[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung zum Fertigen
von mehrschaligen, insbesondere zweischaligen Bauteilen aus Flachmaterial, insbesondere
aus Blech.
[0002] Flächige Bauteile mit hoher mechanischer Belastbarkeit werden im Landmaschinenbau
für zahlreiche Anwendungen in vielen unterschiedlichen Bauformen benötigt. Zum Beispiel
umfasst der Korntankdeckel eines Mähdreschers, wie zum Beispiel in
DE 10 2007 003 653 A1 beschrieben, eine Vielzahl von großformatigen Flügeln, die eine beträchtliche Biegesteifigkeit
aufweisen müssen, um sich nicht unter dem Gewicht von darauf liegendem Korn zu verbiegen.
Herkömmlicherweise für den Bau eines solchen Korntankdeckels eingesetzte Bleche haben
eine Stärke von 1 bis 2 mm und sind zur Versteifung zusätzlich mit aufgepunkteten
oder aufgeklebten Hutprofilen versehen. Das hohe Gewicht dieser Bleche verursacht
hohe Materialkosten bei der Fertigung des Korntankdeckels. Im Feldeinsatz steigert
das hohe Gewicht des Korntankdeckels den Kraftstoffverbrauch eines damit ausgestatteten
Mähdreschers und die aus seinem Einsatz resultierende Bodenverdichtung. Es wäre daher
sehr wünschenswert, die Flügel eines solchen Korntankdeckels bei gleicher Belastbarkeit
mit geringerem Materialeinsatz fertigen zu können.
[0003] Dasselbe gilt für beliebige andere plattenförmige Bauteile von Landmaschinen, wie
Karosserieaußenbleche, den Wänden von Korntanks oder dergleichen. Eine besonders große
Kraftstoffersparnis ist dann erreichbar, wenn es gelingt, das Gewicht von innerhalb
einer landwirtschaftlichen Maschine bewegten Platten wie etwa Rüttelplatten, die zum
Beispiel in einem Mähdrescher für den Transport von Erntegut eingesetzt werden, zu
reduzieren.
[0004] Es ist zwar an sich bekannt, dass Platten mit einer mehrschaligen Struktur, wie zum
Beispiel in
WO 2005/113230 beschrieben, eine hohe Trägfähigkeit bei geringem Gewicht erreichen. Die Verwendung
derartiger mehrschalig strukturierter Platten in der Fertigung ist jedoch problematisch,
da die fertigen Platten nur unter teilweiser Zerstörung ihrer Struktur auf ein im
Einzelfall benötigtes Maß zugeschnitten werden können und das Fertigen der einzelnen
Schalen in den jeweils für den konkreten Einzelfall benötigten Abmessungen und das
Zusammenfügen der Schalen zum fertigen Bauteil mit erheblichem Aufwand verbunden ist.
Es ist zwar grundsätzlich möglich, diese Schalen zum Beispiel durch Tiefziehen zu
fertigen, doch führen die hohen Kosten der hierfür benötigten, für die jeweils zu
fertigende Schalenform spezifischen Werkzeuge dazu, dass diese Technik allenfalls
für Großserienfertigung wirtschaftlich ist.
[0005] Es besteht daher Bedarf nach einem Verfahren, das auf einfache und flexible Weise
die Fertigung von mehrschaligen Bauteilen aus Flachmaterial ermöglicht und auch für
kleinere Serien wirtschaftlich ist, sowie nach einer Vorrichtung zur Durchführung
des Verfahrens.
[0006] Dieser Bedarf wird erfindungsgemäß zum einen befriedigt durch ein Verfahren mit den
Schritten:
- überlappend Platzieren von wenigstens zwei Flachmaterial-Zuschnitten;
- Aneinanderdrücken der zuschnitte entlang einer geschlossenen Kontur, um einen aufweitbaren
Zwischenraum zwischen den zwei Zuschnitten zu definieren;
- Aufweiten des Zwischenraums durch Einspeisen eines Druckfluids zwischen die aneinander
gedrückten Zuschnitte; und
- Befestigen der Zuschnitte aneinander entlang der Kontur,
zum anderen durch eine Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens mit einem ersten
und einem zweiten Werkzeug, die aufeinander zu verschiebbar sind, um wenigstens zwei
Flachmaterial-Zuschnitte zwischen den Werkzeugen entlang einer geschlossenen Kontur
zu klemmen, und einer Druckfluidquelle zum Einspeisen von Druckfluid in einen von
der geschlossenen Kontur begrenzten Zwischenraum zwischen den zwei Zuschnitten.
