(57) Die Erfindung betrifft ein Abrechnungsverfahren für den Einzel- und Großhandel, insbesondere
im Lebensmittelbereich, das aufweist:
- Zusammenstellen mindestens einer Einzelware zu einer Abrechnungseinheit, wobei für
jede Einzelware mindestens ein charakteristisches Merkmal ermittelt wird;
- Einlesen einer Kennung eines bereitgestellten Leergebindes, wobei die Kennung die
eindeutige Identifizierung des Leergebindes ermöglicht;
- Zuordnen des mindestens einen charakteristischen Merkmals zu der Kennung;
- erneutes Einlesen der Kennung nach dem Zuordnen; und
- Ausgeben des mindestens einen zugeordneten charakteristischen Merkmals.
[0001] Die Erfindung betrifft ein Abrechnungsverfahren für den Einzel- und Großhandel, insbesondere
im Lebensmittelbereich.
[0002] Im Lebensmitteleinzelhandel, insbesondere in Supermärkten mit Fleisch-, Aufschnitt-
oder Käsetheken, an denen entsprechendes Fachperson auf besonderen Kundenwunsch die
vorgenannten Lebensmittel portioniert und verpackt, ist es gängige Praxis, das portionierte
Lebensmittelprodukt in Tüten zu verpacken, welche mit einem an der Supermarktkasse
auslesbaren Barcode auf einem Thermopapier versehen wird.
[0003] Thermopapiere enthalten Bisphenole, insbesondere das Bisphenol A (BPA), das anerkanntermaßen
gesundheitsschädlich ist. Es ist somit unvorteilhaft, Thermopapier in sensiblen Lebensmittelbereichen,
wie im Frischfleischbereich, zu verwenden. Fleischfachverkäufer sind daher angehalten,
jede mögliche Übertragung von Bisphenol auf das Fleisch zu vermeiden. So ist es vorgesehen,
dass die bedienenden Personen zwar bei der Portionierung des Fleisches, des Aufschnitts
oder des Käses Hygienehandschuhe trägt, diese jedoch vor der Befestigung des vorgenannten
Thermopapierbons ausziehen. Es kommt erschwerend hinzu, dass Bisphenol fettlöslich
ist, was die Gefahr der Übertragung des Stoffes von dem Thermopapier auf das Fleisch,
den Aufschnitt oder den Käse erhöht.
[0004] Es ist daher die Aufgabe der Erfindung, ein Abrechnungsverfahren für den Einzel-
und Großhandel vorzuschlagen, das die vorgenannten Nachteile nicht aufweist. Dazu
sollte die Verwendung von bisphenolhaltigem Thermopapier durch das vorzuschlagende
Abrechnungsverfahren gänzlich unnötig sein.
[0005] Diese Aufgabe wird durch das erfindungsgemäße Abrechnungsverfahren gelöst. Dieses
weist die folgenden Schritte auf:
- Zusammenstellen mindestens einer Einzelware zu einer Abrechnungseinheit, wobei für
jede Einzelware mindestens ein charakteristisches Merkmal ermittelt wird;
- Einlesen einer Kennung eines bereitgestellten Leergebindes, wobei die Kennung die
eindeutige Identifizierung des Leergebindes ermöglicht;
- Zuordnen des mindestens einen charakteristischen Merkmals zu der Kennung;
- erneutes Einlesen der Kennung nach dem Zuordnen; und
- Ausgeben des mindestens einen zugeordneten charakteristischen Merkmals.
[0006] Der Erfindung liegt somit die Idee zugrunde, die Individualisierung des Leergebindes
nicht mehr durch Anheften eines zusätzlichen Zettels oder dergleichen zu erreichen,
sondern dem Leergebinde selbst von Haus aus eine auslesbare Kennung mitzugeben. Auf
diese Weise kann der individuellen Kennung des Leergebindes eine Reihe von die in
dem Leergebinde verpackten Waren betreffenden charakteristischen Merkmalen, beispielsweise
ein am Supermarktausgang zu berechnender Produktpreis, hinterlegt werden. Durch das
erneute Einlesen der Kennung zum Beispiel an einer Supermarktkasse kann das hinterlegte
Merkmal, etwa ein Preis, berücksichtigt werden.
