(19)
(11) EP 2 639 021 A1

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
18.09.2013  Patentblatt  2013/38

(21) Anmeldenummer: 12159163.0

(22) Anmeldetag:  13.03.2012
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC): 
B26B 7/00(2006.01)
B26D 1/00(2006.01)
(84) Benannte Vertragsstaaten:
AL AT BE BG CH CY CZ DE DK EE ES FI FR GB GR HR HU IE IS IT LI LT LU LV MC MK MT NL NO PL PT RO RS SE SI SK SM TR
Benannte Erstreckungsstaaten:
BA ME

(71) Anmelder: Sika Technology AG
6340 Baar (CH)

(72) Erfinder:
  • DIRKSEN, Andreas
    69250 Schönau (DE)

(74) Vertreter: Sika Patent Attorneys 
c/o Sika Technologies AG Tüffenwies 16-22
8048 Zürich
8048 Zürich (CH)

   


(54) Schwingschneider-Klingeneinheit, Schwingschneider und Verfahren zum Ausglasen eines Fenster- oder Türflügels


(57) Die Erfindung betrifft eine Schwingschneider-Klingeneinheit zur Anbringung an einem elektrischen oder pneumatischen Schwingschneider, mit zwei zueinander parallel mit einem Abstand angeordneten, fest miteinander verbundenen Klingen. Sie betrifft des Weiteren ein Verfahren zum Ausglasen eines isolierverglasten Fenster- oder Türflügels, bei dem zwischen einem Profilrahmen und dem Umfang der Isolierverglasung mindestens bereichsweise eine Klebstoffschicht vorgesehen ist, wobei unter Einsatz eines Schwingschneiders die Klebstoffschicht längs des Umfangs der Isolierverglasung durchtrennt, der durch die beiden Klingen des Schwingschneiders ausgeschnittene Mittelteil der Klebstoffschicht, insbesondere an einem Ende, erfasst und herausgezogen und danach die Isolierverglasung aus dem Profilrahmen entnommen wird.




Beschreibung

Technisches Gebiet



[0001] Die Erfindung betrifft eine Schwingschneider-Klingeneinheit zur Anbringung an einem elektrischen oder pneumatischen Schwingschneider sowie einen entsprechenden Schwingschneider. Sie betrifft des Weiteren ein Verfahren zum Ausglasen eines isolierverglasten Fenster- oder Türflügels.

Stand der Technik



[0002] Beim Ausglasen von Fenster- oder Türflügeln mit Isolierverglasung, beispielsweise zum Ersatz einer zerbrochenen Verglasung oder einer mangelhaften Verklebung im Rahmen, muss die Isolierverglasung aus dem Rahmen entnommen werden. Dazu ist die den Umfang der Isolierverglasung umgebende Klebstoffschicht zu durchtrennen. Hierzu bedient man sich üblicherweise einer elektrischen Stichsäge, gelegentlich aber auch einfacher Handwerkzeuge. Beide Vorgehensweisen führen relativ häufig zu Beschädigungen des Rahmens, die man natürlich vermeiden möchte. Überdies entstehen bei diesem Vorgehen (speziell beim Arbeiten mit einer Säge in erheblichem Maße) Verschmutzungen des Werkstücks und Arbeitsplatzes, deren Beseitigung schwierig ist und erheblichen Zeitaufwand erfordert.

[0003] Es ist auch bekannt, die Klebstoffschicht längs des Umfangs der Isolierverglasung mit einem einfachen Messer oder mit einem elektrisch oder pneumatisch betriebenen Schwingschneider zu durchtrennen. Jedoch haften nach dem Durchtrennen die Schnittflächen wieder aneinander, was das Entnehmen der Isolierverglasung erheblich erschwert.

Darstellung der Erfindung



[0004] Der Erfindung liegt daher die Aufgabe der Bereitstellung eines verbesserten Werkzeugs und verbesserten Verfahrens zum Ausglasen von isolierverglasten Fenster- oder Türflügeln zugrunde, damit diese Arbeit einerseits leicht von statten geht und andererseits Beschädigungen des Rahmens weitgehend vermieden werden können.

