[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Herstellen eines topfförmigen Blechwerkstückes
mit einer Nabe, an welcher eine ringförmige Umfangswand vorsteht, wobei an einer Außenseite
der Umfangwand wenigstens eine Rille spanlos eingeformt wird, gemäß dem Oberbegriff
des Patentanspruchs 1.
[0002] Topfförmige Blechwerkstücke mit an der Außenseite eingeformten Rillen sind hinlänglich
bekannt, etwa bei der Herstellung sogenannter Poly-V-Riemenscheiben. Ein derartiges
Verfahren ist beispielsweise in der
EP 2 339 217 A1 beschrieben.
[0003] Es ist bekannt, in ein topfförmiges Ausgangswerkstück die außenliegenden Rillen durch
sogenanntes Drückwalzen einzuformen. Dabei wird das Werkstück in Rotation versetzt
und eine entsprechend profilierte Drückrolle an die Außenseite zugestellt. Für dieses
Verfahren ist ein zentrisches Einspannen des Werkstückes an der Spindel der Drückmaschine
notwendig, wozu das Bauteil eine bestimmte Mindestgröße aufweisen muss. Für das Zustellen,
Spannen, Anlaufen der Rotation sowie Zustellen der Drückrollen werden bestimmte Rüstzeiten
benötigt, so dass dieses Verfahren für kleinere Bauteile kaum wirtschaftlich ist.
Derartige Verfahren gehen aus der
DE 4 220 152 A1 oder der
EP 1 747 827 A1 hervor.
[0004] Bei der Fertigung auf Pressen besteht die Problematik der Ausbildung von Hinterschnitten.
Zudem können sich beim Pressen Pressgrate und elastische Rückformungen ausbilden,
so dass die Formgenauigkeit und Rotationssymmetrie des Werkstückes beeinträchtigt
ist.
[0005] Der Erfindung liegt die
Aufgabe zugrunde, ein Verfahren anzugeben, mit welchem derartige Blechwerkstücke auch bei
kleineren Bauteilgrößen wirtschaftlich und mit guter Formgenauigkeit hergestellt werden
können.
[0006] Die Aufgabe wird nach der Erfindung durch ein Verfahren mit den Merkmalen des Anspruchs
1 gelöst. Bevorzugte Ausgestaltungen der Erfindung sind in den abhängigen Ansprüchen
angegeben.
[0007] Das erfindungsgemäße Verfahren ist dadurch gekennzeichnet, dass zum Einformen der
Rille in einem ersten Pressenschritt mindestens zwei Pressenwerkzeugsegmente mit jeweils
einem teilringförmigen Vorsprung in einer ersten Zustellung an die Umfangswand zugestellt
werden, wobei die Umfangswand (14) umschlossen und eine Vorform der Rille gebildet
wird und dass anschließend in einem zweiten Pressenschritt mindestens zwei Pressenwerkzeugsegmente
mit jeweils einem teilringförmigen Vorsprung an die Umfangswand in einer zweiten Zustellung
zugestellt werden, welche bezogen auf die Umfangswand um einen Verdrehwinkel verdreht
zur ersten Zustellung ist.
[0008] Ein Grundgedanke der Erfindung besteht darin, derartige topfförmige Blechwerkstücke
in einer Umformpresse zwischen Pressenwerkzeugsegmenten herzustellen. Vorzugsweise
ist dabei eine Mitten- oder Rotationsachse des topfförmigen Blechwerkstückes quer
und insbesondere rechtwinklig zur Zustellrichtung der Pressenwerkzeugsegmente angeordnet.
Im zusammengefahrenen Zustand umschließen die Pressenwerkzeugsegmente einen Raum,
durch welchen eine Außenkontur des topfförmigen Blechwerkstückes definiert ist. Dabei
weist jedes Pressenwerkzeugsegment einen teilringförmigen Vorsprung auf, welche zum
Bilden der ringförmigen Rille in die Umfangswand des Blechwerkstückes eingedrückt
werden.
[0009] Um gemäß einem weiteren Aspekt der Erfindung eine möglichst gute Formgenauigkeit
des Werkstückes unter weitgehender Vermeidung von Pressgraten an den Werkzeugfugen
und elastische Rückverformungen des Materials zu vermeiden, wird ein zweiter Pressenschritt
durchgeführt. Dabei wird eine relative Verdrehung des Werkstückes durchgeführt, dass
bei diesem zweiten Pressenschritt die Pressenwerkzeugsegmente so versetzt zu dem ersten
Pressenschritt an der Umfangswand angreifen, dass sich bildende Pressgrate an den
Trennfugen der Werkzeughälften nicht aufeinanderliegen.
