Technisches Gebiet
[0001] Die Erfindung betrifft einen Meißeldirektantrieb für Werkzeuge zum Zerkleinern von
und/oder Eindringen in spröde Materialien infolge Schlageinwirkung auf Basis einer
mit einem gasförmigen Arbeitsmedium betriebenen Wärmekraftmaschine.
Stand der Technik
[0002] In der Tiefbohrtechnik ist bislang das Rotarybohren dominierend. Dieses Drehbohrverfahren
ist für das Bohren von weichen bis mittelharten Gesteinen sehr gut geeignet. Wenn
jedoch im Verlauf von Tiefbohrungen sehr harte Gesteinsformationen durchörtert werden
müssen, nimmt die Vortriebsgeschwindigkeit aufgrund der höheren Gesteinsfestigkeit
signifikant ab. Es ist bekannt, dass kristalline Hartgesteine mit Schlagbohrhämmern
wesentlich effektiver zerstört werden können, als mit rotierend arbeitenden Meißeln,
wie drückenden Rollenmeißeln oder spanenden Diamantwerkzeugen (PDC). Im Granit lassen
sich mit Schlagbohrhämmern beispielsweise bis zu 10x höhere Bohrgeschwindigkeiten
als mit Rollenmeißeln erzielen. Weitere Vorteile sind sowohl die geringeren Auflasten
auf den Meißel des Schlagbohrhammers als auch die höhere Richtungsstabilität dieses
Bohrverfahrens.
[0003] Der Einsatz von Schlagbohrverfahren gehört in der Flachbohrtechnik zur gängigen Praxis.
Schlagbohrverfahren werden z.B. bei Sprenglochbohrungen in Tagebaubetrieben oder bei
der Bohrung von flachen Geothermiesonden im Festgestein eingesetzt.
[0004] Im Stand der Technik sind zahlreiche Vorrichtungen und Verfahren für einen schlagenden
Vortrieb dokumentiert.
[0005] Schlagbohrhämmer werden im Wesentlichen in zwei Gruppen eingeteilt: Die Überflurhämmer,
die sich Übertage zwischen Bohrgerät und Bohrgestänge befinden und die Imloch-Hämmer,
die Untertage direkt über dem Meißel angeordnet sind. Da die Schlagenergie beim Überflur-Hammer
über das gesamte Gestänge zum Meißel transportiert werden muss, ist die Bohrungsteufe
bei diesem Verfahren sehr begrenzt. Deshalb kommen für tiefe Bohrungen prinzipiell
nur Imloch-Hämmer in Frage, bei denen die Schlagenergie direkt über dem Meißel erzeugt
wird. Der Einsatz von mit Pressluft oder anderen komprimierten Gasen betriebenen Schlagbohrhämmern
scheitert ab Teufen von wenigen hundert Metern an der Leistungsfähigkeit der übertägigen
Kompressoren.
[0006] Konventionelle hydraulische Schlagbohrhämmer beziehen ihre Schlagenergie beispielsweise
aus dem Wasserhammer-Effekt. Die bewegte Spülungssäule im Bohrstrang wird hierbei
abwechselnd beschleunigt und dann schlagartig wieder gestoppt. Das Stoppen der Spülungssäule
erzeugt den Schlagimpuls, der auf den Bohrkopf übertragen wird. Mit zunehmender Bohrungstiefe
wird die zu beschleunigende Spülungsmasse immer größer und erfordert unter Beibehalt
der Schlagfrequenz einen immer größer werdenden Energieaufwand. Das Verfahren erleidet
dadurch immer größere Verluste und der energetische Wirkungsgrad nimmt mit zunehmender
Teufe ab. Darüber hinaus sind Schlagbohrhämmer, die nach einem solchen oder ähnlichen
Wirkungsprinzip auf einen direkten Durchsatz von Bohrspülung angewiesen sind, einem
verfrühten Verschleiß durch die darin enthaltenen Feststoffe unterworfen.
[0007] Aus der
EP 0096 639 A1 ist ein druckluftgespeister Imloch-Schlag- bzw. Bohrhammer für größere Tiefen bekannt,
bei dem wechselweise in eine obere und untere Zylinderkammer Druckluft für einen Schlagkolben
eingespeist wird. In die obere Zylinderkammer wird zusätzlich zur Druckluft Dieselkraftstoff
eingespritzt, um eine Verbrennung des so verdichteten Luft- und Diesel-Brennstoffgemischs
und damit ein heftiges Schleudern des Schlagkolbens auf die Bohrschneide zu bewirken.
Die Luft aus der oberen Zylinderkammer, die Auspuffgase nach der Verbrennung sowie
Kühlluft werden über Leitungen aus der Tiefe nach oben abgeführt. Eine ähnlich arbeitende
brennkraftbetriebene Schlagbohrvorrichtung ist aus
DE 39 35 252 A1 bekannt. Die Schlagbohrvorrichtung ist hängend an einem rohrförmigen Bohrgestänge
angebracht, welches die Zirkulation eines Bohrfluids für ein Turbobohren durch den
hohlen Innenraum erlaubt. Am unteren Ende des Bohrgestänges sind konzentrische Reihen
von Bohrstangen mit kolbengeführten Stoßzähnen nach Art einer Bohrkrone angebracht.
Die Kolben werden sequentiell so häufig wie erforderlich gezündet, um die Stoßzähne
schlagend und stoßend anzutreiben.
[0008] Auch hier sind Zu- und Ableitungen für Kraftstoff, Druckluft und Abgase für die Imloch-Schlagbohrvorrichtung
installiert, außerdem Elektroleitungen für Zündkerzen und Steuerelektronik.
[0009] Außerdem ist aus der
WO 2001 / 040 622 A1 ein Bohrloch-Schwingungserzeuger auf Basis eines Verbrennungsmotors bekannt, um im
Bohrloch Druckschwingungen zu erzeugen. Der Schwingungserzeuger weist ein Gehäuse
auf, das mit einem Verbrennungsmotor versehen ist, einschließlich eines Zylinders
und eines Kolbens, die so ausgebildet sind, dass sie einen Verbrennungshub beim Verbrennen
eines Gasgemisches in dem Zylinder ausführen. Ein mit dem Kolben verbundener Hammer
schlägt gegen einen Amboß, der sich aus einer ersten in eine zweite Position bewegt.
Federn führen jeweils Kolben und Amboß zurück. Der Verbrennungsmotor wird aus zwei
Tanks gespeist, die getrennt voneinander Sauerstoff und Wasserstoff bevorraten. Die
Zufuhr des Gasgemisches und Abfuhr der Abgase werden über Ventile gesteuert.
[0010] Weiter sind aus
DE 27 26 729 A1 und
DE 30 29 790 A1 Tiefbohreinrichtungen bekannt, die durch Explosivstoffe oder Brenngas in Drehung
versetzt und schlagend betrieben werden.
[0011] Fernerhin werden In
SE 153256 C und
GB 1350646 A Schlagbohrgeräte auf Basis von Innenverbrennungsmotoren offenbart.
[0012] Allen genannten Wärmekraftmaschinen kommen ohne Pleuelstange und Kurbelgetriebe aus,
indem das Treibgas direkt auf ein Schlagwerkzeug wirkt. Allerdings sind die Versorgung
mit gasförmigem oder flüssigen Treibstoff, Explosivstoff oder Oxidationsmitteln sowie
die Entsorgung der entstehenden Abgase in großen Teufen ebenso problematisch wie eine
störungsfreie Stromversorgung.
[0013] Um die Stabilität des Bohrloches zu gewährleisten, kommen in der Tiefbohrtechnik
Bohrspülungen mit hoher spezifischer Dichte p mit typischerweise 1,2 g/cm
3, in Extremfällen bis über 1,6 g/cm
3 zum Einsatz. Demensprechend nimmt der hydrostatische Druck unterhalb einer Spülungssäule
mit der Teufe h um ρ·g·h zu, wobei g die Erdbeschleunigung ist und p in erster Näherung
als konstant angesehen werden kann. Beim Bohren in großen Teufen mit mehreren 1000
m Spülungssäule können demnach Drücke von mehreren hundert bis über 1000 bar auftreten.
[0014] Ein signifikanter Unterdruck in einer mit einem gasförmigen Arbeitsmedium betriebenen
Wärmekraftmaschine in Bezug auf diesen immensen Außendruck kann daher leicht zum Erliegen
des Schlagmechanismus oder sogar zu einem Kollaps von deren Arbeitsvolumen und damit
zu ihrer Zerstörung führen. Umgekehrt stellt eine starke Vorkompression des Arbeitsgases
Übertage wegen der Berstgefahr der Wärmekraftmaschine ein Sicherheitsrisiko da. Damit
käme nur ein Druckaufbau während des Bohrens bzw. Absenkens des Bohrgestänges in Frage.
Hierbei wäre eine Versorgung mit einer Druckgasleitung von Übertage oder durch einen
im Bohrstrang integrierten Vorratstank praktikabel. Bei sehr großen Teufen > 4000
m und/oder Wärmekraftmaschinen mit einem großen Arbeitsvolumen sind diesen Lösungsansätzen
technische Grenzen gesetzt. Ein Vorratstank wäre bei Befüllung auf einen hohen Druck
ein nahezu ebenso großes Sicherheitsrisiko wie eine derart befüllte Wärmekraftmaschine
selbst. Bei Befüllung auf einen geringen Vordruck wäre andererseits das benötigte
Volumen aufgrund des Boyle-Mariott'schen Gesetzes p
1·V
1 = p
2·V
2 in Bezug auf die typischen Dimensionen eines Bohrstranges inakzeptabel groß.
Darstellung der Erfindung
Technische Aufgabe der Erfindung
[0015] Der Erfindung liegt die Aufgabe zu Grunde, einen Meißeldirektantrieb für oben genannte
Werkzeuge auf Basis einer Wärmekraftmaschine zu schaffen, der unter Beibehaltung einer
hohen Anzahl gemeinsamer Konstruktionsmerkmale auf eine Vielzahl von Energieformen
angepasst werden kann und welcher die von einer äußeren Quelle bereitgestellte Energie
verschleißarm und mit hoher Effizienz in eine oszillierende Schlagbewegung umwandeln
kann. Geräte dieser Klasse sollen somit auf verschiedene Zwecke, wie z.B. zur Zerkleinerung
von spröden Materialien, zum vertikalen oder horizontalen Vortrieb Übertage oder Untertage,
und auf verschiedene Leistungsklassen, vom Handgerät bis zur Tiefbohrgarnitur, ausgelegt
werden können. Insbesondere soll ein wartungsarmer universeller Antrieb für ein Schlagbohrgerät
zum Vortrieb in kristallinen Hartgesteinen in großen Teufen zur Verfügung gestellt
werden, welcher auch durch eine konventionelle Bohrspülung betrieben werden kann.
Die Funktionsfähigkeit dieses Antriebs soll dabei auch bei sehr hohen hydrostatischen
Drücken an der Bohrlochsohle bis über 1000 bar aufrecht erhalten werden können.
Lösung der Aufgabe
[0016] Die Aufgabe wird erfindungsgemäß durch die Merkmale der Ansprüche 1 und 15 gelöst.
