[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Reduzieren einer Staugefahr gemäß Patentanspruch
1.
Stand der Technik
[0002] Es ist bekannt, Kraftfahrzeuge mit Radarsystemen auszustatten. Solche Radarsysteme
können beispielsweise Fern- oder Mittelbereichsradarsysteme sein. Die Radarsysteme
können dazu genutzt werden, einen Abstand zwischen einem Kraftfahrzeug und einem Vorausfahrenden
und/oder einem nachfolgenden weiteren Kraftfahrzeug zu ermitteln. Die Ermittlung des
Abstands kann im Rahmen einer Sicherheitsfunktion dazu dienen, eine drohende Kollision
zu erkennen und durch Ausgabe einer Warnung an einen Fahrzeugführer und/oder durch
eine automatische Fahrerbremsunterstützung zu verhindern. Die Abstandsermittlung kann
alternativ oder zusätzlich auch in einem Fahrerassistenzsystem, das für einen Eingriff
in ein Motormanagement und/oder ein Bremsmanagement des Kraftfahrzeugs ausgebildet
ist, zur Geschwindigkeits- und/oder Distanzregelung dienen.
[0003] Ebenfalls bekannt ist, Kraftfahrzeuge mit Navigationssystemen auszustatten, die dazu
ausgebildet sind, eine gegenwärtige Position eines Kraftfahrzeugs zu ermitteln. Die
Positionsbestimmung kann dabei beispielsweise unter Verwendung von GPS-Signalen erfolgen.
Offenbarung der Erfindung
[0004] Die Aufgabe der vorliegenden Erfindung besteht darin, ein Verfahren zum Reduzieren
einer Staugefahr anzugeben. Diese Aufgabe wird durch ein Verfahren mit den Merkmalen
des Anspruchs 1 gelöst. Bevorzugte Weiterbildungen sind in den abhängigen Ansprüchen
angegeben.
[0005] Ein erfindungsgemäßes Verfahren zum Reduzieren einer Staugefahr umfasst Schritte
zum Aufzeichnen eines Werts einer Betriebseigenschaft eines Kraftfahrzeugs durch einen
in dem Kraftfahrzeug angeordneten Sensor, zum Verknüpfen des Werts mit einer eine
Position des Kraftfahrzeugs angebenden Ortsinformation, um eine verknüpfte Information
zu erhalten, zum Übertragen der verknüpften Information an einen Server, zum Auswerten
einer Mehrzahl verknüpfter Informationen, um einen Ort zu erkennen, an dem eine Wahrscheinlichkeit
für ein Auftreten eines Verkehrsstaus über einem Schwellenwert liegt, zum Erstellen
einer Routeninformation, durch die ein Befahren des Orts vermieden wird, und zum Übertragen
der Routeninformation an ein Kraftfahrzeug. Vorteilhafterweise erlaubt dieses Verfahren
eine Erstellung einer Routeninformation, deren Beachtung eine Gefahr reduziert, in
einen Verkehrsstau zu geraten. Vorteilhafterweise sind zur Erstellung der optimierten
Routeninformation lediglich Daten erforderlich, die in einem mit einem Sensor und
einer Einrichtung zur Positionsbestimmung ausgestatteten Kraftfahrzeug ohnehin ermittelt
werden. Dadurch lässt sich das Verfahren vorteilhafterweise mit geringen Aufwand implementieren.
Das Kraftfahrzeug, an das die Routeninformation übertragen wird, kann dabei das Kraftfahrzeug
sein, das die verknüpfte Information sendet, oder ein anderes Kraftfahrzeug. Dies
erlaubt vorteilhafterweise eine hohe Flexibilität des Verfahrens.
[0006] In einer bevorzugten Ausführungsform des Verfahrens wird die Mehrzahl verknüpfter
Informationen ausgewertet, um zu erkennen, dass die Wahrscheinlichkeit für ein Auftreten
eines Verkehrsstaus an dem Ort in einem regelmäßig auftretenden Zeitintervall über
dem Schwellenwert liegt. Dabei wird die Routeninformation so erstellt, dass das Befahren
des Orts innerhalb des Zeitintervalls vermieden wird. Vorteilhafterweise erlaubt das
Verfahren dadurch eine Erkennung regelmäßig auftretender Verkehrsmuster und deren
Berücksichtigung bei der Planung von Fahrrouten. Dadurch kann beispielsweise vermieden
werden, dass ein Kraftfahrzeug in einen häufig auftretenden Verkehrsstau während einer
Hauptverkehrszeit gerät.
