(19)
(11) EP 2 581 142 A1

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
17.04.2013  Patentblatt  2013/16

(21) Anmeldenummer: 11185033.5

(22) Anmeldetag:  13.10.2011
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC): 
B21B 37/46(2006.01)
(84) Benannte Vertragsstaaten:
AL AT BE BG CH CY CZ DE DK EE ES FI FR GB GR HR HU IE IS IT LI LT LU LV MC MK MT NL NO PL PT RO RS SE SI SK SM TR
Benannte Erstreckungsstaaten:
BA ME

(71) Anmelder: Siemens Aktiengesellschaft
80333 München (DE)

(72) Erfinder:
  • Felkl, Hans-Joachim
    91301 Forchheim (DE)

   


(54) Verfahren zur Ermittlung einer Walzgutgeschwindigkeit


(57) Bei einem Verfahren zur Ermittlung einer auslaufseitigen Walzgutgeschwindigkeit (v1') aus einer Walzengeschwindigkeit (vw) und einer dieser zugeordneten Voreilung (s') in einem Walzgerüst (4) mit einem die Walzgutgeschwindigkeit (v1') verarbeitenden Massenflussregler (10), wird die Voreilung (s') aus einem Grundwert (sG) und einem Korrekturwert (sK) gebildet, und der Korrekturwert (sK) wird anhand eines während des Walzvorgangs ermittelten Messwertes (M) ermittelt.




Beschreibung


[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Ermittlung einer auslaufseitigen Walzgutgeschwindigkeit in einem Walzgerüst.

[0002] Beim Warmwalzen wird z.B. eine heiße Bramme oder ein Gussstrang in mehreren Stichen zu Platten oder Bändern ausgewalzt. Bei jedem Stich soll in der Regel das Walzgut auf eine im Stichplan festgelegte Zieldicke gewalzt werden. Betroffen hiervon sind sowohl reversierende als auch durchlaufende Walzstraßen.

[0003] Um an einem Walzgerüst eine gewünschte Zieldicke zu erhalten, muss der Walzspalt des Gerüstes geeignet eingestellt werden. Dazu dient ein Anstellsystem, das in der Regel den oberen Walzensatz gegenüber der Passlinie des Walzwerks verstellt. Das Anstellsystem wird z.B. mit einem Hydraulikzylinder oder mit einer elektromechanischen Schraube bzw. einer Kombination von beiden betrieben.

[0004] Der Soll-Wert für den Walzspalt wird zunächst aus einem Stichplan vorgegeben. Der Stichplan wird durch ein Modell der Walzstraße berechnet oder aus einer Liste ausgewählt. Der Walzspalt für den aktuellen Stich wird vor dem Anstich des Walzgutes auf den zugehörigen Sollwert gefahren. Der Anstich ist der Moment des Auftreffens des Walzgutes auf das Walzgerüst bzw. die Walze. Bekannt ist es, dass nach dem Anstich ein Lastwalzspaltregler (Gaugemeter) den aktuellen Walzspalt berechnet. Dies geschieht unter Berücksichtigung der Position des Anstellsystems, der beim Walzvorgang auftretenden Kräfte und der Gerüstparameter. Der Lastwalzspaltregler versucht auf Basis seines Gerüstmodells, den Walzspalt und damit die Walzgutdicke auf den Zielwert einzuregeln.

[0005] Bekannt ist ein weiteres Verfahren: Die Voreinstellung des Walzspaltes vor dem Anstich des Walzguts wird dabei wie oben durchgeführt. Eine verbesserte Walzspalteinstellung ergibt sich allerdings, wenn nach dem Anstich die Einstellung des Walzspaltes durch einen Massenflussregler geregelt bzw. unterstützt wird. Die oben genannte bekannte technische Lösung wird hierbei durch ein vom Massenflussregler umgesetztes Verfahren verbessert, welches auf der Messung der Walzen- und Walzgutgeschwindigkeiten beruht. Direkt nach dem Anstich steht eine auslaufseitige Walzgutgeschwindigkeit noch nicht zur Verfügung. Nach dem Anstich wird ein Schätzwert für die auslaufende Walzgutdicke h1 daher zunächst aus der einlaufenden Walzgutdicke h0, der einlaufseitigen, z.B. gemessenen, Walzgutgeschwindigkeit v0 und einer modellierten auslaufseitigen Walzgutgeschwindigkeit v1' berechnet:



