[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Ermittlung einer auslaufseitigen Walzgutgeschwindigkeit
in einem Walzgerüst.
[0002] Beim Warmwalzen wird z.B. eine heiße Bramme oder ein Gussstrang in mehreren Stichen
zu Platten oder Bändern ausgewalzt. Bei jedem Stich soll in der Regel das Walzgut
auf eine im Stichplan festgelegte Zieldicke gewalzt werden. Betroffen hiervon sind
sowohl reversierende als auch durchlaufende Walzstraßen.
[0003] Um an einem Walzgerüst eine gewünschte Zieldicke zu erhalten, muss der Walzspalt
des Gerüstes geeignet eingestellt werden. Dazu dient ein Anstellsystem, das in der
Regel den oberen Walzensatz gegenüber der Passlinie des Walzwerks verstellt. Das Anstellsystem
wird z.B. mit einem Hydraulikzylinder oder mit einer elektromechanischen Schraube
bzw. einer Kombination von beiden betrieben.
[0004] Der Soll-Wert für den Walzspalt wird zunächst aus einem Stichplan vorgegeben. Der
Stichplan wird durch ein Modell der Walzstraße berechnet oder aus einer Liste ausgewählt.
Der Walzspalt für den aktuellen Stich wird vor dem Anstich des Walzgutes auf den zugehörigen
Sollwert gefahren. Der Anstich ist der Moment des Auftreffens des Walzgutes auf das
Walzgerüst bzw. die Walze. Bekannt ist es, dass nach dem Anstich ein Lastwalzspaltregler
(Gaugemeter) den aktuellen Walzspalt berechnet. Dies geschieht unter Berücksichtigung
der Position des Anstellsystems, der beim Walzvorgang auftretenden Kräfte und der
Gerüstparameter. Der Lastwalzspaltregler versucht auf Basis seines Gerüstmodells,
den Walzspalt und damit die Walzgutdicke auf den Zielwert einzuregeln.
[0005] Bekannt ist ein weiteres Verfahren: Die Voreinstellung des Walzspaltes vor dem Anstich
des Walzguts wird dabei wie oben durchgeführt. Eine verbesserte Walzspalteinstellung
ergibt sich allerdings, wenn nach dem Anstich die Einstellung des Walzspaltes durch
einen Massenflussregler geregelt bzw. unterstützt wird. Die oben genannte bekannte
technische Lösung wird hierbei durch ein vom Massenflussregler umgesetztes Verfahren
verbessert, welches auf der Messung der Walzen- und Walzgutgeschwindigkeiten beruht.
Direkt nach dem Anstich steht eine auslaufseitige Walzgutgeschwindigkeit noch nicht
zur Verfügung. Nach dem Anstich wird ein Schätzwert für die auslaufende Walzgutdicke
h
1 daher zunächst aus der einlaufenden Walzgutdicke h
0, der einlaufseitigen, z.B. gemessenen, Walzgutgeschwindigkeit v
0 und einer modellierten auslaufseitigen Walzgutgeschwindigkeit v
1' berechnet:

[0006] Die bekannten Walzgutgeschwindigkeitsmesseinrichtungen werden z.B. zur Bestimmung
der einlaufseitigen Walzgutgeschwindigkeit vor dem ersten Gerüst verwendet. Die modellierte
auslaufseitige Walzgutgeschwindigkeit v
1' wird dabei aus dem Produkt der Walzengeschwindigkeit v
w und der zugehörigen Voreilung s der auslaufseitigen Walzgutgeschwindigkeit v
1 gegenüber der Walzengeschwindigkeit v
w berechnet:

[0007] Die Voreilung s kann hierbei durch ein Walzmodell berechnet oder aus einer Liste
bekannt sein.
