[0001] Die Erfindung betrifft ein Fadenführungselement für einen Fingerfadenführer gemäß
dem Oberbegriff des Anspruchs 1.
[0002] Derartige Fadenführungselemente sind im Zusammenhang mit Fingerfadenführern, die
einen auf die Oberfläche einer Kreuzspule auflaufenden Faden changieren, grundsätzlich
bekannt.
In der
DE 10 2005 059 028 A1 oder der
DE 10 2008 053 261 A1 sind beispielsweise Fingerfadenführer mit an ihrem Grundkörper festgelegten Fadenführungselementen
beschrieben.
[0003] Durch die
DE 10 2008 053 261 A1 sind Fingerfadenführer bekannt, bei denen der Grundkörper aus einem Magnesiumdruckgussteil
besteht. An das freie Ende des Magnesiumgrundkörpers sind über biegeelastische Stäbe,
vorzugsweise Kohlefaserstäbe, keramische Fadenführungselemente angeschlossen. Das
heißt, in entsprechenden Bohrungen des Magnesiumgrundkörpers sind mittels Klebeverbindungen
Kohlefaserstäbe befestigt, auf denen, vorzugsweise ebenfalls durch eine Klebeverbindung,
jeweils ein als Keramikhülse ausgebildetes Fadenführungselement befestigt ist.
Solche aus einem keramischen Werkstoff bestehenden Fadenführungselemente unterliegen
zwar selbst bei aggressivem Garn keinem nennenswerten Verschleiß, auf Grund der relativ
geringen Bruchdehnung von Keramik besteht bei der hochfrequenten Verlegung eines Fadens
jedoch stets die Gefahr, dass die Fadenführungselemente, zum Beispiel in Folge von
Biegemomenten, die nie völlig ausgeschlossen werden können, leicht abbrechen bzw.
dass die Keramik von den Kohlefaserstäben abplatzt.
Die durch die
DE 10 2008 053 261 A1 bekannten Fingerfadenführer weisen außerdem den Nachteil auf, dass die Klebeverbindungen
im Bereich der Kohlefaserstäbe mechanische Schwachstellen bilden, die weder zuverlässig
vermieden, noch nachträglich einigermaßen kostengünstig beseitigt werden können.
[0004] In der
DE 10 2005 059 028 A1 sind Fingerfadenführer beschrieben, die am freien Ende ihres Grundkörpers jeweils
zwei als zylindrische Hohlkörper ausgebildete, aus einer Metalllegierung bestehende
Fadenführungselemente aufweisen, die eine Fadenführungsgabel bilden, in der ein auf
eine Kreuzspule auflaufender Faden während des Spulprozesses geführt ist.
Die Fadenführungselemente sind dabei entweder form- oder kraftschlüssig in den Grundkörper
eingelassen oder auf zusätzlichen Tragstäben aus Kohlefasern gelagert.
[0005] Die Ausbildung der Fadenführungselemente aus einer Metalllegierung hat dabei den
Vorteil, dass dieses Material deutlich weniger bruchempfindlich als Keramik ist.
Allerdings sind Fadenführungselemente aus einer Metalllegierung auch weniger abriebfest,
das heißt, derartige Fingerfadenführer müssen aufgrund von Abnutzungserscheinungen
an den Fadenführungselementen deutlich häufiger ausgetauscht werden, als Fingerfadenführer,
die keramische Fadenführungselemente aufweisen.
[0006] Ausgehend von Fingerfadenführern der vorstehend beschriebenen Gattung liegt der Erfindung
die Aufgabe zugrunde, Fingerfadenführer mit auswechselbaren, relativ kostengünstigen
Fadenführungselementen zu entwickeln, wobei die Fadenführungselemente so ausgebildet
sein sollen, dass sie einerseits sicher auf mit dem Grundkörper des Fingerfadenführers
verbundenen Tragstäben fixierbar, anderseits im Bedarfsfall problemlos auswechselbar
sind.
Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß durch ein Fadenführungselement für einen Fingerfadenführer
gelöst, wie es im Anspruch 1 beschrieben ist.
