[0001] Die Erfindung betrifft eine Hörvorrichtung mit einem an einem Ohr zu tragenden Ohrteil,
das mehrere Mikrofone und eine Signalverarbeitungseinrichtung aufweist. Diese ist
dazu ausgelegt ist, aus Mikrofonsignalen der Mikrofone durch eine vielkanalige Signalverarbeitung
jedes der Mikrofonsignale eine Hörersignal für einen Hörer des Ohrteils zu erzeugen.
Zu der Erfindung gehört auch ein Verfahren zum Bereitstellen einer binauralen Versorgung
mittels zweier, an jeweils einem Ohr zu tragender Ohrteile einer Hörvorrichtung. Mit
einer binauralen Versorgung des Benutzers ist hier gemeint, dass das Hörersignal eines
Ohrteils zusätzlich in Abhängigkeit von zumindest einem Mikrofonsignal eines Mikrofons
gebildet ist, dass sich in dem anderen Ohrteil befindet.
[0002] Unter dem Begriff "Hörvorrichtung" wird hier im Allgemeinen jedes im oder am Ohr
tragbare Schall ausgebende Gerät verstanden, insbesondere ein Hörgerät, ein Headset,
Kopfhörer und dergleichen. Hörgeräte stellen dabei tragbare Hörvorrichtungen dar,
die zur Versorgung von Schwerhörenden dienen. Um den zahlreichen individuellen Bedürfnissen
entgegenzukommen, werden unterschiedliche Bauformen von Hörgeräten wie Hinter-dem-Ohr-Hörgeräte
(HdO), Hörgerät mit externem Hörer (RIC: receiver in the canal) und In-dem-Ohr-Hörgeräte
(IdO), z.B. auch Concha-Hörgeräte oder Kanal-Hörgeräte (ITE, CIC), bereitgestellt.
Die beispielhaft aufgeführten Hörgeräte werden am Außenohr oder im Gehörgang getragen.
Darüber hinaus stehen auf dem Markt aber auch Knochenleitungshörhilfen, implantierbare
oder vibrotaktile Hörhilfen zur Verfügung. Dabei erfolgt die Stimulation des geschädigten
Gehörs entweder mechanisch oder elektrisch.
[0003] Aus der Offenlegungsschrift
DE 10 2008 015 263 A1 ist ein Hörsystem zur binauralen Versorgung eines Nutzers bekannt, welches zwei Ohrteile
mit jeweils mehreren Mikrofonen und einer Signalverarbeitungseinrichtung aufweist.
Ferner enthält jedes Ohrteil eine Beamformingeinrichtung und eine Sendeeinrichtung
zur Übertragung eines Signals an jeweils die andere Hörvorrichtung.
[0004] Hörgeräte besitzen prinzipiell als wesentliche Komponenten einen Eingangswandler,
einen Verstärker und einen Ausgangswandler. Der Eingangswandler ist in der Regel ein
Schallempfänger, z. B. ein Mikrofon, und/oder ein elektromagnetischer Empfänger, z.
B. eine Induktionsspule. Der Ausgangswandler ist meist als elektroakustischer Wandler,
z. B. Miniaturlautsprecher, oder als elektromechanischer Wandler, z. B. Knochenleitungshörer,
realisiert. Der Verstärker ist üblicherweise in eine Signalverarbeitungseinheit integriert.
Dieser prinzipielle Aufbau ist in FIG 1 am Beispiel eines Hinter-dem-Ohr-Hörgeräts
dargestellt. In ein Hörgerätegehäuse 1 zum Tragen hinter dem Ohr sind ein oder mehrere
Mikrofone 2 zur Aufnahme des Schalls aus der Umgebung eingebaut. Eine Signalverarbeitungseinheit
3, die ebenfalls in das Hörgerätegehäuse 1 integriert ist, verarbeitet die Mikrofonsignale
und verstärkt sie. Das Ausgangssignal der Signalverarbeitungseinheit 3 wird an einen
Lautsprecher bzw. Hörer 4 übertragen, der ein akustisches Signal ausgibt. Der Schall
wird gegebenenfalls über einen Schallschlauch, der mit einer Otoplastik im Gehörgang
fixiert ist, zum Trommelfell des Geräteträgers übertragen. Die Energieversorgung des
Hörgeräts und insbesondere die der Signalverarbeitungseinheit 3 erfolgt durch eine
ebenfalls ins Hörgerätegehäuse 1 integrierte Batterie 5.
[0005] Für die Verarbeitung der lokalen Mikrofonsignale der Mikrofone 2 weist die Signalverarbeitungseinheit
3 in der Regel eine vielkanalige Signalverarbeitung auf. Hierbei wird jedes Mikrofonsignal
auf eine Vielzahl von Kanälen aufgeteilt, die unterschiedliche Mittelfrequenz aufweisen.
Das Aufteilen erfolgt beispielsweise mittels einer Filterbank oder einer diskreten
Fourier-Transformation (DFT). So kann in jedem Kanal ein spektraler Anteil des jeweiligen
Mikrofonsignals unabhängig von dessen übrigen spektralen Anteilen verarbeitet werden.
[0006] Wie in FIG 1 gezeigt kann ein einzelnes Hinter-dem-Ohr-Hörgerät, oder allgemein ein
Ohrteil, auch mehrere Mikrofone 2 aufweisen. Deren Mikrofonsignale lassen sich durch
ein so genanntes Beamforming zu einem gerichteten Ausgangssignal kombinieren, d. h.
die Signalanteile unterschiedlicher Schallquellen in der Umgebung des Benutzers sind
bei dem gerichteten Ausgangssignal mehr oder weniger stark gedämpft und zwar in Abhängigkeit
davon, aus welcher Richtung deren jeweiliger Schall auf die Mikrofonanordnung getroffen
ist. Mit anderen Worten ergibt sich eine richtungsabhängige Schallerfassungsempfindlichkeit,
wenn der Mikrofonanordnung ein Beamforming nachgeschaltet ist. Die Zuordnungsfunktion,
welche die Abhängigkeit der Schallerfassungsempfindlichkeit vom Einfallswinkel des
Schalls beschreibt, wird als Richtcharakteristik bezeichnet. Um im Folgenden eine
begriffliche Abgrenzung zu einer binauralen Verarbeitung machen zu können, wird im
Folgenden ein Beamforming, das ausschließlich Mikrofonsignale von Mikrofonen eines
einzelnen Ohrteils verarbeitet, als monaurales Beamforming und dessen Ausgangssignal
als gerichtetes monaurales Signal bezeichnet.
