[0001] Die Erfindung betrifft eine Transporteinrichtung für Flüssigkeiten, insbesondere
für den Einsatz in einer Lackieranlage. Sie bezieht sich weiterhin auf eine Lackieranlage
mit einer Anzahl von zur Ausbringung von Lack auf einen zu beschichtenden Gegenstand
vorgesehenen Zerstäubern.
[0002] Derartige Lackieranlagen kommen beispielsweise bei der Beschichtung oder Lackierung
von Kraftfahrzeug-Karosserien zum Einsatz. Für die Versorgung von verschiedenen Zerstäubern,
die beispielsweise in der Art einer Lackierstraße hintereinander angeordnet und zum
Aufbringen von Lack in verschiedenen Stufen vorgesehen sein können, ist dabei üblicherweise
eine Hauptversorgungsleitung zur Zuführung des Lacks vorgesehen, die beispielsweise
in der Art einer sogenannten Ringleitung an einer entsprechenden Lackierkabine entlang
oder um diese herumgeführt sein kann. Von dieser Hauptversorgungsleitung oder Ringleitung
zweigen sodann unter Zwischenschaltung geeigneter Komponenten wie beispielsweise Ventilen
oder dergleichen Stichleitungen ab, die in die jeweiligen Zerstäuber münden und den
Lack zu diesem befördern können. Gegebenenfalls, insbesondere bei zur Beschichtung
mit Lacken verschiedener Farben vorgesehenen Anlagen, können auch mehrere Ringleitungen
vorgesehen sein, wobei üblicherweise am Abzweig der jeweiligen Stichleitungen geeignete
Farbwechsler in das System geschaltet sein können.
[0003] Die Hauptversorgungsleitung, also insbesondere die Ringleitung, ist üblicherweise
eingangsseitig an einer Lackversorgungseinheit angeschlossen, über die mittels einer
Förderpumpe oder eines Förderorgans das Lackmaterial aus einem Lackbehälter, beispielsweise
einem auswechselbaren Farbeimer oder dergleichen, in die Hauptversorgungsleitung eingespeist
werden kann. Bei der Ausgestaltung der Hauptversorgungsleitung als sogenannte Ringleitung
kann diese wiederrum ebenfalls in der Art einer kreis- oder ringförmigen Führung an
den Lackvorratsbehälter angeschlossen sein, so dass der in der Ringleitung geführte,
umgepumpte Lack ausgangsseitig wieder in den Lackvorratsbehälter zurückfließen kann.
Alternativ kann die Hauptversorgungsleitung aber auch in der Art einer Stichleitung
ausgeführt und lediglich eingangsseitig an den Lackvorratsbehälter angeschlossen sein.
[0004] In der Mehrzahl werden derartige Anlagen in der Art einer Großserienfertigung eingesetzt,
wobei vergleichsweise große Stückzahlen von Bauteilen wie beispielsweise Fahrzeug-Karosserien
mit gleichbleibenden Standard-Farbtönen lackiert und beschichtet werden. Bei einem
derartigen Betriebsmodus kann somit ein nahezu gleichbleibender Lackdurchfluss im
Gesamtsystem aufrechterhalten werden, ohne dass aufgrund von Medienwechseln oder dergleichen
das Verwerfen von Restbeständen oder die Rückgewinnung von im System befindlichen
Lackmengen erforderlich wäre.
[0005] Andererseits können derartige Systeme aber auch für die Bearbeitung von Kleinstserien
oder eine Individualanfertigung von einzelnen Bauteilen, beispielsweise bei der Anbringung
einer Sonderlackierung für ein individuell gestaltetes Kraftfahrzeug, zum Einsatz
kommen. Bei der Ausbringung von an derartig gering bemessene Werkstückzahlen oder
dergleichen angepassten Lackmengen kann eine dezentrale Bereitstellung individueller
Lack-Vorratsbehälter im unmittelbaren Ausbringungsbereich, also nahe an den individuellen
Zerstäubern, vorgesehen sein.
