[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Formierung von Dachionenpulsen aus Elektronenstrahlionenquellen
und eine dafür geeignete Vorrichtung.
[0002] Als lonenquellen für medizinische Teilchentherapieanlagen finden derzeit üblicher
Weise Electron Cyclotron Resonanz ECR-lonenquellen in Verbindung mit einem Strahlchopper
Verwendung. Diese Quellen liefern mit ausreichender Intensität Ionen wie C
4+, welche dann für eine effiziente Beschleunigung in einem Synchrotron noch auf C
6+ nachionisiert werden müssen.
[0003] Vollständig ionisierte Kohlenstoffatome (C
6+) werden direkt von Elektronenstrahlionenquellen, auch als EBIS Electron Beam Ion
Source bezeichnet, geliefert.
[0004] Bei heutigen Ionentherapieanlagen mit Protonen und Kohlenstoffionen werden im Falle
von Kohlenstoff C
4+-Ionen nach erfolgter Vorbeschleunigung in einer Strippervorrichtung zu C
6+-Ionen ionisiert. Der Aufwand für die Ionenerzeugung und für die Ionenvorbeschleunigung
vor der Injektion in ein Synchrotron kann dramatisch verringert werden, wenn eine
Elektronenstrahlionenquelle eingesetzt wird, welche die erforderliche Anzahl von C
6+-Ionen, beziehungsweise von Protonen im Impuls bei guter Strahlemittanz liefert und
deren Impulslänge den Erfordernissen einer "single-turn"-Injektion in das Synchrotron
angepasst ist, beziehungsweise wenn die Ionenextraktion für eine "multi-turn"-Injektion
ausgelegt ist. Die originäre Verfügbarkeit von C
6+-Ionen ermöglicht es, den LINAC-Injektor deutlich zu verkürzen und bedeutet weiter
den Verzicht auf eine zusätzliche Strippervorrichtung im Strahlkanal.
[0005] Der Einsatz von Elektronenstrahlionenquellen erfordert für die "multi-turn"-Injektion
eine Pulsform, die am besten durch einen Dachionenpuls gekennzeichnet ist.
[0006] Die aus Elektronenstrahlionenquellen extrahierten Ionenpulse zeigen jedoch wegen
des Funktionsprinzips derselben eine Pulsform, die oftmals einem asymmetrischen Gaußpuls
nahe kommt. Diese Pulsform entsteht durch den Schaltprozess der einer Elektronenstrahlionenquelle
immanenten Ionenfalle und hat für alle bisher bekannten Elektronenstrahlionenquellen
praktisch die gleiche qualitative Form.
[0007] Sind bei einer "single-turn"-Injektion Ionenpulse im Bereich von etwa zwei µs erforderlich,
so stellt die "multi-turn"-jektion an die zu realiserende Pulsform am Ausgang der
Ionenquelle besondere Anforderungen. Erforderlich sind Dachionenpulse über eine Breite
von mehreren Zehn µs, wobei es auf eine entsprechende Flankensteilheit und eine möglichst
hohe Stabilität des Impulsdaches über die gesamte Pulslänge ankommt.
[0008] Gelöst wurde dieses Problem in Verbindung mit ECR-Ionenquellen nach dem Stand der
Technik durch die Einbringung eines Strahlbunchers in den originär kontinuierlichen
Ionenstrahl, welcher dann entsprechende Ionenpulse aus dem DC-Strahl herausschneidet.
Sollen die Vorteile einer Elektronenstrahlionenquelle genutzt werden, ist eine solche
Technik nicht einsetzbar, da die Elektronenstrahlionenquelle gepulst arbeitet.
[0009] Die Aufgabe der Erfindung besteht darin, eine technische Lösung und ein Verfahren
zur Verfügung zu stellen, wie über einen weiten Zeitbasisbereich Dachionenpulse geformt
werden können, beziehungsweise wie generell auf die Pulsform der extrahierten Ionenpulse
Einfluss genommen werden kann. Ziel ist es dabei eine Lösung zu finden, mit der Dachionenpulse
bei der Extraktion von Ionen aus EBIS-Ionenquellen geformt werden können, um den Anforderungen
an verschiedene Beschleunigerregime gerecht zu werden.
