(19)
(11) EP 2 556 966 A1

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
13.02.2013  Patentblatt  2013/07

(21) Anmeldenummer: 11177468.3

(22) Anmeldetag:  12.08.2011
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC): 
B44C 1/165(2006.01)
(84) Benannte Vertragsstaaten:
AL AT BE BG CH CY CZ DE DK EE ES FI FR GB GR HR HU IE IS IT LI LT LU LV MC MK MT NL NO PL PT RO RS SE SI SK SM TR
Benannte Erstreckungsstaaten:
BA ME

(71) Anmelder: Nordenia Deutschland Gronau GmbH
48599 Gronau (DE)

(72) Erfinder:
  • Boccuto, Domenico
    48703 Stadtlohn (DE)

(74) Vertreter: Albrecht, Rainer Harald 
Andrejewski-Honke Postfach 100254
45002 Essen
45002 Essen (DE)

   


(54) Vergilbungsarme Dekorfolie zum Beschichten eines Trägerteils, insbesondere eines Bauteils eines Automobils oder eines Möbelstücks, mit einem zumindest aus einer Barriereschicht und einer Dekorschicht bestehenden Schichtenverbund


(57) Vergilbungsarme Dekorfolie zum Beschichten eines Trägerteils, insbesondere eines Bauteils eines Automobils oder eines Möbelstücks, mit einem zumindest aus einer Barriereschicht und einer Dekorschicht bestehenden Schichtenverbund, wobei der Schichtenverbund durch Coextrusion hergestellt ist. Die Barriereschicht besteht im Wesentlichen aus einem Ethylen-Vinylalkohol-Copolymer (EVOH) und/oder einem Polyamid und/oder einer Mischung aus einem EVOH und einem Polyamid.




Beschreibung


[0001] Die Erfindung betrifft eine vergilbungsarme Dekorfolie zum Beschichten eines Trägerteils, insbesondere eines Bauteils eines Automobils oder eines Möbelstücks, mit einem zumindest aus einer Barriereschicht und einer Dekorschicht bestehenden Schichtenverbund, wobei der Schichtenverbund durch Coextrusion hergestellt ist.

[0002] Dekorfolien sind aus der Praxis grundsätzlich bekannt. Diese werden in der Regel thermogeformt und anschließend mit einem Trägerteil mittels Kleber kaschiert. Weiterhin ist es bekannt, zur Erzielung haptisch weicher Oberflächen Hinterschäumprozesse einzusetzen, so dass thermogeformte Folien oder sogenannte Formhäute über einen weichen Schaum mit dem Trägerteil verbunden werden. Als Schäume haben sich aromatische Polyurethan-Systeme grundsätzlich bewährt. Allerdings sind diese Schäume gegenüber Licht instabil und neigen zum Vergilben. Die für die Vergilbung verantwortlichen Substanzen können in die Dekorschicht migrieren, was zu nachteiligen Verfärbungen der Dekorschicht führt.

[0003] Der Erfindung liegt daher das technische Problem zugrunde, eine Dekorfolie, insbesondere für die Anwendung im Automobilbereich und/oder im Möbelbereich, anzugeben, die sich durch ein einwandfreies Erscheinungsbild auszeichnet und nicht zur Vergilbung neigt.

[0004] Zur Lösung des technischen Problems lehrt die Erfindung eine vergilbungsarme Dekorfolie zum Beschichten eines Trägerteils, die dadurch gekennzeichnet ist, dass die Barriereschicht im Wesentlichen aus einem Ethylen-Vinylalkohol-Copolymer (EVOH), und/oder einem Polyamid und/oder einer Mischung aus einem EVOH und einem Polyamid besteht. Vorzugsweise weist das EVOH einen Ethylenanteil von 24 bis 48 Mol-%, bevorzugt von 30 bis 38 Mol-% auf. Vorteilhafterweise ist das Polyamid ein amorphes Polyamid, vorzugsweise ein PA61/6T. PA61/6T wird beispielsweise unter dem Markennamen Selar® von DuPont vertrieben. Es liegt im Rahmen der Erfindung, dass eine Unterseite der Barriereschicht mittels eines Klebers auf das Trägerteil aufkaschiert ist. Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform ist zwischen dem Trägerteil und der Dekorfolie ein Schaumkunststoff, empfohlenermaßen ein Polyurethan-Schaumkunststoff bzw. Schaumstoff angeordnet. Die Dekorfolie ist dann unter Zwischenschaltung des Schaumkunststoffs mit dem Trägerteil verbunden. Die Dekorschicht ist zweckmäßigerweise auf einer Oberseite der Barriereschicht angeordnet. Grundsätzlich ist es möglich, dass eine der Barriereschicht abgewandte Oberfläche der Dekorschicht lackiert ist. Gemäß einer Ausführungsform ist die Dekorschicht transparent ausgebildet ist.