[0006] Lackieranlagen der genannten Ausführungen können als sogenannte elektrostatische
Lackieranlagen ausgeführt sein, in denen Wasser ― verdünnbare Lacke verarbeitet werden.
In einer derartigen elektrostatischen Lackieranlage wird Lackmaterial beim elektrostatischen
Lackieren einem an Hochspannungspotential liegenden Zerstäuber über eine Leitung zugeführt.
Wenn dieses Lackmaterial elektrisch leitfähig ist, muss dafür gesorgt werden, dass
es über die Lackzuführungsleitung nicht zu einem elektrischen Kurzschluss kommt, da
das andere Ende der Lackzuführungsleitung unter Erdpotential steht. Aus diesem Grund
sind bei elektrostatischen Lackieranlagen üblicherweise in einem gegen Begehung abgesicherten
Hochspannungsbereich die Lackzuführungsleitung und der dazugehörige Lackbehälter ebenfalls
an Hochspannungspotential gelegt. Dies wiederum hat zur Folge, dass dieser Behälter
während des Betriebes nicht aus einer an Erdpotential liegenden Zuführungsleitung
nachgefüllt werden kann.
[0007] Um in einer derartigen Lackieranlage dennoch eine kontinuierliche Zuführung des Lackmaterials
aus einem an Hochspannungspotential liegenden Behälter zum Zerstäuber gewährleisten
zu können, muss der an Hochspannungspotential liegende Behälter in geeigneter Form
diskontinuierlich und unter konsequenter Aufrechterhaltung der Potentialtrennung zwischen
dem Hochspannungspotential am Behälter einerseits und Erdpotential an der Versorgungsseite
andererseits mit Lackmaterial gefüllt werden. Erschwerend kommt bei derartigen Systemen
hinzu, dass gerade bei der Verarbeitung von kleinen Lackmengen, beispielsweise zur
individuellen Anfertigung von Kleinstserien, häufige Farbwechsel im Lackstrang erforderlich
werden können, so dass eine zwischenzeitliche Spülung der betroffenen Komponenten
vorgenommen werden muss. Gerade bei Nutzung von unter Hochspannung stehenden Komponenten
kann dies einen erheblichen Aufwand und eine häufige Unterbrechung der betrieblichen
Vorgänge bedingen.
[0008] Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, eine Transporteinrichtung für Flüssigkeiten,
insbesondere für Lack, anzugeben, mit der bei besonders einfach gehaltener, für den
Einsatz in einer derartigen Lackieranlage besonders geeigneter Bauweise eine zuverlässige
Weitergabe von Flüssigkeits- oder Lackmengen von einer ― insbesondere an Erdpotential
gehaltenen ― Eingangsseite zu einer ― insbesondere an Hochspannungspotential liegenden
― Ausgangsseite unter konsequenter Einhaltung einer Potentialtrennung zwischen Eingangsseite
und Ausgangsseite ermöglicht ist.
[0009] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß gelöst, indem die Transporteinrichtung einen Transportschlitten
für die Flüssigkeit oder den Lack aufweist, der eine mit der zu transportierenden
Flüssigkeit oder dem zu transportierenden Lack befüllbare Aufnahmekammer aufweist,
und der in einem Gehäusemantel in dessen Längsrichtung verschiebbar, besonders bevorzugt
hydraulisch verschiebbar, angeordnet ist.
[0010] Die Erfindung geht dabei von der Überlegung aus, dass die Transporteinrichtung gerade
im Hinblick auf den erwünschten Einsatz in einer Lackieranlage einerseits in mechanisch
stabiler und einfacher Bauweise ausgeführt sein sollte. Um andererseits aber auch
gerade die Handhabung des Gesamtsystems bei häufigem Farbwechsel und damit auch die
zwischenzeitlich erforderlichen Spülvorgänge besonders zu erleichtern, sollte die
Transporteinrichtung derart ausgelegt sein, dass sie ― und mit ihr die Potentialtrennung
zwischen Erdpotential und Hochspannungspotential ― möglichst weit endseitig im Lackstrang,
also nahe am oder unmittelbar vor dem jeweiligen Zerstäuber, angeordnet werden kann.
