[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Wärmebehandlung von Aluminiumblechwerkstoff,
ein Werkzeug zur Durchführung eines derartigen Verfahrens und einen nach einem derartigen
Verfahren wärmebehandelten Aluminiumblechwerkstoff.
[0002] Aluminiumblechwerkstoffe sind in verschiedenen Legierungszusammensetzungen als Leichtbauwerkstoff
durch offenkundige Vorbenutzung bekannt. Es sind aushärtbare Aluminiumlegierungen
bekannt, die als Hauptlegierungselemente Silizium und Magnesium aufweisen. Weitere
Legierungselemente können enthalten sein. Derartige Aluminiumlegierungen werden gemäß
einem internationalen Standard in einer Klasse mit der Bezeichnung AA6xxx zusammengefasst.
Derartige AlMgSi-Legierungen weisen ein vergleichsweise hohes Umformvermögen auf,
da die Legierungselemente Silizium und Magnesium bei der Herstellung des Aluminiumblechwerkstoffs
nicht in gelöster Form sondern als übersättigter Mischkristall vorliegen. Dieser Werkstoffzustand
ist zeitlich instabil, d. h. nach der Blechherstellung setzt ein spontaner Kaltauslagerungsprozess
ein, wodurch die Festigkeit des Werkstoffes ansteigt und dessen Umformbarkeit reduziert
wird. Alternativ kann der Aluminiumblechwerkstoff auch einem Warmauslagerungsprozess
ausgesetzt werden. Zudem existieren ausscheidungshärtbare Aluminiumlegierungen mit
den Hauptlegierungselementen Zink und Magnesium. Diese können analog kalt- und warmausgelagert
werden und werden unter der Bezeichnung 7xxx zusammengefasst. Aus dem Fachbuch "Kontinuierliche
Zeit-Temperatur-Ausscheidungsdiagramme von Al-Mg-Si-Legierungen" von Milkereit, Shaker
Verlag, 2011, ist bekannt, dass ein Abschrecken mit einer Abschreckgeschwindigkeit
im Anschluss an ein Lösungsglühen der Aluminiumlegierung die Härte des derart wärmebehandelten
Werkstoffes beeinflusst. Mit sinkender Abkühlgeschwindigkeit nehmen die Härte und
Festigkeit des Blechwerkstoffs ab.
[0003] Aus der
DE 196 20 196 A1 und aus der
DE 10 2010 033 864 A1 sind Verfahren zur Wärmebehandlung von Aluminiumblechwerkstoff bekannt. Lokal begrenzte
Bereiche eines Zuschnittes des Aluminiumblechwerkstoffs, der auch als Aluminiumplatine
bezeichnet wird, werden erwärmt, um damit eine lokal begrenzte Entfestigung des Werkstoffs
zu bewirken. Dadurch ist es möglich, eine Aluminiumplatine herzustellen, die lokal
unterschiedliche Werkstoffeigenschaften aufweist, die beispielsweise für einen nachfolgenden
Umformprozess optimiert sind. Später umzuformende Bereiche der Platine werden entfestigt,
um einen Werkstofffluss aus diesen Bereichen zu erleichtern und gleichzeitig die erforderlichen
Umformkräfte zu reduzieren. Bereiche der Platine, die während der Umformung kraftübertragende
Funktion haben, werden nicht entfestigt. Ein nachfolgender Umformprozess der so wärmebehandelten
Platine kann in einem kalten Zustand erfolgen wie beispielsweise bei Raumtemperatur.
Die genannten Verfahren erfordern aufwändige Wärmebehandlungsstrategien und -werkzeuge
wie Laserstrahlquellen, wobei eine lokale Erwärmung des Blechwerkstoffs gewährleistet
werden muss. Insbesondere für die Massenherstellung wärmebehandelter Platinen für
die Anwendung in der Automobilherstellung sind derartige Verfahren kaum geeignet.
Darüber hinaus ist der Wärmebehandlungszustand der Platinen auf Grund des nach der
Wärmebehandlung spontan einsetzenden Kaltauslagerungsprozesses zeitlich instabil.
Die Eingliederung eines derartigen Wärmebehandlungsprozesses in einen Fertigungsablauf
ist kompliziert. Eine Störung des Wärmebehandlungsprozesses bewirkt eine Unterbrechung
eines möglicherweise nachfolgenden Umformprozesses.
[0004] Der Erfindung liegt demnach die Aufgabe zu Grunde, ein Verfahren zur Wärmebehandlung
von Aluminiumblechwerkstoff derart zu schaffen, dass eine Einstellung lokal maßgeschneiderter
Werkstoffeigenschaften des Aluminiumblechwerkstoffs erleichtert ist.
[0005] Diese Aufgabe wird durch die Merkmale des Anspruchs 1 gelöst. Der Kern der vorliegenden
Erfindung liegt darin, dass die Werkstoffeigenschaften von Aluminiumblechwerkstoff
lokal unterschiedlich einstellbar sind, indem verschiedene Abkühlvorgänge lokal unterschiedlich
auf dem Aluminiumblechwerkstoff angewendet werden. Unter verschiedenen Abkühlvorgängen
wird verstanden, dass die Abkühlvorgänge mit verschiedenen Abkühlgeschwindigkeiten
durchgeführt werden, d.h. dass das Abkühlen des Aluminiumblechwerkstoffs lokal unterschiedlich
schnell erzwungen wird. Es ist vorteilhaft, wenn der Aluminiumblechwerkstoff als Aluminiumplatine
zur Verfügung steht, da die Temperaturführung sowohl während des Erwärmens als auch
während des Abkühlens mit höherer Genauigkeit möglich ist. Es ist aber auch möglich,
den Aluminiumblechwerkstoff z.B. mit einer Haspel in Form eines Blechbandes kontinuierlich
zur Verfügung zu stellen. Dadurch kann die Ausstoßrate des Verfahrens erhöht werden,
da eine separate Handhabung einzelner Blechzuschnitte nicht erforderlich ist.
