[0001] Die Erfindung betrifft eine Anordnung zur automatischen Handhabung radioaktiver Stoffe,
welche insbesondere einsetzbar ist für eine vollautomatische Prozessführung an radioaktiven
Flüssigkeiten innerhalb von Abschirmungen, wobei die Prozessführung physikalische
und/oder chemische Operationen umfasst. Durch die Erfindung können insbesondere selbstabgeschirmte
Synthesemodule oder Dispenser zur Handhabung und Verarbeitung radioaktiver Flüssigkeiten
bereitgestellt werden.
[0002] Bei der Handhabung von radioaktiven Substanzen mit hohen Aktivitäten muss das Bedienpersonal
und die Umwelt vor der radioaktiven Strahlung geschützt werden. Dies geschieht mittels
Abschirmungen aus Materialien mit hoher spezifischer Dichte wie z.B. Blei, Wolfram
oder Uran und mit erforderlichen Wandstärken von mindestens 5 Zentimetern. Handelsübliche
Abschirmungen, so genannte "Heiße Zellen" haben daher ein Gewicht von mehreren Tonnen.
Diese Abschirmungen müssen die Strahlung in alle Raumrichtungen signifikant reduzieren
und dürfen keinen Strahlenpass aufweisen. Um physikalische und chemische Operationen
innerhalb dieser Abschirmung durchführen zu können ist eine Bedienung über Ferngreifer
(Manipulatoren) oder über innerhalb der Abschirmung befindlicher vollautomatische
Systeme (z.B. Synthesemodule, Dispenser, Roboter) nötig. Mittels Ferngreifer ist keine
vollautomatische Prozessführung komplizierter Abläufe, wie z.B. bei mehrstufigen chemischen
Synthesen möglich. Vollautomatische Systeme (z.B. Synthesemodule, Dispenser, Roboter)
werden innerhalb der Abschirmung betrieben (S. Zeichnung) und vergrößern daher das
abzuschirmende Volumen und somit die Masse der nötigen Abschirmung erheblich.
[0003] Der Stand der Technik auf dem Gebiet der vollautomatischen Prozessführung von physikalischen
und chemischen Operationen an radioaktiven Flüssigkeiten innerhalb von Abschirmungen
ist dadurch charakterisiert, dass es zwar vollautomatische Systeme wie Roboter, Synthesegeräte
und Abfüllanlagen gibt, bei diesen sich jedoch alle zur Bewegung von Komponenten erforderlichen
Bauteile permanent innerhalb der Abschirmung befinden. Vor allem Synthesemodule zum
Betrieb von Einwegkassetten werden bis auf die Steuerungseinheit komplett innerhalb
der Abschirmung installiert (vgl. Figur 1)
[0004] Die Nachteile der bisher vorhandenen Lösungen liegen unter anderem in folgendem:
- Innerhalb der Abschirmung betriebene Komponenten vergrößern das abzuschirmende Volumen
und somit die Masse der nötigen Abschirmung erheblich.
- Elektrische und elektronische Bauteile sind innerhalb der Abschirmung schutzlos der
Radioaktivität ausgesetzt und werden durch Strahlungseinwirkung angegriffen oder zerstört.
- Eine radioaktive Kontamination von permanent installierten Bauteilen innerhalb der
Abschirmung kann zu erhöhten Strahlendosen innerhalb der Abschirmung führen. Kontaminierte
Bauteile müssen unter erheblichem Aufwand gereinigt oder entsorgt werden.
[0005] Es ist deshalb Aufgabe der Erfindung, eine Anordnung zur automatischen Handhabung
radioaktiver Stoffe bereitzustellen, welche die oben beschriebenen Mängel behebt und
insbesondere eine flexiblere Einsetzbarkeit einer solchen Anordnung gestattet.
[0006] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß durch die Merkmale in Anspruch 1 gelöst. Zweckmäßige
Ausgestaltungen der Erfindung sind in den Unteransprüchen enthalten.
