[0001] Die Erfindung betrifft einen Auslösemechanismus für ein Schutzschaltgerät, welches
einen mittels einer Schaltmechanik arretierbaren Bewegkontakt, einen Stößel sowie
einen Auslösehebel aufweist. Ferner betrifft die Erfindung ein elektromechanisches
Schutzschaltgerät mit einem derartigen Auslösemechanismus.
[0002] Schutzschaltgeräte, beispielsweise Leistungsschalter oder Leitungsschutzschalter,
werden insbesondere als Schalt- und Sicherheitselemente in elektrischen Energieversorgungsnetzen
eingesetzt. Leistungsschalter sind speziell für hohe Ströme ausgelegt. Ein Leitungsschutzschalter
ist eine Überstromschutzeinrichtung in der Elektroinstallation und wird insbesondere
im Bereich von Niederspannungsnetzen eingesetzt. Leistungsschalter und Leitungsschutzschalter
garantieren ein sicheres Abschalten bei Kurzschluss und schützen die abgesicherten
Verbraucher und Anlagen vor Überlast. Sie schützen beispielsweise Leitungen vor Beschädigung
durch zu starke Erwärmung in Folge eines zu hohen elektrischen Stromes und sind dazu
ausgebildet, den zu überwachenden Stromkreis im Falle eines Kurzschlusses oder bei
Auftreten einer Überlast selbsttätig abzuschalten und damit vom Leitungsnetz zu trennen.
[0003] Derartige Schutzschaltgeräte weisen in der Regel einen Schaltkontakt mit einem feststehenden
Kontaktelement - dem sogenannten Festkontakt - sowie einem relativ dazu bewegbaren
Kontaktelement - dem sogenannten Bewegkontakt - auf. Zur Durchleitung eines elektrischen
Stromes kontaktiert der Bewegkontakt den Festkontakt. Zur Trennung des Stromflusses
wird der Bewegkontakt von dem Festkontakt wegbewegt. Das Unterbrechen des Stromflusses
führt bei jedem Schutzschaltgerät zumindest kurzzeitig zu einem Spannungsüberschlag
zwischen dem feststehenden und dem beweglichen Kontaktelement, da der Abstand während
des Trennvorganges der Kontaktelemente zur Isolation noch nicht ausreicht. Befindet
sich ein Gas zwischen den beiden Schaltkontakten, so wird dieses bei entsprechend
hoher Spannungsdifferenz zwischen den Kontaktelementen durch den Überschlag ionisiert,
wobei sich aufgrund der Gasentladung ein Lichtbogen ausbildet.
[0004] Aus der Patentschrift
DE 10 2004 040 288 B4 ist ein Schutzschalter bekannt, welcher eine erste Auslöseeinrichtung zur Erfassung
und Abschaltung eines Kurzschlusses sowie eine zweite Auslöseeinrichtung zur Erfassung
und Abschaltung eines Überlastzustandes aufweist. Weiterhin weist der Schutzschalter
einen Schaltkontakt mit einem Festkontakt und einem relativ dazu beweglichen Bewegkontakt
sowie einen Auslösehebel auf, der mit der ersten Auslöseeinrichtung sowie mit der
zweiten Auslöseeinrichtung derart gekoppelt ist, dass bei Auslösen der ersten Auslöseeinrichtung
und/oder der zweiten Auslöseeinrichtung der Auslösehebel betätigt und der Schaltkontakt
geöffnet wird.
