[0001] Die Erfindung betrifft Schmiermittel, welche ein Gemisch aus einer ionischen Flüssigkeit
und einem Polymer oder eine polymere ionische Flüssigkeit (sog. PIL "polymeric ionic
liquid") enthalten.
[0002] Bei allen Vorrichtungen, bei denen mechanische Teile relativ zueinander bewegen,
kommt es zu Reibung und Verschleiß. Schmierstoffen fällt die Aufgabe zu, in solchen
Fällen die Reibung zu vermindern und Verschleißerscheinungen zu minimieren.
[0003] Im Bereich der Schmierstoffe sind die flüssigen Schmierstoffe am weitesten verbreitet
und besonderen Anforderungen ausgesetzt. Ihre Eigenschaften müssen dem Verwendungszweck
und den jeweiligen Betriebsbedingungen angepasst sein. So sollten sie möglichst ein
für die jeweilige Anwendung passendes Viskositäts-Temperatur- und Viskositäts-Druck-Verhalten
aufweisen, einen tiefen Stockpunkt (Pourpoint) besitzen und möglichst nicht flüchtig
sein, ferner eine hohe Temperatur-, Scher-, und Oxidationsstabilität aufweisen und
hydrolyse- und in Sonderfällen strahlungsfest sein. Darüber hinaus sollte ein flüssiger
Schmierstoff umweltverträglich sein.
[0004] Im Bereich der flüssigen Schmiermittel stellen die Kühlschmiermittel oder Kühlschmierstoffe
(Abkürzung: KSS, siehe DIN-Norm DIN 51385) eine eigene Klasse dar. Sie dienen in der
Fertigungstechnik beim Trennen und Umformen auf Werkzeugmaschinen der Wärmeabfuhr
und Verminderung der Reibung zwischen Werkzeug und Werkstück durch Schmierung. Zusätzlich
dienen sie bei einigen Zerspanungsprozessen zur Entfernung der Späne durch Abspülen
aus dem Arbeitsumfeld.
[0005] Viskose, wässrige Fluide können nur dann für technische Schmierungszwecke verwendet
werden, wenn weitere Anforderungen ebenfalls erfüllt werden, wie Korrosionsschutz
gegenüber Eisen-, Aluminium- und Buntmetallen und ihren Legierungen, tribologische
Wirksamkeit im Kontakt zwischen Werkzeug und Werkstück, Stabilität gegenüber mikrobieller
Besiedlung, hohe Spül- und Netzwirkung zur Entfernung von Abrieb und Spänen aus der
Zerspanungszone und Erfüllung aller Auflagen gemäß Europäischem Chemikalienrecht.
[0006] Die sowohl für hydrodynamische als auch hydrostatische Schmierung entscheidende Eigenschaft
eines Schmierstoffs ist seine dynamische Viskosität η. Sie ist von Druck und Temperatur
abhängig. Flüssigkeiten weisen eine substanzspezifische Viskosität auf, die durch
Zugabe von speziellen Additiven anwendungsgerecht verändert werden kann; hierzu gehören
vorwiegend Polymere. Bekanntermaßen wirken diese auch als sog. Viskositäts-Index-(VI)-Verbesserer
bezeichneten Polymere sehr effektiv in nichtwassermischbaren Flüssigkeiten, wie z.B.
Mineralölen und Esterölen.
[0007] Bei Verwendung von Wasser als polare Flüssigkeit werden wasserlösliche Polymere,
wie z.B. Zellulosederivate, Zucker, Zuckerderivate, Polyvinylpyrrolidon-Verbindungen
erfolgreich eingesetzt.
[0008] So offenbart die
WO 2009/106359 eine niedrig- bis hochviskose wasserbasierte Schmierstoffzusammensetzung, die mineralölfrei
ist und polymere Schmierstoffe enthält. Hierbei erweisen sich die Carboxymethylcellulose-Derivate
als sehr gut geeignet.
[0009] Die Verwendung von Polymeren in Schmierstoffen bringt allerdings auch Nachteile mit
sich. So ergeben bisher bekannte polymere Schmierstoffsysteme nach Abdunsten des Wasseranteils
zähviskose, teilweise feste Rückstände, die in der betrieblichen Praxis zu Störungen
und technischem Mehraufwand (insbesondere durch die Reinigung) führen. So beeinträchtigen
Rückstände die Schmierfähigkeit und können zu einem erhöhten Verschleiß führen. Ihre
Entfernung kann sehr zeit- und kostenaufwändig sein.
[0010] Der Erfindung liegt daher die Aufgabe, einen polymer-basierten Schmierstoff bereitzustellen,
der bezüglich der oben genannten Nachteile zumindest verbessert ist. Diese Aufgabe
wird erfindungsgemäß durch die Bereitstellung eines Schmierstoffes gelöst, der ein
Gemisch aus einem Polymer und einer ionischen Flüssigkeit (Polymer-IL-Gemisch) oder
eine polymere ionische Flüssigkeit (PIL) enthält.
[0011] Es wurde gefunden, dass die Verwendung einer polymeren ionischen Flüssigkeit oder
eines Polymer-IL-Gemisches in einem Schmierstoff die Ausbildung eines zähviskosen
oder festen Rückstandes verhindert. Damit bleibt die Schmierfähigkeit auch bei starker
Beanspruchung erhalten und der Verschleiß des Werkstoffs wird minimiert. Eine kosten-
und zeitaufwändige Entfernung des Rückstandes ist nicht mehr notwendig.
[0012] Besondere Bedeutung hat hierbei, dass ein Schmierstoff durch den Zusatz einer polymeren
ionischen Flüssigkeit oder eines Polymer-IL-Gemisches die tribologischen Anforderungen
erfüllt, indem er ein geeignetes Viskositäts-Temperatur- und Viskositäts-Druck-Verhalten
aufweist, einen tiefen Stockpunkt (Pourpoint) besitzt und ferner eine hohe Temperatur-
und Oxidationsstabilität aufweist.
[0013] Zudem ist ein solcher Schmierstoff verträglich mit den verwendeten Konstruktionsmaterialien.
