[0001] Die Erfindung betrifft eine Hörvorrichtung, welche dazu ausgelegt ist, selbsttätig
zu erkennen, ob ein Träger der Hörvorrichtung gerade spricht oder nicht. Zu der Erfindung
gehört auch ein Verfahren zum Betreiben einer Hörvorrichtung, mittels welchem ebenfalls
automatisch erkannt werden kann, ob der Träger der Hörvorrichtung selbst spricht.
Unter einer Hörvorrichtung wird hier jedes im oder am Ohr tragbare, schallausgebende
Gerät verstanden, insbesondere ein Hörgerät, ein Headset, Kopfhörer.
[0002] Hörgeräte sind tragbare Hörvorrichtungen, die zur Versorgung von Schwerhörenden dienen.
Um den zahlreichen individuellen Bedürfnissen entgegenzukommen, werden unterschiedliche
Bauformen von Hörgeräten wie Hinter-dem-Ohr-Hörgeräte (HdO), Hörgerät mit externem
Hörer (RIC: receiver in the canal) und In-dem-Ohr-Hörgeräte (IdO), z.B. auch Concha-Hörgeräte
oder Kanal-Hörgeräte (ITE, CIC), bereitgestellt. Die beispielhaft aufgeführten Hörgeräte
werden am Außenohr oder im Gehörgang getragen. Darüber hinaus stehen auf dem Markt
aber auch Knochenleitungshörhilfen, implantierbare oder vibrotaktile Hörhilfen zur
Verfügung. Dabei erfolgt die Stimulation des geschädigten Gehörs entweder mechanisch
oder elektrisch.
[0003] Hörgeräte besitzen prinzipiell als wesentliche Komponenten einen Eingangswandler,
einen Verstärker und einen Ausgangswandler. Der Eingangswandler ist in der Regel ein
Schallempfänger, z. B. ein Mikrofon, und/oder ein elektromagnetischer Empfänger, z.
B. eine Induktionsspule. Der Ausgangswandler ist meist als elektroakustischer Wandler,
z. B. Miniaturlautsprecher, oder als elektromechanischer Wandler, z. B. Knochenleitungshörer,
realisiert. Der Verstärker ist üblicherweise in eine Signalverarbeitungseinheit integriert.
Dieser prinzipielle Aufbau ist in FIG 1 am Beispiel eines Hinter-dem-Ohr-Hörgeräts
dargestellt. In ein Hörgerätegehäuse 1 zum Tragen hinter dem Ohr sind ein oder mehrere
Mikrofone 2 zur Aufnahme des Schalls aus der Umgebung eingebaut. Eine Signalverarbeitungseinheit
3, die ebenfalls in das Hörgerätegehäuse 1 integriert ist, verarbeitet die Mikrofonsignale
und verstärkt sie. Das Ausgangssignal der Signalverarbeitungseinheit 3 wird an einen
Lautsprecher bzw. Hörer 4 übertragen, der ein akustisches Signal ausgibt. Der Schall
wird gegebenenfalls über einen Schallschlauch, der mit einer Otoplastik im Gehörgang
fixiert ist, zum Trommelfell des Geräteträgers übertragen. Die Energieversorgung des
Hörgeräts und insbesondere die der Signalverarbeitungseinheit 3 erfolgt durch eine
ebenfalls ins Hörgerätegehäuse 1 integrierte Batterie 5.
[0004] Bei vielen Hörvorrichtungen und insbesondere bei Hörgeräten ist man bemüht, die Höranstrengung
so gering wie möglich zu halten, wenn Umgebungsschall über die Hörvorrichtung wahrgenommen
wird. Hierzu kann vorgesehen sein, ein Sprachsignal in denjenigen spektralen Bändern,
in welchen der Träger der Hörvorrichtung nur schlecht hört, zu verstärken. Eine andere
Möglichkeit besteht darin, einen Beamformer bereitzustellen, welcher sein Richtverhalten
in der Weise anpasst, dass eine Hauptkeule des Beamformers stets in diejenige Richtung
weist, aus welcher beispielsweise die Stimme eines Gesprächspartners des Trägers der
Hörvorrichtung kommt. Solche Algorithmen müssen ihr Verhalten prinzipiell nicht ändern,
wenn der Träger der Hörvorrichtung Stimmen unterschiedlicher Sprecher aus verschiedenen
Richtungen wahrnehmen möchte. Die Verstärkung der unterschiedlichen Frequenzbänder
in Abhängigkeit von dem Hörvermögen des Trägers der Hörvorrichtung kann in der Regel
stets dieselbe bleiben, also unabhängig von den wechselnden Sprechern. Ein Beamformer
muss lediglich schnell genug zwischen den Richtungen wechseln können, aus welchen
die Stimmen der Sprecher abwechselnd kommen.
[0005] Anders sieht es in dem Fall aus, wenn der Träger der Hörvorrichtung selbst spricht.
Der Träger nimmt seine eigene Stimme beispielsweise aufgrund einer Knochenschallübertragung
stets anders wahr als die Stimme von Personen in seiner Umgebung. Wird nun durch die
Hörvorrichtung die eigene Stimme des Trägers von einem Mikrofon als Luftschall erfasst
und in der gleichen Weise prozessiert wie die Stimmen anderer Sprecher, so nimmt der
Träger der Hörvorrichtung seine eigene Stimme verfremdet wahr. Im Falle eines Beamforming
ist bei einer Sprachaktivität des Trägers der Hörvorrichtung nicht klar, wohin die
Hauptkeule des Beamformers eigentlich zeigen soll. Diese Beispiele verdeutlichen,
dass es bei einer Hörvorrichtung für viele Algorithmen von Vorteil ist, wenn bei der
Verarbeitung des Audiosignals bekannt ist, ob gerade der Träger der Hörvorrichtung
selbst spricht oder ob ein erfasster Schall aus einer Umgebung des Trägers von einer
externen Schallquelle auf die Hörvorrichtung getroffen ist.
