Stand der Technik
[0001] Die Durchführung biochemischer Prozesse basiert insbesondere auf der Handhabung von
Flüssigkeiten. Typischerweise wird diese Handhabung manuell mit Hilfsmitteln wie Pipetten,
Reaktionsgefäßen, aktiven Sondenoberflächen oder Laborgeräten durchgeführt. Durch
Pipettierroboter oder Spezialgeräte sind diese Prozesse zum Teil bereits automatisiert.
[0002] Lab-on-a-Chip-Systeme (auch als Westentaschenlabor oder Chiplabor bezeichnet) bringen
die gesamte Funktionalität eines makroskopischen Labors auf einem nur plastikkartengroßen
Kunststoffsubstrat unter. Lab-on-a-Chip-Systeme bestehen typischerweise aus zwei Hauptkomponenten.
Ein Testträger beinhaltet Strukturen und Mechanismen für die Umsetzung der fluidischen
Grundoperationen (z.B. Mischer), welche aus passiven Komponenten, wie Kanälen, Reaktionskammern
und vorgelagerten Reagenzien, oder auch aktiven Komponenten wie Ventilen oder Pumpen
bestehen können. Die zweite Hauptkomponente sind Aktuations-, Detektions- und Steuereinheiten.
Solche Systeme ermöglichen es, biochemische Prozesse vollautomatisiert durchzuführen.
[0003] Ein Lab-on-a-Chip-System ist beispielsweise in der Druckschrift
DE 10 2006 003 532 A1 beschrieben. Dieses System umfasst einen Rotorchip, welcher gegenüber einem Statorchip
drehbar vorgesehen ist. Der Rotorchip ist mittels fluidischer Kanäle mit dem Statorchip
zum Befüllen oder Entleeren des Rotorchips koppelbar.
Vorteile der Erfindung
[0004] Die in dem Anspruch 1 definierte Kartusche, die in dem Anspruch 13 definierte Zentrifuge
sowie das in dem Anspruch 15 definierte Verfahren weisen gegenüber herkömmlichen Lösungen
den Vorteil auf, dass die Prozessierung wenigstens einer Komponente in der Kartusche
unabhängig von der Drehzahl der Zentrifuge erfolgen kann.
[0005] D.h., bei der ersten Variante, bei welcher die erste Trommel die erste Kammer aufweist,
lassen sich die erste und zweite Kammer oder die erste und dritte Kammer mittels Betätigung
des Aktors miteinander leitend verbinden. Zusätzlich kann die Betätigung noch von
der Zentrifugalkraft unterstützt werden.
[0006] Beispielsweise wird bei der ersten Variante wenigstens eine erste Komponente in der
zweiten Kammer und eine zweite Komponente in der dritten Kammer vorgehalten. Mittels
Betätigung des Aktors wird die erste Kammer mit der zweiten Kammer leitend verbunden,
und die erste Komponente wird hiernach auf Grund der Wirkung der Zentrifugalkraft
aus der zweiten Kammer in die erste Kammer transferiert. Hiernach wird die erste Kammer
wiederum mittels Betätigung des Aktors mit der dritten Kammer verbunden, und die zweite
Komponente fliest hiernach ebenfalls in die erste Kammer, beispielweise um mit der
ersten Komponente vermischt zu werden.
[0007] Alternativ könnte bei der ersten Variante aber auch eine einzige Komponente in der
ersten Kammer enthalten sein. Mittels Betätigung des Aktors wird die erste Kammer
zunächst mit der zweiten Kammer leitend verbunden und ein bestimmter Anteil der Komponente
in die zweite Kammer abgefüllt. Hiernach wird die erste Kammer mit der dritten Kammer
leitend verbunden und ein weiterer Anteil der Komponente in die dritte Kammer abgefüllt.
[0008] D.h., bei der zweiten Variante, bei welcher die erste Trommel die erste und die zweite
Kammer aufweist, lassen sich die erste und dritte Kammer oder die zweite und dritte
Kammer mittels Betätigung des Aktors miteinander leitend verbinden. Zusätzlich kann
die Betätigung noch von der Zentrifugalkraft unterstützt werden.
[0009] Beispielsweise wird bei der zweiten Variante wenigstens eine erste Komponente in
der ersten Kammer und eine zweite Komponente in der zweiten Kammer vorgehalten. Mittels
Betätigung des Aktors wird die erste Kammer mit der dritten Kammer leitend verbunden,
und die erste Komponente wird hiernach auf Grund der Wirkung der Zentrifugalkraft
aus der ersten Kammer in die dritte Kammer transferiert. Hiernach wird die zweite
Kammer wiederum mittels Betätigung des Aktors mit der dritten Kammer verbunden, und
die zweite Komponente fliest hiernach in ebenfalls in die dritte Kammer, beispielweise
um mit der ersten Komponente vermischt zu werden.
[0010] Alternativ könnte bei der zweiten Variante aber auch eine einzige Komponente in der
dritten Kammer enthalten sein. Mittels Betätigung des Aktors wird die erste Kammer
zunächst mit der dritten Kammer leitend verbunden und ein bestimmter Anteil der Komponente
in die erste Kammer abgefüllt. Hiernach wird die zweite Kammer mit der dritten Kammer
leitend verbunden und ein weiterer Anteil der Komponente in die zweite Kammer abgefüllt.
[0011] Die erste und zweite Variante lassen sich auch kombinieren.
[0012] Aus den Unteransprüchen ergeben sich vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung.
[0013] "Komponente" meint vorliegend eine Flüssigkeit, ein Gas oder einen Partikel.
[0014] Mit "Kammer" ist vorliegend bevorzugt ein Leitungsabschnitt, welcher beidseitig oder
lediglich einseitig offen ausgebildet ist, sowie ein im Wesentlichen geschlossener
Raum gemeint, welcher über einen Zu- und/oder Ablauf verfügt.
[0015] "wahlweise" ist vorliegend dahingehend zu verstehen, dass die erste Kammer entweder
mit der zweiten oder mit der dritten Kammer (erste Variante) bzw. entweder die erste
Kammer mit der dritten Kammer oder die zweite Kammer mit der dritten Kammer (zweite
Variante) in Abhängigkeit von einer Betätigung durch den Aktor verbunden wird.
[0016] Gemäß einer Ausgestaltung der erfindungsgemäßen Kartusche ist der Aktor elektrisch-,
mechanisch- und/oder druckbetriebenen vorgesehen. Insbesondere bietet sich ein piezoelektrisch-,
elektrostatisch-, semi-mechanisch-manuell oder elektromagnetischbetriebener Aktor
an. Druckbetrieben meint, dass der Aktor die erste Trommel unter Ausnutzung eines
Gas- oder Flüssigkeitsdrucks betätigt.