[0007] Wenn wenigstens einer der Zuschnitte dort, wo die Zuschnitte nicht gegeneinander
gedrückt sind, dem Druck des eingespeisten Druckfluids nachgibt, wird er dreidimensional
zu einer gleichmäßig geschwungenen, hochgradig-biegesteifen Kontur verformt. Da zum
Aneinanderdrücken der Zuschnitte verwendete Werkzeuge nur an den Stellen, an denen
sie die Zuschnitte tatsächlich klemmen, eine definierte Gestalt haben müssen, sind
die Werkzeuge einfach und preiswert realisierbar.
[0008] Eine erhebliche weitere Versteifung des mehrschaligen Bauteils ist erreichbar, wenn
die zuschnitte ferner aneinander an wenigstens einem Punkt innerhalb der geschlossenen
Kontur befestigt werden.
[0009] An diesem wenigstens einen Punkt kann zweckmäßigerweise vor dem Aufweiten ein Niederhalter
platziert werden, um die Weite des Zwischenraums an dem betreffenden Punkt geringer
zu halten als rings um den Punkt.
[0010] Vorzugsweise wird die Weite des zwischenraums an dem Punkt während des Aufweitens
auf null gehalten, d.h. die zwei Zuschnitte werden durch den Niederhalter genauso
wie durch die geschlossene Kontur gegeneinander gedrückt gehalten. Ein nachträgliches
Befestigen der Zuschnitte aneinander an dem Punkt, insbesondere durch Punktschweißen,
ist jedoch auch dann nicht ausgeschlossen, wenn während des Aufweitens zugelassen
wird, dass sich die Zuschnitte an dem Punkt geringfügig voneinander entfernen.
[0011] Beim Aufweiten bildet sich an wenigstens einem der Zuschnitte rings um jeden Niederhalter
eine Vertiefung, wobei die Größe der Vertiefung proportional zu der Kraft ist, die
während des Aufweitens von dem Druckfluid auf den betreffenden Niederhalter ausgeübt
wird. Um die Gefahr einer Beschädigung der Zuschnitte beim Aufweiten zu minimieren,
sollte die Kraft, die auf einen einzelnen Niederhalter wirkt, nicht zu groß werden.
Daher ist bevorzugt, dass, wenn die Zuschnitte aneinander an mehreren Punkten der
geschlossenen Kontur befestigt werden, die Flächen der Vertiefungen, die beim Aufweiten
um jeden dieser Punkte geformt werden, sich voneinander höchsten um einen Faktor 2,
besser noch um einen Faktor von höchstens 1,25 unterscheiden.
[0012] Wenn einer der Zuschnitte einen über die geschlossene Kontur überstehenden Rand aufweist,
dann ist es zweckmäßig, diesen überstehenden Rand umzuschlagen, um eine den Rand des
anderen Zuschnitts umfangende Nut zu bilden. Dieses Umschlagen des Randes kann ausreichen,
um die Zuschnitte aneinander entlang der Kontur zu befestigen. Vorzugsweise jedoch
findet das Umschlagen zusätzlich zu einem Verschweißen oder Verkleben der Zuschnitte
aneinander entlang der Kontur statt.
[0013] Das Verschweißen kann nach dem Umschlagen erfolgen, um den anderen Zuschnitt beidseitig
zwischen dem ersten Zuschnitt und seinem umgeschlagenen Rand zu befestigen; denkbar
ist aber auch, den Rand erst nach dem Verschweißen oder Verkleben umzuschlagen, um
dadurch Schweißspuren zu verdecken.
[0014] Die Zuschnitte können zwischen einem ersten und einem zweiten Werkzeug platziert
und anschließend die Werkzeuge aufeinander zu verschoben werden, um die Zuschnitte
aneinander zu drücken.
[0015] Ein erstes Werkzeug, an dem einer der Zuschnitte anliegend platziert wird, ist vorzugsweise
wenigstens entlang der geschlossenen Kontur und innerhalb von dieser eben, so dass
auch der daran anliegende Zuschnitt während des Aufweitens eben bleibt und nur der
dem zweiten Werkzeug zugewandte andere Zuschnitt verformt wird.
