[0001] Verfahren und Vorrichtung zum Herstellen oder Erneuern von Horizontalmarkierungen
auf Straßen
[0002] Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung zum Herstellen oder Erneuern
von Horizontalmarkierungen auf Straßen, insbesondere von Begrenzungs-,Leit- und Warnlinien,
wobei von einer Markierungsmaschine, die zumindest eine Spritzpistole für einen flüssigen
Markierungsstoff und eine Injektionsvorrichtung zum Einbringen von Profilteilchen
direkt in den Spritzstrahl des flüssigen Markierungsstopes aufweist, eine Farbspur
auf die Straßenoberfläche aufgetragen wird.
[0003] Ein derartiges Verfahren und ein Markierungsfahrzeug, das weiterhin noch mit einem
in Fahrtrichtung gesehen weiter hinten angeordnetem Nachstreuer ausgerüstet ist, sind
durch die
EP 0 280 102 A1 bekannt geworden. Die in unmittelbarer Nähe der Farbspritzpistole montierte Injektionsvorrichtung
ist auf den etwas geneigten Farbstrahl gerichtet, so dass die Profilteilchen in den
gespritzten flüssigen Markierungsstoff eintreten, bevor der Strahl auf die Straßenoberfläche
trifft. Aus der
EP 0 808 345 B1 lassen sich wässrige Markierungsmassen mit einem z.B. aus Glasperlen bestehenden
Füllstoff entnehmen.
[0004] Der Nachteil bei der bekannten Aufbringung der Markierungen besteht darin, dass die
auch "Perlpistole" genannte Injektionsvorrichtung zum Einspritzen von Perlen oder
sonstigen Beistoffen in den Spritzstahl des flüssigen Markierungsstoffes zeitkonstant
eine bestimmte Menge Perlen bzw. Beistoffe liefert und bei Geschwindigkeitsänderungen
der Markierungsmaschine nicht reagiert, so dass sich das Verhältnis der beiden Stoffmengen
- flüssiger Markierungsstoff zu Perlen bzw. Beistoffen - verschiebt.
[0005] Beim Auftrag der Farbspur muss eine vorgegebene Schichtdicke eingehalten werden,
was bei den mengenmäßig voreingestellten Stoffzugaben eine konstante Fahrgeschwindigkeit
voraussetzt. Tatsächlich erfordern z.B. die Viskosität beeinflussende Temperaturveränderungen
oder ein unvermeidlicher Verschleiß der Düse am Austrittsende der Injektionsvorrichtung
eine Anpassung der Fahrgeschwindigkeit, beispielsweise bei 10°C Außentemperatur 4
km/h und bei 15°C Außentemperatur 6 km/h. Damit verändert sich nicht nur die Schichtdicke,
sondern auch die gleichmäßige Einbringung der Profilteilchen. Denn die üblich aus
einer oberen Dosierwalze und einer unteren Schleuderwalze bestehende Injektionsvorrichtung
arbeitet zeitkonstant.
[0006] Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren und eine Vorrichtung
der eingangs genannten Art zu schaffen, mit denen sich die beschriebenen Nachteile
vermeiden lassen und die insbesondere weitestgehend ohne Stoffverlust einen Farbauftrag
mit gleicher Schichtdicke und gleichmäßig eingelagerten Profilteilchen ermöglichen,
optional auch bei einer zusätzlich mit einem Nachstreuer ausgerüsteten Markierungsmaschine.
[0007] Diese Aufgabe wird mit einem Verfahren erfindungsgemäß dadurch gelöst, dass die laufend
gemessene Fahrgeschwindigkeit der Markierungsmaschine in eine zentrale Rechen- und
Steuereinheit, an die auch die Injektionsvorrichtung angeschlossen ist, der Markierungsmaschine
eingegeben wird und bei Abweichungen von einer Sollgeschwindigkeit die Dosierung der
Profilteilchen abhängig von der jeweiligen Istgeschwindigkeit dazu proportional angepasst
wird. Hierbei empfiehlt es sich, dass vorzugsweise die Drehzahl einer Förderwalze
(Dosierwalze) der Injektionsvorrichtung geschwindigkeitsproportional geregelt wird.