[0007] Bei einem binauralen Beamforming werden dagegen Mikrofonsignale miteinander kombiniert,
von denen zumindest eines an einem Ohr und eines am anderen Ohr des Benutzers erfasst
wurden. Anstelle der Mikrofonsignale selbst, können beim binauralen Beamforming auch
aus diesen Mikrofonsignalen abgeleitete Signale verarbeitet werden. Da die Mikrofone
unterschiedlicher Ohrteile einen sehr viel größeren Abstand (ca. 17 cm) aufweisen,
als die Mikrofone eines einzelnen Ohrteils (ca. 1 bis 2 cm) lassen sich entsprechend
andere Richtcharakteristiken durch das binaurale Beamforming ausbilden. Insbesondere
die gerichtete Erfassung von tieffrequenten Signalanteilen ist hierdurch erleichtert.
Die Richtcharakteristiken lassen sich dabei besonders gut frequenzselektiv ausbilden,
wenn das Beamforming in einzelnen Kanälen einer vielkanaligen Filterbank durchgeführt
wird. Hier werden in der Regel Kanalzahlen von mehr als 16 verwendet. Um nun Mikrofonsignale
beider Ohrteile in einem binauralen Beamforming kombinieren zu können, ist eine Übertragung
der Signale zu einer gemeinsamen Signalverarbeitungseinrichtung nötig. Hierzu ist
bekannt, zwischen zwei Ohrteilen ein Audiosignal in Form eines Zeitsignals über ein
Kabel oder über eine Funkverbindung, wie etwa Bluetooth, von einem Ohrteil zum anderen
zu übertragen.
[0008] In dem anderen Ohrteil kann dann durch dessen vielkanalige Signalverarbeitungseinrichtung
das empfangene Signal mit den lokalen Mikrofonsignalen kombiniert werden. Problematisch
bei den heute verfügbaren Übertragungstechniken ist, dass deren Bandbreite derart
begrenzt ist, dass nicht Mikrofonsignale mehrerer Mikrofone schnell genug übertragen
werden können, sondern lediglich ein einziges Zeitsignal. Z. B. kann also pro Übertragungsrichtung
nur ein einziges Mikrofonsignal zwischen den Ohrteilen ausgetauscht werden kann. Für
die Richtcharakteristik des binauralen Beamformings bedeutet dies dann, dass sie eine
Achsensymmetrie aufweist, wobei die Symmetrieachse senkrecht zur Geradeausblickrichtung,
d. h. durch die beiden Ohren des Benutzers verläuft. Möchte man also das Schallsignal
einer Quelle, die sich vor dem Benutzer befindet, mit einer möglichst großen Empfindlichkeit
empfangen, so hat dies zur Folge, dass auch das Schallsignal einer Quelle, die sich
hinter dem Nutzer befindet, mit derselben Empfindlichkeit empfangen wird. Um diesen
unerwünschten Effekt zu umgehen, kann zunächst durch ein monaurales Beamforming in
jedem Ohrteil ein gerichtetes monaurales Signal erzeugt werden, bei welchem das Signal
der hinter dem Benutzer befindlichen Schallquelle im Verhältnis zu demjenigen der
vor dem Benutzer befindlichen Schallquelle gedämpft ist. Diese gerichteten monauralen
Signale können dann für das binaurale Beamforming übertragen werden. Für das monaurale
Beamforming kann ebenfalls die erwähnte vielkanalige Signalverarbeitung genutzt werden.
Allerdings ergibt sich bei einer derartigen vorgeschalteten Signalverarbeitung eine
zeitliche Verzögerung des Signals, die in der Regel im Bereich von ca. 6 ms liegt.
[0009] Überträgt man nun ein solches gerichtetes monaurales Signal über die erwähnte Übertragungseinrichtung
und berechnet dann noch das gewünschte binaurale Hörsignal in der zweiten Signalverarbeitungseinrichtung,
so kann sich insgesamt eine Signalverzögerung ergeben, die im Bereich von ca. 18 ms
(2 * 6 ms + 6 ms Übertragungszeit) liegen kann.
[0010] Für Hörvorrichtungen, die einem Benutzer über Mikrofone einen Umgebungsschall präsentieren,
ist eine solche Gesamtverzögerung nicht akzeptabel. Der Benutzer hört beispielsweise
beim Schreiben an einem Computer das Klicken von Tastaturtasten stets 18 ms nachdem
er eine Taste heruntergedrückt hat. Dieser Zeitversatz wird im Allgemeinen als störend
empfunden, da keine taktil-akustische Kopplung mehr empfunden wird. Angestrebt wird
in einem solchen Fall ein Zeitversatz, der in einem Bereich von 10 ms liegt, was aber
nur mit sehr einfachen Systemen zur Audiosignalverarbeitung tatsächlich erreicht werden
kann.
[0011] Eine Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, bei einer Hörvorrichtung ein binaurales
Beamforming bereitzustellen, welches eine geringe Zeitverzögerung aufweist.
[0012] Die Aufgabe wird durch eine Hörvorrichtung gemäß Patentanspruch 1 sowie ein Verfahren
gemäß Patentanspruch 11 gelöst. Vorteilhafte Weiterbildungen der Erfindung sind durch
die Unteransprüche gegeben.