[0006] Die bekannten Walzgutgeschwindigkeitsmesseinrichtungen werden z.B. zur Bestimmung der einlaufseitigen Walzgutgeschwindigkeit vor dem ersten Gerüst verwendet. Die modellierte auslaufseitige Walzgutgeschwindigkeit v1' wird dabei aus dem Produkt der Walzengeschwindigkeit vw und der zugehörigen Voreilung s der auslaufseitigen Walzgutgeschwindigkeit v1 gegenüber der Walzengeschwindigkeit vw berechnet:



[0007] Die Voreilung s kann hierbei durch ein Walzmodell berechnet oder aus einer Liste bekannt sein.

[0008] Sobald nach dem Anstich auch ein gültiger auslaufseitiger Walzgutgeschwindigkeitsmesswert vorliegt, wird die auslaufende Walzgutdicke dann weiterhin anhand der obigen Formel berechnet, wobei jedoch die modellierte auslaufseitige Walzgutgeschwindigkeit v1'durch die tatsächlich gemessene auslaufseitige Walzgutgeschwindigkeit v1 nachgeführt wird.

[0009] Die einlaufseitige Walzgutdicke h0 wird aus einem bekannten Erstwert, z.B. einer Dickenmessung in der Vorstraße, oder aus einem konstanten Wert bei einer Bramme, ermittelt. Falls in nachfolgenden Stichen keine weitere - bzw. beim Reversieren keine erneute - Dickenmessung vorhanden ist, wird für die Einlaufdicke h0 des nächsten Stiches die auslaufende Walzgutdicke h1 des vorhergehenden Stiches angesetzt.

[0010] Die ortsrichtige Zuordnung einer gemessenen Dicke bzw. der auslaufseitigen Walzgutdicke zum Walzspalt des für den nächsten Stich bestimmten Walzgerüstes erfolgt in bekannter Weise durch eine längenbezogene Abspeicherung der Walzgutdicke, eine Synchronisierung z.B. auf den Kopf des Walzguts und eine Wegverfolgung des Kopfes bis zum Walzspalt.

[0011] Der berechnete Schätzwert für die auslaufseitige Walzgutdicke h1 wird durch den o.g., z.B. vom Kaltwalzen bekannten Massenflussregler auf ihre Zielgröße, eine Soll-Auslaufdicke h1s geregelt. Der Massenflussregler wirkt auf das Anstellsystem des jeweiligen Walzgerüstes und gibt z.B. Korrekturwerte für die Geschwindigkeit von einlaufseitigen Aggregaten. Solche sind z.B. ein vorhergehendes Walzgerüst oder eine das Walzgut abspulende Haspel bzw. Rolle.

[0012] Der o.g. einfache Lastwalzspaltregler wird bei dieser Lösung also prinzipiell durch den Massenflussregler ersetzt.

[0013] Problematisch beim oben genannten Verfahren ist Ermittlung der auslaufseitigen Walzgutgeschwindigkeit v1. Möglich ist eine direkte Messung am Walzgut. Hier wird mit einer Walzgutgeschwindigkeitsmesseinrichtung gemessen, mit welcher Geschwindigkeit das Walzgut einen festen Ort bzw. eine Kontrollstelle der Anlage passiert. Bekannt sind z.B. Laser oder Pulsgeber an Rollen mit Walzgutkontakt. Die bekannten Messverfahren liefern in der Regel nur unzulängliche Messergebnisse und unterliegen entsprechenden Störungen.

[0014] Aufgabe der Erfindung ist es ein verbessertes Verfahren zur Ermittlung einer auslaufseitigen Walzgutgeschwindigkeit anzugeben.