[0007] Die flexible Einsetzbarkeit der erfindungsgemäßen Anordnung wir dadurch erreicht,
dass die Anordnung zur automatischen Handhabung radioaktiver Stoffe mindestens eine
Abschirmeinheit, mindestens eine Handhabungseinheit und mindestens eine Bedieneinheit
umfasst. Die mindestens eine Abschirmeinheit ist dabei so ausgelegt, dass radioaktive
Strahlung, die von im Inneren der mindestens einen Abschirmeinheit befindlichen Substanzen
oder Stoffe ausgeht, in einem vorgebbaren Maße abgeschwächt wird oder nur in einer
vorgebbaren Intensität nach außen dringt. Bei diesen Vorgaben kann es sich um freie
oder gesetzliche Vorgaben handeln. Eine bevorzugte Ausführungsform sieht vor, dass
eine Abschirmung in alle Raumrichtungen mit einer Dosisrate von weniger als 10 µSv/h
an der Oberfläche außen der mindestens einen Abschirmeinheit realisiert wird. Vorzugsweise
ist die mindestens eine Abschirmeinheit aus einem Material mit hoher spezifischer
Dichte gefertigt. Als vorteilhaft erweist es sich, wenn das Material Blei, Wolfram
oder Uran zumindest enthält. Die erfindungsgemäße Anordnung, insbesondere die mindestens
eine Abschirmeinheit, weist keinen Strahlenpass auf. Die mindestens eine Abschirmeinheit
ist vorzugesweise als sogenannte "Heiße Zelle" ausgebildet.
[0008] In einer weiteren bevorzugten Ausführungsform der Erfindung umfasst die mindestens
eine Abschirmeinheit einen Abfallbehälter, der der Aufbewahrung unerwünschter Reste
von radioaktiven Stoffen dient, die bei der Handhabung anfallen. Der abgeschirmte
Abfallbehälter kann im Innern oder an der Außenwand der mindestens einen Abschirmeinheit
angeordnet sein.
[0009] Erfindungsgemäß ist weiter vorgesehen, dass die mindestens eine Handhabungseinheit
zumindest während der Handhabung innerhalb der mindestens einen Abschirmeinheit und
die mindestens eine Bedieneinheit außerhalb der mindestens einen Abschirmeinheit angeordnet
sind. Das hat insbesondere den Vorteil, dass die Abmessungen und daher auch das Gewicht
der mindestens einen Abschirmeinheit im Vergleich zu den herkömmlichen "Heißen Zellen"
erheblich reduziert werden. Erfindungsgemäß ist weiter vorgesehen, dass ausschließlich
die mindestens eine Handhabungseinheit oder Teile der mindestens einen Handhabungseinheit
mit radioaktiven Stoffen in Kontakt kommen, nicht aber die mindestens eine Abschirmeinheit
oder die mindestens eine Bedieneinheit. Das ist insbesondere deshalb von Vorteil,
weil so die außerhalb der mindestens einen Abschirmeinheit befindliche Teile nicht
der radioaktiven Strahlung ausgesetzt werden und darüber hinaus auch die mindestens
eine Abschirmeinheit nur gering mit Radioaktivität kontaminiert wird. Dadurch wird
erreicht, dass die Vorrichtung nach Beendigung einer Handhabung schnell wieder für
die nächste Anwendung bereitsteht, da keine aufwendige Dekontaminierung erforderlich
ist.
[0010] Bei der mindestens einen Bedieneinheit kann es sich beispielsweise um eine oder mehrere
Antriebseinheiten, Motoren und/oder elektrische oder elektronische Bauteile handeln.
In einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung ist vorgesehen, dass für spezielle
Komponenten der mindestens einen Handhabungseinheit, wie z.B. Hahnbank, Spritze, Heizreaktor
o. dgl., jeweils eine spezielle Antriebseinheit eingesetzt wird. So sind in einer
bevorzugten Ausführungsform die Antriebseinheiten beispielsweise als Steuermodul für
eine Hahnbank, Steuermodul zur Bedienung einer Spritze oder Steuermodul zum Betreiben
eines Heizmoduls realisiert.
[0011] In einer bevorzugten Ausführungsform ist vorgesehen, dass die mindestens eine Handhabungseinheit
modular aufgebaut ist. Vorzugsweise umfasst die mindestens eine Handhabungseinheit
mindestens eine der folgenden Komponenten oder Module (allein oder in Kombination):
Verteilungsmittel, wie z.B. Hahnventile, insbesondere eine oder mehrere Hahnventilbänke,
Spritzen, Verbindungselemente, insbesondere Schläuche, Gefäße, insbesondere mit Prozesschemikalien
gefüllte Gefäße oder Produktgefäße, eine Reinigungseinheit, wie z.B. eine Reinigungskartusche,
Filter, Befestigungselemente, wie beispielsweise eine Halterung, oder dergleichen.
