[0001] Die Erfindung betrifft eine vergilbungsarme Dekorfolie zum Beschichten eines Trägerteils,
insbesondere eines Bauteils eines Automobils oder eines Möbelstücks, mit einem zumindest
aus einer Barriereschicht und einer Dekorschicht bestehenden Schichtenverbund, wobei
der Schichtenverbund durch Coextrusion hergestellt ist.
[0002] Dekorfolien sind aus der Praxis grundsätzlich bekannt. Diese werden in der Regel
thermogeformt und anschließend mit einem Trägerteil mittels Kleber kaschiert. Weiterhin
ist es bekannt, zur Erzielung haptisch weicher Oberflächen Hinterschäumprozesse einzusetzen,
so dass thermogeformte Folien oder sogenannte Formhäute über einen weichen Schaum
mit dem Trägerteil verbunden werden. Als Schäume haben sich aromatische Polyurethan-Systeme
grundsätzlich bewährt. Allerdings sind diese Schäume gegenüber Licht instabil und
neigen zum Vergilben. Die für die Vergilbung verantwortlichen Substanzen können in
die Dekorschicht migrieren, was zu nachteiligen Verfärbungen der Dekorschicht führt.
[0003] Der Erfindung liegt daher das technische Problem zugrunde, eine Dekorfolie, insbesondere
für die Anwendung im Automobilbereich und/oder im Möbelbereich, anzugeben, die sich
durch ein einwandfreies Erscheinungsbild auszeichnet und nicht zur Vergilbung neigt.
[0004] Zur Lösung des technischen Problems lehrt die Erfindung eine vergilbungsarme Dekorfolie
zum Beschichten eines Trägerteils, die dadurch gekennzeichnet ist, dass die Barriereschicht
im Wesentlichen aus einem Ethylen-Vinylalkohol-Copolymer (EVOH), und/oder einem Polyamid
und/oder einer Mischung aus einem EVOH und einem Polyamid besteht. Vorzugsweise weist
das EVOH einen Ethylenanteil von 24 bis 48 Mol-%, bevorzugt von 30 bis 38 Mol-% auf.
Vorteilhafterweise ist das Polyamid ein amorphes Polyamid, vorzugsweise ein PA61/6T.
PA61/6T wird beispielsweise unter dem Markennamen Selar® von DuPont vertrieben. Es
liegt im Rahmen der Erfindung, dass eine Unterseite der Barriereschicht mittels eines
Klebers auf das Trägerteil aufkaschiert ist. Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform
ist zwischen dem Trägerteil und der Dekorfolie ein Schaumkunststoff, empfohlenermaßen
ein Polyurethan-Schaumkunststoff bzw. Schaumstoff angeordnet. Die Dekorfolie ist dann
unter Zwischenschaltung des Schaumkunststoffs mit dem Trägerteil verbunden. Die Dekorschicht
ist zweckmäßigerweise auf einer Oberseite der Barriereschicht angeordnet. Grundsätzlich
ist es möglich, dass eine der Barriereschicht abgewandte Oberfläche der Dekorschicht
lackiert ist. Gemäß einer Ausführungsform ist die Dekorschicht transparent ausgebildet
ist.
[0005] Vorteilhafterweise weist das EVOH eine spezifische Dichte von 1,15 bis 1,19 g/cm
3 und besonders bevorzugt von 1,17 g/cm
3 auf. Es empfiehlt sich, dass der Schmelzflussindex (MFI) des EVOH 1,7 g/10 min beträgt
(T = 190°, Testmethode nach ISO 1133). Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform weist
die Barriereschicht eine Dicke von 2 bis 15 µm, vorteilhafterweise von 3 bis 10 µm
und bevorzugt von 8 bis 10 µm auf. Durch die erfindungsgemäße Barriereschicht wird
eine Diffusion von vergilbungsfördernden Substanzen aus dem Trägerteil bzw. aus einer
Schaumschicht in die Dekorschicht zuverlässig unterdrückt. Infolgedessen wird eine
optische Beeinträchtigung der Dekorschicht über einen langen Zeitraum hinweg ausgeschlossen.
[0006] Die Dekorschicht kann unmittelbar auf der Barriereschicht angeordnet sein. Das heißt,
dass zwischen der Barriereschicht und der Dekorschicht keine weitere Schicht vorgesehen
ist. Gemäß einer weiteren Ausführungsform der Erfindung ist zwischen der Barriereschicht
und der Dekorschicht eine Zwischenschicht angeordnet. Vorteilhafterweise ist die Zwischenschicht
eine Stützschicht und/oder Haftvermittlerschicht, wobei die Zwischenschicht vorzugsweise
aus zumindest einem Kunststoff aus der Gruppe "Propylen, Ethylen-Propylen-Copolymer,
säuremodifiziertes Ethylen-Vinylacetat (EVA), acrylatmodifiziertes EVA, aromatisches
thermoplastisches Polyurethan" besteht. Als säuremodifiziertes EVA ist beispielsweise
ein Maleinsäure modifiziertes Ethylen-Vinylacetat einsetzbar. Vorteilhafterweise ist
die Säurefunktionalität und/oder Acrylatfunktionalität auf das Ethylen-Vinylacetat
gepfropft. Das die Stützschicht bildende aromatische thermoplastische Polyurethan
ist vorzugsweise ein Polyester-Polyurethan-Polymer.