[0017] Gemäß einer Ausgestaltung der erfindungsgemäßen Kartusche weist der Aktor ein Stellglied
auf, welches mit der ersten Trommel verbunden ist, um diese direkt zu drehen und ggf.
entlang der Mittelachse zu bewegen. Dadurch ergibt sich eine zuverlässige direkte
Betätigung der ersten Trommel, wobei auf die Verwendung der nachstehend beschriebenen
"Kugelschreibermechanik" verzichtet wird. "direkt" meint hier im Unterschied zu "indirekt",
dass keine weiteren mechanischen Elemente zur Umsetzung der Bewegung zwischengeschaltet
werden.
[0018] Gemäß einer Ausgestaltung der erfindungsgemäßen Kartusche weist der Aktor ein Stellglied
auf, welches mit der ersten Trommel verbunden ist, um diese entlang der Mittelachse
zu bewegen und dadurch zu drehen. Bevorzugt betätigt das Stellglied die nachstehend
beschriebene Kugelschreibermechanik, woraufhin die Kugelschreibermechanik die erste
Trommel dreht. Die erste Trommel wird somit indirekt betätigt.
[0019] Gemäß einer Ausgestaltung der erfindungsgemäßen Kartusche umfasst die Verstelleinrichtung
eine erste Schräge, welche mit einer zweiten Schräge der ersten Trommel zusammenwirkt,
um diese aus einer ersten Stellung, in der diese mit einem Gehäuse der Kartusche in
Drehrichtung um die Mittelachse formschlüssig in Eingriff steht, in eine zweite Stellung
entlang der Mittelachse zu verbringen, in welcher der Formschluss aufgehoben ist und
sich die erste Trommel um die Mittelachse auf Grund der Wirkung eines Rückstellmittels
oder des Aktors oder eines weiteren Aktors dreht. Dadurch wird eine Kugelschreibermechanik
vorgesehen.
[0020] Gemäß einer Ausgestaltung der erfindungsgemäßen Kartusche betätigt der Aktor die
erste Schräge für das Zusammenwirken mit der zweiten Schräge. Bevorzugt bewegt der
Aktor die erste Schräge in einer Richtung weg von dem Drehpunkt der Kartusche der
Zentrifuge entlang der Mittelachse.
[0021] Gemäß einer Ausgestaltung der erfindungsgemäßen Kartusche ist der ersten Trommel
eine zweite Trommel bezogen auf die Mittelachse vor- oder nachgelagert, wobei der
Aktor die zweite Trommel für das Drehen der ersten Trommel betätigt. Die erste Trommel
wird somit indirekt mittels der zweiten Trommel betätigt.
[0022] Gemäß einer Ausgestaltung der erfindungsgemäßen Kartusche liegt der Aktor gegen die
erste und/oder zweite Trommel für ein Drücken gegen diese flächig an, oder der Aktor
ist mit der ersten oder zweiten Trommel fest verbunden. Die Ausgestaltung, wonach
der Aktor gegen die erste und/oder zweite Trommel für ein Drücken gegen diese flächig
anliegt, zeichnet sich durch einen einfachen Aufbau und eine einfache Montage aus.
Die feste Verbindung zwischen der ersten oder zweiten Trommel und dem Aktor hat den
Vorteil, dass der Aktor die erste oder zweite Trommel in entgegengesetzte Richtungen
bewegen kann.
[0023] Gemäß einer Ausgestaltung der erfindungsgemäßen Kartusche ist der Aktor zwischen
der ersten und zweiten Trommel angeordnet. Dazu ist der Aktor vorzugsweise als piezoelektrisches
Element ausgebildet.
[0024] Gemäß einer Ausgestaltung der erfindungsgemäßen Kartusche weist die Kartusche ein
Gehäuse auf, welches an seinem einen Ende mittels eines Adapters verschlossen ist,
wobei der Aktor an dem Adapter befestigt ist. Dadurch werden mehrere Funktionen in
den Adapter integriert: nämlich einmal ein insbesondere steriler Verschluss des Gehäuses
und weiterhin die Aufnahme des Aktors. Bevorzugt ist der Aktor in den Adapter integriert.
[0025] Gemäß einer Ausgestaltung der erfindungsgemäßen Kartusche weist der Adapter eine
flexible Membran auf, welche an ihrer einen Seite mittels des Aktors betätigbar ist
und an ihrer anderen Seite auf die erste Trommel oder die zweite Trommel wirkt. Dadurch
kann ein sterilerer Abschluss geschaffen werden. Der Aktor liegt somit bevorzugt außerhalb
des Innenraums des Gehäuses.
[0026] Gemäß einer Ausgestaltung der erfindungsgemäßen Kartusche ist die zweite und/oder
dritte Kammer der ersten Trommel bezogen auf die Mittelachse vor- oder nachgelagert
und/oder in der zweiten Trommel ausgebildet ist. Beispielsweise kann auch eine zweite
Kammer der ersten Trommel vor- und eine dritte Kammer der ersten Trommel nachgelagert
sein. Insbesondere ist die zweite Kammer in der zweiten Trommel und die dritte Kammer
in einer dritten Trommel vorgesehen.
[0027] Gemäß einer Ausgestaltung der erfindungsgemäßen Kartusche ist der Aktor vor oder
hinter der ersten Trommel in Bezug auf einen Drehpunkt der Kartusche in der Zentrifuge
angeordnet. Wird der Aktor hinter der ersten Trommel in Bezug auf den Drehpunkt angeordnet,
ergibt sich vorteilhaft, dass kein sonstiges Rückstellmittel erforderlich ist bzw.
dieses von dem Aktor selbst ausgebildet wird. Die Betätigung der ersten Trommel erfolgt
dabei durch den Aktor in Zusammenspiel mit der Zentrifugalkraft.
[0028] Ausführungsbeispiele der Erfindung sind in den Figuren der Zeichnung dargestellt
und in der nachfolgenden Beschreibung näher erläutert.