[0013] Bei der erfindungsgemäßen Hörvorrichtung sind in einem an einem Ohr zu tragenden
Ohrteil für die Verarbeitung von Mikrofonsignalen mehrerer Mikrofone neben der eigentlichen,
an sich bekannten vielkanaligen Signalverarbeitungseinrichtung zusätzlich eine hier
als Beamformingeinrichtung bezeichnete Verarbeitungseinrichtung sowie eine Sendeeinrichtung
bereitgestellt. Die Beamformingeinrichtung unterscheidet sich von der vielkanaligen
Signalverarbeitungseinrichtung dadurch, dass sie aus den Mikrofonsignalen ein gerichtetes
Ausgangssignal erzeugen kann und hierzu eine Signalverarbeitung aufweist, die weniger
Kanäle aufweist als die vielkanalige Signalverarbeitungseinrichtung. Es wird also
in dem Ohrteil ein gerichtetes monaurales Signal auf der Grundlage nur eines Kanals
oder zumindest weniger Kanäle erzeugt. Die Sendeeinrichtung ist dazu eingerichtet,
dieses gerichtete Ausgangssignal als elektrisches oder elektromagnetisches Signal
aus dem ersten Ohrteil auszusenden. Beispielsweise kann das Ausgangssignal also an
ein anderes Ohrteil am anderen Ohr des Benutzers übertragen werden, wo es dann für
eine binaurale Versorgung genutzt werden kann.
[0014] Genauso kann natürlich entsprechend auch das andere Ohrteil mehrere Mikrofone sowie
eine Beamformingeinrichtung und eine Sendeeinrichtung wie das erste Ohrteil aufweisen.
Zweckmäßigerweise sind dann die beiden Ohrteile dazu ausgelegt, ihre jeweiligen gerichteten
Ausgangssignale über ihre Sendeeinrichtungen an das jeweils andere Ohrteil zu übertragen
und dann jeweils auf der Grundlage von Mikrofonsignalen der eigenen Mikrofone und
des von dem anderen Ohrteil empfangenen Signals durch das beschriebene binaurale Beamforming
ein gerichtetes Hörersignal zu erzeugen, das an dem lokalen, d.h. dem eigenen Hörer
ausgegeben werden kann. Mit einer Ausgabe des Hörersignals durch einen Hörer ist hierbei
entweder die Erzeugung eines Schalls gemeint oder aber auch, wie beispielsweise im
Falle eines Cochlea-Implantats, die Erzeugung elektrischer Impulse. Die hier beschriebenen
Vorgänge zum Erzeugen des gerichteten Hörersignals entsprechen den Schritten, wie
sie durch das erfindungsgemäße Verfahren gegeben sind.
[0015] Die Erfindung weist den Vorteil auf, dass das gerichtete Ausgangssignal, welches
über die Sendeeinrichtung auszusenden ist, mit einer bedeutend geringeren Signalverzögerung
erzeugt werden kann, als es mittels der vielkanaligen Signalverarbeitungseinrichtung
möglich ist. Ein bedeutender Anteil der Verzögerung wird nämlich durch die Signalanalyse
mittels beispielsweise einer Analyse-Filterbank und die nach der Verarbeitung nötige
Signalsynthese mittels einer Synthese-Filterbank verursacht. Die Signalverzögerung
ist dabei abhängig von der spektralen Auflösung der Filterbänke, da für eine schmalbandigere
Verarbeitung (Kanäle mit geringer Bandbreite) entsprechend längere Analyse- bzw. Synthesefilter
nötig sind. Durch die Beamformingeinrichtung eines Ohrteils wird es ermöglicht, die
vielkanalige Signalverarbeitungseinrichtung zu umgehen und dennoch ein gerichtetes
Ausgangssignal für das jeweils andere Ohrteil bereitzustellen.
[0016] Im Zusammenhang mit der Erfindung wird hierbei unter einer vielkanaligen Signalverarbeitung
verstanden, dass die vielkanalige Signalverarbeitungseinheit mehr als 16, insbesondere
48, Kanäle aufweist. Um den beschriebenen erfindungsgemäßen Vorteil zu erhalten, weist
die Beamformingeinheit dagegen bevorzugt 16 oder weniger als 16, insbesondere 4, Kanäle
auf. Auch eine einkanalige Verarbeitung ist hier möglich.
[0017] Für eine besonders geringe Signalverzögerung wird durch die Beamformingeinrichtung
zweckmäßigerweise jedes der Mikrofonsignale durch eine Filterung auf die Kanäle der
Beamformingeinrichtung aufgeteilt. Im Falle einer zweikanaligen Verarbeitung wird
die Filterung zweckmäßigerweise durch einen Tiefpassfilter und einen Hochpassfilter
durchgeführt. Bei mehr Kanälen werden entsprechend ein oder mehrere Bandpassfilter
bereitgestellt. Eine besonders effiziente und verzögerungsarme Filterung ergibt sich
bei den hier verwendeten geringen Kanalzahlen durch eine Zeitbereichsfilterung.
[0018] Anders als bei einer Filterbank wird bei der Beamformingeinrichtung bevorzugt jedes
Mikrofonsignal im Zeitbereich ohne eine Unterabtastung verarbeitet. Mit anderen Worten
wird eine Abtastrate, welche die Mikrofonsignale an einem Eingang der Beamformingeinrichtung
aufweisen (beispielsweise 12 kHz oder 16 kHz) auch nach einer jeweiligen Aufteilung
der Mikrofonsignale auf die Kanäle der Beamformingeinrichtung beibehalten. Durch die
Mikrofone und die nachgeschaltete Beamformingeinrichtung wird somit insgesamt eine
zeitsignalbasierte Richtmikrofoneinrichtung gebildet. Diese weist den Vorteil auf,
dass zum Synthetisieren des gerichteten Ausgangssignals die Signale der einzelnen
Kanäle einfach additiv überlagert werden müssen. Insbesondere ist kein Up-Sampling
(Hochtasten) nötig.
[0019] Im Bezug auf die Art des Beamformings, wie es in jedem der Kanäle der Beamformingeinrichtung
auf der Grundlage der entsprechenden Signalanteile jedes Mikrofonsignals durchgeführt
wird, hat sich als besonders zweckmäßig eine Verwendung eines differenziellen Beamformers
in jedem der Kanäle bewährt. Für eine Implementierung sei hier auf den Stand der Technik
verwiesen, da differenzielle Beamformer in vielen unterschiedlichen Formen bekannt
sind.