Durch eine derartige Anordnung der Transporteinrichtung und damit der Trennstelle
wird nämlich gewährleistet, dass möglichst viele Komponenten des Gesamtsystems, beispielsweise
Führungsleitungen, Farbwechsler und dergleichen, auf Erdpotential gehalten und damit
vergleichsweise einfach gehandhabt werden können. Auf Hochspannungspotential gehalten
werden müssen hingegen nur noch der eigentliche Zerstäuber und die diesem unmittelbar
vorgelagerten Leitungselemente.
[0011] Gerade bei der ― in modernen Anlagen häufigen - Anordnung von Zerstäubern auf Roboterarmen
und dergleichen ist für dieses Auslegungskonzept, also eine konsequente Verlagerung
der Transporteinrichtung und der damit gegebenen Potentialtrennstelle zum Zerstäuber
hin, eine besonders kompakte Bauweise der als Potentialtrennstelle vorgesehenen Transporteinrichtung
für den Lack wünschenswert. Eine derartige, besonders kompakte und dennoch mechanisch
stabil und einfach gehaltene Bauweise unter konsequenter Einhaltung der vorgesehenen
Potentialtrennung ist erreichbar, indem der Transport der jeweiligen Lackmengen über
einen geeignet ausgestalteten Transportschlitten vorgenommen wird, der seinerseits
in einem geeigneten, vorzugsweise konsequent isolierend ausgeführten, Gehäusemantel
geführt ist. Zur Bewegung des Transportschlittens ― und damit der gegebenenfalls darin
mitgeführten Lackmenge ― zum einlassseitigen Ende und auslassseitigen Ende der Transportvorrichtung
(oder umgekehrt) ist dazu eine geeignete Verschiebung des Transportschlittens innerhalb
des Gehäusemantels vorgesehen.
[0012] Die Verschiebung kann dabei mit geeignet gewählten Mitteln erfolgen, die vorzugsweise
die vorgesehene Potentialtrennung nicht behindern, beispielsweise pneumatisch. Besonders
bevorzugt ist aber ein hydraulischer Antrieb für den Transportschlitten vorgesehen.
Zu diesem Zweck weist der Gehäusemantel vorzugsweise beiderseits des Transportschlittens
jeweils eine mit einem Hydrauliköl befüllbare Hydraulikkammer auf, wobei beide Hydraulikkammern
jeweils in einen zugeordneten Hydraulikkreis geschaltet sind. Im jeweiligen Hydraulikkreis
ist dabei als Hydraulikmedium vorteilhafterweise jeweils ein elektrisch nicht leitendes
somit isolierendes Hydrauliköl geführt. In der Art einer Doppelfunktion dient dieses
elektrisch nicht leitende Hydrauliköl somit einerseits als Antriebsmedium für die
bedarfsweise Verschiebung des Transportschlittens innerhalb des Gehäusemantels, und
es trägt andererseits zur elektrischen Isolation und damit zur Potential-trennung
zwischen dem Transportschlitten und dem jeweiligen Ende des Gehäusemantels bei. In
besonders vorteilhafter Ausgestaltung ist dabei ein Hydrauliköl vorgesehen, dessen
Wasseraufnahmefähigkeit kleiner als 1 % ist, und/oder dessen kinematische Viskosität
bei einer Temperatur von 20 °C weniger als 10 mm
2/s ist.