[0006] Während der Wärmebehandlung wird der Aluminiumblechwerkstoff zunächst auf eine Temperatur
größer oder gleich einer Erwärmungstemperatur erwärmt. Dieser Erwärmungsschritt wird
auch als Lösungsglühen bezeichnet. Je nach Legierungszusammensetzung des verwendeten
Aluminiumblechwerkstoffs kann die Erwärmungstemperatur variieren. Für aushärtbare
Aluminiumlegierungen mit den Legierungsbestandteilen Silizium und Magnesium, so genannte
AlMgSi-Legierungen wie beispielsweise AA6016 oder AA6181, kann die Erwärmungstemperatur
für das Lösungsglühen im Bereich zwischen 480°C und 540°C liegen. Die Temperatur wird
auf einem Temperaturniveau größer oder gleich der Erwärmungstemperatur während einer
Erwärmungsdauer, die beispielsweise etwa eine Stunde betragen kann, gehalten. Für
AA6060 beträgt die Lösungsglühdauer ca. 20 Minuten. Das Einhalten der Erwärmungsdauer
gewährleistet ein Lösen der Legierungsbestandteile in einem ausreichenden Maß. Anschließend
erfolgt ein Abschrecken mindestens eines Abschreckungsbereichs des Aluminiumblechwerkstoffs.
Die Temperatur der Aluminiumplatine wird von der Erwärmungstemperatur auf eine Temperatur,
die kleiner oder gleich einer Abschrecktemperatur ist, abgesenkt. Das Abschrecken
erfolgt innerhalb einer Abschreckdauer, die beispielsweise mehr als 100 K/s, insbesondere
mehr als 160 K/s betragen kann. Infolge des Abschreckens, d. h. durch das Abkühlen
innerhalb kurzer Zeit, werden diffusionsgesteuerte Ausscheidungsvorgänge unterdrückt,
so dass die Legierungselemente in einem zwangsgelösten Zustand vorliegen. In mindestens
einem Abschreckungsbereich weist der Aluminiumblechwerkstoff beispielsweise eine vergleichsweise
hohe Streckgrenze und eine hohe Zugfestigkeit auf. Weiterhin erfolgt ein Abkühlen
mindestens eines Abkühlungsbereichs des Aluminiumblechwerkstoffs auf eine Temperatur
kleiner oder gleich einer Abkühltemperatur, die beispielsweise die Umgebungstemperatur
sein kann. Die Umgebungstemperatur kann beispielsweise Raumtemperatur sein. Das Abkühlen
erfolgt innerhalb einer Abkühldauer, wobei die Abkühldauer größer ist als die Abschreckdauer.
Das bedeutet, dass das Abkühlen mindestens eines Abkühlungsbereichs mit einer geringeren
Abkühlungsgeschwindigkeit erfolgt als das Abschrecken mindestens einen Abschreckungsbereichs.
Der Abschreckungsbereich und der Abkühlungsbereich können aneinander angrenzen, sind
jedoch geometrisch von einander getrennt. Die beiden Bereiche überlagern sich nicht.
Dadurch weisen der Abschreckungsbereich und der Abkühlungsbereich voneinander verschiedene
mechanische Eigenschaften auf. Insbesondere ist es möglich, beispielsweise die Streckgrenze
und/oder die Festigkeit in dem Abkühlungsbereich gegenüber den korrespondierenden
Werten in dem Abschreckungsbereich gezielt zu reduzieren. Als besonders vorteilhaft
hat sich herausgestellt, dass ein Unterschied der eingestellten Werkstoffeigenschaften
in dem Abschreckungsbereich und in dem Abkühlungsbereich qualitativ zeitlich stabil
ist. Das bedeutet, dass trotz einer spontan einsetzenden Kaltauslagerung, ein infolge
der Wärmebehandlung erzeugter Differenzbetrag der mechanischen Eigenschaften im Wesentlichen
näherungsweise unverändert bleibt. Beispielsweise kann ein nachgelagerter Umformprozess,
insbesondere zeitlich und räumlich, entkoppelt von der Wärmebehandlung des Aluminiumblechwerkstoffs
erfolgen.
[0007] Das Verfahren zur Wärmebehandlung gemäß der vorliegenden Erfindung ermöglicht die
Herstellung von Aluminiumblechwerkstoff mit lokal maßgeschneiderten, qualitativ zeitstabilen
Werkstoffeigenschaften. Insbesondere ist es möglich, die Werkstoffeigenschaften direkt
während der Herstellung des Aluminiumblechwerkstoffs einzustellen. Eine nachgelagerte
Wärmebehandlung, die bei den Verfahren gemäß dem Stand der Technik durch eine zusätzliche
lokale Erwärmung vorgefertigter Platinen erfolgt, ist bei dem vorliegenden Verfahren
nicht erforderlich. Es ist auch möglich, das erfindungsgemäße Verfahren für eine bereits
hergestellte, insbesondere ausgehärtete Aluminiumplatine anzuwenden beispielsweise
in einem blechverarbeitenden Betrieb wie Automobil- oder Flugzeughersteller oder deren
Zulieferer.
[0008] Es ist insbesondere möglich, mehrere Abkühlungsbereiche und/oder mehrere Abschreckungsbereiche
auf der Aluminiumplatine vorzusehen. Zudem ist es möglich, Abschreckungsbereiche vorzusehen,
wobei die jeweiligen Abschreckdauern der Abschreckungsbereiche voneinander verschieden
sind. Damit ist es möglich, eine Aluminiumplatine mit einer größeren Gestaltungsvielfalt
hinsichtlich der einzustellenden mechanischen Eigenschaften herzustellen. Insbesondere
ist es möglich, benachbarte Abschreckungsbereiche derart einzustellen, dass ein abgestufter
Übergang der Werkstoffeigenschaften wie beispielsweise von einer hohen Zugfestigkeit
in dem Abschreckungsbereich hin zu stufenweise reduzierten Festigkeiten in weiteren
Abschreckungsbereichen realisiert wird. Wesentlich für die Einstellung der Werkstoffeigenschaften
ist die Abschreckrate, d. h. eine Abkühlung pro Zeit.