[0016] Die geschlossene Kontur wird vorzugsweise zur Vorbereitung des oben beschriebenen
Verfahrens an dem zweiten Werkzeug abnehmbar montiert. Durch Austausch der geschlossenen
Kontur können die Werkzeuge in kurzer Zeit für die Fertigung unterschiedlicher Typen
von Bauteilen angepasst werden. Dies erlaubt eine gute Auslastung der Werkzeuge auch
bei Fertigung zahlreicher kleiner Serien von Bauteilen.
[0017] Auch die Niederhalter sind vorzugsweise an dem zweiten Werkzeug variabel montierbar.
[0018] Weitere Merkmale und Vorteile der Erfindung ergeben sich aus der nachfolgenden Beschreibung
von Ausführungebeispielen unter Bezugnahme auf die beigefügten Figuren. Es zeigen:
- Fig. 1
- eine schematische perspektivische Ansicht eines ersten Werkzeugs einer erfindungsgemäßen
Vorrichtung zum Fertigen von mehrschaligen Bauteilen aus Flachmaterial;
- Fig. 2
- ein vergrößertes Detail des ersten Werkzeugs und daran platzierter Blechzuschnitte;
- Fig. 3
- eine schematische perspektivische Ansicht eines zweiten Werkzeugs der Vorrichtung;
- Fig. 4
- einen schematischen Querschnitt durch zwei zwischen den Werkzeuge platzierte Blechzuschnitte
vor dem Aufweiten;
- Fig. 5
- einen zu Fig. 4 analogen Querschnitt nach dem Aufweiten;
- Fig. 6
- eine Draufsicht auf ein fertiges Bauteil;
- Fig. 7
- einen Querschnitt durch ein fast fertiges Bauteil gemäß einer ersten Abwandlung der
Erfindung;
- Fig. 8
- einen zu Fig. 7 analogen Querschnitt durch ein fertiges Bauteil gemäß einer zweiten
Abwandlung der Erfindung; und
- Fig. 9
- einen zu Fig. 4 analogen Schnitt gemäß einer dritten Abwandlung der Erfindung.
[0019] Das in Fig. 1 gezeigte erste Werkzeug umfasst im Wesentlichen eine starre Platte
1 mit einer ebenen Arbeitsoberfläche 2, auf der ein erster Zuschnitt 3 aus Blech,
vorzugsweise von 0,4 bis 0,5 mm Stärke, zur Bearbeitung angeordnet wird. Wenn das
erste Werkzeug mit nach oben gekehrter Arbeitsoberfläche 2, in der in Fig. 1 gezeigten
Perspektive, eingesetzt wird, kann der Zuschnitt 3 lose auf der platte 1 aufliegen;
anderenfalls ist eine zeitweilige Fixierung des Zuschnitts 3 an der Platte 1, z.B.
durch an seinem Rand angreifende, in der Figur nicht gezeigte Pratzen, durch Magnete,
durch über die Arbeitsoberfläche 2 verteilte Saugdüsen oder dergleichen zweckmäßig.
Der Zuschnitt 3 ist hier exemplarisch als Rechteck dargestellt, doch liegt auf der
Hand, dass der Zuschnitt 3 weitgehend beliebige Formen haben kann.
[0020] Ein Pressluftauslass 4 ist an einem Rand der Arbeitsoberfläche 2 angeordnet. Fig.
2 zeigt den Pressluftauslass 4 in einer vergrößerten Darstellung. Ein quaderförmiger
Grundkörper 5 des Pressluftsauslasses ist an der Arbeitsoberfläche 2 lösbar, z.B.
mit Hilfe von Schrauben 6 befestigt. Ein Druckluftschlauch 7 ist an eine dem Rand
der Arbeitsoberfläche 2 zugewandte Seite des Grundkörpers 5 angeschlossen, und eine
Bohrung erstreckt sich vom Anschlusspunkt des Schlauches 7 durch den Grundkörper 5
bis an die Spitze einer Zunge 8, deren ebene Unterseite 9 flach aut dem Zuschnitt
3 aufliegt und deren Oberseite 10 einen sanft wellenförmig geschwungenen Verlauf aufweist.
