(19)
(11) EP 2 546 842 A2

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
16.01.2013  Patentblatt  2013/03

(21) Anmeldenummer: 12174768.7

(22) Anmeldetag:  03.07.2012
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC): 
H01F 38/08(2006.01)
H01F 27/34(2006.01)
H02H 9/02(2006.01)
H01F 3/14(2006.01)
H01F 37/00(2006.01)
(84) Benannte Vertragsstaaten:
AL AT BE BG CH CY CZ DE DK EE ES FI FR GB GR HR HU IE IS IT LI LT LU LV MC MK MT NL NO PL PT RO RS SE SI SK SM TR
Benannte Erstreckungsstaaten:
BA ME

(30) Priorität: 14.07.2011 DE 102011107252

(71) Anmelder: Schneider Electric Sachsenwerk GmbH
93055 Regensburg (DE)

(72) Erfinder:
  • Summer, Raimund
    93186 Kneiting (DE)

(74) Vertreter: Manitz, Finsterwald & Partner GbR 
Martin-Greif-Strasse 1
80336 München
80336 München (DE)

   


(54) Spule zur Strombegrenzung


(57) Die Erfindung betrifft eine elektrische Spule zur Strombegrenzung in Mittel- und Hochspannungsnetzen, beispielsweise eine Drosselspule, mit einem leitfähigen Spulendraht, der zu einer zylindrischen Spule gewickelt ist, wobei der leitfähige Spulendraht um ein Segment eines Kerns gewickelt ist, der einen geschlossenen magnetischen Fluss führt. Der Kern ist durch mindestens einen nicht magnetisierbaren Spalt mit geringer Dicke unterbrochen, um eine Sättigung des Kerns auch bei hohen durch die elektrische Spule fließenden Strömen zu reduzieren.




Beschreibung


[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft eine elektrische Spule zur Strombegrenzung in Mittel- und Hochspannungsnetzen mit einem leitfähigen Spulendraht, der zu einer zylindrischen Spule gewickelt ist, wobei der leitfähige Spulendraht um ein Segment eines Kerns gewickelt ist, der einen geschlossenen magnetischen Fluss führt. Um eine Sättigung des Kerns bei hohen Strömen, die durch die elektrische Spule fließen können, zu vermeiden, ist der Kern durch mindestens einen nicht magnetisierbaren Spalt mit geringer Dicke unterbrochen.

[0002] Induktive Strombegrenzer, die eine elektrische Spule mit einem leitfähigen Spulendraht enthalten, der um ein Segment eines Kerns gewickelt ist, welcher einen geschlossenen magnetischen Fluss führt, sind in der Technik bekannt.

[0003] So offenbart DE 32 02 600 A1 einen derartigen induktiven Spannungs- und Strombegrenzer, bei dem ein gegenüber dem Gesamtvolumen des Kerns, der aus ferromagnetischem Material hoher Permeabilität und niedriger Remanenz besteht, geringer Teil desselben aus einem ferromagnetischen Material hoher Remanenz und/oder hoher Koerzitivkraft besteht. Der Teil mit hoher Remanenz und/oder hoher Koerzitivkraft kann im magnetischen Nebenschluss zum Kern angeordnet sein und mindestens einen Luftspalt aufweisen. Bei einer Erregung bis zur Sättigungsgrenze des Teils hoher Remanenz und/oder hoher Koerzitivkraft ist der magnetische Widerstand sehr hoch und erst beim Überschreiten dieser Sättigungsgrenze steigt die Induktivität des induktiven Spannungs- und Strombegrenzers mit steigender Erregung an, um eine Strombegrenzung zu bewirken.

[0004] Ferner ist es bekannt, die Kerne derartiger elektrischer Spulen zur Vermeidung der Kernsättigung mit einem quer zum Magnetfluss verlaufenden Luftspalt zu versehen, der zur mechanischen Stabilisierung mit einem nicht magnetischen Material ausgefüllt sein kann. Der Luftspalt erhöht den magnetischen Widerstand des Kerns, führt aber auch zu Streufeldern.

[0005] Außerdem ist es bekannt, die Kerne aus einem Pulvermaterial herzustellen, das Eisen oder Eisenlegierungen enthält. Die "Pulverkerne" bewirken ähnlich wie der Luftspalt einen lineareren Induktivitätsverlauf auch bei hoher Magnetisierung des Kerns, d.h. dann, wenn eine hohe magnetische Feldstärke am Kern anliegt, und umgehen das bei herkömmlichen Kernen vorhandene Problem, dass an Verbindungsstellen von Kernteilen, aus denen der Kern zusammengesetzt ist, nicht vermeidbare Lücken auftreten, durch welche die Hysteresekennlinie der elektrischen Spule verändert wird.