[0015] Die Erfindung wird gelöst durch ein Verfahren gemäß Patentanspruch 1. Eine auslaufseitige Walzgutgeschwindigkeit v1' wird hierbei aus einer Walzengeschwindigkeit vw und einer dieser zugeordneten modellierten Voreilung s' in einem Walzgerüst ermittelt bzw. geschätzt:



[0016] Dem Walzgerüst ist ein die Walzgutgeschwindigkeit v1' verarbeitender Massenflussregler zugeordnet, der nach der Gleichung

arbeitet. Erfindungsgemäß wird die modellierte Voreilung s' aus einem Grundwert sG und einem Korrekturwert sK nach

gebildet. Der Korrekturwert wird hierbei anhand eines Messwertes ermittelt. Der Messwert wird während des Walzvorgangs ermittelt.

[0017] Die Erfindung beruht auf der Erkenntnis, dass die Walzengeschwindigkeitsmessung über Impulsgeber an den Walzantrieben insbesondere dynamische Anteile des Walzprozesses besonders robust abbildet. Derartige Anteile sind beispielsweise Beschleunigen der Walzstraße, Drehzahländerungen durch Geschwindigkeitskorrekturen der Regelungen, oder Lastreaktionen. All dies findet durch Verwendung der Walzengeschwindigkeit Eingang in das erfindungsgemäße Verfahren.

[0018] Als Startwert für die Voreilung s', dass heißt als Grundwert sG kann wieder in bekannter Weise ein entsprechender Voreilungswert einem Walzmodell oder einer Liste entnommen werden. Gemäß der Erfindung wird die vorgegebene Voreilung in Form des Grundwertes anhand von Messungen - d.h. in Form des Korrekturwertes - korrigiert bzw. feinabgestimmt und an die tatsächlich vorhandene Voreilung s besser angenähert. Dies ermöglicht die Ermittlung eines ständig aktuellen Voreilungsfaktors. Mit anderen Worten wird die Voreilung also durch adaptive Anpassung eines Standartwertes anhand der Messwerte verbessert. Gemäß dem Verfahren ergibt sich also eine korrigierte Voreilung: Z.B. wird pro Walzgang ein Korrekturwert ermittelt, um für nachfolgende, beispielsweise gleichartige Walzvorgänge Verwendung zu finden. Auch beim nächsten Walzvorgang wird dann ein neuer Korrekturwert ermittelt, der dann für den übernächsten Walzvorgang verwendet werden kann. So wird eine ständige Optimierung und Nachführung der Exaktheit der Voreilung erreicht. Dies wirkt sich unmittelbar gemäß obiger Formel auf die Exaktheit der geschätzten auslaufseitigen Walzgutgeschwindigkeit aus. So wird schließlich das Regelverhalten des Massenflussreglers und schließlich das Walzergebnis verbessert.

[0019] Gemäß der Erfindung wird also mit anderen Worten die Walzgutgeschwindigkeit über ein adaptiertes Walzgutgeschwindigkeitsmodell erfasst. Die Adaption erfolgt durch ständige Anpassung des Korrekturwertes anhand der aktuell ermittelten Messwerte. Adaptiert wird hierbei im oben genannten Modell insbesondere die Voreilung s durch die Messwerte. Es erfolgt also eine Erfassung der Walzgutgeschwindigkeit nur über eine indirekte Walzgutgeschwindigkeitsermittlung bzw. -messung.

[0020] Durch die Erfindung ergibt sich ein robustes Verfahren, welches im Gegensatz zu einem unzulänglichen Messwert für die auslaufseitige Walzgutgeschwindigkeit einen hinreichend genauen Walzgutgeschwindigkeits-Ist-Wert als Schätzwert ermittelt und nutzt.

[0021] Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform des Verfahrens wird als Korrekturwert zunächst der Wert Null gewählt. Im folgenden ermittelte Korrekturwerte werden dann kumulativ für nachfolgende Walzgänge gespeichert. Ein entsprechend ermittelter Korrekturwert wirkt zwar in der Regel erst auf den folgenden Walzvorgang. Im Zeitverlauf führt dies jedoch zu einer fortlaufenden statistischen Adaption des Walzmodells oder der von in Listen gespeicherten Kennwerten für Voreilungen.

