[0001] Die Erfindung betrifft ein Überwachungssystem zur Überwachung von Schiffen eines
Schiffsverkehrs, die AIS-Schiffssendeeinheiten und/oder AIS-Schiffsempfangseinheiten
zum Senden und/oder Empfangen von AIS-Funksignalen, die Schiffsverkehrsdaten des Schiffsverkehrs
enthalten, aufweisen. Die Erfindung betrifft ebenfalls ein Verfahren zur Herstellung
eines solchen Überwachungssystems sowie ein Verfahren zum Überwachen des Schiffsverkehrs
hierzu.
[0002] Die Überwachung des weltweit zunehmenden Schiffsverkehrs basiert heute überwiegend
auf Radarüberwachungen, Sprechfunk sowie die Nutzung von AIS (Automatic Identification
System). Seit dem Jahr 2000 ist das AIS von der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation
(IMO) als verbindlicher Standard festgelegt worden, um die Sicherheit des internationalen
Schiffsverkehrs zu erhöhen. Dieses lokal begrenzte Funksystem dient dabei zum Austausch
von Navigations- und anderen Schiffsdaten, die es den Schiffen ermöglichen sollen,
einen umfassenden Überblick über den benachbarten Schiffsverkehr zu erhalten. Primäres
Ziel ist dabei, Kollisionen zwischen Schiffen zu vermeiden.
[0003] Das AIS sendet abwechselnd auf zwei Kanälen im UKW-Seefunkbereich, nämlich zum einen
auf 168,975 MHz und zum anderen auf 162,025 MHz. Die Aussendung der einzelnen AIS-Schiffsdaten
erfolgt dabei in festen Zeitrahmen, deren Belegung selbstständig durch die betreffenden
Teilnehmer abgestimmt wird (sogenanntes SOTDMA: Self-Organising Time Division Multiple
Access). Somit stehen pro Minute lediglich 2.250 Zeitschlitze zur Übertragung von
Daten den einzelnen Teilnehmern zur Verfügung.
[0004] Aufgrund des verwendeten UKW-Frequenzbandes entspricht die Funkreichweite von AIS
von Schiff zu Schiff ca. 40 bis 60 km, was ein wenig mehr als die normale Sichtweite
auf hoher See entspricht. Küstenstationen können durch ihre höhere Position einen
Umkreis von bis zu 100 km abdecken. Aufgrund der beschränkten Reichweite sowie des
verwendeten SOTDMA-Übertragungsprotokolls bilden Schiffe, die sich gegenseitig sehen
und empfangen können, eine AIS-Funkzelle, innerhalb derer die Teilnehmer kollisionsfrei
senden und empfangen können.
[0005] Damit stellt das AIS lediglich ein lokales Funksystem dar, das zwar für ein auf hoher
See befindliches Schiff ausreichend Daten zur Verfügung stellt, jedoch für die weltweite
Erhebung des zunehmenden Schiffsverkehrs nicht geeignet ist. Für Reedereien, Schifffahrtsorganisationen
oder Umweltministerien wäre jedoch eine zeitnahe Erhebung der weltweit anfallenden
AIS-Schiffsverkehrsdaten von großem Interesse, um insbesondere auch illegalen Machenschaften
auf hoher See entgegenzuwirken.
[0006] In jüngster Vergangenheit wurden Versuche unternommen, AIS-Empfangsantennen auf Satelliten
anzuordnen, um so die weltweit ausgesendeten AIS-Funksignale, die von den Schiffen
regelmäßig ausgesendet werden, empfangen zu können. Dies würde zwar eine weltweite
Erhebung der mit Hilfe des AIS ausgesendeten Schiffsverkehrsdaten ermöglichen, hat
jedoch in der Praxis erhebliche Schwierigkeiten und Nachteile, da das AIS nicht für
einen Satellitenempfang entwickelt worden ist.
[0007] Aufgrund der extrem hohen Flughöhe eines Satellit wird ein Empfangsbereich mit einem
Durchmesser von ca. 5.000 km erzeugt. Da sich das AIS als lokales Funksystem selbstständig
in einzelne Funkzellen organisiert, die alle auf dem gleichen Frequenzbändern senden,
kommt es bei einem derart großen Empfangsradius zum Empfang einer Vielzahl von Funkzellen
mit identischen Sendefrequenzen. Die AIS-Funksignale der verschiedenen AIS-Funkzellen
überlagern sich somit beim Empfänger, was eine normale Datenverarbeitung nicht mehr
ermöglicht. Vielmehr muss das empfangene Funksignal aufwendig und rechenintensiv aufbereitet
werden, um die einzelnen AIS-Funksignale aus den überlagerten AIS-Funksignalen ermitteln
zu können. Bei einem derart großem Empfangsbereich ist dies jedoch auf dem Satelliten
allein nicht mehr möglich, so dass die Signalprozessierung auf der Erdoberfläche in
großen Rechenzentren durchgeführt werden muss.