[0006] Der Einsatz von Luftspalten führt wie oben angemerkt zu Streufeldern und entsprechend zu unerwünschten Streufeldverlusten an den durch die Luftspalte gebildeten Kernunterbrechungen, wobei die Verluste mit der Dicke des Luftspalts überproportional zunehmen. Zur Vermeidung der Kernsättigung ist aber ein hoher magnetischer Widerstand des Kerns erforderlich, der ebenfalls mit der Dicke des Luftspalts zunimmt. Somit kann eine elektrische Spule des oben beschriebenen Typs durch ein Verändern der Luftspaltdicke leicht an jeweils benötigte Betriebsparameter angepasst werden.

[0007] Bei "Pulverkernen" hingegen ist eine Optimierung der Einstellbarkeit der Magnetisierung für die jeweils benötigten Betriebsparameter schwierig und kostenintensiv.

[0008] Die Aufgabe der Erfindung besteht darin, die magnetische Sättigung eines magnetisierbaren Kernmaterials einer elektrischen Spule des oben beschriebenen Typs bei Stromstärken in den Windungen des leitfähigen Spulendrahts, die im Bereich von einigen hundert bis einigen tausend Ampere liegen, kontrolliert zu vermeiden und die elektrische Spule für den jeweiligen Einsatzfall hinsichtlich Hystereseverlusten, Kernmaterialbedarf und Leitermaterialbedarf zu optimieren.

[0009] Diese Aufgabe wird durch die kennzeichnenden Merkmale des Anspruchs 1 gelöst. Vorteilhafte Weiterbildungen sind Gegenstand von Unteransprüchen.

[0010] Dadurch, dass ein Kern einer elektrischen Spule, der einen geschlossenen magnetischen Fluss führt, durch einen nicht magnetisierbaren Spalt mit geringer Dicke unterbrochen ist, kann weitgehend verhindert werden, dass ein hoher Strom, der durch einen leitfähigen Spulendraht fließt, welcher um ein Segment des Kerns gewickelt ist, den Kern in die Sättigung treibt. Durch die Anzahl, die Anordnung und die Dicke der nicht magnetisierbaren Spalte sowie das jeweils in den nicht magnetisierbaren Spalten eingesetzte nicht magnetisierbare Material kann die Sättigung des Kerns kontrolliert vermieden werden bzw. der Arbeitsbereich der elektrischen Spule weitestgehend auf den nicht gesättigten Bereich der Magnetisierungskurve des Kerns verschoben werden. Damit kann die elektrische Spule auf einfache Weise für den jeweiligen Einsatzfall optimiert werden.

[0011] Da die Sättigung vermieden wird, kann die elektrische Spule auch bei großen Strömen im Bereich mehrerer tausend Ampere eine große Induktivität bereitstellen, die zur Begrenzung des Stroms genutzt werden kann.

[0012] Zudem werden durch die geringe Dicke des Spalts Streufeldverluste minimiert. Da durch den bzw. die Spalt(e) der magnetische Gesamtwiderstand des Kerns erhöht wird, verringert sich der magnetische Fluss durch den Kern, so dass der Kern insgesamt kleiner ausgelegt werden kann. Dadurch verringern sich Kosten für das Kernmaterial und die Baugröße der erfindungsgemäßen elektrischen Spule kann verringert werden. Zudem kann durch die Verkleinerung des Kerns auch das benötigte Leitermaterial, d.h. das Material des leitfähigen Spulendrahts, verringert werden, da sich der Durchmesser der Wicklungen um das Kernsegment verringert, und damit verringern sich auch ohmsche Verluste im leitfähigen Spulendraht.

[0013] Durch den Einsatz des Spalts wird die nichtlineare B-H-Kennlinie oder Hysteresekennlinie, die in Fig. 3A und 3B näher erläutert wird, geschert, also die Steigung der Induktion B bezüglich der Magnetfeldstärke H abgeflacht und näherungsweise linearisiert. Der Wirkungsbereich des Kerns wird dadurch bei den Betriebsströmen der elektrischen Spule auf den unteren Bereich der B-H-Kennlinie des Kernmaterials mit hoher differentieller Permeabilität dB/dH eingeschränkt und die magnetische Hysteresekennlinie wird effektiv verschmälert, wodurch auch Hystereseverluste verringert werden.