[0006] Im Zusammenhang mit Hörgeräten ist als heutige Lösung für eine solche Eigenstimmerkennung
(OVD - Own Voice Detection) bekannt, in einem Ohrstück eines Hörgeräts ein zusätzliches
Mikrofon vorzusehen, dessen Schalleintrittsöffnung in das Innere des Ohrkanals weist.
Durch Vergleichen des Signal des äußeren, regulären Mikrofon mit dem Signal des zusätzlichen
Mikrofons kann erkannt werden, ob der Träger der Hörvorrichtung das Audiosignal selbst
mit seiner Stimme erzeugt hat oder ob es sich um ein Audiosignal einer externen Schallquelle
handelt. Nachteilig bei dieser Lösung ist, dass das Hörgerät sowohl mit einem zusätzlichen
Mikrofon als auch mit der benötigten Schaltung zum Verarbeiten von dessen Mikrofonsignal
ausgestattet sein muss, was die Herstellungskosten des Hörgeräts entsprechend erhöht.
Zudem führt der Vergleich der beiden Mikrofonsignale nur dann zu verlässlichen Ergebnissen,
wenn das Ohrstück des Hörgeräts fest im Gehörgang sitzt, so dass das innere Mikrofon
ausreichend vom Umgebungsschall abgeschirmt ist. Ein Beispiel für ein solches Hörgerät
geht aus der
DE 10 2005 032 274 A1 hervor.
[0007] In der
US 2006/0262944 A1 ist eine Signalverarbeitungseinrichtung für ein Hörgerät beschrieben, welche dazu
ausgelegt ist, eine Eigensprecheraktivität auf der Grundlage von Mikrofonsignalen
zweier Mikrofone zu erkennen. Die Erkennung wird auf Grundlage der spezifischen Charakteristiken
eines Schallfelds durchgeführt, wie sie die Eigenstimme des Hörgeräteträgers aufgrund
von Nachfeldeffekten hervorruft, sowie auf Grundlage der Symmetrie der Mikrofonsignale.
Zusätzlich zur Nachfelddetektion kann in parallelen Verarbeitungsblöcken der absolute
Pegel der Signale sowie die spektrale Einhüllende der Signalspektren analysiert werden.
Die drei Analyseblöcke liefern jeweils ein binäres Signal, durch welches angezeigt
ist, ob der jeweilige Signalblock Eigensprachaktivität erkannt hat oder nicht. Ein
den Analyseblöcken nachgeschalteter Kombinationsblock verknüpft die Signale mittels
einer UND-Verknüpfung zu einer Gesamtentscheidung.
[0008] In der
DE 602 04 902 B2 ist eine programmierbare Kommunikationseinrichtung beschrieben, welche bei Erkennen
einer Eigensprecheraktivität eine Signalverarbeitung gemäß den Vorgaben eines Benutzers
der Kommunikationseinrichtung umstellt, um so dem Benutzer eine möglichst natürliche
Widergabe seiner eigenen Sprache darzubieten. Um die Eigensprecheraktivität zu erkennen,
werden aus Mikrofonsignalen Parameter extrahiert, die dann mit zuvor angelernten Parametern
verglichen werden, wobei die angelernten Parameter auf Grundlage der Eigenstimme des
Benutzers ermittelt wurden. Bevorzugte Parameter sind hierbei zum einen der Pegel
eines niederfrequenten Kanals und zum anderen der Pegel eines hochfrequenten Kanals,
wobei beide Pegel kombiniert werden, um daraufhin zu entscheiden, ob das Signal in
den beiden Kanälen eine Eigenstimme ist oder nicht.
[0009] Eine Aufgabe der vorliegenden Erfindung besteht darin, eine zuverlässige Eigenstimmerkennung
für eine Hörvorrichtung bereitzustellen.
[0010] Die Aufgabe wird durch eine Hörvorrichtung gemäß Patentanspruch 1 sowie durch ein
Verfahren gemäß Patentanspruch 4 gelöst. Vorteilhafte Weiterbildungen der Erfindung
sind durch die Unteransprüche gegeben.
[0011] Die erfindungsgemäße Hörvorrichtung und das erfindungsgemäße Verfahren sind nicht
auf einen Vergleich zweier unabhängig voneinander erfasster Audiosignale angewiesen.
Stattdessen wird eine zuverlässige und robuste Eigensprechererkennung erzielt, indem
von der Hörvorrichtung empfangene Audiosignale auf mehr als eine Analyseart darauf
hin untersucht werden, ob sie auf eine Eigensprecheraktivität hindeuten. Die unterschiedlichen
Analyseergebnisse werden dann in einem zweiten Schritt zusammengeführt, um aus den
zusammengeführten Informationen eine zuverlässige Aussage darüber zu treffen, ob der
Träger der Hörvorrichtung gerade spricht oder nicht. Das Risiko einer falschen Eigensprecherdetektion
wird durch diese Fusion der unterschiedlichen Informationsquellen deutlich reduziert,
da falsche Detektionsergebnisse, wie sie sich aufgrund lediglich einer einzelnen Analyse
ergeben können, durch die Ergebnisse anderer Analysen kompensiert werden, die für
eine spezielle Situation evtl. besser geeignet sind.