[0007] In einer Ausführungsform des Verfahrens wird die Routeninformation an ein Navigationssystem
des Kraftfahrzeugs übertragen. Vorteilhafterweise kann eine Berücksichtigung der Routeninformation
dann automatisch durch das Navigationssystem des Kraftfahrzeugs erfolgen.
[0008] In einer weiteren Ausführungsform des Verfahrens umfasst die Routeninformation eine
Auslieferungsplanung. Die Auslieferungsplanung kann eine Auslieferungsplanung eines
Betreibers einer Fahrzeugflotte sein. Vorteilhafterweise können die durch die Kraftfahrzeugs
der Fahrzeugflotte zurückzulegenden Wegstrecken dann so angelegt werden, dass ein
Befahren von Orten zu Zeiten, bei denen mit einem Auftreten eines Verkehrsstaus zu
rechnen ist, vermieden wird.
[0009] In einer Weiterbildung des Verfahrens umfasst dieses weitere Schritte zum Erstellen
eines Fahrprofils und zum Übertragen des Fahrprofils an ein Fahrerassistenzsystem
des Kraftfahrzeugs. Vorteilhafterweise kann das Fahrprofil so erstellt werden, dass
seine Befolgung durch das Fahrerassistenzsystem des Kraftfahrzeugs dazu führt, dass
das Kraftfahrzeug einen Verkehrsstau später erreicht oder sogar ganz vermeidet. Hierdurch
löst sich ein Verkehrsstau schneller auf oder wird unter Umständen sogar ganz vermieden.
[0010] In einer zweckmäßigen Ausführung des Verfahrens ist die Betriebseigenschaft eine
Geschwindigkeit oder eine Beschleunigung oder eine Bremsverzögerung des Kraftfahrzeugs,
ein Abstand zwischen dem Kraftfahrzeug und einem vorausfahrenden oder einem nachfolgenden
weiteren Kraftfahrzeug, oder eine gewählte Schaltstufe des Kraftfahrzeugs. Vorteilhafterweise
lässt sich aus einer oder mehrerer dieser Betriebseigenschaften zuverlässig erkennen,
ob das Kraftfahrzeug sich in einem Verkehrsstau befindet.
[0011] In einer Weiterbildung dieses Verfahrens wird erkannt, dass die Wahrscheinlichkeit
für ein Auftreten eines Verkehrsstaus über dem Schwellenwert liegt, falls eine Geschwindigkeit
des Kraftfahrzeugs unter einer festgelegten Grenze liegt und/oder ein Abstand zwischen
dem Kraftfahrzeug und einem vorausfahrenden oder einem nachfolgenden weiteren Kraftfahrzeug
unter einer festgelegten Grenze liegt. Vorteilhafterweise wird dabei die Erkenntnis
genutzt, dass Kraftfahrzeuge sich in Verkehrsstaus mit geringer Geschwindigkeit bewegen
und nur geringe Abstände voneinander aufweisen.
[0012] In einer bevorzugten Ausführungsform des Verfahrens sendet eine Mehrzahl von Kraftfahrzeugen
verknüpfte Informationen an den Server. Die Kraftfahrzeuge können dabei beispielsweise
Kraftfahrzeuge einer zusammengehörigen Fahrzeugflotte sein. Vorteilhafterweise erhält
der Server dann gleichzeitig Informationen von unterschiedlichen Punkten eines Wegenetzes,
wodurch sich die Genauigkeit der Auswertung der verknüpften Informationen durch den
Server erhöht.
[0013] In einer zweckmäßigen Ausführungsform des Verfahrens ist der Sensor ein Radarsensor.
Vorteilhafterweise eignen sich Radarsensoren zur Ermittlung eines Abstands zwischen
einem Kraftfahrzeug und umgebenden weiteren Kraftfahrzeugen. Vorteilhafterweise sind
Kraftfahrzeuge in vielen Fällen ohnehin mit derartigen Sensoren ausgestattet. Dadurch
lässt sich das Verfahren vorteilhafterweise ohne großen zusätzlichen Aufwand umsetzen.
[0014] Die Erfindung wird nun anhand der beigefügten Figuren näher erläutert. Dabei zeigen:
Figur 1 ein schematisches Blockschaltbild eines Kraftfahrzeugs und eines Servers;
Figur 2 ein schematisches Ablaufdiagramm eines Verfahrens zum Reduzieren einer Staugefahr;
und
Figur 3 eine schematische Darstellung einer verknüpften Information.