[0029] Es zeigen:
- Figur 1
- schematisch einen Schnitt durch eine Kartusche gemäß einem Ausführungsbeispiel der
vorliegenden Erfindung;
- Figuren 2A-2G
- perspektivische Ansichten verschiedener Bauteile der Kartusche aus Figur 1;
- Figuren 3A-3E
- verschiedene Betriebszustände der Kartusche aus Figur 1;
- Figuren 4A-4E
- Detailansichten einer Verstelleinrichtung entsprechend den verschiedenen Betriebszuständen
aus Figur 3A-3E;
- Figur 5
- in einem Schnitt nochmals, aber schematisch die Kartusche aus Figur 1;
- Figur 6
- eine Variante gegenüber Figur 5, wobei der Aktor eine Welle umfasst;
- Figur 7
- eine Variante gegenüber Figur 5 ohne Feder;
- Figur 8
- eine weitere Variante gegenüber Figur 5, wobei die Anordnung von Aktor und Feder vertauscht
ist;
- Figur 9
- eine weitere Variante gegenüber Figur 5, wobei der Aktor eine Welle umfasst und keine
Kugelschreibermechanik vorgesehen ist;
- Figur 10
- eine weitere Variante gegenüber Figur 5, wobei der Deckel des Gehäuses als Adapter
ausgebildet ist;
- Figur 11
- eine weitere Variante gegenüber Figur 10, wobei der Adapter mit einer Membran ausgebildet
ist; und
- Figur 12
- schematisch eine Zentrifuge gemäß einem Ausführungsbeispiel der vorliegenden Erfindung.
[0030] In den Figuren bezeichnen gleiche Bezugszeichen gleiche oder funktionsgleiche Elemente,
soweit nichts Gegenteiliges angegeben ist.
[0031] Figur 1 zeigt in einer Schnittansicht eine Kartusche 100 gemäß einem Ausführungsbeispiel
der vorliegenden Erfindung.
[0032] Die Kartusche 100 umfasst ein Gehäuse 102 in Form eines Röhrchens. Beispielsweise
kann das Gehäuse 102 als ein 15 mL Zentrifugenröhrchen, 1.5 mL oder 2 mL Eppendorfröhrchen
oder alternativ als eine Mikrotiterplatte (z.B. 20 µL pro Kavität) ausgebildet sein.
Die Längsachse des Gehäuses 102 ist mit 104 bezeichnet.
[0033] In dem Gehäuse 102 sind beispielsweise eine erste Trommel 108, eine zweite Trommel
106 und eine dritte Trommel 110 aufgenommen. Die Trommeln 106, 108, 110 sind hintereinander
und mit ihren jeweiligen Mittelachsen koaxial mit der Längsachse 104 angeordnet.
[0034] Das Gehäuse 102 ist an seinem einen Ende 112 geschlossen ausgebildet. Zwischen dem
geschlossenen Ende 112 und der zu diesem benachbart angeordneten Trommel 110 ist ein
Rückstellmittel beispielsweise in Form einer Feder 114 angeordnet. Die Feder 114 kann
in Form einer Spiralfeder oder eines Polymers, insb. eines Elastomers, ausgebildet
sein. Das andere Ende 116 des Gehäuses 102 ist mittels eines Verschlusses 118 verschlossen.
Bevorzugt kann der Verschluss 118 abgenommen werden, um die Trommeln 106, 108, 110
aus dem Gehäuse 102 zu entnehmen. Alternativ kann auch das Gehäuse 102 selbst zerlegbar
sein, um die Trommeln 106, 108, 110 zu entnehmen oder an die Kammern, beispielsweise
die Kammer 136, zu gelangen.
[0035] Gemäß einem weiteren Ausführungsbeispiel ist die Feder 114 zwischen dem Verschluss
118 und der Trommel 106 angeordnet, sodass die Feder 114 zum Erzeugen einer Rückstellkraft
gedehnt wird. Auch andere Anordnungen der Feder 114 sind denkbar.
[0036] Eine jeweilige Trommel 106, 108, 110 kann eine oder mehrere Kammern aufweisen:
[0037] So umfasst beispielsweise die zweite Trommel 106 mehrere Kammern 120 für Reagenzien
sowie eine weitere Kammer 122 zur Aufnahme einer Probe, beispielsweise einer Blutprobe,
die von einem Patienten entnommen wurde.
[0038] Die der zweiten Trommel 106 nachgeschaltete erste Trommel 108 umfasst eine Mischkammer
124, in welcher die Reagenzien aus den Kammern 120 mit der Probe aus der Kammer 122
gemischt werden. Außerdem umfasst die erste Trommel 108 beispielsweise eine Kammer
126, in welcher das Gemisch aus der Mischkammer 124 in eine flüssige und eine feste
Phase 128 bzw. 130 getrennt wird. Bei der festen Phase 130 kann es sich um eine Gelsäule,
eine Silicamatrix oder einen Filter handeln.
[0039] Die der ersten Trommel 108 wiederum nachgeschaltete dritte Trommel 110 umfasst eine
Kammer 132 zur Aufnahme eines Abfallprodukts 134 aus der Kammer 126. Weiterhin umfasst
die dritte Trommel 110 eine weitere Kammer 136 zur Aufnahme des gewünschten Endprodukts
138.
[0040] Die Kartusche 100 weist eine äußere Geometrie auf, so dass diese in eine Aufnahme
eines Rotors einer Zentrifuge, insbesondere in eine Aufnahme eines Ausschwingrotors
oder Festwinkelrotors einer Zentrifuge, eingesetzt werden kann. Während des Zentrifugierens
wird die Kartusche 100 um einen in Figur 1 schematisch angedeuteten Drehpunkt 140
mit hoher Drehzahl gedreht. Der Drehpunkt 140 liegt dabei auf der Längsachse 104,
so dass eine entsprechende Zentrifugalkraft 142 entlang der Längsachse 104 auf jeden
Bestandteil der Kartusche 100 wirkt.
[0041] Ziel ist es nun, verschiedene Prozesse innerhalb der Kartusche 100 mittels eines
Aktors 139 zu steuern. So soll beispielsweise die Mischkammer 124 zunächst mit der
Kammer 122 fluidisch verbunden werden, um die Probe aus der Kammer 122 aufzunehmen.
Hiernach soll die Mischkammer 124 mit den Kammern 120 verbunden werden, um die Reagenzien
aus diesen aufzunehmen. Anschließend sollen die Reagenzien und die Probe in der Mischkammer
124 gemischt werden. Ähnlich sollen auch die Prozesse in den Kammern 126, 132 und
136 gesteuert werden. Zusätzlich zur Steuerung der Prozesse mittels des Aktors 139
kann auch die Drehzahl der Zentrifuge bzw. eines Rotors derselben entsprechend gesteuert
werden. Die wirkende Zentrifugalkraft 142 hat insbesondere die Aufgabe, die Komponenten,
also beispielsweise die Probe oder die Reagenzien, zwischen den Kammern 120, 122 und
der Mischkammer 124 zu transferieren.
