[0001] Die Erfindung betrifft ein durch Biegebelastung zu beanspruchendes, ebenes flächiges
Holzverbundelement.
[0002] Erfindungsgemäße Holzverbundelemente sind sehr vorteilhaft als tragende Decke im
Wohnbau einzusetzen.
[0003] Die
CA 2128845 A1 zeigt eine als Brettsperrholz hergestellte Platte. Drei Lagen etwa gleich starker
Bretter mit jeweils rechteckiger Querschnittsfläche sind miteinander verleimt, wobei
in jeder Lager die Bretter mit ihren schmalen Mantelflächenseiten aneinander anliegen,
wobei die Bretter der oberen und in der unteren Lage gleich ausgerichtet sind und
in der mittleren Lage normal dazu. In der mittleren Lage kann Holz mit geringer Qualität
verwendet werden als an den sichtbaren Außenlagen. Bevorzugt sind die Jahresringe
der Bretter parallel zu den kurzen Mantelflächenseiten der Bretter und damit normal
zur Ebene der gemeinsam gebildeten Platte ausgerichtet. Benachbarte Bretter der Sichtseite
sind bevorzugt durch Teilen eines dickeren Brettes gebildet, wobei die beim Teilen
freigelegten Flächen beider Bretter spiegelbildartig zueinander angeordnet werden.
Die Platte ist als günstig herstellbare, schöne und relativ verzugsfreie Möbelplatte
gut verwendbar. Gegen Biegebeanspruchung um zur Längsrichtung der Bretter der Außenlagen
normal liegende Achsen ist die Platte brauchbar gut. Für besonders hohe Biegebeanspruchungen
oder als tragendes Deckenelement ist die Platte wenig geeignet und auch nicht vorgesehen.
[0004] Die
WO 2008113890 A1 zeigt ein beispielsweise als tragendes Deckenelement im Wohnbau einsetzbares, flächiges
Holzverbundelement, welches als Brettschichtholz hergestellt ist. Es besteht aus miteinander
verleimten, parallel zueinander ausgerichteten Brettern mit rechteckiger Querschnittsfläche.
Die Bretter sind an ihren größeren Mantelflächenseiten miteinander verleimt. Die Jahresringe
in den Brettern sind weitgehend parallel zu den großen Querschnittsabmessungen der
Bretter und damit annähernd normal zur Ebene des aus den Brettern gebildeten flächigen
Holzverbundelementes ausgerichtet. Die einzelnen Bretter sind aus den vom Kern beabstandeten
Zonen von Rundholz gesägt. Ast- und sonstige Fehlerstellen sind aus den Brettern herausgeschnitten
und die fehlerfreien Teilstücke sind stirnseitig durch eine Keilzinkung miteinander
verleimt. Bestimmungsgemäß wird das Holzverbundelement als horizontale Fläche, typischerweise
als tragende Decke angeordnet, wobei es an den Längsenden der Bretter abgestützt ist.
Die Biegeebene liegt vertikal, parallel zur größeren Querschnittsausrichtung der Bretter.
Indem die Jahresringe etwa parallel zu dieser Ebene liegen, ist das Holzverbundelement
gegen Versagen durch zu hohe Scherbeanspruchung deutlich besser als wenn die Jahresringe
horizontal ausgerichtet wären. Diese einfache Bauweise ermöglicht relativ geringe
Bauhöhe von tragenden Deckenflächenelementen. Die Stärke des Flächenelementes ist
gleich der Breite der verwendeten Bretter. Da Bretter nur bis zu einer gewissen Breite
in großer Menge problemlos erhältlich sind, ist die Stärke der damit massenhaft herstellbaren
Holzverbundelemente für viele Anwendungen störend begrenzt. Mancherorts stört auch
optisch, dass die horizontalen Oberflächen aus sehr vielen schmalen Streifen gebildet
sind.
[0005] Eine der Erfindung zu Grunde liegende Aufgabe besteht darin, das aus der
WO 2008113890 A1 bekannte, auf Biegung zu beanspruchende flächige Holzverbundelement so weiterzuentwickeln,
dass es für Decken mit weiter beabstandeten Abstützungen verwendbar wird. Eine weitere
Aufgabe besteht darin, ein durch seine Nutzbarkeit hochwertiges Holzverbundelement
zu schaffen, in welchem Holzschnittware, welche in einem Säge- und Leimholzwerk anfällt,
bislang aber kaum hochwertig nutzbar ist, sinnvoll genutzt werden kann.