[0014] Bei induktiven Strombegrenzern bzw. Drosseln kann dadurch die Effektivität im Bereich der Auslegung der elektrischen Ströme maximiert werden.

[0015] Bei Transformatoren kann das Übertragungsverhältnis von Primarwicklung zu Sekundärwicklung maximiert und linearisiert werden, wodurch höhere harmonische Frequenzanteile im Sekundärstrom bzw. der Sekundärspannung zur Betriebsfrequenz reduziert werden, wie in Fig. 4A und 4B gezeigt ist.

[0016] Bei einer bevorzugten Ausführungsform ist die Dicke des Spalts so ausgestaltet, dass sie klein gegenüber einem Durchmesser des Kerns ist. Dadurch lassen sich Streufeldverluste, die durch den Spalt hervorgerufen werden, minimieren.

[0017] Eine bevorzugte Ausführungsform ordnet den Spalt in demjenigen Segment des Kerns an, um das der leitfähige Spulendraht gewickelt ist. Da in diesem Segment die induktive Kopplung am größten ist, weist der Spalt an dieser Stelle die stärkste Wirkung des durch ihn erzeugten magnetischen Widerstands auf.

[0018] Bei einer weiteren Ausführungsform ist der Spalt außerhalb des Segments angeordnet, um das der leitfähige Spulendraht gewickelt ist. Diese Anordnung erleichtert den Zugriff auf den Spalt im Zuge von Wartungs- und Kontrollarbeiten.

[0019] Eine weitere bevorzugte Ausführungsform verwendet einen Kern, der aus mehreren Teilen aufgebaut ist, wobei der Spalt an einer Verbindungsstelle zwischen den Teilen des Kerns angeordnet ist. Dadurch wird der mechanische Aufbau der erfindungsgemäßen elektrischen Spule vereinfacht, und Maßnahmen, die sonst zur Verbindung der Teile notwendig sind, um dort entstehende Streuverluste und/oder magnetische Widerstände zu vermeiden, können entfallen.

[0020] Noch eine weitere bevorzugte Ausführungsform setzt einen Spalt ein, der nur einen Innenbereich eines quer zum magnetischen Fluss verlaufenden Querschnitts des Kerns einnimmt, sodass der Spalt vollständig im Kern eingebettet ist. Diese Ausgestaltung verbessert einerseits die mechanische Stabilität des Kerns und führt andererseits durch einen auf diese Weise erzeugten magnetischen Nebenschlusspfad zu einer weiteren Reduktion des Streufeldverlusts, der durch den Spalt erzeugt wird.

[0021] Gemäß einer weiteren bevorzugten Ausführungsform umfasst das in dem Spalt enthaltene nicht magnetische Material Luft, eine Keramik, ein Epoxidharz oder ein anderes paramagnetisches Material. Der Einsatz dieser Materialien ermöglicht eine leichte Anpassung und Optimierung der erfindungsgemäßen elektrischen Spule auf den jeweiligen Einsatzfall.

[0022] Der Kern besteht bevorzugt aus einem weichmagnetischen Material, etwa Eisen oder einer Eisenlegierung, um einen Pfad für den magnetischen Fluss bereitzustellen, der einen geringen magnetischen Widerstand und damit geringe magnetische Verluste aufweist.

[0023] Bei einer weiteren bevorzugten Ausführungsform ist die elektrische Spule um eine zweite elektrische Spule, die ebenfalls um den Kern gewickelt ist, zu einer Fehlerstrom-Begrenzungseinrichtung bzw. zu einem Transformator erweitert, um damit eine Induktivität der elektrischen Spule bei Überstrom zu schalten. Dabei ist die zweite elektrische Spule bevorzugt innerhalb der elektrischen Spule um dasjenige Segment gewickelt, um das auch die elektrische Spule gewickelt ist, um die induktive Kopplung zwischen den elektrischen Spulen zu maximieren. Der Einsatz eines Spalts geringer Dicke aus einem nicht magnetisierbaren Material maximiert und linearisiert das Übertragungsverhältnis auf die zweite Spule und reduziert höhere harmonische Frequenzanteile von Strom bzw. Spannung, was wiederum Verluste verringert.