[0010] Auf diese Weise werden ein sich eventuell im ersten Pressenschritt ausgebildeter
Fugengrad wieder eingeebnet und eine Formgebung des Blechwerkstückes, insbesondere
bei zylindrischen oder rotationssymmetrischen Formen, durch zumindest teilweise Kompensation
elastischer Rückverformungen verbessert. Auch die Ausformung der mindestens einen
Rille wird form- und dimensionsgenauer.
[0011] Das erfindungsgemäße Verfahren lässt sich in besonders effizienter Weise auf einer
Umformpresse durchführen, welche mit einem Bearbeitungstakt von bis zu unter 1 Sekunde
gefahren werden kann. Es lassen sich so ein hoher Ausstoß und damit eine besonders
wirtschaftliche Fertigung erzielen.
[0012] Besonders bevorzugt ist es, dass zum Einformen der Rille in einem ersten Pressenschritt
zwei Pressenwerkzeughälften mit jeweils einem halbringförmigen Vorsprung entlang einer
ersten Hubachse an die Umfangswand zugestellt werden, wobei eine Vorform der Rille
gebildet wird, und dass anschließend in einem zweiten Pressenschritt zwei Pressenwerkzeughälften
mit jeweils einem halbringförmigen Vorsprung an die Umfangswand entlang einer zweiten
Hubachse zugestellt werden, welche bezogen auf die Umfangswand um einen Verdrehwinkel
verdreht zur ersten Hubachse ist.
[0013] Grundsätzlich kann die relative Verdrehung des Werkstückes zwischen den beiden Pressenschritten
gegenüber den Pressenwerkzeugsegmenten nur wenige Winkelgrade betragen. Eine besonders
hohe Formgenauigkeit lässt sich nach der Erfindung in bevorzugter Weise dadurch erzielen,
dass der Verdrehwinkel 90° oder annähernd 90° beträgt. Dies gilt insbesondere bei
zwei Pressenwerkzeughälften.
[0014] Die relative Verdrehung kann grundsätzlich dadurch erfolgen, dass das Blechwerkstück
feststeht und ein Pressenwerkstück hierzu verdreht wird. Besonders effizient ist es
nach der Erfindung, dass zwischen den beiden Pressenschritten das Blechwerkstück gedreht
wird, wobei die erste Zustellung in einem ersten Pressenschritt gleichgerichtet zu
der zweiten Zustellung im zweiten Pressenschritt erfolgt. Die Zustellung ist radial
zur Mittenachse der Umfangswand gerichtet.
[0015] Dabei kann nach einer vorteilhaften Variante der Erfindung vorgesehen sein, dass
für den ersten Pressenschritt und den zweiten Pressenschritt dasselbe Pressenwerkzeug
eingesetzt wird. Hierbei wird also lediglich ein Pressenwerkzeug benötigt.
[0016] Für eine Fertigung in großen Stückzahlen ist es nach der Erfindung bevorzugt, dass
die Pressenwerkzeugsegmente für den ersten Pressenschritt in einem ersten Pressenwerkzeug
und die Pressenwerkzeugsegmente für den zweiten Pressenschritt in einem zweiten Pressenwerkzeug
angeordnet sind, wobei das Blechwerkstück von dem ersten Pressenwerkzeug zum Pressenwerkzeug
transportiert wird. Bei diesem Transportschritt zwischen den beiden nebeneinander
angeordneten und gleichgerichteten Pressenwerkzeugen kann die Drehung des Blechwerkstückes
erfolgen. Werden mehr als zwei Pressenwerkzeugsegmente in einem Pressenwerkzeug eingesetzt,
wird die Hubbewegung der Presse über eine Übersetzung, etwa einen Keilschiebemechanismus
in die gewünschte Zustellrichtung aufgeteilt.
[0017] Eine besonders wirtschaftliche Fertigung ergibt sich nach der Erfindung dadurch,
dass die beiden Pressenwerkzeuge in einer Transferstraße einer Presse angeordnet sind.