[0008] Des Weiteren werden die AIS-Funksignale beim Empfang auf dem Satelliten durch die
Atmosphäre stark gestört, was im erheblichen Maße die Signalqualität beeinträchtigt
und somit die Anzahl der empfangbaren und auswertbaren AIS-Funksignale reduziert.
[0009] Diese durch das System Satellit bedingten Nachteile führen schließlich dazu, dass
nur noch ein Bruchteil der weltweit ausgesendeten AIS-Funksignale mit Hilfe von am
Satelliten angeordneten AIS-Empfangsantennen empfangbar und auswertbar sind, so dass
auch hierdurch eine weltweite Abdeckung nur bedingt möglich ist. Darüber hinaus ist
der Einsatz von Satelliten sowie die damit zusammenhängende aufwendige Signalprozessierung
sehr kostenintensiv, so dass allein aus ökonomischen Gründen der Einsatz von Satelliten
für den Empfang von AIS-Funksignalen fraglich erscheint.
[0010] Es ist daher Aufgabe der vorliegenden Erfindung ein Überwachungssystem anzugeben,
mit dem zumindest die meisten weltweit ausgesendeten AIS-Funksignale empfangbar und
zeitnah auswertbar sind.
[0011] Diese Aufgabe wird mit dem Überwachungssystem der eingangs genannten Art erfindungsgemäß
dadurch gelöst, dass eine Mehrzahl von AIS-Sendeeinheiten und/oder AIS-Empfangseinheiten
vorgesehen sind, die auf Verkehrsflugzeugen derart angeordnet sind, dass
- zumindest ein Teil der von den AIS-Schiffssendeeinheiten des Schiffsverkehrs ausgesendeten
AIS-Funksignale von mindestens einer der auf einem Verkehrsflugzeug angeordneten AIS-Empfangseinheiten
empfangbar sind und/oder
- die von mindestens einer der auf einem Verkehrsflugzeug angeordneten AIS-Sendeeinheiten
ausgesendeten AIS-Funksignale von zumindest einem Teil der AIS-Schiffsempfangseinheiten
des Schiffsverkehrs empfangbar sind,
wenn die Verkehrsflugzeuge in Richtung ihrer Bestimmungsorte im Luftverkehrsraum fliegen.
[0012] Demgemäß wird vorgeschlagen, dass herkömmliche Verkehrsflugzeuge mit entsprechenden
AIS-Sendeeinheiten und/oder AIS-Empfangseinheiten ausgerüstet werden, die dann auf
ihrem Flug zu ihren jeweiligen Bestimmungsorten die von den Schiffen ausgesendeten
AIS-Funksignale empfangen können bzw. auch entsprechende AIS-Funksignale mit Hilfe
der Sendeeinheiten aussenden können. Da herkömmliche Verkehrsflugzeuge in der Regel
eine wesentlich geringere Flughöhe aufweisen als Kommunikationssatelliten, ist der
mögliche Empfangsbereich wesentlich kleiner und beträgt etwa bis zu 350 km. Dies führt
schließlich dazu, dass weniger AIS-Funkzellen gleichzeitig empfangbar sind, was die
Überlagerung der einzelnen AIS-Funksignale verringert und somit den Aufwand der Signalprozessierung
nach Empfang der Funksignale verringert. Darüber hinaus wird die Empfangsqualität
auf Grund der geringeren Flughöhe der Verkehrsflugzeuge erhöht. Somit kann die Empfangsrate
aufgrund des kleineren Empfangsbereiches erhöht werden. Auf der anderen Seite werden
aber noch eine hinreichende Mehrzahl von AIS-Funkzellen von einer einzigen AIS-Flugempfangseinheit
bzw. AIS-Flugsendeeinheit abgedeckt, da die Verkehrsflugzeuge in der Regel eine Reiseflughöhe
von mehreren 1000 Metern aufweisen (meist zwischen 8 und 12 km). Die Anzahl der dabei
empfangbaren AIS-Funkzellen reicht dabei aus, um ein entsprechendes Lagebild ableiten
zu können.