[0008] Es lässt sich damit erreichen, dass es zu keiner Verschiebung im Verhältnis der Stoffmengen
mehr kommt, vielmehr werden abhängig von der Istgeschwindigkeit mehr oder weniger
Perlen bzw. Beistoffe in den Spritzstrahl des flüssigen Markierungsstoffes (Farbe)
eingebracht, so dass sich eine pro Einheit, z.B. m
2, stets gleiche Perlen-/Beistoffmenge gewährleisten lässt. Zwar könnte optional die
Menge des flüssigen Markierungsstoffes verändert werden, jedoch sind die üblich eingesetzten
Spritzpistolen (Airless - Technik) nicht justierbar und werden nicht nachgestellt.
[0009] Es liegt im Rahmen der Erfindung, dass bei einer Markierungsmaschine, die außerdem
mit einem Nachstreuer ausgerüstet ist, dieser ebenfalls an die zentrale Rechen- und
Steuereinheit angeschlossen und die Aufbringung eines Nachstreumittels ebenfalls geschwindigkeitsproportional
geregelt wird, vorzugsweise wiederum durch Drehzahlregelung einer Förderwalze des
Nachstreuers.
[0010] Ein vorteilhafter Vorschlag der Erfindung sieht vor, dass die Spritzpistole, die
Injektionsvorrichtung und - sofern vorhanden - der Nachstreuer unabhängig voneinander
ein- und ausschaltbar sind, wobei zum Markierungsbeginn die Injektionsvorrichtung
mit Vorlauf zur Spritzpistole und zu diesen zeitversetzt der Nachstreuer eingeschaltet
wird und zum Markierungsende zunächst die Spritzpistole, dann die Injektionsvorrichtung
sowie abschließend der Nachstreuer ausgeschaltet wird. Durch die separate Ansteuerung
der einzelnen Auftragsorgange lassen sich die Streuverluste dergestalt verhindern,
dass Profilteilchen oder Nachstreumittel nicht im Farbauftrag, sondern auf dem Straßenbelag
auftreffen.
[0011] Die der Erfindung zugrundeliegende Aufgabe wird mit einer Vorrichtung gelöst, die
dadurch gekennzeichnet ist, dass die Markierungsmaschine eine zentrale Rechen- und
Steuereinheit aufweist, an die ein die Fahrgeschwindigkeit ermittelndes Messmittel
und eine mit einem regelbaren Dosierantrieb ausgebildete Injektionsvorrichtung und
optional ein mit einem regelbaren Dosierantrieb ausgebildeter Nachstreuer angeschlossen
sind. Die Istgeschwindigkeit der Markierungsmaschine kann beispielsweise mittels eines
Bodenrades gemessen und der Messwert dann in die zentrale Rechen- und Steuereinheit
(SPS) zur Umrechnung der für den regelbaren Dosierantrieb und gegebenenfalls den Nachstreuer
vorzugebenden Drehzahl zugeleitet werden.
[0012] Nach einer bevorzugten Ausführung wird vorgeschlagen, dass anstelle von alternativen
mechanischen oder hydraulischen Antrieben elektrische, zur Drehzahlanpassung einen
integrierten elektronischen Regler aufweisende Dosierantriebe zum Einsatz kommen.
Die Elektromotoren erlauben in einfacherer und sicherer Weise ein voneinander unabhängiges
Ein- und Ausschalten.
[0013] Ein bevorzugter Vorschlag der Erfindung sieht vor, dass die Injektionsvorrichtung
mit einem diffusorartigen Umlenkmittel ausgebildet und mit einer variablen, in eingestellten
Positionen festlegbaren Aufhängung in der Markierungsmaschine angeordnet ist. Die
Aufhängung der Injektionsvorrichtung mit in allen Richtungen freier Drehbeweglichkeit
und Neigungseinstellbarkeit, z.B. nach Art einer Kardangelenkverbindung mit linearer
Verschiebung, erlaubt eine sehr gleichmäßige Verteilung und Einbringung der Profilteilchen
in den Spritzstrahl bzw. das Sprühbild des flüssigen Markierungsstoffes der Farbspritzpistole.
Das Dreh-/Schiebegelenk kann in der optimiert eingestellten Position der Injektionsvorrichtung
beispielsweise durch Schrauben festgelegt werden. Die ideale Einstellung kann visuell
und/oder durch Messung einer probenweisen Schichtdicke mit der Verteilung der eingebrachten
Profilteilchen ermittelt werden.
[0014] Weitere Merkmale und Einzelheiten der Erfindung ergeben sich aus den Patentansprüchen
und der nachfolgenden Beschreibung eines in der einzigen Zeichnung schematisch dargestellten
Ausführungsbeispiels der Erfindung.