[0009] Bei einem Verfahren nach Anspruch 2 kann die Abschreckgeschwindigkeit und damit die
Abschreckdauer eingestellt werden. Die Wärmeabfuhr von dem mindestens einen Abschreckungsbereich
der Aluminiumplatine ist durch ein Abschreckmedium gegenüber einer Abkühlung an Luft
erhöht. Wasser ist als Abschreckmedium besonders geeignet und insbesondere vielerorts
verfügbar. Insbesondere erfolgt das Abschrecken durch gezieltes Zuführen des Abschreckmediums
in dem Abschreckungsbereich. Es ist auch möglich, andere Abschreckmedien, insbesondere
Öl oder gasförmige Abschreckmedien wie beispielsweise N
2 oder CO
2 zu verwenden.
[0010] In einem Verfahren nach Anspruch 3 erfolgt das Abkühlen von mindestens einem Abkühlungsbereich
an Luft. Ein derartiger Abkühlvorgang ist mit geringem apparativem Aufwand umsetzbar.
Das Abkühlen kann zusätzlich dadurch verzögert werden, dass der Abkühlungsbereich
durch Stahlplatten abgedeckt ist. In diesem Fall wirken die Stahlplatten als Wärmespeicher,
so dass eine verlangsamte Wärmeabgabe von dem Abkühlungsbereich über die Stahlplatten
an die Umgebung resultiert.
[0011] Bei einem Verfahren nach Anspruch 4 ist das Abschrecken mit hoher Zuverlässigkeit
durchführbar. Insbesondere kann ein versehentliches Abschrecken des Abkühlungsbereichs
vermieden werden, da der mindestens eine Abkühlungsbereich mittels eines Werkzeugs
abgeschirmt ist. Für den Fall, dass während des Abschreckens Abschreckmedium unerwünscht
mit dem Werkzeug in Kontakt kommt, führt dies zu einer Abkühlung des Werkzeugs, wobei
die Abkühlung im Vergleich zu dem Abschrecken verzögert erfolgt. Durch den Kontakt
des Abschreckmediums mit dem Werkzeug wird dieses in den Randbereichen schneller abkühlen.
Es entsteht ein Wärmeübergangsbereich, welcher sich auch in der Festigkeitsverteilung
wiederspiegelt.
[0012] Bei einem Verfahren nach Anspruch 5 sind der Ablauf und die Durchführung zusätzlich
vereinfacht. Dadurch, dass der Aluminiumblechwerkstoff bereits vor dem Erwärmen in
ein Werkzeug eingelegt und gemeinsam mit diesem erwärmt wird, kann es vermieden werden,
den Aluminiumblechwerkstoff in einem erwärmten Zustand in ein gegebenenfalls kaltes
Werkzeug einlegen zu müssen. Die Handhabung des Aluminiumblechwerkstoffs ist vereinfacht.
[0013] Ein Verfahren nach Anspruch 6 ermöglicht eine zielgerichtete Auslegung einer herzustellenden
Aluminiumplatine mit lokal maßgeschneiderten Werkstoffeigenschaften. Mittels eines
numerischen Berechnungsverfahrens ist es möglich, für eine nachfolgende Umformung
der Platine sowohl erforderliche mechanische Eigenschaften als auch deren Anordnung
und Ausdehnung auf der Platine zu berechnen. Auf Basis der so berechneten Verteilung
der mechanischen Eigenschaften können Abkühlungsbereiche und Abschreckungsbereiche
für die Wärmebehandlung festgelegt werden.
[0014] Es ist eine weitere Aufgabe der vorliegenden Erfindung, Aluminiumblechwerkstoff mit
lokal maßgeschneiderten Werkstoffeigenschaften bereitzustellen.
[0015] Diese Aufgabe wird durch die Merkmale des Anspruchs 7 gelöst. Der Kern der Erfindung
liegt darin, dass Aluminiumblechwerkstoff anhand des vorstehend beschriebenen Verfahrens
wärmebehandelt wird. Ein derart wärmebehandelter Blechwerkstoff weist insbesondere
qualitativ zeitstabile mechanische Eigenschaften auf.
[0016] Ein Aluminiumblechwerkstoff nach Anspruch 8 ermöglicht und/oder vereinfacht einen
nachgelagerten Umformprozess.
[0017] Ein Aluminiumblechwerkstoff nach Anspruch 9 gewährleistet eine Weiterverarbeitung,
insbesondere eine Umformung, des Aluminiumblechwerkstoffs mit zeitlichem Abstand.
Ein Zeitintervall, innerhalb dessen ein Differenzbetrag der mechanischen Eigenschaften
zwischen dem mindestens einen Abschreckungsbereich und dem mindestens einen Abkühlungsbereich
stabil ist, beträgt insbesondere mehr als 50 Stunden, insbesondere mehr als 150 Stunden
und insbesondere mehr als 1000 Stunden. Dadurch ist es möglich, den Blechherstellungs-,
Blechwärmebehandlungs- und Blechumformprozess voneinander zu entkoppeln. Insbesondere
ist es möglich, den Blechwerkstoff an einem ersten Ort wie beispielsweise in einem
Blechherstellungsbetrieb herzustellen sowie einer entsprechenden Wärmebehandlung zu
unterziehen und anschließend an einem weiteren Ort wie beispielsweise an einem weiterverarbeitenden
Betrieb, insbesondere zur Blechumformung bei einem Automobilhersteller zu transportieren,
wobei sich ein Differenzbetrag der mechanischen Eigenschaften innerhalb eines zulässigen,
vordefinierten Zeitintervalls zwischen Blechherstellung und - weiterverarbeitung nicht
verändert. Für die Weiterverarbeitung einer derart hergestellten Platine kann es vorteilhaft
sein, anhand eines Referenzbauteils, das identisch wärmebehandelt wurde wie der Abkühlungsbereich
oder der Abschreckungsbereich, zu analysieren, um auf weitere, für die Umformung der
Aluminiumplatine erforderliche Werkstoffkennwerte rückschließen zu können.
