[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Kit (Bausatz) zum Verkleiden von Flächen wie
Wänden, Böden oder Decken oder von Strukturen wie z.B. Messeständen durch Paneele
mit einer Betonoptik. Diese Paneele sind aus Trägerplatten gebildet, welche aus Holz
oder aus Holzwerkstoffen wie beispielsweise Furnierplatten, Spanplatten, MDF- oder
HDF-Faserplatten bestehen, und die in der Regel aneinander angrenzend flächig angeordnet
werden.
STAND DER TECHNIK
[0002] Es besteht zunehmend das Bedürfnis, schwere und teure Baumaterialien durch leichte
und preisgünstigere Materialien zu ersetzten, nicht zuletzt auch um Ressourcen zu
schonen. In Innenräumen werden zugleich Flächen immer beliebter, welche aus Beton
bestehen.
[0003] Aus dem Stand der Technik sind Wandpaneele bekannt, welche eine Betonoptik bereitstellen.
Diese bestehen oft aus mehreren Trägerplatten, beispielsweise MDF-Faserplatten, auf
welche ein bedrucktes Dekorpapier mit einem Betonmuster aufgebracht wurde. Solche
papierbasierten Oberflächen erreichen jedoch praktisch nie die geforderte Mattigkeit
von echtem Beton. Ausserdem wiederholt sich das aufgedruckte Betonmuster zwangsläufig,
wenn eine Anzahl von solchen Trägerplatten nebeneinander aufgebracht wird.
[0004] DE10340238 beschreibt eine beschichtete Bauplatte mit Betonoptik auf der Basis einer MDF-Trägerplatte
und einer Spachtelmasse. Die Spachtelmasse wird mit Hilfe einer Folie werksseitig
aufgebracht, und es werden fertige beschichtete Bauplatten an den Kunden ausgeliefert.
Dies hat die Nachteile, dass bei der Lieferung und Weiterverarbeitung ein Teil der
Spachtelmasse abplatzen kann, was insbesondere an den Ecken und Kanten zu einem unschönen
Erscheinungsbild führen kann, und dass Befestigungsmittel für die Paneele und allfällige
Fugen nach der Montage nicht mit der Spachtelmasse überdeckt sind. Zur Verbesserung
der Haftung der Spachtelmasse wird vorgeschlagen, den Träger vor dem Aufbringen der
Spachtelmasse anzuschleifen oder ein Gitter oder eine andere vergleichbare Struktur
in die Spachtelmasse einzubringen.
DARSTELLUNG DER ERFINDUNG
[0005] Es ist eine Aufgabe der vorliegenden Erfindung, ein System zur Herstellung von Paneelen
mit Beton- oder Steinoptik bereitzustellen, das einerseits ermöglicht, die durch das
Paneel gebildete Fläche nahtlos mit der Beton- oder Steinoptik zu überdecken, und
die andererseits eine verbesserte Haltbarkeit des Paneels ermöglicht.
[0006] Dazu schlägt die vorliegende Erfindung ein Kit (d.h. einen Bausatz) zum Herstellen
eines Paneels mit Beton- oder Steinoptik vor. Das Kit umfasst:
mindestens eine Trägerplatte aus einem holzbasierten Werkstoff;
eine Spachtelmasse oder einen Grundstoff zur Anfertigung einer Spachtelmasse durch
Mischen mit Wasser, wobei die Spachtelmasse dazu vorgesehen ist, flächig auf die Trägerplatte
aufgetragen zu werden; sowie
einen Primer, der dazu vorgesehen ist, vor dem Auftrag der Spachtelmasse auf die Trägerplatte
aufgebracht zu werden, um die Trägerplatte oberflächlich zu versiegeln und das Trocknungsverhalten
und/oder die Haftung der Spachtelmasse auf der Trägerplatte zu verbessern.
[0007] Die vorliegende Erfindung ermöglicht es, beliebige Strukturen und Flächen leicht
und preisgünstig mit einem Paneel zu verkleiden, das die Optik von Betonoberflächen
sehr genau nachahmt. Indem die Spachtelmasse nicht schon werksseitig aufgebracht wird,
sondern erst durch den Kunden nach der Montage der Trägerplatten an der zu verkleidenden
Fläche oder Struktur aufgetragen wird, wird es möglich, Fugen und Befestigungsmittel
mit der Spachtelmasse zu überdecken. Der Primer ermöglicht eine verbesserte Haftung
der Spachtelmasse und führt zu einer verbesserten Optik des entstehenden Paneels.
Der Primer kann dazu entweder vor oder nach der Montage der Trägerplatten an der zu
verkleidenden Fläche bzw. Struktur aufgebracht werden.