[0008] Sobald nach dem Anstich auch ein gültiger auslaufseitiger Walzgutgeschwindigkeitsmesswert
vorliegt, wird die auslaufende Walzgutdicke dann weiterhin anhand der obigen Formel
berechnet, wobei jedoch die modellierte auslaufseitige Walzgutgeschwindigkeit v
1'durch die tatsächlich gemessene auslaufseitige Walzgutgeschwindigkeit v
1 nachgeführt wird.
[0009] Die einlaufseitige Walzgutdicke h
0 wird aus einem bekannten Erstwert, z.B. einer Dickenmessung in der Vorstraße, oder
aus einem konstanten Wert bei einer Bramme, ermittelt. Falls in nachfolgenden Stichen
keine weitere - bzw. beim Reversieren keine erneute - Dickenmessung vorhanden ist,
wird für die Einlaufdicke h
0 des nächsten Stiches die auslaufende Walzgutdicke h
1 des vorhergehenden Stiches angesetzt.
[0010] Die ortsrichtige Zuordnung einer gemessenen Dicke bzw. der auslaufseitigen Walzgutdicke
zum Walzspalt des für den nächsten Stich bestimmten Walzgerüstes erfolgt in bekannter
Weise durch eine längenbezogene Abspeicherung der Walzgutdicke, eine Synchronisierung
z.B. auf den Kopf des Walzguts und eine Wegverfolgung des Kopfes bis zum Walzspalt.
[0011] Der berechnete Schätzwert für die auslaufseitige Walzgutdicke h
1 wird durch den o.g., z.B. vom Kaltwalzen bekannten Massenflussregler auf ihre Zielgröße,
eine Soll-Auslaufdicke h
1s geregelt. Der Massenflussregler wirkt auf das Anstellsystem des jeweiligen Walzgerüstes
und gibt z.B. Korrekturwerte für die Geschwindigkeit von einlaufseitigen Aggregaten.
Solche sind z.B. ein vorhergehendes Walzgerüst oder eine das Walzgut abspulende Haspel
bzw. Rolle.
[0012] Der o.g. einfache Lastwalzspaltregler wird bei dieser Lösung also prinzipiell durch
den Massenflussregler ersetzt.
[0013] Problematisch beim oben genannten Verfahren ist Ermittlung der auslaufseitigen Walzgutgeschwindigkeit
v
1. Möglich ist eine direkte Messung am Walzgut. Hier wird mit einer Walzgutgeschwindigkeitsmesseinrichtung
gemessen, mit welcher Geschwindigkeit das Walzgut einen festen Ort bzw. eine Kontrollstelle
der Anlage passiert. Bekannt sind z.B. Laser oder Pulsgeber an Rollen mit Walzgutkontakt.
Die bekannten Messverfahren liefern in der Regel nur unzulängliche Messergebnisse
und unterliegen entsprechenden Störungen.
[0014] Aufgabe der Erfindung ist es ein verbessertes Verfahren zur Ermittlung einer auslaufseitigen
Walzgutgeschwindigkeit anzugeben.
[0015] Die Erfindung wird gelöst durch ein Verfahren gemäß Patentanspruch 1. Eine auslaufseitige
Walzgutgeschwindigkeit v
1' wird hierbei aus einer Walzengeschwindigkeit v
w und einer dieser zugeordneten modellierten Voreilung s' in einem Walzgerüst ermittelt
bzw. geschätzt:

[0016] Dem Walzgerüst ist ein die Walzgutgeschwindigkeit v
1' verarbeitender Massenflussregler zugeordnet, der nach der Gleichung

arbeitet. Erfindungsgemäß wird die modellierte Voreilung s' aus einem Grundwert s
G und einem Korrekturwert s
K nach

gebildet. Der Korrekturwert wird hierbei anhand eines Messwertes ermittelt. Der Messwert
wird während des Walzvorgangs ermittelt.