In einer bevorzugten Ausführungsform ist vorgesehen, dass mehrere Komponenten zu einer
Einheit zusammengefasst sind. Beispielsweise können Hahnventile oder Hahnbänke mit
einem Befestigungselement zu einer sogenannten Kassette kombiniert sein. Neben Hahnventilen
oder einer oder mehreren Hahnbänken kann eine Kassette auch noch eine oder mehrere
Spritzen umfassen.
[0012] Eine bevorzugte Ausführungsform sieht vor, dass zumindest ein Teil der Komponenten
als Einwegkomponenten ausgebildet ist. Vorzugsweise werden Einwegkassetten eingesetzt.
Insbesondere werden Einwegsynthesekassetten eingesetzt. Solche Einwegsynthesekassetten
werden für eine Vielzahl von Synthesen angeboten. Daher unterschieden sich solche
Einwegsynthesekassetten je nach durchzuführender Synthese in ihren Komponenten.
[0013] Erfindungsgemäß erfolgt die Bedienung der mindestens einen Handhabungseinheit mit
Hilfe der außerhalb der mindestens einen Abschirmeinheit angeordneten mindestens einen
Bedieneinheit. Hierfür werden Mittel zur Kraftübertragung, wie beispielsweise Achsen,
wie beispielsweise Drehachsen, durch eine Wand der mindestens einen Abschirmeinheit
hindurchgeführt. Im Inneren der mindestens einen Abschirmeinheit sind die Mittel zur
Kraftübertragung mit der mindestens einen Handhabungseinheit form- oder kraftschlüssig
gekoppelt. Eine bevorzugte Ausführungsform der Erfindung sieht vor, dass zumindest
ein Teil der Mittel zur Kraftübertragung und der mindestens einen Handhabungseinheit
lösbar miteinander verbunden sind. Als vorteilhaft erweist es sich, wenn zumindest
ein Teil der Durchführungen für die Mittel zur Kraftübertragung in Abstimmung auf
zumindest einen Teil der mindestens einen Handhabungseinheit realisiert sind. In einer
bevorzugten Ausführungsform sind hierfür (standardisierte) Rastermaße vorgesehen.
In einer bevorzugten Ausführungsform ist vorgesehen, dass zumindest ein Teil der Durchführungen
so ausgelegt ist, dass bestimmte Module der mindestens einen Handhabungseinheit mit
diesen Durchführungen korrespondieren. Beispielsweise können die Durchführungen für
eine oder mehrere Hahnbänke, Spritzenmodule, Kassetten, Verbindungselemente, Gefäße
oder dergleichen ausgelegt sein, so dass diese Komponenten bzw. Module in einfacher
Weise mit den durch die Durchführungen hindurchgeführten Mitteln zur Kraftübertragung
kombiniert, beispielsweise auf diese aufgesteckt werden können.
[0014] Die Durchführungen können einen Gebrauchs- und einen Nichtgebrauchszustand aufweisen.