[0024] Die erfindungsgemäße elektrische Spule wird im Folgenden anhand eines Beispiels unter Verwendung der beigefügten Figuren beschrieben.
Fig.1
zeigt eine perspektivische Skizze einer elektrischen Spule mit einem Eisenkern, der mehrere Spalte geringer Dicke aufweist.
Fig. 2
zeigt eine perspektivische Skizze eines Teils eines Eisenkerns mit einem Spalt, der vollständig im Eisenkern eingebettet ist.
Fig. 3A und 3B
zeigen eine prinzipielle Hysteresekurve einer elektrischen Spule mit Eisenkern sowohl ohne (3A) als auch mit (3B) Spalten im Eisenkern.
Fig. 4A und 4B
zeigen einen prinzipiellen zeitlichen magnetischen Flussverlauf bei Erregung einer elektrischen Spule mit Eisenkern durch Wechselstrom der Frequenz 50 Hz ohne (4A) und mit (4B) Spalten im Eisenkern


[0025] Fig. 1 zeigt eine beispielhafte Ausführungsform einer elektrischen Spule 1, die einen Eisenkern 2 sowie eine aus einem leitfähigen Spulendraht 3 ausgebildete Spule 4 umfasst, die um ein Segment 5 des Eisenkerns 2 gewickelt ist. Wenn die elektrische Spule 4 wie in Fig. 1 gezeigt durch einen Strom I erregt wird, bildet sich im Eisenkern 2 ein magnetischer Fluss Φ aus. Die Stärke, die der magnetische Fluss Φ aufweist, wird durch die magnetische Flussdichte oder Induktion B und eine Querschnittsfläche der elektrischen Spule 4 bestimmt.

[0026] In den Eisenkern 2 der elektrischen Spule 1 sind mehrere Spalte 6, 7 und 8 geringer Dicke eingebracht, die aus einem nicht magnetisierbaren Material bestehen. Die nicht magnetisierbaren Spalte 6, 7 und 8 sind alle mit der gleichen Dicke d gezeigt, können aber auch unterschiedliche Dicken aufweisen, sofern diese alle klein gegenüber einem Durchmesser des Eisenkerns 2 sind. Bei einer beispielhaften Ausführungsform kann die Dicke der Spalte 6, 7 und 8 bei einem Durchmesser des Eisenkerns 2 von 400 mm in einem Bereich von kleiner als 1 mm bis etwa 10 mm liegen.

[0027] Die Anordnung der Spalte 6, 7 und 8 im Eisenkern 2 von Fig. 1 ist nur zur Veranschaulichung prinzipieller Möglichkeiten zur Anordnung der Spalte im Eisenkern 2 gedacht und kann bei praktischen Ausführungsformen sowohl in der Anzahl als auch der Anordnung von der in Fig. 1 gezeigten beispielhaften Ausführungsform abweichen.

[0028] Bei bevorzugten Ausführungsformen werden Spalte 6 eingesetzt, die in demjenigen Segment des Eisenkerns 2 angeordnet sind, um das der leitfähige Spulendraht 3 gewickelt ist, da die induktive Kopplung zwischen dem Spulendraht 3 und dem Eisenkern 2 in diesem Bereich am stärksten ist.

[0029] Eine weitere bevorzugte Position für Spalte aus nicht magnetisierbarem Material ist durch die Spalte 7 dargestellt, die an Verbindungsstellen eines Eisenkerns 2 angeordnet sind, der aus mehreren Teilen besteht. Diese Verbindungsstellen bieten sich zur Positionierung der Spalte 7 an, da dort andernfalls ein erheblicher konstruktiver Aufwand notwendig ist, um die Verbindungen so zu gestalten, dass dort kein erhöhter magnetischer Widerstand sowie keine Streufeldverluste auftreten.

[0030] Selbstverständlich sind beliebige weitere Positionen für den Spalt/ die Spalte möglich. Der Spalt 8 ist ein Beispiel dafür und weist - wie auch die Spalte 7 - den Vorteil der leichten Zugänglichkeit zu Kontroll- und Wartungszwecken auf.

[0031] In Fig. 1 sind die Spalte 6, 7 und 8 so dargestellt, dass sie sich quer zur Richtung des magnetischen Flusses Φ durch den gesamten Durchmesser des Eisenkerns 2 hindurch erstrecken und diesen somit vollständig unterbrechen. Fig. 2 zeigt eine alternative Ausführungsform für die Ausgestaltung der Spalte geringer Dicke mit einem nicht magnetisierbaren Material. Der in Fig. 2 gezeigte Spalt 9 ist in einem Innenbereich eines Eisenkerns 2' angeordnet. Dabei nimmt der Spalt 9 nur den Innenbereich eines quer zum magnetischen Fluss verlaufenden Querschnitts des Eisenkerns 2' ein, sodass er vollständig im Eisenkern 2' eingebettet ist. Durch die Verwendung der Ausführungsform des Spalts 9 von Fig. 2 können Streufeldverluste im Vergleich zur Ausführungsform der Spalte 6, 7 und 8 von Fig. 1 weiter verringert werden. Die Ausführungsformen der Spalte 6, 7 und 8 einerseits und des Spalts 9 andererseits können in einem Eisenkern auch beliebig kombiniert eingesetzt werden.