[0005] Vorteilhafterweise weist das EVOH eine spezifische Dichte von 1,15 bis 1,19 g/cm3 und besonders bevorzugt von 1,17 g/cm3 auf. Es empfiehlt sich, dass der Schmelzflussindex (MFI) des EVOH 1,7 g/10 min beträgt (T = 190°, Testmethode nach ISO 1133). Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform weist die Barriereschicht eine Dicke von 2 bis 15 µm, vorteilhafterweise von 3 bis 10 µm und bevorzugt von 8 bis 10 µm auf. Durch die erfindungsgemäße Barriereschicht wird eine Diffusion von vergilbungsfördernden Substanzen aus dem Trägerteil bzw. aus einer Schaumschicht in die Dekorschicht zuverlässig unterdrückt. Infolgedessen wird eine optische Beeinträchtigung der Dekorschicht über einen langen Zeitraum hinweg ausgeschlossen.

[0006] Die Dekorschicht kann unmittelbar auf der Barriereschicht angeordnet sein. Das heißt, dass zwischen der Barriereschicht und der Dekorschicht keine weitere Schicht vorgesehen ist. Gemäß einer weiteren Ausführungsform der Erfindung ist zwischen der Barriereschicht und der Dekorschicht eine Zwischenschicht angeordnet. Vorteilhafterweise ist die Zwischenschicht eine Stützschicht und/oder Haftvermittlerschicht, wobei die Zwischenschicht vorzugsweise aus zumindest einem Kunststoff aus der Gruppe "Propylen, Ethylen-Propylen-Copolymer, säuremodifiziertes Ethylen-Vinylacetat (EVA), acrylatmodifiziertes EVA, aromatisches thermoplastisches Polyurethan" besteht. Als säuremodifiziertes EVA ist beispielsweise ein Maleinsäure modifiziertes Ethylen-Vinylacetat einsetzbar. Vorteilhafterweise ist die Säurefunktionalität und/oder Acrylatfunktionalität auf das Ethylen-Vinylacetat gepfropft. Das die Stützschicht bildende aromatische thermoplastische Polyurethan ist vorzugsweise ein Polyester-Polyurethan-Polymer.

[0007] Gemäß einer Ausführungsform weist die Dekorschicht eine Dicke von 40 bis 400 µm, vorzugsweise von 40 bis 150 µm und bevorzugt von 50 bis 100 µm auf. In einer besonders bevorzugten Ausführungsform weist die Dekorschicht eine Dicke von 50 bis 80 µm auf. Grundsätzlich ist es möglich, dass auf die Dekorschicht eine 5 bis 15 µm starke Lackschicht, insbesondere eine matte Lackschicht in vorzugsweise flexibler Ausführung aufgetragen ist. Es empfiehlt sich, dass als Lack ein Lacksystem auf Basis von Polyurethan auf die Dekorschicht aufgebracht ist. Es liegt im Rahmen der Erfindung, dass die Haftvermittlerschicht eine Dicke von 3 bis 10 µm und/oder die Stützschicht eine Dicke von 100 bis 350 µm aufweist.

[0008] Bewährtermaßen beträgt die Dicke der Dekorfolie 50 bis 400 µm und in einer möglichen Ausführungsform 100 bis 400 µm. Aufgrund der Dicke der Dekorfolie weist diese eine für einen weiten Einsatzbereich zufriedenstellende Festigkeit und Stabilität auf. Ebenso wird aufgrund der Dicke der Dekorfolie das Erscheinungsbild eines mit der Dekorfolie bedeckten Trägerteils hinsichtlich der Dicke bzw. Stärke für einen Betrachter nicht bzw. nur unmerklich verändert.

