[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung von geformten Textilien, insbesondere
von Miederwaren-Textilien, wie z.B. BH-Schalen (Büstenhalter-Schalen), unter Verwendung
eines Coregarns (d.h. eines Garns, das aus einem mit einem Garnmantel umsponnen Garnkern
besteht), bei dem eine chemische Ausrüstung der Textilien nicht erforderlich ist.
[0002] Aus Naturfaser-Textilien hergestellte BH-Schalen zeichnen sich durch einen sehr hohen
Tragekomfort aus. Sie haben allerdings den Nachteil, dass sie nicht dauerhaft verformbar
sind, d.h., sie können zwar prinzipiell verformt werden, sie verlieren jedoch bei
jedem Waschen wieder die zuvor aufgeprägte Form.
[0003] Um formstabile, aus Naturfasertextilien hergestellte BH-Schalen zu erhalten, werden
üblicherweise die BH-Schalen entweder speziell genäht oder mit einer chemischen Ausrüstung
behandelt (s.
DE 80 11 510 U1; chemische Ausrüstung mit Kunstharz). Durch beide Herstellungsverfahren wird jedoch
der Tragekomfort der entsprechenden BH-Schalen nachhaltig gemindert.
[0004] So verursachen regelmäßig die Nähte der speziell genähten BH-Schalen mechanische,
die für die Ausrüstung der BH-Schalen verwendeten chemischen Stoffe allergische Reizungen
der Haut.
[0005] Die Garnkerne der bislang bekannten Garne bestehen aus Polymeren, die erst bei Temperaturen
von 200 °C und höher verformt werden können. Bei dem Versuch, Garne mit entsprechenden
Garnkernen und mit Garnmänteln aus Naturfasern bei Temperaturen ab 200 °C thermisch
zu verformen, würden, aufgrund der hohen Temperaturen, die Naturfasern der Garnmäntel
geschädigt. Außerdem würden in größerem Maße umweltschädliche Substanzen freigesetzt,
wodurch eine vergleichsweise hohe Belastung für die Umwelt und für die am Herstellungsprozess
beteiligten Personen verursacht würde.
[0006] Des Weiteren sind aus dem Stand der Technik Lösungen bekannt, bei denen formstabile
BH-Schalen hergestellt werden, indem mehrere (hautangenehme) Textilschichten fest
miteinander verklebt werden (s.
CA 2 490 785 C,
CN 201234553 Y,
CN 2673137 Y). Die Herstellung der BH-Schalen ist jedoch relativ aufwendig.
[0007] In
US 4,909,771 A wird ein BH aus Baumwolle beschrieben, der weder Falze noch Abnäher aufweist, der
jedoch auch nicht fest ausgeformt ist. Beim Tragen passt sich der flexibel ausgeführte
BH an die Brust der Trägerin an, wobei die Brust gegen den Körper gedrückt und somit
gehalten wird. Der BH ist zwar, da er (ausschließlich) aus Baumwolle besteht, vergleichsweise
hautangenehm, seine Stützfunktion ist jedoch prinzipbedingt wesentlich geringer als
die von BH's, die über vorgeformte BH-Schalen verfügen.
[0008] DE 603 04 829 T2 zeigt ein umhülltes Garn, bei dem das Seelengarn (d.h. der Garnkern) ein Polyester-,
Polyvinylalkohol- oder Polyamidgarn ist. Als Umhüllung werden (unter vielen anderen)
natürliche Fasern vorgeschlagen, wobei als spezielles Beispiel Hanffasern genannt
werden. Das umhüllte Garn soll jedoch nicht besonders hautangenehm und unkompliziert
verformbar sein, sondern es soll ausgezeichnete mechanische (und feuerfeste) Eigenschaften
aufweisen sowie angenehme visuelle Empfindungen, Tast- und Geruchsempfindungen hervorrufen.
Über die Erweichungstemperatur des Garnkerns wird keine Aussage getroffen.
[0009] In
DE 697 26 191 T2 werden Garne und daraus hergestellte Gewebe beschrieben, bei denen hydrophobe Fasern
mit einem so großen Anteil an hydrophilen Fasern vermischt werden, dass die Gewebe
Schweiß von der Haut des Trägers einerseits schnell absorbieren und anderseits die
aufgenommene Feuchtigkeit rasch wieder abgeben zu können. Neben anderen Garnen wird
auch ein Coregarn vorgestellt, bei dem Stapelfasern, die aus einer Kombination von
hydrophilen und hydrophoben Fasern bestehen, um einen kontinuierlichen Kern, z.B.
aus Polypropylen, gewickelt sind.
[0010] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zu finden, mit dem unter
Verwendung eines Coregarns hautangenehme Textilien herstellbar sind, die, ohne dass
hierfür eine chemische Ausrüstung erforderlich ist, bei vergleichsweise niedrigen
Temperaturen so geformt werden können, dass sie auch bei oftmaligem Waschen formstabil
bleiben.
[0011] Die Aufgabe der Erfindung wird durch das Merkmal des Anspruchs 1 gelöst; weitere
vorteilhafte Ausführungen der Erfindung ergeben sich aus den Ansprüchen 2 bis 10.