[0014] Die für die Schmierstoffe verwendeten ionischen Flüssigkeiten stellen neue Möglichkeit
dar, die Schmierstoffe auf die spezifischen Anforderungen anzupassen. Die physikalischen
und chemischen Eigenschaften ionischer Flüssigkeiten lassen sich durch die geeignete
Auswahl der verwendeten Kationen und Anionen in einem weiten Bereich gezielt variieren.
[0015] Ein besonderer Vorzug der Erfindung liegt in der Ausbildung eines filmartigen Rückstands,
der einen Oxidationsschutz und damit Korrosionsschutz bewirkt.
[0016] Da dieser Rückstandsfilm zudem wasserlöslich ist, kann er schnell und unkompliziert
entfernt werden und erlaubt so eine einfache Weiterverwendung des rückstandsfreien
Werkstücks.
[0017] Weiterhin weisen die erfindungsgemäßen Schmierstoffe hohe Scherstabilität und Stabilität
in Wasser auf und können unabhängig von der Temperatur hergestellt werden. Die erfindungsgemäße
Zugabe von Korrosionsschutz-, Schmierungs-Verschleißschutzadditiven sowie Netzmitteln
und Lösungsvermittlern sichert hierbei der viskosen Wasserlösung alle Eigenschaften
zu, die zum Einsatz in der Metallbearbeitung nötig sind.
[0018] Vorzugsweise ist der erfindungsgemäße Schmierstoff ein wasserbasierter Schmierstoff,
d.h. das er als Ausgangsbasis Wasser enthält. Der fertige Schmierstoff liegt dementsprechend
als einphasige wässrige Lösung vor oder als Emulsion/Dispersion oder Kolloid mit Wasser
als äußerer Phase.
[0019] Bevorzugt handelt es sich bei dem erfindungsgemäßen Schmierstoff um einen wasserbasierten
Kühlschmierstoff.
[0020] Vorzugsweise besitzt die erfindungsgemäße Schmierstoffzusammensetzung einen Anteil
des Polymer-IL-Gemisches oder der polymeren ionischen Flüssigkeit im Bereich bis zu
10,0 Gew.% der wässrigen Phase, besonders bevorzugt im Bereich bis zu 5 Gew.% und
speziell von 0,3 bis 2,0 Gew.% bezogen auf den fertigen Schmierstoff oder auf die
eventuell vorhandene wässrige Phase.
[0021] In einer Ausführungsform der Erfindung ist der Schmierstoff dadurch gekennzeichnet,
dass das Polymer-IL-Gemisch oder die polymere ionische Flüssigkeit ein Kation enthält,
das ausgewählt ist aus der Gruppe, bestehend aus Ammonium-Kationen, Guanidinium-Kation,
Imidazolium-Kationen, Morpholinium-Kationen, Phosphonium-Kationen, Piperidinium-Kationen,
Pyridinium-Kationen, Pyrrolidinium-Kationen sowie Sulfonium-Kationen.
[0022] Bei einer polymeren ionischen Flüssigkeit, die ein kationisches Polymer aufweist,
können die aufgelisteten Kationen auch funktionelle Gruppen des Polymers darstellen,
wobei das Polymer auch verschiedene kationische Gruppen tragen kann.
[0023] Bei einer polymeren ionischen Flüssigkeit, die ein anionisches Polymer aufweist,
können die aufgelisteten Kationen, oder Mischungen hieraus als kationische Gegenionen
fungieren.
[0024] Für die bevorzugten Kationen seien im Einzelnen beispielsweise genannt:
Ammonium-Kation:
[0025] Ethyldimethyl-(2-methoxyethyl)ammonium, Ethyl-dimethyl-propylammonium, Ethyldimethylpropylammonium,
(2-Hydroxyethyl)trimethylammonium, Methyltrioctylammonium, Tetrabutylammonium und
Tetramethylammonium.
Imidazolium-Kation:
[0026]
- a) Disubstituiertes Imidazolium-Kation: 1-Cyanomethyl-3-methylimidazolium, 1-Decyl-3-methylimidazolium,
1,3-Dimethylimidazolium, 1-Ethyl-3-methylimidazolium, 1-Hexyl-3-methylimidazolium,
1-Benzyl-3-methylimidazolium , 1-Butyl-3-methylimidazolium, 3-Methyl-1-octylimidazolium,
1-Propyl-3-methyl-imidazolium, 3-Propyl-1-methyl-imidazolium.
- b) Trisubstituiertes Imidazolium-Kation: 1-Butyl-2,3-dimethylimidazolium, 2,3-Dimethyl-1-propylimidazolium,
1-Ethyl-2,3-dimethylimidazolium, 1,2,3-Trimethylimidazolium, 1-(2-Hydroxyethyl)-3-methylimidazolium.
Morpholinium-Kation:
[0027] N-Methoxyethyl-N-methylmorpho linium, 4-(2-Methoxyethyl)-4-methyl morpholinium.
Phosponium-Kation:
[0028] Trihexyl(tetradecyl)phosphonium
Piperidinium-Kation:
[0029] 1-(2-Methoxyethyl)-1-methylpiperidinium
Pyridinium-Kation:
[0030] N-Butyl-3-methylpyridinium, N-Butyl-4-methylpyridinium, N-Butylpyridinium, 1-Ethyl-3hydroxymethylpyridinium,
1-Ethyl-3-methylpyridinium, N-Hexyl-4-(dimethylamino) pyridinium, N-Hexylpyridinium
und N-(3-Hydroxypropyl)pyridinium
Pyrrolidinium-Kation:
[0031] 1-Butyl-1-methylpyrrolidinium, 1,1-Dimethylpyrrolidinium und 1-(2-Methoxyethyl)-1-methylpyrrolidinium
Sulfonium-Kation:
[0033] In einer Ausführungsform der Erfindung ist der Schmierstoff dadurch gekennzeichnet,
dass das Polymer-IL-Gemisch oder die polymere ionische Flüssigkeit ein Anion enthält,
das ausgewählt ist aus der Gruppe, bestehend aus Carboxylaten, Nitrat, Boraten, Cyanaten,
Amiden, Imiden, Phosphaten, Sulfaten, Sulfonaten, Tricyanomethan sowie Nonaflat.