[0018] Bei einem Aluminiumblechwerkstoff nach Anspruch 10 ist eine Reduzierung einer erforderlichen
Umformkraft in großem Umfang möglich.
[0019] Ein Aluminiumblechwerkstoff nach Anspruch 11 hat sich als besonders geeignet erwiesen,
um ein Profil der Werkstoffeigenschaften gemäß der vorliegenden Erfindung einzustellen.
Diese aushärtbaren Aluminiumlegierungen lassen sich klassenweise wie folgt zusammenfassen:
- Klasse 6xxx: Al Mg Si
- Klasse 2xxx: Al Cu (Si, Mn), A1 Cu Mg, A1 Cu (Mg) Li
- Klasse 7xxx: Al Zn Mg, Al Zn Mg Cu
[0020] Es ist eine weitere Aufgabe der vorliegenden Erfindung, ein Werkzeug bereitzustellen,
das eine Wärmebehandlung von Aluminiumblechwerkstoff vereinfacht.
[0021] Diese Aufgabe ist mit einem Werkzeug gemäß Anspruch 12 gelöst. Der Kern der Erfindung
liegt darin, dass das Werkzeug zweiteilig ausgeführt ist und zwei miteinander verbindbare
Werkzeughälften umfasst, wobei mindestens eine der Werkzeughälften eine Öffnung derart
aufweist, dass ein Abschreckungsbereich der Aluminiumplatine von außerhalb des Werkzeugs
zugänglich ist. Diese Werkzeughälfte ist maskenartig ausgeführt. Die Öffnung kann
beispielsweise als Ausnehmung in Form einer Bohrung der Werkzeughälfte ausgeführt
sein. Es ist auch möglich, dass die Öffnung im Randbereich der Werkzeughälfte ausgeführt
ist. Insbesondere ist es möglich, dass zur Herstellung mehrerer Abschreckungsbereiche
der Aluminiumplatine mehrere voneinander unterschiedliche Öffnungen vorgesehen sind.
Dadurch ist es möglich, die Abschreckungsbereiche der Aluminiumplatine durch die Öffnungen
gezielt, gegebenenfalls separat, mit einem Abschreckmedium abzuschrecken. Die übrigen,
nicht zugänglichen Bereiche der Aluminiumplatine stellen somit die Abkühlungsbereiche
dar, die durch das Werkzeug vor einer Abschreckung durch das Abschreckmedium geschützt
sind. Zudem kann die Dicke des Werkzeuges lokal variiert und damit die Abkühlgeschwindigkeiten
maßgeschneidert angepasst werden. Derselbe Effekt kann erzielt werden, indem lokal
unterschiedliche Materialien verwenden werden, wie etwa Kupfer statt Stahl. Das erfindungsgemäße
Werkzeug ist einfach herzustellen und ermöglicht eine direkte und unkomplizierte Durchführung
eines lokal maßgeschneiderten Abschreckungsvorgangs.
[0022] Ein Werkzeug nach Anspruch 13 ist unkompliziert und insbesondere kostenreduziert
herstellbar. Insbesondere ist es möglich, die plattenförmigen Werkzeughälften aus
Stahl herzustellen. Stahl ist einerseits gut bearbeitbar und vereinfacht somit die
Herstellung des Werkzeugs an sich. Darüber hinaus ist Stahl gut geeignet, die während
der Erwärmung bei der Herstellung der Aluminiumplatine aufgenommene Wärme in den Abkühlungsbereichen
kontinuierlich und gegenüber dem Abschreckungsbereichen zeitverzögert abzugeben. Stahlplatten
als Werkzeughälften können als Puffer bei der Wärmeabgabe wirken. Eine Entfestigung
in den Abkühlungsbereichen ist zusätzlich gesichert. Ein unbeabsichtigtes Abschrecken
der Abkühlungsbereiche kann vermieden werden. Es ist auch möglich, andere Werkzeugwerkstoffe
zu verwenden.
[0023] Weitere Merkmale, Einzelheiten und Vorteile des erfindungsgemäßen Verfahrens, des
entsprechenden Werkzeugs und damit hergestellten Aluminiumblechwerkstoffs werden im
Folgenden anhand der Beschreibung eines Ausführungsbeispiels anhand der Zeichnungen
näher erläutert. Es zeigen:
- Fig. 1
- eine schematische Perspektivdarstellung einer Aluminiumplatine in einem erfindungsgemäßen
Werkzeug,
- Fig. 2
- eine schematische Darstellung der wärmebehandelten Aluminiumplatine gemäß Fig. 1 mit
Kennzeichnung von Bereichen lokal variierender mechanischer Eigenschaften,
- Fig. 3
- eine schematische Darstellung eines Profils der Werkstoffeigenschaften entlang einer
Linie III-III in Fig. 2,
- Fig. 4
- eine schematische Darstellung eines Temperatur-Zeit-Ablaufs der Aluminiumplatine bei
der Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens zur Wärmebehandlung, und
- Fig. 5
- eine Darstellung einer ausgewählten mechanischen Eigenschaft eines Abschreckungsbereichs
und eines Abkühlungsbereichs einer wärmebehandelten Aluminiumplatine.