[0012] Um diese Erkenntnis der Erfindung umzusetzen, weist die erfindungsgemäße Hörvorrichtung
wenigstens zwei unabhängige Analyseeinrichtungen auf, von denen jede dazu ausgelegt
ist, auf der Grundlage eines von der Hörvorrichtung empfangenen Audiosignals Daten
zu gewinnen, die hier als Sprachaktivitätsdaten bezeichnet werden und von denen ausgegangen
wird, dass sie von einer Sprecheraktivität des Trägers der Hörvorrichtung abhängig
sind. Im Zusammenhang mit der Erfindung ist unter einem Audiosignal hierbei ein elektrisches
oder digitales Signal zu verstehen, welches Signalanteile im Audiofrequenzbereich
aufweist. Jeder der Analyseeinrichtungen kann ein Audiosignal aus einer anderen Signalquelle
zugeführt werden. Es kann aber auch ein und dasselbe Audiosignal mehreren Analyseeinrichtungen
zugeführt werden. Beispiele für Quellen eines Audiosignals sind ein Mikrofon, ein
Beamformer oder ein Körperschallsensor.
[0013] Durch die Analyseeinrichtungen werden die Sprachaktivitätsdaten jeweils auf Grundlage
eines anderen Analysekriteriums gewonnen, also beispielsweise in Abhängigkeit von
einer Einfallsrichtung eines Umgebungsschalls, in Abhängigkeit von spektralen Werten
eines Frequenzspektrums des Audiosignals, auf der Grundlage einer sprecherunabhängigen
Sprachaktivitätserkennung oder in Abhängigkeit von einer binauralen Information, wie
sie gewonnen werden kann, wenn an unterschiedlichen Seiten eines Kopfes des Trägers
Audiodaten erfasst werden.
[0014] Um nun aus den Sprachaktivitätsdaten der einzelnen Analyseeinrichtungen eine zuverlässige
Aussage darüber treffen zu können, ob der Träger gerade spricht oder nicht, weist
die erfindungsgemäße Hörvorrichtung eine Fusionseinrichtung auf, welche dazu ausgelegt
ist, die Sprachaktivitätsdaten von den Analyseeinrichtungen zu empfangen und auf der
Grundlage der Sprachaktivitätsdaten die Eigensprechererkennung durchzuführen. Es kann
hierbei ausreichend sein, dass die Fusionseinrichtung dazu ausgelegt ist zu erkennen,
ob die Stimme des Trägers aktiv ist oder nicht. Es muss nur in wenigen Fällen die
Identität des Trägers erkannt werden, z. B. bei der Verwendung spektraler Merkmale.
[0015] Wie bereits beschrieben, können mehrere Audioquellen zum Bereitstellen von unterschiedlichen
Audiosignalen verwendet werden. Besonders günstig lässt sich die erfindungsgemäße
Hörvorrichtung jedoch herstellen, wenn nur diejenige Mikrofoneinrichtung benutzt wird,
mittels welcher auch der auf den Träger treffende Umgebungsschall in das Nutzsignal
umgewandelt wird, welches dem Träger der Hörvorrichtung in prozessierter Form dargeboten
werden soll. Mit einer Mikrofoneinrichtung ist hierbei nicht unbedingt ein einzelnes
Mikrofon gemeint. Es kann auch ein Mikrofonarray oder eine andere Anordnung aus mehreren
Mikrofonen verwendet werden.
[0016] Um auf eine durch die Fusionseinrichtung erkannte Sprecheraktivität des Trägers angemessen
reagieren zu können, weist eine besonders zweckmäßige Weiterbildung der erfindungsgemäßen
Hörvorrichtung eine Anpassungseinrichtung auf, welche dazu ausgelegt ist, eine Betriebsweise
der Hörvorrichtung zu verändern, falls der Träger spricht. Insbesondere kann hier
vorgesehen sein, dass ein Übertragungsverhalten der Hörvorrichtung angepasst wird,
um dem Träger der Hörvorrichtung einen neutralen Klangeindruck von seiner eigenen
Stimme zu vermitteln. Hierbei hat es sich als besonders zweckmäßig erwiesen, einen
niederfrequenten Anteil des Nutzsignals zu dämpfen, um die als Okklusionseffekt bekannte
verzerrte Wahrnehmung der eigenen Stimme zu vermeiden. Im Zusammenhang mit einer ausrichtbaren
Beamformingeinrichtung wird zweckmäßigerweise deren Richtverhalten angepasst. So ist
es insbesondere günstig, das selbsttätige Ausrichten der Richtcharakteristik zu blockieren,
während die Stimme des Trägers aktiv ist.
[0017] Durch die Erfindung wird auch ein Verfahren zum Betreiben einer Hörvorrichtung bereitgestellt.
Gemäß dem Verfahren werden mittels wenigstens zweier Analyseeinrichtungen unabhängig
voneinander jeweils Sprachaktivitätsdaten gewonnen, d.h. Daten, die von einer Sprecheraktivität
eines Trägers der Hörvorrichtung abhängig sind. Die Sprachaktivitätsdaten der Analyseeinrichtungen
werden mittels einer Fusionseinrichtung kombiniert. Auf der Grundlage dieser kombinierten
Sprachaktivitäten dann zusammenfassend überprüft, ob der Träger spricht oder nicht.
[0018] Die Analyse des Audiosignals durch die einzelnen Analyseeinrichtungen und die Sprachaktivitätserkennung
durch die Fusionseinrichtung können dabei auf zahlreiche unterschiedliche Weisen geschehen.