[0013] Um dabei die gewünschte Nutzung der mit Hydrauliköl befüllten Hydraulikkammern zu
Isolationszwecken noch weiter zu begünstigen, sind die Hydraulikkammern vorteilhafterweise
in dieser Hinsicht geeignet dimensioniert. Insbesondere ist vorteilhafterweise die
Gesamtlänge beider Hydraulikkammern zusammen, die im Wesentlichen durch die Gesamtlänge
des Gehäusemantels abzüglich der Au-βenlänge des Transportschlittens gegeben ist,
derart gewählt, dass sich unter Berücksichtigung der wesentlichen elektrischen Eigenschaften
des Hydrauliköls, insbesondere dessen Durchbruchsfeldstärke, eine im Hinblick auf
die vorgesehenen Betriebsspannungen ausreichend bemessene Isolierstrecke und/oder
insbesondere ein Abstand zwischen dem hochspannungsführenden und dem auf Erdpotential
liegenden Bereich von weniger als 50 mm ergibt.
[0014] Eine besonders einfache und kompakte Bauweise ist zudem noch weiter begünstigt, indem
der Transportschlitten vorteilhafterweise seinerseits hydraulisch entleerbar ist.
So ist der Transportschlitten vorteilhafterweise mit einem die Aufnahmekammer für
die Flüssigkeit oder den Lack zumindest einseitig begrenzenden, hydraulisch betätigbaren
Austragskolben versehen. Die mit Flüssigkeit oder Lack befühlte Aufnahmekammer kann
somit durch die hydraulische Steuerung des Austragskolbens entleert werden.
[0015] Vorzugsweise ist der Transportschlitten stirnseitig jeweils von einem mit einem Sperrventil
versehenen Abschlussdeckel begrenzt, wobei über das Sperrventil die Befüllung bzw.
Entleerung der Aufnahmekammer mit Flüssigkeit oder Lack erfolgen kann. Vorzugsweise
ist der Transportschlitten dabei derart ausgelegt, dass das jeweilige Sperrventil
mit einem entsprechenden Stutzen der jeweils zugeordneten Wand des Gehäusemantels
zusammen wirkt. In einer Einfüllposition, bei der sich der Transportschlitten innerhalb
des Gehäusemantels benachbart zu dessen Einfüllseite befindet, greift somit das entsprechende
Sperrventil in den jeweiligen Stutzen an der Einfüllseite des Gehäusemantels ein,
wohingegen in der entgegengesetzten Entladeposition, bei der sich der Transportschlitten
am in Längsrichtung des Gehäusemantels gesehen anderen endseitigen Rand befindet,
das andere Sperrventil in den in dieser Wand befindlichen Stutzen eingreift. Die Aufnahmekammer
ist dabei durch geeignete Kanalführung innerhalb des Transportschlittens vorteilhafterweise
mit den Sperrventilen beider Abschlussdeckel verbunden, so dass eine Befüllung und
Entleerung der Aufnahmekammer bei geeigneter Betätigung der Sperrventile ermöglicht
ist.
[0016] In alternativer oder zusätzlicher vorteilhafter Weiterbildung weist der Transportschlitten
ein Freigabeventil für ein Spülmittel auf, so dass Lackwechsel besonders einfach ausführbar
sind. Vorteilhafterweise sind die Sperrventile dabei als so genannte "clean-break"-Ventile
ausgebildet, die praktisch ohne Leckagen innerhalb der jeweiligen Eingangs- und Ausgangsstutzen
öffnen und schließen können, wie sie in der
EP 1 045 732 B1 ausgeführt sind. Die Offenbarung der
EP 1 045 732 B1 bezüglich der Ausgestaltung des Potential-Trennventils wird ausdrücklich mit einbezogen
("Incorporation by reference").