[0032] Durch das Einbringen der nicht magnetisierbaren Spalte 6, 7 und 8 in den Eisenkern 2 von Fig. 1 bzw. des Spalts 9 in den Eisenkern 2' von Fig. 2 wird der magnetische Fluss Φ behindert, d.h. der magnetische Widerstand, der dem magnetischen Fluss Φ vom Kern entgegengesetzt wird, nimmt zu. Bei der Überwindung der Bereiche mit erhöhtem magnetischen Widerstand, die durch die Spalte 6, 7, 8 und 9 gebildet werden, bilden sich Streuflussfelder entlang der Außenränder der Spalte aus, die zu Streufeldverlusten führen. Diese Streufeldverluste können durch Verringern der Dicke der Spalte sowie durch Verwenden der Spaltenausführungsform 9 von Fig. 2 verringert werden. Bei geringer Dicke der Spalte verlaufen die Feldlinien des Streufelds an den Rändern der Spalte nahezu parallel zueinander und zum magnetischen Fluss Φ des Kerns und verringern dadurch die durch das Streufeld verursachten Verluste.

[0033] Das Material, mit dem die nicht magnetisierbaren Spalte 6, 7, 8 und 9 gefüllt sein können, muss nicht magnetisierbar sein, etwa Luft, ein keramisches Material, ein Epoxidharz oder allgemein ein Material mit paramagnetischen Eigenschaften. Prinzipiell wäre auch Aluminium möglich, jedoch wirkt sich dessen Anfälligkeit für die Erzeugung von Wirbelströmen, die zu Wirbelstromverlusten führen, in der Praxis negativ aus.

[0034] Fig. 3A und 3B zeigen den prinzipiellen Verlauf der Hysteresekennlinie bzw. Hysteresekurve eines Eisenkerns ohne Spalt (Fig. 3A) und eines Eisenkerns mit Spalt (Fig. 3B), etwa des beispielhaften Eisenkerns 2 von Fig. 1, bei verschiedenen Größen des angelegten Stroms I. Es ist zu erkennen, dass die Hysteresekurve von Fig. 3B im Vergleich zu Fig. 3A geschert, d.h. abgeflacht und linearisiert ist, so dass eine größere magnetische Feldstärke H zum Erreichen des gleichen Werts der magnetischen Induktion B notwendig ist. Damit ist auch zum Erreichen der Sättigung des Kerns eine größere magnetische Feldstärke H bzw. ein größerer Strom I in der elektrischen Spule 4 von Fig. 1 erforderlich.

[0035] Die Linearisierung der Hysteresekurve des Kerns führt zu einer effektiven Verschmälerung der Hysteresekurve und damit zu einer Verringerung von Hystereseverlusten, die beispielsweise beim Durchlaufen der Hysteresekurve entstehen, wenn an der elektrischen Spule 4 von Fig. 1 ein Wechselstrom anliegt.

[0036] Fig. 4A und 4B zeigen eine weitere vorteilhafte Auswirkung, die der Einsatz des nicht magnetisierbaren Spalts im Eisenkern 2 bietet. Die beiden in Fig. 4A und 4B dargestellten Kurven sind das Ergebnis eines Simulationsprogramms, bei dem ein Eisenkern (Material Stahl 1008) mit einer elektrischen Spule umwickelt ist, wobei der Kern in Fig. 4A keine Spalte aufweist, während der Kern in Fig. 4B mit vier Luftspalten 6 der Dicke 2 mm versehen wurde. Die elektrische Spule wird mit Wechselstrom mit einer Frequenz von 50 Hz erregt.

[0037] Fig. 4A zeigt aufgrund des geringeren magnetischen Widerstands eine deutlich höhere Amplitude des magnetischen Flusses als Fig. 4B. Während Fig. 4B einen nahezu idealen sinusförmigen Verlauf zeigt, d.h. nur minimale Verzerrungen bzw. Oberwellen, weist die Kurve von Fig. 4A deutlich erkennbare Abweichungen von einer idealen Sinuskurve auf. Diese Abweichungen werden durch die Sättigung des Kerns verursacht und führen zu Oberwellen und Verzerrungen, die sich negativ auf die Signalqualität auswirken und zudem zu unerwünschten Verlusten führen.