Das erfindungsgemäße Verfahren ermöglicht es dabei in vorteilhafter Weise, die unterschiedlichsten
Analysemethoden frei zu kombinieren und sie für eine zuverlässige und robuste Gesamtaussage
über die Sprachaktivität zu kombinieren.So kann vorgesehen sein, dass durch wenigstens
eine der Analyseeinrichtungen eine Merkmalsextraktion durchgeführt wird. Dies bedeutet,
dass in Abhängigkeit von dem Audiosignal Merkmalswerte ermittelt werden, wie etwa
eine Einfallsrichtung eines Schalls, welcher das Audiosignal hervorgerufen hat, oder
eine Halligkeit des Audiosignals. Bei den Merkmalen kann es sich auch um eine bestimmte
Repräsentation einzelner Segmente des Audiosignals handeln, wie etwa spektrale oder
cepstrale Koeffizienten, Koeffizienten eine linearen Prädiktion (LPC - Linear Prediction
Coefficients). Als abstraktere Merkmale sind beispielsweise das Geschlecht des Sprechers
(männliche oder weibliche Stimme) oder das Ergebnis einer Phonemanalyse (Vokal, Frikativ,
Plosiv) denkbar.
[0019] Genauso kann es zweckmäßig sein, durch die Analyseeinrichtung bereits eine vorläufige
Aussage darüber zu treffen, ob der Träger der Hörvorrichtung gerade spricht. Dies
geschieht in Form eines Wahrscheinlichkeitswertes (Werte zwischen null und eins).
Es kann aber auch bereits als so genannte harte oder binäre Entscheidung (spricht
oder spricht nicht) geschehen. Letzteres kann durch eine Analyseeinrichtung ermöglicht
sein, die als Klassifikator fungiert und hierzu auf der Grundlage eines Klassifikationskriteriums
überprüft, ob der Träger spricht oder nicht. Solche Klassifikationskriterien sind
aus dem Stand der Technik beispielsweise im Zusammenhang mit einer so genannten sprecherunabhängigen
Voice-Activity-Detection (VAD) an sich bekannt und verfügbar.
[0020] Liegen nun Sprachaktivitätsdaten mehrerer Analyseeinrichtungen vor, so wird, je nach
Art der Sprachaktivitätsdaten, gemäß einem Aspekt der Erfindung durch die Fusionseinrichtung
eine Gewichtung der einzelnen Sprachaktivitätsdaten durchgeführt. Diese Gewichtung
ist dann dabei davon abhängig, von welcher Analyseeinrichtung die jeweiligen Sprachaktivitätsdaten
stammen. Durch die Gewichtung wird hier in vorteilhafter Weise erreicht, dass je nach
aktueller Situation eine Analyseeinrichtung, von der bekannt ist, dass sie in dieser
Situation erwartungsgemäß nur unzuverlässige Daten liefert, weniger Einfluss auf das
Entscheidungsergebnis erhält als eine bekanntermaßen in der Situation zuverlässig
arbeitende Analyseeinrichtung. Dabei sind für diese Gewichtungen entweder trainierbare
oder untrainierbare Ausführungsformen realisierbar. Die gewichteten Sprachaktivitätsdaten
lassen sich schließlich miteinander verknüpfen, wodurch sich die bereits beschriebene
Informationsfusion ergibt.
[0021] Besonders einfach lassen sich Sprachaktivitätsdaten unterschiedlicher Analyseeinrichtungen
kombinieren, wenn durch die Sprachaktivitätsdaten bereits eine Vorentscheidung über
die Sprecheraktivität vorliegt. Dann kann beispielsweise durch die Fusionseinrichtung
eine Mehrheitsentscheidung getroffen werden, die etwas darüber aussagt, ob durch die
Analyseeinrichtungen zusammen die Sprecheraktivität angezeigt wird.
[0022] Eine andere zweckmäßige Form der Datenfusion besteht darin, aus den so genannten
Softentscheidungen von Sprachaktivitätsdetektoren einen Mittelwert zu berechnen. Solche
Sprachaktivitätsdetektoren können dazu in wenigstens zwei Analyseeinrichtungen z.B.
mit unterschiedlicher Parametrierung bereitgestellt sein.
[0023] Die vorangehend beschriebenen Weiterbildungen der Analyseeinrichtungen und der Fusionseinrichtung
beziehen sich sowohl auf die erfindungsgemäße Hörvorrichtung als auch auf das erfindungsgemäße
Verfahren.
[0024] Im Folgenden wird die Erfindung noch einmal genauer anhand von Ausführungsbeispielen
beschrieben. Es zeigt:
- FIG 1
- eine schematische Darstellung eines Hörgeräts gemäß dem Stand der Technik und
- FIG 2
- eine schematische Darstellung einer Hörvorrichtung gemäß einer Ausführungsform der
erfindungsgemäßen Hörvorrichtung.
[0025] Die Beispiele stellen bevorzugte Ausführungsformen der Erfindung dar.