[0013] Dabei haben die Erfinder erkannt, dass bei einer ausreichenden Anzahl von ausgerüsteten
Verkehrsflugzeugen eine nahezu lückenlose Überwachung der stark frequentierten internationalen
Schifffahrtsrouten möglich ist, da zum einen die meisten Schifffahrtsrouten von den
Flugrouten der Verkehrsflugzeuge abgedeckt werden und zum anderen aufgrund des hohen
Flugaufkommens immer eine gewisse Anzahl von Verkehrsflugzeugen in der Luft ist, die
den Empfang der AIS-Funksignale sicherstellen.
[0014] Darüber hinaus ist die Ausrüstung von Verkehrsflugzeugen gegenüber dem Aufbau eines
Satellitensystems wesentlich kostengünstiger, da auf bekannte Technik zurückgegriffen
werden kann und das Nachrüsten kostengünstig am Boden stattfinden kann.
[0015] Vorteilhafterweise werden zusätzlich zu den AIS-Sende- und/oder Empfangseinheiten
auf den jeweiligen Verkehrsflugzeugen AIS-Signalverarbeitungseinheiten angeordnet,
die zum Ermitteln von AIS-Funksignalen aus überlagerten AIS-Funksignalen verschiedener
AIS-Schiffssendezellen eingerichtet sind. Denn aufgrund der geringeren Flughöhe des
Flugzeuges gegenüber dem Satelliten werden auch weniger SOTDMA-Zellen empfangen, was
eine geringere Überlagerung der AIS-Funksignale aus den einzelnen Zellen zur Folge
hat. Aufgrund dessen ist die Signalaufbereitung bzw. Signalprozessierung wesentlich
einfacher, so dass diese bereits an Bord der Verkehrsflugzeuge durchführbar wäre.
Mit Hilfe einer AIS-Signalverarbeitungseinheit ist es somit möglich, bereits während
des Fluges des Verkehrsflugzeuges die einzelnen AIS-Funksignale aus den überlagerten
AIS-Funksignalen der verschiedenen Zellen zu berechnen und somit der Weiteren Verwendung
zugrunde zu legen.
[0016] Des Weiteren ist es ganz besonders vorteilhaft, wenn auf den Verkehrsflugzeugen eine
AIS-Datenverarbeitungseinheit vorgesehen ist, die zum extrahieren der in den AIS-Funksignalen
enthaltenen Schiffsverkehrsdaten eingerichtet ist. Damit können bereits während des
Fluges des Verkehrsflugzeuges die empfangenen Schiffsverkehrsdaten aus den AIS-Funksignalen
ermittelt werden, so dass diese der weiteren Verwendung zugrunde gelegt werden können.
Beispielsweise können die Schiffsverkehrsdaten nun weitergeleitet werden an eine Bodenstation,
als AIS-Funksignale zurück an die Schiffe gesendet werden oder unter Verwendung anderer
Kommunikations- und Funksystem an die Schiffe übertragen werden.
[0017] Vorteilhafterweise sind auf den Verkehrsflugzeugen jeweils ein AIS-Datenspeicher
zum Hinterlegen von empfangenen Schiffsverkehrsdaten vorgesehen, um so beispielsweise
bei fehlendem Kontakt zu einer Bodenstation die empfangenen Schiffsverkehrsdaten zu
sammeln. Der AIS-Datenspeicher kann dabei entweder die AIS-Funksignale im Rohformat
abspeichern oder die bereits aus den AIS-Funksignalen extrahierten Schiffsverkehrsdaten
als Datensätze abspeichern. Auch von anderen Flugzeugen weitergeleitete Schiffsverkehrsdaten
können in diesem Datenspeicher zur weiteren Verwendung abgelegt werden.
[0018] Vorteilhafterweise sind die AIS-Empfangseinheiten derart ausgebildet, dass sie beim
Empfang von Schiffsverkehrsdaten einen Zeitstempel generieren, der dann zusammen mit
den Schiffsverkehrsdaten in dem AIS-Datenspeicher abgelegt wird. Somit kann bei einer
späteren Verwendung der Schiffsverkehrsdaten der zeitliche Aspekt, insbesondere das
Alter der entsprechenden Daten, mit berücksichtigt werden.
[0019] Ganz besonders vorteilhaft ist es, wenn die Verkehrsflugzeuge eine Kommunikationseinheit
aufweisen, die zum Übertragen von empfangenen und/oder hinterlegten Schiffsverkehrsdaten
an einer Empfangsstation direkt oder unter Verwendung von Zwischenstationen eingerichtet
ist. Eine solche Kommunikationseinheit kann dabei von den AIS-Sende- und/oder Empfangseinheiten
verschieden sein, um so beispielsweise empfangene Schiffsverkehrsdaten an andere Schiffe,
Flugzeuge, Satelliten oder Bodenstationen direkt oder unter Verwendung von Zwischenstationen
weiterzuleiten. Hierfür kann vorteilhafterweise auf bereits bestehende Kommunikationsmittel
zurückgegriffen werden. So können Schiffsverkehrsdaten, die mittels der AIS-Empfangseinheit
auf den Verkehrsflugzeugen empfangene wurden, auch mittels dieser bereits bestehenden
Kommunikationsmittel an die Schiffe übertragen werden, so dass es nicht zwingend eine
AIS-Sendeeinheit auf den Verkehrsflugzeugen bedarf.