[0034] Bei einer polymeren ionischen Flüssigkeit, die ein anionisches Polymer aufweist,
können die aufgelisteten Anionen auch funktionelle Gruppen des Polymers darstellen,
wobei das Polymer auch verschiedene anionische Gruppen tragen kann.
[0035] Bei einer polymeren ionischen Flüssigkeit, die ein kationisches Polymer aufweist,
können die aufgelisteten Anionen, oder Mischungen hieraus als anionische Gegenionen
fungieren.
[0036] Für die bevorzugten Anionen seien im Einzelnen beispielsweise genannt:
Borat-Anion:
[0037] Cyanoboraten, insbesondere Tetracyanoborat, Fluorboraten, insbesondere Tetrafluorborat,
und Oxalatoboraten, insbesondere Bis[oxalato(2-)]-borat und Bis[oxalato(2-)-O,O
+]borat
Halogenid-Anion:
[0038] Bromide, lodide und Fluoride, insbesondere Cetylaminhydrofluorid, Triflat oder Tetrafluoroborat
Imid-Anion:
[0039] Bis(trifluormethylsulfonyl)imid
Phosphat-Anion:
[0040] Alkylphosphate, insbesondere Dimethylphosphat und/oder Diethylphosphat, Fluoralkylphosphate,
insbesondere Tris(pentafluorethyl)trifluorphosphat, und Fluorphosphate, insbesondere
Hexafluorphosphat
Sulfat-Anion:
[0041] Hydrogensulfat, Methylsulfat, Octylsulfat, Ethylsulfat, n-Butylsulfat, n-Hexylsulfat,
2-(2-Methoxyethoxy)ethylsulfat
Sulfonat-Anion:
[0042] Trifluormethansulfonat, Methansulfonat und Tosylat (p-Toluolsulfonat).
[0043] Die Menge der möglichen ILs, die geeignet sind um die Wasserlöslichkeit des filmartigen
Rückstands sowie hohe tribologische Leistungsdaten zu gewährleisten, ist sehr groß.
[0044] Bevorzugt sollen lLs mit einer relativ kleine Viskosität im Bereich von 50 cSt, gemessen
im Bereich von 40 bis 50°C verwendet werden.
[0045] Eine bevorzugte Ausführungsform der Erfindung enthält zudem ein IL, welche ein di-oder
trisubstituiertes Imidazolium-Kation, bevorzugter ein disubstituiertes Imidazolium-Kation,
besonders bevorzugt ein Ethylmethylimidazolium-Kation enthalt.
[0046] Konkrete Ausführungsbeispiele für die zu verwendenden ILs sind: 1-Ethyl-3-methylimidazolium-tetrafluorborat,
1-(2-Hydroxyethyl)-3-methylimidazolium-tetrafluorborat, 1-Ethyl-3-methylimidazolium-bromid,
1-Ethyl-3-methylimidazolium-hexafluorphosphat, 1,3-Dimethylimidazolium-methylsulfat,
1-Ethylpyridinium-tetrafluorborat, 1-Isobutenyl-3-methylimidazolium-tetrafluorborat,
1-Ethyl-3-methylimidazolium-trifluormethansulfonat und 1 Methyl-3-propylimidazolium-hexafluorphosphat.
[0047] In einer weiteren Ausführungsform ist das Polymer des Polymer-IL-Gemischs oder der
polymeren ionischen Flüssigkeit ein natürliches, synthetisches oder chemisch modifiziertes
Polymer, bevorzugt Polysaccharid, besonders bevorzugt ein CelluloseDerivat und speziell
Carboxymethylcellulose oder ein Derivat davon.
[0048] In einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung wird eine Mischung von Carboxymethylcellulose-Salzen
mit IL verwendet. Die resultierenden völlig wasserlöslichen, polymeren Flüssigkeiten
führen als Additiv zu Schmiermitteln mit überraschenden, erfindungsgemäßen Eigenschaften:
- völlige Wasserlöslichkeit des Gemisches
- keine Zersetzung bei Temperaturen > 100°C
- Bildung eines niedrig viskosen Rückstandes mit V40< 200 mm2/s
- Verbesserte Schmierungseigenschaften
[0049] Vorzugsweise ist der erfindungsgemäße Schmierstoff dadurch gekennzeichnet, dass er
genau eine ionische Flüssigkeit, bevorzugt eine ein Imidazolium-Kation enthaltende
ionische Flüssigkeit und genau ein Polymer, bevorzugt Carboxymethylcellulose oder
ein Derivat davon, enthält oder dass er als PIL ein Imidazolium-Salz der Carboxymethylcellulose
enthält.
[0050] In einer Ausführungsform der Erfindung enthält die Schmierstoffzusammensetzung zusätzlich
mindestens einen der folgenden Bestandteile in den angegebenen Anteilen:
- bis zu 5 Gew.% Netzmittel und/oder Emulgatoren und/oder Lösungsvermittler,
- bis zu 1 Gew.% Entschäumer,
- bis zu 1 Gew.% Schwermetallinhibitoren,
- bis zu 15 Gew.% Korrosionschutzverbindungen,
- je bis zu 10 Gew.% wasserlösliche Hochdruckadditive, Schmierfähigkeits- und Verschleißschutzverbesserer,
sowie
- bis zu 0,5 Gew.% Biozide.