[0010] Die Aufgabe wird durch die Merkmale der selbständigen Patentansprüche gelöst. Weiterbildungen
sind in den abhängigen Patentansprüchen angegeben.
[0011] Bei dem erfindungsgemäßen Verfahren zur Formierung von Dachionenpulsen aus einer
Elektronenstrahlionenquelle wird das extraktionsseitige Fallenpotential zeitgesteuert
zur Ionensammlung auf U
0+U
B1 angehoben und zur Ionenextraktion auf U
0-U
B2 abgesenkt und das Fallenpotential an die Ionenenergieverteilung in der EBIS-Falle
angepasst. Dabei ist die Öffnungscharakteristik der Falle derart gestaltet, dass die
Absenkung des extraktionsseitigen Fallenpotentials einem zeitlich fallenden Funktionsverlauf
von U
B folgt.
[0012] Die Konzeption der Erfindung besteht darin, dass die Absenkung des extraktionsseitigen
Fallenpotentials von U
0+U
B1 auf U
0-U
B2 nicht, wie im Stand der Technik, im Bereich weniger Mikrosekunden erfolgt, sondern
dass die Absenkung über einen längeren Zeitraum erfolgt, in dem die Absenkung nicht
quasi-diskret durch einen einzigen Umschaltvorgang, sondern einem zeitlich fallenden
Funktionsverlauf des Potentials U
B folgt. Die Zeit für den Schaltvorgang entspricht damit in der Regel einem Vielfachen
der Schaltzeit von Fallen nach dem Stand der Technik.
[0013] Nach einer ersten Ausgestaltung der Erfindung folgt das Fallenpotential dem zeitlichen
Funktionsverlauf von U
B als kontinuierlicher Spannungsabfall.
[0014] Alternativ dazu folgt das Fallenpotential dem zeitlichen Funktionsverlauf von U
B in mehreren diskreten Schritten.
[0015] Besonders vorteilhaft sind dabei zehn oder mehr Schritte vorgesehen, wobei das Verfahren
weiter dadurch verbessert wird, dass eine Glättung des Verlaufes erfolgt.
[0016] Als besonders vorteilhaft hat sich erwiesen, die Öffnungscharakteristik der Falle
derart zu gestalten, dass Schaltzeiten von 10µs bis 100µs oder mehr in Abhängigkeit
der Länge L von inneren Driftröhren der Falle angewendet werden.
[0017] Eine erfindungsgemäße Vorrichtung zur Formierung von Dachionenpulsen aus einer Elektronenstrahlionenquelle
ist dadurch gekennzeichnet, dass an einer extraktionsseitigen Driftröhre aus einem
Driftröhrenensemble ein Pulsgenerator zur Steuerung des Fallenpotentials angeordnet
und derart ausgebildet ist, dass das extraktionsseitige Fallenpotential zeitgesteuert
zur Ionensammlung auf U
0+U
B1 angehoben und zur Ionenextraktion auf U
0-U
B2 absenkbar und die Öffnungscharakteristik der Falle derart gestaltet ist, dass die
Absenkung des extraktionsseitigen Fallenpotentials einem zeitlich fallenden Funktionsverlauf
von U
B folgt.
[0018] Vorteilhaft wird die Vorrichtung dadurch weitergebildet, dass ein RC-Glied zur Glättung
des Steuerpulses angeordnet ist.
[0019] Die Erfindung bezieht sich auf eine neue Art der Quellensteuerung, deren Wesen darin
besteht, das extraktionsseitige Fallenpotential der Elektronenstrahlionenquelle, also
das Schalten von U
0+U
B1 auf U
0-U
B2, mit technischen Mitteln zeitgesteuert und angepasst an die Ionenenergieverteilung
in der EBIS-Falle zu steuern. Dass dies erforderlich ist folgt aus der Überlegung,
dass die Ionen in der Falle beim Öffnen der Falle über eine gewisse Energieverteilung
verfügen und in Abhängigkeit von ihrer aktuellen Bewegungsrichtung maximal eine Strecke
von der doppelten Fallenlänge L durchfliegen müssen. Dies ist äquivalent einer zusätzlichen
Flugzeit durch die Fallenregion und spiegelt sich in der Breite des extrahierten Ionenpulses
wieder.