Vorteilhafte Ausgestaltungen geben die begleitenden Ansprüche an. Danach ist die Erfindung
durch einen Meißeldirektantrieb mit einer Wärmekraftmaschine geprägt, deren mechanische
Nutzarbeit in Form von Schlagenergie ausgekoppelt wird. Der Meißeldirektantrieb arbeitet
dabei nach einem realen Stirling-Kreisprozess eines quasi abgeschlossenen gasförmigen
Arbeitsmediums. Das Arbeitsgas verbleibt demnach innerhalb der Wärmekraftmaschine
und eines optional in den Bohrstrang integrierten Druckausgleichssystems und wird
nicht mit der Umgebung ausgetauscht. Abgesehen von Ausführungsvarianten mit einer
durch Verbrennung betriebenen externen Wärmequelle, arbeiten die erfindungsgemäßen
Antriebe somit ohne Abgase.
[0017] Der Meißeldirektantrieb besteht aus einem vorzugsweise zylinderförmig ausgeführten
Druckbehälter, der den gesamten Arbeitsraum der Wärmekraftmaschine umschließt und
in unterschiedliche Arbeitsbereiche unterteilt ist. In einem Arbeitsbereich wird das
Arbeitsmedium gemäß dem Wirkprinzip eines Stirlingmotors fortwährend erhitzt und in
einem anderen Arbeitsbereich abgekühlt. Die mechanische Nutzarbeit resultiert dabei
aus einer Phasenverschiebung zwischen Erwärmung und Expansion bzw. Abkühlung und Kontraktion
des Arbeitsgases.
[0018] Die Wärmekraftmaschinen können als Stirlingmotor mit einem frei oszillierenden Verdrängerkolben
und einem frei oszillierenden Arbeitskolben, üblicherweise als Freikolben-Stirlingmotor
bezeichnet, ausgeführt sein, oder als thermoakustischer Stirlingmotor. Bei letzterem
tritt an die Stelle des Verdrängerkolbens die oszillierende Druckschwankung des Arbeitsgases
in einer stehenden akustischen Welle (im angloamerikanischen auch "Standing Wave Thermoacoustic
Engine" oder "Lamina Flow Stirling" genannt).
[0019] Die erforderliche thermische Betriebsenergie kann dem Arbeitsgas in beiden Fällen
durch eine beliebige äußere Wärmequelle, beispielsweise durch ein elektrisches Heizelement,
welches mit dem Gas direkt oder über einen Wärmetauscher in Kontakt steht, zugeführt
werden, ebenso durch ein kontinuierlich zugeführtes heißes Medium oder durch eine
chemische Reaktion zwischen (kontinuierlich zugeführten) flüssigen, gasförmigen oder
festen Stoffen in einer in den Wärmetauscher integrierten oder diesem benachbarten
Brennkammer. Eine weitere und besonders vorteilhafte Art der Wärmezufuhr ist die Erzeugung
von Reibungswärme aus einer beispielsweise durch eine pneumatische oder hydraulische
Turbine oder einen Verdrängermotor erzeugten Drehbewegung mittels einer geeigneten
Reibpaarung. Diese kann sich ebenso wie das Heizelement in direktem Kontakt mit dem
Arbeitsgas befinden oder über einen Wärmetauscher mit diesem verbunden sein.
[0020] Bei dem erfindungsgemäßen Meißeldirektantrieb auf Basis eines Freikolben-Stirlingmotors
wird die Schlagenergie am kalten Ende der Maschine durch Kompression des Arbeitsgases,
direkten mechanischen Anprall des Arbeitskolbens oder einen zusätzlichen Schlagkolben
auf einen beweglich geführten Amboß übertragen und auf den Meißel weitergeleitet.
[0021] Bei dem erfindungsgemäßen Meißeldirektantrieb auf Basis eines thermoakustischen Stirlingmotors
wird die Schlagenergie am kalten Ende der Maschine aus der oszillierenden Druckschwankung
und Bewegung des Arbeitsgases durch einen beweglich geführten Kolben oder andere Arten
beweglicher, freier Oberflächen ausgekoppelt und entweder direkt oder über ein zusätzliches
Schlagwerk mit Schlagkolben und Amboß zum Meißel geleitet.
[0022] Ergänzend zu den der Fachwelt wohlbekannten physikalischen Grundlagen des Stirling-Kreisprozesses
wird zur prinzipiellen Konstruktion von Stirling-Maschinen auf
US 2003/0196441 A1 verwiesen.
[0023] Die oben gemachte Beschreibung des gasförmigen Arbeitsmediums als 'quasi abgeschlossen'
bezieht sich auf die im Stand der Technik erläuterte Problematik, dass der mittlere
Gasdruck im Arbeitsraum einer mit einem gasförmigen Arbeitsmedium betriebenen Wärmekraftmaschine
beim Schlagbohren in großen Teufen mit mehreren 1000 m Spülungssäule an die Erfordernisse
des herrschenden Umgebungsdrucks (im Folgenden mit 'hydrostatischer Spülungsdruck'
bezeichnet) angepasst werden muss. Dies erfolgt erfindungsgemäß durch eine (quasi)-kontinuierliche
Zufuhr oder Abfuhr von einem gasförmigem Arbeitsmedium in den Arbeitsraum nach zwei
unterschiedlichen Varianten.
[0024] Bei kompakten Wärmekraftmaschinen mit einem Arbeitsraum von wenigen 10 Litern und
geringen Bohrtiefen können zum einen Vorratsbehälter mit mindestens auf den Innendruck
der Wärmekraftmaschine vorkomprimiertem Arbeitsmedium Verwendung finden. Diese sind
im Bohrstrang oberhalb des Meißeldirektantriebes angeordnet. Ab Teufen, bei denen
der hydrostatische Spülungsdruck den Druck der Vorkompression überschreitet, kann
ihr momentanes Speichervolumen konstruktionsbedingt durch Ein- und Ausströmen von
Bohrspülung verringert/ vergrößert werden, wodurch ein Druckausgleich zwischen Spülungsdruck,
Wärmekraftmaschine und Vorratsbehälter hergestellt wird. Bohrspülung und Arbeitsgas
bleiben dabei stets stofflich getrennt.
[0025] Zum Anderen kommen, um den volumetrischen Limitierungen in einer Bohrgarnitur Rechnung
zu tragen, insbesondere bei Wärmekraftmaschinen mit einem großen Arbeitsraum und Teufen
mit über 3500 m Spülungssäule, gaserzeugende oder gasverbrauchende chemische Reaktionen
von Feststoffen mit einem hohen molaren Umsatz an Gasmolekülen, wie beispielsweise
die Zersetzung von Aziden und die Bildung von (Metall)nitriden zum Einsatz. Das bevorzugte
Arbeitsgas ist demnach in diesen Fällen Stickstoff.
Beschreibung
[0026] Die Erfindung soll nachstehend anhand eines bevorzugten Weges näher erläutert werden,
welcher sich auf die Anwendung als Meißeldirektantrieb für ein Schlagbohrgerät ("Bohrhammer")
zum Abteufen tiefer Bohrlöcher, wie dies zur Erschließung von Erdöl, Erdgas- oder
Erdwärmelagerstätten üblich ist, bezieht. Alle dargestellten Varianten des erfindungsgemäßen
Meißeldirektantriebs befinden sich am unteren Ende eines nicht näher dargestellten
Bohrgestänges. Die Positionsangabe "unten", "unterer.." bezieht sich im Folgenden
allgemein sowohl auf die durch die Bezugszeichen vorgegebene Orientierung der Zeichnungen,
als auch auf die Richtung des Bohrvortriebs.
Kurzbeschreibung der Zeichnungen:
[0027] In den Zeichnungen zeigen:
- Fig. 1 (a) bis Fig. 1 (f) Varianten der Wärmezufuhr für einen Meißeldirektantrieb auf Basis eines Freikolben-Stirlingmotors
in axialer Kolbenanordnung von Arbeitsund Verdrängerkolben innerhalb eines zylindrischen
Druckbehälters,
- Fig. 2 (a) bis Fig. 2 (d) Varianten eines Meißeldirektantriebs auf Basis eines Freikolben-Stirlingmotors in
axialer Kolbenanordnung von Arbeits- und Verdrängerkolben innerhalb eines zylindrischen
Druckbehälters, wobei die Varianten 1 (a) bis 1 (f) mit den Varianten 2 (a), (c) oder
(d) kombinierbar sind,
- Fig. 3 (a) bis Fig. 3 (e) Varianten eines Meißeldirektantriebs auf Basis eines thermoakustischen Stirlingmotors
mit einem zylindrischen Druckbehälter, bei dem das Arbeitsgas ebenfalls einen realen
Stirling-Kreisprozess durchläuft und die Bereitstellung der thermischen Betriebsenergie
durch mechanisch bewegte Reibpaarungen mit rein axialer Flächenpressung (Fig. 3 (a) und (c)) und mit axialer und radialer Flächenpressung (Fig. 3 (b) und (d)) erfolgt. Fig. 3 (3e) zeigt ein Zusatzschlagwerk,
- Fig. 4 (a) bis Fig. 4 (b) einen in den Bohrstrang integrierten gasgefüllten Druckausgleichsbehälter für geringe
bis mittlere Teufen und
- Fig. 5 (a) bis Fig. 5 (c) eine in den Bohrstrang integrierte Gasgenerator- und Absorbereinheit für große Teufen.
Bevorzugter Weg zur Ausführung der Erfindung anhand von Beispielvarianten und der
Zeichnungen
[0028] Gemäß
Fig. 2 und 3 verfügen alle dargestellten Meißeldirektantriebe, deren Kombinationen und Varianten
als gemeinsame Konstruktionsmerkmale über eine zylindrische Einhausung 1, an deren
unteren Ende sich ein Meißel
2, bestehend aus einer Meißelaufnahme 2, und einem Meißeleinsatz 2 mit Spülkanälen
2 zur Entfernung des erzeugten Bohrkleins befindet.
[0029] Der Meißeleinsatz 2b kann als konventioneller Schlagbohrmeißel mit Hartstoffeinsätzen
2d, wie beispielsweise in
EP 0 886 715 A1 oder
DE 196 18 298 A1 offenbart, ausgeführt sein.
[0030] Die Meißelaufnahme 2a kann einen Mechanismus zum Umsetzen des Meißeleinsatzes 2b
beinhalten, damit die Hartstoffeinsätze 2d in aufeinanderfolgenden Schlägen auf verschiedene
Bereiche des Gesteins an der Bohrlochsohle einwirken. Die Rotation des Meißels
2 kann dabei unter Verwendung eines Teils der axialen Schlagenergie z.B. nach einem
DE 27 33 300 A1 entsprechenden Mechanismus oder durch den Fluss der Bohrspülung angetrieben werden.
[0031] Die Einhausung 1 und der Meißel
2 sind koaxial zur Achse des Bohrlochs angeordnet. Im Inneren der Einhausung 1 befindet
sich ein zylindrischer Druckbehälter
3, welcher durch nicht näher gezeigte geeignete Verbindungsstücke mit der Einhausung
1 kraftschlüssig und spielfrei verbunden ist. Der Druckbehälter
3 besteht im Falle des Freikolben-Stirlingmotors nach
Fig. 1 (a) bis (f) und
Fig. 2 (a) bis (d) aus einem beheizten Zylinderkopf 3a, einem Verdrängerkolbenzylinder 3b, einem Arbeitskolbenzylinder
3g, einem Faltenbalg 3h und einer dem Meißel
2 zugewandten, mittels des Faltenbalges 3h beweglich gehaltenen 'Bodens' 3i des zylindrischen
Druckbehälters
3, welche alle aus temperatur- und/oder verschleißbeständigen Metalllegierungen gefertigt
sind.