[0051] Als Stoffgruppen für die aufgezählten Additive seien im Einzelnen beispielsweise
genannt:
Netzmittel, Emulgatoren und Lösungsvermittler:
[0052] ein- oder mehrwertige Alkohole und Alkoholethoxylate mit mindestens 5 Mol EO (Ethylenoxid)
und Ethanolether
Entschäumer:
[0053] Modifizierte Siloxane oder Kieselsäurederivate
Schwermetallinhibitoren:
[0054] Substanzen auf Basis wasserlöslicher Triazol- und Thiadiazol-Derivate
Korrosionsschutz-Additive:
[0055] Umsetzungsprodukte von Fettsäuren mit mindestens C8-Kettenlänge mit Alkanolaminen
wie Monoethanolamin, Triethanolamin, Diglykolamin, Isobutanolamin oder Hydroxiden
wie Kaliumhydroxid, Natriumhydroxid
Schmierfähigkeitsverbesserer (Lubricity Improver):
[0056] Wasserlösliche Esterverbindungen und polymere Ethylenoxid (EO)- bzw. Ethylenoxid/Polypropylenoxid
(EO/PO)- basierte Glykolverbindungen
Hochdruck-Additive:
[0057] Hierbei handelt es sich um wasserlösliche Phosphorsäurepartialester, neutralisierte
geschwefelte Fettsäuren und -ester sowie neutralisierte Thiolderivate.
Verschleißschutzadditive:
[0058] Wasserlösliche Phosphorsäurederivate insbesondere neutralisierte Phosphorsäurepartialesterderivate
Additive zur Verbesserung der biologischen Stabilität/Biozide:
[0059] Formaldehydabspaltende Verbindungen, insbesondere Hexahydrotriazinverbindungen, Methylbisoxazolidinverbindungen;
Heterocyclen, insbesondere Benzisothiazolidinverbindungen, Natriumpyrithion und Isothiazolonverbindungen
[0060] Besonders bevorzugt ist eine erfindungsgemäße Schmierstoffzusammensetzung, deren
kinematische Viskosität einen Bereich von etwa 2 bis 50 mm
2/s bei 40°C abdeckt sowie deren Schmierfähigkeit in Brugger-Verschleißschutzprüfungen
spezifische Flächenpressungen ≥ 30 N/mm
2 und in Reichert- Verschleißschutzprüfungen Werte von 2000 N/cm
2 beträgt.
[0061] In einer weiteren Ausführungsform der Erfindung weist der erfindungsgemäße Schmierstoff
eine oder mehrere der folgenden typischen Daten auf:
- Leitfähigkeit im Bereich von 1.000 bis 20.000 µS/cm
- pH-Wert im Bereich von 7,0 bis 10,0
- Pourpoint im Bereich von -5 bis -30 °C
- Viskosität im Bereich von 2 bis 100mm2/s
[0062] Der erfindungsgemäße Schmierstoff ist bevorzugt dadurch gekennzeichnet, dass der
wasserfreie Rückstand eine maximale Filmviskosität von V
40 < 200 mm
2/s besitzt und das zur Herstellung der Schmierstoffzusammensetzung verwendete Poly-IL-Gemisch
oder die polymere ionische Flüssigkeit eine oder mehrere der folgenden typischen Daten
auf:
- Leitfähigkeit im Bereich von 2.000 - 10.000 µS/cm
- pH-Wert im Bereich von 5,0 - 10,0
- Pourpoint im Bereich von < -15 °C
- Viskosität im Bereich von 10 - 150 mm2/s bei 40 °C
[0063] In einem zusätzlichen Aspekt der Erfindung, betrifft diese ein Polymer-IL-Gemisch
oder eine polymere ionische Flüssigkeit, die dadurch gekennzeichnet ist, dass als
Kation ein quartäres Ammoniumion und als Anion ein Polysaccharid, bevorzugt ein Cellulosederivat,
besonders bevorzugt Carboxymethylcellulose enthalten ist.
[0064] Ein weiterer Aspekt der Erfindung betrifft die Verwendung eines Polymer-IL-Gemischs
oder einer polymeren ionischen Flüssigkeit als Schmier-, Antikorrosions- und/oder
Verdickungsmittel in Schmierstoffen.
[0065] In einer Ausführungsform der Erfindung kann der erfindungsgemäßen Schmierstoff als
wasserbasierter Kühlschmierstoff für die spanende Metallverarbeitung, mechanische
Umformung oder das Hochleistungsschleifen von Hartmetallwerkzeugen und Zahnrädern
sowie als Hydraulik-, Getriebe- und/oder Bohrflüssigkeit verwendet werden.
Herstellungsverfahren
Polymere ionische Flüssigkeit- PIL
[0066] Das PIL kann durch Polymerisierung eines reaktiven monomeren Salzes hergestellt werden.
Als Monomer kommen olefinische Verbindungen wie Allylverbindungen und insbesondere
Acryl- und Vinylverbindungen in Frage. Die Polymerisation kann durch dem Fachmann
geläufige Reaktionen durchgeführt werden. Dies kann beispielsweise als radikalische,
als kationische, als anionische oder als Koordinations-Polymerisation durchgeführt
werden. Die Polymerisation kann unter Reaktion nur einer Monomerart zu einem Homopolymer
führen, es können aber auch mehrere Monomerarten polymerisiert werden, die dann ein
Copolymer ergeben. Dies führt je nach der Verteilung der verschiedenen Monomerarten
im Polymer zu statistischen, alternierenden, Block- oder Pfropf-Copolymeren.
[0067] Falls das reaktive monomere Salz nicht das für die ionische Flüssigkeit geeignete
Gegenion trägt, kann es durch eine der folgenden Verfahren vor oder nach der Polymerisation
ausgetauscht oder umgewandelt werden. Dies soll im Folgenden anhand des kationischen
Monomers 1-Vinylimidazolium [VIM]
+ mit einem Halogenidanion X
- beschrieben werden:
[0068] Zum einen kann das Halogenid [VIM]
+X
- mit einer Lewissäure MX
y umgesetzt werden. Dabei wird eine Vorstufe für eine ionische Flüssigkeit vom Typ
[VIM]
+[MX
y+1]
- gebildet.
[0069] In diesem Fall liegen oft mehrere Anionen in einem Gleichgewicht vor, das vom eingesetzten
Verhältnis der beiden Komponenten [VIM]
+X
- und MX
y abhängt, wie in der folgenden Gleichung veranschaulicht:

[0070] Alternativ dazu ist ein Austausch des Halogenidanions X
- gegen das gewünschte Anion möglich. Dies kann durch Zugabe eines als Lewis-Säure
fungierenden Metallsalzes M
+[A
-] geschehen (unter Ausfällung von M
+X
-), über einen lonenaustauscher oder durch Verdrängung des Halogenidions durch die
Brønsted-Säure H
+[A
-] (unter Freisetzung von H
+X
-) so dass im Ergebnis das Salz [VIM]
+[A
-] entsteht.