[0020] Die von dem AIS verschiedenen Kommunikationseinheiten sind selbstverständlich auch
zum Empfang von Schiffsverkehrsdaten von einer Sendestation eingerichtet, um beispielsweise
Schiffsverkehrsdaten von anderen Flugzeugen, von Satelliten oder von Bodenstationen
empfangen zu können. Diese Schiffsverkehrsdaten, die ein Verkehrsflugzeug über die
Kommunikationseinheit empfängt, können dann beispielsweise mit Hilfe der AIS-Sendeeinheiten
an die Schiffe des Schiffsverkehrs im Sendebereich der AIS-Sendeeinheit des Verkehrsflugzeuges
ausgesendet werden, was das Situations- und Lagebewusstsein der einzelnen Schiffe
innerhalb des Empfangsbereiches über den eigenen Empfangs- und Sendehorizont erhöht.
[0021] Es ist aber auch denkbar, das die bereits auf den Verkehrsflugzeugen angeordneten
AIS-Sendeeinheiten bzw. AIS-Empfangseinheiten oder zusätzliche AIS Sender und Empfänger
als Kommunikationsmittel zur Kommunikation mit anderen Stationen wie Verkehrsflugzeuge
oder Satelliten verwendet werden. So können bspw. die bereits mit AIS ausgerüsteten
Satelliten als Zwischenstationen genutzt werden, um Informationen über AIS zwischen
den Verkehrsflugzeugen und den Satelliten auszutauschen.
[0022] Durch die hohe Anzahl der zivilen Luftbewegungen und der Tatsache, dass die meisten
befahrenen bzw. beflogenen Schiff- und Luftfahrtrouten sich im wesentlichen decken,
kann eine Echtzeit-AIS-Signalüberwachung durchgeführt werden, so dass beispielsweise
mit Hilfe einer Bodenstation, die die entsprechenden Daten empfängt, ein weltweites
Lagebewusstsein des Schiffsverkehrs ermittelbar ist. Im Gegensatz dazu bieten die
derzeitigen AIS-Satelliten-Systeme nur einen mehrmaligen Tageskontakt, wobei aufgrund
der überlagernden Signalproblematik die Anzahl der tatsächlich empfangbaren Schiffsverkehrsdaten
stark reduziert ist.
[0023] Durch die Verwendung von Verkehrsflugzeugen als Sende- und/oder Empfangsstationen
für das Senden und/oder Empfangen von AIS-Funksignalen wird mittels der Verkehrsflugzeuge
ein weltweit überspannendes AIS-Überwachungsnetz bzw. Überwachungssystem gebildet,
das eine zeitnahe, weltweite Erhebung von AIS-Schiffsverkehrsdaten ermöglicht. Durch
die Interkommunikation zwischen den Verkehrsflugzeugen und dem Austausch der empfangenen
Schiffsverkehrsdaten ist somit ein umfassendes Lagebewusstsein möglich.
[0024] Die Aufgabe wird im Übrigen auch mit einem Verfahren zur Herstellung eines Überwachungssystems
der vorstehenden gelöst durch Anordnen von AIS-Empfangseinheiten und/oder AIS-Sendeeinheiten
an Verkehrsflugzeugen.
[0025] Darüber hinaus wird die Aufgabe auch mit einem Verfahren zur Überwachung von Schiffen
eines Schiffsverkehrs, die Schiffsverkehrsdaten enthaltenen AIS-Funksignale mittels
auf den Schiffen angeordneten AIS-Schiffssendeeinheiten und/oder AIS-Schiffsempfangseinheiten
senden und/oder empfangen können, erfindungsgemäß gelöst durch
- Empfangen von Schiffsverkehrsdaten enthaltenen AIS-Funksignalen, die von zumindest
einem Teil der AIS-Schiffssendeeinheiten des Schiffsverkehrs ausgesendet wurden, mittels
zumindest einer auf mindestens einem Verkehrsflugzeug angeordneten AIS-Empfangseinheit
und/oder
- Aussenden von Schiffsverkehrsdaten enthaltenen AIS-Funksignalen, die von zumindest
einem Teil der AIS-Schiffsempfangseinheiten des Schiffsverkehrs empfangbar sind, mittels
zumindest einer auf mindestens einem Verkehrsflugzeug angeordneten AIS-Sendeeinheit,
wenn das mindestens eine Verkehrsflugzeug in Richtung seines Bestimmungsortes im Luftverkehr
fliegt.