[0005] Leistungsschalter beziehungsweise Leitungsschutzschalter sind daher so konstruiert,
dass der beim Öffnen der Schaltkontakte entstehende Lichtbogen gelöscht und damit
der Stromfluss unterbrochen wird. Hierzu weisen diese Schutzschaltgeräte ein magnetisches
Auslösesystem mit einer Spule und einer relativ dazu beweglichen Anker-Stößel-Einheit
auf, über die der Strom, oder auch nur ein Teil des Stroms, der zu den Schaltkontakten
fließt, geleitet wird. Bei einem schnellen Anstieg des Stroms, beispielsweise im Falle
eines Kurzschlusses, zieht die Spule den Anker an, wodurch der Stößel auf einen Auslösehebel
trifft, wodurch eine Schaltmechanik des Schutzschaltgerätes freigegeben wird. Infolgedessen
wird das Schutzschaltgerät ausgelöst und der Stromfluss über das Schaltkontaktpaar
unterbrochen. Magnetische Auslöser bzw. magnetische Auslösesysteme werden in Schutzschaltgeräten
eingesetzt, um beispielsweise bei höheren Stromstärken das Verschmelzen stromführender
Kontaktflächen zu verhindern oder ein sicheres Abschalten zu gewährleisten, wenn ein
entstandener Lichtbogen das Schaltgerät beschädigen könnte. Hierfür sind kurze Auslösezeiten
vorteilhaft - insbesondere deshalb, da der Einsatzbereich des Schutzschaltgerätes
durch eine zu lange Auslösezeit eingeschränkt werden kann.
[0006] Um bei Auftreten eines Kurzschlusses eine schnelle Kontaktöffnung zu erreichen, werden
zum einen die dynamischen Kräfte des Kurzschlussstromes genutzt. Durch eine geeignete,
im Wesentlichen parallele Stromführung im Bereich des Schaltkontaktes wird aufgrund
der parallel geführten, in einander gesetzter Richtung vom Kurzschlussstrom durchflossenen
Leiter eine Lorenzkraft erzeugt, welche derart gerichtet ist, dass die parallel nebeneinander
liegenden Leiter auseinander gedrückt werden. In einem Schutzschaltgerät bewirkt diese
Lorenzkraft, dass ab einer gewissen Kurzschlussstromgrenze der Bewegkontakt vom Festkontakt
wegbewegt wird. Dieser Effekt wird als dynamische Kontaktöffnung bezeichnet und trägt
zu einer Verkürzung des Ansprechverhaltens des Schutzschaltgerätes im Falle eines
Kurzschlusses bei.
[0007] Weiterhin wird im Falle eines Kurzschlusses auch mithilfe des magnetischen Auslösesystems
ein Öffnen des Schaltkontakts bewirkt. Dabei wird die Spule des magnetischen Auslösesystems
mit dem Kurzschlussstrom bestromt, wodurch der Anker in die Spule gezogen wird. Der
mit dem Anker verbundene Stößel wird dabei von einer Ruheposition in eine Ausgelöstposition
bewegt. Zum Öffnen des Schaltkontaktes trifft der Stößel dabei auf den Auslösehebel,
welcher dadurch ebenfalls bewegt wird. Durch die Bewegung des Auslösehebels wird die
Schaltmechanik des Schutzschaltgerätes freigegeben, wodurch der mit der Schaltmechanik
gekoppelte Bewegkontakt von dem Festkontakt wegbewegt wird. Dies bedeutet, dass im
Falle eines Kurzschlusses die Bewegung des Stößels zunächst auf den Auslösehebel übertragen
wird, welcher infolgedessen die Schaltmechanik auslöst, wodurch der Bewegkontakt vom
Festkontakt wegbewegt wird. Auf diese Weise ist somit eine Auslösekette, bestehend
aus Stößel, Auslösehebel und Bewegkontakt realisiert. Ein Auslösemechanismus mit einer
derartigen Auslösekette ist beispielsweise aus der
DE 10 2004 040288 B4 bekannt.
[0008] Es ist Aufgabe der Erfindung einen Auslösemechanismus sowie ein Schutzschaltgerät
bereitzustellen, welche sich durch eine kurze Auslösezeit auszeichnen und eine optimale
Krafteinleitung sicherstellen.
[0009] Diese Aufgabe wird durch den Auslösemechanismus sowie das Schutzschaltgerät gemäß
den unabhängigen Ansprüchen gelöst. Vorteilhafte Ausgestaltungen sind Gegenstand der
abhängigen Ansprüche.
[0010] Der erfindungsgemäße Auslösemechanismus für ein Schutzschaltgerät weist einen mittels
einer Schaltmechanik arretierbaren Bewegkontakt, einen Stößel sowie einen Auslösehebel
auf. Der Stößel ist dabei sowohl zur Betätigung des zur Entriegelung des Bewegkontaktes
vorgesehenen Auslösehebels als auch zur Betätigung des Bewegkontaktes selbst vorgesehen.