[0009] Empfohlenermaßen besteht die Dekorschicht im Wesentlichen aus zumindest einem Kunststoff aus der Gruppe "Polyurethan, Polyolefin". Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform ist das vorzugsweise thermoplastische Polyurethan ein aliphatisches, thermoplastisches Polyurethan, das empfohlenermaßen weichmacherfrei und vorzugsweise lichtecht ist. In einer besonders bevorzugten Ausführungsform ist das aliphatische, thermoplastische Polyurethan ein Polyester-Polyurethan-Elastomer. Es ist möglich, das das thermoplastische Polyurethan ein aliphatisches Polyether-Polyurethan oder ein Caprolacton-Polyurethan ist. In einer weiteren Ausführungsform ist das Polyolefin ein Propylen und/oder ein Ethylen-Propylen-Copolymer. Besonders bevorzugt weist das Polyolefin einen Schmelzbereich von 130° C bis 165° C auf (gemessen durch DSC). Es ist möglich, dass in eine für den Betrachter sichtbare Oberfläche der Dekorfolie bzw. in die Dekorschicht zumindest bereichsweise zumindest eine Prägung eingebracht ist. Gemäß einer Ausführungsform ist die Dekorfolie prägungsfrei ausgebildet.

[0010] Die erfindungsgemäße Dekorfolie neigt nicht zum Vergilben. Wesentlich dabei ist, dass durch die erfindungsgemäße Barriereschicht das Migrieren von die Verfärbung induzierenden Komponenten in die Dekorschicht unterbunden bzw. zumindest wesentlich reduziert wird. Darüber hinaus zeichnet sich die erfindungsgemäße Dekorfolie durch eine überraschend einfache Herstellbarkeit mittels Coextrusion aus, wobei das aus der Praxis bekannte, aufwendige Einbringen von Sperrfolien oder Barrierelacken nicht mehr erforderlich ist. Ebenso kommt die erfindungsgemäße Dekorfolie ohne zusätzliche, aliphatische Stabilisierungssysteme aus.

[0011] Nachfolgend wird die Erfindung anhand einer lediglich ein Ausführungsbeispiel darstellenden Zeichnung erläutert. Es zeigen schematisch:
Fig. 1
eine erfindungsgemäße Dekorfolie in einer ersten Ausführungsform,
Fig. 2
eine erfindungsgemäße Dekorfolie in einer zweiten Ausführungsform,
Fig. 3
eine erfindungsgemäße Dekorfolie in einer dritten Ausführungsform und
Fig. 4
eine erfindungsgemäße Dekorfolie auf einem Trägerteil.


[0012] In Fig. 1 ist eine vergilbungsarme Dekorfolie 1a zum Beschichten eines Trägerteils dargestellt, die aus einem Schichtenverbund mit einer Barriereschicht 2 und einer Dekorschicht 3 gebildet ist. In dem Ausführungsbeispiel gemäß Fig. 1 besteht die Barriereschicht 2 aus einem Ethylen-Vinylalkohol-Copolymer (EVOH) und als Dekorschicht 3 wird eine Schicht aus einem aliphatischen, thermoplastischen lichtechten Polyurethan (TPU) eingesetzt.

[0013] Fig. 2 betrifft eine Dekorfolie 1 b, bei der zwischen der Barriereschicht 2 und der Dekorschicht 3 eine Stützschicht 4 angeordnet ist, wobei die Stützschicht gemäß dem Ausführungsbeispiel nach Fig. 2 aus einem aromatischen, thermoplastischen Polyurethan gebildet ist. Die Dekorfolien 3 gemäß den Fig. 1 und 2 sind darüber hinaus eingefärbt.

[0014] In Fig. 3 ist eine Dekorfolie 1 c dargestellt, bei der auf der Barriereschicht 2 eine Polyolefinschicht 5 angeordnet ist, wobei die Polyolefinschicht 5 über eine Haftvermittlerschicht 6 an die Barriereschicht 2 angeschlossen ist. Weiterhin ist in Fig. 1c gezeigt, dass auf die Polyolefinschicht 5 eine Lackschicht 8 aufgetragen ist.