[0021] Ein zweiter Blechzuschnitt 11, von dem in Fig. 2 ein Bruchstück dargestellt ist,
ist einer ersten Ausgestaltung der Erfindung zufolge im Wesentlichen kongruent mit
dem Zuschnitt 3. Oberhalb der Zunge 8 ist der Zuschnitt 11 mit einem Schlitz 12 versehen,
der, wenn die Zuschnitte 3, 11 korrekt aufeinander platziert sind, an einer Scheitellinie
13 der Oberseite 10 der Zunge 8 zum Liegen kommt. Der Schlitz 12 gabelt sich an seinem
inneren Ende in zwei Zweige 14. Die Zweige 14 begrenzen gemeinsam einen dreieckigen
Vorsprung 15 des Zuschnitts 11, dessen freie Spitze auf der Scheitellinie 13 zum Liegen
kommt, sowie jeweils zusammen mit dem Schlitz 12 zwei trapezförmige Laschen 16, die
jeweils entlang von strichpunktierten Linien 17 aufwärts gebogen werden, um die Zunge
8 aufzunehmen, wenn der Zuschnitt 11 gegen die Zunge 8 und den Zuschnitt 3 gedrückt
wird.
[0022] Ein zweites Werkzeug, das zusammen mit der Platte 1 zum Zusammendrücken der Zuschnitte
3, 11 dient, ist in Fig. 3 in einer zu Fig. 1 analogen perspektivischen Ansicht gezeigt.
Das zweite Werkzeug umfasst ebenfalls eine massive Platte 18 aus Stahl, auf der eine
Mehrzahl von langgestreckten bzw. winkelförmigen Stegen 19, 21 und Niederhaltern 22
befestigt sind. Zum Befestigen der genannten Komponenten können z. B. winkelförmige
Spannpratzen 23 dienen, von denen in Fig. 3 der Übersichtlichkeit halber nur einige
wenige dargestellt sind. Die Spannpratzen 23 haben jeweils einen Schlitz, durch den
sich eine Schraube 24 erstreckt. Die Schrauben 24 greifen jeweils in in der Figur
nicht sichtbare Gewindesteine ein, die in T-Nuten 25 der Platte 18 verschiebbar aufgenommen
sind. Die Stege 19, 21 und Niederhalter 22 haben jeweils einen T-förmigen Querschnitt,
wobei ein Querbalken des T von den Spannpratzen 23 gegen die Platte 18 gedrückt gehalten
wird und ein Fuß des T von der Platte 18 absteht. Wie man leicht sieht, sind auf diese
Weise die Komponenten 19, 21, 22 in weitgehend beliebigen Positionen auf der Platte
18 fixierbar.
[0023] In der Darstellung der Fig. 3 sind zwei langgestreckte Stege 19 und winkelförmige
Stege 21 auf der Platte 18 so befestigt, dass ihre Stirnseiten einander berühren und
ihre von der Platte 18 abgewandten Scheitelflächen 26 kontinuierlich aneinander anschließen.
Zwei weitere langgestreckte Stege 19, 20 und ein winkelförmiger Steg 21 sind jeweils
über ihren vorgesehenen Montagepositionen schwebend dargestellt. Das Profilelement
20 unterscheidet sich von den Profilelementen 19 lediglich durch eine Aussparung 27
in seiner Scheitelfläche 26, die komplementär zur Oberseite 10 der Zunge 8 geformt
ist. Es ist leicht vorstellbar, dass wenn diese Stege sowie vier weitere langgestreckte
Stege 19 und ein winkelförmiger Steg 21 entlang der auf der Platte 18 durch strichpunktierte
Linien definierten Spur montiert sind, ihre scheitelflächen 26 eine sich rings um
die Niederhalter 22 erstreckende, geschlossene rechteckige Kontur bilden.
[0024] Andere Konturen sind ohne Schwierigkeiten realisierbar, wenn die Zahl der eingesetzten
Stege 19, 20, 21 variiert wird oder ggf. zusätzlich zu den gezeigten Stegen auch bogenförmige
Stege verwendet werden.
[0025] Fig. 4 zeigt einen schematischen Querschnitt durch die zwei Zuschnitte 3, 11, die
übereinander gelegt und zwischen der Platte 1 und den an der Platte 18 montierten
Stegen 19, 20, 21 und Niederhaltern 22 geklemmt sind. Der Pressluftauslass 4 und die
zu seiner Zunge 8 komplementäre Aussparung 27 des Stegs 20 liegen außerhalb der Schnittebene
der Fig. 4, so dass eine der an der Zunge 8 aufwärts gebogenen Laschen 16 an der Flanke
der Zunge 8 sichtbar ist. Die von den Scheitelflächen 26 der Stege 19, 20 21 gebildete
geschlossene Kontur hält die Ränder 28, 29 der Zuschnitte 3, 11 fest und im Wesentlichen
luftdicht aneinander gepresst. Entsprechend halten die im axialen Querschnitt zylindrischen
Niederhalter 22 die Zuschnitte 3, 11 jeweils an Punkten 30 aneinander gepresst.