[0008] Der Primer erfüllt zwei Funktionen: Einerseits sorgt er für eine Haftvermittlung
zwischen der Trägerplatte und der später aufzubringenden Spachtelmasse, und andererseits
füllt er die Poren der Trägerplatte so, dass bereits eine geringe Auftragsmenge der
Spachtelmasse genügt und deren Feuchtigkeit beim Aufbringen vom Holzwerkstoff nur
vermindert aufgesaugt wird. Dadurch härtet die Spachtelmasse gleichmässiger aus und
ergibt ein gleichmässigeres Erscheinungsbild. Ein vorgängiges Anschleifen der Trägerplatte,
wie es im Stand der Technik vorgeschlagen wird, kann dadurch entfallen. Dies ist insbesondere
dann von Vorteil, wenn das Kit von Endverbrauchern (z.B. Heimwerkern) verarbeitet
werden soll, denen oft die Möglichkeit zu einem gleichmässigen Anschleifen fehlt.
Ebenfalls kann dadurch die Verwendung von Gittern oder anderen Hilfsstrukturen in
der Spachtelmasse, wie sie ebenfalls im Stand der Technik schon vorgeschlagen wurden,
entfallen. Während derartige Primer im Stand der Technik meist dafür verwendet werden,
Flächen aus Beton, Zement, Estrich usw. zu behandeln, wird hier vorgeschlagen, eine
Trägerplatte aus einem holzbasierten Werkstoff mit einem solchen Primer zu behandeln.
[0009] Der Primer besteht vorzugsweise im Wesentlichen aus einer Dispersion von synthetischen
Harzen. Der Primer "Uni-Grunt - quick drying priming emulsion, Szybkoschnaca Emulsja
Gruntujaca" des polnischen Herstellers "Atlas Group" hat in Versuchen besonders gute
Resultate erzielt.
[0010] Die Spachtelmasse enthält vorzugsweise Zement, Zuschlagsstoffe und Wasser, ähnlich
wie ein klassischer Zementmörtel. Sie kann im Wesentlichen aus diesen drei Bestandteilen
bestehen oder noch weitere Chemikalien und/oder Modifikatoren (Hilfsstoffe) enthalten.
In Experimenten hat sich dabei herausgestellt, dass Zusammensetzungen mit einem relativ
hohen Zementanteil (mindestens ca. 20 Gew.-% bezogen auf den wasserfreien Grundstoff
der Spachtelmasse, vorzugsweise ca. 20-30 Gew.-%) eine besonders ansprechende Betonoptik
ergeben. Bei den Zuschlagsstoffen handelt es sich um chemisch im Wesentlichen inerte
Bestandteile wie (Silikat-)Sand, gemahlener Kalkstein und/oder Kaolin usw. Die Zuschlagsstoffe
liegen vorzugsweise in einem Gewichtsanteil von mindestens ca. 50% bezogen auf den
wasserfreien Grundstoff vor, insbesondere ca. 50-70%. Die weiteren Chemikalien bzw.
Modifikatoren können z.B. umfassen: anorganische Hilfsstoffe wie z.B. Calciumsulfat
bzw. Gips; Polymere oder Vorläufersubstanzen von Polymeren, z.B. Ethylenvinylacetat,
um das Härtungsverhalten zu verbessern; wasserzurückhaltende Substanzen wie Ton, Stärke
oder Cellulosederivate, insbesondere Celluloseether, z.B. Methylcellulose oder Carboxymethylcellulose;
Entschäumer; Duftstoffe; Dispersionsmittel; Abbindbeschleuniger usw. Derartige Hilfsstoffe
sind aus dem Stand der Techik bekannt. Sie liegen vorzugsweise in einem Anteil von
0.5 Gew.-%-20 Gew.-%, besonders bevorzugt ca. 1 Gew.-%-10 Gew.%, bezogen auf den wasserfreien
Grundstoff, vor.
[0011] Besonders bevorzugt ist eine Spachtelmasse, wie sie üblicherweise zum Verlegen von
Bodenplatten oder Kacheln verwendet wird. Die Spachtelmasse "Universal Tile Adhesive,
Zaprawa Klejowa Klej Uniwersalny" des polnischen Herstellers "Atlas Group" hat in
Versuchen besonders gute Resultate erzielt.
[0012] In einer Ausführungsvariante können zusätzlich Fasern, insbesondere Glas- oder Mineralfasern,
insbesondere Basaltfasern, der Spachtelmasse zugemischt werden, um eine brandhemmende
Wirkung zu erzielen, vorzugsweise in einem Anteil von 0.1 Gew.-% bis 2 Gew.-% bezogen
auf den wasserfreien Grundstoff. Vorzugsweise haben solche Fasern einen Durchmesser
von weniger als 0.2 mm und eine Länge von 1 bis 20 mm, noch mehr bevorzugt einen Durchmesser
von höchstens ca. 0.1 mm und eine Länge von 5-15 mm.