[0020] Die erfindungsgemäßen Maßnahmen ermöglichen es, die Öffnungscharakteristik der Falle
so zu gestalten, dass das Fallenpotential einem zeitlichen Funktionsverlauf von U
B folgt, wodurch Dachionenpulse generiert werden können. Nach einer Ausgestaltung der
Erfindung erfolgt dies mit einem Spezialpulsgenerator und nach einer vorteilhaften
Weiterbildung der Erfindung mit einem Spezialpulsgenerator verbunden mit einer zusätzlichen
RC-Glättung des Steuerpulses.
[0021] Da der Kern der Erfindung in einer Absenkung des Fallenpotentials über der Zeit nach
einem Funktionsverlauf besteht, ist es folgerichtig, dass dieser Funktionsverlauf
auch durch andere technische Lösungen als den Spezialpulsgenerator, beispielsweise
elektronisch, erreicht werden kann. Dabei kann der Verlauf der Absenkung des Fallenpotentials
sowohl über digitale, diskrete Spannungsabsenkung, als auch über analog vorgegebene
Spannungsverläufe realisiert werden.
[0022] Die erfindungsgemäßen Ionenquellen sind für die medizinische Hadronen-Teilchentherapie
einsetzbar, welche gegenwärtig vornehmlich mit Protonen und Kohlenstoffionen erfolgt.
Von Bedeutung ist die Erfindung für unterschiedliche Formen der medizinischen Teilchentherapie,
wie die synchrotronbasierte Teilchentherapie, die Teilchentherapie mit CYCLINACs,
die Teilchentherapie mit Kompaktbeschleunigerlösungen und für die Teilchentherapie
mit Rapid Cycling Medical Synchrotrons RCMS. Elektronenstrahlionenquellen stellen
eine neue Generation von Ionenquellen für medizinische Teilchentherapiebeschleuniger
dar, für die bisher vornehmlich, aber nicht ausschließlich, Synchrotrone eingesetzt
wurden.
[0023] Durch die erfindungsgemäße Ausgestaltung der Elektronenstrahlionenquellen können
die Intensitäten so gesteigert werden, dass ein Einsatz für Teilchentherapieanlagen
mit all den Vorteilen einer Elektronenstrahlionenquelle möglich wird. Damit werden
die Elektronenstrahlionenquellen attraktive Alternativen zum Einsatz von ECR-Ionenquellen.
Diese Quellen sind kommerziell verfügbar und ihr Einsatz kann die Kosten von Strahltherapieanlagen
injektionsseitig merklich senken.
[0024] Weitere vorteilhafte Eigenschaften von Elektronenstrahlionenquellen für medizinische
Anwendungen sind die Reinheit des Ionenimpulses, die Langzeitstabilität der Quelle,
die hervorragende Strahlemittanz und die Tatsache, dass praktisch alle stabilen Elemente
des Periodensystems Verwendung finden können. Darüber hinaus können diese Quellen
Ionenimpulse mit einer Impulsbreite von 1 µs bis zu 100 µs liefern. Die erfindungsgemäßen
Elektronenstrahlionenquellen genügen bezüglich der Ionenströme und Zeitstrukturen
den Anforderungen, die an eine "multi-turn"-oder an eine "single-turn"-Injektion für
die Injektion in ein Synchrotron oder in ein Rapid Cycling Synchrotron gestellt werden
müssen.