[0017] Die Erfindung beruht auf der Erkenntnis, dass die Walzengeschwindigkeitsmessung über
Impulsgeber an den Walzantrieben insbesondere dynamische Anteile des Walzprozesses
besonders robust abbildet. Derartige Anteile sind beispielsweise Beschleunigen der
Walzstraße, Drehzahländerungen durch Geschwindigkeitskorrekturen der Regelungen, oder
Lastreaktionen. All dies findet durch Verwendung der Walzengeschwindigkeit Eingang
in das erfindungsgemäße Verfahren.
[0018] Als Startwert für die Voreilung s', dass heißt als Grundwert s
G kann wieder in bekannter Weise ein entsprechender Voreilungswert einem Walzmodell
oder einer Liste entnommen werden. Gemäß der Erfindung wird die vorgegebene Voreilung
in Form des Grundwertes anhand von Messungen - d.h. in Form des Korrekturwertes -
korrigiert bzw. feinabgestimmt und an die tatsächlich vorhandene Voreilung s besser
angenähert. Dies ermöglicht die Ermittlung eines ständig aktuellen Voreilungsfaktors.
Mit anderen Worten wird die Voreilung also durch adaptive Anpassung eines Standartwertes
anhand der Messwerte verbessert. Gemäß dem Verfahren ergibt sich also eine korrigierte
Voreilung: Z.B. wird pro Walzgang ein Korrekturwert ermittelt, um für nachfolgende,
beispielsweise gleichartige Walzvorgänge Verwendung zu finden. Auch beim nächsten
Walzvorgang wird dann ein neuer Korrekturwert ermittelt, der dann für den übernächsten
Walzvorgang verwendet werden kann. So wird eine ständige Optimierung und Nachführung
der Exaktheit der Voreilung erreicht. Dies wirkt sich unmittelbar gemäß obiger Formel
auf die Exaktheit der geschätzten auslaufseitigen Walzgutgeschwindigkeit aus. So wird
schließlich das Regelverhalten des Massenflussreglers und schließlich das Walzergebnis
verbessert.
[0019] Gemäß der Erfindung wird also mit anderen Worten die Walzgutgeschwindigkeit über
ein adaptiertes Walzgutgeschwindigkeitsmodell erfasst. Die Adaption erfolgt durch
ständige Anpassung des Korrekturwertes anhand der aktuell ermittelten Messwerte. Adaptiert
wird hierbei im oben genannten Modell insbesondere die Voreilung s durch die Messwerte.
Es erfolgt also eine Erfassung der Walzgutgeschwindigkeit nur über eine indirekte
Walzgutgeschwindigkeitsermittlung bzw. -messung.
[0020] Durch die Erfindung ergibt sich ein robustes Verfahren, welches im Gegensatz zu einem
unzulänglichen Messwert für die auslaufseitige Walzgutgeschwindigkeit einen hinreichend
genauen Walzgutgeschwindigkeits-Ist-Wert als Schätzwert ermittelt und nutzt.
[0021] Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform des Verfahrens wird als Korrekturwert zunächst
der Wert Null gewählt. Im folgenden ermittelte Korrekturwerte werden dann kumulativ
für nachfolgende Walzgänge gespeichert. Ein entsprechend ermittelter Korrekturwert
wirkt zwar in der Regel erst auf den folgenden Walzvorgang. Im Zeitverlauf führt dies
jedoch zu einer fortlaufenden statistischen Adaption des Walzmodells oder der von
in Listen gespeicherten Kennwerten für Voreilungen.
[0022] In einer bevorzugten Ausführungsform wird der Messwert am Walzgut selbst ermittelt.
Gemeint ist hier jedoch nicht die o.g. direkte Geschwindigkeitsmessung am Walzgut.
Gemessen wird ein hiervon unterschiedlicher Messwert, der erst über die Voreilung
in die Berechnung der Walzgutgeschwindigkeit einfließt.