[0017] In besonders vorteilhafter Ausgestaltung ist die Transporteinrichtung in einer Lackieranlage
mit einer Anzahl von zur Ausbringung von Lack auf einen zu beschichtenden Gegenstand
vorgesehenen Zerstäubern eingesetzt. Um dabei eine besonders einfache und betriebssichere
Funktionsweise der Lackieranlage zu gewährleisten, ist die Transportvorrichtung vorteilhafterweise
räumlich und strukturell möglichst nahe am jeweils zugeordneten Zerstäuber angeordnet,
so dass der insgesamt auf Hochspannungspotential zu haltende Bereich sowohl in räumlicher
Hinsicht als auch in Hinsicht der Anzahl der auf Hochspannung gehaltenen Komponenten
besonders gering gehalten werden kann. In besonders vorteilhafter Ausgestaltung umfasst
die Lackieranlage dabei eine Anzahl von auf schwenkbaren Roboterarmen angeordneten
Zerstäubern, wobei eine einem derartigen Zerstäuber zugeordnete Transporteinrichtung
für den Lack ebenfalls auf dem den jeweiligen Zerstäuber tragenden Roboterarm angeordnet
ist.
[0018] Die mit der Erfindung erzielten Vorteile bestehen insbesondere darin, dass durch
den im Gehäusemantel geführten, in Längsrichtung hydraulisch verschiebbar angeordneten
Transportschlitten eine zuverlässige Potentialtrennung zwischen Erdpotential in einem
Anschlussbereich der Transporteinrichtung einerseits und Hochspannungspotential am
anderen Anschlussbereich der Transporteinrichtung andererseits zuverlässig und in
besonders kompakter Bauweise erreichbar ist. Durch die kompakte Bauweise, aber auch
durch die mechanische Einfachheit und hohe Stabilität durch den Verzicht auf andere
aktive Antriebskomponenten oder dergleichen, ist die Einbindung der Transporteinrichtung
in den Lackstrang vergleichsweise nahe der jeweiligen Zerstäuber und insbesondere
als gemeinsam mit dem Zerstäuber auf einem Roboterarm bewegbare Komponente ermöglicht,
so dass die Trennstelle zwischen Erdpotential und Hochspannungspotential besonders
weit zum Zerstäuber hin verlagert werden kann. Damit ist ermöglicht, den räumlichen
Bereich und auch die Anzahl der Komponenten des Hochspannungspotentials besonders
gering zu halten. Der Transportschlitten wirkt dabei als Pendelbehälter oder "Shuttle"
für den Lacktransport.
[0019] Ein Ausführungsbeispiel der Erfindung wird anhand einer Zeichnung näher erläutert.
Darin zeigen:
- Figur 1:
- eine Transporteinrichtung für Flüssigkeiten, und
- Figur 2:
- ein Zerstäubersystem einer Lackieranlage.
[0020] Gleiche Teile sind in beiden Figuren mit denselben Bezugszeichen versehen.
[0021] Die Transporteinrichtung 1 gemäß Figur 1 ist zum Transport einer Flüssigkeitsmenge,
insbesondere einer Lackmenge, von einem Einströmbereich mit einem Eingangsanschluss
2 zu einem Ausströmbereich mit einem Ausgangsanschluss 4 vorgesehen. Die Transporteinrichtung
1 ist dabei insbesondere für den Einsatz in einer nicht näher dargestellten elektrostatischen
Lackieranlage vorgesehen, bei der elektrisch hoch leitfähige Lacke, beispielsweise
Wasser- verdünnbare Lacke, verarbeitet werden. Da bei derartigen Lackieranlagen der
zur Ausbringung des Lacks vorgesehene Zerstäuber üblicherweise an Hochspannungspotential
liegt, muss gerade bei der Verwendung von elektrisch leitfähigem Lackmaterial dafür
Sorge getragen werden, dass es nicht zu elektrischen Kurzschlüssen kommen kann, da
der eigentliche Lackversorgungsbereich der Lackieranlage üblicherweise unter Erdpotential
steht. Um diesen Erfordernissen Rechnung zu tragen, ist die Transporteinrichtung 1
für den Lack in der Art eines Potential-Trennventils derart ausgeführt, dass unter
konsequenter Einhaltung der Potential-Trennung zwischen dem auf Erdpotential gehaltenen
Eintrittsbereich einerseits und dem unter Hochspannungspotential gehaltenen Austrittsbereich
der Transport einer elektrisch leitfähigen Lackmenge von der Eingangsöffnung 2 zur
Ausgangsöffnung 4 erfolgen kann. Die Eingangsöffnung 2 ist dabei lackseitig in nicht
näher dargestellter Weise mit einem Lackversorgungssystem der Lackieranlage verbunden,
wohingegen die Ausgangsöffnung 4 lackseitig mit einem zugeordneten, unter Hochspannungspotential
gehaltenen Zerstäuber verbunden ist.