[0032] Der Verdrängerkolbenzylinder 3b und der Arbeitskolbenzylinder 3g haben beim thermoakustischen
Meißeldirektantrieb gemäß
Fig. 3 ihre Entsprechung in einem oberen und einem unteren Resonatorzylinder (3b' und 3g'
in
Fig. 3 (a),(b) und
(e)). Der Zylinderkopf 3a' ist in diesen Ausführungsvarianten nicht beheizt.
[0033] Ein Zwischenraum zwischen dem Druckbehälter 3 und der Einhausung 1 dient der Durch-
bzw. Weiterleitung der Bohrspülung. Er ist im einfachsten Falle hohl oder enthält
zu diesem Zweck nicht dargestellte erforderliche Kanäle bzw. Rohrleitungssysteme.
[0034] Der Zwischenraum kann darüber hinaus Messeinrichtungen zur Erfassung von Betriebsparametern
des Bohrhammers, wie beispielsweise Temperaturmessfühler, Dehnungsmesser, Kraft- und
Beschleunigungsmesser, sowie in der Tiefbohrtechnik übliche sonstige Messinstrumente
und die hierzu erforderliche Elektronik enthalten.
[0035] Die einzelnen Ausführungsvarianten der Zylinderköpfe 3a für einen Freikolben-Stirlingmotor
(Fig. 1) werden im Nachfolgenden näher beschrieben. Gleiche Hinweiszahlen beziehen sich dabei
durchgehend auf Komponenten gleicher Funktion und (nahezu) gleicher Bauart. So haben
alle Ausführungsvarianten als ein weiteres gemeinsames Konstruktionsmerkmal eine thermisch
isolierende Ummantelung 4. Diese kann aus einem porösen, mineral- bzw. keramikartigem
Material bestehen, welches entweder inhärent druckfest ist oder durch eine dem Umgebungsdruck
anpassbare Gasfüllung stabilisiert wird. Auch ist eine entsprechend stabil ausgelegte
Doppelwandung mit einer dazwischen befindlichen evakuierten Isolationsschicht nach
dem Prinzip eines Dewar-Gefäßes möglich.
[0036] Fig. 1 (a) zeigt eine schematische Schnittansicht für die Ausgestaltung eines elektrisch beheizten
Zylinderkopfes 3a mit einem im Druckbehälter 3 befindlichen Widerstands-Heizelement
5, welches über elektrische Zuleitungen 6 mit einem Gleich- oder Wechselstrom versorgt
wird. Die Zuleitungen 6 werden durch gasdichte Isolationsstücke 7 ins Innere des Druckbehälters
3 geführt.
[0037] Fig. 1 (b) zeigt eine schematische Schnittansicht für die Ausgestaltung eines elektrisch beheizten
Zylinderkopfes 3a mit einem außerhalb des Druckbehälters
3 (Fig. 2) befindlichen Widerstands-Heizelement 5. Die thermische Anbindung an das Arbeitsgas
erfolgt durch einen Wärmeüberträger 8. Der Wärmeüberträger 8 kann aus einem Material
höherer Wärmeleitfähigkeit als das Grundmaterial des Zylinderkopfes 3a bzw. des Druckbehälters
3 bestehen und ist in diesen gasdicht eingelassen. Zur besseren Wärmeabgabe kann der
Wärmeüberträger 8 mit Rippen oder anderen Ausbuchtungen zur Vergrößerung der Kontaktfläche
mit dem Arbeitsgas versehen sein.
[0038] Die Versorgung mit elektrischen Strom kann in beiden Fällen durch eine oberirdisch
gespeiste, im Bohrloch befindliche elektrische Leitereinrichtung wie sie beispielsweise
in
EP 257 744 A2 offenbart wird, oder durch einen von der Bohrspülung angetriebenen elektrischen Generator
nach z.B.
DE 3029523 A1 im Bohrloch erfolgen.
[0039] Fig. 1 (c) zeigt eine schematische Schnittansicht für die Ausgestaltung eines durch ein heißes
Medium oder eine flüssige oder gasförmige Reaktionsmischung beheizten Zylinderkopfs
3a. Die Zu- und Abfuhr dieser Medien erfolgt über isolierte Rohrleitungen 9, die für
einen besseren Wärmeübertag durch die Wandung des Zylinderkopfes 3a geführt sind.
Die Wärmeabgabe erfolgt durch einen Wärmeüberträger 8, wobei dieser zu diesem Zweck
zur Vergrößerung der Oberfläche spiralförmig gewunden und zusätzlich mit Rippen oder
anderen Ausbuchtungen versehen sein kann. Als Medien können Heißdampf, erhitztes Öl
oder Metallschmelzen (vorzugsweise Gallium und eutektische Legierungen auf Basis von
Gallium und Indium, Quecksilber, geschmolzene Alkalimetalle), die von einer über dem
Bohrer befindlichen Wärmequelle erhitzt und in Zirkulation gehalten werden, verwendet
werden. Als Reaktionsmischung kann beispielsweise Knallgas (Wasserstoff/ Sauerstoff),
welches durch eine katalytische Beschichtung im Wärmetauscher 8 zu exothermer Reaktion
aktiviert wird, verwendet werden.
[0040] Für eine Anwendung in der Tiefbohrtechnik sind solche Medien und Mischungen bevorzugt,
welche keine permanent gasförmigen Reaktionsprodukte erzeugen, da das Aufsteigen von
Gasblasen und deren starke Expansion im Bohrloch zu einer Unterbrechung des Bohrspülungskreislaufs
und zu weitere Komplikationen beim Bohrprozess führen kann. Der aus einer Knallgasreaktion
entstehende Wasserdampf kann durch die Kühlwirkung der Bohrspülung zu flüssigem Wasser
auskondensiert werden.
[0041] Fig. 1 (d) zeigt eine schematische Schnittansicht für die Ausgestaltung eines durch einen Brenner
mit direkter Flamme beheizten Zylinderkopfes 3a. Diese Variante ist vorzugsweise nicht
für den Einsatz in der Tiefbohrtechnik, sondern für den Betrieb kompakter und leistungsstarker
Bohrgeräte in der Flach- oder Horizontalbohrtechnik, ggf. auch für Handgeräte zum
Schlagbohren, Meißeln und Stemmen an Orten geeignet, an denen keine elektrische Spannungsversorgung
zur Verfügung steht.
[0042] Der gasförmige oder flüssige Brennstoff wird über ein Düsenrohr 10 zugeführt während
die oxidierende Komponente, im einfachsten Fall Luft, über einen Ansaugstutzen 11
hinzutritt. Die Zündung des Brennstoff-Luft Gemisches kann durch eine elektrische
Zündeinrichtung erfolgen, welche nicht abgebildet ist. Die Wärme wird wiederum über
einen Wärmeüberträger 8 in das Innere des Druckbehälters
3 übertragen, wobei die heißen Abgase zur Steigerung der Effizienz noch am Zylinderkopf
3a entlanggeführt werden und das Gerät schließlich über einen Auspuff 12 verlassen.
[0043] Fig. 1 (e) und (f) zeigen schematische Schnittansichten für die Ausgestaltung einer Energiezufuhr in
Form von Reibungswärme, die durch eine rotierende Reibpaarung außerhalb
(Fig. (e)) oder innerhalb
(Fig. (f)) des Druckbehälters
3 erzeugt wird. Diese Ausgestaltungsvarianten sind für den Einsatz in der Tiefbohrtechnik
besonders gut geeignet, da die Reibpaarung direkt über einen herkömmlichen, durch
die zirkulierende Bohrspülung betriebenen Bohrmotor (Verdrängermotor) oder eine entsprechende
hydraulische Turbine angetrieben werden kann. Die Drehbewegung wird dabei über eine
Antriebswelle 13 auf die daran befestigte, rotierende Reibscheibe 14 übertragen, welche
mittels einer Vorspannvorrichtung 16 auf eine der rotierenden Reibscheibe 14 gegenüberliegende
feststehende Reibscheibe 15 gepresst wird.
[0044] Die Vorspannvorrichtung besteht aus einem Lager 17 welches die Antriebswelle 13 radial
stabilisiert und axiale Kräfte in Richtung der Vorspannung aufnehmen kann. Das Lager
17 ist im vorliegenden Fall beispielhaft als Kugellager mit konischen Laufflächen
ausgeführt, jedoch sind auch entsprechend ausgelegte Nadellager, Wälzlager oder Gleitlager
geeignet.
[0045] Die Vorspannung und damit der Reibwiderstand und die Leistungsabgabe der beiden Reibscheiben
14 und 15 kann durch expandierbare Elemente 18 gemäß den aktuellen Erfordernissen
des Schlagbohrvorganges gesteuert werden. Dabei kann es sich um eine um die Antriebswelle
13 gruppierte Anordnung von Hydraulikzylindern, piezoelektrischen oder magnetostriktiven
Aktuatoren oder Spindeln mit Motortrieb handeln.
[0046] In der Variante nach
Fig. 1 (e) wird die Antriebswelle 13 zwischen dem Lager 17 und der rotierenden Reibscheibe 14
auf Druck belastet, weshalb ein zusätzlicher Lastrahmen 19 erforderlich ist. Dieser
ist kraftschlüssig mit der Wand des Druckbehälters 3 verbunden und im vorliegenden
Beispiel als deren unmittelbare Fortsetzung ausgeführt, in die der Zylinderkopf 3a
als eine Art Zwischenboden eingezogen ist. Ein weiterer Zwischenboden 19a nimmt die
von den expandierbaren Elementen erzeugte Kraft auf.
[0047] In der Variante nach
Fig. 1 (f) wird die Antriebswelle 13 zwischen dem Lager 17 und der rotierenden Reibscheibe 14
auf Zug belastet, weshalb zur Aufrechterhaltung der Vorspannung Elemente 20 aus einem
druckfesten Material geringer Wärmeleitfähigkeit zwischen der stehenden Reibscheibe
15 und den expandierbaren Elementen 18 innerhalb und außerhalb des Druckbehälters
3 angebracht sind. Bei diesem Material handelt es sich beispielsweise um ein hochfestes
keramisches Material wie Zirkonoxid. Um den Wärmeübertrag zusätzlich zu verringern
können diese druckfesten Elemente 20 mit einer Wabenstruktur mit Wabenachsen längs
zur Druckrichtung versehen sein. Da bei der Variante nach
Fig. 1 (f) die Reibpaarung innerhalb des Druckbehälters
3 liegt, ist eine abdichtende Durchführung 7' für die Antriebswelle 13 notwendig. Sie
muss der Druckdifferenz zwischen der maximalen Druckamplitude des Arbeitsgases und
dem Druck außerhalb des Druckbehälters
3, beispielsweise dem Gasdruck in der Isolierummantelung 4 standhalten. Diese Druckdifferenz
ist im Vergleich zum absoluten hydrostatischen Druck an der Bohrlochsohle gering,
da der Innendruck des Motors wie eingangs erwähnt und weiter unten genauer ausgeführt
erfindungsgemäß an diesen angepasst wird.