Hierzu weist der Stößel eine erste Wirkfläche auf, welche in einer ersten Phase seiner
Betätigungsbewegung zum Einwirken auf eine Ansteuerungskontur des Auslösehebels ausgebildet
ist, um ein Entklinken der Schaltmechanik zu bewirken. Weiterhin weist der Stößel
eine zweite Wirkfläche auf, welche in einer zweiten Phase seiner Betätigungsbewegung
zum direkten Einwirken auf den Bewegkontakt ausgebildet ist. Dabei ist der Bewegkontakt
zwischen dem Stößel und der Ansteuerungskontur des Auslösehebels angeordnet.
[0011] Stößel und Auslösehebel sind Bestandteile eines magnetischen Auslösesystems, welches
im Falle eines Kurzschlusses einen Schaltkontakt des Schutzschaltgerätes, welcher
durch den Festkontakt und den Bewegkontakt gebildet ist, öffnet, indem der Bewegkontakt
vom Festkontakt wegbewegt wird. Durch die mechanische Anordnung des Bewegkontaktes
zwischen dem Stößel und der Ansteuerungskontur des Auslösehebels ist es möglich, Bewegkontakt
und Festkontakt enger aneinander zu führen, wodurch eine höhere Lorentzkraft zwischen
den beiden, im Wesentlichen parallel geführten Abschnitten des Bewegkontaktes sowie
des Festkontaktes erreicht wird. Auf diese Weise wird Wirkung der dynamischen Kontaktöffnung
deutlich verbessert. Da ferner die dynamische Kontaktöffnung zeitlich vor dem relativ
trägen magnetischen Auslösesystem erfolgt, ist eine deutliche Verkürzung der Verweilzeit
des beim Öffnen des Schaltkontakts auftretenden Lichtbogens an den Kontaktstellen
realisierbar. Auf diese Weise wird der Kontaktabbrand an Festkontakt und Bewegkontakt
reduziert, wodurch die Schaltleistung, vor allem aber die Standzeit des Schutzschaltgerätes
deutlich verbessert werden.
[0012] Weiterhin weist der erfindungsgemäße Auslösemechanismus keine Wirkkette Stößel-Auslösehebel-Bewegkontakt
im herkömmlichen Sinn auf. Vielmehr ist der Stößel dazu vorgesehen, einerseits über
seine erste Wirkfläche direkt auf den Auslösehebel einzuwirken. Andererseits wirkt
der Stößel über seine zweite Wirkfläche aber auch direkt auf den Bewegkontakt selbst
ein. Hierbei ist sicherzustellen, dass der Stößel zunächst auf den Auslösehebel trifft,
um ein Entklinken der Schaltmechanik und damit ein Lösen der Arretierung des Bewegkontakts
zu bewirken, bevor der Stößel auf den Bewegkontakt selbst einwirkt, um ein direktes
Öffnen des Schaltkontaktes zu bewirken.
[0013] In einer vorteilhaften Weiterbildung des Auslösemechanismus weist der Bewegkontakt
eine Öffnung auf, durch die der Stößel zum Einwirken auf die Ansteuerungskontur des
Auslösehebels teilweise hindurch greift. Durch die im Bewegkontakt ausgebildete Öffnung
kann der Stößel durch den Bewegkontakt hindurch greifen, um mit der ersten Wirkfläche
auf die hinter der Öffnung angeordnete Ansteuerungskontur des Auslösehebels einzuwirken.
Auf diese Weise ist eine äußerst kompakte Bauweise des Auslösemechanismus realisierbar,
was insbesondere bei Kleingeräten, beispielsweise bei Niederspannungs-Reiheneinbaugeräten
von Vorteil ist.
[0014] In einer weiteren vorteilhaften Weiterbildung des Auslösemechanismus sind die erste
Wirkfläche und die zweite Wirkfläche des Stößels in Richtung seiner Betätigungsbewegung
an verschiedenen, zueinander versetzten Stellen des Stößels ausgebildet. Durch die
versetzte Anordnung der beiden Wirkflächen wird mit einfachen Mitteln ein zeitversetztes
Einwirken des Stößels auf den Auslösehebel bzw. den Bewegkontakt realisiert.