[0013] Alternativ oder zusätzlich können auch Farbstoffe oder Farbpigmente in die Spachtelmasse
gemischt werden, um spezielle Farbeffekte zu erzielen.
[0014] Die Trägerplatte besteht aus Holz oder aus Holzwerkstoffen wie beispielsweise Furnierplatten,
Spanplatten, MDF- oder HDF-Faserplatten. Die Wahl des Holzwerkstoffs ist dabei nicht
besonders kritisch.
[0015] Das Kit kann ausserdem Befestigungsmittel umfassen, um die Trägerplatten - vorzugsweise
noch vor der Beschichtung mit der Spachtelmasse - an der zu verkleidenden Struktur
zu montieren. Solche Befestigungsmittel können z.B. Dübel und Schrauben umfassen.
Sie können alternativ oder zusätzlich auch eine vorgefertigten Holzrahmen umfassen.
Zwischen den einzelnen Trägerplatten können optional Abstandshalter eingesetzt werden,
damit die Trägerplatten gleichmässig montiert werden können.
[0016] Die vorliegende Erfindung bezieht sich ausserdem auf ein fertiges Paneel, aufweisend
mindestens eine Trägerplatte aus einem holzbasierten Werkstoff, auf welche eine Spachtelmasse
flächig aufgetragen ist, wobei die Trägerplatte vor dem Auftrag der Spachtelmasse
mit einem Primer versehen wurde, der die Trägerplatte oberflächlich versiegelt. Das
Paneel kann mit Befestigungsmitteln an einer zu verkleidenden Struktur befestigt sein.
Dabei ist es bevorzugt, wenn die Befestigungsmittel, mindestens eine Fuge zwischen
aneinandergrenzenden Trägerplatten und/oder mindestens ein Aussenrand des Trägers
mindestens teilweise mit der Spachtelmasse überdeckt sind. Die oben im Zusammenhang
mit dem Kit angestellten Überlegungen zur Wahl der Trägerplatte, des Primers und der
Spachtelmasse gelten sinngemäss auch für das fertige Paneel.
[0017] Die vorliegende Erfindung stellt zudem ein Verfahren zum Herstellen eines Paneels
mit Beton- oder Steinoptik zur Verfügung, umfassend:
- (a) Montieren mindestens einer Trägerplatte aus einem holzbasierten Werkstoff an einer
zu verkleidenden Struktur durch Befestigungsmittel;
- (b) Aufbringen eines Primers auf die Trägerplatte vor oder nach dem Montieren der
Trägerplatte; und
- (c) Aufbringen einer Spachtelmasse auf die mit dem Primer versehenen und montierten
Trägerplatte.
[0018] Nach dem Aufbringen des Primers und nach der Montage der Trägerplatten wird die Spachtelmasse
aufgetragen. Vor dem Auftrag der Spachtelmasse kann ein Trocknungsschritt zum mindestens
teilweise Trocknen des Primers vorgesehen sein. Die Spachtelmasse kann mit einem Spachtel
über eine oder mehrere Trägerplatten verteilt werden. Ein Vorteil hierbei ist, dass
je nach gewünschtem Effekt, die Aussenränder, etwaige Fugen zwischen aneinandergrenzenden
Trägerplatten, und/oder die Befestigungsmittel mindestens teilweise mit Spachtelmasse
überdeckt werden können. Somit kann eine sehr grosse und sehr gleichmässige Fläche
mit der gewünschten Optik erzielt werden. Mit vorgefertigten Platten ist dies in der
Regel nicht möglich. Ein einfacher Holzklotz ("Float") welcher am Schluss noch über
die gleichmässig aufgebrachte Spachtelmasse gezogen wird liefert dabei eine besonders
günstige, betonähnliche, matte Optik.
[0019] Das Verfahren kann unter Verwendung eines Kits wie vorstehend beschrieben oder auch
ohne ein solches Kit ausgeführt werden. Die oben im Zusammenhang mit dem Kit angestellten
Überlegungen zur Wahl der Trägerplatte, des Primers und der Spachtelmasse gelten sinngemäss
auch für dieses Verfahren.
BESCHREIBUNG BEVORZUGTER AUSFÜHRUNGSFORMEN
[0020] Im Folgenden wird die Erfindung anhand eines Ausführungsbeispiels erläutert, das
nicht einschränkend auszulegen ist.