[0048] Im nachfolgenden Abschnitt wird näher auf die für die Leistungsfähigkeit der erfindungsgemäßen
Stirling-Bohrhämmer dieses Typs wichtige Materialwahl der beiden Reibscheiben 14,
15 eingegangen.
[0049] Aus den Figuren wird deutlich, dass die erzeugte Reibungswärme in Variante nach
Fig. 1 (e) von der Reibfläche quasi-eindimensional durch die feststehende Reibscheibe 15 und
die Stirnseite des Zylinderkopfes weitergeleitet werden muss, während eine Wärmeabfuhr
durch die rotierende Scheibe 14 nicht zum Antrieb des Stirling-Motors beiträgt und
einen Verlust darstellt.
[0050] In Variante nach
Fig. 1 (f) hingegen erfolgt die Wärmeabgabe an das Arbeitsgas an den Mantelflächen beider Reibscheiben
14, 15, vor allem jedoch an der von der Reibfläche abgewandten Stirnseite der rotierenden
Reibscheibe 14, während eine Wärmeabfuhr von der feststehenden Reibscheibe 15 durch
die Wandung des Zylinderkopfes 3a einen Verlust darstellt. Da der Wirkungsgrad des
realen Stirling-Kreisprozesses mit der Temperaturdifferenz zwischen beheizter und
gekühlter Seite steigt und die Kühltemperatur durch die Temperatur der Bohrspülung
fixiert ist, ist eine möglichst hohe Temperatur der jeweils wärmeabgebenden Reibscheibe
14, 15 zu erzielen.
[0051] Diesen Randbedingungen muss bei der Materialwahl der beiden Reibscheiben 14, 15 Rechnung
getragen werden. Die Reibflächen müssen aus einem verschleißfesten Material mit hohem
Reibungskoeffizienten, hoher Warmfestigkeit und hoher Temperaturbeständigkeit bestehen.
In
DE 44 38 455 C1 und:
G.H. Jang et al.: "Tribological Properties of C/C-SiC Composites for Brake Discs",
Met. Mater. Int. (2001), Vol. 16, No. 1, werden Bremsscheiben aus C/C-SiC Verbundwerkstoffen mit einer thermischen Beständigkeit
bis zu 1300°C und hoher Wärmeleitfähigkeit vorgestellt, welche bereits in ähnlichen
Anwendungen im Einsatz sind. Der Körper der jeweils wärmeabgebenden Reibscheibe kann
vollständig aus diesen Materialen gefertigt sein. Die jeweilige Gegenscheibe besteht
vorzugsweise aus einem Material mit ähnlicher thermischer Beständigkeit und Festigkeit,
aber geringerer Wärmeleitfähigkeit wie beispielsweise Zirkonoxidkeramik.
[0052] Zur Erzielung optimaler Reibeigenschaften kann die feststehende Reibscheibe 15 auch
diesem Grundmaterial mit einer kraft- und/oder stoffschlüssigen Auflage oder einem
Gradienten einer Reibschicht aus C/C-SiC oder einem ähnlich geeigneten keramischen
Material ausgeführt sein. Insbesondere können bei einer Variante nach
Fig. 1 (f) die feststehende Reibscheibe 15 und die druckfesten Elemente 20 auf der Innenseite
des Zylinderkopfes 3a auf diese Weise aus einem integralen Bauteil bestehen.
[0053] Fig. 2 (a) bis
(d) zeigen schematische Schnittansichten für drei verschiedene Ausgestaltungsvarianten
eines Meißeldirektantriebs auf Basis eines Freikolben-Stirlingmotors. Dabei
ist Fig. 2 (b) die Visualisierung eines speziellen Zeitpunktes im Arbeitszyklus der mittels
Fig. 2 (a) näher bezeichneten Motors, während
Fig. 2 (c) eine geringfügige, aber entscheidende konstruktive Abwandlung von diesem darstellt.
[0054] Identisch oder ähnlich dargestellte Teile sind bei den drei Varianten
Fig. 2 (a) bis
(d) wiederum mit denselben Hinweiszahlen belegt. Die entsprechende Beschriftung in
Fig. 2 erfolgt, der Übersichtlichkeit halber, jeweils nur einmalig, sofern dies für die
jeweils nachfolgenden Erläuterungen ausreichend ist.
[0055] Beide Varianten verfügen über folgende gemeinsame Konstruktionsmerkmale: Einen Verdrängerkolben
30b, an dem eine Kolbenstange 30c befestigt ist, die durch eine gedichtete Bohrung
im oberen Ende des Arbeitskolbens 30g geführt ist. An dem dem Verdrängerkolben 30b
gegenüberliegenden Ende trägt die Kolbenstange 30c einen kleinen Kolben 30e, der innerhalb
des Arbeitskolbens 30g in einem weiteren Zylinder oder einer Bohrung arbeitet. Dieser
Zylinder im Arbeitskolben 30g hat zwei Kammern 30d und 30f, welche Prallräume bzw.
Gasfederelemente in Bezug auf die Relativbewegung zwischen dem Verdrängerkolben 30b
und dem Arbeitskolben 30g darstellen. Mit axial wird im Folgenden die Richtung längs
der gemeinsamen Achse dieser Kolbenanordnung bezeichnet. Das untere Ende des Arbeitskolbens
30g arbeitet in einem Anschlag- bzw. Prallraum 42, dessen Boden 3i beispielsweise
durch einen hermetisch schließenden Faltenbalg 3h axial beweglich gehalten ist.
[0056] Zwei unterschiedliche Möglichkeiten der Auskopplung von Schlagenergie aus dem beschriebenen
Stirlingmotor, die nur mit geringen konstruktiven Unterschieden einhergehen sind in
Fig. 2 (b) und
Fig. 2 (c) näher dargestellt.
[0057] In Fig.
2 (b) sind Geometrie und Volumen des Prallraums 42 so bemessen, dass der Arbeitskolben
30g durch Kompression des Arbeitsgases bis zum Stillstand abgebremst wird, ohne mit
dem Boden oder der Wand des Arbeitskolbenzylinders 3g in axialer Richtung zu kollidieren.
Dabei ist der mittlere Druck des im Prallraum 42 enthaltenen Arbeitsgases mit demjenigen
in den beiden Arbeitsräumen 40 und 41 identisch. Dieser mittlere Druck wird in noch
näher zu beschreibenden Weise auf den außen an der Bohrlochsohle anliegenden hydrostatischen
Druck der Spülungssäule so angepasst, dass eine optimale Wirkung des Motors erzielt
wird. Durch eine Verjüngung des Querschnitts Δ
r am unteren Ende des Prallraums 42 wird das Arbeitsgas kurz vor Erreichen des unteren
Totpunktes des Arbeitskolbens 30g besonders stark verdichtet. Der hierdurch erzeugte
Druckstoß verursacht eine über den Faltenbalg 3h vermittelte axiale Abwärtsbewegung
des Prallraumbodens 3i, die auf den daran mittelbar oder unmittelbar befestigten Meißel
2 übertragen wird.
[0058] Es ist anzumerken, dass sich der Verdrängerkolben 30b zu dem in
Fig. 2 (b) dargestellten Zeitpunkt des Arbeitszyklus nicht an einem seiner Totpunkte in Bezug
auf den Verdrängerkolbenzylinder 3b befindet. Dies liegt in der für jede Stirlingmaschine
mit Kolbenantrieb typischen Phasenverschiebung zwischen Arbeits- und Verdrängerkolben
begründet.
[0059] Die Aufwärtsbewegung des Arbeitskolbens 30g wird durch das nach dem Druckstoß zurückfedernde
Gasvolumen im Prallraum 42, sowie der als vorgespannte Gasfeder wirkenden oberen Zylinderkammer
30d im Arbeitskolben 30g in Kombination mit der Trägheit des Verdrängerkolbens 30b
eingeleitet. Sie geht zunächst mit einer weiteren Abwärtsbewegung des Verdrängerkolbens
30b einher, wobei erkaltetes Gas aus Arbeitsbereich 41 durch ein Kühlersystem 22 und
einen Regenerator 21 in den heißen Arbeitsbereich 40 strömt. Die Wärmeabfuhr am Kühlersystem
22 erfolgt durch die durchströmende Bohrspülung. Der Regenerator 21 ist dabei so ausgelegt,
dass er an jeder Stelle in einem möglichst vollständigen thermischen Austausch mit
dem Arbeitsgas steht, d.h. die Querschnitte seiner Kanäle oder Poren, durch die das
Arbeitsgas strömt, sind in der gleichen Größenordnung wie dessen thermische Eindringtiefe
bei den typischen Arbeitsfrequenzen des Motors.
[0060] In
Fig. 2 (c) ist im Prallraum 42 zusätzlich ein Amboß 2e vorgesehen. Geometrie und Volumen des
Prallraums 42 sind als eine 'zu schwache' Gasfeder ausgelegt, welche den Arbeitskolben
30g nicht zum Stillstand abzubremsen vermag, so dass dieser mit dem Amboß 2e in axialer
Richtung kollidiert. Sinngemäß entspricht das einem erzwungenen unteren Totpunkt,
der im Vergleich mit der Anordnung in
Fig. 2 (b) um einen Versatz Δ
z axial nach oben verschoben ist.
[0061] Die Kollision der beiden Körper löst darin zwei entgegengesetzt laufende elastische
Wellen aus. Die in den Arbeitskolben 30g laufende elastische Welle wird an dessen
innerer Grenzfläche zum als Gasfeder wirkenden unteren Arbeitsraum 30f reflektiert
und trägt damit zu dessen Aufwärtsbewegung bei. Die in den Amboß 2e laufende elastische
Welle läuft in den Meißel
2 weiter und wird auf das zu zerstörende Gestein übertragen. Aufgrund der deutlich
geringeren Kompressibilität der kollidierenden Festkörper im Vergleich zu dem zuvor
beschriebenen Druckstoß in dem komprimierten Gaspolster, hat die so ausgelöste Stoßwelle
eine höhere Amplitude bei gleichzeitig geringerer Einwirkungsdauer als bei der vorgenannten
Ausführung nach
Fig. 2 (a) und
(b).
[0062] Bei den vorstehend beschriebenen Ausführungsvarianten wird die Stoßenergie dem Arbeitskolben
30g nahe an seinem unteren Totpunkt entnommen, bei dem dieser nur noch eine geringe
Geschwindigkeit aufweist.
[0063] In
Fig. 2 (d) ist die schematische Schnittansicht einer weiteren Vorrichtung zur Erzeugung von
Schlagenergie auf Basis eines Freikolben-Stirlingmotors gezeigt, die mit einem zusätzlichen
frei beweglichen Schlagkolben 30h in einem im erweiterten Prallraum 43 angebrachten
Schlagkolbenzylinder 50 arbeitet. Dieser ist wie auch der Amboß 2e mit dem Boden des
Prallraums 42 fest verbunden und weist am unteren Ende Ausströmkanäle 51 auf, welche
beispielsweise aus lang gezogenen Schlitzen längs seines Umfanges bestehen, um ein
möglichst ungedrosseltes Durchströmen des Arbeitsgases zu gewährleisten.