[0026] In FIG 2 ist eine Hörvorrichtung 10 gezeigt, welche einen Schall 12 aus einer Umgebung
eines Trägers der Hörvorrichtung erfasst. Das Audiosignal des Schalls 12 wird durch
die Hörvorrichtung 10 verarbeitet und als Ausgabeschallsignal 14 in einem Gehörgang
16 des Trägers der Vorrichtung wiedergegeben. Bei der Hörvorrichtung 10 kann es sich
beispielsweise um ein Hörgerät, wie etwa ein Hinter-dem-Ohr-Hörgerät oder ein Indem-Ohr-Hörgerät
handeln. Die Hörvorrichtung 10 erfasst den Umgebungsschall 12 mittels einer Mikrofoneinrichtung
18, auf die der Umgebungsschall 12 aus der Umgebung trifft und die das Audiosignal
des Schalls 12 in ein digitales Nutzsignal umwandelt. Das Nutzsignal wird durch eine
Verarbeitungseinrichtung 20 der Hörvorrichtung 10 verarbeitet und anschließend in
verarbeiteter Form durch einen Hörer 22 der Hörvorrichtung 10 in dem Gehörgang 16
als der Ausgangsschall 14 abgestrahlt.
[0027] Die Mikrofoneinrichtung 18 kann ein oder mehrere Mikrofone aufweisen. In FIG 2 ist
beispielhaft eine Mikrofoneinrichtung 18 mit drei Mikrofonen 24, 26, 28 dargestellt.
Die Mikrofone 24 bis 28 können ein Mikrofonarray bilden; sie können aber auch unabhängig
voneinander beispielsweise an gegenüberliegenden Seiten des Kopfes des Trägers der
Hörvorrichtung angebracht sein. Bei der Verarbeitungseinrichtung 20 kann es sich beispielsweise
um einen digitalen Signalprozessor handeln. Die Verarbeitungseinrichtung 20 kann aber
auch durch separate oder integrierte Schaltkreise realisiert sein. Der Hörer 22 kann
beispielsweise ein Kopfhörer sein oder ein RIC (Receiver in the Canal) oder auch ein
externer Hörgerätehörer, dessen Schall über einen Schallschlauch in den Gehörgang
16 geleitet wird.
[0028] Bei der Hörvorrichtung 10 ist vorgesehen, dass für den Fall, dass der Schall 12 von
einer externen Schallquelle, beispielsweise einem Gesprächspartner des Geräteträgers
oder einer Musikquelle stammt, die das Nutzsignal durch eine Signalverarbeitung 30
in der Weise verarbeitet wird, dass der Geräteträger ein an sein Hörvermögen angepasstes
Ausgangsschallsignal 14 wahrnimmt.
[0029] Für den Fall, dass der Träger der Hörvorrichtung 10 selbst spricht, singt oder andere
Geräusche mit seiner Stimme erzeugt, die er nicht nur über die Hörvorrichtung 10,
sondern auch z.B. durch Knochenschall mit seinem Gehör wahrnimmt, wird die Signalverarbeitung
30 in einen Modus umgeschaltet, durch welchen dem Träger ein neutraler Klangeindruck
der eigenen Stimme vermittelt wird, wenn er diese zusätzlich auch über die Hörvorrichtung
10 wahrnimmt. Die hierzu durch die Signalverarbeitung 30 durchzuführenden Maßnahmen
sind an sich aus dem Stand der Technik bekannt.
[0030] Um die Signalverarbeitung 30 zwischen den beiden Modi umzuschalten, wird durch die
Verarbeitungseinrichtung 20 das im Folgenden näher erläuterte Verfahren durchgeführt.
Das Verfahren ermöglicht es, zuverlässig auf der Grundlage des Umgebungsschalls 12
zu erkennen, ob es sich bei dem Umgebungsschall 12 um die eigene Stimme des Trägers
der Hörvorrichtung 10 handelt oder nicht. Das Verfahren verlässt sich dabei nicht
auf akustische Merkmale einer einzelnen Informationsquelle. Ein Signal einer solchen
einzelnen Quelle wäre mit einer zu großen Varianz behaftet, so dass eine verlässliche
Aussage über die Sprecheraktivität nur durch eine Glättung des Signals über einen
langen Zeitraum hin erreicht werden könnte. Damit könnte die Verarbeitungseinrichtung
20 nicht auf schnelle Wechsel zwischen der Stimme des Trägers der Hörvorrichtung 10
einerseits und der Stimme einer anderen Person reagieren. In anderen akustischen Szenarien,
in welchen der Umgebungsschall 12 mit wechselnden Anteilen sowohl die Stimme des Trägers
als auch Umgebungsgeräusche enthält, könnte auf der Grundlage einer einzigen Quelle
für akustische Merkmale überhaupt keine zuverlässige Entscheidung getroffen werden.
[0031] Aus diesem Grund sind bei der Verarbeitungseinrichtung 20 mehrere Analyseeinrichtungen
32, 34, 36, 38 bereitgestellt, die unabhängige Informationsquellen betreffend die
Sprecheraktivität des Trägers der Hörvorrichtung darstellen. Die hier gezeigten vier
Analyseeinrichtungen 32 bis 38 stellen nur eine beispielhafte Konfiguration einer
Verarbeitungseinrichtung dar. Die Analyseeinrichtungen 32 bis 38 können beispielsweise
durch ein oder mehrere Analyseprogramme für einen digitalen Signalprozessor bereitgestellt
sein.
[0032] Die Analyseeinrichtungen 32 bis 38 erzeugen in Abhängigkeit von dem Nutzsignal der
Mikrofoneinrichtung 18 Ausgangssignale, welche Daten bzgl. der Sprachaktivität des
Hörgeräteträgers d. h. Sprachaktivitätsdaten 40, 42, 44, 46 enthalten. Die Sprachaktivitätsdaten
40 bis 46 werden von einer Fusionseinrichtung 48 fusioniert (FUS - Fusion), das heißt
sie werden zu einem einzigen Signal kombiniert, welches anzeigt, ob die Stimme des
Trägers aktiv ist (OVA - Own Voice Active), oder ob sie nicht aktiv ist (OVNA - Own
Voice not Active). Das Ausgangssignal der Fusionseinrichtung 48 bildet ein Steuersignal
der Signalverarbeitung 30, durch welches die Signalverarbeitung 30 zwischen den beiden
beschriebenen Modi hart umgeschaltet oder weich umgeblendet wird.