[0006] Zum Lösen der Aufgabe wird davon ausgegangen, ein flächiges, bestimmungsgemäß auf
Biegung zu beanspruchendes Holzverbundelement aus drei Lagen Brettern aufzubauen,
wobei in jeder Lage die Bretter parallel zueinander ausgerichtet und aneinander anliegend
angeordnet sind, wobei die Bretter der beiden äußeren Lagen normal zur Achse der zu
erwartenden Biegebeanspruchung ausgerichtet sind und die Bretter der Zwischenlage
parallel zu dieser Achse und wobei die Jahresringe der Bretter der Außenlage an der
Druckseite im Wesentlichen eher normal zur Achse der zu erwartenden Biegebeanspruchung
ausgerichtet liegen als parallel dazu. Erfindungsgemäß wird als Verbesserung dazu
weiters vorgeschlagen, jene Außenlage, welche an der Druckseite der zu erwartenden
Biegebeanspruchung liegt, dicker auszuführen als jene Außenlage, welche an der Zugseite
der zu erwartenden Biegebeanspruchung liegt.
[0007] Aus Gründen der Höhenoptimierung ist es vorteilhaft, die Bretter an der Druckseite
stärker auszuführen als jene an der Zugseite, da sich der Werkstoff Holz bedingt durch
den anisotropen Faseraufbau bei Biegebelastung ähnlich verhält, als hätte er an der
Druckseite einen niedrigeren Elastizitätsmodul als an der Zugseite.
Fig. 1: zeigt ein beispielhaftes erfindungsgemäßes Holzverbundelement in Schrägrissansicht.
[0008] Das in Fig. 1 dargestellte flächige Holzverbundelement besteht aus drei miteinander
verleimten Lagen Bretter 1, 2, 3, welche auch untereinander miteinander verleimt sind.
Die oberen und unteren Bretter 1, 3 sind zueinander parallel ausgerichtet. Die Bretter
2, welche Zwischenlage bilden, sind normal dazu ausgerichtet.
[0009] Bestimmungsgemäß wird das flächige Holzverbundelement derart eingesetzt, dass die
Hauptbiegebeanspruchung um Biegeachsen stattfindet, welche parallel zu der Ebene des
Holzverbundelementes und normal zu den Längsrichtungen der oberen und unteren Bretter
1, 3 liegen, wobei an den oberen Brettern 1 die Druckseite der Biegekurve liegt und
an den unteren Brettern 3 die Zugseite. Typischerweise kommt es zu dieser Biegebelastung,
wenn das flächige Holzverbundelement horizontal angeordnet wird und dabei nur mit
den Längsenden der Bretter 3 an einer Abstützung aufliegt.
[0010] Die Bretter 1 erstrecken sich über den Großteil der Dicke des flächigen Holzverbundelementes.
Sie sind bei der besprochenen Biegebelastung auf Druck und erheblich auch auf Scherung
beansprucht. Druckspannung und Scherspannung liegen dabei parallel zur Längsrichtung
der Bretter 3. Die Scherspannung "trachtet" obere und untere Höherbereiche der Bretter
3 gegeneinander in Längsrichtung der Bretter 3 zu verschieben. Wie skizziert liegen
die Jahresringe 1.1 (bzw. die durch die Jahresringe gebildeten Flächen) der oberen
Bretter 1 im Wesentlichen normal zu der Ebene an welcher größte Scherspannung auftritt.
Das ist gleichbedeutend damit, dass die Jahresringe 1.1 im Wesentlichen parallel zu
der Ebene liegen, innerhalb welcher die hauptsächliche Biegeverformung stattfindet.
Dadurch tragen die Jahresringe gegen Versagen zufolge Scherbeanspruchung bestmöglich
mit.
[0011] Bevorzugt ist die Querschnittsfläche der Bretter 1 in der zur Ebene des Holzverbundelementes
normalen Richtung mehrfach größer als in der dazu parallelen Richtung. Dadurch wird
es einfach, Bretter 1 so auszubilden, dass die Jahresringe überwiegend in der besagten
Richtung (welche mit der Breite der Bretter 1 zusammen fällt) liegen und es wird einfach
einen Verbund von Brettern zu bilden, bei denen trotz Eigenschaftsschwankungen zwischen
den einzelnen Brettern und im Längsverlauf der einzelnen Bretter, weitgehend homogene
und reproduzierbare Eigenschaften des Verbundes erreicht werden. Indem beim Sägen
von Brettern aus einem Stamm darauf geachtet wird, dass die Jahresringe möglichst
parallel zur größeren Querschnittsabmessung des Brettes liegen und indem dazu beim
Sägen von Schnitt zu Schnitt die Schnittebene um 90° geschwenkt wird, erreicht man
zudem eine sehr gute Holzausbeute. Bevorzugt weicht die Richtung der Jahresringe von
der Richtung der größeren Querschnittsabmessungen der Bretter 1 um nicht mehr als
30° ab. Positive Effekte sind aber durchaus auch schon feststellbar, wenn dieser Winkel
nicht größer als 45° beträgt.
[0012] Vor allem aus optischen Gründen ist die zur Achse der zu erwartenden Biegung parallele
Querschnittsabmessung der Bretter bei den Brettern an der Zugseite bevorzugt größer
als bei den Brettern an der Druckseite.