[0015] Figur 1 zeigt eine schematische Darstellung eines Kraftfahrzeugs 100. Das Kraftfahrzeug
100 kann beispielsweise ein Personenkraftwagen (PKW) sein. Das Kraftfahrzeug 100 kann
jedoch auch ein Lieferwagen, ein Lastkraftwagen (LKW) oder ein anderes Kraftfahrzeug
sein. Das Kraftfahrzeug 100 kann einer Flotte zusammengehöriger Kraftfahrzeuge angehören.
Beispielsweise kann das Kraftfahrzeug 100 Teil einer Flotte von Lieferfahrzeugen einer
Spedition oder eines Paketdienstes sein.
[0016] Das Kraftfahrzeug 100 weist eine Steuereinheit 110 auf. Die Steuereinheit 110 ist
bevorzugt als Kombination aus Hardware- und Software-Komponenten realisiert. Beispielsweise
kann die Steuereinheit 110 einen Mikrocontroller oder einen Mikrocomputer umfassen,
auf dem ein Programm läuft. Die Steuereinheit 110 kann außerdem flüchtige und nicht
flüchtige Datenspeicher umfassen.
[0017] Das Kraftfahrzeug 100 weist außerdem mindestens einen Sensor 120 auf. Der Sensor
120 kann zum Ermitteln eines Werts einer Betriebseigenschaften des Kraftfahrzeugs
100 verwendet werden. Der Begriff "Betriebseigenschaft" bezeichnet im Kontext dieser
Beschreibung jede Größe und Information, die einen Betriebsmodus, eine Betriebsweise
oder allgemein den Betrieb des Kraftfahrzeugs 100 charakterisiert und quantifiziert.
[0018] Die Betriebseigenschaft des Kraftfahrzeugs 100 kann beispielsweise eine Geschwindigkeit
des Kraftfahrzeugs 100 sein. In diesem Fall ist der Sensor 120 ausgebildet, eine Geschwindigkeit
des Kraftfahrzeugs zu ermitteln. Die Betriebseigenschaft des Kraftfahrzeugs 100 kann
auch eine Beschleunigung oder eine Bremsverzögerung des Kraftfahrzeugs sein. In diesem
Fall ist der Sensor 120 ausgebildet, eine Beschleunigung oder eine Bremsverzögerung
des Kraftfahrzeugs 100 zu ermitteln. Die Betriebseigenschaft des Kraftfahrzeugs 100
kann auch eine gewählte Schaltstufe eines Schaltgetriebes des Kraftfahrzeugs sein.
In diesem Fall ist der Sensor 120 ausgebildet, die gewählte Schaltstufe des Kraftfahrzeugs
100 zu bestimmen.
[0019] Die Betriebseigenschaft des Kraftfahrzeugs 100 kann auch ein Abstand zwischen dem
Kraftfahrzeug 100 und einem vorausfahrenden weiteren Kraftfahrzeug oder einem dem
Kraftfahrzeug 100 nachfolgenden weiteren Kraftfahrzeug sein. In diesem Fall ist der
Sensor 120 ausgebildet, einen solchen Abstand zu ermitteln. Bevorzugt ist der Sensor
120 dann als Radarsensor, beispielsweise als Fern- oder Mittelbereichsradarsensor
ausgebildet.
[0020] Der Sensor 120 kann auch eine Videokamera, eine Stereo-Videokamera, ein scannender
Lidarsensor (Light detection and ranging) oder ein scannender Radarsensor sein. Auch
solche Sensoren eignen sich zur Analyse einer Umgebung des Kraftfahrzeugs 100 und
zur Ermittlung von Abständen zwischen dem Kraftfahrzeug 100 und umgebenden weiteren
Kraftfahrzeugen.
[0021] Das Kraftfahrzeug 100 kann auch mehrere Sensoren 120 aufweisen. Die mehreren Sensoren
120 dienen dann bevorzugt dazu, Werte mehrerer unterschiedlicher Betriebseigenschaften
des Kraftfahrzeugs 100 zu ermitteln. Beispielsweise kann das Kraftfahrzeug 100 einen
ersten Radarsensor zur Ermittlung eines Abstands zwischen dem Kraftfahrzeug 100 und
einem vorausfahrenden weiteren Kraftfahrzeug, einen zweiten Radarsensor zur Ermittlung
eines Abstands zwischen dem Kraftfahrzeug 100 und einem nachfolgenden weiteren Kraftfahrzeug
und einen Geschwindigkeitssensor zum Ermitteln einer Geschwindigkeit des Kraftfahrzeugs
100 aufweisen.