Im Gebrauchszustand ist ein Mittel zur Kraftübertragung in der Durchführung angeordnet
und verbindet die mindestens eine Bedieneinheit und die mindestens eine Handhabungseinheit
miteinander oder stellt im Inneren der mindestens einen Abschirmeinheit eine Möglichkeit
zur Verbindung mit der mindestens einen Handhabungseinheit bereit. Im Nichtgebrauchszustand
ist kein Mittel zur Kraftübertragung in der Durchführung angeordnet. Im Nichtgebrauchszustand
sind vorzugsweise Einsatzelemente in der Durchführung angeordnet, die insbesondere
der Abschirmung dienen. Sowohl im Gebrauchs- als auch im Nichtgebrauchszustand weisen
die Durchführungen keinen Strahlenpass auf. Eine bevorzugte Ausführungsform der Erfindung
sieht vor, dass die Mittel zur Kraftübertragung Abschirmelemente aufweisen, die sich
bei Gebrauch außerhalb der mindestens einen Abschirmeinheit befinden und die Durchführung
vollständig abdecken. Ebenso weisen die Einsatzelemente einen Abdeckbereich auf, der
die Durchführung vollständig abdeckt, wenn das Einsatzelement sich in der Durchführung
befindet. In einer bevorzugten Ausführungsform sind die Abschirmelemente und/oder
die Abdeckbereiche als die Durchführung überlappend ausgebildet. Vorzugsweise sind
die Abschirmelemente und/oder die Abdeckbereiche aus einem Material mit hoher spezifischer
Dichte gefertigt. Als vorteilhaft erweist es sich, wenn das Material Blei, Wolfram
oder Uran zumindest enthält. Ein besonderer Vorteil des Gebrauchs- und Nichtgebrauchszustands
besteht darin, dass die Durchführungen in Abstimmung mit den für die Handhabung erforderlichen
Bedien- und Handhabungsmitteln genutzt werden können. Vorzugsweise werden Mittel zur
Kraftübertragung nur durch die Durchführungen hindurchgeführt, wenn dies für die Handhabung
erforderlich ist. Die mindestens eine Abschirmeinheit kann Durchführungen in allen
Wänden, vorzugsweise aber in den Seitenwänden und der Decke, aufweisen. In einer anderen
bevorzugten Ausführungsform ist die mindestens eine Abschirmeinheit mit einer Tür,
vorzugsweise einer Schiebetür, ausgestattet. In diesem Falle erweist es sich als vorteilhaft,
wenn die Schiebetür keine Durchführungen aufweist. In einer bevorzugten Ausführungsform
ist die mindestens eine Abschirmeinheit luftdicht ausgeführt. Durchführungen und Türen
sind entsprechend abgedichtet.
[0015] Eine weitere bevorzugte Ausführungsform der Vorrichtung sieht vor, dass die Vorrichtung
mit Unterdruck betreibbar ist.
[0016] Eine weitere bevorzugte Ausführungsform der Vorrichtung sieht vor, dass ein laminarer
Fluss, d.h. turbulenzarme Verdrängungsströmung der Luft, innerhalb der mindestens
einen Abschirmeinheit realisierbar ist. Dafür ist vorgesehen, dass die mindestens
eine Abschirmeinheit mit einem Umluftsystem mit Filter ausgestattet ist, wobei die
oder der Filter vorzugsweise gegen Strahlung abgeschirmt ist.
[0017] Bei der Handhabung kann es sich um die Durchführung physikalischer und/oder chemischer
Operationen, die Durchführung einer vorzugsweise mehrstufigen Synthese, wie beispielsweise
einer (mehrstufigen) chemischen Synthese, handeln. Ein Beispiel einer Synthese könnte
die Synthese von Radiodiagnostika wie PET-Tracern (PET = Positronenemmissionstomographie)
sein. Die Handhabung erfolgt vorzugsweise automatisch, besonders bevorzugt vollautomatisch.
Zur Steuerung der Handhabung, insbesondere zur Steuerung der mindestens einen Bedieneinheit,
umfasst die Vorrichtung vorzugsweise mindestens eine Datenverarbeitungseinrichtung.
[0018] Die Erfindung vermeidet die Nachteile des Standes der Technik, indem nur Halterungen
für Einwegkassetten und die Einwegkassetten selbst innerhalb der Abschirmung angebracht
sind. Dies führt zu einer erheblichen Reduzierung in dem Volumen und der Masse der
Abschirmung gegenüber der nötigen Abschirmung für existierende auf Einwegkassetten
basierende Synthesemodule. Elektrische und elektronische Bauteile sind außerhalb der
Abschirmung vor der Radioaktivität geschützt. Im Falle einer Kontamination können
Einwegkassetten leicht entnommen und entsorgt werden.
[0019] Nachstehend wird die Erfindung in einem Ausführungsbeispiel anhand der beigefügten
Zeichnungen näher erläutert. Es zeigen:
- Figur 1
- eine "Heiße Zelle" nach dem Stand der Technik,
- Figur 2
- einen Aufbau einer beispielhaften Ausführungsform der erfindungsgemäßen Vorrichtung,
- Figur 3
- eine weitere beispielhafte Ausführungsform der erfindungsgemäßen Vorrichtung,
- Figur 4
- eine Veranschaulichung des Zusammenwirkens einer Kassette mit zwei Hahnbänken mit
den Achsen einer Ansteuereinheit,
- Figur 5
- ein Beispiel einer Einwegkassette mit zwei Hahnbänken und
- Figur 6
- ein Beispiel einer Einwegkassette mit drei Hahnbänken.