[0026] Vorteilhafte Ausgestaltungen des Verfahrens finden sich in den entsprechenden Unteransprüchen.
[0027] Die Erfindung wird anhand der beigefügten Figuren beispielhaft näher erläutert. Es
zeigen:
Figur 1 - Blockdiagramm der AIS-Flugzeugeinheit;
Figur 2 - Darstellung der Funktionsweise des Überwachungssystems;
Figur 3 - Darstellung der Funktionsweise des Überwachungssystems bei mehreren gleichzeitig
empfangbaren Funkzellen.
[0028] Figur 1 zeigt eine AIS-Flugzeugeinheit 1, so wie sie zur Anordnung auf einem Verkehrsflugzeug
zur Bildung des Überwachungssystems eingesetzt werden kann. Die AIS-Flugzeugeinheit
1 weist eine AIS-Sendeeinheit 2 und eine AIS-Empfangseinheit 3 auf. Die AIS-Sendeeinheit
2 sowie die AIS-Empfangseinheit 3 sind dabei derart eingerichtet, dass sie AIS-Funksignale
senden und empfangen können.
[0029] Die AIS-Flugzeugeinheit 1 weist des weiteren eine Signalverarbeitungseinheit 4 auf,
die mit der AIS-Empfangseinheit 3 verbunden ist. Die AIS-Signalverarbeitungseinheit
4 ist dabei zum Verarbeiten der überlagerten und von der AIS-Empfangseinheit 3 empfangenen
AIS-Funksignale derart eingerichtet, um die überlagerten Funksignale verschiedener
AIS-Funkzellen auseinander zu rechnen. Somit lassen sich auch beim Empfang mehrerer
Funkzellen, die auf ein und demselben Frequenzband senden, die überlagerten Funksignale
einzeln ermitteln, wodurch die Empfangsrate wesentlich erhöht wird.
[0030] Die AIS-Signalverarbeitungseinheit 4 ist des Weiteren mit einer AIS-Datenverarbeitungseinheit
5 kontaktiert, die als Eingabe die von der AIS-Signalverarbeitungseinheit 4 aufbereiteten
AIS-Funksignale empfängt. Die AIS-Datenverarbeitungseinheit 5 der AIS-Flugzeugeinheit
1 extrahiert nun die Schiffsverkehrsdaten, die in den empfangenen AIS-Funksignalen
von den Schiffen ausgesendet wurde. Dies empfangenen Schiffsverkehrsdaten können nun
wieder über die AIS-Sendeeinheit 2 an die im Sende- und Empfangsbereich der AIS-Flugzeugeinheit
1 befindlichen Schiffe ausgesendet werden, um so das Lagebewusstsein der Schiffe zu
erhöhen, da ein wesentlich größerer Sende- und Empfangsbereich für die Schiffe eingerichtet
wird. Die extrahierten Schiffsverkehrsdaten können allerdings auch in einem AIS-Datenspeicher
6 eingespeist werden, vorteilhafterweise zusammen mit einem Empfangs-Zeitstempel,
um sie für die spätere Verwendung vorzuhalten.
[0031] Schließlich weist die AIS-Flugzeugeinheit 1 noch eine Kommunikationseinheit 7 auf,
die von dem AIS-Funksystem verschieden ist, um so die empfangenen oder hinterlegten
Schiffsverkehrsdaten an andere Flugzeuge oder Bodenstationen direkt oder unter Verwendung
von Zwischenstationen wie Satelliten oder andere Flugobjekte weiterzuleiten. Über
diese Kommunikationseinheit 7 können darüber hinaus auch Schiffsverkehrsdaten anderer
Flugzeuge aus anderen Sende- und Empfangsbereichen empfangen werden, so dass sich
ein gemeinsamer Sende- und/oder Empfangsbereich, der sich aus den einzelnen Sende-
und Empfangsbereichen der jeweiligen AIS-Sendeeinheiten und/oder AIS-Empfangseinheiten
besteht, gebildet wird.