[0026] Während die Zuschnitte 3, 11 so aneinander gepresst gehalten sind, wird Pressluft
über den Auslass 4 zwischen die Zuschnitte 3, 11 eingespeist. Da der Zuschnitt 3 flach
auf der Platte 1 aufliegt, kann er dem Druck nicht ausweichen und bleibt plan. Der
Zuschnitt 11 hingegen bildet, wie in Fig. 5 zu sehen, in jedem Zwischenraum zwischen
den Elementen 19, 20, 21, 22 im Querschnitt einen Bogen aus. Da die Form dieses Bogens
abseits der Scheitelflächen 26 der Stege und Niederhalter nicht durch Kontakt mit
einem Formwerkzeug vorgegeben ist, stellt sich von selbst diejenige Kontur ein, die
mit dem geringst möglichen Kraftaufwand und in Folge dessen auch mit der bei gegebener
Anordnung der Scheitelflächen 26 geringst möglichen Beanspruchung des Zuschnitts 11
realisierbar ist. Die mit der Verformung des Zuschnitts 11 einhergehende Kaltverfestigung
begrenzt die Stärke der Durchbiegung des Zuschnitts 11 in unmittelbarer Nachbarschaft
der Scheitelflächen 26 und verhindert die Entstehung von Knicken, an denen der Zuschnitt
11 möglicherweise aufreißen könnte.
[0027] Fig. 6 zeigte eine Draufsicht auf den Zuschnitt 11 nach dem Aufweiten. Entlang des
Randes 29 und an den Punkten 30 ist der Zuschnitt 11 nicht ausgelenkt worden und berührt
dort weiterhin den zuschnitt 3. Überall dazwischen ist der Zuschnitt 11 vom Zuschnitt
3 abgespreizt. Gestrichelte Linien 31 bezeichnen jeweils Scheitellinien, von denen
aus die oberfläche des Zuschnitts 11 in entgegengesetzte Richtungen abfällt. Diese
Linien 31 unterteilen den Zuschnitt 11 in eine zum Rand 28 hin abschüssige Zone 32
und fünf die Punkte 30 umgebende Vertiefungen 33. Die Zugbelastung, der der Zuschnitt
11 in der Umgebung jedes Punktes 30 beim Aufweiten ausgesetzt ist, ist proportional
zur Flächenausdehnung der den betreffenden Punkt 30 umgebenden Vertiefung 33. Um das
Risiko einer Beschädigung des Zuschnitts 11 beim Aufweiten zu minimieren, sind die
Punkte 30 so platziert, dass die Flächen der sie umgebenden Vertiefungen 33 im Wesentlichen
gleich groß sind.
[0028] Die beiden Zuschnitte 3, 11 werden nach dem Verformen aneinander befestigt. Im einfachsten
Fall, wenn die beiden Zuschnitte 3, 11 genau kongruent sind, kann dies durch Anbringen
von Punktschweißungen 34 an den Punkten 30 sowie entlang der Ränder 28, 29 geschehen.
[0029] Fig. 7 zeigt einen partiellen Querschnitt durch die aneinander befestigten Zuschnitte
3, 11 gemäß einer Weiterentwicklung der Erfindung. Die Kantenlänge des Zuschnitts
11 ist hier etwas größer als die des Zuschnitts 3, so dass der Rand 29 geringfügig
übersteht. Nachdem die Ränder 28, 29 wie in der Fig. 7 gezeigt durch Punktschweißungen
34 aneinander befestigt worden sind, kann der überstehende Bereich des Randes 29 wie
durch einen Pfeil angedeutet haarnadelförmig um den Rand 28 des Zuschnitts 3 herumgebogen
werden, um diesen formschlüssig einzuklemmen. Schweißspuren am Rand 28 können dadurch
verdeckt werden, was insbesondere dann vorteilhaft ist, wenn der eben geblieben Zuschnitt
3 eine Sichtseite des fertigen Bauteils bilden soll.
[0030] Das Umbiegen des überstehenden Randes 29 kann eine Verschweißung entlang der Ränder
28, 29 unter Umständen sogar überflüssig machen.