[0007] Gemäß einer Ausführungsform weist die Dekorschicht eine Dicke von 40 bis 400 µm,
vorzugsweise von 40 bis 150 µm und bevorzugt von 50 bis 100 µm auf. In einer besonders
bevorzugten Ausführungsform weist die Dekorschicht eine Dicke von 50 bis 80 µm auf.
Grundsätzlich ist es möglich, dass auf die Dekorschicht eine 5 bis 15 µm starke Lackschicht,
insbesondere eine matte Lackschicht in vorzugsweise flexibler Ausführung aufgetragen
ist. Es empfiehlt sich, dass als Lack ein Lacksystem auf Basis von Polyurethan auf
die Dekorschicht aufgebracht ist. Es liegt im Rahmen der Erfindung, dass die Haftvermittlerschicht
eine Dicke von 3 bis 10 µm und/oder die Stützschicht eine Dicke von 100 bis 350 µm
aufweist.
[0008] Bewährtermaßen beträgt die Dicke der Dekorfolie 50 bis 400 µm und in einer möglichen
Ausführungsform 100 bis 400 µm. Aufgrund der Dicke der Dekorfolie weist diese eine
für einen weiten Einsatzbereich zufriedenstellende Festigkeit und Stabilität auf.
Ebenso wird aufgrund der Dicke der Dekorfolie das Erscheinungsbild eines mit der Dekorfolie
bedeckten Trägerteils hinsichtlich der Dicke bzw. Stärke für einen Betrachter nicht
bzw. nur unmerklich verändert.
[0009] Empfohlenermaßen besteht die Dekorschicht im Wesentlichen aus zumindest einem Kunststoff
aus der Gruppe "Polyurethan, Polyolefin". Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform
ist das vorzugsweise thermoplastische Polyurethan ein aliphatisches, thermoplastisches
Polyurethan, das empfohlenermaßen weichmacherfrei und vorzugsweise lichtecht ist.
In einer besonders bevorzugten Ausführungsform ist das aliphatische, thermoplastische
Polyurethan ein Polyester-Polyurethan-Elastomer. Es ist möglich, das das thermoplastische
Polyurethan ein aliphatisches Polyether-Polyurethan oder ein Caprolacton-Polyurethan
ist. In einer weiteren Ausführungsform ist das Polyolefin ein Propylen und/oder ein
Ethylen-Propylen-Copolymer. Besonders bevorzugt weist das Polyolefin einen Schmelzbereich
von 130° C bis 165° C auf (gemessen durch DSC). Es ist möglich, dass in eine für den
Betrachter sichtbare Oberfläche der Dekorfolie bzw. in die Dekorschicht zumindest
bereichsweise zumindest eine Prägung eingebracht ist. Gemäß einer Ausführungsform
ist die Dekorfolie prägungsfrei ausgebildet.
[0010] Die erfindungsgemäße Dekorfolie neigt nicht zum Vergilben. Wesentlich dabei ist,
dass durch die erfindungsgemäße Barriereschicht das Migrieren von die Verfärbung induzierenden
Komponenten in die Dekorschicht unterbunden bzw. zumindest wesentlich reduziert wird.
Darüber hinaus zeichnet sich die erfindungsgemäße Dekorfolie durch eine überraschend
einfache Herstellbarkeit mittels Coextrusion aus, wobei das aus der Praxis bekannte,
aufwendige Einbringen von Sperrfolien oder Barrierelacken nicht mehr erforderlich
ist. Ebenso kommt die erfindungsgemäße Dekorfolie ohne zusätzliche, aliphatische Stabilisierungssysteme
aus.
[0011] Nachfolgend wird die Erfindung anhand einer lediglich ein Ausführungsbeispiel darstellenden
Zeichnung erläutert. Es zeigen schematisch:
- Fig. 1
- eine erfindungsgemäße Dekorfolie in einer ersten Ausführungsform,
- Fig. 2
- eine erfindungsgemäße Dekorfolie in einer zweiten Ausführungsform,
- Fig. 3
- eine erfindungsgemäße Dekorfolie in einer dritten Ausführungsform und
- Fig. 4
- eine erfindungsgemäße Dekorfolie auf einem Trägerteil.
[0012] In Fig. 1 ist eine vergilbungsarme Dekorfolie 1a zum Beschichten eines Trägerteils
dargestellt, die aus einem Schichtenverbund mit einer Barriereschicht 2 und einer
Dekorschicht 3 gebildet ist. In dem Ausführungsbeispiel gemäß Fig. 1 besteht die Barriereschicht
2 aus einem Ethylen-Vinylalkohol-Copolymer (EVOH) und als Dekorschicht 3 wird eine
Schicht aus einem aliphatischen, thermoplastischen lichtechten Polyurethan (TPU) eingesetzt.