[0064] Der Querschnitt des Schlagkolbenzylinders 50 ist im Vergleich zum Arbeitskolbenzylinder
3g verringert. Durch das aus dem Arbeitskolben 30g mit dem größeren Querschnitt in
den Schlagkolbenzylinder 50 einströmende Gas wird der Schlagkolben 30h daher bei der
Abwärtsbewegung des Arbeitskolbens 30g auf eine höhere Geschwindigkeit beschleunigt
als dieser. Die Höhe des Schlagkolbenzylinders 50 ist dabei so bemessen, dass der
Schlagkolben 30h auf den Amboß 2e aufschlägt, wenn der Arbeitskolben 30g am Scheitelpunkt
seiner Bewegung ist, also seine größte Geschwindigkeit erreicht hat.
[0065] Das obere Ende des Schlagkolbenzylinders 50 ist bis zu diesem Zeitpunkt durch ein
Steuerventil, welches aus einer Aktuator Einheit 52 und einer Ventilklappe 53 besteht,
verschlossen.
[0066] Die Ventilklappe 53 kann, um ein ungehindertes Ein- und Ausströmen des Arbeitsgases
zu ermöglichen, beispielsweise ringförmig ausgefertigt sein. Das Signal zum Öffnen
der Ventilklappe 53 kann beispielsweise durch den Aufprall des Schlagkolbens 30h auf
den Amboß 2e ausgelöst werden. Da die Ventilklappe 53 allerdings ein wirkungsvolles
Instrument zur Steuerung der Geschwindigkeit des Arbeitskolbens 30g während des gesamten
Arbeitszyklus darstellt, wird sie bevorzugt durch einen Prozessrechner angesteuert,
welcher die Momentangeschwindigkeit und Position des Arbeitskolbens 30g mittels einer
entsprechenden Sensorik erfasst.
[0067] In der zweiten Hälfte der Abwärtsbewegung wird die Ventilklappe 53 nun geöffnet.
Dies ist in
Fig. 2 (d) durch Pfeile angedeutet. Da der am Boden des Schlagkolbenzylinders 50 befindliche
Schlagkolben 30h die Strömungskanäle 51 verschließt, wird das in der zweiten Hälfte
der Abwärtsbewegung des Arbeitskolbens 30g verdrängte Gas nun in den erweiterten Prallraum
43 eingepresst, wodurch der Arbeitskolben 30g seine Bewegung verlangsamt.
[0068] Die Gasströme über die Ventilklappe 53 und die Ausströmkanäle 51 werden im nun folgenden
Abschnitt des Arbeitszyklus über diese Ventilklappe 53 so gesteuert, dass sich der
Schlagkolben 30h während der gesamten Aufwärtsbewegung des Arbeitskolbens bis zu seinem
oberen Totpunkt gehoben hat und Unregelmäßigkeiten in der Aufwärtsbewegung des Arbeitskolbens
30g ausgeglichen werden. Der Betrieb und die Arbeitssequenz des Freikolben-Stirlingmotors
kann außerdem durch weitere technische Maßnahmen, wie z.B. durch eine in
DE2524479A1 vorgestellte besondere Ausführung der Arbeitskolben-Hilfskolben-Kombination 30g/
30e stabilisiert und gesteuert werden.
[0069] Es ist darüber hinaus dem Fachmann ersichtlich, dass weitere Möglichkeiten bestehen,
Schlagenergie unter Verwendung eines Freikolben-Stirlingmotors zu erzeugen. So wird
beispielsweise in
WO 1995 029 334 A1 ein Verfahren zum Betreiben und Steuern einer Freikolben-Stirlingmaschine vorgestellt,
bei dem ein Druckpotential zwischen einem Hochdruckspeicher und einem Niederdruckspeicher
aufgebaut wird. Mit diesem Druckgefälle kann ein pneumatischer Bohrhammer am unteren
Ende des Stirlingmotors betrieben werden. Beim Bohren in großen Tiefen müssen auch
hierbei alle mit gasförmigem Arbeitsmedium gefüllten Arbeitsräume und Leitungen durch
Zugabe desselben aus einer Gasgeneratoreinheit auf einem mittleren Arbeitsdruck gehalten
werden, welcher eine komplikationsfreie Funktion der Maschinen angesichts eines durch
die Flüssigkeitssäule der Bohrspülung auf diesen lastenden hohen Außendruckes gewährleistet.
[0070] Fig. 3 (a) und
(b) zeigen schematische Schnittansichten für zwei verschiedene Ausgestaltungsvarianten
eines Meißeldirektantriebs auf Basis eines thermoakustischen Stirlingmotors. Identisch
oder ähnlich dargestellte Teile sind bei den beiden Varianten wiederum mit denselben
Hinweiszahlen belegt. Die entsprechende Beschriftung in
Fig. 3 erfolgt der Übersichtlichkeit halber jeweils nur einmalig, soweit dies für die jeweils
nachfolgenden Erläuterungen ausreichend ist.
[0071] Der Druckbehälter
3 stellt einen überwiegend zylinderförmigen Resonanzkörper dar, in dem sich eine stehende
akustische Welle des gasförmigen Arbeitsmediums ausbildet. Die erforderliche thermische
Betriebsenergie wird in
Fig. 3 (a) ähnlich der zuvor anhand
Fig. 1 (e) beschriebenen Vorrichtung (für 17, 18, 19 und 19a, siehe dort) als mechanische Arbeit
über eine Antriebswelle 13 zugeführt und über eine axial vorgespannten Reibpaarung
aus einer feststehenden Reibscheibe 15 und einer rotierenden Reibscheibe 14 in Reibungswärme
umgewandelt. Die abdichtende Durchführung 7' wurde bereits in den Ausführungen zu
Fig. 1 (f) näher erläutert.
[0072] Im Fall von
Fig. 3 (b) handelt es sich um eine konische Reibpaarung mit tangentialer Relativbewegung und
einer Vorspannung mit radialen und axialen Komponenten.
[0073] Auf den Aufbau der beiden Reibsysteme wird, unter anderem anhand von
Fig. 3 (c) und
(d), weiter unten eingegangen.
[0074] Die Wärmeabfuhr auf der Niedertemperaturseite erfolgt über ein Flüssigkeitsdurchflossenen
Kühlersystem 22. Die Kühlelemente 22a innerhalb des Kühlersystems 22 sind längs der
Zylinderachse flächig oder stabförmig ausgebildet und möglichst dünn, um eine möglichst
geringe Querschnittsverringerung für das durchströmende Arbeitsgas zu bewirken. Um
diese dünne Bauweise zu gewährleisten und ein Verstopfen der feinen Kühlkanäle zu
verhindern, erfolgt die Kühlung vorzugsweise durch einen von der partikelhaltigen
und viskosen Bohrspülung stofflich getrennten Kühlmittelkreislauf. Als sehr wirkungsvolle
Kühlmittel kommen vorzugsweise flüssige Metalle wie Gallium, eutektische Mischungen
auf Basis von Gallium und Indium oder Quecksilber in Frage, da diese eine geringe
Viskosität, hohe Siedepunkte und eine hohe Wärmeleitfähigkeit aufweisen. Aber auch
Flüssigkeiten auf Basis von Polysiloxanen (Silikonöle), perfluorierten Kohlenwasserstoffen
oder Wasser mit Siedepunktserhöhenden Zusätzen können verwendet werden. Die Umwälzung
des Kühlmittels erfolgt durch eine Pumpe 22d, die vorzugsweise direkt durch eine Fortsetzung
der Antriebswelle 13 im Inneren des Druckbehälters
3 angetrieben wird. Eine andere Ausführungsform besteht in einer außerhalb des Druckbehälters
3 befindliche Pumpe 22d', die beispielsweise durch einen kleinen Elektromotor angetrieben
wird. Das Kühlmittel gibt die im Innern des Druckbehälters aufgenommene Wärme über
einen weiteren Wärmetauscher 22b an die Bohrspülung ab. In
Fig. 3 (a) und
(b) ist dieser als spiralförmig um den Druckbehälter
3 gewundene Rohrleitung angedeutet. Das Kühlmittel wird durch ein Zuleitungs- und Wärmetauschersystem
22c über die Kühlelemente 22a geleitet. Beide sind dabei so angeordnet, dass eine
möglichst gleichförmige Kühlleistung über den gesamten Druckbehälterquerschnitt gewährleistet
wird. Der Wärmetauscher 22b steht außerdem mit einem nicht näher bezeichneten Kühlmittelreservoir
in Verbindung, welches dazu dient, Druck- und Volumenänderungen des Kühlmittels aufgrund
von Temperaturänderungen und seiner Kompression/ Dekompression beim Einfahren bzw.
Herausziehen des Bohrgestänges in bzw. aus großen Tiefen zu kompensieren. Es befindet
sich vorzugsweise im Zwischenraum zwischen Einhausung 1 und Druckbehälter
3.
[0075] Die Oszillation des Arbeitsgases wird angetrieben durch den Regenerator 21, in welchem
sich ein möglichst kontinuierliches Temperaturgefälle von der Temperatur der Reibpaarung
zu derjenigen des Kühlmittelkreislaufs einstellt.
[0076] Der Regenerator 21 wird vom Arbeitsgas oszillierend durchströmt, wobei die Strömung
zum heißen Ende bei steigendem Druck und zum kalten Ende bei fallendem Druck erfolgt.
Ist der thermoakustische Stirlingmotor wie in
Fig. 3 (a) und
(b) dargestellt, als ein einstufiger Motor mit einem geradlinigen Resonanzraum (= Druckbehälter
3) und stehender akustischer Welle ("standing wave acoustic engine") ausgeführt, so
muss der Regenerator 21 als so genannter "Stack" mit einer unvollständigen lokalen
thermische Ankopplung zum Arbeitsgas ausgeführt sein, um eine für die Aufrechterhaltung
der Oszillation notwendige Phasenverschiebung zwischen der Bewegung des Arbeitsgases
und seiner thermischen Expansion/ Kontraktion zu bewirken. Die charakteristische laterale
Dimension der Strömungskanäle im Regenerator 21 muss dazu eine bis mehrere thermische
Eindringtiefen ("thermal penetration depths") im Gas bei der Oszillationsfrequenz
betragen. Diese Erkenntnis ist Stand der Technik (siehe beispielsweise
US 20030196441A1), wird hier jedoch der Vollständigkeit der Beschreibung halber angeführt.
[0077] Im Gegensatz zu den in
Fig. 1 (e) und
(f) dargestellten Reibpaarungen zum Beheizen von Freikolben-Stirlingmotoren, müssen die
durch Reibpaarungen realisierten Heizelemente bei den thermoakustischen Stirlingmotoren
in
Fig. 3 (a) und
(b) so ausgelegt sein, dass sie vom Arbeitsgas längs der Zylinderachse des Druckbehälters
3 mit möglichst geringen viskosen Fließverlusten durchströmt werden können. Diese Anforderung
wird in der Ausführungsvariante nach
Fig. 3 (a) durch Reibscheiben mit axialen Kanälen bzw. Ringspalten gelöst.