[0015] In einer weiteren vorteilhaften Weiterbildung des Auslösemechanismus ist der Stößel
mit Hilfe einer Spule elektromagnetisch bewegbar. Mit Hilfe der Spule kann bei entsprechender
Auslegung eine optimale Betätigungskraft für beide Wirkvorgänge - auf den Auslösehebel
einerseits sowie den Bewegkontakt andererseits - bereitgestellt werden.
[0016] In einer weiteren vorteilhaften Weiterbildung des Auslösemechanismus ist der Auslösehebel
zur Freigabe einer mit dem Bewegkontakt mechanisch gekoppelten Klinke verbunden. Die
Verwendung einer Klinke, welche sich beim Schließen des Schaltkontakts auf dem Auslösehebel
abstützt, ermöglicht über die mechanische Kopplung mit dem Bewegkontakt die Realisierung
einer ausreichend hohen Kontaktkraft zwischen Bewegkontakt und Festkontakt.
[0017] In einer weiteren vorteilhaften Weiterbildung des Auslösemechanismus bildet der Bewegkontakt
mit einem Festkontakt des Schutzschaltgerätes einen Schaltkontakt, wobei der Bewegkontakt
im Falle einer dynamischen Kontaktöffnung des Schaltkontaktes derart auf den Auslösehebel
einwirkt, dass dadurch ein Entklinken der Schaltmechanik bewirkt wird. Auf diese Weise
wird auch bei der dynamischen Kontaktöffnung durch die Bewegung des Bewegkontakts
aufgrund der durch den Kurzschlussstrom verursachten Lorentzkraft ein direktes Entklinken
der Schaltmechanik bewirkt, d.h. es muss nicht erst die Bewegung des trägen Stößels
des magnetischen Auslösesystems zur Entklinkung der Schaltmechanik abgewartet werden.
Die Schaltleistung des Schutzschaltgerätes wird dadurch weiter verbessert.
[0018] Das erfindungsgemäße Schutzschaltgerät weist einen erfindungsgemäßen Auslösemechanismus
der eingangs beschriebenen Art auf. Hinsichtlich der Vorteile des erfindungsgemäßen
Schutzschaltgerätes wird auf die Vorteile des erfindungsgemäßen Auslösemechanismus
verwiesen.
[0019] Weitere vorteilhafte Ausführungen und bevorzugte Weiterbindungen der Erfindung sind
in der Figurenbeschreibung sowie in den Unteransprüchen angegeben.
[0020] Im Folgenden werden Ausführungsbeispiele des Auslösemechanismus sowie des Schutzschaltgerätes
unter Bezug auf die beigefügten Figuren näher erläutert. In den Figuren sind:
- Figuren 1A und 1B
- schematische Darstellungen eines Auslösemechanismus sowie eines Schutzschaltgerätes
nach dem Stand der Technik;
- Figuren 2A und 2B
- schematische Darstellungen des erfindungsgemäßen Auslösemechanismus sowie des erfindungsgemäßen
Schutzschaltgerätes.
[0021] In den verschiedenen Figuren der Zeichnung sind gleiche Teile stets mit dem gleichen
Bezugszeichen versehen. Die Beschreibung gilt für alle Zeichnungsfiguren, in denen
das entsprechende Teil ebenfalls zu erkennen ist.
[0022] In den Figuren 1A und 1B sind ein nach dem Stand der Technik bekannter Auslösemechanismus
(Fig.1B) sowie ein entsprechendes Schutzschaltgerät 1 (Fig.1A) schematisch dargestellt.