[0024] Gemäß Fig. 1 umfasst ein erfindungsgemäßes Werkzeug 1 eine obere Werkzeughälfte 2
und eine untere Werkzeughälfte 3. Die beiden Werkzeughälften 2, 3 sind im Wesentlichen
identisch ausgeführt und weisen jeweils eine der anderen Werkzeughälfte 2, 3 zugewandte
Werkzeuginnenseite 4 und eine an der jeweiligen Werkzeughälfte 2, 3 der Werkzeuginnenseite
4 gegenüberliegende Werkzeugaußenseite 5 auf. Die obere und untere Werkzeughälfte
2, 3 weisen jeweils eine miteinander fluchtende Öffnung 6 auf, die einen Durchgang
von der Werkzeugaußenseite 5 zu der Werkzeuginnenseite 4 ermöglichen. Gemäß dem Ausführungsbeispiel
des erfindungsgemäßen Werkzeugs 1 weisen die Öffnungen 6 in einer den Werkzeugseiten
4, 5 parallel orientierten Ebene eine kreisförmige Grundform auf. Es ist auch möglich,
dass die Öffnungen 6 mit einer davon verschiedenen Grundform ausgeführt sind. Die
Öffnungen 6 weisen eine Längsachse 7 auf, die gemäß dem gezeigten Ausführungsbeispiel
senkrecht zu den Werkzeugseiten 4, 5 orientiert ist. Es ist möglich, dass bei dem
Werkzeug 1 mehrere, insbesondere voneinander unabhängige Öffnungen vorgesehen sind.
Die Öffnungen können, wie in Fig. 1 dargestellt, eine Grundform mit einer geschlossenen
Kontur aufweisen, also innerhalb der jeweiligen Werkzeughälfte 2, 3 angeordnet sein.
Es ist auch möglich, dass eine oder mehrere Öffnungen in einem Randbereich der jeweiligen
Werkzeughälfte 2, 3 angeordnet sind.
[0025] Die Werkzeughälften 2, 3 sind plattenförmig ausgeführt und aus Stahl, insbesondere
aus Edelstahl hergestellt. Um die beiden Werkzeughälften 2, 3 miteinander zu verbinden,
können mehrere, nicht dargestellte Schrauben, beispielsweise in Eckenbereichen der
rechteckigen, insbesondere quadratischen Grundfläche der Werkzeughälften 2, 3 vorgesehen
sein. Es sind auch andere Verbindungsarten für die beiden Werkzeughälften 2, 3 denkbar.
Beispielsweise ist es möglich, die beiden Werkzeughälften 2, 3 entlang einer Außenkante
mittels eines Scharniers schwenkbar miteinander zu verbinden und durch einen an einer
dem Scharnier gegenüberliegenden Außenkante angeordneten Verschluss zu verriegeln.
Eine derartige Verbindung erleichtert das Öffnen und Schließen des Werkzeugs 1.
[0026] Zwischen den beiden Werkzeughälften 2, 3 ist eine Aluminiumplatine 8 angeordnet.
Die Aluminiumplatine 8 liegt jeweils an der WerkzeugInnenseite 4 der Werkzeughälften
2, 3 an. Die Aluminiumplatine 8 ist ein Blechzuschnitt aus einer Aluminiumlegierung,
insbesondere aus einer aushärtbaren Aluminiumlegierung, wie beispielsweise einer AlZnMg(Cu)-Legierung
oder AlMgSi-Legierung, insbesondere AA6014, AA6016 oder AA6181. Gemäß dem gezeigten
Ausführungsbeispiel hat die Aluminiumplatine 8 eine kreisförmige Grundfläche. Je nach
beabsichtigter Weiterverarbeitung wird der Zuschnitt entsprechend gewählt. Der gezeigte
Zuschnitt der Platine 8 kann für die umformtechnische Herstellung eines zylindrischen
Napfes verwendet werden.
[0027] Durch die Öffnungen 6 in den Werkzeughälften 2, 3 ist die in dem Werkzeug 1 angeordnete
Aluminiumplatine 8 von außerhalb des Werkzeugs 1 zugänglich. Die Öffnungen 6 sind
von einem Abschirmabschnitt 9 der Werkzeughälften 2, 3 umgeben. Der Abschirmabschnitt
9 dient während eines Abschreckens der in dem Werkzeug 1 angeordneten Aluminiumplatine
8 zum Abschirmen darunter angeordneter Bereiche der Aluminiumplatine 8, die nachfolgend
noch näher erläutert werden. Darüber hinaus dient der Abschirmabschnitt 9 zur kontrollierten
und verzögerten Wärmeabgabe von der Aluminiumplatine 8 über die Werkzeughälften 2,
3 an die Umgebung.
[0028] Die Werkzeughälften 2, 3 können in einem über die Aluminiumplatine 8 hinausragenden
Randbereich einen nicht dargestellten Kragen aufweisen, der über die jeweilige Werkzeuginnenseite
4 hervorragt, so dass ein Spalt zwischen den beiden Werkzeughälften 2, 3 geschlossen
ist. Dadurch wird vermieden, dass während eines Abkühlens des Werkzeugs 1 mit der
darin angeordneten Aluminiumplatine 8 Wärme über die Stirnseiten der Aluminiumplatine
8 abgegeben wird.
[0029] Indem die beiden Werkzeughälften 2, 3 mit Öffnungen 6 identisch ausgeführt sind,
ist die Aluminiumplatine 8 beidseitig von außen zugänglich. Insbesondere bei der Wärmebehandlung
von Dickblech mit einer Blechdicke von beispielsweise größer oder gleich 2 mm wird
somit gewährleistet, dass die Werkstoffeigenschaften entlang der Blechdicke homogen
verteilt sind. Eine nur einseitige Öffnung 6 in einer der beiden Werkzeughälften 2,
3 ist ebenfalls denkbar.
[0030] Fig. 2 zeigt eine schematische Darstellung einer erfindungsgemäßen Aluminiumplatine
8, die in dem Werkzeug 1 gemäß Fig. 1 wärmebehandelt worden ist. Die Aluminiumplatine
8 umfasst einen zentrisch angeordneten, kreisförmigen Abschreckungsbereich, der schraffiert
dargestellt ist, sowie einen den Abschreckungsbereich 10 umgebenden Abkühlungsbereich
11.
