durch
das Verschieben des Bildausschnitts intuitiv dazu angeregt, die Schusswaffe so auszurichten,
beispielsweise nach oben zu neigen, dass das ursprünglich anvisierte Zielobjekt in
der auf der Bildwiedergabeeinrichtung fixiert dargestellten Visiermarkierung bleibt.
[0015] Alternativ oder zusätzlich kann die Verlagerung der Überdeckung der Visiermarkierung
mit dem Bildausschnitt in Schritt f) auch derart erfolgen, dass die auf der Bildwiedergabeeinrichtung
angezeigte Visiermarkierung verschoben wird. Bei dieser Variante wird der Schütze
durch das automatische Verschieben der Visiermarkierung dazu intuitiv angeregt, die
Ausrichtung der Waffe derart zu verändern, dass die Visiermarkierung mit dem auf der
Bildwiedergabeeinrichtung dargestellten Bild des Zielobjekts in Überdeckung bleibt
oder wieder in Überdeckung gerät.
[0016] Möglich ist auch eine Kombination aus der Verlagerung des wiedergegebenen Bildausschnitts
und einer Verlagerung der Visiermarkierung auf der Bildwiedergabeeinrichtung.
[0017] Besonders vorteilhaft ist es, wenn vom Steuerungscomputer in das auf der Bildwiedergabeeinrichtung
angezeigte Bild zumindest ein Richtungssymbol eingeblendet wird, das dem Schützen
anzeigt, in welche Richtung er die Schusswaffe bewegen muss, um das ursprünglich anvisierte
Zielobjekt nach der im Schritt d) erfolgenden Verlagerung wieder mit der Visiermarkierung
in Überdeckung zu bringen. Diese Anzeige eines Richtungssymbols beschleunigt die Reaktion
des Schützen und kann insbesondere dann von Vorteil sein, wenn aufgrund eines sehr
dunklen Bildes oder einer starken Sonneneinstrahlung auf die Bildwiedergabeeinrichtung
die Erkennbarkeit des Zielobjekts auf der Bildwiedergabeeinrichtung erschwert ist.
[0018] Vorteilhaft ist weiterhin, wenn vom Steuerungscomputer in das auf der Bildwiedergabeeinrichtung
angezeigte Bild zumindest ein Symbol eingeblendet wird, welches dem Schützen einen
Hinweis darauf gibt, wie er die Schusswaffe um die Laufachse zu verdrehen hat, damit
die berechnete Geschossflugbahn das anvisierte Zielobjekt trifft. Diese Verdreh-Anzeige
ist dann hilfreich, wenn der Schütze die Schusswaffe nicht präzise in Vertikalrichtung
ausgerichtet hält. Er wird durch diese Verdreh-Anzeige aufgefordert, vor dem Auslösen
der Schusswaffe die optimale vertikale Ausrichtung der Schusswaffe herbeizuführen.
[0019] Schließlich ist es auch vorteilhaft, wenn der Steuerungscomputer in das auf der Bildwiedergabeeinrichtung
angezeigte Bild zumindest ein optisches Signal einblendet und/oder ein akustisches
Signal abgibt, wenn die vom Steuerungscomputer berechnete Geschossflugbahn in das
Zielobjekt trifft. Wird ein derartiges optisches beziehungsweise akustisches Signal
vom Schützen wahrgenommen, so weiß er, dass er in diesem Moment den Auslöser der Schusswaffe
betätigen kann, um das Zielobjekt präzise zu treffen.
[0020] Bevorzugte Ausführungsbeispiele der Erfindung mit zusätzlichen Ausgestaltungsdetails
und weiteren Vorteilen sind nachfolgend unter Bezugnahme auf die beigefügten Zeichnungen
näher beschrieben und erläutert.