[0078] Fig. 3 (c) zeigt schematisch den Schnitt A-A in
Fig. 3 (a). Die Antriebswelle 13 mündet in eine Nabe 13a, an welcher die obere rotierende Reibscheibe
14 über Rippen 14b befestigt ist. Die Rippen 14b laufen radial nach außen und übertragen
die axiale Anpresskraft und das Drehmoment der Antriebswelle 13 auf die rotierende
Reibscheibe 14. Im vorliegenden Ausführungsbeispiel besteht die rotierende Reibscheibe
14 selbst aus konzentrischen Ringen 14c, die über die Rippen 14b und gegebenenfalls
weitere radial Verlaufende Stege (nicht abgebildet) miteinander verbunden sind. Die
darunterliegende feststehende Reibscheibe 15 ist so ausgeführt, dass deren Ringe deckungsgleich
mit denen der oberen rotierenden Reibscheibe 14 übereinander liegen, so dass ein kontinuierlicher
Gleitweg entsteht. Im Gegensatz zu der rotierenden oberen Reibscheibe 14 mit ihren
schräg zur Nabe hin ansteigenden Rippen 14b, hat die untere feststehende Reibscheibe
15 nur radiale Verstärkungselemente gleicher Höhe und ist flach aufliegend fest mit
dem Regenerator 21 verbunden. Dieser ist wiederum kraft- und/oder stoffschlüssig am
Druckbehälter
3 befestigt und nimmt neben der übertragenen Wärme das auf die feststehende untere
Reibscheibe 15 übertragene Drehmoment und die axiale Anpresskraft auf. Wird der Kühlmittelkreislauf
mit einer im Druckbehälter
3 liegenden Pumpe 22d betrieben, so haben die untere Reibscheibe 15 und der Regenerator
21 eine entsprechende zentrale Durchführung für die verlängerte Antriebswelle 13.
[0079] Für die Wahl der Reibscheibenmaterialien kommen wiederum vorzugsweise die bereits
in der Erläuterung zu
Fig. 1 (e) und
(f) in Frage. Es ist dabei anzumerken, dass die relative mechanische Belastung auf das
Material aufgrund der inhärent notwendigen Perforation für den Durchtritt des Arbeitsgases
und der damit verbundenen Schwächung der Reibscheiben jedoch höher ausfällt als bei
diesen.
[0080] In
Fig 3 (b) und
Fig. 3 (d) wird daher noch eine Variante vorgestellt, bei der diese Problematik durch Verwendung
einer rotierenden, konisch geformten Trommel
60, die wiederum mit Vollmaterial für die Reibpaarung auskommt, umgangen werden kann.
Die Trommel
60 besteht aus einem hohlen Metallzylinder (oder Konus) 61 welcher mittels kraftübertragender
Speichen 62 konzentrisch auf der Antriebswelle 13 befestigt ist. Das Innere der Trommel
60 ist mit radial auf die Antriebswelle 13 zulaufenden wärmeleitenden Lamellen 63 versehen.
Auf den Metallzylinder 61 ist eine konisch geformte Schicht eines Friktionsmaterials
14' aufgebracht und die gesamte Trommel
60 sitzt in einem Sitz aus segmentierten Reibelementen 15', die über eine thermische
Isolationsschicht aus druckfestem Material 20' einzeln mit Aktuatorelementen 18' gegen
die Friktionsschicht 14' gepresst werden können. Die dadurch auf die Antriebswelle
13 wirkende axiale Kraftkomponente wird wiederum über ein Lager 17 auf eine radialsymmetrische
Tragrahmenkonstruktion 19 und 19a in den Druckbehälter
3 abgeleitet. Aufgrund der Konizität der Trommel
60 ist die Relativgeschwindigkeit der aneinander reibenden Flächen längs der Antriebswelle
13 unterschiedlich, was in einer lokal verschiedenen Wärmefreisetzung und damit einem
axialen Temperaturgradienten resultiert. Der Effekt kann durch unterschiedliche Anpresskräfte
der Aktorenelemente 18' noch verstärkt werden, so dass die mit dem Arbeitsgas in (unvollständigem)
thermischen Kontakt befindlichen Lamellen 63 sowohl als Wärmequelle, als auch als
Regenerator 21 fungieren. Da die Reibungswärme am Rand eingetragen wird, werden die
Lamellen 63 daher längs einer Linie von der Antriebswelle 13 zum Metallzylinder 61
hin heißer. Da sie sich jedoch aufgrund ihrer radialen Anordnung zur Antriebswelle
13 hin einander annähern, steigt die spezifische Wärmeabgabe an das Gas in diese Richtung
hin an. Das Bogenmaß zwischen zwei benachbarten Lamellen 63 sollte idealerweise so
bemessen sein, dass sich beide Effekte im optimalen Betriebszustand des Stirlingmotors
ausgleichen und eine über den Querschnitt nahezu gleichförmige Erwärmung des Arbeitsgases
erfolgt.
[0081] Wie in
Fig. 3 (a) und
Fig.3 (b) dargestellt, ist die dem Meißel
2 zugewandte Stirnseite 3i des Druckbehälters 3 ebenso wie die zuvor beschriebenen
Antriebsvarianten auf Basis von Freikolben-Stirlingmotoren beweglich ausgeführt, so
dass ein Teil der Energie der stehenden akustischen Welle als eine oszillierende Bewegung
auf den Meißel
2 ausgekoppelt werden kann. Die Beweglichkeit wird im vorliegenden Fall über den Faltenbalg
3h realisiert, kann aber auch als gedichteter beweglicher Kolben ausgeführt sein.
Der maximal mögliche Verfahrweg dieser Elemente braucht nur einen geringen Bruchteil
der Länge des Druckbehälters
3 zu betragen, vorzugsweise 0,1 bis 3%. Die tatsächliche Bewegungsamplitude des Bodens
3i bzw. des daran anschließenden Meißels
2 ist nochmals geringer. Sie setzt sich aus dem Abstand zwischen Bohrlochsohle und
den Hartstoffeinsätzen 2d des Meißeleinsatzes 2b zuzüglich der Eindringtiefe in das
Gestein je ausgeführten Schlages zusammen.
[0082] Die Theorie stehender akustischer Wellen fordert, dass sich an beiden Enden eines
beidseitig geschlossenen Resonanzrohres ein Maximum des oszillierenden Druckes befindet,
bei einem einseitig offenen Rohr hingegen ein Maximum der Geschwindigkeit des oszillierenden
Arbeitsgases, während die Druckoszillation einen Knotenpunkt aufweist.
[0083] Im vorliegenden Fall einer beweglichen Stirnseite tritt eine Mischform aus beiden
Fällen auf, wobei der Charakter einer stehenden Welle in einem beidseitig Geschlossenen
Resonanzrohr aufgrund der geringen Bewegungsamplitude des Bodens 3i im Fall der in
Fig. 3 (a) und
(b) abgebildeten Ausführungsvarianten überwiegt.
[0084] Je nach der erforderlichen Amplitude des auf das Gestein zu übertragenden Kraftstoßes
kann es von Vorteil sein, diese mittels eines in
Fig. 3 (e) schematisch im Querschnitt dargestellten Schlagwerks zu erhöhen. Dieses kann an beide
beschriebenen thermoakustischen Meißeldirektantriebe wie durch die Schnittlinie B-B
angedeutet angeflanscht werden und ist in Bauart und Funktion, jedoch nicht notwendigerweise
in seinen absoluten Abmessungen, zu dem in
Fig. 2 (d) gezeigten Schlagwerk identisch.
[0085] Es bleibt noch anzumerken, dass die hierin beschriebenen, erfindungsgemäßen Meißeldirektantriebe
ebenso wie die meisten konventionellen Schlagbohrvorrichtungen bei geringer bis keiner
Auflast (engl.: 'weight on bit', WOB) betrieben werden, da sonst keine dynamischen
Schlagbewegungen mehr ausgeführt werden können.
[0086] Nachstehend soll anhand der
Fig. 4 (a) und Fig. 4 (b) eine Druckregulierung in den Meißeldirektantrieben beim Bohren in großen Tiefen näher
erläutert werden. Auf die Notwendigkeit, den Druck im Arbeitsraum der erfindungsgemäßen
Meißeldirektantriebe auf Basis von Wärmekraftmotoren beim Bohren in großen Tiefen
durch eine (quasi)-kontinuierliche Zufuhr oder Abfuhr von gasförmigem Arbeitsmedium
an den herrschenden Umgebungsdruck anzupassen, wurde in der Aufgabenstellung der Erfindung
und im Abschnitt "Darstellung der Erfindung" bereits hingewiesen.
[0087] Dabei muss sowohl beim Bohren selbst als auch beim Abteufen des Bohrgestänges in
ein bereits vorhandenes Bohrloch, beispielsweise nach Wartungsarbeiten an der Bohrgarnitur,
ein Druckaufbau und beim Herausziehen der Bohrgarnitur ein entsprechender Druckabbau
erfolgen.
[0088] Bei einer Bohrspülung mit einer (als konstant angenommenen) Dichte von 1,2 g/cm
3 beträgt die Änderung des hydrostatischen Drucks je Meter Teufe 0,12 MPa. Für die
Auslegung einer entsprechenden Vorrichtung sind dabei die Verfahrgeschwindigkeiten
für Ein- und Ausbau des Bohrgestänges (mehrere 100 m je Stunde) maßgebend, während
die Vortriebsgeschwindigkeit der Bohrung selbst mit maximal einigen zehn Metern je
Stunde eine relativ langsame Zufuhr von Arbeitsgas erfordert.
[0089] Bei kompakten Wärmekraftmotoren mit einem Arbeitsraum von wenigen 10 Litern und geringen
Bohrtiefen können - wie bereits oben ausgeführt - zum Einen erfindungsgemäß Ausgleichsbehälter
mit mindestens auf den Innendruck des Wärmekraftmotors vorkomprimiertem Arbeitsmedium
Verwendung finden, die im Bohrstrang oberhalb des Meißeldirektantriebes angeordnet
sind. Ab Teufen, bei denen der hydrostatische Spülungsdruck den Druck der Vorkompression
überschreitet, kann ihr momentanes Speichervolumen konstruktionsbedingt durch Ein-
und Ausströmen von Bohrspülung verringert/vergrößert werden, wodurch ein Druckausgleich
zwischen Spülungsdruck, Wärmekraftmotor und Vorratsbehälter hergestellt wird. Bohrspülung
und Arbeitsgas bleiben dabei stets stofflich getrennt.
[0090] Fig. 4 (a) zeigt einen schematischen Längsschnitt eines erfindungsgemäßen Druckausgleichsbehälters
65. Dieser besteht aus einer zylindrischen Einhausung
1'. An deren oberen Abschluss befindet sich ein Kragen 70 in den das Bohrgestänge eingeschraubt
ist. Der Bohrschlamm wird durch einen Spülungskanal 71 durch die Vorrichtung hindurch
zum Bohrmotor und Meißeldirektantrieb weitergeleitet. Die Strömungsrichtung ist mit
einem Pfeil angezeigt. Die sich unmittelbar nach unten anschließende Komponente der
Bohrgarnitur (z.B. Bohrmotor) ist wiederum durch ein Verbindungsstück 70' mit der
Vorrichtung verbunden. Konzentrisch in dem sich aufweitenden Spülungskanal 71 ist
der Druckausgleichsbehälter
65 angeordnet, der durch stromlinienförmige Halterungen 66 fest mit der Einhausung
1' verbunden ist. Das Arbeitsgas, welches Übertage auf einen Druck
p65-0 von mehreren 100 bar vorkomprimiert ist, kann über das Ventil 67 entnommen werden
und wird, ggf. unter Durchleitung durch den Bohrmotor und andere Komponenten der Bohrgarnitur,
über eine Druckausgleichsleitung 68 zu den erfindungsgemäßen Wärmekraftmotor der Meißeldirektantriebe
weitergeleitet. Die Leitung wird auf der Außenseite des Druckausgleichsbehälters
65 entlang durch eine der Halterungen 66' zu den anschließenden Komponenten der Bohrgarnitur
geführt. Ventil und Leitung werden gegen die abrasive Wirkung des einströmenden Bohrschlammes
durch die konische Schutzhaube/Strömungsteiler 64 abgeschirmt.