[0022] Um bei besonders kompakt gehaltener Bauweise die vorgesehene konsequente Potentialtrennung
zwischen Eintritts- und Austrittsbereich sicherzustellen, weist die Transporteinrichtung
1 einen aus einem elektrisch isolierenden Material wie beispielsweise einem geeignet
gewählten Kunststoff bestehenden, im Ausführungsbeispiel zylindrisch ausgeführten
Gehäusemantel 6 auf. In diesem zylindrisch ausgeführten Gehäusemantel 6 ist zum eigentlichen
Transport einer Lackmenge vom Eintritts- zum Austrittsbereich ein in Längsrichtung
des Gehäusemantels 6 verschiebbarer Transportschlitten 8 angeordnet, der seinerseits
eine mit der zur transportierenden Lackmenge befüllbare Aufnahmekammer 10 aufweist.
[0023] Für eine vergleichsweise einfache und mechanisch stabile Auslegung ist der Transportschlitten
8 innerhalb des Gehäusemantels 6 verschiebbar. Die Verschiebung kann dabei auf geeignete
Weise, beispielsweise pneumatisch, erreicht werden. Im Ausführungsbeispiel ist der
Transportschlitten 8 im Gehäusemantel 6 jeweils der bevorzugten Ausführungsform hydraulisch
verschiebbar. Dazu befinden sich innerhalb des Gehäusemantels 6 beiderseits des Transportschlittens
8 Hydraulikkammern 12, 14, die bedarfsweise mit Hydrauliköl befüllbar sind. Für einen
Transport des Transportschlittens 8 beispielsweise vom Eintritts- zum Austrittsbereich
kann beispielsweise die austrittsseitige Hydraulikkammer 14 vom Hydrauliköl entleert
und parallel dazu die eintrittsseitige Hydraulikkammer 12 mit Hydrauliköl befüllt
werden. Dadurch steigt der hydraulische Druck in der Hydraulikkammer 12 an, und der
Transportschlitten 8 bewegt sich zum austrittsseitigen Ende des Gehäusemantels 6 hin.
Umgekehrt kann eine Verschiebung des Transportschlittens 8 innerhalb des Gehäusemantels
6 von dessen austritts- zu dessen eintrittsseitigem Ende erfolgen, indem die Hydraulikkammer
12 entleert und parallel dazu die Hydraulikkammer 14 mit Hydraulikflüssigkeit befüllt
wird. Zur Sicherstellung der gewünschten Potentialtrennung ist dabei die Verwendung
einer geeigneten, elektrisch nicht leitenden Hydraulikflüssigkeit vorgesehen. Das
Hydrauliköl sollte dabei derart gewählt sein, dass es auch bei Schwankungen der Betriebstemperatur
möglichst viskositätsstabil ist, und/oder dass es keine Oberflächenstörungen im Lack
hervorruft.
[0024] Die Isolierwirkung des Gesamtsystems ergibt sich somit einerseits durch den isolierend
ausgeführten Gehäusemantel 6 und andererseits durch die Kombination der jeweils freien
Längen in den Hydraulikkammern 12, 14 der darin befindlichen isolierenden Hydraulikflüssigkeit.
Eine Auslegung des Gesamtsystems angepasst an vorgegebene Erfordernisse hinsichtlich
der Isolationswirkung kann somit auf besonders einfache Weise durch eine geeignete
Dimensionierung insbesondere der Länge des Gehäusemantels 6 in Relation zur Länge
des Transportschlittens 8 vorgenommen werden, da die verbleibende freie Länge innerhalb
des Gehäusemantels 6, die nicht zum Transportschlitten 8 ausgefüllt wird und somit
mit Hydraulikflüssigkeit befühlt ist, die gewünschte Isolationswirkung erzeugt.