[0022] Das Kraftfahrzeug 100 umfasst in der in Figur 1 dargestellten beispielhaften Ausführungsform
außerdem ein Fahrerassistenzsystem 130. Das Fahrerassistenzsystem kann auch als Adaptive
Cruise Control (ACC) bezeichnet werden. Das Fahrerassistenzsystem 130 kann dazu dienen,
eine automatische Geschwindigkeits- und/oder Distanzregelung des Kraftfahrzeugs 100
durchzuführen. Hierzu kann das Fahrerassistenzsystem 130 dazu ausgebildet sein, Eingriffe
in ein Motormanagement und/oder ein Bremsmanagement des Kraftfahrzeugs 100 vorzunehmen.
Das Fahrerassistenzsystem 130 kann hierfür auch dazu ausgebildet sein, vom Sensor
120 ermittelte Werte einer oder mehrerer Betriebseigenschaften des Kraftfahrzeugs
100 zu empfangen. Insbesondere kann das Fahrerassistenzsystem 130 ausgebildet sein,
Abstandswerte von einem Radarsensor zu empfangen. In einer vereinfachten Ausführungsform
des Kraftfahrzeugs 100 kann das Fahrerassistenzsystem 130 jedoch auch entfallen.
[0023] Das Kraftfahrzeug 100 umfasst außerdem ein Navigationssystem 140. Das Navigationssystem
140 ist dazu ausgebildet, eine Position des Kraftfahrzeugs 100 zu ermitteln. Das Navigationssystem
140 kann beispielsweise dazu ausgebildet sein, die Position des Kraftfahrzeugs 100
durch Empfang eines GPS-Signals zu bestimmen.
[0024] Das Kraftfahrzeug 100 umfasst außerdem eine Anzeigevorrichtung 150. Die Anzeigevorrichtung
150 dient dazu, einem Fahrzeugführer des Kraftfahrzeugs 100 Informationen anzuzeigen.
Die Anzeigevorrichtung 150 kann beispielsweise als Bildschirm oder als Lämpchen ausgebildet
sein. Das Kraftfahrzeug 100 kann auch mehrere Anzeigevorrichtungen 150 aufweisen.
Die Anzeigevorrichtung 150 kann auch Teil des Fahrerassistenzsystems 130 oder des
Navigationssystems 140 sein oder durch das Fahrerassistenzsystem 130 und/oder das
Navigationssystem 140 benutzt werden.
[0025] Die Steuereinheit 110 des Kraftfahrzeugs 100 ist mit dem Sensor 120, dem Fahrerassistenzsystem
130, dem Navigationssystem 140 und der Anzeigevorrichtung 150 verbunden. Über die
Verbindungen kann die Steuereinheit 110 Daten und Informationen mit dem Sensor 120,
dem Fahrerassistenzsystem 130, dem Navigationssystem 140 und der Anzeigevorrichtung
150 austauschen und den Sensor 120, das Fahrerassistenzsystem 130, das Navigationssystem
140 und die Anzeigevorrichtung 150 ansteuern.
[0026] Die schematische Darstellung der Figur 1 zeigt außerdem einen Server 160. Der Server
160 ist außerhalb des Kraftfahrzeugs 100 angeordnet. Der Server 160 kann beispielsweise
ein Computer in einem Rechenzentrum sein. Der Server 160 kann auch durch eine Mehrzahl
vernetzter Computer realisiert sein, die in einem oder mehreren Rechenzentren angeordnet
sind. Der Server 160 kann Teil einer Cloud-Infrastruktur oder Teil eines Dienstes
eines Sozialen Netzwerks sein. Falls das Kraftfahrzeug 100 Teil einer Fahrzeugflotte
ist, so kann der Server 160 insbesondere ein Server eines Betreibers der Fahrzeugflotte
sein.
[0027] Die Steuereinheit 110 des Kraftfahrzeugs 100 ist dazu ausgebildet, über eine bidirektionale
Kommunikationsverbindung 170 mit dem Server 160 zu kommunizieren. Die bidirektionale
Kommunikationsverbindung 170 ist bevorzugt eine drahtlose Kommunikationsverbindung.