[0091] Fig. 4 (b) zeigt einen Querschnitt durch die Vorrichtung längs der Schnittebene A-A mit Draufsicht
auf die Schutzhaube.
[0092] Die Länge des Druckausgleichsbehälters
65 ist in Bezug auf den Durchmesser der Einheit nicht maßstäblich dargestellt. Er kann
je nach dem des für die angestrebte Bohrtiefe benötigten Ausgleichsvolumens an der
Schnittlinie B-B verlängert sein. Am unteren Ende des Druckausgleichsbehälters
65 befindet sich die Druckausgleichseinheit
69. Sie besteht aus einem gedichteten Kolben 69a, der in dem Druckausgleichsbehälter
65 gegen den Gasdruck frei beweglich ist. Der Kolben 69a ist ausreichend lang, um eine
gute Führung im Druckausgleichszylinder
65 zu gewähren und kann daher aus Gründen der Materialersparnis hohl sein. Am unteren
Ende des Kolbens 69a befindet sich ein zylindrisches Verschlussstück mit einem konischen
Ende 69b, welches Übertage und bei geringen Teufen aufgrund des hohen Überdruckes
(
p65 >
paußen) im zylindrischen Druckausgleichsbehälter
65 fest in eine konische Dichtung 65c gepresst wird. Diese Dichtung 65c stellt unter
diesen Bedingungen die Gasdichtigkeit sicher und verhindert das Austreten komprimierten
Gases.
[0093] Überschreitet der Umgebungsdruck der Bohrgarnitur bei zunehmender Teufe den Innendruck
(
p65 ≤
paußen), kann Bohrschlamm über Bohrungen 69d einströmen, dabei den Kolben 69a anheben und
das darüber befindliche Arbeitsgas bis zum Druckausgleich komprimieren. Um den Kolben
69a laufenden Ringdichtungen 69e verhindern primär das Eindringen von Flüssigkeit
in den Druckausgleichsbehälter bei einem verschwindend geringen Druckunterschied zwischen
diesem um dem Außendruck. Sie können beispielsweise aus einem temperaturbeständigen
und verschleißfesten Elastomer bestehen.
[0094] Eine zusätzliche Dichtungs- und Schmierungswirkung wird durch eine nicht flüchtige
Flüssigkeit 69f erzeugt, die zu jedem Zeitpunkt der Tiefbohrung eine geringere Dichte
hat als die Bohrspülung und daher über dieser aufschwimmt. Sie befindet sich bei geschlossenem
Ventil 69b/69c in einem Flutungsraum 69g und wird mit der einströmenden Bohrspülung
nach Oben verdrängt. Sie hat ebenfalls die Aufgabe, die Innenseite des Druckbehälterzylinders
65 zu benetzen und so vor Korrosion zu schützen.
[0095] Beim Herausziehen des Bohrgestänges bewegt sich der Kolben aufgrund der Expansion
des Arbeitsgases wieder nach unten. Dabei wird kurz vor Erreichen des unteren Anschlags,
welcher durch das Schließen der Dichtungspaarung 69b/69c gegeben ist, die Flüssigkeit
69f unter erhöhter Fließgeschwindigkeit durch den verbleibenden Spalt zwischen beiden
Flächen herausgepresst. Sie reißt dabei Feststoffbestandteile welche sich durch die
eingeströmte Bohrspülung auf dem Dichtungssitz festgesetzt haben könnten mit. Hierdurch
wird beim Erreichen der Oberfläche wiederum ein Druck- und gasdichter Verschluss gewährleistet.
[0096] Eine weitere Variante sieht eine in der Bohrgarnitur oberhalb des Meißeldirektantriebs
verortete, kombinierte Gasgenerator- und Gasabsorbereinheit vor, welche unter Verwendung
gaserzeugender oder gasverbrauchender chemischer Reaktionen von Feststoffen mit einem
hohen molaren Umsatz an Gasmolekülen arbeitet Im Folgenden werden zunächst die angesprochenen
chemischen Reaktionen näher ausgeführt, es folgt dann die Beschreibung der Gasgenerator-
und Absorbereinheit
(Fig. 5).
[0097] Mit Metallaziden stehen gasgenerierende Materialien mit hohem Stickstoffgehalt zur
Verfügung deren thermische Induzierter Zerfall im Gegensatz zu den meisten organischen
stickstoffreichen Verbindungen nicht zusätzlich Wasserstoff oder andere schädliche
Gase freisetzt, z.B.
2 NaN
3 → 3 N
2 + 2 Na
[0098] Beispielsweise aus der Kraftfahrzeug-Sicherheitstechnik sind pyrotechnische Mischungen
und -Versätze auf Basis von Alkali- oder Erdalkali-Metallaziden bekannt, bei denen
das reaktive Alkali- bzw. Erdalkalimetall durch Zuschläge oder stöchiometrisch zugegebene
Reaktionspartnern zu ungefährlicheren Produkten umgesetzt werden. So lehrt
US3865660 beispielsweise die Verwendung von wasserfreiem Chromchlorid:
3 NaN
3 + CrCl
3 → 4 ½ N
2 + 3 NaCl + Cr
[0099] In
US 4376002 werden oxidische Zusätze aus Eisen-, Silicium-, Mangan-, Tantal-, Niob und Zinnoxiden
als Schlackebildner und Abbrandmoderatoren vorgeschlagen. Im Gegensatz zu Anwendungen
für aufblasbare Luftkissen in der Kraftfahrzeugsicherheit (Airbags) wird für die erfindungsgemäße
Verwendung eine Zubereitung benötigt, die bei hohem Stickstoffgehalt eine Zersetzungstemperatur
über 300°C, vorzugsweise über 500°C, und eine moderate Abbrandgeschwindigkeit besitzt.
Außerdem muss beispielsweise durch Beimischung hochschmelzender Zuschlagstoffe verhindert
werden, dass bei der Reaktion eventuell entstehende schmelzflüssige Reaktionsprodukte
an der Reaktorwandung anhaften.
[0100] Beim Herausziehen des Bohrgestänges muss der Druck im Arbeitsraum der Wärmekraftmotor
wieder abgebaut werden. Dies kann nicht durch Abblasen von Gas in die Bohrspülung
erfolgen, da die Gasblasen auf ihrem Weg an die Erdoberfläche stark expandieren und
den Bohrspülungskreislauf in erheblichem Maße beeinträchtigen würden. Es ist daher
erforderlich, das Gas wiederum durch eine chemische Reaktion in ein Produkt von deutlich
kleinerem Volumen, vorzugsweise einen Feststoff, zu überführen.
[0101] Bevorzugte Materialien für diesen Zweck sind nitridbildende Metalle und Halbmetalle,
welche je Formelumsatz eine möglichst hohe Anzahl von Stickstoffmolekülen zu binden
vermögen und über eine ausreichend hohe Aktivierungsbarriere für die Reaktion verfügen,
so dass es bei deren Lagerung in Stickstoffatmosphäre nicht zur Selbstentzündung kommen
kann. Als besonders geeignet sind zu nennen:
Magnesium, Silicium, Titan, Zirkonium:
3 Mg + N2 → Mg3N2
3 Si + 2 N2 → Si3N4
2 Ti + N2 → 2 TiN
2 Zr + N2 → 2 ZrN
[0102] Sie könnten vorzugsweise in fein verteilter Form eines Schwammes, Gewebes oder Pulvers
durch einen direkten Heizstrom oder eine von außen vorgenommene Erwärmung zur Reaktion
gebracht werden. Die Reaktion zu den Nitriden ist stark exotherm, weshalb der Zustrom
des Gases und die Abfuhr der Wärme zu regeln ist.
[0103] Von den genannten Materialien stellt Silicium in Bezug auf Verfügbarkeit, Preis,
Stickstoffbindevermögen und Handhabungssicherheit ein besonders bevorzugtes Material
da. Die Zündtemperatur für die o.g. Nitridierungsreaktion liegt bei reinem Siliciumpulver
mit 1250-1450°C sehr hoch, es wurde jedoch festgestellt, dass sie durch Beimengungen
katalytisch aktiver Substanzen auf unter 1000°C gesenkt werden kann (
WO002002090254A1).
[0104] Es wird daher erfindungsgemäß vorgeschlagen, Gasgenerator- und Absorbermaterialien
in Form eines rieselfähigen Pulvers, kleiner Kugeln oder Pellets zu bevorraten und
mittels einer Feststoffdosiereinrichtung einer elektrisch beheizbaren Zersetzungszone
zuzuführen.
[0105] Fig. 5 (a) bis Fig. 5 (c) zeigen schematische Schnittansichten eines Ausführungsbeispiels einer Gasgenerator-
und -Absorbereinheit. Diese ist vorzugsweise am oberen Ende der Bohrgarnitur, d.h.
über dem Bohrmotor und den erfindungsgemäßen Meißeldirektantrieben verortet. Speziell
zeigen:
Fig. 5 (a) einen lateralen Schnitt quer zur Achse der Bohrung (Durch C-C in Fig. 5 (b) angedeutet),
Fig. 5 (b) einen Längsschnitt zur Achse der Bohrung und
Fig. 5 (c) einen längs B-B der Linie in Fig. 5(a) abgerollten Schnitt der Apparatur. Nicht in der Schnittebene liegende Komponenten
sind zum besseren Verständnis z.T. dennoch abgebildet. Ihre Umrisse sind in diesem
Fall mit einer gepunkteten Linie dargestellt.
[0106] Die Gasgenerator- und -Absorbereinheit besteht wiederum aus einer zylindrischen Einhausung
1'. Die Einheit ist gasdicht verschließbar und so ausgelegt, dass sie Übertage einem
Innendruck des Arbeitsgases, der typischerweise im Bereich von 50-100 bar liegt, ohne
Deformation standhält. An ihrem oberen Ende befindet sich ein Kragen 70 in den das
Bohrgestänge eingeschraubt ist. Der Bohrschlamm wird über einen zentralen Spülungskanal
71 zu Bohrmotor und Meißeldirektantrieb weitergeleitet. Die Strömungsrichtung ist
mit einem Pfeil angezeigt. Konzentrisch um den Spülungskanal 70 sind im oberen Teil
ein Vorratssilo für den Gasgenerator 73 und ein Vorratssilo für das Gasabsorbermaterial
74, im unteren Teil die Auffangbehälter 75, 76 für die jeweiligen Reaktionsprodukte
angeordnet. Die Länge dieser Silos ist in Bezug auf den Durchmesser der Einheit nicht
maßstäblich dargestellt. Sie können je nach der Menge des zu erzeugenden und absorbierenden
Gases an den Schnittlinien C-C und F-F in
Fig. 5 (b) verlängert sein. Auch kann das Bogenmaß zwischen Trennwänden 77, 78 und 79 je nach
den Raumerfordernissen der jeweiligen Materialen anders gewählt sein. Zwischen den
Vorratssilos 73, 74 und den Auffangbehältern 75, 76 befinden sich ein Zersetzungsreaktor
80 und der Nitridierungsreaktor
81, die jeweils mit einer Isolierummantelung 81 a und einer elektrischen Widerstandsheizung
81 b ausgestattet sind.