[0033] Generell ist zu den Analysekriterien der Analyseeinrichtung 32 bis 38 anzumerken,
dass der Fachmann auf der Grundlage einfacher Versuche zu einem konkreten Modell einer
Hörvorrichtung auf einfache Weise geeignete Analysekriterien finden kann, um zwischen
einem Umgebungsschall 12, der von der Stimme des Trägers der Hörvorrichtung 10 selbst
erzeugt wird, und einen Umgebungsschall 12, der von Schallquellen aus der Umgebung
des Trägers stammt, unterscheiden zu können. Im Folgenden sind beispielhafte mögliche
Ausgestaltungen der Analyseeinrichtungen 32 bis 38 beschrieben, die sich als besonders
zweckmäßig erwiesen hat. Durch die Analyseeinrichtung 32 kann beispielsweise eine
Auswertung einer räumlichen Information durchgeführt werden, wie sie auf der Grundlage
mehrerer Mikrofonkanäle (MC - Multi Channel) in an sich bekannter Weise gewonnen werden
können. Hierdurch kann beispielsweise eine Einfallrichtung 50 ermittelt werden, aus
welcher der Umgebungsschall 12 auf die Mikrofoneinrichtung 18 oder zumindest einige
von deren Mikrofone 24 bis 28 trifft.
[0034] Durch die Analyseeinrichtung 34 kann beispielsweise eine spektrale Auswertung auf
der Grundlage eines einzelnen Mikrofonkanals (SC - Single Channel) erfolgen. Solche
Analysen sind ebenfalls an sich aus dem Stand der Technik bekannt und beruhen beispielsweise
auf der Auswertung einer Signalleistung in einzelnen spektralen Bändern des Audiosignals.
Eine mögliche spektrale Information besteht in einer Sprecherverifikation. Durch eine
solche Sprecherverifikation wird eine "Eins aus N" Sprechererkennung durchgeführt,
d. h. es wird ein ganz bestimmter Sprecher aus mehreren möglichen Sprechern erkannt.
Sie kann beispielsweise anhand einer spektralen Charakteristik des zu erkennenden
Sprechers, also hier des Trägers der Hörvorrichtung 10, durchgeführt werden.
[0035] Durch die Analyseeinrichtung 36 kann beispielsweise eine sprecherunabhängige Sprachaktivitätsdetektion
(VAD) auf der Grundlage eines einzelnen Mikrofonkanals durchgeführt werden. Durch
die Analyseeinrichtung 38 kann aus mehreren Mikrofonkanälen eine binaurale Information
gewonnen werden, wie sie im Unterschied zu einem Mikrofonarray auch mit weiter beabstandeten
Mikrofonen gewonnen werden kann.
[0036] Die Ausgabesignale der einzelnen Analyseeinrichtungen 32 bis 38, d.h. die Sprachaktivitätsdaten
40 bis 46, können je nach Analyseart die extrahierte Information in unterschiedlicher
Weise repräsentieren. Zweckmäßige Formen sind die Ausgabe von Merkmalen in Form von
diskreten realen Zahlen, die Ausgabe von Wahrscheinlichkeiten (also etwa realen Zahlen
zwischen null und eins) oder sogar die Ausgabe von konkreten Entscheidungen zur Sprecheraktivität
(also evtl. binäre Ausgaben von null oder eins). Bei den Wahrscheinlichkeiten kann
es sich beispielsweise um Likelihoodwerte handeln. In FIG 2 ist jede dieser Ausgabeform
durch entsprechende Hinweise auf Merkmale X, Wahrscheinlichkeiten P (Probability)
oder Entscheidungen D (Decision) veranschaulicht.
[0037] Durch die Fusionseinrichtung 48 wird eine Auswertung der Sprachaktivitätsdaten 40
bis 46 durchgeführt, die letztlich für die Steuerung der Signalverarbeitung 30 entscheidend
ist. Bei der Fusionseinrichtung 48 kann es sich beispielsweise um ein Programm oder
einen Programmabschnitt eines digitalen Signalprozessors handeln.
[0038] Die Art der "Fusion" der Aktivitätsdaten 40 bis 46 hängt dabei ebenfalls in hohem
Maß von den verwendeten Analyseeinrichtungen 32 bis 38 sowie von der verwendeten Form
der Sprachaktivitätsdaten 40 bis 46 (Merkmale, Wahrscheinlichkeiten oder Einzelentscheidungen)
ab. Durch die Fusionseinrichtung 48 können die Sprachaktivitätsdaten beispielsweise
parallel verarbeitet werden oder seriell oder auch in einem hybriden Ansatz.
