[0001] Die Erfindung betrifft ein Therapiegerät gemäß den Merkmalen des Patentanspruchs
1.
[0002] Aus der Patentschrift
DE 195 07 927 C2 ist ein schwingfähiger Stehboden bekannt, der aus einem stehenden Unterteil und einem
beweglichen Oberteil besteht und der im Wesentlichen in horizontaler Ebene schwingfähig
ist. Schwingböden dieser Art werden in der medizinischen Therapie insbesondere zum
posturalen Training verwendet.
[0003] Sensormotorisches Training ist eine bekannte Methode um traumatische, krankheits-
oder altersbedingte Gleichgewichtsstörungen zu therapieren. Dabei ist die zu theraplerende
Person durch die gezielte Schaffung eines labilen Standuntergrundes gefordert durch
ausgleichende Bewegungen den Körperschwerpunkt zu verlagern um, im Extremfall, ein
Fallen zu verhindern. Fallverletzungen sind speziell im Alter die mit Abstand führende
Verletzungsart bezüglich Therapiekosten bzw. Pflegekosten. Bei Sportverletzungen sowie
Erkrankungen des menschlichen Gleichgewichtsapparates werden entsprechende Übungen
genutzt um durch Training anderer physiologischer (Ersatz-)Mechanismen eine Verbesserung
der Leistungsfähigkeit bzw. Lebensqualität zu erreichen. Einer der Faktoren für das
Training ist es auf das Unterbewusstsein zu wirken, d.h. ein bewusstes, willentliches
Eingreifen zur Gleichgewichtsfindung zu verhindern. Nur so kann die Person im täglichen
Leben Unfälle durch spontane Ausgleichsreaktionen auf unerwartete Ereignisse (nicht
bemerkte Bodenunebenheiten o.a.) vermeiden.
[0004] Schon heute werden Übungen mit dem o.g. Hintergrund durchgeführt. Dazu sind heute
bereits einfache Balancierplattformen (Wippen, Kegel, Schaumstoffunterlagen) wie auch
komplizierter Aufbauten, z.B. mit kardanischer Federaufhängung im Einsatz. Allen gemeinsam
ist aber, dass es zum Training des Unterbewusstseins notwendig ist, den zu Therapierenden
aktiv abzulenken; zum Beispiel durch Gespräche bis hin zum Lösen von Rechenaufgaben
etc. Dies ist speziell wichtig wenn die zerebrale Leistungsfähigkeit zur Verarbeitung
der Reize bzw. Befehle an den Bewegungsapparat für die Probleme verantwortlich ist.
[0005] Aus
DE 601 33 286 T2 ist ein Gleichgewichtstrainer bekannt bei welchem die Bewegung durch Messfühler erfasst
und zu einer elektronischen Schnittstelle geleitet, welche die aktuelle Position der
Testperson in Maus-, Joystick- oder ähnliche Zeigegerätsignale umwandelt, die dann
einem Personalcomputer (PC) zugeführt werden. Auf diese Weise kann eine Testperson
durch freiwilliges Ändern der Körperhaltung verschiedene auf dem PC laufende Anwendungsprogramme
steuern.
[0006] Es ist Aufgabe der Erfindung eine Therapieanordnung mit einem schwingfähigen Stehboden
anzugeben, mit welcher die Effektivität einer posturalen Trainingseinheit gesteigert
werden kann.
[0007] Die Aufgabe wird mit der Therapieanordnung gemäß den Merkmalen des geltenden Patentanspruchs
1 gelöst. Vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung sind Gegenstand von Unteransprüchen.
[0008] Die erfindungsgemäße Therapieanordnung weist einen schwingfähigen Stehboden auf.
Die Erfindung zeichnet sich dadurch aus, dass ein Computer zur Ansteuerung des schwingfähigen
Stehbodens vorhanden ist. Die Therapieanordnung umfasst erfindungsgemäß ferner ein
Gerät, welches die Bewegungen einer Testperson auf dem schwingfähigen Stehboden erfasst
und in ein erstes Steuersignal für einen mit dem Bewegungserfassungsgerät verbundenen
Computer umwandelt. Erfindungsgemäß ist ein mit dem Computer verbundenes erstes Element
vorhanden, welches ein zweites Steuersignal des Computers in mechanische Auslenkungen
des beweglichen Oberteils umwandelt. Dieses erste Element kann z.B. ein aktives Element
sein, welches auf geeignete Weise eine Auslenkung des schwingfähigen Stehbodens bewirkt.