Beispielsweise kann die bidirektionale Kommunikationsverbindung 170 als Verbindung
gemäß eines Internetprotokolls über ein Mobilfunknetzwerk ausgebildet sein. Hierzu
ist die Steuereinheit 110 dann mit geeigneten Sende- und Empfangseinheiten verbunden
oder ausgestattet.
[0028] Figur 2 zeigt ein schematisches Ablaufdiagramm eines Verfahrens 200 zum Erstellen
eines Fahrprofils. Das Verfahren 200 wird teilweise durch die Steuereinheit 110 des
Kraftfahrzeugs 100 und teilweise durch den Server 160 ausgeführt, wie nachfolgend
noch erläutert wird.
[0029] In einem ersten Verfahrensschritt 210 ermittelt die Steuereinheit 110 einen Wert
einer Betriebseigenschaft des Kraftfahrzeugs 100. Hierzu empfängt die Steuereinheit
110 einen durch den Sensor 120 ermittelten Wert. Die Steuereinheit 110 kann auch mehrere
durch mehrere Sensoren 120 ermittelte Werte empfangen. Beispielsweise kann die Steuereinheit
110 im ersten Verfahrensschritt 210 eine Geschwindigkeit des Kraftfahrzeugs 100 sowie
einen Abstand des Kraftfahrzeugs 100 von einem dem Kraftfahrzeug 100 vorausfahrenden
weiteren Kraftfahrzeug aufzeichnen.
[0030] In einem zweiten Verfahrensschritt 220 ermittelt die Steuereinheit 110 eine Position
des Kraftfahrzeugs 100. Die Position des Kraftfahrzeugs 100 wird möglichst gleichzeitig
mit dem im ersten Verfahrensschritt 210 aufgezeichneten Wert der Betriebseigenschaft
des Kraftfahrzeugs 100 ermittelt. Die Steuereinheit 110 ermittelt die Position des
Kraftfahrzeugs 100 mit Hilfe des Navigationssystem 140. Die ermittelte Position des
Kraftfahrzeugs 100 kann auch als Ortsinformation bezeichnet werden.
[0031] In einem dritten Verfahrensschritt 230 verknüpft die Steuereinheit 110 den im ersten
Verfahrensschritt 210 aufgezeichneten Wert der Betriebseigenschaft des Kraftfahrzeugs
100 mit der im zweiten Verfahrensschritt 220 ermittelten Ortsinformation, um eine
verknüpfte Information zu erhalten.
[0032] Figur 3 zeigt eine schematische Darstellung einer verknüpften Information 400. Die
verknüpfte Information 400 umfasst einen im ersten Verfahrensschritt 210 ermittelten
Wert 410 einer Betriebseigenschaft des Kraftfahrzeugs 100 und eine im zweiten Verfahrensschritt
220 ermittelte Ortsinformation 420, die eine Position des Kraftfahrzeugs 100 zu dem
Zeitpunkt angibt, an dem der Wert 410 der Betriebseigenschaft aufgezeichnet wurde.
[0033] In einem vierten Verfahrensschritt 240 übermittelt die Steuereinheit 110 die im dritten
Verfahrensschritt erhaltene verknüpfte Information 400 über die bidirektionale Kommunikationsverbindung
170 an den Server 160.
[0034] Der erste Verfahrensschritt 210, der zweite Verfahrensschritt 220, der dritte Verfahrensschritt
230 und der vierte Verfahrensschritt 240 werden bevorzugt vielmals wiederholt. Besonders
bevorzugt werden die Verfahrensschritte 210, 220, 230, 240 während einer Fahrt des
Kraftfahrzeugs 100 kontinuierlich, beispielsweise einmal pro Sekunde oder einmal pro
Minute, wiederholt. Auf diese Weise werden eine Vielzahl ortsabhängiger Werte 410
einer oder mehrere Betriebseigenschaften des Kraftfahrzeugs 100 an den Server 160
übertragen.
[0035] Falls das Kraftfahrzeug 100 Teil einer Flotte zusammengehöriger Kraftfahrzeuge ist,
so führen bevorzugt alle Kraftfahrzeuge 100 der Fahrzeugflotte die Verfahrensschritte
210, 220, 230, 240 wiederholt durch. Auf diese Weise werden ortsabhängige Werte 410
einer oder mehrerer Betriebseigenschaften mehrerer Kraftfahrzeuge 100 mit unterschiedlichen
Fahrzeugführern an den Server 160 übertragen.