[0020] Der in einem Kanal bereitgestellte Beamformer der Beamformingeinrichtung kann hierbei
adaptiv ausgestaltet sein, wie etwa ein adaptiver Griffiths-und-Jim-Beamformer. Ein
adaptiver Beamformer weist den Vorteil auf, dass die Beamformingeinrichtung unabhängig
von der vielkanaligen Signalverarbeitungseinrichtung betrieben werden kann.
[0021] Zur Verringerung des Rechenaufwandes in einem Ohrteil kann aber auch vorgesehen sein,
bei der Beamformingeinrichtung in einem Kanal einen Beamformer bereitzustellen, bei
welchem eine Richtcharakteristik über einen Stellparameter von außerhalb der Beamformingeinrichtung
einstellbar ist. Diese Form wird hier als gesteuerter Beamformer bezeichnet. Hierbei
ist vorgesehen, dass der Stellparameter durch die Signalverarbeitungseinrichtung eingestellt
wird. Diese Ausführungsform weist den Vorteil auf, dass in dem gesteuerten Beamformer
selbst keine Berechnungen zum Adaptieren der Richtcharakteristik an eine momentane
Hörsituation nötig sind. Stattdessen können Informationen und Berechungsergebnisse
der vielkanaligen Verarbeitung der Signalverarbeitungseinrichtung auch in der Beamformingeinrichtung
genutzt werden.
[0022] So sieht etwa eine Weiterbildung der Hörvorrichtung vor, dass in der vielkanaligen
Signalverarbeitungseinrichtung selbst in zumindest einem Kanal ein adaptiver Beamformer
bereitgestellt ist. Dieser kann dann für eine Verarbeitung der lokalen Mikrofonsignale
im Zusammenhang mit dem eigentlichen binauralen Beamforming genutzt werden. Bei Vorhandensein
wenigstens eines solchen adaptiven Beamformers in der vielkanaligen Signalverarbeitungseinrichtung
kann deshalb vorgesehen sein, den Stellparameter zumindest eines steuerbaren Beamformers
der Beamformingeinrichtung auf einen Wert einzustellen, der aus einem Stellparameter
des zumindest einen adaptiven Beamformers berechnet ist. Beispielsweise kann vorgesehen
sein, bei einer 48-kanaligen Signalverarbeitungseinrichtung einerseits und einer beispielsweise
4-kanaligen Beamformingeinrichtung andererseits aus den Werten der Stellparameter
für die Richtcharakteristik von jeweils 12 adaptiven Beamformern der Signalverarbeitungseinrichtung
ein Durchschnittswert berechnet wird, der dann als der Wert für den Stellparameter
eines steuerbaren Beamformers der Beamformingeinrichtung verwendet wird.
[0023] Beispiele für übertragbare Stellparameter ist hierbei der in einem Kanal benötigte
Anpassungsfaktor, mit welchem der Pegel eines Mikrofonsignals in der Weise an den
Pegel des anderen Mikrofonsignals angepasst wird, dass gleichlaute Schalle auch als
digitale Signale mit gleicher Amplitude repräsentiert werden. Unterschiede können
sich hierbei durch Fertigungstoleranzen der Mikrofone selbst ergeben, durch Unterschiede
in der Verarbeitung der Signale, wie sie sich beispielsweise durch Temperaturschwankungen
der Bauteile ergeben können, oder durch die Lage der Mikrofone am Kopf. Ein zweiter
wichtiger Stellparameter ist die Vorgabe der Richtung der geringsten Empfindlichkeit.
Dieses Empfindlichkeitsminimum (Notch) gibt an, aus welcher Richtung ein Signal auf
das Ohrteil auftreffen muss, damit es in dem gerichteten Signal mit der größten Dämpfung
beaufschlagt wird. Diese Richtung ist für das Ausblenden von Schallen einer Störquelle
besonders wichtig.
[0024] Wie bereits erwähnt, kann bei der erfindungsgemäßen Hörvorrichtung vorgesehen sein,
dass zwei Ohrteile monaurale gerichtete Signale austauschen. Hierzu ist dann in jedem
Ohrteil zusätzlich eine Empfangseinrichtung für einen elektrischen oder elektromagnetischen
Signalempfang eines Eingangssignals vorgesehen. Über diese Empfangseinrichtung kann
das gerichtete Signal einer Beamformingeinrichtung von dessen Sendeeinrichtung empfangen
werden. Bei der Empfangseinrichtung und der Sendeeinrichtung kann es sich um an sich
aus dem Stand der Technik bekannte Komponenten für eine Verbindung zweier Ohrteile
handeln. Das Signal kann natürlich auch von einer anderen Quelle empfangen werden.
[0025] Die Erfindung umfasst auch Weiterbildungen des erfindungsgemäßen Verfahrens, die
Merkmale aufweisen, wie sie hier im Zusammenhang mit der erfindungsgemäßen Hörvorrichtung
beschrieben wurden. Aus diesem Grund sind die entsprechenden Weiterbildungen des erfindungsgemäßen
Verfahrens hier nicht noch einmal beschrieben.
[0026] Im Folgenden wird die Erfindung noch einmal anhand eines konkreten Ausführungsbeispiels
näher erläutert. Dazu zeigt:
- FIG 1
- eine schematische Darstellung einer Konstruktionsweise eines Hinter-dem-Ohr-Hörgerät
gemäß dem Stand der Technik;
- FIG 2
- ein schematisiertes Blockschaltbild einer bevorzugten Ausführungsform der erfindungsgemäßen
Hörvorrichtung; und
- FIG 3
- ein schematisiertes Blockschaltbild einer Hörvorrichtung gemäß dem Stand der Technik.
[0027] Bei dem im Folgenden erläuterten Beispiel stellen die beschriebenen Komponenten der
Hörvorrichtung jeweils einzelne, unabhängig voneinander zu betrachtende Merkmale der
Hörvorrichtung dar, welche die Hörvorrichtung jeweils auch unabhängig voneinander
weiterbilden und damit auch einzeln oder in einer anderen als der gezeigten Kombination
als Bestandteil der Erfindung anzusehen sind.