KURZE BESCHREIBUNG DER ZEICHNUNGEN
[0021] Es zeigt:
- Fig. 1
- eine Seitenansicht einer erfindungsgemäßen Schusswaffe;
- Fig. 2
- den schematischen Aufbau der erfindungsgemäßen Zielvorrichtung;
- Fig. 3A
- eine erste Positionierung der erfindungsgemäßen Zielvorrichtung zur Entfernungsmessung;
- Fig. 3B
- eine zweite Positionierung der erfindungsgemäßen Zielvorrichtung nach erfolgter Elevationswinkel-Korrektur;
- Fig. 4
- eine schematische Darstellung eines Bildsensors einer Bilderfassungseinrichtung;
- Fig. 5
- eine Darstellung des Visierfensters bei der Positionierung nach Fig. 3A;
- Fig. 6
- eine Darstellung des Visierfensters bei der Positionierung gemäß Fig. 3B; und
- Fig. 7
- ein Flussdiagramm eines erfindungsgemäßen Verfahrens zum Ausrichten der in Fig. 1
gezeigten Schusswaffe.
DARSTELLUNG VON BEVORZUGTEN AUSFÜHRUNGSBEISPIELEN
[0022] In Fig. 1 ist eine erfindungsgemäße Schusswaffen-Zielvorrichtung 1 dargestellt, die
auf dem Lauf 20 einer Schusswaffe 2 angebracht ist. Die Schusswaffe 2 ist im gezeigten
Beispiel von einer Granatpistole gebildet, deren Lauf 20 ein Werferrohr für ein ballistisches
Geschoss, beispielsweise eine Gewehrgranate (nicht gezeigt), bildet. Der Lauf 20 weist
eine Laufachse 22 auf, die nachstehend auch als Werferachse bezeichnet wird.
[0023] Die Bauelemente der Schusswaffen-Zielvorrichtung 1 sind schematisch in Fig. 2 dargestellt.
Die Schusswaffen-Zielvorrichtung 1 ist versehen mit einer Bilderfassungseinrichtung
10, die im gezeigten Beispiel als hochauflösende Videokamera dargestellt ist, einer
Entfernungsmesseinrichtung 12, die im gezeigten Beispiel von einem Laser-Entfernungsmesser
gebildet ist, einer Inertialmesseinheit (IMU) 14, einem Steuerungscomputer 16 und
einer Bildwiedergabeeinrichtung 18. Die Bilderfassungseinrichtung 10, die Entfernungsmesseinrichtung
12, die Inertialmesseinheit 14 und die Bildwiedergabeeinrichtung 18 sind über entsprechende
Datenleitungen 11, 13, 15, 17 mit dem Steuerungscomputer 16 zur Datenübertragung verbunden.
Auch der Abzugshebel 24 der Schusswaffe 2 ist über eine Datenleitung 19 mit dem Steuerungscomputer
16 verbunden.
[0024] Die vorstehend aufgeführten Komponenten der Schusswaffen-Zielvorrichtung 1 sind —
bis auf die Bildwiedergabeeinrichtung 18 — in einem Gehäuse 1' aufgenommen, welches
am Rahmen der Schusswaffe 2 montiert werden kann. Die Ausrichtung der Entfemungsmesseinrichtung
12 ist dabei derart, dass die Achse 12' der Entfemungsmesseinrichtung 12 parallel
zur Laufachse 22 verläuft. Die optische Achse 10' der Bilderfassungseinrichtung 10
ist hingegen so ausgerichtet, dass sie gegenüber der optischen Achse 12' der Entfernungsmesseinrichtung
12 und der Laufachse 22 nach unten geneigt ist, wie in Fig. 1 zu erkennen ist.
[0025] Die Bildwiedergabeeinrichtung 18 kann von einem auf das Gehäuse 1' aufsteckbaren
oder an dem Gehäuse 1' anbringbaren Display, beispielsweise einem transflexiven Display,
gebildet sein, oder die Bildwiedergabeeinrichtung 18 kann ein am Helm des Schützen
angebrachtes Display sein, welches über Kabel oder drahtlos mit der Schusswaffen-Zielvorrichtung
verbunden ist.
[0026] Fig. 3A zeigt eine erste Position der an der Schusswaffe 2 angebrachten Schusswaffen-Zielvorrichtung
1, die hier lediglich durch die als Kamera dargestellte Bilderfassungseinrichtung
10 symbolisiert ist. Die Schusswaffen-Zielvorrichtung 1 ist mit ihrer Visierlinie
V, die der Achse 12' der Entfernungsmesseinrichtung 12 entspricht, auf ein Zielobjekt
Z gerichtet, das im Beispiel als Fahrzeug dargestellt ist. In Fig. 3A ist auch zu
erkennen, dass die den Bildwinkel α der Bilderfassungseinrichtung 10 halbierende optische
Achse 10' der Bilderfassungseinrichtung 10 gegenüber der Visierlinie 12' nach unten
geneigt ist.