[0042] Die Figuren 2A-2G zeigen perspektivisch verschiedene Bauteile der Kartusche 100 aus
Figur 1. Anhand der Figuren 2A-2G soll nachfolgend insbesondere eine Verstelleinrichtung
300 (siehe Fig. 3A) umfassend den Aktor 139 erläutert werden, welche die Steuerung
der vorstehend erwähnten Prozesse ermöglicht.
[0043] Wie in Figur 2A gezeigt, weist das Gehäuse 102 an seiner Innenseite Vorsprünge 200
auf. Die Vorsprünge 200 stehen radial hin zur Längsachse 104 von der Gehäuseinnenwand
202 ab. Die Vorsprünge 200 bilden zwischen sich Schlitze 204, welche sich entlang
der Längsachse 104 erstrecken. Die Vorsprünge 200 sind an ihrem einen Ende jeweils
mit einer Schräge 206 gebildet. Die Schrägen 206 weisen weg von dem Drehpunkt 140
im Betrieb der Zentrifuge mit der Kartusche 100.
[0044] Figur 2B zeigt das Ende 112 des Gehäuses 102, welches gemäß diesem Ausführungsbeispiel
als eine abnehmbare Kappe ausgebildet ist. Das Ende 112 weist an seinem inneren Umfang
mehrere Nuten 208 auf, welche sich entlang der Längsachse 104 erstrecken.
[0045] Figur 2C zeigt die zweite Trommel 106 mit den Kammern 120, 122. Die Trommel 106 weist
an ihrer Außenwand 210 mehrere Vorsprünge 212 auf, welche sich von der Außenwand 210
radial nach außen erstrecken. Im zusammengebauten Zustand der Kartusche 100 greifen
die Vorsprünge 212 der Trommel 106 in die Schlitze 204 des Gehäuses 102 ein. Dadurch
ist ein Drehen der Trommel 106 um die Längsachse 104 gesperrt. Die Trommel 106 ist
jedoch entlang der Längsachse 104 in den Schlitzen 204 verschieblich. Die zweite Trommel
106 weist weiterhin an ihrer Außenwand 210, insbesondere an ihrem der ersten Trommel
108 zugewandten Ende 214, eine kronenartige Kontur 216, welche eine Vielzahl von Schrägen
218, 220 umfasst. Zwei Schrägen 218, 220 bilden jeweils einen Zacken der kronenartigen
Kontur 216 aus. Die Schrägen 218, 220 weisen ebenfalls weg von dem Drehpunkt 140 im
Betrieb der Zentrifuge mit der Kartusche 100.
[0046] Figur 2D zeigt eine Ansicht der zweiten Trommel 106 aus Figur 2C von unten. Die dem
Ende 214 zugeordnete Unterseite 222 der Trommel 106 weist mehrere Öffnungen 224 auf,
um die Kammern 120, 122 mit der Mischkammer 124 der ersten Trommel 108 flüssigkeits-,
gas- und/oder partikelleitend (nachfolgend "leitend") zu verbinden. Alternativ oder
zusätzlich können die Öffnungen 224 auch die Kammern 120, 122 mit der Kammer 126 der
ersten Trommel 108 leitend verbinden. Eine jeweilige leitende Verbindung bestimmt
sich nach der Position einer jeweiligen Öffnung 224 bezüglich der Kammern 124, 126.
Diese Position wird durch Drehen der ersten Trommel 108 gegenüber der zweiten Trommel
106 erzielt, wie an späterer Stelle noch näher erläutert wird.
[0047] Figur 2E zeigt eine Lanzetteneinrichtung 226, welche in Figur 1 nicht dargestellt
ist. Die Lanzetteneinrichtung 226 umfasst eine Platte 228 mit einem oder mehreren
Dornen 230, welche jeweils benachbart zu einer Öffnung 232 in der Platte 228 angeordnet
sind. Die Dorne 230 dienen dazu, mittels geeigneter Steuerung durch den Aktor 139
eine jeweilige Öffnung 224 in der Unterseite 222 der zweiten Trommel 106 zu durchstoßen,
woraufhin insbesondere Flüssigkeit aus der entsprechenden Kammer 120, 122 durch die
Öffnung 232 hindurch in die Kammern 124 oder 126 fließt.
[0048] Figur 2F zeigt die erste Trommel 108 mit den Kammern 124, 126. Am Boden 234 der Kammer
126 ist beispielsweise eine Öffnung 236 für ein leitendes Verbinden der Kammer 126
mit den Kammern 132, 136 der dritten Trommel 110 vorgesehen. Die erste Trommel 108
weist an ihrer Außenwand 238 mehrere Vorsprünge 240 auf. Die Vorsprünge 240 sind dazu
eingerichtet, in die Schlitze 204 (genauso wie die Vorsprünge 212 der zweiten Trommel
106) einzugreifen. Solange die Vorsprünge 240 mit den Schlitzen 240 in Eingriff stehen,
ist ein Drehen der ersten Trommel 108 um die Längsachse 104 gesperrt. Allerdings sind
die Vorsprünge 240 samt der Trommel 108 entlang der Längsachse 104 in den Schlitzen
204 beweglich. Die Vorsprünge 240 weisen Schrägen 242 auf, welche in Richtung des
Drehpunkts 140 im Betrieb der Zentrifuge mit der Kartusche 100 weisen und korrespondierend
zu den Schrägen 206 und 220 gebildet sind.
[0049] Figur 2G zeigt die dritte Trommel 110 mit den Kammern 132, 136. Die Trommel 110 weist
Vorsprünge 244 auf, welche von der Außenwand 246 der Trommel 110 jeweils abstehen.
Die Vorsprünge 244 sind dazu eingerichtet, in die Nuten 208 des Endes 112 zu greifen,
so dass die Trommel 110 in der Längsrichtung 104 in den Nuten 208 verschieblich ist.
Ein Drehen der Trommel 110 um die Längsachse 104 ist somit jedoch gesperrt.
[0050] Die Figuren 3A-3E zeigen mehrere Betriebszustände beim Betrieb der Kartusche 100
aus Figur 1, wobei eine zusätzliche Trommel 302 dargestellt ist, was jedoch vorliegend
nicht weiter relevant ist. Die Figuren 4A-4E korrespondieren jeweils mit den Figuren
3A-3E und illustrieren die Bewegung der Schrägen 206, 218, 220, 242 relativ zueinander.
Ergänzend sei jedoch darauf hingewiesen, dass Figur 3B einen Betriebszustand der Kartusche
100 zeigt, welcher fortgeschrittener ist als der in Figur 4B gezeigte Zustand. In
den Figuren 3A-3E ist das Gehäuse 102 teilweise durchsichtig dargestellt, um einen
Blick auf das Innere freizugeben.