[0022] In einer bevorzugten Ausführungsform wird der Messwert am Walzgut selbst ermittelt. Gemeint ist hier jedoch nicht die o.g. direkte Geschwindigkeitsmessung am Walzgut. Gemessen wird ein hiervon unterschiedlicher Messwert, der erst über die Voreilung in die Berechnung der Walzgutgeschwindigkeit einfließt.

[0023] In einer bevorzugten Ausführungsform dieser Variante wird als Messwert diejenige Zeitdifferenz ermittelt, in der ein bestimmter Abschnitt des Walzgutes eine bestimmte Wegstrecke in einer das Walzgerüst enthaltenden Walzstraße zurücklegt. Auch dies steht im Gegensatz zur o.g. direkten Walzgutgeschwindigkeitsmessung. Bei dieser wird nämlich die Geschwindigkeit bestimmt, mit der ein bestimmter Abschnitt des Walzgutes einen festen Anlagenort passiert. Der Abschnitt des Walzgutes ist beispielsweise ein bestimmter fester Punkt oder Ort am Walzgut.

[0024] In einer weiteren bevorzugten Ausführungsform der oben genannten Variante wird als Abschnitt der Kopf des Walzgutes verwendet. Der Kopf des Walzgutes bezeichnet das in Bewegungsrichtung gesehen vordere Ende des Walzgutes.

[0025] In einer bevorzugten Variante der oben genannten Ausführungsform wird als Wegstrecke der Gerüstabstand zweier vom Walzgut durchlaufener Walzgerüste verwendet und als Zeitdifferenz diejenige ermittelt, die zwischen den Zeitpunkten der Anstiche der beiden Walzgerüste durch das Walzgut verstreicht. Insbesondere werden gemäß oben zwei benachbarte Walzgerüste ausgewählt. Die Integration der Walzengeschwindigkeit am ersten Walzgerüst ab dem Zeitpunkt des Anstichs ergibt eine gedachte Länge, mit der das Walzgut auslaufseitig aus dem Walzgerüst herausragt. Die Integration erfolgt bis zum Zeitpunkt, an dem das Walzgut das nächste Gerüst ansticht und ergibt eine Endlänge 1. Die tatsächliche Voreilung ergibt sich nun durch Berechnung aus dem bekannten Abstand der Walzgerüste d, dem genannten Integral und der Zeitdifferenz T=t2-t1 der Anstichzeitpunkte. In dieser Verfahrensvariante wird also eine tatsächliche Ist-Voreilung für das gewalzte Walzgut ermittelt. Diese Voreilung kann dann für nachfolgende Walzvorgänge verwendet werden.

[0026] In einer bevorzugten Ausführungsform des Verfahrens wird zusätzlich eine Ist-Geschwindigkeit des Walzgutes mit bekannten Messverfahren ermittelt. Eine derartige Ist-Geschwindigkeit ist also eine solche, mit der das Walzgut einen bestimmten Anlagenort passiert. Eine derartige Ist-Geschwindigkeit wird tatsächlich gemessen und zusammen mit der erfindungsgemäß ermittelten Voreilung in einem eine geregelte Voreilung ermittelnden Voreilungsadaptionsregler verarbeitet. Mit anderen Worten gehen im Voreilungsadaptionsregler die Ist-Geschwindigkeit und die gemäß der Erfindung korrigierte Voreilung ein. Hier kann insbesondere eine bestimmte Gewichtung zwischen Messwert und Voreilungswert gewählt werden. Mit anderen Worten wird durch die Voreilungsadaptionsregler eine nach dem Walzgerüst beziehungsweise zwischen Walzgerüsten gemessene Walzgutgeschwindigkeit zwar benutzt. Die Benutzung erfolgt jedoch zur Erhöhung der Robustheit der Massenflussregelung nur indirekt, nämlich zusammen mit der erfindungsgemäß ermittelten Voreilung im Voreilungsadaptionsregler.