[0013] Bevorzugt bestehen die unteren Bretter 3 aus Holz von höherer Steifigkeit (also aus
Holz mit höherem Elastizitätsmodul) als die mittleren und oberen Bretter 2, 1. Wenn
sie hohe Steifigkeit haben, können sie dünner (also mit geringerer Höhe) ausgeführt
werden, womit die Decke bei ausreichender Steifigkeit relativ dünn ausgeführt sein
kann. Außerdem sind die Bretter dann gut in relativ großer Breite erhältlich, was
aus optischen Gründen erwünscht ist.
[0014] Die Bretter 2 der mittleren Lage können relativ dünn ausgeführt sein und sie können
von den drei Arten Bretter 1, 2, 3 die geringste Festigkeit aufweisen.
[0015] Bei einer typischen Materialwahl bestehen die unteren Bretter 3 aus Buche, die mittleren
Bretter 2 aus Kiefer oder Fichte mit dafür relativ niedriger Festigkeitsklasse und
die oberen Bretter 1 aus Kiefer oder Fichte mit dafür mittlerer Festigkeit.
[0016] Da die unteren Bretter 3 bei der Anwendung im Wohnbau jene Fläche bilden, welche
am ehesten frei liegt ist dies auch jene Fläche, welche am stärksten den Feuchtigkeits-
und Temperaturschwankungen des Raumklimas ausgesetzt ist. Diesen Beanspruchungen kann
hartes Laubholz, wie typischerweise Buche wesentlich besser standhalten, als die weicheren
Nadelhölzer, welche dabei alsbald Risse bekommen. Besonders gut kann das Laubholz
diesen Beanspruchungen standhalten, wenn es durch Drucktrocknung (auch als "Hygrodrucktrocknung"
bezeichnet) behandelt ist. Beim Drucktrocknen wird auf das Holz durch daran anliegende
Platten mechanischer Druck und Wärme aufgebracht, während die Umgebungsluft unter
Unterdruck gehalten wird.
[0017] Durch den Mix aus verschiedenartigen Brettern aus welchen erfindungsgemäße Holzverbundelemente
gebildet werden, sind nicht nur die besprochenen statischen Vorteile erzielbar, sondern
es werden damit auch verschiedene Schnittholzqualitäten, wie sie in einem Säge- und
Leimholzwerk zwangsweise anfallen, nutzbringend in ein hochwertiges, an Ort und Stelle
herstellbares Produkt integrierbar.
1. Durch Biegebelastung zu beanspruchendes, ebenes flächiges Holzverbundelement, welches
aus drei miteinander verleimten Lagen von miteinander verleimten Brettern (1, 2, 3)
besteht, wobei in jeder Lage die Bretter (1, 2, 3) parallel zueinander ausgerichtet
und aneinander anliegend angeordnet sind, wobei die Bretter (1, 3) der beiden äußeren
Lagen normal zur Achse der zu erwartenden Biegebeanspruchung ausgerichtet sind und
die Bretter (2) der Zwischenlage parallel zu dieser Achse, wobei die Jahresringe (1.1)
im Holz jener Bretter (1), welche an der Druckseite der zu erwartenden Biegebeanspruchung
liegen, zur Ebene der zu erwartenden Biegebeanspruchung in einem spitzeren Winkel
als 45° liegen,
dadurch gekennzeichnet, dass
die durch die Bretter (1) gebildete druckseitige äußere Lage dicker ist als die durch
die Bretter (3) gebildete zugseitige äußere Lage.
2. Holzverbundelement nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Jahresringe (1.1) im Holz der Bretter (1) zur Ebene der zu erwartenden Biegebeanspruchung
in einem spitzeren Winkel als 30° liegen.
3. Holzverbundelement nach Anspruch 1 oder Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass die zur Achse der zu erwartenden Biegung parallele Querschnittsabmessung bei den
zugseitigen Brettern (3) größer ist als bei den druckseitigen Brettern (1).
4. Holzverbundelement nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass sich die Bretter (1) in der zur Ebene des Holzverbundelementes normal liegenden Richtung
über mehr als die Hälfte der Dicke des Holzverbundelementes erstrecken.
5. Holzverbundelement nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass die Bretter (3) an der Zugseite der zu erwartenden Biegebeanspruchung aus Holz von
höherer Steifigkeit bestehen, als die Bretter (1) an der Druckseite der zu erwartenden
Biegebeanspruchung.
6. Holzverbundelement nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Bretter (2) der mittleren Lage aus Holz von geringerer Festigkeit bestehen als
die Bretter (1).
7. Holzverbundelement nach Anspruch 5 oder 6, dadurch gekennzeichnet, dass die Bretter (3) aus einem Laubholz bestehen und die Bretter (1, 2) aus einem demgegenüber
weniger steifen Nadelholz.
8. Holzverbundelement nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass, die Bretter (3) druckgetrocknet sind.
9. Tragende Decke in einem Wohnhaus, dadurch gekennzeichnet, dass sie durch ein Holzverbundelement nach einem der Ansprüche 1 bis 8 gebildet ist.