[0021] Trägerplatten in Form von Spanplatten der Klasse P5 (wasserbeständig) mit den Dimensionen
833 x 625 x 10 mm wurden bereitgestellt. Diese enthielten im Bereich der Ecken, im
Abstand von jeweils 8 cm von den Seitenkanten, Löcher mit einem Durchmesser von 32
mm. Diese Trägerplatten wurden mit dem unverdünnten Primer ATLAS Uni-Grunt" einseitig
gleichmässig bestrichen und trocknen gelassen. Danach wurden die Trägerplatten mit
Befestigungsmitteln in Form von Schrauben an einer Wand fixiert. Die Spachtelmasse
"ATLAS Universal Tile Adhesive" wurde mit wenig Wasser angemischt und gerührt. Die
Spachtelmasse war nahezu fest und nicht etwa flüssig. Die Spachtelmasse wurde mit
einem Spachtel gleichmässig auf mehrere montierte Trägerplatten aufgetragen und verteilt.
Anschliessend wurde die Oberfläche mit einem Holzklotz verneben. Durch das Aufbringen
mehrer dünner Schichten wurden die die Schrauben überdeckt und die Fugen zwischen
mehreren Trägerplatten geschlossen. Nach der Trocknungszeit war die Oberfläche mit
der Betonoptik vollständig fertig, keine weiteren Bearbeitungsschritte oder Folienanwendungen
oder dergleichen waren notwendig.
1. Kit zur Herstellung eines Paneels mit Beton- oder Steinoptik, aufweisend:
mindestens eine Trägerplatte aus einem holzbasierten Werkstoff;
eine Spachtelmasse oder einen Grundstoff zur Anfertigung einer Spachtelmasse durch
Mischen mit Wasser, wobei die Spachtelmasse dazu vorgesehen ist, flächig auf die Trägerplatte
aufgetragen zu werden; sowie
einen Primer, der dazu vorgesehen ist, vor dem Auftrag der Spachtelmasse auf die Trägerplatte
aufgebracht zu werden, um die Trägerplatte oberflächlich zu versiegeln und das Trocknungsverhalten
und/oder die Haftung der Spachtelmasse auf der Trägerplatte zu verbessern.
2. Kit nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der Primer im Wesentlichen aus einer Emulsion von synthetischen Harzen besteht.
3. Kit nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet, dass die Spachtelmasse enthält:
Zement, vorzugsweise in einem Anteil von mindestens 20 Gew.-% bezogen auf den wasserfreien
Grundstoff; und
Zuschlagsstoffe.
4. Kit nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Spachtelmasse mineralische Fasern oder Glasfasern enthält, vorzugsweise in einem
Anteil von 0.1 Gew.-% bis 2 Gew.-% bezogen auf den wasserfreien Grundstoff.
5. Kit nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Trägerplatte eine Spanplatte oder eine MDF-Faserplatte ist.
6. Kit nach einem der vorhergehenden Ansprüche, welches ausserdem Befestigungsmittel
zum Anbringen der Trägerplatte an einer zu verkleidenden Struktur umfasst.
7. Paneel, aufweisend mindestens eine Trägerplatte aus einem holzbasierten Werkstoff,
auf welche eine Spachtelmasse flächig aufgetragen ist, dadurch gekennzeichnet, dass die Trägerplatte vor dem Auftrag der Spachtelmasse mit einem Primer versehen wurde,
der die Trägerplatte oberflächlich versiegelt.
8. Paneel nach Anspruch 7, welches mittels Befestigungsmitteln an einer zu verkleidenden
Struktur befestigt ist, dadurch gekennzeichnet, dass die Befestigungsmittel, mindestens ein Aussenrand der Trägerplatte und/oder mindestens
eine Fuge zwischen benachbarten Trägerplatten mindestens teilweise mit der Spachtelmasse
überdeckt sind.
9. Verfahren zum Herstellen eines Paneels mit Beton- oder Steinoptik, umfassend:
(a) Anbringen mindestens einer Trägerplatte aus einem holzbasierten Werkstoff an einer
zu verkleidenden Struktur durch Befestigungsmittel;
(b) Aufbringen eines Primers auf die Trägerplatte vor oder nach dem Anbringen der
Trägerplatte; und
(c) Aufbringen einer Spachtelmasse auf die mit dem Primer versehenen und angebrachten
Trägerplatte.
10. Verfahren nach Anspruch 9, wobei in Schritt (c) die Befestigungsmittel und/oder mindestens
ein Aussenrand der Trägerplatte mindestens teilweise mit der Spachtelmasse überdeckt
werden.
11. Verfahren nach Anspruch 9 oder 10, wobei mehrere Trägerplatten unter Bildung mindestens
einer Fuge aneinander angrenzend an der zu verkleidenden Struktur angebracht werden,
und wobei die Fuge mit der Spachtelmasse überdeckt wird.
12. Verfahren nach einem der Ansprüche 9-11 unter Verwendung eines Kits nach einem der
Ansprüche 1-6.