[0027] Bei dieser Ausführungsform der Walzgutgeschwindigkeitsermittlung wird ein optimaler Kompromiss zwischen robuster Dynamik und hoher stationärer Genauigkeit erzielt. Die gemessene Walzengeschwindigkeit wird dann mit einem modellierten und über die Voreilungsregelung nachgeführten Voreilungsfaktor multipliziert. Als Ergebnis erhält man schlussendlich die weiterzuverarbeitende Walzgutgeschwindigkeit.

[0028] In der eben genannten Verfahrensvariante erfolgt eine robuste Erfassung der dynamischen Anteile aus der Walzengeschwindigkeitsmessung. Die Umrechnung der Walzen- auf die Walzgutgeschwindigkeit erfolgt über eine Voreilung, die modelliert vorliegt und durch eine messwertfilternde Regelung adaptiert wird.

[0029] Die gemessene beziehungsweise durch den Voreilungs- oder Voreilungsadaptionsregler ermittelte Ist-Voreilung ist ein direktes Indiz für die Modellierungsgüte der Voreilung und kann somit ideal zur Adaption der Prozessmodelle benutzt werden.

[0030] Die Adaption der modellierten Voreilung kann im Regler außerdem einfach begrenzt werden:

In einem bevorzugten Ausführungsform dieser Verfahrensvariante wird z.B. bei einer bekannten Fehlmessung der Ist-Geschwindigkeit die vom Voreilungsregler ermittelte geregelte Voreilung eingefroren, d.h. deren Wert bleibt erhalten und wird nicht weiter angepasst. Dies ermöglicht ein ungestörtes Weiterwalzen bei Fehlmessung der Walzgutgeschwindigkeit, in dem der Voreilungsadaptionsregler eingefroren wird, d.h. der zum Zeitpunkt der Fehlmessung geltende Voreilungsfaktor nicht noch weiter korrigiert, sondern konstant weiter verwendet wird. Dies kann beispielsweise so lange geschehen, bis erneut eine gültige Ist-Geschwindigkeit gemessen wird. Die Anpassung der Voreilung kann dann fortgeführt werden, um noch genauere Voreilungswerte zu erhalten.



[0031] Für eine weitere Beschreibung der Erfindung wird auf die Ausführungsbeispiele der Zeichnungen verwiesen. Es zeigen, jeweils in einer schematischen Prinzipskizze:

FIG 1 einen Ausschnitt aus einem Walzwerk,

FIG 2 zwei aufeinanderfolgende Walzgerüste des Walzwerks,

FIG 3 einen alternativen Massenflussregler aus FIG 1.



[0032] FIG 1 zeigt einen Ausschnitt aus einem Walzwerk 2, nämlich ein Walzgerüst 4, in welchem ein Walzgut 6 mit Hilfe einer Walze 8 zu walzen ist. Das Walzgut 6 wird dem Walzgerüst 4 mit einer einlaufenden Walzgutdicke h0 und einer einlaufseitigen Walzgutgeschwindigkeit v0 zugeführt. Nach dem Walzprozess verlässt das Walzgut 6 das Walzgerüst 4 mit einer tatsächlichen auslaufseitigen Walzgutgeschwindigkeit v1 und einer auslaufenden Walzgutdicke h1. Die Walze 8 dreht sich beim Walzprozess mit einer Walzengeschwindigkeit vw. Die auslaufseitige Walzgutgeschwindigkeit v1 kann nicht zuverlässig genug gemessen werden. Daher wird sie modelliert als v1' aus dem Produkt der Walzengeschwindigkeit vw mit einer real vorhandenen Voreilung s. Auch diese Voreilung soll näher adaptiert werden durch die Summe aus einem Grundwert sG und einem Korrekturwert sK.

[0033] Dem Walzgerüst 4 ist ein Massenflussregler 10 zugeordnet, der die Einstellung eines veränderlichen Walzspaltes 12 - angedeutet durch einen Dickenpfeil - im Walzgerüst 4 regelt.