[0071] In einer besonderen Ausführungsform der Erfindung werden die bei der Herstellung
des Polymer-IL-Gemisches oder der polymeren ionischen Flüssigkeit möglicherweise anfallenden
Salze durch Filtration entfernt. Zu diesem Zweck kann ein Filter mit einem Porendurchmesser
zwischen von 1 bis 20 µm, besonders bevorzugt 5 µm, abgetrennt werden.
[0072] Diese anhand eines Monomers beschriebenen Reaktionen gelten entsprechend für ein
kationisches Polymer. Weiterhin gilt dies auch für ein anionisches Monomer/Polymer,
wobei hier anstelle der Lewis-Säure eine Lewis-Base und anstelle der Brønsted-Säure
eine Brønstedt-Base verwendet werden.
[0073] In einer Ausführungsform der Erfindung kann das PIL durch Quarternisierung von 1-Vinylimidazol
und anschließender Polymerisation hergestellt werden (siehe folgende Abb.). Die gewünschten
Anionen können dabei vor oder nach der Polymerisation durch Anionenaustausch eingebracht
werden.

Poly-IL-Gemisch
[0074] Im einfachsten Fall erfolgt die Herstellung des Poly-IL-Gemischs durch die Mischung
einer bevorzugt wässrigen Lösung des Polymers mit einem oder mehreren ionischen Flüssigkeiten.
Alternativ kann das bevorzugt als Feststoff vorliegende Polymer auch direkt in der
ionischen Flüssigkeit gelöst werden.
[0075] Das Polymer kann als neutrales Polymer oder als Polymersalz eingesetzt werden. In
einem bevorzugten Aspekt der Erfindung wird ein Salz der Carboxymethylcellulose und
besonders bevorzugt das Natrium-Salz der CMC verwendet.
[0076] Für den Fall, dass das Salz eines Polymers eingesetzt wird (so beispielsweise ein
polymeres Anion POL- mit einem Kation M+), kann durch die Mischung mit der ionischen
Flüssigkeit (beispielsweise bestehend aus Kation BMIM
+ mit Anion X
-) das Gegenion des Polymers M+ durch das entsprechende Gegenion der ionischen Flüssigkeit
BMIM+ gemäß der folgenden Gleichung ausgetauscht werden:
M
+POL
- + BMIM
+X
- → BMIM
+POL- + M
+X
-
[0077] In einem bevorzugten Aspekt der Erfindung wird das durch diese Reaktion entstandene
Salz M
+ X- von dem Reaktionsgemisch abgetrennt. Dies geschieht in bevorzugter Weise durch
Ausfällung.
[0078] In einem weiteren Aspekt der Erfindung kann das Gegenion des Polymers analog zu den
für die PILs dargelegten Reaktionen auch durch Umsetzung mit einer Lewis-Säure oder
einer Lewis-Base modifiziert werden. Auch eine entsprechende Umsetzung mit einer Brønstedt-Base
oder Bronstedt-Säure oder auch eine lonenaustausch über einen lonenaustauscher ist
möglich.
DEFINITIONEN
[0079] Ein Schmierstoff im Sinne der Erfindung ist ein flüssiges Stoffgemisch, dass eine
Reibungsverminderung der Basisflüssigkeit (insbesondere Wasser) bewirkt, die zu einer
Verbesserung der tribologischen Belastbarkeit führt. Dies setzt gemäß DIN 51502 die
folgenden Eigenschaften voraus: Eine Erhöhung des Flächendrucks um mindestens 10 N/mm2,
eine Erhöhung der spezifischen Flächenpressung um mindestens 1.000 N/cm2 und/oder
eine Erhöhung der Traglast um mindestens 1.000 N Gutlast. Diese Eigenschaften lassen
sich mit dem Fachmann bekannten Verfahren bestimmen, so zum Beispiel mit Brugger-Verschleißprüfstand,
Reichert-Reibverschleiß-Waage und Shell-Vier-Kugel-Apparat (VKA).
[0080] Eine ionische Flüssigkeit ("engl. "ionic liquid "IL") im Sinne der Erfindung ist
ein Salz, dessen Schmelzpunkt unter 100°C liegt.
[0081] In der vorliegenden Erfindung wird unter dem Begriff der "polymeren ionischen Flüssigkeit"
(PIL), eine ionische Flüssigkeit bezeichnet, bei der mindestens ein polymeres Ion
vorliegt. Ein Polymer hierbei eine chemische Verbindung aus Ketten-oder verzweigten
Molekülen (Makromolekülen), die wiederum aus gleichen oder gleichartigen Einheiten
(den so genannten Monomeren) besteht. Das polymere Ion kann als polymeres Kation oder
als polymeres Anion vorliegen. Unter einem polymeren Kation und Anion werden dabei
auch Zwitterionen verstanden, d.h. Ionen mit sowohl positiver als auch negativer Ladung,
wobei unter Berücksichtigung aller Ladungen das polymere Kation eine positive Nettoladung
und das polymere Anion eine negative Nettoladung trägt. Die PIL kann auch polymere
Kationen und polymere Anionen enthalten und im Extremfall gänzlich aus polymeren Kationen
und polymeren Anionen bestehen.
[0082] Ein Polymer im Sinne der Erfindung ist eine chemische Verbindung aus Ketten- oder
verzweigten Molekülen (Makromolekülen), die wiederum aus gleichen oder gleichartigen
Einheiten (den so genannten Monomeren) besteht.
[0083] Gemäß der Erfindung ist ein Polymer-IL Gemisch als ein Gemisch definiert, welches
durch die Umsetzung von mindestens einem Polymer mit mindestens einer ionischen Flüssigkeit
erhalten wird.