[0020] Im Folgenden soll die Erfindung am Beispiel eines Synthesemoduls in größerem Detail
beschrieben werden. Dabei ist jedoch zu beachten, dass die Erfindung nicht auf eine
Vorrichtung zur Durchführung einer Synthese unter Beteiligung von radioaktiven Stoffen
beschränkt ist, sondern Vorrichtungen zu anderen Handhabungen radioaktiver Stoffe
ebenso von der Erfindung umfasst werden, solange die Vorrichtung nur alle Merkmale
des unabhängigen Anspruchs aufweist.
[0021] Bevor die Erfindung näher erläutert wird, soll noch einmal kurz der Stand der Technik
auf dem Gebiet der Erfindung dargestellt werden. Synthesemodule 100 für eine automatische
oder vollautomatische Verarbeitung radioaktiver Stoffe werden aus Strahlenschutzgründen
herkömmlicherweise komplett innerhalb einer nach allen Raumrichtungen abgeschlossenen
Abschirmung 102 ("Heiße Zelle") betrieben. In Figur 1 ist ein Synthesemodul 100 für
Einwegkassetten 104 dargestellt, wobei ein Teil der Abschirmung nicht dargestellt
ist. Wie in Figur 1 veranschaulicht, sind alle für die kinematische Bedienung der
Komponenten der Einwegkassetten 104 erforderlichen Bauteile permanent innerhalb der
Abschirmung 102 angeordnet. Eine Ausnahme bilden möglicherweise Datenverarbeitungseinrichtungen
wie z.B. Steuereinheiten, die zum Teil auch außerhalb der Abschirmung eingesetzt werden.
[0022] Im Gegensatz zu den herkömmlichen Lösungen ist erfindungsgemäß vorgesehen, dass lediglich
solche Teile eines Synthesemoduls 200 im Inneren einer Abschirmung 202 angeordnet
sind, welche mit radioaktiven Stoffen in Kontakt kommen. Solche Teile sind beispielsweise
Kassetten 204 mit Hahnbänken und/oder Spritzen 206. Die Kassetten 204 mit Hahnbänken
und/oder die Spritzen 206 werden in der beispielhaften Ausführungsform an Halterungen
208, 210 befestigt. Diese Halterungen 208, 210 sind vorzugsweise aus der Abschirmung
202 entfernbar. Das in Figur 2 dargestellt Synthesemodul 200 weist als Bedieneinheiten
drei Antriebseinheiten 212 auf, die über Achsen 214 mit den Kassetten 204 mit Hahnbänken
und der Spritze 206 verbunden sind. Die Antriebseinheiten 212 sind außerhalb der Abschirmung
202 angeordnet. Die Achsen 214 der Antriebseinheiten 212 werden durch die Seitenwände
und durch die Decke der Abschirmung geführt. Die Achsen 214 weisen weiter Abschirmelemente
216 auf, die die Durchführungen vollständig abdecken und verhindern, dass durch die
Durchführung Strahlung nach außen dringt (vgl. Figur 2). Erfindungsgemäß schirmt die
Abschirmung 202 während der Handhabung die Strahlung in alle Raumrichtungen ab. Allein
für eine bessere Veranschaulichung ist in Figur 2 ein Teil der Abschirmung nicht dargestellt.
[0023] In Figur 3 ist eine weitere beispielhafte Ausführungsform der Erfindung dargestellt.
Das in Figur 3 dargestellt Synthesemodul 300 ist ebenfalls mit Antriebseinheiten 212
ausgestattet. Allerdings sind im Inneren der Abschirmung 202 noch keine Komponenten
zur Durchführung der Synthese angeordnet. Das beispielhafte Synthesemodul 300 weist
eine Tür 302 auf, durch die der Zugang zum Inneren der Abschirmung 202 ermöglicht
wird. In diesem Ausführungsbeispiel ist die Tür 302 als Schiebetür realisiert.