[0007] Bevorzugt umfasst das erfindungsgemäße Verfahren zusätzlich das Verbinden der Abrechnungseinheit
mit dem Leergebinde nach dem Zusammenstellen der Einzelwaren. Im einfachsten Fall
umfasst dies das Verpacken der Abrechungseinheit, also beispielsweise des portionierten
Lebensmitteleinkaufs, mittels des Leergebindes, so dass dem Leergebinde neben seiner
Individualisierungsfunktion aufgrund der Kennung auch die Funktion zukommt, die Abrechnungseinheit
transportgerecht zu verpacken.
[0008] Es ist jedoch auch bei einer Ausführungsform der Erfindung denkbar, dass das Verbinden
erst nach dem Ausgeben des mindestens einen charakteristischen Merkmal, beispielsweise
an der Kasse eines Supermarkts, erfolgt. Ein solches Abrechnungssystem hat in den
Fällen Vorteile, wenn es sich um hochsensible, wertvolle oder um von Ladendieben gern
entwendete Produkte handelt. Bei diesem Abrechnungsverfahren kann die Ausgabe der
Einzelware daran geknüpft werden, dass der Kunde die Ware tatsächlich bezahlt oder
bezahlt hat. So sind etwas vollautomatische Kassensysteme denkbar, welche die Herausgabe
des Produkts daran knüpfen, dass der als charakteristisches Merkmal in der Kennung
des Leergebindes hinterlegte Kaufpreis entrichtet wird.
[0009] Bei einer weiteren Ausführungsform der Erfindung umfasst das Ausgeben das Ausgeben
an ein Kassensystem. Im einfachsten Fall ist dazu das charakteristische Merkmal ein
hinterlegter Kaufpreis. Es ist jedoch auch denkbar, dass als charakteristisches Merkmal
lediglich eine Produktmenge und eine Produktart ausgegeben wird, und die Umsetzung
dieser Angaben zwecks Berechnung des Kaufpreises durch das Kassensystem erfolgt.
[0010] So ist bei einer Ausführungsform der Erfindung auch denkbar, dass das Ausgeben das
Ausgeben an ein Inventur- oder Lagerbestandssystem umfasst. Bei dieser Ausführungsform
umfassen die der Erkennung zugeordneten charakteristischen Merkmale zweckmäßigerweise
eine Charakterisierung der Art und der Menge der Einzelwaren, welche Bestandteil der
Abrechnungseinheit sind.
[0011] Im einfachsten Fall umfasst das Einlesen der Kennung das Einlesen eines ein- oder
zweidimensionalen Barcodes. Bereits mit den aus dem Stand der Technik bekannten Barcodes,
etwa dem Strichcode nach der internationalen Norm ISO/IEC 1520 kann eine fast beliebig
hohe Anzahl unterschiedlicher Kennungen erzeugt werden, so dass auch bei hohem Leergebindebedarf
stets die eindeutige Identifizierung jedes Leergebindes sichergestellt ist. Andererseits
jedoch wird man sich in der Praxis auf eine beschränkte Anzahl unterschiedlicher Kennungen
beschränken können, so dass auch Leergebinde mit identischen Kennungen verwendet werden
können, sofern ein ausreichender zeitlicher Versatz zwischen der Verwendung der identischen
Kennungen sichergestellt ist. Dies basiert auf der einfachen Annahme, dass sich ein
Kunde nur begrenzte Zeit innerhalb eines Einzelhandelsgeschäfts aufhält.
[0012] Bei einer Ausführungsform der Erfindung umfasst das Verbinden der Abrechnungseinheit
mit dem Leergebinde das Verbinden der Abrechnungseinheit mit einer Tüte, einem Beutel,
einer Tasche, einem lebensmittelechten Behältnis, oder einem evakuierten oder mit
einer Schutzgasatmosphäre gefiillten Behältnis. Grundsätzlich kann und sollte das
Leergebinde in seiner Beschaffenheit an das zu verpackende Lebensmittel angepasst
sein.