[0051] Der Aktor 139, die Vorsprünge 200, die Schlitze 204, die Schrägen 206, die Vorsprünge
212, die Schrägen 218, 220, die Vorsprünge 240 sowie die Schrägen 242 bilden im Zusammenspiel
mit der Rückstellfeder 114 die vorstehend erwähnte Verstelleinrichtung 300 zum definierten
Verdrehen der ersten Trommel 108 gegenüber den anderen Trommeln 106, 110 um die Längsachse
104.
[0052] Die Figuren 3A und 4A zeigen eine erste Stellung, in welcher die Vorsprünge 240 der
ersten Trommel 108 in die Schlitze 204 eingreifen und somit ein Drehen der ersten
Trommel 108 um die Längsachse 104 gesperrt ist. Drückt nun der Aktor 139 mittelbar
oder unmittelbar auf die zweite Trommel 106, so drückt die zweite Trommel 106 wiederum
mittels der Schrägen 220 der Kontur 216 auf die Schrägen 242 der ersten Trommel 108
gegen die Wirkung der Feder 114, wobei die Feder 114 komprimiert wird. Dadurch bewegt
sich die erste Trommel 108 in einer Richtung weg von dem Drehpunkt 140, wie durch
die entsprechenden Pfeile in den Figuren 4A und 4B angedeutet. Diese Bewegung wird
solange fortgesetzt, bis die Vorsprünge 240 außer Eingriff mit den Vorsprüngen 200
gelangen. In dieser zweiten Stellung ist ein Drehen der ersten Trommel 108 um die
Längsachse 104 freigegeben, wie in Figur 4C veranschaulicht. Aufgrund des Zusammenwirkens
der Schrägen 220 und 242, die beispielsweise jeweils unter einem Winkel von 45° in
Bezug auf die Längsachse 104 ausgerichtet sind, ergibt sich eine Kraftkomponente,
welche die erste Trommel 108 automatisch dreht, wenn diese in die zweite Stellung
gelangt, wie durch in Figur 4C nach links gerichteten Pfeile angedeutet.
[0053] Gibt der Aktor 139 nunmehr die zweite Trommel 106 frei, so drückt die Feder 114 die
erste Trommel 108 mittels der dritten Trommel 110 wieder in Richtung des Drehpunkts
140. Dadurch wird die zweite Trommel 106 samt ihrer Schrägen 220 ebenfalls wieder
in Richtung des Drehpunkts 140 bewegt, wodurch die Schrägen 242 der ersten Trommel
108 gegen die Schrägen 206 des Gehäuses 102 zum Liegen kommen und entlang dieser unter
Ausführung einer weiteren Drehbewegung der ersten Trommel 108 in eine dritte Stellung
gleiten, wie in den Figuren 4D und 4E dargestellt. In der dritten Stellung sind die
Vorsprünge 240 der ersten Trommel 108 wieder in den Schlitzen 204 des Gehäuses 102
angeordnet, so dass ein weiteres Drehen der ersten Trommel 108 um die Längsachse 104
wieder gesperrt ist.
[0054] Der vorstehend beschriebene Prozess kann beliebig oft wiederholt werden, um die erste
Trommel 108 definiert gegenüber den anderen Trommeln 106 und 110 zu drehen.
[0055] Weiter alternativ könnte anstelle des Rückstellmittels 114 auch ein weiterer nicht
dargestellter Aktor verwendet werden.
[0056] Grundsätzlich kann der Aktor 139 elektrisch-, mechanisch- und/oder druckbetrieben
sein. Insbesondere bietet sich ein piezoelektrisch-, elektrostatisch-, semi-mechanisch-manuell
oder elektromagnetischbetriebener Aktor 139 an. "betrieben" meint hier das Wirkprinzip,
welches der Aktor 139 ausnutzt, um die Betätigungskraft zum Betätigen der ersten Trommel
106 (oder je nach Ausführungsform auch eine der anderen Trommeln 108, 110) zu erzeugen.
Beispielweise kann der Aktor 139 einen Elektromagneten aufweisen, welcher mit einem
in einer der Trommeln 106, 108, 110 angeordneten Metallteil zusammenwirkt, das der
Elektromagnet mittels geeigneter Ansteuerung desselben anzieht oder abstößt, um dadurch
die oben erläuterte Verstellung der Trommeln 106, 108, 110 zueinander zu erreichen.
Die auf die zweite Trommel 106 mittels des Aktors 139 aufgebrachte Druckkraft beträgt
typischerweise 0,5-100 N. Die von dem Aktor aufzubringende Druckkraft reduziert sich
entsprechend der wirkenden Zentrifugalkraft.
[0057] Bevorzugt ist eine geeignete, nicht dargestellte Steuereinrichtung vorgesehen, welche
den Aktor 139 ansteuert, sodass die Trommeln 106, 108, 110 zu der gewünschten Zeit
die jeweils gewünschte Position zueinander einnehmen. Dazu kann die Steuereinrichtung
einen Timer und/oder einen integrierten Schaltkreis aufweisen.
[0058] Figur 5 zeigt in einem Schnitt nochmals, aber schematisch die Kartusche 100 aus Figur
1.
[0059] Bei dem Ausführungsbeispiel nach den Figuren 1 bis 5 ist der Aktor 139 bevorzugt
als ein piezoelektrisches Element ausgebildet, welches zwischen dem Deckel 118, der
dem Drehpunkt 140 zugewandt ist, und der zweiten Trommel 106 angeordnet. Der Aktor
139 ist einerseits an dem Deckel 139 befestigt und drückt andererseits mit seiner
Stirnseite 500 flächig gegen die Trommel 106, ohne mit dieser verbunden zu sein. Die
Stirnseite 500 ist lediglich der besseren Erläuterung halber von der Trommel 106 beabstandet
dargestellt. Tatsächlich drückt jedoch das Rückstellmittel 114 die Trommel 106 ständig
gegen den Aktor 139.
[0060] Beispielsweise wird die Kartusche 100 mit einer konstanten Drehzahl um den Drehpunkt
140 gedreht. Die Drehzahl ist dabei derart gewählt, dass es zu keinem selbsttätigen
Verdrehen der ersten Trommel 108 gegenüber den anderen Trommeln 106, 110 kommt, d.h.
die Kugelschreibermechanik nicht schon auf Grund der Zentrifugalkraft 142 ausgelöst
wird.