[0036] In einem fünften Verfahrensschritt 250 wertet der Server 160 die an den Server 160
übertragene Mehrzahl verknüpfter Informationen 400 aus, um einen Ort zu erkennen,
an dem eine Wahrscheinlichkeit für ein Auftreten eines Verkehrsstaus über einem Schwellenwert
liegt. Dabei untersucht der Server 160 die verknüpften Informationen 400 auf das Auftreten
von Abstandsinformationen und Geschwindigkeitsinformationen, die typisch für Verkehrsstaus
sind. Beispielsweise bewegen sich Kraftfahrzeuge in Verkehrsstaus typischerweise mit
niedriger Geschwindigkeit und halten nur geringe Abstände voneinander ein. Diese Eigenschaften
treten in Verkehrsstaus in der Regel über einen längeren Zeitraum auf. Der Server
kann derartige Eigenschaften in den verknüpften Informationen 400 mit Wahrscheinlichkeiten
für das Vorliegen eines Verkehrsstaus bewerten. Werden ähnliche Informationen von
einer Mehrzahl von Kraftfahrzeugen 100 an den Server 160 übertragen, so ist die Wahrscheinlichkeit,
dass ein Verkehrsstau vorliegt, erhöht.
[0037] In einer Weiterbildung des Verfahrens kann der Server auch erkennen, dass eine Wahrscheinlichkeit
für ein Auftreten eines Verkehrsstaus an einem bestimmten Ort in einem regelmäßig
auftretenden Zeitintervall über dem festgelegten Schwellenwert liegt. Beispielsweise
könnte der Server 160 erkennen, dass Kraftfahrzeuge, die zu einer bestimmten Uhrzeit
eine bestimmte Strecke, beispielsweise eine Hauptverkehrsader einer Großstadt während
einer Hauptverkehrszeit, befahren, regelmäßig wiederkehrend in einen Verkehrsstau
geraten. In diesem Fall ist der Server 160 also ausgebildet, nicht nur das Vorliegen
eines gegenwärtigen Verkehrsstaus zu erkennen, sondern auch eine Vorhersage über eine
Wahrscheinlichkeit eines Auftretens eines zukünftigen Verkehrsstaus zu erstellen.
[0038] In einem sechsten Verfahrensschritt 260 erstellt der Server 160 eine Routeninformation.
Die Routeninformation wird dabei so erstellt, dass ein Befahren mindestens eines Ortes
vermieden wird, für den erkannt wurde, dass die Wahrscheinlichkeit für ein Auftreten
eines Verkehrsstaus über dem Schwellenwert liegt. Die Routeninformation kann so erstellt
werden, dass der wahrscheinliche Verkehrsstau umfahren wird. Die Routeninformation
kann auch so erstellt werden, dass der Ort, an dem wahrscheinlich ein Verkehrsstau
vorliegt, erst dann befahren wird, wenn der Verkehrsstau sich bereits aufgelöst hat.
Lässt sich das Befahren eines Ortes, an dem wahrscheinlich ein Verkehrsstau vorliegt,
nicht vollständig vermeiden, so wird die Routeninformation so erstellt, dass der Ort
nur zeitlich möglichst kurz und/oder in einem möglichst kurzen räumlichen Abschnitt
befahren wird.
[0039] In einem siebten Verfahrensschritt 270 wird die im sechsten Verfahrensschritt 260
erstellte Routeninformation an ein Kraftfahrzeug 100 übertragen. Die Übertragung erfolgt
bevorzugt über die bidirektionale Kommunikationsverbindung 170.
[0040] Das Kraftfahrzeug 100, das die Routeninformation erhält, kann ein Kraftfahrzeug 100
sein, das eine oder mehrere verknüpfte Informationen 400 an den Server 160 gesendet
hat. Das Kraftfahrzeug 100, das die Routeninformation erhält, kann jedoch auch ein
zweites Kraftfahrzeug 100 sein, das einem ersten Kraftfahrzeug 100 nachfolgt, das
eine oder mehrere verknüpfte Informationen 400 an den Server 160 gesendet hat, aus
denen sich ein Vorliegen eines Verkehrsstaus ableiten lässt. In diesem Fall erhält
das zweite Kraftfahrzeug 100 eine Routeninformation, durch die das Befahren des Orts
vermieden wird, an dem das erste Kraftfahrzeug 100 in einen Verkehrsstau geraten ist.
[0041] Die im sechsten Verfahrensschritt 260 erstellte und im siebten Verfahrensschritt
270 an das Kraftfahrzeug 100 übertragene Routeninformation kann eine Routeninformation
für das Navigationssystem 140 des Kraftfahrzeugs 100 sein. In diesem Fall wird die
Routeninformation bevorzugt direkt an das Navigationssystem 140 übertragen und in
einem achten Verfahrensschritt 280 durch das Navigationssystem 140 berücksichtigt.