[0025] Eine klassische Impulsformung in EBIS-Ionenquellen wird nur durch die Energieverteilung
der Ionen in der Falle, der Laufzeit der Ionen im Quellenvolumen und durch die Qualität
der Schaltung von U
B beeinflusst. Der Vorteil einer erfindungsgemäß betriebenen EBIS besteht darin, dass
aktiv auf die Formierung der Ausgangsionenpulse Einfluss genommen wird, indem eine
spezielle Schaltimpulsformierung für U
B realisiert wird. Damit wird es möglich, die Ionenextraktionspulse den technischen
Anforderungen von Beschleunigern anzupassen, wie z.B. der Multi-Turn Injektion in
ein Synchrotron oder ein Rapid Cycling Medical Synchrotron.
[0026] Mit der erfindungsgemäßen Beeinflussung von Ionenextraktionspulsen können im Gegensatz
zu den Möglichkeiten herkömmlich betriebener EBISlonenquellen sowohl die Form, als
auch die Anstiegsflanken dieser Pulse für eine optimale Kompatibilität mit nachfolgenden
Beschleunigerstrukturen beeinflusst werden.
[0027] Neben der Erzeugung von in ihrer zeitlichen Breite einstellbaren Dachionenpulsen
kann der aus einer EBIS extrahierte Ionenpuls auch verkürzt werden, wie das zum Beispiel
für die "single-turn" Ioneninjektion in ein Synchrotron von Bedeutung sein kann. Dies
ist immer dann wesentlich, wenn es sich um EBIS mit Fallenlängen von 10 cm oder mehr
handelt, da diese Fallenstrukturen im allgemeinen mehrfach segmentiert sind. Somit
kann über eine individuelle Ansteuerung der Driftröhrensegmente erreicht werden, dass
sich die Ionen im extraktionsseitigen Teil der Falle sammeln und dann in einem kurzen
µs-Sekundenpuls extrahiert werden können.
[0028] Weitere Einzelheiten des Standes der Technik, sowie Merkmale und Vorteile von Ausgestaltungen
der Erfindung ergeben sich aus der nachfolgenden Beschreibung von Ausführungsbeispielen
mit Bezugnahme auf die zugehörigen Zeichnungen. Es zeigen:
- Fig. 1:
- Physikalisches Funktionsprinzip einer EBIS,
- Fig. 2:
- Elektrische Beschaltung einer EBIS,
- Fig. 3:
- C6+-Pulse, bei verschiedenen Arbeitsgasdrücken extrahiert aus einer Dresden EBIS-A mit
einer Schaltgeschwindigkeit des extraktionsseitigen Fallenpotentials von 100 µs,
- Fig. 4:
- Maximale Ionenflugstrecke die ein Ion in der Falle nach deren Öffnen zurücklegt,
- Fig. 5a:
- Elektrische Beschaltung von EBIS nach dem Stand der Technik,
- Fig. 5b:
- Elektrische Beschaltung von EBIS zur Erzeugung von Dachionenpulsen mittels Pulsgenerator,
- Fig. 5c:
- Elektrische Beschaltung von EBIS zur Erzeugung von Dachionenpulsen mittels Pulsgenerator
und R-C-Glättung,
- Fig. 6:
- Generierte C4+ Dachionenpulse, wie sie mit einem Generator mit 10 diskreten Spannungsschritten gemäß
Funktionsschema siehe Fig. 7, gekoppelt mit einer RC-Glättung, erhalten wurden,
- Fig. 7:
- Beschaltung einer EBIS für die Kurzzeitextraktion,
- Fig. 8:
- Prinzipschaltbild eines arbiträren Signalgenerators zur Steuerung von UB zur Erzeugung von Dachionenpulsen und
- Fig. 9:
- Öffnungscharakteristik als Potential über der Zeit.