Eine Transferstraße im Sinne der Erfindung ist dabei eine Verkettung von Pressenwerkzeugen
in einer Presse, wobei nach jedem Bearbeitungsschritt das Werkstück in der Transferstraße
eine Station weitergefördert wird. Somit lässt sich die erfindungsgemäße Herstellung
des topfförmigen Blechwerkstückes mit mindestens einer Rille in der Umfangswand in
einfacher Weise mit weiteren Stanz-, Biege-, Tiefzieh- oder sonstigen Umformschritten
kombinieren, die in einer Hubpresse ausführbar sind.
[0018] Nach einer bevorzugten Variante der Erfindung ist vorgesehen, dass mehrere Rillen
gleichzeitig eingeformt werden. Die Rillen können dabei unterschiedliche Rillenquerschnittsformen
oder vorzugsweise gleiche Formen aufweisen. Das Werkstück kann zylindrisch, rotationssymmetrisch
oder auch eine eckige oder sonstige polygonale Form besitzen.
[0019] Weiterhin ist es nach der Erfindung bevorzugt, dass für jede Einzelform der Rille
zwei Pressenschritte vorgesehen werden, wobei ein zweiter Pressenschritt zum Endformen
einer ersten Rille mit einem Pressenwerkzeug ausgeführt wird, durch welches gleichzeitig
ein Vorformen einer zweiten Rille erfolgt. Bei einem Vorformen der ersten Rille kann
diese vorzugsweise noch nicht vollständig ausgeformt werden. Vielmehr würde ein Endformen
zu der endgültigen gewünschten Form der Rille erst in dem zweiten oder einem weiteren
Pressenschritt erfolgen. Durch dieses stufenweise Ausformen wird eine besonders hohe
Formgenauigkeit erreicht, da für das Material im Werkstück mehr Zeit zum Fließen gewährt
wird.
[0020] Besonders wirtschaftlich ist es nach der Erfindung, dass aus einem Blech eine topfförmige
Zwischenform geformt, insbesondere tiefgezogen wird.
[0021] Dies kann insbesondere dadurch geschehen, dass ausgehend von einem Blechcoil in einer
Presse in einer Transferstraße die Zwischenform geformt und das topfförmige Blechwerkstück
endgefertigt werden. Ausgehend von dem aufgespulten Blechband wird diese von dem Coil
in die Transferstraße einer Presse geleitet. Das Blech wird dabei abgelängt und zu
der topfförmigen Zwischenform mit einer sich radial erstreckenden Nabenfläche und
einer in axialer Richtung verlaufenden Umfangswand gebildet. In diese insbesondere
durch Tiefziehen hergestellte Umfangswand kann dann das Einformen der Rille oder der
Rillen gemäß der Erfindung erfolgen. Weiterhin können in die Nabenfläche ein Lochbild
eingestanzt oder Einprägungen vorgenommen werden.
[0022] Eine bevorzugte Variante des erfindungsgemäßen Verfahrens besteht darin, dass mehr
als zwei Werkzeugpressensegmente, insbesondere drei oder vier, mit einem gleichen
Winkelabstand zueinander an die Umfangswand zugestellt werden. Die Werkzeugpressensegmente
sind dabei üblicherweise auf einer Hubpresse mit einer Hubrichtung angeordnet. Die
Zustellung der mehr als zwei Werkzeugpressensegmente erfolgt radial zur Umfangswand
oder zur Mittenachse des Werkstücks. So können bei vier Werkzeugpressensegmenten etwa
zwei als Viertel ausgebildete Werkzeugpressensegmente am oberen Hubstempel der Presse
und zwei als Viertel ausgebildete Werkzeugpressensegmente am unteren Pressentisch
angeordnet sein. Die jeweils zueinander um 90° verdrehte radiale Zustellbewegung der
einzelnen Werkzeugpressensegmente kann durch einen Umlenkmechanismus, insbesondere
einen Keilschiebemechanismus erfolgen. Dabei können die Zustellbahnen der einzelnen
Werkzeugpressensegmente etwa jeweils um 45° zu einer vertikalen Hubrichtung der Presse
angeordnet sein. Es können jedoch auch 3, 5, 6 oder mehr Werkzeugpressensegmente angeordnet
sein, wobei dann der entsprechende Mechanismus zur Umsetzung der Hubbewegung der Presse
in die jeweils notwendige radiale Zustellbewegung entsprechend angepasst sein muss.
[0023] Vorzugsweise ist dabei der Winkelabstand zwischen den einzelnen Zustellrichtungen
jeweils gleich ausgebildet, so dass sich eine symmetrische Kraftverteilung um das
Werkstück ergibt.