[0012] In dem erfindungsgemäßen Verfahren wird ein Coregarn eingesetzt, das aus einem Garnkern
besteht, der mit einem Garnmantel, vorzugsweise in S-und Z-Richtung, umsponnen ist.
Der Garnkern besteht aus einem nichtelastischen (d.h. im Vergleich zu Elastomeren,
wie z.B. Gummi, sind nur relativ geringe elastische Verformungen möglich) thermoplastischen
Material (üblicherweise in Form von Fasern), das in einem Temperaturbereich von 85
°C bis 180 °C verformbar ist. Der Garnmantel besteht aus hautangenehmen Fasern.
[0013] Nach Maßgabe der Erfindung wird in einem ersten Schritt ein Textil aus dem Coregarn
hergestellt, ohne dass das Textil mit einer chemischen Ausrüstung versehen wird.
[0014] In einem zweiten Schritt wird das Textil bei 85 °C bis 180 °C derart verformt, dass
es auch dann seine Geometrie beibehält, wenn es sehr oft gewaschen wird.
[0015] Da die mit dem erfindungsgemäßen Coregarn hergestellten Textilien bei vergleichsweise
niedrigen Temperaturen von 85 °C bis 180 °C verformt werden können (formstabil), wird
eine temperaturbedingte Schädigung der Naturfasern des Garnmantels vermieden, wodurch
die verformten Textilien u. a. sehr lichtecht bleiben. Vorteilhaft ist auch, dass
bei der Verformung der Textilien im Vergleich zu den herkömmlichen Verfahren lediglich
eine geringe Menge gesundheitsschädlicher Stoffe gebildet wird, d.h., die Belastung
für die Umwelt und die in den Herstellungsprozess der Textilien eingebundenen Personen
ist relativ gering. Zudem ermöglicht der Einsatz des erfindungsgemäßen Coregarns eine
unkomplizierte und kostengünstige Herstellung von geformten Textilien.
[0016] Für den Garnkern werden bevorzugt Thermoplaste (d.h. thermoplastische Kunststoffe),
wie z.B. Polyamide, Polyester, Polyurethane, Polypropylene oder Polyethylene, eingesetzt.
[0017] Aus der Gruppe der Polyamide sind PA11, PA12 oder PA-Schmelzklebergarne besonders
(als Materialien für den Garnkern) geeignet.
[0018] Aus der Gruppe der Polyester eignen sich entsprechend PES-Schmelzklebergarne, wobei
jedoch keine PET, PBT, PEN- oder PC-Fasern eingesetzt werden sollen.
[0019] Schließlich können für den Garnkern auch Polyurethane verwendet werden, deren Schmelzpunkte
im Temperaturbereich von 85 °C bis 180 °C liegen.
[0020] Für den Garnmantel eignen sich insbesondere hochwertige Naturfasern, wie z.B. Baumwoll-,
Seide- oder feine Wollfasern. Es kann aber auch Viskose oder Modal eingesetzt werden.
1. Verfahren zur Herstellung von geformten Textilien unter Verwendung eines Coregarns,
bestehend aus einem von einem Garnmantel umsponnenen Garnkern aus einem nichtelastischen
thermoplastischen Material, das in einem Temperaturbereich von 85 °C bis 180 °C verformbar
ist, wobei der Garnmantel aus Fasern besteht, die von der menschlichen Haut als angenehm
empfunden werden, umfassend die Schritte
- Herstellung eines Textils aus dem Coregarn ohne chemische Ausrüstung,
- Verformung des Textils bei 85 °C bis 180 °C derart, dass die Textilien auch bei
oftmaligem Waschen formstabil bleiben.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass ein Garnkern aus Thermoplasten eingesetzt wird.
3. Verfahren nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass ein Garnkern aus Polyamid, Polyester, Polyurethan, Polypropylen oder Polyethylen
verwendet wird.
4. Verfahren nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass ein Garnkern aus PA11, aus PA12 oder aus PA-Schmelzklebergarnen, die aus der Gruppe
der Polyamide stammen, eingesetzt wird.
5. Verfahren nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass ein Garnkern aus PES-Schmelzklebergarnen aus der Gruppe der Polyester verwendet wird.
6. Verfahren nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass ein Garnkern aus einem Polyurethan, dessen Schmelzpunkt im Temperaturbereich von
85 °C bis 180 °C liegt, eingesetzt wird.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass ein Garnmantel aus einer hochwertigen Naturfaser verwendet wird.
8. Verfahren nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass ein Garnmantel aus Baumwoll-, aus Seide- oder aus feinen Wollfasern eingesetzt wird.
9. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, ein der Garnmantel aus Viskose oder Modal verwendet wird.
10. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 9, dadurch gekennzeichnet, dass ein Garnkern, der vom Garnmantel in der S-und Z-Richtung umsponnen ist, eingesetzt
wird.
11. Miederwaren-Textilien, hergestellt mit dem Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche
1 bis 10.
12. Büstenhalterschalen, hergestellt mit dem Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche
1 bis 10.