Das Navigationssystem 140 kann die Routeninformation dann beispielsweise über die
Anzeigevorrichtung 150 anzeigen.
[0042] Die im sechsten Verfahrensschritt 260 erstellte und im siebten Verfahrensschritt
270 übertragene Routeninformation kann jedoch auch eine Auslieferungsplanung eines
Betreibers einer Fahrzeugflotte sein. Wurde im fünften Verfahrensschritt 250 ein Ort
erkannt, an dem in einem regelmäßig auftretenden Zeitintervall eine Wahrscheinlichkeit
für ein Auftreten eines Verkehrsstaus über dem Schwellenwert liegt, so kann die Auslieferungsplanung
beispielsweise so erstellt werden, dass ein Befahren dieses Ortes in diesem Zeitintervall
durch alle Kraftfahrzeuge 100 der Fahrzeugflotte vermieden wird. Beispielsweise kann
eine Auslieferungsreihenfolge so gewählt werden, dass ein Befahren des Ortes in dem
Zeitintervall nicht erforderlich ist.
[0043] In einer Weiterbildung des Verfahrens 200 kann in einem neunten Verfahrensschritt
290 zusätzlich ein Fahrprofil für das Fahrerassistenzsystem 130 erstellt und dieses
in einem zehnten Verfahrensschritt 300 an das Fahrerassistenzsystems 130 übertragen
werden. Das Fahrerassistenzsystem 130 steuert das Kraftfahrzeug 100 dann in einem
elften Verfahrensschritt 310 gemäß des Fahrprofils.
[0044] Das Fahrprofil kann dabei maximale Geschwindigkeiten, ideale Geschwindigkeiten, bevorzugte
Abstände des Kraftfahrzeugs 100 von umgebenden Kraftfahrzeugen und/oder bevorzugte
Beschleunigungs- und Bremswerte umfassen. Wurde im fünften Verfahrensschritt 250 ein
Ort erkannt, an dem eine Wahrscheinlichkeit für ein Auftreten eines Verkehrsstaus
über dem Schwellenwert liegt, und lässt sich das Befahren dieses Orts nicht vermeiden,
so kann das Fahrprofil im neunten Verfahrensschritt 290 so erstellt werden, dass der
Ort später erreicht wird. Dies hat zur Folge, dass weniger Zeit im Verkehrsstau verbracht
werden muss, bevor sich dieser auflöst. Das Fahrprofil kann im neunten Verfahrensschritt
290 auch so erstellt werden, dass durch umsichtige Fahrweise des Kraftfahrzeugs 100
(oder bevorzugt mehrerer Kraftfahrzeuge 100 einer Fahrzeugflotte) eine Wahrscheinlichkeit
für ein Auftreten eines Verkehrsstaus reduziert wird.
[0045] In einer allgemeinen Ausführungsform dient das Verfahren 200 zur Nutzung der ohnehin
im Kraftfahrzeug 100 enthaltenen Sensoren 20 zur Sammlung von Fahrerverhalten und
Fahrprofilen einzelner Fahrzeugführer einer Flotte von Kraftfahrzeugen 100. Diese
Informationen beinhalten beispielsweise Geschwindigkeits-, Abstands-, Beschleunigungs-,
Bremsinformationen und ggf. weitere Information, wie ein Schaltstufe eines Getriebes.
Die Profile einzelner Fahrzeugführer werden mit einer zurückgelegten Strecke verkettet
(tagging) und in einer Karte hinterlegt. All diese Informationen werden über den Server
160, beispielsweise Dienste einer Daten-Cloud oder eines Sozialen Netzwerks, z. B.
des Flottenbetreibers oder dessen Dienstleisters, zentral gesammelt. Die gesammelten
Daten können nun nach Abstandsinformationen und Geschwindigkeitsinformationen analysiert
werden, die typisch für Staus sind (z. B. niedrige Schrittgeschwindigkeit und enge
Abstände, ggf. sogar wenige Zentimeter über längere Zeiträume hinweg). Werden dieselben
Informationen von mehreren Flottenfahren an den Server 160 gemeldet, erhöht sich die
Wahrscheinlichkeit für einen Stau. Das Verfahren 200 beginnt mit der Optimierung der
Routen für die anderen Flottenfahrzeuge, die die Route vollständig oder auch nur teilweise
nutzen müssen (z. B. bekannt über aktive Navigation oder Auslieferungsplanung des
Tages pro Fahrer/Fahrzeug). Der Stau soll dabei umfahren werden oder nur kurzfristig
beeinträchtigen. Das Verfahren erlaubt nun die Aussendung dieser Routeninformation
an die Flottenfahrer. Die Anzeige erfolgt über die Anzeigevorrichtung 150 und/oder
das Navigationssystem 140.