[0039] Die Sprachaktivitätsdaten 40 bis 46 können dabei durch die Fusionseinrichtung 48
einer eingangsseitigen Gewichtung unterzogen werden. Geeignete Gewichte lassen sich
beispielsweise mittels eines Trainingsprozesses auf der Grundlage von Trainingsdaten
ermitteln, die zum Beispiel mittels eines Lautsprechers als Umgebungsschall 12 auf
die Hörvorrichtung 10 abgestrahlt werden können. Mittels des Trainingsprozesses lassen
sich die Gewichte dann beispielsweise in Form einer Kovarianzmatrix ermitteln, durch
welche ein Zusammenhang zwischen den Sprachaktivitätsdaten 40 bis 46 einerseits und
der zu treffenden, wahren Entscheidung (Träger spricht oder spricht nicht) beschrieben
ist. Bei Verwendung einer Kovarianzmatix werden die Sprachaktivitätsdaten 40 bis 46
zweckmäßigerweise in Form eines Vektors an die Fusionseinrichtung 48 übertragen, in
welchem die Zahlenwerte der Analyseergebnisse, beispielsweise die Wahrscheinlichkeiten,
zusammengefasst sind. Über die Kovarianzmatrix können für den Fall, dass zwei oder
mehr der Analyseeinrichtungen 32 bis 38 Merkmale X1, X2, X3, X4 als Sprachaktivitätsdaten
40 bis 46 erzeugen, daraus zusammengefasste Merkmale X gebildet werden, die dann in
Bezug auf die Sprachaktivität des Trägers ausgewertet werden. Die Auswertung der Merkmale
bzgl. der Sprecheraktivität kann beispielsweise auf der Grundlage einer an sich bekannten
Methode aus dem Gebiet der Mustererkennung erfolgen.
[0040] Eine weitere mögliche Auswertemethode der Fusionseinrichtung 48 ist eine Mehrheitsentscheidung,
die beispielsweise auf der Grundlage von Einzelentscheidungen D1, D2, D3, D4 Analyseeinrichtungen
32 bis 38 geführt werden kann. Das Ergebnis ist dann eine Gesamtentscheidung D.
[0041] Für den Fall, dass zwei oder mehr der Analyseeinrichtung 32 bis 38 Wahrscheinlichkeitswerte
P1, P2, P3, P4 als Sprachaktivitätsdaten 40 bis 46 erzeugen, können diese Wahrscheinlichkeiten
beispielsweise durch Berechnen eines Mittelwerts dieser Wahrscheinlichkeitswerte P1
bis P4 zu einer Gesamtwahrscheinlichkeit P zusammengefasst werden. Die Gesamtwahrscheinlichkeit
P kann dann beispielsweise mit einem Schwellwert verglichen werden, um die abschließende
Gesamtentscheidung D zu gewinnen.
[0042] In Abhängigkeit von dem Ausgabesignal der Fusionseinrichtung 48 (OVA/OVNA) kann durch
die Signalverarbeitung 30 beispielsweise ein Frequenzgang des Signalpfads eingestellt
werden, wie er durch die Mikrofoneinrichtung 18, die Verarbeitungseinrichtung 20,
die Signalverarbeitungseinrichtung 30 und den Hörer 22 gebildet wird. Beispielsweise
können zur Vermeidung eines Okklusionseffekts tiefe Frequenzen des Audiosignals gedämpft
werden. Genauso kann vorgesehen sein, dass ein Richtmikrofon bei Einsetzen der Stimme
des Trägers nicht adaptiert wird, da es keinen Sinn macht, die Hauptkeule eines Beamformers
von einer externen Quelle weg zu schwenken, wenn der Träger der Hörvorrichtung 10
spricht.
[0043] Insgesamt ist durch Beispiele gezeigt, wie eine robuste und zuverlässige Eigensprechererkennung
in einer Hörvorrichtung bereitgestellt werden kann, ohne dass hierzu ein zusätzliches
Mikrofon in dem Gehörgang 16 des Trägers der Hörvorrichtung 10 benötigt wird.
1. Hörvorrichtung, umfassend
- wenigstens zwei Analyseeinrichtungen (32 bis 38), von denen jede dazu ausgelegt
ist, auf der Grundlage eines von der Hörvorrichtung (10) empfangenen Audiosignals
(12) Sprachaktivitätsdaten (40 bis 46) zu gewinnen, welche von einer Sprecheraktivität
eines Trägers der Hörvorrichtung (10) abhängig sind, und
- eine Fusionseinrichtung (48), welche dazu ausgelegt ist, die Sprachaktivitätsdaten
(40 bis 46) von den Analyseeinrichtungen (32 bis 38) zu empfangen und auf der Grundlage
der Sprachaktivitätsdaten (40 bis 46) zu erkennen, ob der Träger gerade spricht oder
nicht,
dadurch gekennzeichnet, dass
- wenigstens eine der Analyseeinrichtungen (32 bis 38) dazu ausgelegt ist, in Abhängigkeit
von dem Audiosignal Werte (P1 bis P4) für eine Softentscheidung oder für eine Wahrscheinlichkeit
dafür zu ermitteln, dass der Träger gerade spricht, und/oder
- die Fusionseinrichtung (48) dazu ausgelegt ist, die Sprachaktivitätsdaten (40 bis
46) wenigstens zweier Analyseeinrichtungen (32 bis 38) in Abhängigkeit davon, von
welcher Analyseeinrichtung (32 bis 38) sie stammen, durch trainierte oder untrainierte
Gewichtsfaktoren zu gewichten und die gewichteten Sprachaktivitätsdaten (40 bis 46)
miteinander zu verknüpfen.
2. Hörvorrichtung (10) nach Anspruch 1, gekennzeichnet durch eine Mikrofoneinrichtung (18), die wenigstens ein Mikrofon (24 bis 28) umfasst und
die dazu ausgelegt ist, einen auf den Träger treffenden Umgebungsschall (12) in ein
Nutzsignal umzuwandeln, wobei die Analyseeinrichtungen (32 bis 38) dazu ausgelegt
sind, das Nutzsignal als das Audiosignal zu verarbeiten.