[0029] Das in Fig. 1 dargestellte Funktionsprinzip einer EBIS beruht darauf, dass Atome
in einem hochdichten Elektronenstrahl 11 durch sukzessive Elektronenstoßionisation
ionisiert werden. Der aus einer hochemissiven Kathode emittierte Elektronenstrahl
11 wird im Magnetfeld einer EBIS 1 magnetisch komprimiert und kann so als effizientes
Ionisationsmedium wirken. Da der Ionisationsprozess im Elektronenstrahl 11 sukzessive
erfolgt, ist eine gewisse Verweildauer der Ionen 12 im Elektronenstrahl 11 erforderlich,
dass heißt, es muss eine zeitlich steuerbare Ionenfalle realisiert werden. Dies wird
erreicht, indem der Elektronenstrahl 11 durch ein mit elektrischen Potentialen versehenes
Driftröhrenensemble 3 geschossen wird. In seiner einfachsten Form besteht das Driftröhrenensemble
3, wie in Fig. 1 abgebildet, aus drei Driftröhren. Die Ionenfalle in der EBIS 1 wird
radial durch das negative Raumladungspotential des Elektronenstrahls 11 und axial
durch das Anlegen spezieller positiver Potentiale an den beiden äußeren Driftröhrensektionen
realisiert. Das radiale Einschlusspotential kann dabei über den Bereich der mittleren
Driftröhrensektion als konstant über die z-Richtung entlang der Strahlachse angesehen
werden. Somit werden die Zeiteigenschaften von extrahierten Ionenpulsen entscheidend
von dem elektrischen Schaltverhalten beeinflusst, wie die axiale Ionenfalle geöffnet
wird.
[0030] Der charakteristische Arbeitszyklus einer EBIS 1 ist anhand eines Driftröhrensembles
3, bestehend aus drei Driftröhren 3.1, 3.2, 3.3, in Fig. 2 dargestellt. Über Glühemission
wird ein Elektronenstrom erzeugt, indem die Kathode 2 mit dem Strom I
CH bei einer Spannung U
H geheizt wird. Dabei befindet sich die Kathode 2 zusätzlich auf einem Potential -U
c. Der so formierte Elektronenstrahl folgt der z-Achse und tritt in die Ionisationszone
ein, die von drei Driftröhrensegmenten 3.1, 3.2, 3.3 umschlossen ist. Die kathodenseitige
Driftröhre 3.1 wirkt dabei gleichzeitig als Anode. Die Energie E
e der Elektronen wird dabei unter Vernachlässigung des Raumladungspotentials des Elektronenstrahls
durch die Spannung an der mittleren Driftröhre 3.2 U
0-U
A und durch -U
c bestimmt:

[0031] Variiert wird die Elektronenenergie über das Einstellen von U
0. U
A erzeugt das axiale Fallenpotential für die Ionen. Die Spannung an der extraktionsseitigen
Driftröhre 3.3 wird wahlweise zur Ionensammlung auf U
0+U
B1 angehoben, beziehungsweise zur Ionenextraktion auf U
0-U
B2 abgesenkt. Nach der Ionenextraktion wird der Elektronen-/Ionenstrahl im Elektronenkollektor
4 von der Elektronenkomponente separiert und die weitere Ionenextraktion erfolgt mit
Hilfe einer Extraktionselektrode 5 auf dem Potential U
EX.
[0032] Üblicherweise erfolgt die Schaltung des extraktionsseitigen Fallenpotentials bis
heute mit Schaltgeschwindigkeiten im Mikrosekundenbereich. Dies hat zur Folge, dass
Extraktionspulsstrukturen 14, wie exemplarisch in Fig. 3 dargestellt, entstehen.
[0033] Die Bewegung der Ionen in der Falle ist in Fig. 4 dargestellt. Die Konzeption der
Erfindung besteht in einer neuen Art der Quellensteuerung, bei der das extraktionsseitige
Fallenpotential der EBIS, also das Schalten von U
0+U
B1 auf U
0-U
B2, mit technischen Mitteln zeitgesteuert und angepasst der Ionenenergieverteilung in
der EBIS-Falle erfolgt. Die Ionen 12 in der Falle verfügen beim Öffnen der Falle über
eine gewisse Energieverteilung und müssen in Abhängigkeit von ihrer aktuellen Bewegungsrichtung
maximal eine Strecke von der doppelten Fallenlänge L durchfliegen, wie in Fig. 4 gezeigt
ist. Dabei bedeutet L die Fallenlänge und die maximale Strecke beträgt somit das Doppelte
der Fallenlänge, zwei mal L. Dies ist äquivalent einer zusätzlichen Flugzeit durch
die Fallenregion und spiegelt sich in der Breite des extrahierten Ionenpulses wieder.