[0023] In einer bevorzugten Ausführungsform dieser Variante wird als Messwert diejenige
Zeitdifferenz ermittelt, in der ein bestimmter Abschnitt des Walzgutes eine bestimmte
Wegstrecke in einer das Walzgerüst enthaltenden Walzstraße zurücklegt. Auch dies steht
im Gegensatz zur o.g. direkten Walzgutgeschwindigkeitsmessung. Bei dieser wird nämlich
die Geschwindigkeit bestimmt, mit der ein bestimmter Abschnitt des Walzgutes einen
festen Anlagenort passiert. Der Abschnitt des Walzgutes ist beispielsweise ein bestimmter
fester Punkt oder Ort am Walzgut.
[0024] In einer weiteren bevorzugten Ausführungsform der oben genannten Variante wird als
Abschnitt der Kopf des Walzgutes verwendet. Der Kopf des Walzgutes bezeichnet das
in Bewegungsrichtung gesehen vordere Ende des Walzgutes.
[0025] In einer bevorzugten Variante der oben genannten Ausführungsform wird als Wegstrecke
der Gerüstabstand zweier vom Walzgut durchlaufener Walzgerüste verwendet und als Zeitdifferenz
diejenige ermittelt, die zwischen den Zeitpunkten der Anstiche der beiden Walzgerüste
durch das Walzgut verstreicht. Insbesondere werden gemäß oben zwei benachbarte Walzgerüste
ausgewählt. Die Integration der Walzengeschwindigkeit am ersten Walzgerüst ab dem
Zeitpunkt des Anstichs ergibt eine gedachte Länge, mit der das Walzgut auslaufseitig
aus dem Walzgerüst herausragt. Die Integration erfolgt bis zum Zeitpunkt, an dem das
Walzgut das nächste Gerüst ansticht und ergibt eine Endlänge 1. Die tatsächliche Voreilung
ergibt sich nun durch Berechnung aus dem bekannten Abstand der Walzgerüste d, dem
genannten Integral und der Zeitdifferenz T=t2-t1 der Anstichzeitpunkte. In dieser
Verfahrensvariante wird also eine tatsächliche Ist-Voreilung für das gewalzte Walzgut
ermittelt. Diese Voreilung kann dann für nachfolgende Walzvorgänge verwendet werden.
[0026] In einer bevorzugten Ausführungsform des Verfahrens wird zusätzlich eine Ist-Geschwindigkeit
des Walzgutes mit bekannten Messverfahren ermittelt. Eine derartige Ist-Geschwindigkeit
ist also eine solche, mit der das Walzgut einen bestimmten Anlagenort passiert. Eine
derartige Ist-Geschwindigkeit wird tatsächlich gemessen und zusammen mit der erfindungsgemäß
ermittelten Voreilung in einem eine geregelte Voreilung ermittelnden Voreilungsadaptionsregler
verarbeitet. Mit anderen Worten gehen im Voreilungsadaptionsregler die Ist-Geschwindigkeit
und die gemäß der Erfindung korrigierte Voreilung ein. Hier kann insbesondere eine
bestimmte Gewichtung zwischen Messwert und Voreilungswert gewählt werden. Mit anderen
Worten wird durch die Voreilungsadaptionsregler eine nach dem Walzgerüst beziehungsweise
zwischen Walzgerüsten gemessene Walzgutgeschwindigkeit zwar benutzt. Die Benutzung
erfolgt jedoch zur Erhöhung der Robustheit der Massenflussregelung nur indirekt, nämlich
zusammen mit der erfindungsgemäß ermittelten Voreilung im Voreilungsadaptionsregler.
[0027] Bei dieser Ausführungsform der Walzgutgeschwindigkeitsermittlung wird ein optimaler
Kompromiss zwischen robuster Dynamik und hoher stationärer Genauigkeit erzielt. Die
gemessene Walzengeschwindigkeit wird dann mit einem modellierten und über die Voreilungsregelung
nachgeführten Voreilungsfaktor multipliziert. Als Ergebnis erhält man schlussendlich
die weiterzuverarbeitende Walzgutgeschwindigkeit.