[0013] Häufig umfasst das Ermitteln des mindestens einen charakteristischen Merkmals das
Ermitteln des Gewichts der Einzelware. Dies ist insbesondere an den vorbenannten Bedientheken
der Fall. So ist es möglich, dass das ermittelte Gewicht dazu herangezogen wird, einen
gewichtsabhängigen Produktpreis zu bestimmen. Aus dem Stand der Technik sind dazu
entsprechende Waagen bekannt, welche etwa nach Eingabe eines Kilopreises und nach
erfolgter Wägung des Produktes durch einfache Multiplikation den individuellen gewichtsabhängigen
Produktpreis bestimmen. Eine Waage zur Umsetzung des erfindungsgemäßen Verfahrens
umfasst sinnvoller Weise ein integriertes oder angeschlossenes Kennungslesesystem,
so dass das erfindungsgemäße Verfahren in dem Umfang, in welchem es vor dem erneuten
Einlesen der Kennung nach dem Zuordnen durchzuführen ist, mit Hilfe eines einzigen
Gerätes durchführbar ist. Die beschriebene Waage ist dazu sinnvoller Weise mit dem
Kassensystem oder einem zwischengeschalteten Serversystem vernetzt, um den Informationsfluss
zwischen Waage und Kassensystem hinsichtlich der der Kennung zugeordneten charakteristischen
Merkmale sicherzustellen.
[0014] Grundsätzlich sind die zu ermittelnden und der Kennung zuzuordnenden charakteristischen
Merkmale auf keine bestimmten beschränkt. In den eingangs genannten und die Erfindung
motivierenden Anwendungsfällen werden als charakteristische Merkmale häufig eine Produktsorte,
ein Produktgewicht, ein Preis pro Menge oder Gewicht, ein Stückpreis, ein gewichts-
oder stückzahlabhängiger Produktpreis oder mehrere dieser der Kennung zugeordnet.
[0015] Die in der vorstehenden Beschreibung, in der Zeichnung sowie in den Ansprüchen offenbarten
Merkmale der Erfindung können sowohl einzeln als auch in beliebiger Kombination für
die Verwirklichung der Erfindung wesentlich sein
1. Abrechnungsverfahren für den Einzel- und Großhandel, insbesondere im Lebensmittelbereich,
das aufweist:
- Zusammenstellen mindestens einer Einzelware zu einer Abrechnungseinheit, wobei für
jede Einzelware mindestens ein charakteristisches Merkmal ermittelt wird;
- Einlesen einer Kennung eines bereitgestellten Leergebindes, wobei die Kennung die
eindeutige Identifizierung des Leergebindes ermöglicht;
- Zuordnen des mindestens einen charakteristischen Merkmals zu der Kennung;
- erneutes Einlesen der Kennung nach dem Zuordnen; und
- Ausgeben des mindestens einen zugeordneten charakteristischen Merkmals an ein Kassensystem.
2. Abrechnungsverfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass es zusätzlich das Verbinden der Abrechnungseinheit mit dem Leergebinde nach dem Zusammenstellen
der Einzelwaren umfasst.
3. Abrechnungsverfahren nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass das Verbinden nach dem Ausgeben des mindestens einen charakteristischen Merkmals
erfolgt.
4. Abrechnungsverfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Ausgeben das Ausgeben an ein Inventur- oder Lagerbestandssystem umfasst.
5. Abrechnungsverfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Einlesen der Kennung das Einlesen eines ein - oder zweidimensionalen Barcodes
umfasst.
6. Abrechnungsverfahren nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass das Verbinden der Abrechnungseinheit mit dem Leergebinde das Verbinden der Abrechnungseinheit
mit einer Tüte, einem Beutel, einer Tasche, einem lebensmittelechten Behältnis, oder
einem evakuierten oder mit einer Schutzgastatmosphäre gefüllten Behältnis umfasst.
7. Abrechnungsverfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Ermitteln mindestens eines charakteristischen Merkmals das Ermitteln des Gewichts
der Einzelware umfasst.
8. Abrechnungsverfahren nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass das ermittelte Gewicht dazu herangezogen wird, einen gewichtsabhängigen Produktpreis
zu bestimmen.
9. Abrechnungsverfahren nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, dass als charakteristisches Merkmal eine Produktsorte, ein Produktgewicht, ein Preis pro
Menge oder Gewicht, ein Stückpreis, ein gewichts- oder stückzahlabhängiger Produktpreis
oder mehrere dieser der Kennung zugeordnet werden.