[0028] In FIG 2 ist ein Ohrteil 10 einer Hörvorrichtung gezeigt, das ein Benutzer der Hörvorrichtung
an einem Ohr trägt. Bei dem Ohrteil 10 kann es sich beispielsweise um ein Hinter-dem-Ohr-Hörgerät
oder ein In-dem-Ohr-Hörgerät handeln. Das Ohrteil 10 weist zwei Mikrofone 12 auf,
deren Signale von einem digitalen Signalprozessor 14 (DSP) verarbeitet werden. Der
Signalprozessor 14 empfängt des Weiteren ein einkanaliges Zeitsignal über eine elektronische
Empfangseinrichtung 16. Das Zeitsignal wird an den Empfänger 16 über eine Datenverbindung
18, beispielsweise ein Kabel, eine Funkverbindung oder eine Infrarotverbindung, von
einem weiteren Ohrteil 20 übertragen, das der Benutzer an seinem anderen Ohr trägt.
Der Signalprozessor 14 erzeugt aus den Mikrofonsignalen M1, M2 der lokalen Mikrofone
12 und dem vom Empfänger 16 empfangenen Empfangssignal E1 ein Hörersignal H1, das
von einem Hörer 22 des Ohrteils 10 in einen Gehörgang des Ohres, an welchem der Benutzer
das Ohrteil 10 trägt, als Schallsignal abgestrahlt wird. Bei dem Hörer 22 kann es
sich auch um eine elektrische Ausgabeeinheit eines Cochlea-Implantats handeln.
[0029] Für die Erzeugung des Hörersignals H1 werden die Mikrofonsignale M1, M2 und das Empfangssignal
E1, die jeweils Zeitsignale darstellen, aus dem Zeitbereich TD (Time Domain) in einen
Frequenzbereich FD (Frequency Domain) durch eine Frequenzanalyseeinrichtung 24 einer
vielkanaligen Signalverarbeitungseinrichtung V transformiert. Bei der Frequenzanalyseeinrichtung
24 kann es sich beispielsweise um eine Filterbank oder eine Fourier-Transformation
handeln. Für das vorliegende Beispiel sei angenommen, dass durch die Frequenzanalyseeinrichtung
24 jedes der Signale M1, M2, E1 auf insgesamt eine Anzahl CH Kanäle aufgeteilt wird,
wobei die Anzahl CH der Kanäle beispielsweise CH = 48 sein kann. Durch die Transformation
mittels der Frequenzanalyseeinrichtung 24 werden die Mikrofonsignale M1, M2 und das
Empfangssignal E1 um eine Verzögerung D1 verzögert, die beispielsweise D1 = 3 ms betragen
kann. Die transformierten Mikrofonsignale M1, M2 werden in jedem der Kanäle im Frequenzbereich
FD durch jeweils einen Beamformer (insgesamt als Beamformer 26 dargestellt) zu gerichteten
Teilbandsignalen kombiniert. Durch die insgesamt CH Beamformer 26 wird auf der Grundlage
der Mikrofonsignale M1, M2 der Mikrofone 12 somit im Frequenzbereich FD ein monaurales
gerichtetes Signal S1 erzeugt. Dieses und das transformierte Eingangssignal E1 werden
durch binaurale Beamformer 28 in jedem Kanal des Frequenzbereichs FD zu Teilbandsignalen
eines gerichteten binauralen Signals B1 kombiniert. Bei den Beamformern 26, 28 kann
es sich um herkömmliche adaptive Frequenzbereichsbeamformer handeln, wobei bei den
Beamformern 28 die Tatsache genutzt wird, dass ein räumlicher Abstand zwischen den
Mikrofonen 12 einerseits und den (nicht dargestellten) Mikrofonen, aus deren Signalen
das Eingangssignal E1 gebildet ist, größer ist als derjenige zwischen den Mikrofonen
12 selbst. Über einen Schalter 30 kann der Nutzer der Hörvorrichtung wählen, ob er
das gerichtete binaurale Hörersignal B1 oder aber das gerichtete monaurale Signal
S1 einer Syntheseeinrichtung 30 zuführen möchte. Durch die Syntheseeinrichtung 30
werden die einzelnen Teilbandsignale (insgesamt CH Stück) zu einem Zeitbereichssignal,
dem Hörersignal H1, kombiniert. Bei der Syntheseeinrichtung 30 kann es sich beispielsweise
um eine Synthesefilterbank oder eine inverse Fourier-Transformation handeln. Durch
die Synthese ergibt sich eine weitere Signalverzögerung D2, die beispielsweise D2
= 3 ms betragen kann.
[0030] Insgesamt beträgt damit eine Gesamtsignalverzögerung D, wie sie sich durch die Verarbeitung
der Mikrofonsignale M1, M2 und des Eingangssignals E1 zu dem Hörersignal H1 ergibt,
mindestens D = D1 + D2, also bei den gegebenen Beispielen gilt realistischer Weise
D > 6 ms.
[0031] Durch das Ohrteil 10 wird ein weiteres gerichtetes monaurales Signal S2 erzeugt,
das von einer Sendeeinrichtung 32 des Ohrteils 10 an das andere Ohrteil 20 übertragen
wird. Die Übertragung kann wie im Falle der Verbindung 18 ebenfalls über eine Datenverbindung
18' in elektrischer oder elektromagnetischer Form stattfinden. Das gerichtete monaurale
Signal S2 wird dabei durch eine von der Signalverarbeitung V verschiedene Zeitbereichs-Beamformereinrichtung
34 (TD-Dir-Mic - Time Domain Directional Microphone) aus den Mikrofonsignalen M1,
M2 der lokalen Mikrofone 12 erzeugt. Im Unterschied zu dem gerichteten monauralen
Signal S1, das von der spektralen Signalverarbeitung V im Frequenzbereich FD erzeugt
wird, wird das gerichtete monaurale Signal S2 ausschließlich durch eine Verarbeitung
der Mikrofonsignale M1, M2 im Zeitbereich TD erzeugt, sodass durch diese Verarbeitung
keine signifikante Signalverzögerung aufgrund einer Transformation verursacht wird.
Mit anderen Worten kann das Signal S2 ohne die Gesamtverzögerung D von dem Ohrteil
10 über die Sendeeinrichtung 32 ausgegeben werden.