[0031] Gemäß der qualitativen Darstellung in Fig. 3 weist die Aluminiumplatine 8 in dem
Abschreckungsbereich 10 eine erhöhte Streckgrenze R
p0,
2 auf. Analog gilt der gezeigte Zusammenhang - also erhöhte mechanische Kennwerte innerhalb
des Abschreckungsbereichs 10 und verglichen dazu reduzierte mechanische Kennwerte
in dem umgebenden Abkühlungsbereich 11 - beispielsweise für die Zugfestigkeit R
m oder die Härte des Werkstoffs. Ein Differenzbetrag ΔW zwischen den Werkstoffeigenschaften
im Abschreckungsbereich 10 und im Abkühlungsbereich 11 beträgt mindestens 25 % der
jeweiligen mechanischen Werkstoffeigenschaft des Abschreckungsbereichs 11 und insbesondere
bis zu 50 % der jeweiligen mechanischen Werkstoffeigenschaft des Abschreckungsbereichs
11. Dies gilt insbesondere für die Aluminiumlegierungen AA6016 T4 oder AA6181.
[0032] Wie in Fig. 3 angedeutet, hat die Streckgrenze R
p0,
2 entlang des Profils der Aluminiumplatine 8 keinen exakt treppenförmigen Verlauf.
An den Rändern der Bereiche 10, 11 ist jeweils ein Übergangsbereich gegeben.
[0033] Im Folgenden wird anhand der Fig. 1 und 4 das erfindungsgemäße Verfahren zur Wärmebehandlung
der Aluminiumplatine 8 erläutert. Zunächst erfolgt ein Bereitstellen der Aluminiumplatine
8. Dies kann beispielsweise eine im Wesentlichen unbehandelte Aluminiumplatine bei
einer Halbzeugherstellung beispielsweise bei einem Blechherstellungsbetrieb sein.
Es ist auch möglich, dass auch eine bereits hergestellte und ausgelieferte Aluminiumplatine
dem nachfolgend erläuterten Verfahren unterzogen wird. Die bereitgestellte Aluminiumplatine
8 wird in das Werkzeug 1 eingelegt. Anschließend wird das Werkzeug 1 geschlossen und
die beiden Werkzeughälften 2, 3 miteinander verbunden, so dass die Aluminiumplatine
8 zwischen den beiden Werkzeughälften 2, 3 sicher gehalten ist. Für die nachfolgende
Wärmebehandlung und insbesondere für eine abschließende Abkühlung des Werkzeugs 1
und der darin befindlichen Aluminiumplatine 8 kann es vorteilhaft sein, das Werkzeug
9 derart zu gestalten, dass Anpressdruck zwischen der jeweiligen Werkzeughälfte 2,
3 und der Aluminiumplatine 8 einstellbar ist. Dies ist insbesondere durch eine hydraulische
Schließeinheit des Werkzeugs 1 möglich, wobei in die Werkzeughälften 2, 3 Drucksensoren
derart integriert sein können, dass ein jeweiliger Anpressdruck ermittelt werden kann.
Über eine zentrale Maschinensteuerung, die mit der hydraulischen Schließeinheit und/oder
den Drucksensoren in den Werkzeughälften 2, 3 in Signalverbindung steht, kann ein
Anpressdruck während der Wärmebehandlung und insbesondere während des Erwärmens und/oder
des anschließenden Abkühlens überwacht und geregelt werden. Insbesondere ist es möglich,
den Anpressdruck mittels der hydraulischen Schließeinheit während der Wärmebehandlung
zu verändern.
[0034] Die Aluminiumplatine 8 wird ausgehend von einer Umgebungstemperatur T
u zusammen mit dem Werkzeug 1 auf eine Temperatur T erwärmt, die größer oder gleich
einer Erwärmungstemperatur T
er ist. Das Erwärmen bzw. Aufheizen kann beispielsweise in einem nicht dargestellten
Ofen erfolgen. Eine derartige Erwärmungsstrategie ist unkompliziert und kostengünstig
realisierbar. Es sind auch andere Erwärmungsstrategien möglich, wobei eine kontinuierliche,
homogene Erwärmung der Aluminiumplatine 8 und des Werkzeugs 1 angestrebt werden sollte.
Die Aluminiumlegierung gemäß dem gezeigten Ausführungsbeispiel ist AA6016 und liegt
in einem kalt ausgehärteten Zustand vor. Die Erwärmungstemperatur beträgt in diesem
Fall T
er = 550°C.
[0035] Nach Erreichen der Erwärmungstemperatur T
er wird diese während einer Erwärmungsdauer t
er gehalten. In dem gezeigten Ausführungsbeispiel beträgt die Erwärmungsdauer t
er eine Stunde. Während der Erwärmungsdauer werden die Legierungsbestandteile im Aluminiumgrundwerkstoff
gelöst. Dieser Verfahrensschritt wird auch als Lösungsglühen bezeichnet.
[0036] Anschließend wird das Werkzeug 1 mit der darin eingelegten Aluminiumplatine 8 aus
dem Ofen entnommen und der Abschreckungsbereich 10 der Aluminiumplatine 8 abgeschreckt.