[0061] Sodann wird der Aktor 139 mittels eines entsprechenden Steuersignals von der Steuereinrichtung
zum Ausüben einer Kraft auf die zweite Trommel 106 gesteuert. Auf Grund des vorstehend
beschriebenen Zusammenspiels zwischen den Schrägen 206, 220, 242 sowie des Rückstellmittels
114 ("Kugelschreibermechanik") kommt es zu dem Verdrehen der ersten Trommel 108 derart,
dass sich die Kammern 120, 124 gegenüberliegen und miteinander leitend verbunden sind.
Beispielweise wird eine ggf. vorgesehene, die Kammern 120, 124 verschließende Abdeckfolie
(nicht dargestellt) mittels Dornen 230 in diesem Prozess durchstoßen. Dadurch fließt
eine erste Komponente 502 unter Einwirkung der Zentrifugalkraft 142 aus der Kammer
120 in die Mischkammer 124. Hiernach wird die Kugelschreibermechanik erneut mittels
des Aktors 139 betätigt, woraufhin sich die erste Trommel 108 derart dreht, dass die
Mischkammer 124 der Kammer 122 gegenüberliegt und mit dieser leitend verbunden ist.
Eine die Kammer 122 verschließende Abdeckfolie, wie verstehend beschrieben, welche
in diesem Prozess durchstoßen wird, kann ebenfalls vorgesehen sein. Dadurch fließt
eine zweite Komponente 504 unter Einwirkung der Zentrifugalkraft 142 aus der Kammer
122 in die Mischkammer 124 und kann dort vermischt werden. Die Bewegungen der jeweiligen
Komponenten 139, 106, 108, 110 ist mit Pfeilen angedeutet.
[0062] Das Drehen der ersten Trommel 108 und damit die Prozessierung der Komponenten 502,
504 kann somit weitgehend unabhängig von der Zentrifugalkraft 142 erfolgen.
[0063] Figur 6 zeigt eine Variante gegenüber Figur 5.
[0064] Gegenüber dem Ausführungsbeispiel nach Figur 5 ist zusätzlich ein Stellglied 600
vorgesehen, welches an der Stirnseite 500 des Aktors einerseits und an der dritten
Trommel 110 andererseits befestigt ist. Das Stellglied 600 erstreckt sich durch ein
Loch 602 in der zweiten Trommel 106 und ist mit der ersten Trommel 108 und/oder der
dritten Trommel 110 verbunden. Die Rückstellkraft wird dabei von dem Stellglied 600
erzeugt, sodass die Feder 114 entfallen, siehe Figur 5, kann. Durch Kontraktion des
Aktors 139 wird das Stellglied 600 und damit die Trommel 108 nach oben gezogen. Im
Übrigen erfolgt das Verdrehen der ersten Trommel 108 wie bei dem Ausführungsbeispiel
nach Fig. 5.
[0065] Figur 7 zeigt eine weitere Variante gegenüber Figur 5.
[0066] Während bei dem Ausführungsbeispiel nach Fig. 5 der Aktor 139 zwischen dem Drehpunkt
140 und der zweiten Trommel 106 bzw. der ersten Trommel 108 angeordnet ist, ist bei
dem Ausführungsbeispiel gemäß Fig. 7 der Aktor 139 zwischen dem Ende 112 des Gehäuses
102 und der dritten Trommel 110 angeordnet. Die Betätigung und Rückstellung der Kugelschreibermechanik
erfolgt bei diesem Ausführungsbeispiel mittels des Aktors 139 oder alternativ in Zusammenspiel
mit der Zentrifugalkraft 142.
[0067] Reicht die vorhandene Zentrifugalkraft 142 nicht aus (beispielsweise weil die Zentrifugalkraft
142 konstant gehalten werden soll) kann zusätzlich eine Feder 800 zwischen dem Deckel
118 der zweiten Trommel 106 vorgesehen sein, welche die Trommeln 106, 108, 110 gegen
den Aktor 139 vorspannt. Dies ist in Fig. 8 gezeigt, welche eine Variante gegenüber
Figur 7 darstellt.
[0068] Fig. 9 zeigt eine noch weitere Variante gegenüber Fig. 5.
[0069] Bei dem Ausführungsbeispiel gemäß Fig. 9 sind lediglich die erste Trommel 108 und
die zweite Trommel 106 vorgesehen. Ein Stellglied 600 in Form einer Welle ist einerseits
mit dem Aktor 139 und andererseits mit der ersten Trommel 108 verbunden. Die Welle
600 durchgreift dabei ein Loch in der zweiten Trommel 106, welche gemäß diesem Ausführungsbeispiel
ortsfest vorgesehen. Der Aktor 139, insbesondere ein Elektromotor, dreht die Welle
600 und dadurch die erste Trommel 108 um die Mittelachse 104, wodurch unterschiedlichen
Kammern 120, 122, 124 miteinander leitend verbunden werden, wie vorstehend beschrieben.
Eine Kugelschreibemechanik ist bei diesem Ausführungsbeispiel nicht vorgesehen. Der
Aktor 139 kann ferner dazu eingerichtet sein, die Welle 139 auch entlang der Mittellinie
104 zu bewegen, um dadurch die erste Trommel 108 von der zweiten Trommel 106 für das
Drehen zu beabstanden und nach dem Drehen die Trommeln 106, 108 wieder aneinander
zu pressen, wodurch eine dichte, leitende Verbindung beispielweise zwischen der Kammer
120 und der Kammer 124 vorgesehen wird.
[0070] Die zweite Trommel 106 kann gemäß einem anderen Ausführungsbeispiel mittels eines
weiteren, nicht dargestellten Aktors beweglich vorgesehen sein.
[0071] Fig. 10 zeigt eine noch weitere Variante gegenüber Fig. 5.
[0072] Bei dem Ausführungsbeispiel gemäß Fig. 10 ist der Deckel 118 in Form eines Adapters
zum Halten des Aktors 139 ausgeführt. Der Aktor 139 erstreckt sich durch den Adapter
118 hindurch und greift somit direkt an der zweiten Trommel 106 an, um diese in einer
Richtung weg von dem Drehpunkt 140, also in Fig. 11 nach unten, zu bewegen. Beispielweise
kann der Aktor 139 hierzu ein Stellglied, insbesondere eine Stange, aufweisen, welche
gegen die Trommel 106 drückt. Die Rückstellung kann wie oberhalb beschrieben mittels
des Rückstellmittels 114 erfolgen.