[0032] Die Beamformingeinrichtung 34 kann dennoch mehr als einen Kanal für die Verarbeitung
aufweisen. Eine Anzahl ch der Kanäle der Beamformingeinrichtung 34 ist aber kleiner
als die Anzahl CH der Kanäle der Verarbeitungseinrichtung V. Beispielsweise kann bei
der Beamformingeinrichtung 34 vorgesehen sein, dass jedes der Mikrofonsignale M1,
M2 durch einen Tiefpass, zwei Bandpässe und einen Hochpass auf insgesamt ch = 4 Kanäle
mit unterschiedlichen Mittelfrequenzen aufgeteilt wird. In jedem der ch Kanäle weist
die Beamformingeinrichtung 34 ein Beamformer, insbesondere ein differenzieller Beamformer
für ein Zeitbereichsbeamforming, wie es an sich aus dem Stand der Technik bekannt
ist, bereitgestellt. Es muss nicht in jedem Kanal ein Beamformer bereitgestellt sein.
So kann etwa für den tiefpassgefilterten Anteil der Mikrofonsignale M1, M2 auf einen
Beamformer verzichtet werden, da ein Beamforming für tiefe Frequenzen mittels der
verhältnismäßig nahe zueinander angeordneten Mikrofone 12 (im Bereich von beispielsweise
weniger als 4 cm) ein Beamforming unter Umständen nicht wirkungsvoll sein kann.
[0033] Die Signale werden in der Beamformingeinrichtung 34 als Zeitbereichssignale verarbeitet,
d. h. es findet nicht das so genannte Downsampling statt. Deshalb können die Teilbandsignale
der einzelnen Kanäle der Beamformingeinrichtung 34 durch additives Überlagen ohne
eine weitere Signalverzögerung zu dem gerichteten monauralen Signal S2 kombiniert
werden.
[0034] Bei den Beamformern der Beamformingeinrichtung 34 kann es sich um adaptive Beamformer
handeln. Bevorzugt werden aber gesteuerte Beamformer verwendet, deren Richtcharakteristik
über Steuerparameter einstellbar ist, die von außerhalb der Beamformingeinrichtung
34 vorgegeben werden können. Bei dem in FIG 2 gezeigten Beispiel können an die Beamformingeinrichtung
34 insgesamt ch Stellparameter par zum Einstellen der Richtcharakteristiken jedes
Beamformers in den ch Kanälen der Beamformingeinrichtung 34 übergeben werden. Die
Parameter par werden von einer Umrechnungseinrichtung 36 aus Richtparametern PAR der
Beamformer 26 berechnet (MAP - mapping). Handelt es sich bei den Beamformern 26 um
adaptive Beamformer, so werden deren Richtparameter PAR durch entsprechende Optimierungsalgorithmen
in an sich bekannter Weise an die räumliche Lage der Nutz- und Störschallquellen angepasst.
[0035] Bei der Abbildungseinrichtung 36 kann beispielsweise vorgesehen sein, für einen bestimmten
Kanal der Beamformingeinrichtung 34 diejenigen Kanäle der Beamformingeinrichtung 26
zu berücksichtigen, die zusammen denselben Frequenzbereich abdecken, wie der Kanal
der Beamformingeinrichtung 34. Zu all diesen Kanälen kann dann der Stellparameter
der Beamformer 26 von der Abbildungseinrichtung 36 ausgelesen werden und daraus, beispielsweise
durch Berechnen des Mittelwerts, der Stellparameterwert für den Beamformer des entsprechenden
Kanals der Beamformingeinrichtung 34 berechnet werden. Wie die Abbildung der PAR Stellwerte
auf die par Stellwerte im einzelnen zu erfolgen hat, ist z.B. von der konkreten Bauform
der Hörvorrichtung abhängig und kann durch einfache Experimente ermittelt werden.
Neben der Mittelwertbildung ist beispielsweise auch die Berechnung eines geometrischen
Mittels oder auch das Auswählen eines einzelnen, bestimmten Stellparameterwert denkbar.
Letzteres kann beispielsweise dann sinnvoll sein, wenn in einem bestimmten Kanal besonders
viel Signalleistung erkannt wird.
[0036] Das von der Sendeeinrichtung 32 über die Datenverbindung 18' übertragene gerichtete
binaurale Signal S2 stellt in dem anderen Ohrteil 20 ein Eingangssignal dar, wie das
Eingangssignal E1 bei dem Ohrteil 10. In dem anderen Ohrteil 20 ist in vergleichbarer
Weise eine Beamformingeinrichtung 34' für ein Zeitbereichsbeamforming vorgesehen,
aus welchem das Empfangssignal E1 hervorgeht. Die Beamformingeinrichtung 34' des Ohrteils
20 kann in derselben Weise betrieben werden wie die Beamformingeinrichtung 34 in dem
Ohrteil 10. Entsprechend bildet das Ausgangssignal dieser Beamformingeinrichtung 34'
ein gerichtetes monaurales Signal, das über die Datenverbindung 18 von der Empfangseinrichtung
16 als das Eingangssignal E1 empfangen wird.
[0037] Die Wahl der Anzahl ch der Kanäle der Beamformingeinrichtungen 34 und 34' stellt
einen Abgleich zwischen der durch die Beamformingeinrichtung 34 verursachten Signalverzögerung
und der Möglichkeit dar, für Signalanteile unterschiedlicher Frequenzen auch unterschiedliche
Richtcharakteristiken einstellen zu können. Bei dem vorliegenden Beispiel mit ch =
4 Kanälen ist es mittels der Beamformingeinrichtung 34, 34' möglich, die durch die
Beamformingeinrichtung 34, 34' verursachte Signalverzögerung auf 1 ms zu verringern.
[0038] Indem das Empfangssignal E1 und entsprechend auch das gerichtete monaurale Signal
S2 mit einer derart geringen Verzögerung bereitgestellt werden, ist es möglich, die
Gesamtverzögerung, die sich durch das Betreiben der binauralen Beamformer 28 in der
Hörvorrichtung ergibt, nur geringfügig im Vergleich zur Gesamtverzögerung D zu vergrößern.
Nimmt man an, dass die Übertragung über die Verbindungen 18, 18' weitere 6 Millisekunden
dauert, so ergibt sich eine Gesamtverzögerung von D' = D1 + D2 + 6 ms + 1 ms = 13
ms in dem vorliegenden Beispiel.