[0015] Eine nur angedeutete Markierungsmaschine 1, die sich in Richtung des Pfeils P bewegt,
ist mit einer Spritzpistole bzw. Farbspritzpistole 2, einer Injektionsvorrichtung
3 und einem sich in Fahrtrichtung gesehen dahinter anschließenden Nachstreuer 4 ausgerüstet.
Die Spritzpistole 2 trägt den Markierungsstoff bzw. die Farbe mit einem fächerförmigen
Spritzstrahl 5 auf die Straßenoberfläche 6 auf. Die im Nahbereich der Spritzpistole
2 angeordnete Injektionsvorrichtung 3 ist so eingestellt, dass dosiert zugeführte
Profilteilchen 7 in den Spritzstrahl 5 eintreten, bevor dieser auf die Straßenoberfläche
6 trifft, so dass die Profilteilchen 7 mit dem Markierungsstoff vermischt sind. Der
in Fahrtrichtung bzw. Pfeil P hinten vorgesehene Nachstreuer 4 streut auf die erzeugte,
noch frische Farbspur beispielsweise ebenfalls Reflexperlen oder Griffigkeitsmittel
8 auf.
[0016] Die Injektionsvorrichtung 3 und der Nachstreuer 4 sind zur präzisen Dosierung der
Profilteilchen 7 bzw. Reflexperlen/Griffigkeitsmittel 8 mit einer üblichen, nach dem
Prinzip einer Zellradschleuse arbeitenden Walzenanordnung ausgebildet, nämlich bestehend
aus einer Dosier- bzw. Förderwalze 9 und einer mit dieser zusammenwirkenden, darunter
angeordneten Schleuderwalze 10. Sowohl die Injektionsvorrichtung 3 als auch der Nachstreuer
4 werden hier von einem vorzugsweise elektromotorischen, regelbaren Dosierantrieb
11 angetrieben.
[0017] Die Markierungsmaschine 1 weist eine als speicherprogrammierbare Steuerung (SPS)
ausgeführte zentrale Rechen- und Steuereinheit 12 auf, in die über eine gestrichelt
dargestellte Signalleitung 13 die über ein Bodenrad 14 laufend gemessene Fahrgeschwindigkeit
V
F als Istwert eingeht. Bei Abweichungen von der vorgegebenen Sollgeschwindigkeit wird
über eine von der Rechen- und Steuereinheit 12 ausgehende an die Dosierantriebe 11
der Injektionsvorrichtung 3 und den Nachstreuer 4 angeschlossene, ebenfalls gestrichelte
Signalleitung 15 die Drehzahl der Dosier-/Förderwalze 9 entsprechend so verändert
und angepasst, dass eine exakt geschwindigkeitsproportionale Dosierung der zu spritzenden
Profilteilchen 7 bzw. Reflexperlen/Griffigkeitsmiftel 8 oder dergleichen Beistoffe
gewährleistet wird. Die regelbaren bzw. drehzahlregelbaren Dosierantriebe 11 der Injektionsvorrichtung
3 sowie des Nachstreuers 4 und der ebenfalls regelbare, nicht dargestellte Antrieb
der Spritzpistole 2 erlauben es, diese Komponenten unabhängig voneinander ein- und
auszuschalten.
[0018] Die spezielle Injektionsvorrichtung 3 bringt die Profilteilchen 7 über ein am Gehäuse
unterhalb der Schleuderwalze 10 ausgebildetes, diffusorartiges Umlenkmittel 16 aus
und ist insbesondere mit einer in allen Richtungen beweglichen, in variabel eingestellten
Positionen festlegbaren, schematisch angedeuteten Aufhängung 17 in der Markierungsmaschine
1 angeordnet. Diese nach Art einer Dreh-Schiebe-Gelenkverbindung ausgebildete, nicht
zu erkennende, in der Zeichnungsebene hinten liegende Verstell- und Feststelleinrichtung
der Aufhängung 17 ermöglicht nicht nur eine Verstellung des Neigungswinkels α zur
Straßenoberfläche 6, sondern auch beliebige Verstellungen in vertikaler und horizontaler
Richtung.