Das Schutzschaltgerät 1 weist einen elektrischen Schaltkontakt, bestehend aus einem
Festkontakt 4 sowie einem relativ dazu beweglichen Bewegkontakt 5, auf. Durch eine
Drehbewegung des drehbar gelagerten Bewegkontaktes 5 wird dieser im Gegenuhrzeigersinn
vom Festkontakt 4 wegbewegt, so dass der Schaltkontakt geöffnet wird. Das Schutzschaltgerät
1 weist ein Betätigungselement 3 auf, welches über einen Bügel 21 mit einer Schaltmechanik
des Schutzschaltgerätes 1 mechanisch gekoppelt ist. In der Darstellung der Figur 1A
ist das Betätigungselement 3 in seiner EIN-Stellung gezeigt - der Schaltkontakt ist
dabei geschlossen. Auch der Bewegkontakt 5 ist mit der Schaltmechanik mechanisch gekoppelt,
so dass mit Hilfe des Betätigungselementes 3 ein manuell initiierbares Öffnen und
Schließen des Schaltkontaktes durch eine entsprechende Bewegung des Bewegkontaktes
5 realisierbar ist. Über zwei Anschlussklemmen 2 ist das Schutzschaltgerät 1 mit einer
zu überwachenden elektrischen Leitung (nicht dargestellt) elektrisch kontaktierbar.
[0023] Zur Erfassung und Abschaltung eines Kurzschlussstromes weist das Schutzschaltgerät
1 einen magnetischen Auslösemechanismus 10 auf, welcher seinerseits eine Spule 11
sowie einen relativ dazu beweglichen Stößel 12 aufweist. Der Festkontakt 4 ist dabei
über ein Magnetjoch 16 mit der Spule 11 elektrisch leitend verbunden. Der Stößel 12
bildet mit einem Anker 13 eine so genannte Anker-Stößel-Baugruppe, welche innerhalb
des Spulenkörpers 11 beweglich gelagert ist und bei einer Bestromung der Spule 11
aufgrund der auf den Anker 13 wirkenden elektromagnetischen Kräfte in einer Längserstreckungsrichtung
L der Spule 11 bewegbar ist. Im Falle eines Kurzschlusses wird der Anker 13 in Längserstreckungsrichtung
L in den Spulenkörper 11 gezogen. Dabei trifft der mit dem Anker 13 verbundene Stößel
12 auf den drehbeweglich gelagerten Auslösehebel 6, welcher dadurch um seine Drehachse
D im Gegenuhrzeigersinn gedreht wird. Dadurch wird zum einen eine mittels einer Klinke
realisierte Verklinkung der Schaltmechanik, über die der Bewegkontakt 5 arretiert
war, gelöst. Aufgrund der Bewegung des Auslösehebels 6 kann sich die Klinke nicht
mehr abstützen, die Schaltmechanik fällt, durch Federn angetrieben, in sich zusammen.
Durch eine mechanische Kopplung dieser Bewegung auf den Bewegkontakt 5 wird der Schaltkontakt
aufgerissen. Ferner wird das Betätigungselement 2 über den Bügel 21 in seine AUS-Stellung
bewegt. Ferner trifft der Auslösehebel 6, durch den Stößel 12 angestoßen, auch direkt
auf den Bewegkontakt 5, so dass dieser vom Festkontakt 4 wegbewegt wird. Da die Betätigung
des Bewegkontaktes 5 über das magnetische Auslösesystem und die Schaltmechanik, d.h.
über die Wirkkette Stößel-Auslösehebel-Schaltmechanik, vergleichsweise träge reagiert,
erfolgt die direkte Einwirkung des Stößels 12 auf den Bewegkontakt 5 zeitlich vor
der Einwirkung über die Schaltmechanik.
[0024] Figur 1B zeigt einen detaillierten Schnitt (D-D in Fig.1A) des magnetischen Auslösemechanismus
10. In dem zylindrischen Spulenkörper 11 ist der Stößel 12, der zusammen mit dem Anker
13 eine Anker-Stößel-Baugruppe bildet, in der Längserstreckungsrichtung L verschiebbar
angeordnet. Zur Verstärkung der magnetischen Wirkung der Spule ist in dem Spulenkörper
11 ein magnetischer Kern 15 ortsfest angeordnet. Wird die Spule 11 bestromt, so wird
die Anker-Stößel-Baugruppe linear in der Längserstreckungsrichtung L bewegt. Dabei
trifft der Stößel 12 auf eine Ansteuerungskontur 7 des Auslösehebels 6. Diese wird
dadurch ebenfalls in der Längserstreckungsrichtung L bewegt und trifft dabei auf den
Bewegkontakt 5, welcher dadurch ebenfalls in der Längserstreckungsrichtung L - und
damit vom Festkontakt 4 weg - bewegt wird. Zum Zurückstellen der Anker-Stößel-Baugruppe
in ihre Ausgangsposition d.h. entgegen der Längserstreckungsrichtung L, ist eine Ankerfeder
14 vorgesehen, welche ortsfest abgestützt ist und den Anker 13 und damit die Anker-Stößel-Baugruppe
zurück in die Ausgangsposition drängt. Anhand der Darstellung der Figur 1B wird deutlich,
dass der Stößel 12 zunächst auf den Auslösehebel 6 trifft, der dann wiederum den Bewegkontakt
5 betätigt. Hieraus resultiert eine Toleranzkette, welche unter anderem für die träge
Reaktion dieser Wirkkette verantwortlich ist. Ein dynamisches Entklinken ist bei dieser
Anordnung nicht realisierbar, da der Auslösehebel 6 nicht von dem Bewegkontakt 5 ansteuerbar
ist.