[0024] Figur 4 zeigt in einer Detaildarstellung das Zusammenwirken von Antriebseinheit 212,
Achsen 214, Halterung 208 und einer Kassette 204 mit zwei Hahnbänken 402.
[0025] Zwei Beispiele von Einwegkassetten 500, 600 sind in den Figuren 5 und 6 angegeben.
In Figur 5 ist eine Einwegkassette 500 wiedergegeben, die mit zwei Hahnbänken 402,
einer Spritze 206 und vier Gefäßen 502 über eine Verschlauchung 504 kombiniert ist.
Die Gefäße 502 können Prozesschemikalien enthalten oder als (abgeschirmtes) Produktgefäß
dienen, in das das fertige Produkt abgefüllt wird. Die in Figur 6 dargestellt Einwegkassette
600 ist mit drei Hahnbänken 402 kombiniert. Die Ausgestaltung und Ausstattung der
Einwegkassetten 500, 600 hängt von den durchzuführenden Syntheseschritten ab. Die
eingesetzten Antriebseinheiten 212, Halterungen 208, 210 und genutzten Durchführungen
werden vorzugsweise ebenfalls in Abhängigkeit der jeweils durchzuführenden Syntheseschritte
gewählt.
[0026] Um das Bedienpersonal und die Umwelt bei der Handhabung von radioaktiven Substanzen
mit hohen Aktivitäten vor der radioaktiven Strahlung zu schützen, werden Abschirmungen
202 aus Materialien mit hoher spezifischer Dichte wie z.B. Blei, Wolfram oder Uran
und mit erforderlichen Wandstärken von mindestens 5 Zentimetern eingesetzt. Die Abschirmungen
202 müssen die Strahlung in alle Raumrichtungen signifikant reduzieren und dürfen
keinen Strahlenpass aufweisen. Um Abmaße und Gewicht der Abschirmung 202 zu reduzieren,
werden nach der vorliegenden Erfindung nur die mit der radioaktiven Flüssigkeit in
Kontakt stehenden Teile, wie beispielsweise Hahnbänke 402, Spritzen 206, Verschlauchung
504 oder Gefäße 502, der vollautomatischen Apparatur innerhalb der Abschirmung 202
platziert und alle nötigen Manipulationen werden durch die Abschirmung 202 hindurch
von außerhalb befindlichen Komponenten, insbesondere von Antriebseinheiten 212 und
einer oder mehrerer Steuereinheiten, durchgeführt. Hierzu werden beispielsweise Kassetten
204 bestehend aus Hahnventilen oder Hahnventilbänken 402 sowie einer oder mehrerer
Spritzen 206 an innerhalb der Abschirmung 202 befindlichen Halterungen 208, 210 angebracht.
Die Hähne einzeln oder in einer Hahnbank 402 werden durch Achsen 214 von den außen
befindlichen Motoren angetrieben. Die Spritzen 206 werden ebenfalls über Antriebe
von außen bedient. Die Durchführungen aller Antriebseinheiten 212 zu den angetriebenen
Einheiten sind ohne Strahlenpass so ausgelegt, das sich keine Verminderung der Abschirmwirkung
ergibt. Insbesondere weisen die Achsen hierfür Abschirmelemente 216 auf. Durch eine
Tür 302 kann die Abschirmung 202 geöffnet werden (vgl. Figur 3), die Kassetten 204
bestehend aus Hähnen, Hahnbänken 402 , Schläuchen, Verbindungsstücken, Gefäßen 502
(gefüllt mit Prozesschemikalien), Produktgefäß, Reinigungskartuschen, Filtern, Spritzen
206 etc. (vgl. Figuren 5 und 6) werden in die Halterungen 208, 210 eingelegt und die
Tür 302 geschlossen. Über ein vollautomatisches, computergesteuertes System werden
nun alle zur Durchführung der physikalischen und chemischen Operationen nötigen Schritte
von außerhalb der Abschirmung 202 durch die Abschirmung 202 hindurch durchgeführt.
Nach Beendigung der durchzuführenden Prozesse wird das gewünschte Produkt in ein abgeschirmtes
Gefäß 502 überführt und unerwünschte Reste an radioaktiver Flüssigkeit werden bestmöglich
in ein ebenfalls abgeschirmtes Abfallgefäß innerhalb oder außerhalb der Abschirmung
202 des Systems gespült. Durch diese Vorgehensweise ist es möglich die Tür 302 der
Abschirmung 202 kurz nach dem Prozess gefahrlos zu öffnen, das Produkt zu entnehmen,
die nur mit geringer Radioaktivität belasteten Kassetten 204 schnell zu entsorgen
und somit das System für die nächste Anwendung einsatzbereit zu machen.