[0027] Im gezeigtem Ausführungsbeispiel ist die Bilderfassungseinrichtung 10 von einer hochauflösenden
Kamera mit zum Beispiel 4000 X 2250 Pixeln (= 9 Megapixel) gebildet. Zur optimalen
Nutzung der Kameraauflösung wird die Bilderfassungseinrichtung 10 oder deren Sensor
leicht nach unten geneigt eingebaut. Besitzt die Kamera zum Beispiel einen Öffnungswinkel
von ± 20°, so wird sie mit einer Neigung von ca. 15° nach unten eingebaut.
[0028] In der Darstellung in Fig. 3A ist ebenfalls ein Visierfenster 3 gezeigt, das in der
Mitte ein Fadenkreuz 30 aufweist. Das Visierfenster 3 weist zudem horizontale Pfeile
32 auf, die in voneinander abgewandte Richtungen zeigen und die einen Indikator für
eine Azimut-Abweichung bilden. Des Weiteren sind im Visierfenster vertikale Pfeile
34 dargestellt, die einen Indikator für eine Elevations-Abweichung bilden.
[0029] Das Visierfenster 3 wird dem Schützen in das von der Bilderfassungseinrichtung 10
aufgenommene und auf der Bildwiedergabeeinrichtung 18 wiedergegebene Bild der Zielobjekts
Z eingeblendet. Das Visierfenster 3 kann dabei einen Teil des auf der Bildwiedergabeeinrichtung
18 dargestellten Bildes umrahmen oder kann dem gesamten Bildschirm der Bildwiedergabeeinrichtung
18 entsprechen.
[0030] In der in Fig. 3A dargestellten Position der Schusswaffen-Zielvorrichtung 1 ist die
Achse 12' der Entfernungsmesseinrichtung 12 auf das Zielobjekts Z gerichtet, so dass
die Entfernung zwischen der Schusswaffen-Zielvorrichtung 1, also der Position des
Schützen, und dem Zielobjekt Z ermittelt werden kann. Diese Entfernungsermittlung
erfolgt nach leichtem Berühren des Abzugshebels 24 der Schusswaffe 2, der über die
Datenleistung 19 ein Startsignal für die Entfemungsmessung an den Steuerungscomputer
16 sendet.
[0031] Gleichzeitig mit der Entfemungsmessung werden Position und Lage der Schusswaffen-Zielvorrichtung
1 mittels der Inertialmesseinheit 14 ermittelt.
[0032] Der Ablauf des Zielvorgangs wird nachstehend unter Bezugnahme auf das Flussdiagramm
in Fig. 7 beschrieben.
[0033] Wie bereits in Verbindung mit Fig. 3A beschrieben worden ist, wird dem Schützen zunächst
der in Verlängerung der Werferrohrachse liegende Bildausschnitt zusammen mit einem
Fadenkreuz als Visiermarkierung 30 im Visierfenster 3 auf der Bildwiedergabeeinrichtung
18 dargestellt. Durch leichtes Betätigen des Abzughebels (Trigger) 24 wird die Entfemungsmessung
gestartet und die vom Laser-Entfernungsmesser 12 ermittelte Entfernung wird ausgelesen
und in einem Datenspeicher gespeichert. Gleichzeitig wird der von der Inertialmesseinheit
(IMU) 14 ermittelte Lagewinkel der Schusswaffen-Zielvorrichtung 1 und damit der Schusswaffe
2 ausgelesen und ebenfalls in einem Speicher des Steuerungscomputers 16 abgespeichert.
[0034] Da der Laser-Entfernungsmesser 12 kolinear, also parallel, zur Werferachse 22 montiert
ist, wird mittels der Inertialmesseinheit 14 zugleich auch die Höhe des Ziels Z gegenüber
der Position des Schützen bestimmt.