[0073] Alternativ ist der Aktor 139, beispielsweise das Stellglied, fest mit der zweiten
Trommel 106 verbunden. Dadurch ließe sich die Trommel 106 mittels des Aktors 139 schnell
hin und her entlang der Längsrichtung 104 bewegen, wodurch eine Mischkammer zum Mischen
von Komponenten in einer der Kammern 120, 122 vorgesehen werden könnte. Wird die Amplitude
der Hin- und Herbewegung ausreichend klein gewählt, kann diese Bewegung ohne Verdrehen
der Trommeln 106, 108, 110 zueinander geschehen, d.h. ohne Auslösen der Kugelschreibermechanik.
[0074] Das Ausführungsbeispiel gemäß Figur 11 unterscheidet sich von dem gemäß Figur 10
dadurch, dass der Aktor 139 außenseitig an dem Adapter 118 angebracht ist, d.h., der
Aktor 139 durchdringt in diesem Fall nicht den Adapter 118. Vielmehr wirkt der Aktor
139 mittelbar, und zwar beispielsweise mittels einer flexiblen Membran, auf die zweite
Trommel 106, um diese in der ersten Richtung 207 zu betätigen. Dazu ist insbesondere
ein Abschnitt 1100 des Adapters 118 dünn ausgebildet, wobei ein von dem Aktor 139
betätigtes Stellglied 600 diesen dünnen Abschnitt 100 elastisch verformt.
[0075] Weiterhin besteht die Möglichkeit, den Aktor 139 druckbetrieben vorzusehen, wozu
der Aktor druckleitend mit einer nicht dargestellten Druckeinrichtung, beispielsweise
einem Gasdruckzylinder, verbunden ist und von dieser angetrieben wird. Im einfachsten
Fall bilden der Adapter 118 und die zweite Trommel 106 eine Kammer miteinander, welche
mit Druck von der Druckeinrichtung beaufschlagt und somit der Aktor 139 gebildet wird.
Weiterhin könnte der Aktor 139 in Form eines Balgs vorgesehen werden, welcher zwischen
dem Adapter 118 und der zweiten Trommel 106 vorgesehen ist.
[0076] Der Aktor 139 kann auch an anderer Stelle vorgesehen sein, beispielsweise zwischen
der ersten Trommel 108 und der zweiten oder dritten Trommel 106, 110. Dazu ist der
Aktor 139 bevorzugt als piezoelektrisches Element ausgebildet.
[0077] Fig. 12 zeigt in einer Draufsicht schematisch eine Zentrifuge 1200 gemäß einem Ausführungsbeispiel
der vorliegenden Erfindung.
[0078] Die Zentrifuge 1200 umfasst einen nicht weiter dargestellten Rotor. In den Rotor
ist die Kartusche 100 eingesetzt und wird auf einer Kreisbahn 1202 bewegt. Entlang
der Kreisbahn 1202 ist eine Spule 1204 vorgesehen, welche den Aktor 139 ansteuert,
sobald dieser die Spule 1204 passiert. Der Aktor 139 löst dann die vorstehend beschriebene
Drehbewegung der ersten Trommel 108 aus.
[0079] Anstelle der Spule 1204 könnte eine nicht dargestellte Sendeinrichtung vorgesehen
sein, welche elektromagnetischen Wellen, insbesondere Radiowellen, geringer Reichweite
erzeugt. Eine nicht dargestellte, in die Kartusche 100 integrierte Empfängereinrichtung
steuert dann den Aktor 139 an, sobald dieser die Sendeeinrichtung passiert.
[0080] Grundsätzlich kann der Aktor 139 also drahtlos von einer stationären, beispielweise
im Zentrifugengehäuse vorgesehenen Steuereinrichtung angesteuert werden. Aber auch
eine Ansteuerung mittels Schleifkontakt ist denkbar.
[0081] Alternativ könnte die Kartusche 100 eine nicht dargestellte Rechnereinheit aufweisen,
welche den Aktor 139 auf Basis eines Computerprogramms ansteuert. Beispielweise kann
ein Startzeitpunkt des Computerprogramms von einem Benutzer festgelegt oder drahtlos
mittels der vorstehend erwähnten Steuereinrichtung auf die Rechnereinrichtung übertragen
werden.
[0082] Eine nicht dargestellte Energieversorgung für den Aktor 139 kann in die Kartusche
100 integriert sein, beispielweise in Form einer Batterie in dem Gehäuse 102. Elektrische
Energie kann extern drahtlos oder drahtgebunden zugeführt werden. Beispielsweise kann
die Energie mittels einer oder mehrerer Spulen induziert werden (drahtlos). Oder die
Energie kann über einen Schleifkontakt zugeführt werden (drahtgebunden).
[0083] Eine nicht dargestellte Steuereinheit regelt das Zusammenspiel des Aktors 139, welcher
die räumliche Positionierung der Trommeln 106, 108, 110 vorgibt, und der Drehzahl
der Zentrifuge 1200 bzw. des Rotors, welche insbesondere die Fließgeschwindigkeit
der Komponenten 502, 504 durch die Kartusche 100 steuert.
[0084] Vorteilhaft können bei den vorstehend beschriebenen Ausführungsbeispielen unabhängig
von der Drehzahl des Rotors der Zentrifuge 1200 unterschiedliche Kammern miteinander
verschaltet, d.h. miteinander leitend verbunden werden. Dieses Verschalten kann beispielsweise
bei konstanter, steigender oder fallender Drehzahl erfolgen.
[0085] Je nach Ausführungsform können die zweite Trommel 106 und/oder die dritte Trommel
110 ortsfest oder beweglich in Bezug auf das Gehäuse 102 vorgesehen sein. Die Trommeln
106, 110 können beispielweise jeweils mittels eines weiteren Aktors drehbar um die
Mittelachse 104 vorgesehen sein.
[0086] Weiterhin kann die Mischkammer 124 eine nicht dargestellte Hindernisstruktur, beispielsweise
ein Sieb oder eine Gitterstruktur, aufweisen, welche dazu eingerichtet ist, unter
Einwirkung einer Zentrifugalkraft (wenn also die Drehzahl der Zentrifuge einen vorbestimmten
Schwellwert überschreitet) sich durch die Flüssigkeiten 502, 504 zu bewegen, um diese
dadurch zu vermischen.
[0087] Das Gehäuse 102 und die Trommeln 106, 108, 110 können aus demselben oder unterschiedlichen
Polymeren hergestellt sein. Bei dem einen oder mehreren Polymeren handelt es sich
insbesondere um Thermoplaste, Elastomere oder thermoplastische Elastomere. Beispiele
sind Cyclo-olefin Polymer (COP), Cyclo-olefin Copolymer (COC), Polycarbonate (PC),
Polyamide (PA), Polyurethane (PU), Polypropylen (PP), Polyethylene terephthalate (PET)
oder Poly(methyl methacrylate) (PMMA).