[0107] Um eine Überhitzung aufgrund der freiwerdenden Reaktionswärme zu vermeiden, werden
sind beide Reaktoren über Kühlleitungen 83a von Bohrspülung umflossen. Der Kühlmittelfluss
wird dabei zweckmäßig durch das Druckgefälle zwischen der im Spülungskanal 71 nach
unten und zwischen der Einhausung
1' und der Bohrlochwand nach oben strömenden Bohrspülung hervorgerufen. Er kann beispielsweise
durch eine Eintrittsöffnung 83b erfolgen und durch Steuerventile 83c geregelt werden.
Nach Durchtritt durch das Ventil kann die Bohrspülung beispielsweise durch eine Ringleitung
83d auf die Kühlleitungen 83a verteilt werden.
[0108] Das rieselfähige Gasgenerator- und Gasabsorbermaterial wird den Reaktoren jeweils
über Feststoffdosiereinrichtungen 84 zugeführt. Die Zufuhr erfolgt quasikontinuierlich
portionsweise durch ein geeignetes Schleusensystem, so dass ein Zurückschlagen der
Reaktion in die Vorratsbehälter verhindert wird.
[0109] Die Reaktoren
80 und
81 sind so ausgelegt, dass sie eine für die Reaktion ausreichenden thermischen Kontakt
und Verweildauer der Gasgenerator- und Gasabsorbermaterialien gewährleisten. Im vorliegenden
Ausführungsbeispiel ist dies durch eine Förderschnecke 81c mit elektrischem Antrieb
81d angedeutet. Auf eine Darstellung der erforderlichen elektrischen Spannungsversorgung
der jeweiligen Geräte wurde der Übersichtlichkeit halber verzichtet.
[0110] Im Falle der Gaserzeugung strömt das entstehende Gas über einen Füllstutzen 85 in
den Auffangbehälter 75. Die festen Reaktionsprodukte werden dabei mitgerissen und/oder
mittels der Förderschnecke 81 c aus der Reaktionszone entfernt. Der Auffangbehälter
75 dient gleichzeitig zur Abpufferung eventuell auftretender Druckstöße durch stoßweise
Zersetzung. Fein verteilte Feststoffpartikel im Gas können sich hier absetzen. Weitere
Staubpartikel werden durch einen Partikelfilter 86 zurückgehalten.
[0111] Das erzeugte Gas strömt in einen Wärmetauscher 87, der in einen vertikal verlaufenden
Gasverteilungsschacht
88 der in das Gehäuse der Gasgenerator- und Absorbereinheit integriert ist. Der Wärmetauscher
87 wird durch die Bohrspülungsströme innerhalb und außerhalb der Gasgenerator- und
Absorbereinheit gekühlt. Der Druckausgleich mit den Vorratssilos 73, 74 und Auffangbehältern
75, 76 erfolgt über entsprechende Durchführungen 89. Diese können zusätzlich durch
Sicherheitsventile (nicht dargestellt) kontrolliert werden.
[0112] Der Druckausgleich mit weiteren gasgefüllten Räumen der Bohrgarnitur unterhalb der
Gasgenerator- und Absorbereinheit, insbesondere mit den Arbeitsräumen der erfindungsgemäßen
Meißeldirektantriebe, erfolgt über den Verbindungsflansch 90. Das Arbeitsgas wird
dabei mittels entsprechender Leitungen durch den dazwischen liegenden Bohrmotor geführt.
[0113] Der Druckausgleich mit den Arbeitsräumen des Heißgasmotors der erfindungsgemäßen
Meißeldirektantriebe erfolgt über ein im Bereich von 3a (vergl. Fig. 3 und Fig. 5)
angebrachtes steuerbares Ventil (nicht gezeigt). Bei Druckaufbau wird jeweils so viel
Gas erzeugt, bis dieses Ventil sich aufgrund des Überdrucks in der Leitung öffnet
und eine geringe Menge Gas in den Zylinder einströmt. Bei Druckabbau kann die Regelfunktion
des Ventils umgekehrt werden, so dass jeweils kleine Gasmengen aus den Heißgasmotoren
ausströmen.
[0114] Für den Druckabbau wird das Gas dem Nitridierungsreaktor im vorliegenden Ausführungsbeispiel
durch ein Gebläse 91 und eine Bohrung bzw. Leitung 92 zugeführt, welche in eine hohle
und perforierte Welle der Förderschnecke 81 c' mündet. Durch eine Gaszirkulation 88
→ 91 → 92 → 81 → 85 → 86 → 89 → 88 kann so für eine vollständige Reaktion gesorgt
werden.
[0115] Es ist für den Fachmann nachvollziehbar, dass der Nitridierungsreaktor auf weitere
Arten ausgeführt sein kann, beispielsweise als Wirbelbettreaktor.
Gewerbliche Verwertbarkeit
[0116] Bevorzugte Anwendungsgebiete für die Erfindung sind das Tiefbohren zur Gewinnung
von Öl, Gas oder Erdwärme und die Niederbringung von Erkundungsbohrungen in tiefe
Gesteinsschichten. Weitere Anwendungsgebiete sind beispielsweise das Vortreiben von
Strecken im Bergbau und auf Baustellen ohne Elektroenergieversorgung das Schlagbohren
mit handgeführten Schlagbohrhämmern oder Stemmen und Meißeln mit handgeführten Meißelhämmern.
Bezugszeichen
[0117]
- 1
- zylindrische Einhausung des Stirlingmotors
- 1'
- zylindrische Einhausung des Druckausgleichsbehälters
- 2
- Meißel
- 2a
- Meißelaufnahme
- 2b
- Meißeleinsatz
- 2c
- Spülkanal
- 2d
- Hartstoff- bzw. Hartmetalleinsätze im Kopfteil
- 2e
- Amboß
- 3
- zylindrischer Druckbehälter
- 3a
- beheizter Zylinderkopf (Freikolben-Stirling)
- 3a'
- nicht beheizter Zylinderkopf (thermoakustischer Stirling)
- 3b
- Verdrängerkolbenzylinder
- 3g
- Arbeitskolbenzylinder
- 3h
- Faltenbalg
- 3i
- Boden
- 3b'
- oberer ResonatorzyJinder des thermoakustischen Stirlingmotors
- 3g'
- unterer Resonatorzylinder des thermoakustischen Stirlingmotors
- 4
- Isolierummantelung
- 5
- Widerstands-Heizelement
- 6
- elektrische Zuleitung
- 7
- gasdichtes Isolationsstück für elektrische Zuleitung 6
- 7'
- gasdichte Durchführung für Antriebswelle 13
- 8
- Wärmetauscher
- 9
- Rohrleitung
- 10
- Düsenrohr
- 11
- Ansaugstutzen
- 12
- Auspuff
- 13
- Antriebswelle
- 13a
- Nabe
- 14
- rotierende Reibscheibe
- 14'
- Friktionsmaterial
- 14b
- radiale Rippen an Reibscheibe
- 14c
- konzentrische Ringe an Reibscheibe
- 15
- feststehende Reibscheibe
- 15'
- segmentierte Reibelemente
- 16
- Vorspannungsvorrichtung
- 17
- Lager
- 18
- expandierbare Elemente
- 18'
- Aktorelemente
- 19
- Lastrahmen
- 19a
- Zwischenboden
- 20
- druckfeste Elemente
- 20'
- Isolationsschicht
- 21
- Regenerator
- 22
- Kühlersystem
- 22a
- Kühlerelemente
- 22b
- Wärmetauscher
- 22c
- Zuleitungs- und Wärmetauschersystem
- 22d
- Pumpe des Kühlersystems
- 22d'
- Variante der Pumpe
- 30b
- Verdrängerkolben
- 30c
- Kolbenstange
- 30d
- obere Zylinderkammer im Arbeitskolben
- 30e
- kleiner Kolben im Arbeitskolben
- 30f
- untere Zylinderkammer im Arbeitskolben
- 30g
- Arbeitskolben
- 30h
- Schlagkolben
- 40
- oberer (heißer) Arbeitsraum im zylindrischen Druckbehälter
- 41
- unterer (kalter) Arbeitsraum im zylindrischen Druckbehälter
- 42
- Prallraum im zylindrischen Druckbehälter
- 43
- Prallraum um Schlagkolbenzylinder
- 50
- Schlagkolbenzylinder
- 51
- Ausströmkanäle
- 52
- Aktuatoreinheit
- 53
- Ventilklappe
- 60
- rotierende Trommel
- 61
- Metallzylinder
- 62
- Speichen
- 63
- Lamellen
- 64
- Schutzhaube/Strömungsteiler
- 65
- Druckausgleichsbehälter
- 66
- Halterungen
- 66'
- Halterung mit Gasdurchführung
- 67
- Ventil
- 68
- Gasleitung (Arbeitsgas)
- 69
- Ausgleichseinheit
- 69a
- Kolben
- 69b
- konisches Verschlussstück
- 69c
- konische Dichtung
- 69d
- Ein- bzw. Ausströmbohrungen für Bohrschlamm
- 69e
- Ringdichtung, z.B. aus temperaturbeständigem Elastomer
- 69f
- Flüssigkeit mit Dichte < Dichte (Bohrspülung)
- 69g
- Flutungsraum für Flüssigkeit 69f
- 70
- Verbindungskragen (Verschraubung zw. Bohrgestänge und Gaseinheit)
- 70'
- Verbindungskragen (Verschraubung zw. Gaseinheit und Bohrmotor)
- 71
- Spülungskanal
- 73
- Vorratssilo Gasgeneratormaterial
- 74
- Vorratssilo Gasabsorbermaterial
- 75
- Auffangbehälter für feste Nebenprodukte des Gasgenerators
- 76
- Auffangbehälter für nitridiertes Gasabsorbermaterial
- 77
- Trennwand
- 78
- Trennwand
- 79
- Trennwand
- 80
- Zersetzungsreaktor
- 81
- Nitridierungsreaktor
- 81a
- Isolierummantelung
- 81b
- elektrische Heizelemente
- 81c
- Förderschnecke
- 81c'
- Hohlwelle der Förderschnecke des Nitridierungsreaktors
- 81d
- elektr. Antrieb für Förderschnecke
- 83a
- Kühlleitungen
- 83b
- zentrale Eintrittsöffnung für Kühlleitungen in 71
- 83c
- Steuerventile
- 83d
- Ringleitung
- 84
- Feststoffdosiereinrichtungen mit Rückschlagschutz
- 85
- Füllstutzen
- 86
- Partikelfilter für Gas
- 87
- Wärmetauscher
- 88
- Gasverteilungsschacht
- 89
- Durchführungen für Gas
- 90
- Verbindungsflansch
- 91
- Gebläse zur Vesorgung des Nitridierungsreaktors
- 92
- Gaszuleitung zum Nitridierungsreaktor