[0035] Im Steuerungscomputer wird aus der ermittelten Entfernung zum Zielobjekt Z und der
Höhenlage des Ziels Z gegenüber der Position des Schützen, also dem Ziel-Höhenwinkel
und den in einem Speicher des Steuerungscomputers 16 abgespeicherten Waffen- und Geschossparametem
der Schusswinkel, also der Elevationswinkel β berechnet, der erforderlich ist, um
das Geschoss auf seiner ballistischen Bahn in das Ziel Z zu führen. Dieser Schusswinkel
β ist in Fig. 3B als Winkel β zwischen der Horizontalen H und der Werferachse 22 dargestellt.
[0036] Aufgrund dieser Berechnung wird der aus dem Sensor der Bilderfassungseinrichtung
10 ausgelesene Bildausschnitt um eine dem Schusswinkel β entsprechende Anzahl von
Zeilen verschoben, wie in Fig. 3B durch den Pfeil P symbolisch dargestellt ist.
[0037] Bei der eingangs genannten Sensorauflösung entspricht eine Pixelzeile einer Schusswinkeldifferenz
von 0,01 °. Der in Fig. 4 als Zeilen- und Spaltengitter dargestellte Ausschnitt, der
beispielsweise 800 X 600 Pixel umfasst, muss bei einem Schusswinkel von β = 20° um
2000 Zeilen verschoben werden (Fig. 5 und 6). In der Darstellung der Fig. 4 bedeutet
dies, dass sich die linke obere Ecke des auszulesenden Sensorsegments von der Zeile
j = 1 auf j = 2001 verschiebt.
[0038] In Fig. 3B ist der ursprüngliche Bildausschnitt mit dem Zielobjekt Z als Visierfenster
3 gestrichelt gezeigt, wie er in der in Fig. 3A dargestellten Positionierung der Schusswaffen-Zielvorrichtung
1 relativ zum Bildwinkel α der Bilderfassungseinrichtung 10 positioniert gewesen ist.
Nach der Verschiebung des Bildausschnitts nimmt dieser Bildausschnitt die Position
3' ein und der Schütze muss die mit der Schusswaffen-Zielvorrichtung 1 versehene Schusswaffe
2 bis in die in Fig. 3B gezeigte Neigungslage bringen, damit das Zielobjekt Z sich
wieder im Fadenkreuz 30 befindet.
[0039] In dem auf der Bildwiedergabeeinrichtung 18 dargestellten Bildausschnitt (Visierfenster
3 beziehungsweise 3') wird dem Schützen zudem über horizontale Pfeilsymbole 32 angezeigt,
in welcher Azimut-Richtung er die Schusswaffe 2 seitlich schwenken muss, um das Fadenkreuz
30 in das in Fig. 3A anvisierte Ziel Z zu bringen. Bewegt sich das Zielobjekt Z, so
kann es der Schütze unter Zuhilfenahme der ihm angezeigten Horizontalpfeile 32 verfolgen
und so das Fadenkreuz auf der ursprünglichen Stelle des Zielobjekts halten.
[0040] Die visuelle Kontrolle und Nachführung des Azimuts (horizontale Nachführung) bietet
zudem den Vorteil, unabhängig von Kreiseldriften oder Magnetfeldstörungen zu sein.
[0041] Über vertikale Pfeilsymbole 34 wird dem Schützen angezeigt, ob er die Schusswaffe
2 steiler oder flacher halten soll. Des Weiteren wird ihm über gebogene oder kreisförmige
Pfeildarstellungen 36 angezeigt, ob er die Rolllage der Schusswaffe 2 ändern muss,
also die Schusswaffe 2 um die Laufachse beziehungsweise Werfachse 22 verdrehen muss.
[0042] Ist der optimale Schusswinkel β erreicht, wird dies dem Schützen durch ein optisches
Signal auf dem Display der Bildwiedergabeeinrichtung 18 und/oder ein akustisches Signal
mitgeteilt. Dieser optimale Schusswinkel ist dann erreicht, wenn sich das eingeblendete
Fadenkreuz wieder an der gleichen Stelle auf dem Zielobjekt Z befindet wie in Fig.
3A.