[0032] Kommt beispielsweise das Verkehrsflugzeug in den Empfangsbereich einer Bodenstation,
so ist es beispielsweise durchaus vorteilhaft, wenn die in dem Datenspeicher 6 hinterlegten
Schiffsverkehrsdaten nunmehr über die Kommunikationseinheit 7 an die Bodenstation
übertragen werden, so dass sich über die Zeit ein vollständiges Lagebild des weltweiten
Schiffsverkehrs aufbauen lässt.
[0033] Figur 2 zeigt die Funktionsweise des erfindungsgemäßen Überwachungssystems. Verkehrsflugzeuge
21 und 22 sind jeweils mit einer AIS-Flugzeugeinheit 1 ausgestattet, so wie in Figur
1 dargestellt. Jedes dieser Verkehrsflugzeuge 21 und 22 bildet mit Hilfe dieser AIS-Flugzeugeinheit
1 einen Sende- und/oder Empfangsbereich 21 a, 22a ,innerhalb dessen jeweils AIS-Funksignale
von Schiffen 23a, 23b, 24a, 24b empfangen und entsprechende Signale an diese ausgesendet
werden können.
[0034] Es ist somit eine Mehrzahl von AIS-Sendeeinheiten und/oder AIS-Empfangseinheiten
vorgesehen, die auf einer Vielzahl von Verkehrsflugzeugen zur Bildung eines gemeinsamen
Sende- und/oder Empfangsbereiches, der aus einzelnen Sende- und/oder Empfangsbereichen
der jeweiligen AIS-Sendeeinheiten und/oder AIS-Empfangseinheiten besteht, angeordnet
sind. Die einzelnen Sende- und/oder Empfangsbereiche 21 a und 22a der jeweiligen Verkehrsflugzeuge
21 und 22 bilden somit einen gemeinsamen Sende- und/oder Empfangsbereich zum Senden
und Empfangen von AIS-Funksignalen, wenn die Verkehrsflugzeuge auf ihren vorbestimmten
Trajektorien im Luftverkehrsraum in Richtung ihrer Bestimmungsorte fliegen.
[0035] Die von den Verkehrsflugzeugen 21 und 22 ermittelten Schiffsverkehrsdaten können
über eine erste Kommunikationsverbindung 25 untereinander ausgetauscht werden, so
dass beispielsweise das Verkehrsflugzeug 22 Schiffsverkehrsdaten der Schiffe 23a,
23b des Sende- und/oder Empfangsbereiches 21 a erhält. Das Verkehrsflugzeug 22 kann
diese Schiffsverkehrsdaten dann den Schiffen 24a, 24b des durch das Verkehrsflugzeug
22 gebildeten Sende- und/oder Empfangsbereiches 22a über die AIS-Funksignale zur Verfügung
stellen, so dass die Schiffe 24a und 24b Informationen über die Schiffe 23a und 23b
erhalten, obwohl diese in einer anderen Funkzelle und außerhalb der Funkreichweite
des AIS befinden.
[0036] Die Kommunikationsverbindung 25 ist dabei eine direkte Kommunikationsverbindung zwischen
den beiden Verkehrsflugzeugen 21 und 22. Denkbar ist aber auch eine Kommunikationsverbindung
26, die über eine Satellitenverbindung erfolgt.
[0037] In der Nähe einer Bodenstation 27 ist es des Weiteren denkbar, dass das Verkehrsflugzeug
21 die von jedem empfangen Schiffsverkehrsdaten, sei es nun direkt über die AIS-Funksignale
oder indirekt über andere Verkehrsflugzeuge 22, an diese Bodenstation 27 überträgt,
damit dort ein weltweites Lagebild der Schiffe und des Schiffsverkehrs aufgebaut werden
kann. Dies erfolgt beispielhaft über die Kommunikationsverbindung 28. Denkbar ist
aber auch hier, dass für die Kommunikation mit der Bodenstation 27 eine Satellitenkommunikation
26 genutzt wird, damit auch außerhalb der Reichweite der Bodenstation 27 entsprechende
Daten an diese übertragen werden können.
[0038] Figur 3 zeigt schließlich die Funktionsweise des erfindungsgemäßen Überwachungssystems
bei einem Verkehrsflugzeug 31, das zumindest zwei AIS-Funkzellen 32 und 33 empfangen
kann. Die Teilnehmer der ersten Funkzelle 32 sind zwei Schiffe 32a und 32b, während
die Teilnehmer der zweiten Funkzelle zwei Schiffe 33a und 33b sind. Die Teilnehmer
der Funkzellen 32 und 33 können sich untereinander nicht sehen und ihre entsprechenden
ausgesendeten AIS-Funksignale weder empfangen noch detektieren.