[0025] Die Figuren 2A und 2B zeigen schematisch den erfindungsgemäßen Auslösemechanismus
(Fig.2B) sowie das erfindungsgemäße Schutzschaltgerät 1 (Fig.2A). Das Schutzschaltgerät
1 weist wiederum zwei Anschlussklemmen 2 auf, welche über die es mit einer zu überwachenden
elektrischen Leitung (nicht dargestellt) elektrisch kontaktiert werden kann. Dabei
wird der Strom von der links dargestellten Anschlussklemme 2 über die Spule 11 des
magnetischen Auslösemechanismus 10 sowie das Magnetjoch 16 zum Festkontakt 4 geführt.
Bei geschlossenem Schaltkontakt fließt der Strom weiter über den Bewegkontakt 5 sowie
ein Bimetallelement 22, welches Teil einer Überlastauslösung ist, zur rechts dargestellten
Anschlussklemme 2.
[0026] Figur 2B stellt einen detaillierten Schnitt (C-C in Fig.2A) des erfindungsgemäßen
magnetischen Auslösemechanismus 10 dar. Dabei wird deutlich, dass die Ansteuerungskontur
7 des Auslösehebels 6 nicht mehr wie im Stand der Technik zwischen Festkontakt 4 und
Bewegkontakt 5, sondern in Längserstreckungsrichtung L hinter dem Bewegkontakt 5 angeordnet
ist. Diese Anordnung ermöglicht eine räumlich engere Anordnung von Festkontakt 4 und
Bewegkontakt 5, so dass im stromdurchlfossenen Zustand eine höhere Lorentzkraft zwischen
den beiden, im Wesentlichen parallel geführten Abschnitten des Bewegkontaktes sowie
des Festkontaktes erreicht wird. Durch die im Wesentlichen parallele Stromführung
im Bereich des Schaltkontaktes wird aufgrund der parallel geführten, in einander gesetzter
Richtung vom Kurzschlussstrom durchflossenen Leiter eine Lorenzkraft erzeugt, welche
derart gerichtet ist, dass die parallel nebeneinander liegenden Leiter auseinander
gedrückt werden. Im Falle eines Kurzschlusses, d.h. ab einer vordefinierten Kurzschlussstromgrenze,
wird aufgrund der zwischen den Leitungsabschnitten wirkenden Lorentzkraft der Bewegkontakt
5 vom Festkontakt 4 weggedrückt. Dieser als dynamische Kontaktöffnung bezeichnete
Effekt wird durch die enge Stromführung im Bereich des Schaltkontakts, d.h. durch
die erfindungsgemäße, direkt benachbarte Anordnung von Festkontakt 4 und Bewegkontakt
5 - ohne den dazwischen angeordneten Auslösehebel 6 - deutlich verbessert. Auf diese
Weise ist ein verbessertes Ansprechverhalten des Schutzschaltgerätes 1 realisierbar.