[0084] Gemäß der vorliegenden Erfindung ist ein wasserfreier Rückstand eines Schmierstoffes
als derjenige Rückstand definiert, der sich nach Anwendung der im Beispiel 4 beschriebenen
Testmethode ergibt. Diese Methode ist die vom VKIS veröffentlichte Standardmethode
zur Analyse von Schmierstoffrückständen und beinhaltet das Einengen einer Schmierstoffprobe
für 24 Stunden bei 70°C ± 2°C (siehe Beispiel 4, Punkt 8.1 ).
[0085] Im Sinne der vorliegenden Erfindung ist ein fester Rückstand als ein "nicht-fließfähiger"
Rückstand definiert, wie er sich gemäß der in Beispiel 4 beschriebenen Testmethode
ergibt. Diese Methode ist die vom VKIS veröffentlichte Standardmethode zur Analyse
von Schmierstoffrückständen und beinhaltet das Bestimmung des Fließverhaltens an einem
senkrecht angeordneten Uhrglas (siehe Beispiel 4, Punkt 8.2.1).
[0086] Die Filmviskosität V40 gibt die Viskosität des oben definierten wasserfreien Rückstandes
wieder. Sie beschreibt die Viskosität bei T=40°C und wird nach DIN51562 bestimmt.
Beispiele
Beispiel 1: Schmiermittel enthaltend 10 % Polymer-IL-Gemisch
[0087] In 85 % Wasser werden bis zu 1,2 % Alkalisierungsmittel (Alkanolamin oder Alkalihydroxid)
mit 0,7 % Korrosionsschutzsäuren versetzt und bis zur klaren Umsetzung gerührt (ca.
1 Stunde). Danach werden Netzmittel, Lösungsvermittler, Schwermetallinhibitoren zugesetzt
und das Reaktionsgemisch durch Zugabe von 10 % Polymer-IL-Gemisch (Mischung aus 1-Ethyl-3-Methylimidazolium
Carboxymethylcellulose (EMIM-CMC) und 1-Ethyl-3-Methylimidazolium Diethyl Phosphat
(EMIM-DEP) 1:10) auf die gewünschte Viskosität eingestellt. Es resultiert eine klare,
viskose Lösung mit einer mittleren Viskosität von 4,0 mm
2/s bei 20°C und einem pH-Wert von 9,0-9,3.
Beispiel 2: Schmiermittel enthaltend 15 % Polymer-IL-Gemisch
[0088] In 80 % Wasser werden bis zu 1,2% Alkalisierungsmittel (Alkanolamin oder Alkalihydroxid)
mit 0,7% Korrosionsschutzsäure versetzt und bis zur klaren Umsetzung gerührt (ca.
1 Stunde). Danach werden Netzmittel, Lösungsvermittler, Schwermetallinhibitoren zugesetzt
und das Reaktionsgemisch durch Zugabe von 15 % Polymer-IL-Gemisch (nach Beispiel 1)
auf die gewünschte Viskosität eingestellt. Es resultiert eine klare, viskose Lösung
mit einer mittleren Viskosität von 10,0 mm
2/s bei 40°C und einem pH-Wert von 9,0-9,3.
Beispiel 3: Schmiermittel enthaltend 35 % Polymer-IL-Gemisch
[0089] In 60 % Wasser werden bis zu 2,4% Alkalisierungsmittel (Alkanolamin oder Alkalihydroxid)
mit 1,4% Korrosionsschutzsäure versetzt und bis zur klaren Umsetzung gerührt (ca.
1 Stunde). Danach werden Ester, Hochleistungs- und Verschleißschutzadditive sowie
Netzmittel, Lösungsvermittler und Schwermetallinhibitoren zugesetzt und das Reaktionsgemisch
durch Zugabe von 35 % Polymer-IL-Gemisch (nach Beispiel 1) auf die gewünschte Viskosität
eingestellt. Es resultiert eine klare, viskose Lösung mit einer mittleren Viskosität
von 46,0 mm
2/s bei 40°C und einem pH-Wert von 9,0-9,3.
Beispiel 4: Analysemethode zur Beurteilung von Kühlschmierstoff-Rückständen und Prüfung
der Rücklöslichkeit
1. Anwendungsbereich
[0090] Wassermischbare und wassermischbare Kühlschmierstoffe mit einem Mineralölgehalt von
max. 50 % und mineralölfreie organische Lösungen.
Anmerkung:
[0091] Für Kühlschmierstoffe mit Mineralöl- Volumen- Anteil > 50 %, die in der Regel nicht
zur Verklebung neigen, ist diese Prüfmethode nur bedingt anwendbar.
2. Zweck der Bestimmung
[0092] Die Prüfmethode soll darüber Auskunft geben, ob die Rückstände von wassergemischten
Kühlschmierstoffen im Anwendungszustand zu Verharzungen oder Verklebungen auf Messwerkzeugen,
Werkzeugmaschinen und Werkstücken neigen. Ferner soll geprüft werden, ob eine Rücklöslichkeit
der Rückstände gegeben ist.
3. Begriff
[0093] Unter Rückstand nach dieser Prüfung versteht man das Stoffgemisch, das nach Verdunsten
der wässrigen Phase aus dem wassergemischten Kühlschmierstoff zurückbleibt. Dieses
Stoffgemisch kann unterschiedliche Konsistenz haben. Unter Rücklöslichkeit versteht
man den löslichen Anteil des Rückstandes nach Einwirkung von demineralisiertem Wasser,
kurz dem. Wasser genannt.
4. Kurzbeschreibung des Verfahrens
[0094] Dem wassergemischten Kühlschmierstoff wird bei einer Prüftemperatur von 70°C ± 2°C
die wässrige Phase entzogen. Der Rückstand wird visuell beurteilt und gewogen. Anschließend
wird die Rücklöslichkeit in dem. Wasser bei 25°C ± 1 °C ermittelt.
5. Geräte und Chemikalien
[0095]
- Vollpipette 20 A DIN 20690
- 2 Uhrgläser, Außen-ø 100 mm, DIN 12341, gewölbt
- 2 Bechergläser 1000 cm3, niedrige Form, DIN 12332
- Scheidetrichter, nach Bedarf mit Haltevorrichtung 250 cm3, DIN 12451
- Temperiereinrichtung, die eine Einstellung der Prüftemperatur auf 70°C ± 2°C
- gestattet (z. B. Wärmeschrank).