[0024] Bevorzugt ist es nach der Erfindung, dass der Verdrehwinkel dem halben Winkelabstand
entspricht. Die Anordnung und Anzahl der Werkzeugpressensegmente bei einem ersten
und einem zweiten Pressenwerkzeug sind dabei vorzugsweise gleich, wobei die Achsrichtungen
der einzelnen Zustellrichtungen der Werkzeugpressensegmente im zweiten Pressenschritt
gegenüber dem ersten Pressenschritt um den halben Winkelabstand verdreht sind. Bei
vier Werkzeugpressensegmenten mit einem Winkelabstand von 90° zueinander ergibt sich
somit ein Verdrehwinkel von 45°. Hierdurch wird eine besonders symmetrische Umformung
und ein weitgehendes Vermeiden von Pressenfugen erreicht.
[0025] Die Erfindung wird nachfolgend anhand von bevorzugten Ausführungsbeispielen weiter
erläutert, welche schematisch in den beigefügten Zeichnungen dargestellt sind. In
den Zeichnungen zeigen:
- Fig. 1
- eine Querschnittsansicht durch ein erfindungsgemäß hergestelltes Blechwerkstück;
- Fig. 2
- eine Draufsicht auf das Blechwerkstück gemäß Fig. 1;
- Fig. 3
- eine perspektivische Ansicht auf ein Pressenwerkzeugsegment zur Herstellung eines
Blechwerkstückes nach der Erfindung;
- Fig. 4
- eine schematische Darstellung eines Fertigungsablaufes nach dem erfindungsgemäßen
Verfahren mit zwei Pressenwerkzeugsegmenten; und
- Fig. 5
- eine schematische Darstellung eines weiteren Fertigungsablaufs mit vier Pressenwerkzeugsegmenten.
[0026] Ein erfindungsgemäß hergestelltes topfförmiges Blechwerkstück 10 ist in vergrößerter
Darstellung in Fig. 1 gezeigt. Dieses Blechwerkstück 10, welches etwa einen Durchmesser
von 4 cm und darunter aufweisen kann, umfasst eine scheibenförmige Nabe 12. Entlang
des Außenumfanges der Nabe 12, welche eine Vorprägung aufweist, erstreckt sich konzentrisch
zu einer Mittenachse 11 eine trommelförmige Umfangswand 14. In der Außenseite der
Umfangswand 14 sind zwei kreisringförmige Rillen 16 spanlos eingeformt.
[0027] Wie der Darstellung gemäß Fig. 2 zu entnehmen ist, ist das Blechwerkstück 10 zylindrisch
und rotationssymmetrisch zur Mittenachse 11 ausgebildet. Die Darstellung von Fig.
1 ist ein Querschnitt gemäß dem Schnitt A-A von Fig. 2.
[0028] Derartige Blechwerkstücke 10 mit einem relativ kleinen Durchmesser von wenigen cm
sind nicht oder kaum wirtschaftlich durch herkömmliche Rotationsumformverfahren, wie
etwa Drückverfahren, herstellbar. Gemäß der Erfindung wird zur Herstellung eines derartigen
Blechwerkstückes 10 eine Umform- oder Hubpresse mit einem Pressenwerkzeug eingesetzt,
von welchem ein halbschallförmiges erstes Pressenwerkzeugsegment 31 in Fig. 3 gezeigt
ist.
[0029] Das blockförmige erste Pressenwerkzeugsegment 31 weist in seinem Mittenbereich eine
wannenförmige, halbzylindrische Formausnehmung 34 auf, an welcher entsprechend den
einzuformenden Rillen 16 halbringförmige Vorsprünge 36 ausgebildet sind. Die wannenförmige
Formausnehmung 34 wird seitlich durch die Anschlagsflächen 38 begrenzt, an welchen
entsprechende Anschlagflächen der zweiten gegenüberliegenden Pressenwerkzeughälfte
zum Anschlag kommen.
[0030] Im geschlossenen Zustand umschließen die beiden Pressenwerkzeughälften das Blechwerkstück
10 und geben so eine Außenkontur des topfförmigen Blechwerkstückes 10 unter Einformung
der Rillen 16 vor. Bei einem solchen Pressenvorgang ist die Stoßstelle zwischen den
beiden Pressenwerkzeughälften in der Regel als ein kleiner aber merklicher linienförmiger
Pressengrat an dem Blechwerkstück 10 feststellbar. Auch kann die axiale Hubbewegung,
welche entlang nicht dargestellter Führungsbolzen, die in Führungsbohrungen 39 eingreifen,
aufgrund einer gewissen elastischen Rückfederung des metallischen Blechmaterials zur
Abweichung von der Rotationssymmetrie führen.