[0034] Fig. 5a zeigt eine Quellenschaltung nach dem Stand der Technnik, wie sie zur Generierung
von Pulsen, wie in Fig. 3 dargestellt, geeignet ist.
[0035] Die erfindungsgemäße elektrische Beschaltung einer EBIS zum Zwecke einer Dachionenpulserzeugung
ist generalisierend in Fig. 5b und Fig. 5c dargestellt.
[0036] Fig. 5b zeigt eine zusätzliche Steuerung von U
B durch einen Spezialpulsgenerator 6 nach der Lehre der Erfindung. Als Spezialpulsgenerator
6 können unterschiedlichste Schaltungen konfigurieren, die entweder einen kontinuierlichen
programmierbaren Spannungsabfall (Schaltimpulsform) ermöglichen oder auch in diskreten
Schritten diesen Spannungsverlauf approximieren, der gegebenenfalls gemäß Fig. 5c
mittels eines RC-Gliedes aus Widerstand 7 und Kondensator 8 noch geglättet wird.
[0037] In Fig. 6 sind die Öffnungscharakteristik 10 und Dachionenpulse 13 nach der Erfindung
als generierte C
4+ Dachionenpulse, auch als Dachionenimpulse bezeichnet, dargestellt, wie sie mit einem
Generator mit zehn diskreten Spannungsschritten nach einem Funktionsschema gemäß Fig.
7, gekoppelt mit einer RC-Glättung, erhalten wurden.
[0038] Eine für ein solches Vorgehen charakteristische EBIS-Beschaltung für die Kurzzeitextraktion
ist in Fig. 7 für ein achtfach segmentiertes Driftröhrenensemble 3 dargestellt.
[0039] Fig.8 zeigt als Ausführungsbeispiel einen arbiträren Signalgenerator 6, der isoliert
auf einer Spannung von beispielsweise 20 kV aufsitzt und der nach einem Triggersignal
ein arbiträr gestaltbares Signal im Bereich von 0 bis -100V erzeugt. Dabei ist der
Spannungsverlauf in Zeitschritten von 100 ns oder anderen Zeitschritten programmierbar.
Ein solcher Generator 6 kann zur Generierung der in Fig. 6 dargestellten Dachionenpulse
verwendet werden, aber ebenso sind andere elektronische Lösungen möglich. Die hier
dargestellte Lösung trägt beispielhaften Charakter, deutlich mehr Spannungsstufen
sind möglich, ebenso ein über einen Funktionsgenerator generierter kontinuierlicher
Schaltverlauf für U
B.
[0040] Fig. 9 zeigt das Potential U
B als zeitlich abhängigen Funktionsverlauf über der Schaltzeit t. Die Öffnungscharakteristik
nach dem Stand der Technik ist schematisch mit dem Bezugszeichen 9 dargestellt und
folgt diskret einem Umschalten von U
0 + B
1 auf U
0 - B
2 in einem Schritt.
[0041] Mit dem Bezugszeichen 10 sind verschiedene Varianten für eine Öffnungscharakteristik
nach der Lehre der Erfindung dargestellt. Der Verlauf nach 10a folgt einem nichtlinearen
Abfall des Potentials, der Verlauf nach 10b zeigt einen linearen Abfall und der Verlauf
nach 10c zeigt einen Abfall in mehreren diskreten Schritten.
[0042] Quantitativ liegen die Schaltzeiten nach der Lehre der Erfindung bei einem Vielfachen
der Schaltzeiten nach dem Stand der Technik.