[0034] Da die Ermittlung der tatsächlichen auslaufseitigen Walzgutgeschwindigkeit v1 im Walzwerk 2 hinsichtlich eines zuverlässigen Messwertes große Schwierigkeiten bereitet, verwendet der Massenflussregler 10 die modellierte auslaufseitige Walzgutgeschwindigkeit v1' für die Walzspaltregelung. Gemäß der Erfindung wird diese aus der Walzengeschwindigkeit vw und einer modellierten Voreilung s' gemäß gebildet. Die modellierte Voreilung s' ist hierbei die Summe aus einem Grundwert sG und einem Korrekturwert sK. Der Korrekturwert sK wird gemäß der Erfindung aus einem während des Walzprozesses ermittelten Messwert M gebildet.

[0035] Die modellierte Voreilung s' versucht, die tatsächliche Voreilung s möglichst genau nachzubilden. Die modellierte auslaufseitige Walzgutgeschwindigkeit v1' versucht ebenfalls, die tatsächliche auslaufseitige Walzgutgeschwindigkeit v1 möglichst gut nachzubilden.

[0036] Ein Walzprozess im Walzwerk 2 beginnt zunächst mit einem Korrekturwert sK = 0. Für die Voreilung s' wird also der Grundwert sG benutzt, der beispielsweise einer im Walzwerk vorhandenen Liste oder einem nicht dargestellten Walzmodell entnommen ist. Sobald Messwerte M zur Verfügung stehen, können Korrekturwerte sK gebildet werden, woraufhin sich die modellierte Voreilung s' vom Grundwert sG aus noch besser der tatsächlichen Voreilung s annähert. Auch die Walzgutgeschwindigkeit v1' nähert sich dadurch der realen Walzgutgeschwindigkeit v1 an. Somit ist der Massenflussregler 10 besser in der Lage, den Walzspalt 12 einzustellen, um das Walzgerüst 4 einzuregeln. Dabei nähert sich die tatsächliche auslaufende Walzgutdicke h1 einem Sollwert h1s an.

[0037] FIG 2 zeigt einen größeren Ausschnitt des Walzwerkes 2 und ein Beispiel für die Ermittlung eines Messwertes M. Der Messwert M wird hier am Walzgut 6 - bzw. an einem bestimmten Abschnitt 15 dessen - ermittelt. Dargestellt sind zwei nacheinander liegende - nicht zwangsweise benachbarte - Walzgerüste 4, welche von Walzgut 6 in Richtung des Pfeils 14 durchlaufen werden. Die jeweiligen Zeitpunkte der Anstiche des Walzgutes 6 am jeweiligen Walzgerüst 4 sind die Zeitpunkte t1,2. Bekannt ist außerdem der tatsächliche Gerüstabstand d der beiden Walzgerüste 4 als Abstand der Anstichpunkte der Walzstraße.

[0038] Gemessen wird nun als Messwert M, eine Zeitdifferenz T, in der der Abschnitt 15 eine bestimmte Wegstrecke 17 in der Walzstraße mit den beiden Walzgerüsten 4 zurücklegt. Als Abschnitt 15 wird der Kopf 16 des Walzgutes 6 gewählt, als Wegstrecke 17 der Gerüstabstand d. Gemessen werden im Beispiel die Zeitdifferenz T=t2-t1, sowie ein Integral der Walzengeschwindigkeit vw vom Zeitpunkt t1 bis zum Zeitpunkt t2. Dieses liefert eine gedachte Länge 1, mit der ein Kopf 16 des Walzgutes 6 aus dem ersten Walzgerüst 4 herausragt. Die gedachte Länge 1 entspricht nicht der Realität, da real das Walzgut um eine mit der tatsächlichen Voreilung s multiplizierte Länge aus dem Walzgerüst 4 hervorsteht.

[0039] Ein Vergleich der Länge 1 mit dem tatsächlichen Gerüstabstand d liefert eine tatsächliche Voreilung s und damit einen Korrekturwert sK für den Grundwert sG.