[0038] Zusammengefasst ermöglicht der Einsatz eines oder mehrerer Spalte geringer Dicke mit nicht magnetisierbarem Material in einem magnetisierbaren Kern einer elektrischen Spule, dass durch eine dadurch bewirkte Scherung der B-H-Kennlinie des Kerns eine magnetische Sättigung des Stroms vermieden wird und Hystereseverluste vermindert werden. Der Einsatz mehrere Spalte geringer Dicke mit nicht magnetisierbarem Material ermöglicht durch die geringe Dicke der einzelnen Spalte zudem die Verringerung von Streufeldverlusten, die an diesen Spalten entstehen, und ermöglicht dadurch die Realisierung eines insgesamt größeren Gesamtwiderstands des Kerns. Dadurch kann der Kern insgesamt verkleinert werden, was zu einer insgesamt kleineren und kompakteren Bauform der elektrischen Spule bzw. der Fehlerstromvorrichtung und zu einer Verringerung der Menge des benötigten Spulendrahts und des zugehörigen ohmschen Widerstands führt.


Ansprüche

1. Elektrische Spule zur Strombegrenzung in Mittel- und Hochspannungsnetzen, insbesondere Drosselspule, mit einem leitfähigen Spulendraht, der zu einer zylindrischen Spule gewickelt ist,
dadurch gekennzeichnet, dass
der leitfähige Spulendraht um ein Segment eines Kerns gewickelt ist, der einen geschlossenen magnetischen Fluss führt, wobei der Kern durch mindestens einen nicht magnetisierbaren Spalt mit geringer Dicke unterbrochen ist, um eine Sättigung des Kerns auch bei hohen durch die elektrische Spule fließenden Strömen zu reduzieren.
 
2. Elektrische Spule nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Dicke des Spalts klein gegenüber einem Durchmesser des Kerns ist.
 
3. Elektrische Spule nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet, dass
der Spalt in demjenigen Segment des Kerns angeordnet ist, um das der leitfähige Spulendraht gewickelt ist.
 
4. Elektrische Spule nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet, dass
der Spalt außerhalb des Segments des Kerns angeordnet ist, um das der leitfähige Spulendraht gewickelt ist.
 
5. Elektrische Spule nach zumindest einem der vorstehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
der Kern aus mehreren Teilen aufgebaut ist und der Spalt an einer Verbindungsstelle zwischen den Teilen des Kerns angeordnet ist.
 
6. Elektrische Spule nach zumindest einem der vorstehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
der Spalt nur einen Innenbereich eines quer zum magnetischen Fluss verlaufenden Querschnitts des Kerns einnimmt, sodass der Spalt vollständig im Kern eingebettet ist.
 
7. Elektrische Spule nach zumindest einem der vorstehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
das in dem Spalt enthaltene Material Luft, eine Keramik, ein Epoxidharz oder ein anderes paramagnetisches Material umfasst.
 
8. Elektrische Spule nach zumindest einem der vorstehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
der Kern aus einem weichmagnetischen Material aufgebaut ist.
 
9. Fehlerstrom-Begrenzungsvorrichtung für Mittel- und Hochspannungsnetze mit einer ersten elektrische Spule nach zumindest einem der vorstehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Fehlerstrombegrenzungseinrichtung eine zweite elektrische Spule umfasst, die um den Kern gewickelt ist, um eine Induktivität der ersten elektrischen Spule zu schalten.
 
10. Fehlerstrom-Begrenzungsvorrichtung für Mittel- und Hochspannungsnetze mit einer ersten elektrische Spule nach Anspruch 9,
dadurch gekennzeichnet, dass
die zweite elektrische Spule innerhalb der ersten elektrischen Spule um das Segment des Kerns gewickelt ist.
 




Zeichnung














Angeführte Verweise

IN DER BESCHREIBUNG AUFGEFÜHRTE DOKUMENTE



Diese Liste der vom Anmelder aufgeführten Dokumente wurde ausschließlich zur Information des Lesers aufgenommen und ist nicht Bestandteil des europäischen Patentdokumentes. Sie wurde mit größter Sorgfalt zusammengestellt; das EPA übernimmt jedoch keinerlei Haftung für etwaige Fehler oder Auslassungen.

In der Beschreibung aufgeführte Patentdokumente