LISTE DER BEZUGSZEICHEN
[0043]
- 1
- Elektronenstrahlionenquelle EBIS
- 2
- Kathode
- 3
- Driftröhren, Driftröhrenensemble
- 3.1
- kathodenseitige Driftröhre
- 3.2
- mittlere Driftröhrensektion
- 3.3
- extraktionsseitige Driftröhre
- 4
- Elektronenkollektor
- 5
- Extraktionselektrode
- 6
- Pulsgenerator, Signalgenerator
- 7
- Widerstand
- 8
- Kondensator
- 9
- Öffnungscharakteristik nach dem Stand der Technik
- 10
- Öffnungscharakteristik für Dachionenpuls
- 10a
- Nichtlinearer Abfall des Potentials
- 10b
- Linearer Abfall des Potentials
- 10c
- Abfall in mehreren diskreten Schritten
- 11
- Elektronenstrahl
- 12
- Ionen
- 13
- Dachionenpuls
- 14
- Extraktionspulsstrukturen nach dem Stand der Technik
1. Verfahren zur Formierung von Dachionenpulsen aus einer Elektronenstrahlionenquelle
(1), wobei das extraktionsseitige Fallenpotential zeitgesteuert zur Ionensammlung
auf U0+UB1 angehoben und zur Ionenextraktion auf U0-UB2 abgesenkt wird, dadurch gekennzeichnet, dass die Öffnungscharakteristik der Falle derart gestaltet ist, dass die Absenkung des
extraktionsseitigen Fallenpotentials einem zeitlich fallenden Funktionsverlauf von
UB folgt.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Fallenpotential dem zeitlichen Funktionsverlauf von UB als kontinuierlicher Spannungsabfall folgt.
3. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Fallenpotential dem zeitlichen Funktionsverlauf von UB in mehreren diskreten Schritten folgt.
4. Verfahren nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass zehn diskrete Schritte vorgesehen sind.
5. Verfahren nach Anspruch 3 oder 4, dadurch gekennzeichnet, dass eine Glättung erfolgt.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass für die Öffnungscharakteristik der Falle Schaltzeiten von 10µs bis 100µs in Abhängigkeit
der Länge L von inneren Driftröhren der Falle angewendet werden.
7. Vorrichtung zur Formierung von Dachionenpulsen aus einer Elektronenstrahlionenquelle
(1) mit einem Driftröhrenensemble (3), dadurch gekennzeichnet, dass das Driftröhrenensemble (3) mindestens aus einer kathodenseitigen Driftröhre (3.1),
einer mittleren Driftröhre (3.2) und einer extraktionsseitigen Driftröhre (3.3) aufgebaut
ist und dass ein Pulsgenerator (6) zur Steuerung des Fallenpotentials vorgesehen und
derart ausgebildet ist, dass das extraktionsseitige Fallenpotential zeitgesteuert
zur Ionensammlung auf U0+UB1 angehoben und zur Ionenextraktion auf U0-UB2 absenkbar und die Öffnungscharakteristik der Falle derart gestaltet ist, dass die
Absenkung des extraktionsseitigen Fallenpotentials einem zeitlich fallenden Funktionsverlauf
von UB folgt.
8. Vorrichtung nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass der Pulsgenerator (6) derart ausgebildet ist, dass das Fallenpotential dem zeitlichen
Funktionsverlauf von UB als kontinuierlicher Spannungsabfall folgt.
9. Vorrichtung nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass der Pulsgenerator (6) derart ausgebildet ist, dass das Fallenpotential dem zeitlichen
Funktionsverlauf von UB in mehreren diskreten Schritten folgt.
10. Vorrichtung nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, dass der Pulsgenerator (6) zehn diskrete Schritte realisiert.
11. Vorrichtung nach Anspruch 9 oder 10, dadurch gekennzeichnet, dass ein RC-Glied (7, 8) zur Glättung des Steuerpulses angeordnet ist und eine Glättung
erfolgt.
12. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 7 bis 11, dadurch gekennzeichnet, dass für die Elektronenstrahlionenquelle (1) eine Öffnungscharakteristik mit Schaltzeiten
von 10µs bis 100µs in Abhängigkeit der Länge L der mittleren Driftröhrensektion (3.2)
realisierbar ist.