[0025] Der Transportschlitten 8 ist seinerseits mit einem die Aufnahmekammer 10 einseitig
begrenzenden, ebenfalls hydraulisch betätigbaren Austragskolben 16 versehen. Der Austragskolben
16 ist über eine Hydraulikleitung 18 seinerseits mit einem an einem Hydrauliksystem
angeschlossenen Anschlussstutzen 20 verbunden, so dass die Position des Austragskolbens
16 innerhalb der Aufnahmekammer 10 über den entsprechenden Hydraulikdruck in Relation
zum Druck in der Aufnahmekammer 10 einstellbar ist. Am anderen, offenen Ende ist die
Aufnahmekammer 10 über geeignet in den Wänden des Transportschlittens 8 verlaufende
Kanäle sowohl eingangsseitig als auch ausgangsseitig mit dem Medienkanal eines Sperrventils
22 bzw. 24 verbunden. Die Sperrventile 22, 24 sind dabei im Ausführungsbeispiel jeweils
an einem den Transportschlitten 8 stirnseitig begrenzenden Abschlussdeckel 26 bzw.
28 angeordnet, könnten aber beispielsweise auch innerhalb der Stutzen 30, 32 angeordnet
sein.
[0026] Zum Befüllen bzw. Entleeren der Aufnahmekammer 10 sind die Sperrventile 22, 24 dabei
abhängig von der Position des Transportschlittens 8 innerhalb des Gehäusemantels 6
mit jeweils zugeordneten Stutzen, also insbesondere eintrittsseitig mit einem Eingangsstutzen
30 und ausgangsseitig mit einem Ausgangsstutzen 32, in Eingriff bringbar. Die Ausgestaltung
der jeweiligen Kombination aus Sperrventil 22, 24 einerseits und zugeordnetem Stutzen
30, 32 andererseits ist dabei ihrerseits ebenfalls derart vorgenommen, dass eine konsequente
Potential-trennung auch beim Füllen oder Entleeren des Lacks aufrechterhalten wird.
Dazu sind die Sperrventile 22, 24 und die zugeordneten Stutzen 30, 32 ihrerseits als
Potential Trenneinrichtungen gemäß den Angaben in der
EP 1 045 732 B1 ausgestaltet, deren Offenbarungsgehalt bezüglich der Ausgestaltung dieser Komponenten
ausdrücklich vollumfänglich mit einbezogen wird.
[0027] Die Transporteinrichtung 1 ist somit einerseits für die konsequente Einhaltung einer
Potentialtrennung zwischen Eintritts- und Austrittsbereich für den Lack ausgelegt.
Andererseits ermöglicht die Auslegung der Transporteinrichtung 1 eine besonders kompakte
und damit platz- und gewichtsparende Bauweise. Dies kann in besonders vorteilhafter
Ausgestaltung genutzt werden, um die durch die Transporteinrichtung 1 gegebene Trennstelle
innerhalb der Lackieranlage zwischen Erdpotential einerseits und Spannungspotential
andererseits besonders weit hin zum am Hochspannungspotential zu haltenden Verbraucher,
also den eigentlichen Zerstäuber, zu verlagern. Im Ergebnis können durch diese kompakte
Bauweise daher besonders viele Teile und Komponenten der Lackieranlage auf Erdpotential
gehalten werden, so dass sowohl aus sicherheitstechnischen Überlegungen als auch im
Hinblick auf die erforderlichen betrieblichen Ressourcen ein besonders vorteilhafter
Einsatz der Transporteinrichtung 1 möglich ist. Dieser Einsatz der Transporteinrichtung
1 nahe am eigentlichen Zerstäuber ist beispielhaft für die Systemelement gemäß Figur
2 dargestellt.