[0028] In der eben genannten Verfahrensvariante erfolgt eine robuste Erfassung der dynamischen
Anteile aus der Walzengeschwindigkeitsmessung. Die Umrechnung der Walzen- auf die
Walzgutgeschwindigkeit erfolgt über eine Voreilung, die modelliert vorliegt und durch
eine messwertfilternde Regelung adaptiert wird.
[0029] Die gemessene beziehungsweise durch den Voreilungs- oder Voreilungsadaptionsregler
ermittelte Ist-Voreilung ist ein direktes Indiz für die Modellierungsgüte der Voreilung
und kann somit ideal zur Adaption der Prozessmodelle benutzt werden.
[0030] Die Adaption der modellierten Voreilung kann im Regler außerdem einfach begrenzt
werden:
In einem bevorzugten Ausführungsform dieser Verfahrensvariante wird z.B. bei einer
bekannten Fehlmessung der Ist-Geschwindigkeit die vom Voreilungsregler ermittelte
geregelte Voreilung eingefroren, d.h. deren Wert bleibt erhalten und wird nicht weiter
angepasst. Dies ermöglicht ein ungestörtes Weiterwalzen bei Fehlmessung der Walzgutgeschwindigkeit,
in dem der Voreilungsadaptionsregler eingefroren wird, d.h. der zum Zeitpunkt der
Fehlmessung geltende Voreilungsfaktor nicht noch weiter korrigiert, sondern konstant
weiter verwendet wird. Dies kann beispielsweise so lange geschehen, bis erneut eine
gültige Ist-Geschwindigkeit gemessen wird. Die Anpassung der Voreilung kann dann fortgeführt
werden, um noch genauere Voreilungswerte zu erhalten.
[0031] Für eine weitere Beschreibung der Erfindung wird auf die Ausführungsbeispiele der
Zeichnungen verwiesen. Es zeigen, jeweils in einer schematischen Prinzipskizze:
FIG 1 einen Ausschnitt aus einem Walzwerk,
FIG 2 zwei aufeinanderfolgende Walzgerüste des Walzwerks,
FIG 3 einen alternativen Massenflussregler aus FIG 1.
[0032] FIG 1 zeigt einen Ausschnitt aus einem Walzwerk 2, nämlich ein Walzgerüst 4, in welchem
ein Walzgut 6 mit Hilfe einer Walze 8 zu walzen ist. Das Walzgut 6 wird dem Walzgerüst
4 mit einer einlaufenden Walzgutdicke h
0 und einer einlaufseitigen Walzgutgeschwindigkeit v
0 zugeführt. Nach dem Walzprozess verlässt das Walzgut 6 das Walzgerüst 4 mit einer
tatsächlichen auslaufseitigen Walzgutgeschwindigkeit v
1 und einer auslaufenden Walzgutdicke h
1. Die Walze 8 dreht sich beim Walzprozess mit einer Walzengeschwindigkeit v
w. Die auslaufseitige Walzgutgeschwindigkeit v
1 kann nicht zuverlässig genug gemessen werden. Daher wird sie modelliert als v
1' aus dem Produkt der Walzengeschwindigkeit v
w mit einer real vorhandenen Voreilung s. Auch diese Voreilung soll näher adaptiert
werden durch die Summe aus einem Grundwert s
G und einem Korrekturwert s
K.
[0033] Dem Walzgerüst 4 ist ein Massenflussregler 10 zugeordnet, der die Einstellung eines
veränderlichen Walzspaltes 12 - angedeutet durch einen Dickenpfeil - im Walzgerüst
4 regelt.