Bezugszeichenliste:
[0019]
- 1
- Markierungsmaschine
- 2
- Spritzpistole/Farbspritzpistole
- 3
- Injektionsvorrichtung
- 4
- Nachstreuer
- 5
- Spritzstrahl
- 6
- Straßenoberfläche
- 7
- Profilteilchen
- 8
- Reflexperlen/Griffigkeitsmittel
- 9
- Dosier-/Förderwalze
- 10
- Schleuderwalze
- 11
- Dosierantrieb
- 12
- Rechen- und Steuereinheit (SPS)
- 13
- Signalleitung
- 14
- Bodenrad/Messmittel
- 15
- Signalleitung
- 16
- Umlenkmittel (Diffusor)
- 17
- Aufhängung
- P
- Pfeil/Fahrtrichtung
- VF
- Fahrgeschwindigkeit
- α
- Neigungswinkel
1. Verfahren zum Herstellen oder Erneuern von Horizontalmarkierungen auf Straßen, insbesondere
von Begrenzungs-,Leit- und Warnlinien, wobei von einer Markierungsmaschine (1), die
zumindest eine Spritzpistole (2) für einen flüssigen Markierungsstoff und eine Injektionsvorrichtung
(3) zum Einbringen von Profilteilchen (7) direkt in den Spritzstrahl (5) des flüssigen
Markierungsstoffes aufweist, eine Farbspur auf die Straßenoberfläche (6) aufgetragen
wird,
dadurch gekennzeichnet,
dass die laufend gemessene Fahrgeschwindigkeit (VF) der Markierungsmaschine (1) in eine zentrale Rechen- und Steuereinheit (12), an
die auch die Injektionsvorrichtung (3) angeschlossen ist, der Markierungsmaschine
eingegeben wird und bei Abweichungen von einer Sollgeschwindigkeit die Dosierung der
Profilteilchen (7) abhängig von der jeweiligen Istgeschwindigkeit dazu proportional
angepasst wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Drehzahl einer Förderwalze (9) der Injektionsvorrichtung (3) geschwindigkeitsproportional
geregelt wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet,
dass ein Nachstreuer (4) an die zentrale Rechen- und Steuereinheit (12) angeschlossen
und die Aufbringung eines Nachstreumittels geschwindigkeitsproportional geregelt wird.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Spritzpistole (2), die Injektionsvorrichtung (3) und der Nachstreuer (4) unabhängig
voneinander ein- und ausschaltbar sind, wobei zum Markierungsbeginn die Injektionsvorrichtung
(3) mit Vorlauf zur Spritzpistole (2) und zu diesem zeitversetzt der Nachstreuer (4)
eingeschaltet wird und zum Markierungsende zunächst die Spritzpistole (2), dann die
Injektionsvorrichtung (3) sowie abschließend der Nachstreuer (4) ausgeschaltet wird.
5. Vorrichtung zur Herstellung oder Erneuerung von Horizontalmarkierungen auf Straßen,
insbesondere von Begrenzungs-, Leit- und Warnlinien, umfassend eine Markierungsmaschine
(1), die zum Auftragen einer Farbspur auf die Straßenoberfläche (6) zumindest eine
Spritzpistole (2) für einen flüssigen Markierungsstoff und eine Injektionsvorrichtung
(3) zum Einbringen von Profilteilchen (7) direkt in den Spritzstrahl (5) des flüssigen
Markierungsstoffes aufweist, insbesondere zum Durchführen des Verfahrens nach Anspruch
1,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Markierungsmaschine (1) eine zentrale Rechen- und Steuereinheit (12) aufweist,
an die ein die Fahrgeschwindigkeit (VF) ermittelndes Messmittel (14) und eine mit einem regelbaren Dosierantrieb (11) ausgebildete
Injektionsvorrichtung (3) angeschlossen sind.
6. Vorrichtung nach Anspruch 5,
dadurch gekennzeichnet,
dass an die zentrale Rechen- und Steuereinheit (12) ein mit einem regelbaren Dosierantrieb
(11) ausgebildeter Nachstreuer (4) angeschlossen ist.
7. Vorrichtung nach Anspruch 5 oder 6,
gekennzeichnet durch
elektrische, zur Drehzahlanpassung einen integrierten elektronischen Regler aufweisende
Dosierantriebe (11).
8. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 5 bis 7,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Injektionsvorrichtung (3) mit einem diffusorartigen Umlenkmittel (16) ausgebildet
und mit einer variablen, in eingestellten Positionen festlegbaren Aufhängung (17)
in der Markierungsmaschine (1) angeordnet ist.