[0039] Aufgrund der hohen Flughöhe des Verkehrsflugzeuges 31 kann das Verkehrsflugzeug 31
mehr als eine Funkzelle empfangen, wie beispielsweise in Figur 3 durch den Empfang
der beiden Funkzellen 32 und 33 dargestellt. Da aber die Teilnehmer der jeweiligen
Funkzellen auf demselben Frequenzband senden, entstehen beim Empfang durch das Flugzeug
31 entsprechende Signalüberlagerungen, da die Teilnehmer der jeweiligen Funkzelle
32 und 33 auf denselben Frequenzbändern senden. Daher muss das von dem Verkehrsflugzeug
31 empfangene Funksignal zunächst signaltechnisch aufbereitet werden, um die einzelnen
von den einzelnen Teilnehmern der Funkzellen 32 und 33 ausgesendeten AIS-Funksignale
einzeln ermitteln zu können.
[0040] Ist dies geschehen, so können die Schiffsverkehrsdaten der Teilnehmer 32a, 32b, 33a
und 33b aus den AIS-Funksignalen extrahiert werden und stehen somit der weiteren Verwendung
zur Verfügung. So kann beispielsweise das Verkehrsflugzeug 31 nunmehr von sich aus
AIS-Funksignale in den Sende- und/oder Empfangsbereich 34 aussenden, so dass die Teilnehmer
der ersten Funkzelle 32 Schiffsverkehrsdaten der Teilnehmer der zweiten Funkzelle
33 erhalten können, obwohl sie diese unter normalen Umständen nicht empfangen könnten.
Gleiches gilt auch für die Teilnehmer der zweiten Funkzelle 33, die Schiffsverkehrsdaten
der Teilnehmer der Funkzelle 32 von dem Verkehrsflugzeug 31 erhalten.
[0041] Denkbar ist es selbstverständlich auch, dass die Schiffsverkehrsdaten, die an die
Schiffe ausgesendet werden sollen, auch über alternative Kommunikationsverbindungen
übertragen werden, so dass bspw. die AIS-Flugsendeinheit auf dem Satelliten eingespart
werden kann.
[0042] Dadurch kann für jedes einzelne Schiff das Situations- und Lagebewusstsein erhöht
werden, da nun wesentlich mehr Daten und Informationen zur Verfügung stehen, als unter
normalen Umständen möglich, da normalerweise nur ein Austausch von Daten untereinander
im Sichtbereich angenommen wird.
1. Überwachungssystem zur Überwachung von Schiffen eines Schiffsverkehrs, die AIS-Schiffssendeeinheiten
und/oder AIS-Schiffsempfangseinheiten zum Senden und/oder Empfangen von AIS-Funksignalen,
die Schiffsverkehrsdaten des Schiffsverkehrs enthalten, aufweisen,
dadurch gekennzeichnet, dass eine Mehrzahl von AIS-Sendeeinheiten (2) und/oder AIS-Empfangseinheiten (3) vorgesehen
sind, die auf Verkehrsflugzeugen (21, 22, 31) derart angeordnet sind, dass
- zumindest ein Teil der von den AIS-Schiffssendeeinheiten des Schiffsverkehrs ausgesendeten
AIS-Funksignale von mindestens einer der auf einem Verkehrsflugzeug (21, 22, 31) angeordneten
AIS-Empfangseinheiten (3) empfangbar sind und/oder
- die von mindestens einer der auf einem Verkehrsflugzeug (21, 22, 31) angeordneten
AIS-Sendeeinheiten (2) ausgesendeten AIS-Funksignale von zumindest einem Teil der
AIS-Schiffsempfangseinheiten des Schiffsverkehrs empfangbar sind,
wenn die Verkehrsflugzeuge (21, 22, 31) in Richtung ihrer Bestimmungsorte im Luftverkehrsraum
fliegen.
2. Überwachungssystem nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass bei mindestens einem Verkehrsflugzeug (21, 22, 31) eine AIS-Signalverarbeitungseinheit
(4) vorgesehen ist, die zum Ermitteln von AIS-Funksignalen aus überlagerten AIS-Funksignalen
verschiedener AIS-Funkzellen (32, 33), die von der auf dem Verkehrsflugzeug angeordneten
AIS-Empfangseinheit (3) empfangen wurden, eingerichtet ist.
3. Überwachungssystem nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass bei mindestens einem Verkehrsflugzeug eine AIS-Datenverarbeitungseinheit (5) vorgesehen
ist, die zum Extrahieren der in den AIS-Funksignalen, die von der auf dem Verkehrsflugzeug
angeordneten AIS-Empfangseinheit empfangen wurden, enthaltenen Schiffsverkehrsdaten
eingerichtet ist.