[0007] Vorteilhafte Weiterbildungen der Erfindung sind Gegenstand der Unteransprüche.
[0008] Erfindungsgemäß ist das Fadenführungselement ein auswechselbar auf Tragstäben positionierbares,
dünnwandiges Prägeteil, das aus einem metallischen Werkstoff besteht und zwei durch
einen Verbindungssteg gekoppelte, geschlitzte Hülsen aufweist.
Ein derartig ausgebildetes Fadenführungselement hat nicht nur den Vorteil, dass das
Prägeteil sicher und stets exakt ausgerichtet auf den Tragstäben festlegbar ist, sondern
kann auch im Bedarfsfall, das heißt, wenn nach einer bestimmten Betriebszeit des Fingerfadenführers
aufgrund von Verschleißspuren am Fadenführungselement ein Wechsel des Fadenführungselements
angeraten erscheint, schnell und problemlos ausgetauscht werden.
[0009] Wie im Anspruch 2 beschrieben, ist in vorteilhafter Ausführungsform vorgesehen, dass
als Werkstoff für das Prägeteil vergüteter Federstahl Verwendung findet, der im Anschluss
an seine Formgebung gehärtet ist.
Ein solches aus einem vergüteten Federstahl gefertigtes, gehärtetes Prägeteil ist
einerseits unempfindlich gegenüber Stoßbelastungen und andererseits auch verhältnismäßig
verschleißfest.
[0010] Wie in den Ansprüchen 3 und 4 dargelegt, ist in bevorzugter Ausführungsform des Weiteren
vorgesehen, dass das Prägeteil nach dem Härten einer Oberflächenbehandlung unterzogen
ist, wobei als Oberflächenbehandlung vorzugsweise Hartverchromung zur Anwendung kommt.
Ein solches, hartverchromtes Prägeteil zeichnet sich nicht nur durch einen sehr niedrigen
Reibungskoeffizienten aus, was zu einer schonenden Behandlung des zu traversierenden
Fadens führt, sondern ist auch verhältnismäßig unempfindlich gegenüber Umwelteinflüssen.
[0011] Gemäß Anspruch 5 ist außerdem vorgesehen, dass der Verbindungssteg wenigstens eine
Rastkontur aufweist, die im Montagezustand des Prägeteils einen Rastansatz am Grundkörper
des Fingerfadenführers formschlüssig überfasst.
Eine solche zusätzliche formschlüssige Sicherung des Prägeteils verhindert, dass sich
das Prägeteil während des Spulbetriebes mit der Zeit fliehkraftbedingt nach außen
verlagern kann.
Das heißt, die Rastkontur am Prägeteil stellt in Verbindung mit einem Rastansatz am
Grundkörper des Fingerfadenführers sicher, dass das Prägeteil während seiner gesamten
Betriebsdauer zuverlässig auf den Tragstäben positioniert ist.
[0012] Wie im Anspruch 6 beschrieben, weisen die geschlitzten Hülsen des Prägeteils einen
lichten Innendurchmesser auf, der auf den Außendurchmesser der zugehörigen, als Kohlefaserstäbe
ausgebildeten Tragstäbe abgestimmt ist.
Der Innendurchmesser der geschlitzten Hülsen ist dabei so gewählt, dass einerseits
im montierten Zustand eine Vorspannung gegeben ist, die ausreichend groß ist, um die
während des Betriebes auftretenden Relativkräfte zwischen Hülsen und Kohlefaserstäben
kraftschlüssig beherrschen zu können und die andererseits klein genug ist, um beim
Aufziehen der Hülsen auf die Kohlefaserstäbe Beschädigungen möglichst zu vermeiden.
Eine entsprechende Dimensionierung der Hülsen und Tragstäbe ermöglicht im Bedarfsfall
das problemlose Auswechseln eines verschlissenen Prägeteils, gewährleistet aber dennoch
eine zuverlässige Arretierung des Prägeteils auf den Tragstäben.
[0013] Vorzugsweise kommt beim Auswechseln eines verschlissenen Prägeteils eine Vorrichtung
zum Einsatz, die die Montage des Prägeteils auf die Tragstäbe bzw. die Demontage des
Prägeteils von den Tragstäben erleichtert.