[0031] Nach der Erfindung wird dies durch einen beispielhaft dargestellten Verfahrensablauf
nach Fig. 4 weitgehend vermieden. Gemäß dieser ersten erfindungsgemäßen Verfahrensvariante
erfolgt ein erster Pressenschritt an dem Blechwerkstück 10 in einem ersten Pressenwerkzeug
30, welches ein erstes Pressenwerkzeugsegment 31 und ein zweites Pressenwerkzeugsegment
32 aufweist. Die beiden hälftigen Pressenwerkzeugsegmente 31, 32 sind vorzugsweise
gleich beziehungsweise spiegelsymmetrisch ausgebildet. Durch Schließen der beiden
Pressenwerkzeugsegmente 31, 32 in einer ersten Hubrichtung H1 wird eine Zwischenform
des Blechwerkstückes 10 gebildet. Nach dem Öffnen des Pressenwerkzeuges 30 wird das
Blechwerkstück 10 seitlich zu einem zweiten Pressenwerkzeug 40 transportiert. Bei
diesem linearen Transportvorgang wird das Blechwerkstück 10 verdreht, vorzugsweise
um 90°.
[0032] In dieser gedrehten Position wird das Blechwerkstück 10 in das zweite Pressenwerkzeug
40 eingesetzt. Anschließend werden das erste Pressenwerkzeugsegment 41 und das zweite
Pressenwerkzeugsegment 42 des zweiten Pressenwerkzeuges 40 in Hubrichtung H2 zusammengefahren
und das zweite Pressenwerkzeug 40 geschlossen. Hierbei wird der zweite Pressenschritt
an dem Blechwerkstück 10 durchgeführt. Bei dieser Ausführung sind die beiden Hubachsen
oder Hubrichtungen H1 und H2 parallel und gleichgerichtet.
[0033] Aufgrund der Verdrehung des Blechwerkstückes 10 um 90° gegenüber dem ersten Pressenschritt
kann so ein gebildeter Pressengrat am Blechwerkstück 10 wieder eingeebnet werden.
Aufgrund der Vorformung im ersten Pressenschritt bildet sich praktisch kein weiterer
Pressengrat beim zweiten Pressenschritt aus. Zudem wird eine gewisse Unrundheit, welche
sich bei der linearen Umformbewegung im ersten Pressenschritt am Blechwerkstück 10
ausbildet, aufgrund der Verdrehung des Blechwerkstückes 10 in dem zweiten Pressenschritt
weitgehend kompensiert.
[0034] Nach der Erfindung können so auch bei einfachen und relativ kleinen Werkstücken in
wirtschaftlich effizienter Weise Rillen 16 am Außenumfang eines vorzugsweise rotationssymmetrischen
Blechwerkstückes 10 spanlos hergestellt werden.
[0035] Eine weitere Ausführungsform der Erfindung weist gemäß Fig. 5 zwei obere Pressenwerkzeugsegmente
31a, 31b und zwei untere Werkzeugpressensegmente 32a, 32b auf. Die Werkzeugpressensegmente
31a, 31b sind dabei an einem oberen Hubstempel und die unteren Werkzeugpressensegmente
32a, 32b an einem unteren Pressentisch radial zustellbar zur Mittenachse 11 des Blechwerkstückes
10 angeordnet. Im vorliegenden Fall ist die Hubrichtung der Presse durch die Pfeile
P1 angedeutet, welche insbesondere vertikal sein kann. Die vier Werkzeugpressensegmente
31a, 31b, 32a, 32b sind mit einem gleichen Winkelabstand von 90° und mit einem Abschrägungswinkel
von 45° zur Hubrichtung P1 angeordnet. Die einzelnen Werkzeugpressensegmente 31 a,
31 b, 32a, 32b sind jeweils als Viertelkreissegmente zum Bilden der zylindrischen
Umfangswand 14 ausgebildet.
[0036] Nach dem ersten Pressenschritt wird das Blechwerkstück 10 um den halben Winkelabstand,
also um 45°, verdreht, so dass ein zweiter Pressenschritt mit dieser Pressenwerkzeuganordnung
wiederholt werden kann. Aufgrund der einzelnen Zustellrichtungen Z1, Z4 der einzelnen
Werkzeugpressensegmente 31a bis 32b wird eine besondere Rundheit des Blechwerkstücks
10 unter weitgehender Vermeidung von Pressgraten erreicht.