Dies erfolgt dadurch, dass der über die Öffnungen 6 von außerhalb des Werkzeugs 1
zugängliche Abschreckungsbereich 10 mit Wasser als Abschreckungsmedium beaufschlagt
wird. Das Wasser hat vor dem Abschrecken eine Temperatur kleiner als die Umgebungstemperatur
T
u. Dies kann beispielsweise die Temperatur sein, mit der das Wasser aus einer üblichen
Nutzwasserleitung entnommen wird. Diese Temperatur beträgt beispielsweise zwischen
10 °C und 15 °C. Dadurch wird der Abschreckungsbereich 10 der Aluminiumplatine 8 auf
eine Temperatur, die kleiner oder gleich einer Abschrecktemperatur T
schr ist, abgeschreckt. Die Abschrecktemperatur T
schr ist beispielsweise die Umgebungstemperatur T
u von etwa 20 °C. Das Abschrecken erfolgt innerhalb einer Abschreckdauer t
schr, die wenige Sekunden, insbesondere weniger als eine Sekunde beträgt. Wesentlich für
die Einstellung der mechanischen Eigenschaften in dem Abschreckungsbereich 10 ist
die Abkühlgeschwindigkeit, die auch als Abschreckrate bezeichnet wird. Bei dem gezeigten
Ausführungsbeispiel beträgt die Abkühlgeschwindigkeit 161 K/s. Die Temperaturführung
während des Abschreckens innerhalb des Abschreckungsbereichs 10 ist in der schematischen
Diagrammdarstellung in Fig. 4 mit der durchgezogenen Linie AS 10 dargestellt.
[0037] Der Temperaturverlauf der Aluminiumplatine 8 im Abkühlungsbereich 11 ist hinsichtlich
des Erwärmens und des Haltens der Temperatur während der Erwärmungsdauer t
er identisch mit dem Temperatur-Zeit-Profil innerhalb des Abschreckungsbereichs 10.
Da der Abkühlungsbereich 11 durch den Abschirmabschnitt 9 der oberen Werkzeughälfte
2 abgeschirmt ist, kommt der Abkühlungsbereich 11 mit dem Abschreckmedium Wasser nicht
direkt in Kontakt. Entsprechend kühlt der Abkühlungsbereich 11 mit einer gegenüber
dem Abschreckungsbereich 10 reduzierten Abkühlgeschwindigkeit von beispielsweise 0,8
K/s ab. Diese Abkühlgeschwindigkeit ergibt sich aus der Abkühlung der Stahlplatten
2, 3 durch freie Konvektion an die Umgebung. Das Abkühlen gilt als abgeschlossen,
wenn der Abkühlungsbereich 11 der Aluminiumplatine 8 auf eine Temperatur kleiner oder
gleich einer Abkühltemperatur T
k gesunken ist. Die Abkühltemperatur T
k kann beispielsweise die Umgebungstemperatur T
u sein. Das Abkühlen erfolgt innerhalb einer Abkühldauer t
k. Die Abkühldauer ist größer als die Abschreckdauer t
schr. Die äußeren Bereiche der Platine werden in der Regel 10-15 Minuten langsam abgekühlt.
Sobald eine Temperatur von ca. 200°C erreicht ist, ist ein langsames Abkühlen nicht
mehr nötig. Dann kann das gesamte Werkzeug bis auf Raumtemperatur mit Wasser abgeschreckt
werden. Die Abkühlkurve des Abkühlungsbereichs 11 ist in Fig. 4 durch eine Strich-Punkt-Linie
AK11 dargestellt.
[0038] Je nach Anforderung eines nachfolgenden Weiterverarbeitungsprozesses wie beispielsweise
eines Umformprozesses des wie vorstehend beschriebenen wärmebehandelten Aluminiumblechwerkstoffs
kann es sinnvoll sein, mehrere, insbesondere voneinander unabhängige Abschreckungsbereiche
10 auf der Platine 8 vorzusehen. Entsprechend ist es erforderlich, ein Werkzeug 1
mit verschieden angeordneten Öffnungen 6 vorzusehen. Die Gestaltung des Werkzeugs
1 und insbesondere die Anordnung, Größe und Verteilung der Öffnungen kann mittels
eines numerischen Berechnungsverfahrens erfolgen. Um verschiedene Abkühlgeschwindigkeiten
in verschiedenen Abschreckungsbereichen zu realisieren, können beispielsweise verschiedene
Abschreckmedien eingesetzt werden. Es ist auch möglich, dass ein Abschreckmedium,
wie beispielsweise Wasser, eingesetzt wird, wobei die Temperatur des Wassers vor dem
Abschrecken für die verschiedenen Abschreckungsbereiche unterschiedlich gewählt wird.
Entsprechend ergeben sich unterschiedliche Abkühlgeschwindigkeiten, die zu verschiedenen
mechanischen Eigenschaften in den genannten Abschreckungsbereichen führen. Dadurch
ist es beispielsweise möglich, einen Übergang der mechanischen Eigenschaften zwischen
einem Abschreckungsbereich 10 und dem Abkühlungsbereich 11 wie in Fig. 3 dargestellt,
stufenweise reduziert durch mehrere Abschreckungsbereiche abzubilden, um damit einen
mehrstufigen, quasi kontinuierlichen Gradienten der Werkstoffeigenschaften in der
Platine 8 einzustellen.
[0039] Fig. 5 zeigt eine schematische Darstellung der Streckgrenze R
p0,
2 innerhalb des Abschreckungsbereichs 10 und des Abkühlungsbereichs 11 für die in Fig.
2 dargestellte Aluminiumplatine 8. Dargestellt ist die Streckgrenze R
p0,
2 in Abhängigkeit einer Lagerungsdauer t
L der Aluminiumplatine 8. Zum Zeitpunkt t
0 weisen die Bereiche 10, 11 die Streckgrenze R
p0,
2 auf, die in Fig. 3 dargestellt sind. Wie aus dem Stand der Technik bekannt, setzt
auch bei der Aluminiumplatine 8 ein spontaner Kaltauslagerungsprozess ein, der zu
einer Verfestigung der Bereiche 10, 11 führt. Da bei dem erfindungsgemäßen Verfahren
jedoch die gesamte Platine 8, d. h. der Abschreckungsbereich 10 und der Abkühlungsbereich
11 gleichermaßen erwärmt und damit lösungsgeglüht worden sind, erfolgt die anschließende
Kaltauslagerung gleichlaufend, d. h. ein Differenzbetrag ΔW zwischen der Streckgrenze
R
p0,
2 für den Abschreckungsbereich 10 und den Abkühlungsbereich 11 ändert sich mit fortschreitender
Lagerungsdauer t
L nicht. D.h. die absolute Verfestigung ist in beiden Bereichen 10, 11 gleich. Das
in Fig. 5 exemplarisch für die Streckgrenze R
p0,
2 dargestellte Werkstoffverhalten gilt gleichermaßen für die Zugfestigkeit R
m. Das bedeutet, dass die Aluminiumplatine 8 zeitstabile, lokal maßgeschneiderte mechanische
Werkstoffeigenschaften aufweist.