[0009] Zweckmäßig ist ein mit dem Computer verbundenes zweites Element vorhanden. Dieses
zweite Element kann z.B. ein dämpfendes Element sein, welches auf geeignete Weise
eine Dämpfung des schwingfähigen Stehbodens bewirkt. Der Computer wertet zweckmäßig
das durch das erste Steuersignal übermittelte Balancierverhalten des Patienten aus
und passt die Dämpfung an den Trainingszustand an. Hierbei erzeugt der Computer zweckmäßig
ein drittes Steuersignal, welches an das zweite Element geleitet wird.
[0010] Es hat sich gezeigt, dass durch das Zusammenwirken der bestehenden Trainingsansätze
mit Geräten für computerunterstützte Balanzierübungen die Effektivität des Trainings
gesteigert werden kann. Zudem kann der zeitintensive Einsatz von Therapiepersonal
reduziert werden.
[0011] Idee der Erfindung ist die Kombination einer Plattform zum posturalen Training mit
einem Computer, welcher geeignet ist Anwendungsprogramme auszuführen. Als Plattform
zum posturalen Training kann z.B. das Produkt Posturomed® der Fa. Haider verwendet
werden. Als Computer kann jede kommerziell erhältliche Spielkonsole verwendet werden.
[0012] Sowohl die Anwendung einer Spielkonsole, als auch die Anwendung einer posturalen
Plattform führen zu bewusstem Steuern. Die Kombination der beiden Anlagen führt jedoch
zu einer unterbewussten Gleichgewichtsfindung, d.h. ein bewusstes, willentliches Eingreifen
zur Gleichgewichtsfindung wird verhindert. Dieser Effekt kann noch durch die Reaktion
auf von außen aufgeprägte Störungen verstärkt werden, bzw. der Schwierigkeitsgrad
adaptiert und damit die Trainingsintensität gesteigert werden.
[0013] In einer ersten Ausführungsform der Erfindung ist das Bewegungserfassungsgerät ein
Balancebrett für eine Spielkonsole. Bei dieser Ausführungsform dient das Balancebrett
als Standfläche für die Testperson. Handelsübliche Balancebretter für Spielkonsolen
umfassen eine Mehrzahl von Sensoren, mit welchen die Bewegungen der Testpersonen auf
dem Balancebrett erfasst und in elektrische Steuersignale zur Weiterleitung an die
Spielkonsole umgewandelt werden.
[0014] In der zweiten Ausführungsform der Erfindung ist das Bewegungserfassungsgerät eine
visuelle Bewegungserkennungseinrichtung für eine Spielkonsole. Bei dieser Ausführungsform
steht die Testperson vor der visuellen Bewegungserkennungseinrichtung. Handelsübliche
visuelle Bewegungserkennungseinrichtungen für Spielkonsolen umfassen üblicherweise
eine Kamera, mit welcher die Bewegungen einer Testperson erfasst und in elektrische
Steuersignale zur Weiterleitung an die Spielkonsole umgewandelt werden.
[0015] Die Erfindung wird im Weiteren anhand von Figuren näher erläutert. Es zeigen:
- Fig. 1
- eine erste Ausführungsform einer erfindungsgemäßen Therapieanordnung mit einer ersten
beispielhaften Ausführung eines schwingfähigen Stehbodens,
- Fig. 2
- eine zweite Ausführungsform einer erfindungsgemäßen Therapieanordnung mit einer ersten
beispielhaften Ausführung eines schwingfähigen Stehbodens,
- Fig. 3
- eine zweite beispielhafte Ausführung eines schwingfähigen Stehbodens,
- Flg. 4
- eine dritte beispielhafte Ausführung eines schwingfähigen Stehbodens.
[0016] Fig. 1 und Fig. 2 zeigen eine Therapieanordnung mit einem schwingfähigen Stehboden.
