Technisches Gebiet
[0001] Die Erfindung betrifft eine Schwingschneider-Klingeneinheit zur Anbringung an einem
elektrischen oder pneumatischen Schwingschneider sowie einen entsprechenden Schwingschneider.
Sie betrifft des Weiteren ein Verfahren zum Ausglasen eines isolierverglasten Fenster-
oder Türflügels.
Stand der Technik
[0002] Beim Ausglasen von Fenster- oder Türflügeln mit Isolierverglasung, beispielsweise
zum Ersatz einer zerbrochenen Verglasung oder einer mangelhaften Verklebung im Rahmen,
muss die Isolierverglasung aus dem Rahmen entnommen werden. Dazu ist die den Umfang
der Isolierverglasung umgebende Klebstoffschicht zu durchtrennen. Hierzu bedient man
sich üblicherweise einer elektrischen Stichsäge, gelegentlich aber auch einfacher
Handwerkzeuge. Beide Vorgehensweisen führen relativ häufig zu Beschädigungen des Rahmens,
die man natürlich vermeiden möchte. Überdies entstehen bei diesem Vorgehen (speziell
beim Arbeiten mit einer Säge in erheblichem Maße) Verschmutzungen des Werkstücks und
Arbeitsplatzes, deren Beseitigung schwierig ist und erheblichen Zeitaufwand erfordert.
[0003] Es ist auch bekannt, die Klebstoffschicht längs des Umfangs der Isolierverglasung
mit einem einfachen Messer oder mit einem elektrisch oder pneumatisch betriebenen
Schwingschneider zu durchtrennen. Jedoch haften nach dem Durchtrennen die Schnittflächen
wieder aneinander, was das Entnehmen der Isolierverglasung erheblich erschwert.
Darstellung der Erfindung
[0004] Der Erfindung liegt daher die Aufgabe der Bereitstellung eines verbesserten Werkzeugs
und verbesserten Verfahrens zum Ausglasen von isolierverglasten Fenster- oder Türflügeln
zugrunde, damit diese Arbeit einerseits leicht von statten geht und andererseits Beschädigungen
des Rahmens weitgehend vermieden werden können.
[0005] Diese Aufgabe wird in ihrem Vorrichtungsaspekt durch eine Schwingschneider-Klingeneinheit
(speziell auch zu bezeichnen als "Ausglasmesser") mit den Merkmalen des Anspruchs
1 gelöst. Diese ergibt in Verbindung mit einem elektrischen oder pneumatischen Antrieb
einen neuartigen Schwingschneider. In ihrem Verfahrensaspekt wird die Aufgabe durch
ein Verfahren mit den Merkmalen des Anspruchs 7 gelöst. Zweckmäßige Fortbildungen
des Erfindungsgedankens sind Gegenstand der abhängigen Ansprüche.
[0006] Die Erfindung geht von der Überlegung aus, dass beim Durchtrennen einer elastischen
Klebstoffschicht mit einem Messer deshalb eine erschwerte Handhabung der aus dem Rahmen
zu entnehmenden Isolierverglasung zu beklagen ist, weil aus der Klebstoffschicht kein
Material herausgelöst wird und daher die Schnittkanten dicht und elastisch verpresst
aneinander liegen. Gemäß Überlegungen des Erfinders wäre es daher wünschenswert, auch
beim Einsatz eines Messers einen Materialaustrag aus der Klebstoffschicht zu erreichen
bzw. (als weiteren Schritt) leicht zu ermöglichen. Des Weiteren gehört zur Erfindung
die Überlegung, dass sich ein solcher Materialaustrag in Form eines zwischen zwei
Schneidklingen entstehenden separaten Klebstoffstreifens realisieren lässt, der nach
dem Schnitt relativ leicht "im Stück" entnommen werden kann.
[0007] Gegenüber den verschmutzungsintensiven Sägetechniken lassen sich erhebliche Qualitäts-
und Produktivitätssteigerungen erzielen, weil der Materialaustrag aus der Klebstoffschicht
nicht in Form zahlloser kleiner Teilchen, sondern in Form eines im Wesentlichen zusammenhängenden
Streifens erfolgt. Dieser bewirkt praktisch keine Verschmutzung des Werkstücks und
Arbeitsplatzes, so dass aufwändige Säuberungsarbeiten entfallen können.
[0008] Im Hinblick auf übliche Breiten (Dicken) der Klebstoffschicht am Umfang der Isolierverglasung
in einem isolierverglasten Fenster- oder Türflügel wird der Abstand zwischen den beiden
Klingen der vorgeschlagenen Klingeneinheit im Bereich zwischen 0,5 mm oder 2 mm, insbesondere
im Bereich zwischen 1 mm und 1,5 mm gewählt. Es versteht sich, dass für andere Anwendungen,
bei denen breitere Klebstoffschichten zu durchtrennen sind, auch ein größerer Klingenabstand
in Betracht kommt.