[0046] Das Verfahren 200 erlaubt darüber hinaus auch die Aussendung eines neuen ACC-Profils
(maximale Geschwindigkeiten, ideale Geschwindigkeiten, Abstände, Beschleunigungs-
und Bremsinformationen) an die anderen Flottenfahrzeuge zwecks präventiver Stauvermeidung
oder sogar -minimierung. Die Fahrzeuge werden den vorliegenden Stau später erreichen
und sorgen so ggf. für eine schnellere Auflösung.
1. Verfahren (200) zum Reduzieren einer Staugefahr,
mit den folgenden Schritten:
- Aufzeichnen eines Werts (410) einer Betriebseigenschaft eines Kraftfahrzeugs (100)
durch einen in dem Kraftfahrzeug (100) angeordneten Sensor (120);
- Vernüpfen des Werts (410) mit einer eine Position des Kraftfahrzeugs (100) angebenden
Ortsinformation (420), um eine verknüpfte Information (400) zu erhalten;
- Übertragen der verknüpften Information (400) an einen Server (160);
- Auswerten einer Mehrzahl verknüpfter Informationen (400), um einen Ort zu erkennen,
an dem eine Wahrscheinlichkeit für ein Auftreten eines Verkehrsstaus über einem Schwellenwert
liegt;
- Erstellen einer Routeninformation, durch die ein Befahren des Orts vermieden wird;
- Übertragen der Routeninformation an ein Kraftfahrzeug.
2. Verfahren (200) gemäß Anspruch 1,
wobei die Mehrzahl verknüpfter Informationen (400) ausgewertet wird, um zu erkennen,
dass die Wahrscheinlichkeit für ein Auftreten eines Verkehrsstaus an dem Ort in einem
regelmäßig auftretenden Zeitintervall über dem Schwellenwert liegt,
wobei die Routeninformation so erstellt wird, dass das Befahren des Orts innerhalb
des Zeitintervalls vermieden wird.
3. Verfahren (200) gemäß einer der vorhergehenden Ansprüche,
wobei die Routeninformation an ein Navigationssystem (140) des Kraftfahrzeugs übertragen
wird.
4. Verfahren (200) gemäß einer der vorhergehenden Ansprüche,
wobei die Routeninformation eine Auslieferungsplanung umfasst.
5. Verfahren (200) gemäß einer der vorhergehenden Ansprüche,
mit den folgenden weiteren Schritten:
- Erstellen eines Fahrprofils;
- Übertragen des Fahrprofils an ein Fahrassistenzsystem (130) des Kraftfahrzeugs.
6. Verfahren (200) gemäß einem der vorhergehenden Ansprüche,
wobei die Betriebseigenschaft eine Geschwindigkeit oder eine Beschleunigung oder eine
Bremsverzögerung des Kraftfahrzeugs (100),
ein Abstand zwischen dem Kraftfahrzeug (100) und einem vorausfahrenden oder einem
nachfolgenden weiteren Kraftfahrzeug,
oder eine gewählte Schaltstufe des Kraftfahrzeugs (100) ist.
7. Verfahren (200) gemäß Anspruch 6,
wobei erkannt wird, dass die Wahrscheinlichkeit für ein Auftreten eines Verkehrsstaus
über dem Schwellenwert liegt, falls eine Geschwindigkeit des Kraftfahrzeugs (100)
unter einer festgelegten Grenze liegt und/oder ein Abstand zwischen dem Kraftfahrzeug
(100) und einem vorausfahrenden oder einem nachfolgenden weiteren Kraftfahrzeug unter
einer festgelegten Grenze liegt.
8. Verfahren (200) gemäß einem der vorhergehenden Ansprüche,
wobei eine Mehrzahl von Kraftfahrzeugen (100) verknüpfte Informationen (400) an den
Server (160) sendet.
9. Verfahren (200) gemäß einem der vorhergehenden Ansprüche,
wobei der Sensor (120) ein Radarsensor ist.