[0013] Fig. 2 betrifft eine Dekorfolie 1 b, bei der zwischen der Barriereschicht 2 und der
Dekorschicht 3 eine Stützschicht 4 angeordnet ist, wobei die Stützschicht gemäß dem
Ausführungsbeispiel nach Fig. 2 aus einem aromatischen, thermoplastischen Polyurethan
gebildet ist. Die Dekorfolien 3 gemäß den Fig. 1 und 2 sind darüber hinaus eingefärbt.
[0014] In Fig. 3 ist eine Dekorfolie 1 c dargestellt, bei der auf der Barriereschicht 2
eine Polyolefinschicht 5 angeordnet ist, wobei die Polyolefinschicht 5 über eine Haftvermittlerschicht
6 an die Barriereschicht 2 angeschlossen ist. Weiterhin ist in Fig. 1c gezeigt, dass
auf die Polyolefinschicht 5 eine Lackschicht 8 aufgetragen ist.
[0015] Ein Aggregat aus einem Trägerteil 7 mit einer aufgeklebten Dekorfolie 1a, 1 b, 1c
ist in Fig. 4 dargestellt. Auf dem Trägerteil 7 ist eine Schicht aus einem Polyurethanschaum
9 angeordnet, mit der die Barriereschicht 2 der Dekorfolie 1a, 1 b, 1 c kaschiert
ist. Die Barriereschicht 2 ist also zwischen dem Trägerteil 7 bzw. der Schicht aus
dem Polyurethanschaum 9 und der Dekorschicht 3 angeordnet. In Fig. 4 ist darüber hinaus
gezeigt, dass in eine für den Betrachter sichtbare Oberfläche der Dekorschicht 3 eine
Prägung 10 eingebracht ist.
1. Vergilbungsarme Dekorfolie zum Beschichten eines Trägerteils (7), insbesondere eines
Bauteils eines Automobils oder eines Möbelstücks, mit einem zumindest aus einer Barriereschicht
(2) und einer Dekorschicht (3) bestehenden Schichtenverbund, wobei der Schichtenverbund
durch Coextrusion hergestellt ist, dadurch gekennzeichnet, dass die Barriereschicht (2) im Wesentlichen aus einem Ethylen-Vinylalkohol-Copolymer
(EVOH) und/oder einem Polyamid und/oder einer Mischung aus einem EVOH und einem Polyamid
besteht.
2. Vergilbungsarme Dekorfolie nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das EVOH einen Ethylenanteil von 24 bis 48 Mol-% aufweist.
3. Dekorfolie nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Polyamid ein amorphes Polyamid und vorzugsweise ein PA61/6T ist.
4. Dekorfolie nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Dekorschicht eingefärbt ist.
5. Vergilbungsarme Dekorfolie nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass die Barriereschicht (2) eine Dicke von 2 bis 15 µm aufweist.
6. Vergilbungsarme Dekorfolie nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Dekorschicht (3) unmittelbar auf der Barriereschicht (2) angeordnet ist.
7. Vergilbungsarme Dekorfolie nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass zwischen der Barriereschicht (2) und der Dekorschicht (3) eine Zwischenschicht angeordnet
ist.
8. Vergilbungsarme Dekorfolie nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass die Zwischenschicht eine Stützschicht und/oder Haftvermittlerschicht ist, wobei die
Zwischenschicht vorzugsweise aus zumindest einem Kunststoff aus der Gruppe "Polyolefin,
säuremodifiziertes Ethylen-Vinylacetat-Copolymer (EVA), acrylatmodifiziertes EVA,
aromatisches thermoplastisches Polyurethan" besteht.
9. Vergilbungsarme Dekorfolie nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass die Dekorschicht (3) eine Dicke von 40 bis 400 µm aufweist.
10. Vergilbungsarme Dekorfolie nach einem der Ansprüche 8 oder 9, dadurch gekennzeichnet, dass die Haftvermittlerschicht eine Dicke von 3 bis 10 µm und/oder die Stützschicht eine
Dicke von 100 bis 350 µm aufweist.
11. Vergilbungsarme Dekorfolie nach einem der Ansprüche 1 bis 10, dadurch gekennzeichnet, dass die Dicke der Dekorfolie (3) 50 bis 400 µm beträgt.
12. Vergilbungsarme Dekorfolie nach einem der Ansprüche 1 bis 11, dadurch gekennzeichnet, dass die Dekorschicht im Wesentlichen aus zumindest einem Kunststoff aus der Gruppe "Polyurethan,
Polyolefin" besteht.
13. Vergilbungsarme Dekorfolie nach einem der Ansprüche 1 bis 12, dadurch gekennzeichnet, dass die Dekorschicht aus einem thermoplastischen Polyurethan, vorzugsweise einem aliphatischen
Polyester-Polyurethan oder einem aliphatischen Polyether-Polyurethan oder einem Carprolacton-Polyurethan
besteht.