[0009] In einer weiteren Ausführung der Erfindung ist vorgesehen, dass die Klingen einzeln
gefertigt und nahe einer Aufnahmeöffnung zur Anbringung an einer Antriebswelle einer
Antriebseinheit miteinander verschweißt, hart-verlötet oder vernietet sind. Um vorteilhaft
eine Nutzung kommerziell verfügbarer Klingeneinheiten für Schwingschneider zu ermöglichen,
ist in einer weiteren Ausführung eine der Klingen auf eine vorgefertigte Klingeneinheit,
die eine einzelne Klinge umfasst, aufgedoppelt. Grundsätzlich kann die Klingeneinheit
aber auch aus einem Stück gefertigt oder in anderer als der erwähnten Weise aus Einzelteilen
zusammengefügt sein.
[0010] In einer weiteren Ausführung ist vorgesehen, dass die Klingen gleiche Form haben,
insbesondere sich zu ihrem freien Ende hin verjüngen und dort abgerundet sind. Je
nach spezieller Anwendung - die natürlich nicht auf die hier vordergründig beschriebene
Anwendung beschränkt ist, können die Klingen auch eine andere Form haben, insbesondere
eine hakenartig gekrümmte Form, Trapezform o. ä..
Beschreibung der Zeichnungen
[0011] Vorteile und Zweckmäßigkeit der Erfindung werden aus der nachfolgenden Beschreibung
eines bevorzugten Ausführungsbeispiels anhand der Figuren deutlich. Von diesen zeigen:
- Fig. 1
- eine perspektivische Darstellung einer Ausführungsform des erfindungsgemäßen Schwingschneiders
und
- Fig. 2A und 2B
- skizzenartige Darstellungen von Ausführungsformen der erfindungsgemäßen Schwingschneider-Klingeneinheit.
[0012] Fig. 1 zeigt einen druckluftbetriebenen, handgehaltenen Schwingschneider 1, an dessen
Gerätekopf 1a eine Antriebswelle 1b aus dem Gehäuse ragt. An dieser ist eine Schwingschneider-Klingeneinheit
3 befestigt, die zwei zueinander parallel in geringem Abstand voneinander verlaufende
Schneidklingen 3a und 3b an einem gekröpften Klingenhalter 3c umfasst.
[0013] Fig. 2A und 2B zeigen als Ausführungsbeispiele eine Klingeneinheit 3' mit zu ihrem
freien Ende hin mit geradlinigen Begrenzungskanten spitz zulaufenden Klingen 3a',
3b' bzw. eine Klingeneinheit 3" mit hakenartig ausgeführten Klingen 3a", 3b". Bei
diesen Ausführungen sind die Form und der Schliff beider Klingen jeweils identisch;
in anderen Ausführungen können die Form und/oder der Schliff der beiden Klingen aber
auch differieren.
1. Schwingschneider-Klingeneinheit zur Anbringung an einem elektrischen oder pneumatischen
Schwingschneider, mit zwei zueinander parallel mit einem Abstand angeordneten, fest
miteinander verbundenen Klingen.
2. Schwingschneider-Klingeneinheit nach Anspruch 1, wobei der Abstand im Bereich zwischen
0,5 mm oder 2 mm, insbesondere im Bereich zwischen 1 mm und 1,5 mm liegt
3. Schwingschneider-Klingeneinheit nach Anspruch 1 oder 2, wobei die Klingen einzeln
gefertigt und nahe einer Aufnahmeöffnung zur Anbringung an einer Antriebswelle einer
Antriebseinheit miteinander verschweißt, hart-verlötet oder vernietet sind.
4. Schwingschneider-Klingeneinheit nach einem der vorangehenden Ansprüche, wobei eine
der Klingen auf eine vorgefertigte Klingeneinheit, die eine einzelne Klinge umfasst,
aufgedoppelt ist.
5. Schwingschneider-Klingeneinheit nach einem der vorangehenden Ansprüche, wobei die
Klingen gleiche Form haben, insbesondere sich zu ihrem freien Ende hin verjüngen und
dort abgerundet sind.
6. Schwingschneider mit elektrischem oder pneumatischem Antrieb und einer Schwingschneider-Klingeneinheit
nach einem der vorangehenden Ansprüche.
7. Verfahren zum Ausglasen eines isolierverglasten Fenster- oder Türflügels, bei dem
zwischen einem Profilrahmen und dem Umfang der Isolierverglasung mindestens bereichsweise
eine Klebstoffschicht vorgesehen ist, wobei unter Einsatz eines Schwingschneiders
nach Anspruch 1 die Klebstoffschicht längs des Umfangs der Isolierverglasung durchtrennt,
der durch die beiden Klingen des Schwingschneiders ausgeschnittene Mittelteil der
Klebstoffschicht, insbesondere an einem Ende, erfasst und herausgezogen und danach
die Isolierverglasung aus dem Profilrahmen entnommen wird.