[0028] Wie nämlich in Figur 2 erkennbar ist, sind zwei Transporteinrichtungen 1,1' der genannten
Art auf einem als Teil einer Lackieranlage eingesetzten Roboterarm 40 angeordnet.
Der Roboterarm 40 trägt dabei seinerseits den zum Austrag des Lacks vorgesehenen Zerstäuber
42, der betriebsbedingt auf Hochspannung gehalten ist. Eingangsseitig sind dabei die
Transporteinrichtungen 1,1' mit dem Lackzuführungssystem und insbesondere mit einem
Farbwechsler der Lackieranlage verbunden. Durch die kompakte Bauweise der Transporteinrichtungen
1, 1' ist es somit möglich, diese in der Art einer mobilen Nutzung auf dem Roboterarm
40 und somit besonders nahe am Zerstäuber 42 anzuordnen und zu positionieren. Die
Potentialtrennung zwischen Erdpotential einerseits und Hochspannungspotential andererseits
erfolgt somit nunmehr erst auf dem eigentlichen Roboterarm, so dass dessen weitere
Bedieneinheiten, mechanische, hydraulische Gelenke und dergleichen auf Erdpotential
gehalten und damit besonders einfach bedient werden können.
Bezugszeichenliste
[0029]
- 1, 1'
- Transporteinrichtung
- 2
- Eingangsanschluss
- 4
- Ausgangsanschluss
- 6
- Gehäusemantel
- 8
- Transportschlitten
- 10
- Aufnahmekammer
- 12, 14
- Hydraulikkammern
- 16
- Austragskolben
- 18
- Hydraulikleitung
- 20
- Anschlussstutzen
- 22, 24
- Speerventils
- 26, 28
- Abschlussdeckel
- 30
- Eingangsstutzen
- 32
- Ausgangsstutzen
- 40
- Roboterarm
- 42
- Zerstäuber
1. Transporteinrichtung (1) für Flüssigkeiten mit einem Transportschlitten (8), der eine
mit der zu transportierenden Flüssigkeit befüllbare Aufnahmekammer (10) aufweist,
und der in einem Gehäusemantel (6) in dessen Längsrichtung verschiebbar angeordnet
ist.
2. Transporteinrichtung (1) nach Anspruch 1, deren Transportschlitten (8) mit einem die
Aufnahmekammer (10) zumindest einseitig begrenzenden, hydraulisch betätigbaren Austragskolben
(16) versehen ist.
3. Transporteinrichtung (1) nach Anspruch 1 oder 2, deren Transportschlitten (8) stirnseitig
jeweils von einem mit einem Sperrventil (22, 24) versehenen Abschlussdeckel (26, 28)
begrenzt ist.
4. Transporteinrichtung (1) nach Anspruch 3, deren Aufnahmekammer (10) medienseitig mit
den Sperrventilen (22, 24) beider Abschlussdeckel (26, 28) verbunden ist.
5. Transporteinrichtung (1) nach einem der Ansprüche 1 bis 4, in deren Gehäusemantel
(6) beiderseits des Transportschlittens (8) jeweils eine mit einer elektrisch nicht
leitenden Hydraulikflüssigkeit befüllbare Hydraulikkammer (12, 14) vorgesehen ist.
6. Transporteinrichtung (1) nach Anspruch 5, deren Hydraulikkammern (12, 14) zusammen
in Längsrichtung des Gehäusemantels (6) gesehen eine Gesamtlänge von mindestens 30
mm aufweisen.
7. Transporteinrichtung (1) nach einem der Ansprüche 1 bis 6, deren Transportschlitten
(8) ein Freigabeventil für Spülmittel aufweist.
8. Lackieranlage mit einer Anzahl von zur Ausbringung von Lack auf einen zu beschichtenden
Gegenstand vorgesehenen Zerstäubern (42), denen zur Lackversorgung jeweils mindestens
eine Transporteinrichtung (1) nach einem der Ansprüche 1 bis 7 vorgeschaltet ist.