[0034] Da die Ermittlung der tatsächlichen auslaufseitigen Walzgutgeschwindigkeit v
1 im Walzwerk 2 hinsichtlich eines zuverlässigen Messwertes große Schwierigkeiten bereitet,
verwendet der Massenflussregler 10 die modellierte auslaufseitige Walzgutgeschwindigkeit
v
1' für die Walzspaltregelung. Gemäß der Erfindung wird diese aus der Walzengeschwindigkeit
v
w und einer modellierten Voreilung s' gemäß gebildet. Die modellierte Voreilung s'
ist hierbei die Summe aus einem Grundwert s
G und einem Korrekturwert s
K. Der Korrekturwert s
K wird gemäß der Erfindung aus einem während des Walzprozesses ermittelten Messwert
M gebildet.
[0035] Die modellierte Voreilung s' versucht, die tatsächliche Voreilung s möglichst genau
nachzubilden. Die modellierte auslaufseitige Walzgutgeschwindigkeit v
1' versucht ebenfalls, die tatsächliche auslaufseitige Walzgutgeschwindigkeit v
1 möglichst gut nachzubilden.
[0036] Ein Walzprozess im Walzwerk 2 beginnt zunächst mit einem Korrekturwert s
K = 0. Für die Voreilung s' wird also der Grundwert s
G benutzt, der beispielsweise einer im Walzwerk vorhandenen Liste oder einem nicht
dargestellten Walzmodell entnommen ist. Sobald Messwerte M zur Verfügung stehen, können
Korrekturwerte s
K gebildet werden, woraufhin sich die modellierte Voreilung s' vom Grundwert s
G aus noch besser der tatsächlichen Voreilung s annähert. Auch die Walzgutgeschwindigkeit
v
1' nähert sich dadurch der realen Walzgutgeschwindigkeit v
1 an. Somit ist der Massenflussregler 10 besser in der Lage, den Walzspalt 12 einzustellen,
um das Walzgerüst 4 einzuregeln. Dabei nähert sich die tatsächliche auslaufende Walzgutdicke
h
1 einem Sollwert h
1s an.
[0037] FIG 2 zeigt einen größeren Ausschnitt des Walzwerkes 2 und ein Beispiel für die Ermittlung
eines Messwertes M. Der Messwert M wird hier am Walzgut 6 - bzw. an einem bestimmten
Abschnitt 15 dessen - ermittelt. Dargestellt sind zwei nacheinander liegende - nicht
zwangsweise benachbarte - Walzgerüste 4, welche von Walzgut 6 in Richtung des Pfeils
14 durchlaufen werden. Die jeweiligen Zeitpunkte der Anstiche des Walzgutes 6 am jeweiligen
Walzgerüst 4 sind die Zeitpunkte t
1,2. Bekannt ist außerdem der tatsächliche Gerüstabstand d der beiden Walzgerüste 4 als
Abstand der Anstichpunkte der Walzstraße.
[0038] Gemessen wird nun als Messwert M, eine Zeitdifferenz T, in der der Abschnitt 15 eine
bestimmte Wegstrecke 17 in der Walzstraße mit den beiden Walzgerüsten 4 zurücklegt.
Als Abschnitt 15 wird der Kopf 16 des Walzgutes 6 gewählt, als Wegstrecke 17 der Gerüstabstand
d. Gemessen werden im Beispiel die Zeitdifferenz T=t
2-t
1, sowie ein Integral der Walzengeschwindigkeit v
w vom Zeitpunkt t1 bis zum Zeitpunkt t2. Dieses liefert eine gedachte Länge 1, mit
der ein Kopf 16 des Walzgutes 6 aus dem ersten Walzgerüst 4 herausragt. Die gedachte
Länge 1 entspricht nicht der Realität, da real das Walzgut um eine mit der tatsächlichen
Voreilung s multiplizierte Länge aus dem Walzgerüst 4 hervorsteht.
[0039] Ein Vergleich der Länge 1 mit dem tatsächlichen Gerüstabstand d liefert eine tatsächliche
Voreilung s und damit einen Korrekturwert s
K für den Grundwert s
G.