1. Verfahren zum Herstellen eines topfförmigen Blechwerkstückes (10) mit einer Nabe (12),
an welcher eine ringförmige Umfangswand (14) vorsteht, wobei an einer Außenseite der
Umfangswand (14) wenigstens eine Rille (16) spanlos eingeformt wird,
dadurch gekennzeichnet,
dass zum Einformen der Rille (16) in einem ersten Pressenschritt mindestens zwei Pressenwerkzeugsegmente
(31, 32) mit jeweils einem teilringförmigen Vorsprung (36) in einer ersten Zustellung
an die Umfangswand (14) zugestellt werden, wobei die Umfangswand (14) umschlossen
und eine Vorform der Rille (16) gebildet wird, und
dass anschließend in einem zweiten Pressenschritt mindestens zwei Pressenwerkzeugsegmente
(41, 42) mit jeweils einem teilringförmigen Vorsprung (36) an die Umfangswand (14)
in einer zweiten Zustellung zugestellt werden, welche bezogen auf die Umfangswand
(14) um einen Verdrehwinkel verdreht zur ersten Zustellung ist.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass zum Einformen der Rille (16) in dem ersten Pressenschritt zwei Pressenwerkzeugsegmente
(31, 32) mit jeweils einem halbringförmigen Vorsprung (36) entlang einer ersten Hubachse
an die Umfangswand (14) zugestellt werden, wobei die Vorform der Rille (16) gebildet
wird, und
dass anschließend in dem zweiten Pressenschritt zwei Pressenwerkzeugsegmente (41, 42)
mit jeweils einem halbringförmigen Vorsprung (36) an die Umfangswand (14) entlang
einer zweiten Hubachse zugestellt werden, welche bezogen auf die Umfangswand (14)
um einen Verdrehwinkel verdreht zur ersten Hubachse ist.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Verdrehwinkel 90° oder annähernd 90° beträgt.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3,
dadurch gekennzeichnet,
dass zwischen den beiden Pressenschritten das Blechwerkstück (10) gedreht wird, wobei
die erste Zustellung im ersten Pressenschritt gleichgerichtet zu der zweiten Zustellung
im zweiten Pressenschritt erfolgt.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4,
dadurch gekennzeichnet,
dass für den ersten Pressenschritt und den zweiten Pressenschritt dasselbe Pressenwerkzeug
eingesetzt wird.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Pressenwerkzeugsegmente (31, 32) für den ersten Pressenschritt in einem ersten
Pressenwerkzeug (30) und die Pressenwerkzeugsegmente (41, 42) für den zweiten Pressenschritt
in einem zweiten Pressenwerkzeug (40) angeordnet sind, wobei das Blechwerkstück (10)
von dem ersten Pressenwerkzeug (30) zum zweiten Pressenwerkzeug (40) transportiert
wird.
7. Verfahren nach Anspruch 6,
dadurch gekennzeichnet,
dass die beiden Pressenwerkzeuge (30, 40) in einer Transferstraße einer Presse angeordnet
werden.
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 7,
dadurch gekennzeichnet,
dass mehrere Rillen (16) gleichzeitig eingeformt werden.
9. Verfahren nach Anspruch 8,
dadurch gekennzeichnet,
dass für jede Einzelform der Rille (16) zwei Pressenschritte vorgesehen werden, wobei
ein zweiter Pressenschritt zum Endformen einer ersten Rille (16a) mit dem Pressenwerkzeug
(30, 40) ausgeführt wird, durch welches gleichzeitig ein Vorformen einer zweiten Rille
(16b) erfolgt.
10. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 9,
dadurch gekennzeichnet,
dass aus einem Blech eine topfförmige Zwischenform geformt, insbesondere tiefgezogen,
wird.
11. Verfahren nach Anspruch 10,
dadurch gekennzeichnet,
dass ausgehend von einem Blechcoil in einer Presse in einer Transferstraße die Zwischenform
geformt und das topfförmige Blechwerkstück (10) endgefertigt werden.
12. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 und 3 bis 11,
dadurch gekennzeichnet,
dass mehr als zwei Werkzeugpressensegmente, insbesondere drei oder vier, mit einem gleichen
Winkelabstand zueinander an die Umfangswand (14) zugestellt werden.
13. Verfahren nach Anspruch 12,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Verdrehwinkel dem halben Winkelabstand entspricht.