Eine solche Vorrichtung kann verschiedene Ausbildungen aufweisen, verfügt aber vorzugsweise
stets über eine Klemmeinrichtung zum Fixieren des Grundkörpers des Fingerfadenführers
sowie über ein Werkzeug zum Abheben der Rastkontur des Prägeteils vom Rastansatz des
Grundkörpers und zum axialen Verschieben des Prägeteils auf den Tragstäben.
[0014] Weitere Einzelheiten der Erfindung sind einem nachfolgend anhand der Zeichnungen
erläuterten Ausführungsbeispiel entnehmbar.
[0015] Es zeigt:
- Fig. 1
- eine perspektivische Vorderansicht einer Spulvorrichtung mit einem Fingerfadenführer,
der mit einem erfindungsgemäß ausgebildeten Fadenführungselement ausgestattet ist,
- Fig. 2
- in Vorderansicht einen mit einem erfindungsgemäßen Fadenführungselement ausgestatteten
Fingerfadenführer, in einem größeren Maßstab,
- Fig. 3
- eine perspektivische Ansicht eines erfindungsgemäßen Fadenführungselements.
[0016] Die Fig. 1 zeigt eine perspektivische Vorderansicht auf den oberen Teil einer Arbeitsstelle
1 einer Kreuzspulen herstellenden Textilmaschine.
Wie bekannt, weisen derartige Arbeitsstellen 1 in der Regel ein mit einer Eingabeeinrichtung
3 ausgestattetes Spulstellengehäuse 4 auf, das unter anderem auch eine arbeitsstelleneigene
Steuereinrichtung 5 aufnimmt.
Am Spulstellengehäuse 4 ist des Weiteren eine Spulvorrichtung 6 angeordnet, die im
Wesentlichen aus einem Spulenrahmen 7 zum Haltern einer Kreuzspulenhülse 8, einer
Spulenantriebswalze 9 sowie einer Fadenchangiereinrichtung 2 zum Traversieren eines
während des Spulbetriebes auf die Kreuzspulenhülse 8 bzw. eine Kreuzspule auflaufenden
Fadens besteht.
[0017] Die Fadenchangiereinrichtung 2 verfügt über einen Fingerfadenführer 10 mit einem
erfindungsgemäßen Fadenführungselement 11. Wie dargestellt, ist der Fingerfadenführer
10 seinerseits über ein Befestigungs- und Arretierungselement 17 an die Motorwelle
18 einer reversierbaren Antriebseinrichtung 12 angeschlossen, die ihrerseits über
eine Steuerleitung 13 mit der arbeitsstelleneigenen Steuereinrichtung 5 verbunden
ist. Das heißt, der Fingerfadenführer 10 ist über die Steuereinrichtung 5 definiert
ansteuerbar, so dass während des Spulprozesses beispielsweise die Fadenverlegegeschwindigkeit
und/oder die Breite der Fadenverlegung exakt eingestellt werden kann.
[0018] Die Fig. 2 zeigt einen mit einem erfindungsgemäßen Fadenführungselement 11 ausgestatteten
Fingerfadenführer 10, in einem größeren Maßstab.
Wie ersichtlich, weist der Fingerfadenführer 10 einen aus einem Kunststoff gefertigten
Grundkörper 14 auf, in den während des Herstellungsprozesses Tragstäbe 15, 16 sowie
ein Befestigungs-und Arretierungselement 17 mit eingegossen wurden.
Die als Kohlefaserstäbe ausgebildeten Tragstifte 15, 16 sind dabei deutlich länger
als der sie aufnehmende Kunststoff-Grundkörper 14 ausgebildet. Das bedeutet, die Tragstäbe
15, 16 überragen den Grundkörper 14 im Bereich des freien, schmalen Endes des Grundkörpers
14 deutlich und bilden dabei Tragelemente für ein Fadenführungselement 11 des Fingerfadenführers
10.