[0088] Die zweite Trommel 106 und/oder die dritte Trommel 110 können einstückig mit dem
Gehäuse 102 gebildet sein.
[0089] Obwohl die Erfindung vorliegend anhand bevorzugter Ausführungsbeispiele beschrieben
wurde, ist sie darauf keineswegs beschränkt, sondern auf vielfältige Weise modifizierbar.
Insbesondere sei darauf hingewiesen, dass die für die erfindungsgemäße Kartusche vorliegend
beschriebenen Ausgestaltungen und Ausführungsbeispiele entsprechend auf die erfindungsgemäße
Zentrifuge sowie auf das erfindungsgemäße Verfahren zum Mischen einer ersten und einer
zweiten Komponente anwendbar sind, und umgekehrt. Ferner wird darauf hingewiesen,
dass "ein" vorliegend keine Vielzahl ausschließt.
1. Kartusche (100) zum Einsetzen in eine Zentrifuge (1200) und Zentrifugieren derselben,
aufweisend
eine erste Trommel (108), welche eine erste Kammer (124) aufweist, und
eine Verstelleinrichtung (300), welche dazu eingerichtet ist, die erste Trommel (108)
um deren Mittelachse (104) zu drehen, um dadurch die erste Kammer (124) wahlweise
mit einer zweiten oder einer dritten Kammer (120, 122, 132, 136) flüssigkeits-, gas-
und/oder partikelleitend zu verbinden,
oder
eine erste Trommel (108), welche eine erste und eine zweite Kammer (124, 126) aufweist,
und eine Verstelleinrichtung (300), welche dazu eingerichtet ist, die erste Trommel
(108) um deren Mittelachse (104) zu drehen, um dadurch wahlweise die erste Kammer
(124) mit einer dritten Kammer (120) oder die zweite Kammer (122) mit der dritten
Kammer (120) flüssigkeits-, gas- und/oder partikelleitend zu verbinden,
wobei die Verstelleinrichtung (300) einen Aktor (139) zum Drehen der ersten Trommel
um die Mittelachse (104) aufweist.
2. Kartusche nach Anspruch 1, wobei der Aktor (139) elektrisch-, mechanisch- und/oder
druckbetriebenen vorgesehen ist.
3. Kartusche nach Anspruch 1 oder 2, wobei der Aktor (139) ein Stellglied (600) aufweist,
welches mit der ersten Trommel (108) verbunden ist, um diese direkt zu drehen und
ggf. entlang der Mittelachse (104) zu bewegen.
4. Kartusche nach Anspruch 1 oder 2, wobei der Aktor (139) ein Stellglied (600) aufweist,
welches mit der ersten Trommel (108) verbunden ist, um diese entlang der Mittelachse
(104) zu bewegen und dadurch zu drehen.
5. Kartusche nach Anspruch 1, 2 oder 4, wobei die Verstelleinrichtung (300) eine erste
Schräge (220) umfasst, welche mit einer zweiten Schräge (242) der ersten Trommel (108)
zusammenwirkt, um diese aus einer ersten Stellung, in der diese mit einem Gehäuse
(102) der Kartusche (100) in Drehrichtung um die Mittelachse (104) formschlüssig in
Eingriff steht, in eine zweite Stellung entlang der Mittelachse (104) zu verbringen,
in welcher der Formschluss aufgehoben ist und sich die erste Trommel (108) um die
Mittelachse (104) auf Grund der Wirkung eines Rückstellmittels (114) oder des Aktors
(139) oder eines weiteren Aktors dreht.
6. Kartusche nach Anspruch 5, wobei der Aktor (139) die erste Schräge (220) für das Zusammenwirken
mit der zweiten Schräge (242) betätigt.
7. Kartusche nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei der ersten Trommel (108)
eine zweite Trommel (106, 110) bezogen auf die Mittelachse (104) vor- oder nachgelagert
ist, wobei der Aktor (139) die zweite Trommel (106, 110) für das Drehen der ersten
Trommel (108) betätigt.
8. Kartusche nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei der Aktor (139) gegen die
erste Trommel (108) und/oder zweite Trommel (106, 110) für ein Drücken gegen diese
flächig anliegt oder mit der ersten Trommel (108) oder zweiten Trommel (106, 110)
fest verbunden ist.
9. Kartusche nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei der Aktor (139) zwischen
der ersten Trommel (108) und zweiten Trommel (106, 110) angeordnet ist.
10. Kartusche nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei die Kartusche (100) ein Gehäuse
(102) aufweist, welches an seinem einen Ende mittels eines Adapters (118) verschlossen
ist, wobei der Aktor (139) an dem Adapter (118) befestigt ist.
11. Kartusche nach Anspruch 10, wobei der Adapter (118) eine flexible Membran (1100) aufweist,
welche an ihrer einen Seite mittels des Aktors (139) betätigbar ist und an ihrer anderen
Seite auf die erste Trommel (108) oder zweite Trommel (106, 110) wirkt.
12. Kartusche nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei die zweite Kammer (120, 122)
und/oder dritte Kammer (132, 136) der ersten Trommel (108) bezogen auf die Mittelachse
(104) vor- oder nachgelagert und/oder in der zweiten Trommel (106, 110) ausgebildet
ist.
13. Zentrifuge (1200) aufweisend eine Kartusche (100) nach einem der vorhergehenden Ansprüche.
14. Zentrifuge nach Anspruch 13, wobei der Aktor (139) vor oder hinter der ersten Trommel
(108) in Bezug auf einen Drehpunkt (140) der Kartusche (100) in der Zentrifuge (1200)
angeordnet ist.
15. Verfahren zum Prozessieren von wenigstens einer Komponenten (502, 504) mittels einer
Kartusche (100) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, aufweisend folgende Schritte:
Drehen einer ersten Trommel (108), welche eine erste Kammer (124) umfasst, um deren
Mittelachse (104), um dadurch die erste Kammer (124) wahlweise mit einer zweiten Kammer
(120, 122) oder dritten Kammer (132, 136) flüssigkeits-, gas- und/oder partikelleitend
zu verbinden, und
Zentrifugieren der Kartusche (100), um dadurch die wenigstens eine Komponente (502,
504) mittels der wirkenden Zentrifugalkraft (142) zwischen der ersten Kammer (124,
126) und zweiten Kammer (120, 122) oder der ersten Kammer (124, 126) und dritten Kammer
(132, 136) zu transferieren.