[0031] Natürlich kann einer zweiten Weiterbildung zufolge auch der Zuschnitt 3 die größere
Kantenlänge aufweisen und ein überstehender Bereich seines Randes 28 umgebogen sein,
um den Rand 29 des verformten Zuschnitts 3 zu klemmen, wie in Fig. 8 gezeigt.
[0032] Fig. 9 zeigt einen zu Fig. 5 analogen Schnitt durch die zwischen die Platten 1, 18
der Bearbeitungsvorrichtung eingelegten Zuschnitte 3, 11 gemäß dieser zweiten Weiterbildung.
Die Platte 1 ist mit einer flachbödigen Aussparung 35 versehen, deren Umriss der von
den Scheitelflächen 26 der Stege 19, 20, 21 gebildeten geschlossenen Kontur entspricht.
An den Rändern der Aussparung 35 sind an der Oberfläche 2 der Platte 1 vereinzelte
Vorsprünge 36 angeordnet, von denen einer durch den Grundkörper 5 des Pressluftauslasses
gebildet ist. Wie in Fig. 9 zu sehen, würde der Zuschnitt 11 in die Aussparung 35
hineinpassen, doch der Rand 28 des Zuschnitts 3 liegt rings um die Aussparung 35 auf
der Oberfläche 2 auf. Der Rand 28 ist stellenweise mit Ausschnitten zum Aufnehmen
der Vorsprünge 36 versehen. In Fig. 2 ist ein solcher über die Aussparung 35 überstehender
Bereich des Randes 28 und ein darin gebildeter Ausschnitt 37 zum Aufnehmen des Grundkörpers
5 mit gestrichelten Linien dargestellt. Die Vorsprünge 36 geben die Position, in der
die Zuschnitte 3, 11 auf der Platte 1 platzierbar sind, exakt vor. Wenn die Platten
1, 18 gegeneinander gedrückt werden, werden die Zuschnitte 3, 11 in die Aussparung
35 hineingedrückt, wodurch der überstehende Bereich des Randes 28 abgewinkelt wird
und sich außen an die Stege 19, 20, 21 anlegt. Dies vereinfacht das anschließende
Umbiegen des Randes 28 zu der in Fig. 8 gezeigten Haarnadelkontur.
[0033] Die Zuschnitte 3, 11 sind in den Figuren der Einfachheit halber als Rechtecke dargestellt;
Zuschnitte in dieser Form sind z.B. geeignet, um die Flügel eines klappbaren Korntankdeckels
vom aus
DE 10 2007 003 653 A1 bekannten Typ zu bilden. Karosseriebleche eines Mähdreschers können komplexere Formen
haben, doch liegt auf der Hand, dass auch diese mittels der auf der Platte 18 in weitgehend
beliebiger Anordnung montierbaren Profilelemente 19, 20, 21 verarbeitet werden können.
So hat z.B. ein auch als Schiebeschutz bezeichnetes Blechteil, das eine Wand zwischen
Reinigungsgebläse und Radkasten eines Mähdreschers bildet, die Gestalt eines Rechtecks
mit an eine Schmalseite angefügtem Halbkreis. Auch ein solches Teil ist mit der oben
beschriebenen Technik bequem und wirtschaftlich fertigbar, indem für seinen halbkreisförmigen
Rand anstelle der in den Figuren gezeigten geradlinigen Profilelemente 19, 20, 21
kreisbogenförmige Profilelemente auf der Platte 18 montiert werden.
Bezugszeichen
[0034]
- 1
- Platte
- 2
- Arbeitsoberfläche
- 3
- Zuschnitt
- 4
- Pressluftauslass
- 5
- Grundkörper
- 6
- Schraube
- 7
- Druckluftschlauch
- 6
- Zunge
- 9
- Unterseite
- 10
- Oberseite
- 11
- Zuschnitt
- 12
- Schlitz
- 13
- Scheitellinie
- 14
- Zweig
- 15
- Vorsprung
- 16
- Lasche
- 17
- Linien
- 18
- Platte
- 19
- Profilelement
- 20
- Profilelement
- 21
- Winkelstücke
- 22
- Niederhalter
- 23
- Spannspratzen
- 24
- Schraube
- 25
- T-Nut
- 26
- Scheitelfläche
- 27
- Aussparung
- 28
- Rand
- 29
- Rand
- 30
- Punkt
- 31
- Linie
- 32
- Zone
- 33
- Vertiefung
- 34
- Punktschweißung
- 35
- Aussparung
- 36
- Vorsprung
- 37
- Ausschnitt
1. Verfahren zum Fertigen von mehrschaligen Bauteilen aus Flachmaterial mit den Schritten;
- Überlappend Plazieren von wenigstens zwei Flachmaterial-Zuschnitten (3, 11);
- Aneinanderdrücken der Zuschnitte (3, 11) entlang einer geschlossenen Kontur (26),
um einen aufweitbaren Zwischenraum zwischen den zwei Zuschnitten (3, 11) zu definieren;
- Aufweiten des Zwischenraums durch Einspeisen eines Druckfluids zwischen die aneinander
gedrückten Zuschnitte (3, 11);
- Befestigen der Zuschnitte (3, 11) aneinander entlang der Kontur (26).