Das auf den Tragstäben 15, 16 angeordnete Fadenführungselement 11 ist erfindungsgemäß
als Prägeteil 19 ausgebildet und weist, wie insbesondere auch aus Fig.3 deutlich ersichtlich,
zwei geschlitzte Hülsen 20A und 20B auf, die über einen Verbindungssteg 21 gekoppelt
sind.
[0019] Die Schlitze der Hülsen 20A, 20B sind dabei so angeordnet, dass sie nach außen zeigen,
das heißt, die Schlitze sind so positioniert, dass stets gewährleistet ist, dass während
der Fadenchangierung die Führung des Fadens durch die Schlitze nicht beeinträchtigt
werden kann.
[0020] An den die Hülsen 20A und 20B koppelnden Verbindungsteg 21 sind zwei Rastkonturen
22 angeformt, die im Einbauzustand des Prägeteils 19 zwei entsprechende Rastansätze
23 am Grundkörper 14 des Fingerfadenführers 10 formschlüssig überfassen und dabei
das Prägeteil 19 formschlüssig am Grundkörper 14 festlegen.
[0021] In vorteilhafter Ausführungsform sind die geschlitzten Hülsen 20A, 20B außerdem bezüglich
ihres lichten Innendurchmessers d auf den Außendurchmesser D der Tragstäbe 15, 16
angestimmt.
Das heißt, der lichte Innendurchmesser d der geschlitzten Hülsen 20A, 20B ist so gewählt,
dass die Hülsen nach ihrem Aufziehen auf die Tragstäbe 15, 16 mit einer gewissen Vorspannung
auf den Tragstäben festgelegt sind.
Die Vorspannung ist dabei vorzugsweise so gewählt, dass einerseits nach der Montage
ein sicherer Halt der geschlitzten Hülsen 20A, 20B auf den Tragstiften 15, 16 gewährleistet,
anderseits bei der Montage ein relativ problemloses Aufziehen der Hülsen auf die Tragstäbe
möglich ist.
Das bedeutet, bei der Montage des Prägeteils 19 sollen Beschädigungen an den aus einem
Kohlefaserwerkstoff gefertigten Tragstäben 15, 16 möglichst vermieden werden.
1. Fadenführungselement für einen Fingerfadenführer einer Fadenchangiereinrichtung, das
auf Tragstäben, welche in einem Grundkörper des Fingerfadenführers festgelegt sind,
angeordnet ist und während des Spulbetriebes einen auf die Oberfläche einer Kreuzspule
auflaufenden Faden reibschlüssig im Sinne "traversieren" beaufschlagt,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Fadenführungselement (11) ein auswechselbar auf den Tragstäben (15, 16) positionierbares,
dünnwandiges Prägeteil (19) ist, das aus einem metallischen Werkstoff besteht und
zwei durch einen Verbindungssteg (21) gekoppelte, geschlitzte Hülsen (20A, 20B) aufweist.
2. Fadenführungselement nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass als Werkstoff für das Prägeteil (19) vergüteter Federstahl Verwendung findet, und
das Prägeteil (19) im Anschluss an seine Formgebung gehärtet ist.
3. Fadenführungselement nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass das Prägeteil (19) nach dem Härten einer Oberflächenbehandlung unterzogen ist.
4. Fadenführungselement nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass als Oberflächenbehandlung ein Hartverchromungsprozess zur Anwendung kommt.
5. Fadenführungselement nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der Verbindungsteg (21) wenigstens eine Rastkontur (22) aufweist, die im Montagezustand
des Prägeteils (19) einen Rastansatz (23) am Grundkörper (14) des Fingerfadenführers
(10) formschlüssig überfasst.
6. Fadenführungselement nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der Innendurchmesser (d) der geschlitzten Hülsen (20A, 20B) so gewählt ist, dass
einerseits im montierten Zustand eine Vorspannung gegeben ist, die ausreichend groß
ist, um die während des Betriebes auftretenden Relativkräfte zwischen Hülsen und Tragstäbe
(15, 16) kraftschlüssig beherrschen zu können und die anderseits klein genug ist,
um beim Aufziehen des Prägeteils (19) auf die Tragstäbe (15, 16) Beschädigungen zu
vermeiden.