3. Hörvorrichtung (10) nach Anspruch 1 oder 2, gekennzeichnet durch eine Anpassungseinrichtung (30), welche dazu ausgelegt ist, eine Betriebsweise der
Hörvorrichtung (10), insbesondere ein Übertragungsverhalten der Hörvorrichtung (10)
und/oder ein Richtverhalten einer adaptiven Beamformingeinrichtung der Hörvorrichtung
(10), zu verändern, falls die Fusionseinrichtung (48) erkennt, dass der Träger spricht.
4. Verfahren zum Betreiben einer Hörvorrichtung (10), indem mittels wenigstens zweier
Analyseeinrichtungen (32 bis 38) unabhängig voneinander Sprachaktivitätsdaten (40
bis 46) aus einem Audiosignal gewonnen werden, welche von einer Sprecheraktivität
eines Trägers der Hörvorrichtung (10) abhängig sind, und mittels einer Fusionseinrichtung
(48) die Sprachaktivitätsdaten (40 bis 46) kombiniert werden und auf der Grundlage
der kombinierten Sprachaktivitätsdaten (40 bis 46) überprüft wird, ob der Träger spricht
oder nicht,
dadurch gekennzeichnet, dass
- durch wenigstens eine der Analyseeinrichtungen (32 bis 38) in Abhängigkeit von dem
Audiosignal Werte (P1 bis P4) für eine Softentscheidung oder für eine Wahrscheinlichkeit
dafür ermittelt werden, dass der Träger gerade spricht,
und/oder
- durch die Fusionseinrichtung (48) die Sprachaktivitätsdaten (40 bis 46) wenigstens
zweier Analyseeinrichtungen (32 bis 38) in Abhängigkeit davon, von welcher Analyseeinrichtung
(32 bis 38) sie stammen, durch trainierte oder untrainierte Gewichtsfaktoren gewichtet
werden und die gewichteten Sprachaktivitätsdaten (40 bis 46) miteinander verknüpft
werden.
5. Verfahren nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass durch wenigstens eine der Analyseeinrichtungen (32 bis 38) eine Merkmalsextraktion
durchgeführt wird und hierzu in Abhängigkeit von dem Audiosignal Merkmalswerte (X1
bis X4) ermittelt werden, insbesondere eine Einfallsrichtung (50) eines Umgebungsschalls
(12), ein Geschlecht eines Sprechers, eine Halligkeit des Audiosignals oder spektrale
Charakteristika, wie spektrale oder cepstrale Koeffizienten.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 4 oder 5, dadurch gekennzeichnet, dass durch wenigstens eine der Analyseeinrichtungen (32 bis 38) eine Klassifikation durchgeführt
wird und hierzu in Abhängigkeit von dem Audiosignal bereits durch die Analyseeinrichtung
(32 bis 38) auf der Grundlage eines Klassifikationskriteriums eine Einzelentscheidung
(D1 bis D4) dazu erzeugt wird, ob der Träger spricht oder nicht.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 4 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass durch wenigstens eine der Analyseeinrichtungen (32) die Sprachaktivitätsdaten (40)
in Abhängigkeit von einer Einfallsrichtung (50) eines Umgebungsschalls (12) erzeugt
werden.
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 4 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass durch wenigstens eine der Analyseeinrichtungen (34) die Sprachaktivitätsdaten (42)
in Abhängigkeit von spektralen Werten eines Frequenzspektrums des Audiosignals erzeugt
werden.
9. Verfahren nach einem der Ansprüche 4 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass durch wenigstens eine der Analyseeinrichtungen (36) eine sprecherunabhängige Sprachaktivitätserkennung
durchgeführt wird.
10. Verfahren nach einem der Ansprüche 4 bis 9, dadurch gekennzeichnet, dass durch wenigstens eine der Analyseeinrichtungen (38) die Sprachaktivitätsdaten (46)
in Abhängigkeit von einer binauralen Information erzeugt werden, welche aus an unterschiedlichen
Seiten eines Kopfes des Trägers gewonnenen Audiodaten gebildet wird.
11. Verfahren nach einem der Ansprüche 4 bis 10, dadurch gekennzeichnet, dass durch die Fusionseinrichtung (48) auf der Grundlage von Einzelentscheidungen (40
bis 46) wenigstens zweier Analyseeinrichtungen eine Mehrheitsentscheidung dahingehend
getroffen wird, ob durch diese Analyseeinrichtungen (32 bis 38) zusammen eine Sprecheraktivität
angezeigt wird.
12. Verfahren nach einem der Ansprüche 4 bis 11, dadurch gekennzeichnet, dass durch die Fusionseinrichtung (48) aus Softentscheidungen von Sprachaktivitätsdetektoren
wenigstens zweier Analyseeinrichtungen (40 bis 46) ein Mittelwert berechnet wird.
13. Verfahren nach einem der Ansprüche 4 bis 12, dadurch gekennzeichnet, dass durch eine Anpassungseinrichtung (30) bei durch die Fusionseinrichtung (48) erkannter
Sprachaktivität des Trägers ein Frequenzgang der Hörvorrichtung (10) angepasst und
hierzu insbesondere ein niederfrequenter Anteil eines Nutzsignals gedämpft wird und/oder
die Adaption einer Richtcharakteristik einer Richtmikrofoneinrichtung der Hörvorrichtung
(10) unterbrochen oder angehalten wird.