2. Verfahren nach Anspruch 1, mit dem zusätzlichen Schritt:
- Befestigen der Zuschnitte (3, 11) aneinander an wenigstens einem Punkt (30) innerhalb
der geschlossenen Kontur (26).
3. Verfahren nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass vor dem Aufweiten an dem wenigstens einen Punkt (30) ein Niederhalter (22) platziert
wird, um die Weite des Zwischenraums an dem Punkt (30) geringer zu halten als rings
um den Punkt (30).
4. Verfahren nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Weite des Zwischenraums an dem Punkt (30) während des Aufweitens auf null gehalten
wird.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 2 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass die Zuschnitte (3, 11) aneinander an mehreren Punkten (30) innerhalb der geschlossenen
Kontur (26)befestigt werden, wobei beim Aufweiten um jeden Punkt (30) eine Vertiefung
(33) geformt wird und die Flächen, über die sich die Vertiefungen (33) erstrecken,
sich höchstens um einen Faktor 2, vorzugsweise höchstens um einen Faktor 1,25 unterscheiden.
6. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Zuschnitte (3, 11) aneinander durch Schweißen, insbesondere Punktschweißen (34),
oder Verkleben befestigt werden.
7. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, mit dem weiteren Schritt des Umschlagens
eines über die geschlossene Kontur überstehenden Randes (28; 29) eines der Zuschnitte
(3; 11), um eine den Rand (29; 28) des anderen Zuschnitts (11; 3) umfangende Nut zu
bilden.
8. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Zuschnitte (3, 11) zwischen einem ersten und einem zweiten Werkzeug (1, 18) platziert
und die Werkzeuge (1, 18) aufeinander zu verschoben Werden, um die Zuschnitte (3;
11) aneinanderzudrücken.
9. Verfahren nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, dass einer der Zuschnitte (3) an einer Oberfläche (2; 35) des ersten Werkzeug (1) anliegend
platziert wird, die wenigstens entlang und innerhalb der geschlossenen Kontur (26)
eben ist.
10. Verfahren nach Anspruch 8 oder 9, dadurch gekennzeichnet, dass die geschlossene Kontur (26) vorab an dem zweiten Werkzeug (18) abnehmbar montiert
wird.
11. Verfahren nach Anspruch 8, 9 oder 10, dadurch gekennzeichnet, dass die geschlossene Kontur (26) aus einer Mehrzahl von Stegen (19, 20, 21) zusammengefügt
wird.
12. Verfahren nach einem der Ansprüche 8 bis 11, soweit auf Anspruch 3 rückbezogen, dadurch gekennzeichnet, dass der wenigstens eine Niederhalter (22) vorab an dem zweiten Werkzeug (18) abnehmbar
montiert wird.
13. Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
mit einem ersten und einem zweiten Werkzeug (1, 18), die aufeinander zu verschiebbar
sind, um wenigstens zwei Flachmaterial - Zuschnitte (3, 11) zwischen den Werkzeugen
(1, 18) entlang einer geschlossenen Kontur (26) zu klemmen, und einer Druckfluidquelle
(4) zum Einspeisen von Druckfluid in einen von der geschlossenen Kontur (26) begrenzten
zwischenraum zwischen den zwei Zuschnitten (3, 11).
14. Vorrichtung nach Anspruch 13, dadurch gekennzeichnet, dass die geschlossene Kontur (26) durch an dem zweiten Werkzeug (18) variabel montierbare
Stege (19, 20, 21) definiert ist.
15. Vorrichtung nach Anspruch 12 oder 13, gekennzeichnet durch an dem zweiten Werkzeug (18) variabel montierbare Niederhalter (22).