[0039] Um diesen durch den erfindungsgemäßen Aufbau der Hörvorrichtung beschriebenen Vorteil
noch einmal zu verdeutlichen, ist in FIG 3 noch einmal ein Ohrteil 38 für eine binaurale
Versorgung gezeigt, wie es bei einer Hörvorrichtung aus dem Stand der Technik aufgebaut
sein müsste. Um den Vergleich zu vereinfachen sind in FIG 3 Elemente, die in ihrer
Funktionsweise Elementen der Hörvorrichtung aus FIG 2 entsprechen mit denselben Bezugszeichen
wie in FIG 2 versehen. Bei dem Ohrteil 38 ist es ebenfalls möglich, aus Mikrofonsignalen
von Mikrofonen 12 im Frequenzbereich FD mittels mit Beamformern 26 ein spektral hoch
auflösendes Beamforming und hierdurch ein gerichtets monaurales Signal S1 in dem Frequenzbereich
FD zu erzeugen. Soll dieses gerichtete monaurale Signal S1 nicht nur für lokale binaurale
Beamformer 28 genutzt werden, sondern auch als Eingangssignal für ein weiteres Ohrteil,
so muss das Signal S1 mit einer Synthetisiereinrichtung 30 zurück in den Zeitbereich
TD transformiert werden, so es dann von einer Sendeeinrichtung 16 an das andere Ohrteil
übergetragen werden kann. Somit weist das von der Sendeeinrichtung 16 an das andere
Ohrteil gesendete Signal bereits eine Verzögerung D = D1 + D2 auf. Entsprechend wird
auch über eine Empfangseinrichtung 16 ein Eingangssignal empfangen, das von dem anderen
Ohrteil ebenfalls mit deren spektral hoch auflösender Verarbeitung erzeugt wurde und
daher ebenfalls bereits eine Signalverzögerung D = D1 + D2 aufweist. Dies monaural
gerichtete Eingangssignal des anderen Ohrteils muss zusammen mit den Mikrofonsignalen
der Mikrofone 12 durch eine Analyseeinrichtung 24 in dem Frequenzbereich FD transformiert
werden, um von den binauralen Beamformern 28 verarbeitet werden zu können. Da nun
das über die Empfangseinrichtung 16 empfangene Signal bereits eine Signalverzögerung
D=D1+D2 aufweist, muss das aus den Mikrofonsignalen 12 gewonnene Signal S1 durch eine
Verzögerungseinheit 40 um eben diese Verzögerung D1+D2 verzögert werden, um die beiden
Eingangssignale der binauralen Beamformer 28 zu synchronisieren. Durch die zusätzlich
benötigte Verzögerung durch die Verzögerungseinheit 40 ergibt sich aber damit insgesamt
beim Erzeugen eines Hörersignals H1 aus den Mikrofonsignalen der Mikrofone 12 und
des über die Empfangseinrichtung 16 empfangen Signals des anderen Ohrteils eine Gesamtverzögerung
D'=2*D1+2*D2. Nimmt man noch eine Übertragungszeit von 1 ms hinzu, so ergibt sich
daraus eine Gesamtverzögerung D' = 12 ms. Hinzu kommt noch die Übertragungszeit, die
wie bisher mit 6 ms zu veranschlagen ist. Von einem Benutzer dieser Hörvorrichtung
wird also beispielsweise während des Schreibens an einem Computer der einleitend erwähnte
störende Zeitversatz empfunden..
[0040] Durch die in FIG 2 dargestellte Hörvorrichtung ist es dagegen möglich, in dem Ohrteil
10 ein gerichtetes Signal S2 für die Übertragung an das andere Ohrteil ohne hierbei
die durch die Transformation in den Frequenzbereich FD verursachte Signalverzögerung
bereitzustellen. Gleichzeitig wird der zusätzliche Berechnungsaufwand für die Bereitstellung
des Signals S2 gering gehalten, indem aus den Beamformern 26, wie sie für die vielkanalige
Verarbeitung der lokalen Mikrofonsignale M1, M2 ohnehin nötig ist, die Stellparameter
zusätzlich auch für das Einstellen der Beamformer der Beamformingeinrichtung 34 genutzt
werden.
[0041] Durch Kombinieren und Abbilden der Stellparameter der Beamformer 26 auf die Stellparameter
der Beamformer in der Beamformingeinrichtung 34 ist es nicht mehr nötig, adaptive
Beamformer auch in der Beamformingeinrichtung 34 bereitzustellen, so dass in der Beamformingeinrichtung
34 kein entsprechender Berechnungsaufwand betrieben werden muss. Die Beamformingeinrichtung
34 ist quasi durch die Beamformer 26 ferngesteuert.
[0042] Insgesamt ist damit festzustellen, dass eine zusätzliche Signalverzögerung beim Bereitstellen
eines Signals für eine binaurale Versorgung durch eine zusätzliche gering-verzögernde
Zeitbereichsrichtmikrofonverarbeitung durch die Beamformingeinrichtung 34 ermöglicht
werden kann. Zusätzlicher Berechnungsaufwand wird dadurch vermieden, dass die ebenfalls
verfügbare Frequenzbereichsrichtmikrofonverabreitung, die selbstständig adaptiert,
auch zum Steuern der Zeitbereichsrichtmikrofonbearbeitung genutzt wird, indem durch
die Abbildungseinrichtung 36 die Stellparameter in den Zeitbereich übertragen werden.