Der schwingfähige Stehboden 1 umfasst beispielhaft ein auf dem Boden B stehendes Unterteil
3 und ein relativ zum Boden B bewegliches Oberteil 2. Der Stehboden 1 kann dabei auf
verschiedene Weise schwingfähig gelagert sein. In Fig. 1 und Fig. 2 sind das Oberteil
2 und das Unterteil 3 beispielhaft durch zwei Schwingungselemente 4a, 4b miteinander
verbunden. Andere Varianten für eine schwingfähige Lagerung des Stehbodens sind aus
DE 19507927 C2 bekannt bzw. sind in Fig. 3 und 4 beispielhaft gezeigt. Zwischen dem Oberteil 2 und
dem Unterteil 3 sind in den in Fig. 1 und Fig. 2 dargestellten Ausführungsformen ferner
ein aktives Element 5 und ein dämpfendes Element 6 angeordnet. Das aktive Element
5, z.B. ein elektrischer Antrieb oder ein hydraulischer Aktuator und das dämpfende
Element 6, z.B. ein pneumatischer oder elektroviskoser Dämpfer, sind jeweils mit einem
Computer 7, z.B. einer Spielkonsole verbunden. Auf der Spielkonsole 7 können Anwendungsprogramme
ausgeführt werden, welche auf einem Bildschirm 9 für eine Testperson 8 dargestellt
werden können.
[0017] Die Testperson 8 verfolgt die auf dem Bildschirm 9 dargestellten, visuellen Reize.
Die Reize werden durch eine Übung (z.B. durch ein Spiel, Fragestellungen, Aufgaben
etc.) dargestellt. Die Verwendung von spielerischen Übungen (z.B. durch angepasste,
kommerzielle PC- oder Konsolenspiele kann die Motivation zur Durchführung und damit
die Effektivität deutlich erhöhen. Die Bewegungen werden im Bewegungserfassungsgerät
10 erfasst, in ein erstes elektrisches Steuersignal umgewandelt und an die Spielkonsole
7 weitergegeben. Die Spielkonsole 7 erzeugt in Abhängigkeit des ersten Steuersignals
ein zweites Steuersignal und steuert damit den schwingfähigen Stehboden 1 über das
aktive Element 5 an, um z.B. in Abhängigkeit des jeweiligen PC- oder Konsolenspiels
eine Auslenkung des Oberteils 2 des schwingfähigen Stehbodens 1 in Pfeilrichtung zu
bewirken.
[0018] Zusätzlich erzeugt die Spielkonsole 7 in Abhängigkeit z.B. des ersten Steuersignals
oder des Fortschritts, des auf der Spielkonsole abgespielten Anwendungsprogramms,
ein drittes Steuersignal und steuert damit das dämpfende Element 6 an. Dadurch kann
z.B. das Dämpfungsverhalten des schwingfähigen Stehbodens 1 je nach Level des Spiels
oder je nach Therapiefortschritt aktiv beeinflusst werden kann. So kann bei Anfängern
z.B. die Dämpfung erhöht werden, während bei Fortgeschrittenen (oder in einem fortgeschrittenem
Spiellevel) die Dämpfung reduziert werden kann. Eine permanente Analyse der Variabilität
des Körperschwerpunkts erlaubt es darüber hinaus, die Dämpfung dynamisch zu regeln.
Außerdem können Ereignisse, welche auf dem Bildschirm angezeigt werden, auf dem schwingfähigen
Stehboden 1 simuliert werden (z.B. Kippbewegung, Seitwärtsbewegung beim Ausweichen
eines Hindernisses). Zusätzlich können Störungen ohne visuelle Vorwarnung aufgeprägt
werden.
[0019] In der in Fig. 1 dargestellten ersten Ausführungsform steht die Trainingsperson 8
auf einem Bewegungserfassungsgerät 10, wobei das Bewegungserfassungsgerät 10 auf dem
Oberteil 2 des Stehbodens 1 befestigt ist.
[0020] Das Bewegungserfassungsgerät 10, welches eine Art Eingabegerät für Bewegungen ist,
kann ein elektronisches Balancebrett mit internen oder externen Sensoren 11 sein.
Das Bewegungserfassungsgerät 10 ist mit der Spielkonsole 7, zweckmäßig über eine entsprechende
Schnittstelle (nicht dargestellt) verbunden. Die Sensoren 11 des Bewegungserfassungsgeräts
10 erfassen die Verlagerung des Körpergewichts der Testperson 8 und wandeln sie zur
Weiterleitung an die Spielkonsole 7 in elektrische Signale um.