[0027] Die Erfindung zeichnet sich insbesondere dadurch gegenüber herkömmlichen Lösungen
aus, dass erfindungsgemäß ein Teil der, vorzugsweise alle, zur Bewegung von Komponenten
des Synthesemoduls 200, 300 erforderlichen Bauteile außerhalb der Abschirmung 202
angeordnet ist.
[0028] Die Erfindung beschränkt sich in ihrer Ausführungsform nicht auf das vorstehend angegebene
bevorzugte Ausführungsbeispiel. Vielmehr ist eine Anzahl von Varianten denkbar, die
von der erfindungsgemäßen Vorrichtung auch bei grundsätzlich anders gearteten Ausführungen
Gebrauch macht.
1. Anordnung zur automatischen Handhabung radioaktiver Stoffe, wobei die Anordnung mindestens
folgendes umfasst:
- eine Abschirmeinheit,
- eine Handhabungseinheit und
- eine Bedieneinheit,
wobei die mindestens eine Handhabungseinheit innerhalb und die mindestens eine Bedieneinheit
außerhalb der mindestens einen Abschirmeinheit angeordnet sind,
von der mindestens einen Abschirmeinheit, der mindestens einen Handhabungseinheit
und der mindestens einen Bedieneinheit lediglich die mindestens eine Handhabungseinheit
oder Teile der mindestens einen Handhabungseinheit in Kontakt mit dem radioaktiven
Stoff stehen, und
die mindestens eine Handhabungseinheit durch die mindestens eine Bedieneinheit bedienbar
ist, wobei die Abschirmung Durchführungen aufweist zur Verbindung der mindestens einen
Handhabungseinheit und der mindestens einen Bedieneinheit durch Mittel zur Kraftübertragung,
dadurch gekennzeichnet, dass
zumindest ein Teil der Durchführungen in einem vorgebbaren Rastermaß beabstandet sind
und in Abhängigkeit von zur Handhabung erforderlichen Bedien- und Handhabungsmitteln
die Mittel zur Kraftübertragung aus den Durchführungen entfernbar und durch Einsatzmittel
strahlenpassfrei ersetzbar sind.
2. Anordnung nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, dass
zumindest ein Teil der Durchführungen und zumindest ein Teil der mindestens einen
Handhabungseinheit aufeinander abgestimmt sind.
3. Anordnung nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet, dass
das Rastermaß auf zumindest zwei verschiedene Einwegkassetten abgestimmt ist.
4. Anordnung nach einem der voranstehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
die mindestens eine Handhabungseinheit modular aufgebaut ist oder verschiedene Komponenten
umfasst.
5. Anordnung nach einem der voranstehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
die mindestens eine Bedieneinheit mindestens einen Antrieb und/oder mindestens eine
Steuereinheit und/oder
die mindestens eine Handhabungseinheit mindestens
- ein Verteilungsmittel,
- eine Spritze,
- ein Verbindungselement,
- ein Gefäß,
- eine Reinigungseinheit und/oder
- einen Filter
umfasst.
6. Anordnung nach einem der voranstehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
zumindest ein Teil der mindestens einen Bedieneinheit elektrische und/oder elektronische
Bauteile umfasst.
7. Anordnung nach einem der voranstehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Handhabung
- physikalische und/oder chemische Operationen,
- eine Verarbeitung des radioaktiven Stoffs und/oder
- eine Synthese des radioaktiven Stoffs
umfasst.
8. Anordnung nach einem der voranstehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
die mindestens eine Handhabungseinheit in Abhängigkeit der durchzuführenden Handhabung
innerhalb der mindestens einen Abschirmeinheit angeordnet ist.
9. Anordnung nach einem der voranstehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
durch die mindestens eine Abschirmeinheit eine Abschirmung der Strahlung in alle Raumrichtungen
realisiert ist.
10. Anordnung nach einem der voranstehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
die mindestens eine Abschirmeinheit einen Abfallbehälter umfasst.