- Temperiereinrichtung, die eine Einstellung der Prüftemperatur auf 25°C ± 1 °C
- gestattet.
- Rührwerk, Drehzahl regelbar auf 600 min.-1 und 750 min.-1 , zu dem ein Rührblatt aus
- nichtrostendem Stahl mit einer Länge von 120 mm, Breite von 19 mm und Dicke von
- 1,5 mm gehört.
- Deckel mit Haltevorrichtung für Uhrglas (siehe Abbildung XX).
- Exsikkator, z. B. nach DIN 12491
- Analysenwaage, Ablesegenauigkeit 1 mg, Wägebereich bis 150 g max.
- Trichter 80 DIN 12445
- Faltenfilter aus Filterpapier 595 1/2 ø 185 mm
- Normwasser nach DIN 51367 Abs. 6.1
- Lösungsmittelgemisch, z. B. 50 cm3 Toluol + 5 cm3 Wasser zu 495 cm3 wasserfreiem
- Isopropylalkohol gemäß DIN 51558/7.3
- Demineralisiertes Wasser max 15 Js/cm-1
6. Probenahme
[0096] Die Probenentnahme erfolgt nach DIN 51750 Blatt 1 und Blatt 2
7. Vorbehandlung der Probe
7.1 Prüfung im Lieferzustand
[0097] Nach DIN 51367 Punkt 8.1 wird ein 5% Gemisch des zu prüfenden Kühlschmierstoffes
mit Normwasser hergestellt. Anmerkung: Nach Vereinbarung kann auch das jeweils zum
Einsatz kommende Betriebswasser als Ansatzwasser verwendet werden.
7.2 Prüfung im Gebrauchszustand
[0098] Zur Abtrennung des Fremdöles wird die Probe 4 Stunden im Scheidetrichter stehen gelassen.
Die wässrige Phase wird durch ein Faltenfilter filtriert.
8. Durchführung
8.1 Rückstandsbildung
[0099] Je 20 cm
3 des wassergemischten Kühlschmierstoffes werden auf zwei rückstandsfreie, getrocknete
und auf 1 mg genau gewogene Uhrgläser pipettiert. Die Proben werden im Trockenschrank
bei 70°C ± 2°C 24 Stunden eingeengt. Danach werden die Uhrgläser 1 Stunde im Exsikkator
auf Raumtemperatur abgekühlt und gewogen.
8.1.1 Ergebnis A
[0100] Auswaage in g - Leergewicht Uhrglas in g = Trockenrückstand in g (A)
8.2 Bestimmung des Fließverhaltens und der Konsistenz des Rückstandes
8.2.1 Fließverhalten
[0101] Zur Bestimmung des Fließverhaltens wird eines der beiden getrockneten und gewogenen
Uhrgläser so zwischen Daumen und Zeigefinger 30 sek. gehalten, dass der Uhrglasrand
eine Senkrechte bildet. Die Zeit bis zum Erscheinen des ersten Tropfens am Uhrglasrand
wird gemessen:
- Liegt die Zeit < 30 sec ist der Rückstand fließfähig.
- Liegt die Zeit > 30 sec ist der Rückstand nicht fließfähig
8.2.2 Konsistenz
[0102] Enthält der Rückstand sichtbare Veränderungen so ist dies anzugeben z. B. kristalline
Ausscheidungen. Zieht der Rückstand Fäden, so ist er als klebend einzustufen.
8.3 Bestimmung der Rücklöslichkeit des Rückstandes
[0103] Die Rücklöslichkeit wird mit der in Abbildung 1 wiedergegebenen Prüfapparatur durchgeführt.
In ein 1000 cm
3 Becherglas niedrige Form wird der Rührer mit Rührblatt 10 mm vom Becherglasboden
eingestellt. Becherglas mit dem. Wasser bis 35 mm vom oberen Becherglasrand füllen.
Unter ständigem Rühren wird das Wasser mit geeigneter Temperiereinrichtung auf 25°C
± 1°C erwärmt. Nach Erreichen dieser Temperatur Uhrglas in die in Abbildung 2 abgebildete
Haltevorrichtung mit Wölbung (konkav) zum Rührer einklemmen. Deckel mit Haltevorrichtung
auf das Becherglas aufsetzen, Drehzahl des Rührers auf 600 min.-1 einstellen und 15
min. rühren. Danach Uhrglas 3 mal für 2 sec. in ein Becherglas mit dem. Wasser tauchen.
15 sec abtropfen lassen. Wenn sich auf der Uhrglas-Rückseite Rückstände gebildet haben,
so sind diese mit dem in Lösungsmittelgemisch getränkten Zellstofftuch oder Wattebausch
zu entfernen. Anschließend wird das Uhrglas 2 Stunden bei 70°C ± 2°C im Wärmeschrank
getrocknet. Danach im Exsikkator 1 Stunde auf Raumtemperatur abkühlen und Wiegen.
8.3.1 Ergebnis B
[0104] Auswaage in g - Leergewicht Uhrglas in g 0 Rückstand in g (B)
9. Auswertung
[0105] Die Rücklöslichkeit wird in Massenanteil in % auf 0,01 % gerundet, nach folgender
Zahlenwertgleichung berechnet.

Hierin bedeuten:
A = g Gesamttrockenrückstand aus 8.1.1
B = g Rückstand auf Uhrglas aus 8.3.1
[0106] Bezüglich des Rundens auf die Letzte anzugebende Stelle ist DIN 1333 zu berücksichtigen.
10. Angabe der Prüfergebnisse
[0107] Die Beurteilung des Kühlschmierstoff- Rückstandes und die Rücklöslichkeit in Massenanteil
in % wird mit Hinweis auf dieses Beiblatt angegeben.
11. Wiederholbarkeit
[0108] Massenanteil in % = 10
1. Schmierstoff, dadurch gekennzeichnet, dass er ein Polymer-IL-Gemisch oder eine polymere ionische Flüssigkeit enthält.
2. Schmierstoff nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass er ein wasserbasierter Schmierstoff, und bevorzugt ein wasserbasierter Kühlschmierstoff
ist.