[0040] Insbesondere ist es dadurch möglich, eine Blechverarbeitung, beispielsweise durch
Umformung mit größerer zeitlicher Verzögerung gegenüber einer vorgelagerten Wärmebehandlung
durchzuführen, wobei die Werkstoffeigenschaften und insbesondere die Unterschiede
der Werkstoffeigenschaften zwischen dem entfestigten Abkühlungsbereich und dem Abschreckungsbereich
erhalten bleiben. Dies ist ein wesentlicher Vorteil gegenüber den aus dem Stand der
Technik bekannten Verfahren einer lokalen Wärmebehandlung zur Entfestigung lokal begrenzter
Werkstoffbereiche. Dort unterliegen ausschließlich die lokal entfestigten Bereiche
einer spontanen Kaltauslagerung, da nur diese Bereiche lokal wärmebehandelt wurden.
Entsprechend führt die Kaltverfestigung bei einer lokal wärmebehandelten Platine sukzessive
zu einer Änderung der Verhältnisse der Werkstoffeigenschaften. Insbesondere ist ein
Differenzbetrag zwischen den Werkstoffeigenschaften des entfestigten, wärmebehandelten
Bereichs und des Grundwerkstoffs veränderlich mit zunehmender Lagerungszeit t
L.
[0041] Im Anschluss an die Wärmebehandlung und Umformung kann die Platine warmausgelagert
werden.
1. Verfahren zur Wärmebehandlung von Aluminiumblechwerkstoff, umfassend die Verfahrensschritte
- Bereitstellen von Aluminiumblechwerkstoff (8),
- Erwärmen des Aluminiumblechwerkstoffs (8) auf eine Temperatur (T) größer oder gleich
einer Erwärmungstemperatur(Ter),
- Halten der Temperatur (T) während einer Erwärmungsdauer (ter),
- Abschrecken mindestens eines Abschreckungsbereichs (10) des Aluminiumblechwerkstoffs
(8) auf eine Temperatur (T) kleiner oder gleich einer Abschrecktemperatur (Tschr), wobei das Abschrecken innerhalb einer Abschreckdauer (tschr) erfolgt,
- Abkühlen mindestens eines Abkühlungsbereichs (11) des Aluminiumblechwerkstoffs (8)
auf eine Temperatur (T) kleiner oder gleich einer Abkühltemperatur (Tk), insbesondere Umgebungstemperatur (Tu), wobei das Abkühlen innerhalb einer Abkühldauer (tk) erfolgt, die größer ist als die Abschreckdauer (tschr).
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Abschrecken durch Beaufschlagen des Abschreckungsbereichs (10) mit einem Abschreckmedium,
insbesondere mit Wasser, erfolgt.
3. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, gekennzeichnet durch das Abkühlen an Luft, insbesondere durch freie Konvektion, erfolgt.
4. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, gekennzeichnet durch ein Abschirmen des Abkühlungsbereichs (11) mittels eines Werkzeugs (1) während des
Abschreckens.
5. Verfahren nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass der Aluminiumblechwerkstoff (8) vor dem Erwärmen in das Werkzeug (1) eingelegt und
gemeinsam mit dem Werkzeug (1) erwärmt wird.
6. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, gekennzeichnet durch ein Bestimmen des Abkühlungsbereichs (11) und des Abschreckungsbereichs (10) mittels
eines numerischen Berechnungsverfahrens erfolgt.
7. Aluminiumblechwerkstoff hergestellt nach einem Verfahren der vorstehenden Ansprüche,
wobei der Aluminiumblechwerkstoff (8) lokal maßgeschneiderte Werkstoffeigenschaften
aufweist.
8. Aluminiumblechwerkstoff nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass der Abkühlungsbereich (11) gegenüber dem Abschreckungsbereich (10) eine um einen
Differenzbetrag (ΔW) abweichende mechanische Werkstoffeigenschaft, insbesondere eine
reduzierte Streckgrenze (Rp0,2) und/oder eine reduzierte Zugfestigkeit (Rm), aufweist.
9. Aluminiumblechwerkstoff nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, dass der Differenzbetrag (ΔW) mindestens während eines Zeitintervalls (tum) für eine Weiterverarbeitung, insbesondere für ein Umformung, stabil ist.
10. Aluminiumblechwerkstoff nach Anspruch 8 oder 9, dadurch gekennzeichnet, dass der Differenzbetrag (ΔW) mindestens 25 % der mechanischen Werkstoffeigenschaft des
Abschreckungsbereichs (10) aufweist.
11. Aluminiumblechwerkstoff nach einem der Ansprüche 7 bis 10, dadurch gekennzeichnet, dass der Aluminiumblechwerkstoff (8) eine aushärtbare Aluminiumlegierung aufweist.
12. Werkzeug für eine Wärmebehandlung von Aluminiumblechwerkstoff, umfassend zwei miteinander
verbindbare Werkzeughälften (2, 3), wobei mindestens eine der Werkzeughälften (2,
3) eine Öffnung (6) zur Zugänglichkeit zu einem Abschreckungsbereich (10) des Aluminiumblechwerkstoffs
(8) aufweist.
13. Werkzeug nach Anspruch 12, gekennzeichnet durch plattenförmige Werkzeughälften (2, 3), die insbesondere aus Stahl hergestellt sind.