[0021] In der in Fig. 2 dargestellten zweiten Ausführungsform steht die Trainingsperson
8 vor einem Bewegungserfassungsgerät 10 auf dem schwingfähigen Stehboden 1. Das Bewegungserfassungsgerät
10 ist ein visuelles Bewegungserkennungsgerät, z.B. eine Kamera. Dieses Gerät 10 erfasst
die Bewegungen der auf dem schwingfähigen Stehboden 1 stehenden Testperson 8, wandelt
sie in elektrische Signale um und leitet sie an die Spielkonsole 7 weiter.
[0022] In einer weiteren Ausgestaltung des schwingfähigen Stehbodens, wie in Fig. 3 und
4 gezeigt, ist es möglich, dass die Schwingungselemente 4a, 4b, das aktive Element
5 und das dämpfende Element 6 durch eine Kombination von Schwingungs- und Dämpfungselemente
ersetzt sind. Fig. 3 zeigt, dass zwischen dem auf dem Boden B stehenden Unterteil
3 und dem schwingenden Oberteil 2 Formlegierungselemente 4c aus einstellbaren elastischen
Materialen angeordnet sind. Ein sich auf dem Oberteil 2 befindliche Bewegungserfassungsgerät
10 ist nicht dargestellt. Die Formlegierungselemente 4c können von einem Computer
7 (nicht dargestellt) wie in Fig. 1 bzw. 2 dargestellt, angesteuert werden.
[0023] Fig. 4 zeigt eine weitere Variante, bei welcher zwischen dem Boden B und dem schwingenden
Oberteil 2 einstellbare pneumatische Aktuatoren 4d angeordnet sind. Diese pneumatischen
Aktuatoren können z.B. Fluidmuskel in Kissenform sein. Über die Leitungen LL ist es
möglich z.B. Luft L in die Kissen 4d zu pumpen. Zweckmäßig können die Kissen mit unterschiedlichen
Volumina gefüllt werden. Dadurch ist es möglich, dass der schwingfähigen Stehboden
1 eine entsprechende Neigung gegenüber dem Boden B einnimmt. Die pneumatischen Aktuatoren
4d können von einem Computer 7 (nicht dargestellt) wie in Fig. 1 bzw. 2 erläutert,
mittels eines zweiten bzw. dritten Steuersignals angesteuert werden.
[0024] Es ist auch möglich, dass die Formiegierungselemente 4c in Fig. 3 z.B. durch Fluidmuskel
in Schlauchform ersetzt werden, welche nach demselben Prinzip befüllt und angesteuert
werden können wie unter Fig. 4 beschrieben.
1. Therapieanordnung mit einem schwingfähigen Stehboden (1),
dadurch gekennzeichnet, dass
ein Computer (7) zur Ansteuerung des schwingfähigen Stehbodens (1) vorhanden ist,
ein Gerät (10) zur Erfassung der Bewegungen einer Testperson (8) auf dem schwingfähigen
Stehboden (1) und zur Umwandlung der erfassten Bewegungen in ein erstes Steuersignal
für den mit dem Gerät (10) verbundenen Computer (7) vorhanden ist,
ein mit dem Computer (7) verbundenes erstes Element (4c, 4d, 5) vorhanden ist zur
Umwandlung eines zweiten Steuersignals des Computers (7) in mechanische Auslenkungen
des schwingfähigen Stehbodens (1).
2. Therapieanordnung nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, dass
ein mit dem Computer (7) verbundenes zweites Element (4c, 4d, 6) vorhanden ist zur
Umwandlung eines dritten Steuersignals des Computers (7) in eine Dämpfung der Auslenkung
des schwingfähigen Stehbodens (1).
3. Therapieanordnung nach einem der Ansprüche 1 bis 2,
dadurch gekennzeichnet, dass
das Bewegungserfassungsgerät (10) ein Balancenbrett für eine elektronische Spielkonsole
ist.
4. Therapieanordnung nach einem der Ansprüche 1 bis 2,
dadurch gekennzeichnet, dass
das Bewegungserfassungsgerät (10) eine visuelle Bewegungserkennungseinrichtung z.B.
eine Kamera für eine Spielkonsole ist.
5. Therapieanordnung nach einem der vorangehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
das erste Element (4c, 4d, 5) ein elektroviskoser Dämpfer, ein elektrischer Antrieb
oder ein hydraulischer Aktuator ist.
6. Therapieanordnung nach einem der Ansprüche 1 bis 4,
dadurch gekennzeichnet, dass
das erste Element (4c, 4d, 5) eine Kombination aus einem Schwingungs- und Dämpfungselement
ist.