[0005] Diese Aufgabe wird in ihrem Vorrichtungsaspekt durch eine Schwingschneider-Klingeneinheit (speziell auch zu bezeichnen als "Ausglasmesser") mit den Merkmalen des Anspruchs 1 gelöst. Diese ergibt in Verbindung mit einem elektrischen oder pneumatischen Antrieb einen neuartigen Schwingschneider. In ihrem Verfahrensaspekt wird die Aufgabe durch ein Verfahren mit den Merkmalen des Anspruchs 7 gelöst. Zweckmäßige Fortbildungen des Erfindungsgedankens sind Gegenstand der abhängigen Ansprüche.

[0006] Die Erfindung geht von der Überlegung aus, dass beim Durchtrennen einer elastischen Klebstoffschicht mit einem Messer deshalb eine erschwerte Handhabung der aus dem Rahmen zu entnehmenden Isolierverglasung zu beklagen ist, weil aus der Klebstoffschicht kein Material herausgelöst wird und daher die Schnittkanten dicht und elastisch verpresst aneinander liegen. Gemäß Überlegungen des Erfinders wäre es daher wünschenswert, auch beim Einsatz eines Messers einen Materialaustrag aus der Klebstoffschicht zu erreichen bzw. (als weiteren Schritt) leicht zu ermöglichen. Des Weiteren gehört zur Erfindung die Überlegung, dass sich ein solcher Materialaustrag in Form eines zwischen zwei Schneidklingen entstehenden separaten Klebstoffstreifens realisieren lässt, der nach dem Schnitt relativ leicht "im Stück" entnommen werden kann.

[0007] Gegenüber den verschmutzungsintensiven Sägetechniken lassen sich erhebliche Qualitäts- und Produktivitätssteigerungen erzielen, weil der Materialaustrag aus der Klebstoffschicht nicht in Form zahlloser kleiner Teilchen, sondern in Form eines im Wesentlichen zusammenhängenden Streifens erfolgt. Dieser bewirkt praktisch keine Verschmutzung des Werkstücks und Arbeitsplatzes, so dass aufwändige Säuberungsarbeiten entfallen können.

[0008] Im Hinblick auf übliche Breiten (Dicken) der Klebstoffschicht am Umfang der Isolierverglasung in einem isolierverglasten Fenster- oder Türflügel wird der Abstand zwischen den beiden Klingen der vorgeschlagenen Klingeneinheit im Bereich zwischen 0,5 mm oder 2 mm, insbesondere im Bereich zwischen 1 mm und 1,5 mm gewählt. Es versteht sich, dass für andere Anwendungen, bei denen breitere Klebstoffschichten zu durchtrennen sind, auch ein größerer Klingenabstand in Betracht kommt.

[0009] In einer weiteren Ausführung der Erfindung ist vorgesehen, dass die Klingen einzeln gefertigt und nahe einer Aufnahmeöffnung zur Anbringung an einer Antriebswelle einer Antriebseinheit miteinander verschweißt, hart-verlötet oder vernietet sind. Um vorteilhaft eine Nutzung kommerziell verfügbarer Klingeneinheiten für Schwingschneider zu ermöglichen, ist in einer weiteren Ausführung eine der Klingen auf eine vorgefertigte Klingeneinheit, die eine einzelne Klinge umfasst, aufgedoppelt. Grundsätzlich kann die Klingeneinheit aber auch aus einem Stück gefertigt oder in anderer als der erwähnten Weise aus Einzelteilen zusammengefügt sein.

[0010] In einer weiteren Ausführung ist vorgesehen, dass die Klingen gleiche Form haben, insbesondere sich zu ihrem freien Ende hin verjüngen und dort abgerundet sind. Je nach spezieller Anwendung - die natürlich nicht auf die hier vordergründig beschriebene Anwendung beschränkt ist, können die Klingen auch eine andere Form haben, insbesondere eine hakenartig gekrümmte Form, Trapezform o. ä..