[0015] Ein Aggregat aus einem Trägerteil 7 mit einer aufgeklebten Dekorfolie 1a, 1 b, 1c ist in Fig. 4 dargestellt. Auf dem Trägerteil 7 ist eine Schicht aus einem Polyurethanschaum 9 angeordnet, mit der die Barriereschicht 2 der Dekorfolie 1a, 1 b, 1 c kaschiert ist. Die Barriereschicht 2 ist also zwischen dem Trägerteil 7 bzw. der Schicht aus dem Polyurethanschaum 9 und der Dekorschicht 3 angeordnet. In Fig. 4 ist darüber hinaus gezeigt, dass in eine für den Betrachter sichtbare Oberfläche der Dekorschicht 3 eine Prägung 10 eingebracht ist.


Ansprüche

1. Vergilbungsarme Dekorfolie zum Beschichten eines Trägerteils (7), insbesondere eines Bauteils eines Automobils oder eines Möbelstücks, mit einem zumindest aus einer Barriereschicht (2) und einer Dekorschicht (3) bestehenden Schichtenverbund, wobei der Schichtenverbund durch Coextrusion hergestellt ist, dadurch gekennzeichnet, dass die Barriereschicht (2) im Wesentlichen aus einem Ethylen-Vinylalkohol-Copolymer (EVOH) und/oder einem Polyamid und/oder einer Mischung aus einem EVOH und einem Polyamid besteht.
 
2. Vergilbungsarme Dekorfolie nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das EVOH einen Ethylenanteil von 24 bis 48 Mol-% aufweist.
 
3. Dekorfolie nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Polyamid ein amorphes Polyamid und vorzugsweise ein PA61/6T ist.
 
4. Dekorfolie nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Dekorschicht eingefärbt ist.
 
5. Vergilbungsarme Dekorfolie nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass die Barriereschicht (2) eine Dicke von 2 bis 15 µm aufweist.
 
6. Vergilbungsarme Dekorfolie nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Dekorschicht (3) unmittelbar auf der Barriereschicht (2) angeordnet ist.
 
7. Vergilbungsarme Dekorfolie nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass zwischen der Barriereschicht (2) und der Dekorschicht (3) eine Zwischenschicht angeordnet ist.
 
8. Vergilbungsarme Dekorfolie nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass die Zwischenschicht eine Stützschicht und/oder Haftvermittlerschicht ist, wobei die Zwischenschicht vorzugsweise aus zumindest einem Kunststoff aus der Gruppe "Polyolefin, säuremodifiziertes Ethylen-Vinylacetat-Copolymer (EVA), acrylatmodifiziertes EVA, aromatisches thermoplastisches Polyurethan" besteht.
 
9. Vergilbungsarme Dekorfolie nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass die Dekorschicht (3) eine Dicke von 40 bis 400 µm aufweist.
 
10. Vergilbungsarme Dekorfolie nach einem der Ansprüche 8 oder 9, dadurch gekennzeichnet, dass die Haftvermittlerschicht eine Dicke von 3 bis 10 µm und/oder die Stützschicht eine Dicke von 100 bis 350 µm aufweist.
 
11. Vergilbungsarme Dekorfolie nach einem der Ansprüche 1 bis 10, dadurch gekennzeichnet, dass die Dicke der Dekorfolie (3) 50 bis 400 µm beträgt.
 
12. Vergilbungsarme Dekorfolie nach einem der Ansprüche 1 bis 11, dadurch gekennzeichnet, dass die Dekorschicht im Wesentlichen aus zumindest einem Kunststoff aus der Gruppe "Polyurethan, Polyolefin" besteht.
 
13. Vergilbungsarme Dekorfolie nach einem der Ansprüche 1 bis 12, dadurch gekennzeichnet, dass die Dekorschicht aus einem thermoplastischen Polyurethan, vorzugsweise einem aliphatischen Polyester-Polyurethan oder einem aliphatischen Polyether-Polyurethan oder einem Carprolacton-Polyurethan besteht.
 




Zeichnung










Recherchenbericht









Recherchenbericht