3. Schmierstoff nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass der Anteil des Polymer-IL-Gemischs oder der polymeren ionischen Flüssigkeit im Bereich
bis zu 35 Gew.% der wässrigen Phase, bevorzugt im Bereich von 0,3 bis 2,0 Gew.% der
wässrigen Phase liegt.
4. Schmierstoff nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass das Polymer-IL-Gemisch oder die polymere ionische Flüssigkeit ein Kation enthält,
das ausgewählt ist aus der Gruppe, bestehend aus Ammonium-Kationen, Guanidinium-Kation,
Imidazolium-Kationen, Morpholinium-Kationen, Phosphonium-Kationen, Piperidinium-Kationen,
Pyridinium-Kationen, Pyrrolidinium-Kationen sowie Sulfonium-Kationen.
5. Schmierstoff nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass das Polymer-IL-Gemisch oder die polymere ionische Flüssigkeit ein Anion enthält ausgewählt
ist aus der Gruppe, bestehend aus Carboxylaten, Nitrat, Boraten, Cyanaten, Amiden,
Imiden, Phosphaten, Sulfaten, Sulfonaten, Tricyanomethan sowie Nonaflat.
6. Schmierstoff nach einem der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Polymer ein natürliches, synthetisches oder chemisch modifiziertes Polymer ist
und bevorzugt Carboxymethylcellulose oder ein Derivat davon ist.
7. Schmierstoff nach einem der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Polymer Kationen aufweist, die aus der Gruppe ausgewählt sind, bestehend aus
Ammonium-Kationen, Guanidinium-Kation, Imidazolium-Kationen, Morpholinium-Kationen,
Phosphonium-Kationen, Piperidinium-Kationen, Pyridinium-Kationen, Pyrrolidinium-Kationen
sowie Sulfonium-Kationen. oder Mischungen dieser Kationen aufweist.
8. Schmierstoff nach einem der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Polymer Anionen aufweist, die aus der Gruppe ausgewählt sind, bestehend aus Carboxylaten,
Nitrat, Boraten, Cyanaten, Amiden, Imiden, Phosphaten, Sulfaten, Sulfonaten, Tricyanomethan
sowie Nonaflat, oder Mischungen dieser Anionen aufweist.
9. Schmierstoff nach einem der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Polymer-IL-Gemisch oder die ionische polymere Flüssigkeit ein lmidazolium-Kation,
bevorzugt ein Ethylmethylimidazolium-Kation enthält.
10. Schmierstoff nach einem der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass er Imidazolium-Kationen und genau ein Polymer, bevorzugt Carboxymethylcellulose,
oder ein Derivat davon enthält oder dass er als polymere ionische Flüssigkeit ein
Imidazolium-Salz der Carboxymethylcellulose enthält.
11. Schmierstoff nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass als weitere Bestandteile bis zu 5 Gew.% Netzmittel und/oder Emulgatoren, bis zu 1
Gew.% Entschäumer, bis zu 1 Gew.% Schwermetallinhibitoren, bis zu 15 Gew.% Korrosionschutzverbindungen,
je bis zu 10 Gew.% wasserlösliche Hochdruckadditive, Schmierfähigkeits- und Verschleißschutzverbesserer,
bis zu 1 Gew.% Schwermetallinhibitoren sowie bis zu 0,5 Gew.% Biozide enthalten sind.
12. Schmierstoff nach einem der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass dessen kinematische Viskosität einen Bereich von etwa 2 bis 50 mm2/s bei 40°C abdeckt sowie dessen Schmierfähigkeit in Brugger-Verschleißschutzprüfungen
spezifische Flächenpressungen ≥ 30 N/mm2 und in Reichert-Verschleißschutzprüfungen Werte von 2000 N/cm2 beträgt.
13. Schmierstoff nach einem der vorherigen Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass er die folgenden typischen Daten aufweist:
• Leitfähigkeit im Bereich von 0,5 - 20 mS/cm
• pH-Wert im Bereich von 7-10
• Pourpoint im Bereich von mindestens -10 °C
• Viskosität im Bereich von 2- 150 mm2S bei 40 °C
14. Schmierstoff nach einem der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der wasserfreie Rückstand eine maximale Filmviskosität von V40 < 200 mm2/s besitzt.
15. Ein Polymer-IL-Gemisch oder eine polymere ionische Flüssigkeit,
dadurch gekennzeichnet, dass sie die folgenden typischen Daten aufweisen:
• Leitfähigkeit im Bereich von 2.000 - 10.000 µS/cm;
• pH-Wert im Bereich von 5,0-10,0;
• Pourpoint im Bereich von < -15 °C, und
• Viskosität im Bereich von 10-150 mm2/s bei 40 °C
16. Ein Polymer-IL-Gemisch oder eine polymere ionische Flüssigkeit, dadurch gekennzeichnet, dass als Kation ein quartäres Ammoniumion und als Anion ein Polysaccharid, bevorzugt ein
Cellulosederivat, besonders bevorzugt Carboxymethylcellulose enthalten ist.
17. Verwendung eines Polymer-IL-Gemischs oder einer polymeren ionischen Flüssigkeit als
Schmier-, Antikorrosions- und/oder Verdickungsmittel in Schmierstoffen.
18. Verwendung eines Schmierstoffs gemäß einer der vorherigen Ansprüche als wasserbasierter
Kühlschmierstoff für die spanende Metallverarbeitung, mechanische Umformung oder das
Hochleistungsschleifen von Hartmetallwerkzeugen und Zahnrädern sowie als Hydraulik-,
Getriebe- und/oder Bohrflüssigkeit.
19. Verfahren zur Herstellung des Polymer-IL-Gemischs gemäß einer der vorherigen Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass möglicherweise anfallende Salze abgetrennt werden.
20. Verfahren nach Anspruch 19, dadurch gekennzeichnet, dass die möglicherweise anfallenden Salze durch einen Filter mit einem Porendurchmesser
aus dem Bereich von 1 bis 10 µm, bevorzugt 5 µm, abgetrennt werden.