[0040] FIG 3 zeigt einen alternativen Massenflussregler 10, dem als Messwert M eine tatsächlich gemessene auslaufseitige Walzgutgeschwindigkeit v1M zugeführt wird. Diese wird am Walzgut 6 mit Hilfe einer Walzgutgeschwindigkeitsmesseinrichtung 18 ermittelt. Der Massenflussregler 10 enthält einen Voreilungsadaptionsregler 20, dem die tatsächliche Walzengeschwindigkeit vw, die gemessene Walzgutgeschwindigkeit v1M und die gemäß oben ermittelte adaptierte Voreilung s' zugeführt werden. Aus diesen Größen wird eine geregelte Voreilung sR ermittelt, die anschließend eine Limitierungs- und Plausibilisierungsstufe 22 durchläuft. Somit ergibt sich eine weitergehend korrigierte Voreilung s', die dann gemäß oben erläutertem Vorgehen in einem Streckenmodell 24 verwendet wird, um die modellierte auslaufseitige Walzgutgeschwindigkeit v1' zu erzeugen. Diese dient dann letztendlich zur Regelung des Walzspaltes 12 mit Hilfe des Massenflussreglers 10. Mit anderen Worten wird der z.B. gemäß FIG 1 oder FIG 2 erzeugte Korrekturwert sK in der Voreilung s' durch den Voreilungsadaptionsregler 20 und die Limitierungs- und Plausibilisierungsstufe 22 nochmals fein abgestimmt, um eine unter Umständen demgegenüber nochmals besser adaptierte modellierte Voreilung s' zu erzeugen.


Ansprüche

1. Verfahren zur Ermittlung einer auslaufseitigen Walzgutgeschwindigkeit (v1') aus einer Walzengeschwindigkeit (vw) und einer dieser zugeordneten Voreilung (s') in einem Walzgerüst (4) mit einem die Walzgutgeschwindigkeit (v1') verarbeitenden Massenflussregler (10), bei dem die Voreilung (s') aus einem Grundwert (sG) und einem Korrekturwert (sK) gebildet wird, und der Korrekturwert (sK) anhand eines während des Walzvorgangs ermittelten Messwertes (M) ermittelt wird.
 
2. Verfahren nach Anspruch 1,
bei dem als Korrekturwert (sK) zunächst Null gewählt wird und ermittelte Korrekturwerte (sK) kumulativ für nachfolgende Walzvorgänge gespeichert werden.
 
3. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
bei dem der Messwert (M) an einem Walzgut (6) ermittelt wird.
 
4. Verfahren nach Anspruch 3,
bei dem als Messwert (M) diejenige Zeitdifferenz (T) ermittelt wird, in der ein bestimmter Abschnitt (15) des Walzgutes (6) eine bestimmte Wegstrecke (17) in einer das Walzgerüst (4) enthaltenden Walzstraße zurücklegt.
 
5. Verfahren nach Anspruch 4,
bei dem als Abschnitt (15) der Kopf (16) des Walzgutes (6) verwendet wird.
 
6. Verfahren nach Anspruch 4 oder 5,
bei dem als Wegstrecke (17) der Gerüstabstand (d) zweier vom Walzgut (6) durchlaufener Walzgerüste (4) verwendet wird und als Zeitdifferenz (T) diejenige zwischen den Zeitpunkten (t1,2) Anstiche der beiden Walzgerüste (4) ermittelt wird.
 
7. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
bei dem zusätzlich eine Ist-Geschwindigkeit (v1M) des Walzgutes (6), mit der dieses einen bestimmten Anlagenort passiert, gemessen wird und die Ist-Geschwindigkeit (v1M) zusammen mit der ermittelten Voreilung (s') in einem eine geregelte Voreilung (sR) ermittelnden Voreilungsadaptionsregler (20) verarbeitet wird.
 
8. Verfahren nach Anspruch 7,
bei dem bei einer bekannten Fehlmessung der Ist-Geschwindigkeit (v1M) die vom Voreilungsadaptionsregler (20) ermittelte geregelte Voreilung (sR) eingefroren wird.
 




Zeichnung










Recherchenbericht









Recherchenbericht