[0040] FIG 3 zeigt einen alternativen Massenflussregler 10, dem als Messwert M eine tatsächlich
gemessene auslaufseitige Walzgutgeschwindigkeit v
1M zugeführt wird. Diese wird am Walzgut 6 mit Hilfe einer Walzgutgeschwindigkeitsmesseinrichtung
18 ermittelt. Der Massenflussregler 10 enthält einen Voreilungsadaptionsregler 20,
dem die tatsächliche Walzengeschwindigkeit v
w, die gemessene Walzgutgeschwindigkeit v
1M und die gemäß oben ermittelte adaptierte Voreilung s' zugeführt werden. Aus diesen
Größen wird eine geregelte Voreilung s
R ermittelt, die anschließend eine Limitierungs- und Plausibilisierungsstufe 22 durchläuft.
Somit ergibt sich eine weitergehend korrigierte Voreilung s', die dann gemäß oben
erläutertem Vorgehen in einem Streckenmodell 24 verwendet wird, um die modellierte
auslaufseitige Walzgutgeschwindigkeit v
1' zu erzeugen. Diese dient dann letztendlich zur Regelung des Walzspaltes 12 mit Hilfe
des Massenflussreglers 10. Mit anderen Worten wird der z.B. gemäß FIG 1 oder FIG 2
erzeugte Korrekturwert s
K in der Voreilung s' durch den Voreilungsadaptionsregler 20 und die Limitierungs-
und Plausibilisierungsstufe 22 nochmals fein abgestimmt, um eine unter Umständen demgegenüber
nochmals besser adaptierte modellierte Voreilung s' zu erzeugen.
1. Verfahren zur Ermittlung einer auslaufseitigen Walzgutgeschwindigkeit (v1') aus einer Walzengeschwindigkeit (vw) und einer dieser zugeordneten Voreilung (s') in einem Walzgerüst (4) mit einem die
Walzgutgeschwindigkeit (v1') verarbeitenden Massenflussregler (10), bei dem die Voreilung (s') aus einem Grundwert
(sG) und einem Korrekturwert (sK) gebildet wird, und der Korrekturwert (sK) anhand eines während des Walzvorgangs ermittelten Messwertes (M) ermittelt wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
bei dem als Korrekturwert (sK) zunächst Null gewählt wird und ermittelte Korrekturwerte (sK) kumulativ für nachfolgende Walzvorgänge gespeichert werden.
3. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
bei dem der Messwert (M) an einem Walzgut (6) ermittelt wird.
4. Verfahren nach Anspruch 3,
bei dem als Messwert (M) diejenige Zeitdifferenz (T) ermittelt wird, in der ein bestimmter
Abschnitt (15) des Walzgutes (6) eine bestimmte Wegstrecke (17) in einer das Walzgerüst
(4) enthaltenden Walzstraße zurücklegt.
5. Verfahren nach Anspruch 4,
bei dem als Abschnitt (15) der Kopf (16) des Walzgutes (6) verwendet wird.
6. Verfahren nach Anspruch 4 oder 5,
bei dem als Wegstrecke (17) der Gerüstabstand (d) zweier vom Walzgut (6) durchlaufener
Walzgerüste (4) verwendet wird und als Zeitdifferenz (T) diejenige zwischen den Zeitpunkten
(t1,2) Anstiche der beiden Walzgerüste (4) ermittelt wird.
7. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
bei dem zusätzlich eine Ist-Geschwindigkeit (v1M) des Walzgutes (6), mit der dieses einen bestimmten Anlagenort passiert, gemessen
wird und die Ist-Geschwindigkeit (v1M) zusammen mit der ermittelten Voreilung (s') in einem eine geregelte Voreilung (sR) ermittelnden Voreilungsadaptionsregler (20) verarbeitet wird.
8. Verfahren nach Anspruch 7,
bei dem bei einer bekannten Fehlmessung der Ist-Geschwindigkeit (v1M) die vom Voreilungsadaptionsregler (20) ermittelte geregelte Voreilung (sR) eingefroren wird.