[0043] Dieser Schusswinkel wird mittels der Inertialmesseinheit IMU 14 genau vermessen und
der Schütze wird bei Erreichen des optimalen Schusswinkels durch eine Anzeige im Display
der Bildwiedergabeeinrichtung 18, zum Beispiel durch ein grün leuchtendes Feld, darüber
informiert, dass der optimale Schusswinkel erreicht worden ist. Der Schütze kann auf
diese Weise stets kontrollieren, ob die auf der Grundlage der Zeilenverschiebung berechnete
Fadenkreuzlage und die von der Inertialmesseinheit IMU 14 berechnete Schusswinkellage
(grüne Leuchte im Display) übereinstimmende Daten liefern, sodass der Schütze ein
redundantes System besitzt, was sicherheitstechnische Vorteile bietet.
[0044] Die Erfindung ist nicht auf das obige Ausführungsbeispiel beschränkt, das lediglich
der allgemeinen Erläuterung des Kerngedankens der Erfindung dient. Im Rahmen des Schutzumfangs
kann die erfindungsgemäße Vorrichtung vielmehr auch andere als die oben beschriebenen
Ausgestaltungsformen annehmen. Die Vorrichtung kann hierbei insbesondere Merkmale
aufweisen, die eine Kombination aus den jeweiligen Einzelmerkmalen der Ansprüche darstellen.
[0045] Bezugszeichen in den Ansprüchen, der Beschreibung und den Zeichnungen dienen lediglich
dem besseren Verständnis der Erfindung und sollen den Schutzumfang nicht einschränken.
Bezugszeichenliste
[0046] Es bezeichnen:
- 1
- Schusswaffen-Zielvorrichtung
- 1'
- Gehäuse
- 2
- Schusswaffe
- 3
- Visierfenster (Bildausschnitt)
- 3'
- Visierfenster (Bildausschnitt)
- 10
- Bilderfassungseinrichtung
- 10'
- optische Achse
- 11
- Datenleitung
- 12
- Entfernungsmesseinrichtung
- 12'
- Achse der Entfernungsmesseinrichtung 12
- 13
- Datenleitung
- 14
- Inertialmesseinheit IMU
- 15
- Datenleitung
- 16
- Steuerungscomputer
- 17
- Datenleitung
- 18
- Bildwiedergabeeinrichtung
- 19
- Datenleitung
- 20
- Lauf
- 22
- Laufachse
- 24
- Abzugshebel
- 30
- Fadenkreuz
- 32
- horizontaler Pfeil
- 34
- vertikaler Pfeil
- 36
- gebogenen Pfeilsymbole
- P
- Verschiebungsrichtung
- V
- Visierlinie
- Z
- Zielobjekt
1. Schusswaffen-Zielvorrichtung mit
- einer Bilderfassungseinrichtung (10);
- einer Entfernungsmesseinrichtung (12);
- einer Inertialmesseinheit (14);
- einem Steuerungscomputer (16) und
- einer Bildwiedergabeeinrichtung (18).
2. Schusswaffe mit einem ein Geschoss führenden Lauf (20) und einer Zielvorrichtung (1)
nach Anspruch 1,
wobei der Steuerungscomputer (16) so ausgebildet ist, dass er ein von der Bilderfassungseinrichtung
(10) aufgenommenes Bild eines Zielobjekts (Z) derart auf der Bildwiedergabeeinrichtung
(18) anzeigt, dass das Bild des Zielobjekts (Z) dann mit einer Visiermarkierung (30)
in Überdeckung ist, wenn der Elevations-Winkel der Laufachse (22) dem Steigungswinkel
der in Abhängigkeit von der Richtung zum Zielobjekt und der von der Entfernungsmesseinrichtung
(12) ermittelten Entfernung zum Zielobjekt (Z) und unter Berücksichtigung von Waffen-
und Geschossparametem vom Steuerungscomputer (16) berechneten Geschossflugbahn zum
Zielobjekt (Z) entspricht.
3. Schusswaffe nach Anspruch 2,
dadurch gekennzeichnet,
dass die optische Achse (12') der Entfernungsmesseinrichtung (12) parallel zur Laufachse
(22) verläuft.
4. Schusswaffe nach Anspruch 2 oder 3,
dadurch gekennzeichnet,
dass die optische Achse (10') der Bilderfassungseinrichtung (10) in Bezug auf die Laufachse
(22) nach unten geneigt ist.