1. Hörvorrichtung für eine binaurale Versorgung, umfassend: ein an einem Ohr zu tragendes
erstes Ohrteil (10) mit mehreren Mikrofonen (12) und mit einer ersten Signalverarbeitungseinrichtung
(V), die dazu ausgelegt ist, aus Mikrofonsignalen (M1, M2) der Mikrofone (12) durch
eine vielkanalige Signalverarbeitung jedes der Mikrofonsignale (M1, M2) ein lokales
Hörersignal (H1) für einen Hörer (22) des ersten Ohrteils (10) zu erzeugen,
dadurch gekennzeichnet, dass
in dem ersten Ohrteil (10) zusätzlich eine Beamformingeinrichtung (34) und eine Sendeeinrichtung
(32) bereitgestellt sind, wobei die Beamformingeinrichtung (34) dazu ausgelegt ist,
aus den Mikrofonsignalen (M1, M2) durch eine Signalverarbeitung, die weniger Kanäle
als diejenige der ersten Signalverarbeitungseinrichtung (V) aufweist, ein gerichtetes
Ausgangssignal (S2) zu erzeugen, und wobei die Sendeeinrichtung (32) dazu eingerichtet
ist, das gerichtete Ausgangssignal (S2) als elektrisches oder elektromagnetisches
Signal aus dem ersten Ohrteil (10) auszusenden.
2. Hörvorrichtung nach Anspruch 1, wobei die Beamformingeinrichtung (34) dazu eingerichtet
ist, jedes der Mikrofonsignale (M1, M2) durch eine Filterung, insbesondere eine Zeitbereichsfilterung,
mit einem Tiefpassfilter, einem Hochpassfilter und bevorzugt einem oder mehreren Bandpassfiltern
auf Kanäle der Beamformingeinrichtung (34) aufzuteilen.
3. Hörvorrichtung nach Anspruch 1 oder 2, wobei die Beamformingeinrichtung (34) dazu
eingerichtet ist, jedes der Mikrofonsignale (M1, M2) im Zeitbereich (TD) ohne eine
Unterabtastung zu verarbeiten und hierzu eine Abtastrate, welche die Mikrofonsignale
(M1, M2) an einem Eingang der Beamformingeinrichtung (34) aufweisen, auch nach einer
jeweiligen Aufteilung der Mikrofonsignale (M1, M2) auf die Kanäle der Beamformingeinrichtung
(34) beizubehalten.
4. Hörvorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei die Beamformingeinrichtung
(34) dazu eingerichtet ist, in jedem ihrer Kanäle aus darin enthaltenen Signalanteilen
jedes Mikrofonsignals (M1, M2) einen entsprechenden Anteil des gerichteten Ausgangssignals
(S2) mittels eines differentiellen Beamformers zu erzeugen.
5. Hörvorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei die Beamformingeinrichtung
(34) in zumindest einem Kanal einen adaptiven Beamformer aufweist.
6. Hörvorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei die Beamformingeinrichtung
(34) in zumindest einem Kanal einen gesteuerten Beamformer aufweist, bei welchem eine
Richtcharakteristik für den Kanal über einen Stellparameter (par) einstellbar ist,
und wobei die erste Signalverarbeitungseinrichtung (V) dazu eingerichtet ist, den
Stellparameter (par) einzustellen.
7. Hörvorrichtung nach Anspruch 6, wobei die Signalverarbeitungseinrichtung (V) in zumindest
einem Kanal einen adaptiven Beamformer (26) aufweist und dazu ausgelegt ist, den Stellparameter
(par) zumindest eines steuerbaren Beamformers der Beamformingeinrichtung (34) auf
einen Wert einzustellen, der aus einem Stellparameter (PAR) zumindest eines der adaptiven
Beamformer (26) berechnet ist.
8. Hörvorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei das erste Ohrteil (10)
eine Empfangseinrichtung (16) für einen elektrischen oder elektromagnetischen Signalempfang
eines Eingangssignals (E1) aufweist, und wobei die erste Signalverarbeitungseinrichtung
(V) dazu ausgelegt ist, auf der Grundlage der Mikrofonsignale (M1, M2) und des Eingangssignals
das lokale Hörersignal (H1) als gerichtetes Signal durch binaurales Beamforming (28)
zu bilden.
9. Hörvorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei die erste Signalverarbeitungseinheit
(V) mehr als 16, insbesondere 48, Kanäle (CH) aufweist und die Beamformingeinrichtung
16 oder weniger als 16, insbesondere 4, Kanäle (ch) aufweist.
10. Hörvorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, welche ein am anderen Ohr
zu tragendes zweites Ohrteil (20) aufweist, welches mehrere Mikrofone sowie eine Beamformingeinrichtung
(34') und eine Sendeeinrichtung wie das erste Ohrteil (10) aufweist, wobei die beiden
Ohrteile (10, 20) dazu ausgelegt sind, ihre jeweiligen gerichteten Ausgangssignale
(S2) über ihre Sendeeinrichtungen (32) an das jeweils andere Ohrteil (10, 20) zu übertragen
und auf der Grundlage von Mikrofonsignalen (M1, M2) der eigenen Mikrofone (12) und
des jeweiligen von dem anderen Ohrteil (20, 10) empfangenen Signals (E1) durch binaurales
Beamforming (28) ein gerichtetes lokales Hörersignal (H1) zu erzeugen.
11. Verfahren zum Bereitstellen einer binauralen Versorgung mittels zweier, an jeweils
einem Ohr zu tragender Ohrteile (10, 20) einer Hörvorrichtung, welche jeweils eine
spektrale Signalverarbeitungseinrichtung (V) mit einer Vielzahl von Kanälen (ch) aufweisen,
mit den Schritten:
- in jedem der Ohrteile (10, 20) Erzeugen eines gerichteten monauralen Signals (S2)
aus Mikrofonsignalen (M1, M2) von Mikrofonen (12) des Ohrteils (10, 20) mittels eines
Beamformers (34, 34') des Ohrteils (10, 20), der weniger Kanäle (ch) als die Signalverarbeitungseinrichtung
(V) des Ohrteils aufweist,
- Austauschen der gerichteten monauralen Signale (S2) zwischen den Ohrteilen (10,
20) durch eine elektrische oder elektromagnetische Übertragung (18, 18'),
- in jedem der Ohrteile (10, 20) Erzeugen eines gerichteten binauralen Signals (B1)
durch Kombinieren der Mikrofonsignale (M1, M2) der eigenen Mikrofone (12) und des
empfangenen gerichteten monauralen Signals (E1) mittels der Signalverarbeitungseinrichtung
(V) des Ohrteils (10, 20) und Ausgeben des gerichteten binauralen Signals (B1) mittels
eines Hörers des Ohrteils (10, 20).