4. Überwachungssystem nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass bei mindestens einem Verkehrsflugzeug ein AIS-Datenspeicher (6) zum Hinterlegen von
empfangenen Schiffsverkehrsdaten vorgesehen ist.
5. Überwachungssystem nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass die auf dem Verkehrsflugzeug angeordnete AIS-Empfangseinheit zum Generieren eines
Zeitstempels beim Empfangen der Schiffsverkehrsdaten und der AIS-Datenspeicher weiter
zum Hinterlegen des generierten Zeitstempels in Verbindung mit den entsprechenden
Schiffsverkehrsdaten eingerichtet sind.
6. Überwachungssystem nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass bei mindestens einem Verkehrsflugzeug eine Kommunikationseinheit (7) vorgesehen ist,
die zum Übertragen von Schiffsverkehrsdaten an eine Empfangsstation direkt oder unter
Verwendung von Zwischenstationen und/oder die zum Empfangen von Schiffsverkehrsdaten
von einer Sendestation eingerichtet ist.
7. Überwachungssystem nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass die Zwischen-, Sende- und/oder Empfangsstationen eine Bodenkontrollstation (27) zur
Überwachung des Schiffsverkehrs, anderen im Luftraum befindliche und eine Kommunikationseinheit
aufweisende Verkehrsflugzeuge und/oder Satelliten sind.
8. Überwachungssystem nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die AIS-Sendeeinheit in den Verkehrsflugzeugen zum Aussenden von AIS-Funksignalen,
die zumindest die in dem jeweiligen Verkehrsflugzeug empfangenen und/oder hinterlegten
Schiffsverkehrsdaten enthalten, ausgebildet sind.
9. Verfahren zur Herstellung eines Überwachungssystems nach einem der Ansprüche 1 bis
8, gekennzeichnet durch Anordnen von AIS-Empfangseinheiten und/oder AIS-Sendeeinheiten an Verkehrsflugzeugen.
10. Verfahren zur Überwachung von Schiffen eines Schiffsverkehrs, die Schiffsverkehrsdaten
enthaltenen AIS-Funksignale mittels auf den Schiffen angeordneten AIS-Schiffssendeeinheiten
und/oder AIS-Schiffsempfangseinheiten senden und/oder empfangen können,
gekennzeichnet durch
- Empfangen von Schiffsverkehrsdaten enthaltenen AIS-Funksignalen, die von zumindest
einem Teil der AIS-Schiffssendeeinheiten des Schiffsverkehrs ausgesendet wurden, mittels
zumindest einer auf mindestens einem Verkehrsflugzeug angeordneten AIS-Empfangseinheiten
und/oder
- Aussenden von Schiffsverkehrsdaten enthaltenen AIS-Funksignalen, die von zumindest
einem Teil der AIS-Schiffsempfangseinheiten des Schiffsverkehrs empfangbar sind, mittels
zumindest einer auf mindestens einem Verkehrsflugzeug angeordneten AIS-Sendeeinheit,
wenn das mindestens eine Verkehrsflugzeug in Richtung seines Bestimmungsortes im Luftverkehr
fliegt.
11. Verfahren nach Anspruch 10, gekennzeichnet durch Abspeichern der empfangenen Schiffsverkehrsdaten in einem auf dem Verkehrsflugzeug
angeordneten AIS-Datenspeicher und Weiterleiten der abgespeicherten Schiffsverkehrsdaten
mittels einer auf dem Verkehrsflugzeug angeordneten Kommunikationseinheit an eine
Empfangsstation dann, wenn die Empfangsstation in Funkreichweite der Kommunikationseinheit
kommt.
12. Verfahren nach Anspruch 10 oder 11, gekennzeichnet durch Empfangen von Schiffsverkehrsdaten, die von einer Sendestation ausgesendet wurden,
durch eine auf dem Verkehrsflugzeug angeordneten Kommunikationseinheit und Aussenden von
AIS-Funksignalen, die zumindest diese von der Sendestation empfangenen Schiffsverkehrsdaten
enthalten, mittels der auf dem Verkehrsflugzeug angeordneten AIS-Sendeeinheit.
13. Verfahren nach einem der Ansprüche 10 bis 12, gekennzeichnet durch Empfangen von Schiffsverkehrsdaten enthaltenen AIS-Funksignalen einer ersten AIS-Funkzelle
(32) mittels der an dem mindestens einen Verkehrsflugzeug angeordneten AIS-Empfangseinheit
und Aussenden der Schiffsverkehrsdaten der ersten AIS-Funkzelle (32) an Schiffe zumindest
einer zweiten AIS-Funkzelle (33).