5. Verfahren zum Ausrichten einer mit der Schusswaffen-Zielvorrichtung gemäß Anspruch
1 ausgestatteten Schusswaffe
gekennzeichnet durch die folgenden Schritte:
a) Anzeigen einer Visiermarkierung (30) auf der Bildwiedergabeeinrichtung (18) derart,
dass die Visiermarkierung (30) einen Bereich des von der Bilderfassungseinrichtung
(10) erfassten Bildes markiert, der in linearer Verlängerung der optischen Achse (12')
der Entfernungsmesseinrichtung (12) liegt, so dass die Visierlinie (V) und die optische
Achse (12') der Entfernungsmesseinrichtung (12) parallel verlaufen;
b) Anvisieren eines Zielobjekts (Z) derart, dass sich das auf der Bildwiedergabeeinrichtung
angezeigte Bild des Zielobjekts (Z) mit der Visiermarkierung (30) überdeckt;
c) Ermitteln der Entfernung zum anvisierten Zielobjekt (Z) mittels der Entfernungsmesseinrichtung
(12);
d) Bestimmen des dem Ziel-Höhenwinkel entsprechenden Neigungswinkels der Zielvorrichtung
(1) mittels der Inertialmesseinheit (14) im Augenblick der Entfernungsermittlung nach
Schritt c);
e) Berechnen des erforderlichen Schusswinkels (β) im Steuerungscomputer (16) auf der
Grundlage der im Schritt c) ermittelten Entfernung und des im Schritt d) ermittelten
Ziel-Höhenwinkels sowie in einer Speichereinrichtung des Steuerungscomputers abgespeicherten
Waffen- und Geschossparametem;
f) Veränderung der Darstellung auf der Bildwiedergabeeinrichtung (18) derart, dass
die Visiermarkierung (30) verlagert wird und mit einem Bildausschnitt in Überdeckung
gerät, der einem in der ermittelten Entfernung und der Zielrichtung liegenden Punkt
der berechneten Geschossflugbahn entspricht; und
g) Nachführen der Schusswaffe bis die im Schritt f) verlagert dargestellte Visiermarkierung
(30) in Überdeckung mit dem angezeigten Bild des Zielobjekts (Z) gerät.
6. Verfahren nach Anspruch 5,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Verlagerung der Überdeckung der Visiermarkierung (30) mit dem Bildausschnitt
in Schritt f) derart erfolgt, dass der von der Bilderfassungseinrichtung (10) aufgenommene
und auf der Bildwiedergabeeinrichtung (18) wiedergegebene Bildausschnitt verschoben
wird.
7. Verfahren nach Anspruch 5 oder 6,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Verlagerung der Überdeckung der Visiermarkierung (30) mit dem Bildausschnitt
in Schritt f) derart erfolgt, dass die auf der Bildwiedergabeeinrichtung (18) angezeigte
Visiermarkierung (30) verschoben wird.
8. Verfahren nach Anspruch 5, 6 oder 7,
dadurch gekennzeichnet,
dass vom Steuerungscomputer (16) in das auf der Bildwiedergabeeinrichtung (18) angezeigte
Bild zumindest ein Richtungssymbol (32, 34) eingeblendet wird, das dem Schützen anzeigt,
in welche Richtung er die Schusswaffe (2) bewegen muss, um das ursprünglich anvisierte
Zielobjekt (Z) nach der im Schritt f) erfolgenden Verlagerung wieder mit der Visiermarkierung
(30) in Überdeckung zu bringen.
9. Verfahren nach einem der Ansprüche 5 bis 8,
dadurch gekennzeichnet,
dass vom Steuerungscomputer (16) in das auf der Bildwiedergabeeinrichtung (18) angezeigte
Bild zumindest ein Symbol (36) eingeblendet wird, welches dem Schützen einen Hinweis
darauf gibt, wie er die Schusswaffe (2) um die Laufachse (22) zu verdrehen hat, damit
die berechnete Geschossflugbahn das anvisierte Zielobjekt (Z) trifft.
10. Verfahren nach einem der Ansprüche 5 bis 9,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Steuerungscomputer (16) in das auf der Bildwiedergabeeinrichtung (18) angezeigte
Bild zumindest ein optisches Signal einblendet und/oder ein akustisches Signal abgibt,
wenn die vom Steuerungscomputer (16) berechnete Geschossflugbahn das Zielobjekt (Z)
trifft.