Beschreibung der Zeichnungen



[0011] Vorteile und Zweckmäßigkeit der Erfindung werden aus der nachfolgenden Beschreibung eines bevorzugten Ausführungsbeispiels anhand der Figuren deutlich. Von diesen zeigen:
Fig. 1
eine perspektivische Darstellung einer Ausführungsform des erfindungsgemäßen Schwingschneiders und
Fig. 2A und 2B
skizzenartige Darstellungen von Ausführungsformen der erfindungsgemäßen Schwingschneider-Klingeneinheit.


[0012] Fig. 1 zeigt einen druckluftbetriebenen, handgehaltenen Schwingschneider 1, an dessen Gerätekopf 1a eine Antriebswelle 1b aus dem Gehäuse ragt. An dieser ist eine Schwingschneider-Klingeneinheit 3 befestigt, die zwei zueinander parallel in geringem Abstand voneinander verlaufende Schneidklingen 3a und 3b an einem gekröpften Klingenhalter 3c umfasst.

[0013] Fig. 2A und 2B zeigen als Ausführungsbeispiele eine Klingeneinheit 3' mit zu ihrem freien Ende hin mit geradlinigen Begrenzungskanten spitz zulaufenden Klingen 3a', 3b' bzw. eine Klingeneinheit 3" mit hakenartig ausgeführten Klingen 3a", 3b". Bei diesen Ausführungen sind die Form und der Schliff beider Klingen jeweils identisch; in anderen Ausführungen können die Form und/oder der Schliff der beiden Klingen aber auch differieren.


Ansprüche

1. Schwingschneider-Klingeneinheit zur Anbringung an einem elektrischen oder pneumatischen Schwingschneider, mit zwei zueinander parallel mit einem Abstand angeordneten, fest miteinander verbundenen Klingen.
 
2. Schwingschneider-Klingeneinheit nach Anspruch 1, wobei der Abstand im Bereich zwischen 0,5 mm oder 2 mm, insbesondere im Bereich zwischen 1 mm und 1,5 mm liegt
 
3. Schwingschneider-Klingeneinheit nach Anspruch 1 oder 2, wobei die Klingen einzeln gefertigt und nahe einer Aufnahmeöffnung zur Anbringung an einer Antriebswelle einer Antriebseinheit miteinander verschweißt, hart-verlötet oder vernietet sind.
 
4. Schwingschneider-Klingeneinheit nach einem der vorangehenden Ansprüche, wobei eine der Klingen auf eine vorgefertigte Klingeneinheit, die eine einzelne Klinge umfasst, aufgedoppelt ist.
 
5. Schwingschneider-Klingeneinheit nach einem der vorangehenden Ansprüche, wobei die Klingen gleiche Form haben, insbesondere sich zu ihrem freien Ende hin verjüngen und dort abgerundet sind.
 
6. Schwingschneider mit elektrischem oder pneumatischem Antrieb und einer Schwingschneider-Klingeneinheit nach einem der vorangehenden Ansprüche.
 
7. Verfahren zum Ausglasen eines isolierverglasten Fenster- oder Türflügels, bei dem zwischen einem Profilrahmen und dem Umfang der Isolierverglasung mindestens bereichsweise eine Klebstoffschicht vorgesehen ist, wobei unter Einsatz eines Schwingschneiders nach Anspruch 1 die Klebstoffschicht längs des Umfangs der Isolierverglasung durchtrennt, der durch die beiden Klingen des Schwingschneiders ausgeschnittene Mittelteil der Klebstoffschicht, insbesondere an einem Ende, erfasst und herausgezogen und danach die Isolierverglasung aus dem Profilrahmen entnommen wird.
 




Zeichnung







Recherchenbericht









Recherchenbericht