[0027] Zur technischen Realisierung dieser Anordnung weist der Bewegkontakt 5 eine Öffnung
8 auf, durch die der Stößel 12 mit seinem dem Anker 13 abgewandten Ende im Falle einer
Kurzschlussauslösung hindurchgeführt ist. An einer Stirnseite dieses dem Anker 13
abgewandten Endes des Stößels 12 ist eine erste Wirkfläche 17 ausgebildet, welche
im Falle der Kurzschlussauslösung mit der Ansteuerkontur 7 des Auslösehebels 6 zusammenwirkt,
um durch ein Betätigen des Auslösehebels 6 ein Entklinken der Schaltmechanik des Schutzschaltgerätes
1 zu bewirken. Etwas versetzt zur ersten Wirkfläche 17 weist der Stößel eine zweite
Wirkfläche 18 in Form eines Absatzes auf. Über diese zweite Wirkfläche 18 wirkt der
Stößel 12 im Falle der Kurzschlussauslösung direkt auf den Bewegkontakt 5 ein. Dabei
schlägt der Absatz 18 direkt auf den Bewegkontakt 5 auf, um im Kurzschlussfall ein
Verschweißen von Festkontakt 4 und Bewegkontakt 5 zu verhindern. Sowohl aufgrund dieses
durch den Stößel 12 des magnetischen Auslösemechanismus 10 auf den Bewegkontakt 5
übertragenen Impulses, als auch durch die aufgrund der dynamische Kontaktöffnung wirkende
Lorentzkraft wird der Bewegkontakt 5 in der Längserstreckungsrichtung L in Bewegung
versetzt. Dabei trifft er auf den dahinter angeordneten Auslösehebel 6, wodurch ebenfalls
ein Entklinken der Schaltmechanik des Schutzschaltgerätes initiiert wird. D.h. im
Falle der dynamischen Kontaktöffnung wird bereits durch das dynamische Abheben des
Bewegkontakts 5 vom Festkontakt 4 ein Entklinken der Schaltmechanik eingeleitet, ohne
dass hierzu eine entsprechende Bewegung des trägen Stößels 12 des magnetischen Auslösemechanismus
10 erforderlich ist. Die Schaltleistung wird dadurch deutlich verbessert.
Bezugszeichenliste
[0028]
| 1 |
Schutzschaltgerät |
| 2 |
Anschlussklemme |
| 3 |
Betätigungselement |
| 4 |
Festkontakt |
| 5 |
Bewegkontakt |
| 6 |
Auslösehebel |
| 7 |
Ansteuerungskontur |
| 8 |
Öffnung |
| 9 |
Klinke |
| 10 |
Auslösemechanismus |
| 11 |
Spule |
| 12 |
Stößel |
| 13 |
Anker |
| 14 |
Ankerfeder |
| 15 |
Kern |
| 16 |
Magnetjoch |
| 17 |
erste Wirkfläche |
| 18 |
zweite Wirkfläche |
| 21 |
Bügel |
| 22 |
Bimetallelement |
| |
|
| D |
Drehachse |
| L |
Längserstreckungsrichtung |
1. Auslösemechanismus (10) für ein Schutzschaltgerät (1),
- mit einem mittels einer Schaltmechanik arretierbaren Bewegkontakt (5), einem Stößel
(12) und einem Auslösehebel (6),
- bei dem der Stößel (12) sowohl zur Betätigung des zur Entriegelung des Bewegkontaktes
(5) vorgesehenen Auslösehebels (6) als auch zur Betätigung des Bewegkontaktes (5)
selbst vorgesehen ist,
- bei dem der Stößel (12) eine erste Wirkfläche (17) aufweist, welche in einer ersten
Phase seiner Betätigungsbewegung zum Einwirken auf eine Ansteuerungskontur (7) des
Auslösehebels (6) ausgebildet ist, um ein Entklinken der Schaltmechanik zu bewirken,
- bei dem der Stößel (12) eine zweite Wirkfläche (18) aufweist, welche in einer zweiten
Phase seiner Betätigungsbewegung zum direkten Einwirken auf den Bewegkontakt (5) ausgebildet
ist, und
- bei dem der Bewegkontakt (6) zwischen dem Stößel (12) und der Ansteuerungskontur
(7) des Auslösehebels (6) angeordnet ist.
2. Auslösemechanismus (10) nach Anspruch 1, bei dem der Bewegkontakt (5) eine Öffnung
(8) aufweist, durch die der Stößel (12) zum Einwirken auf die Ansteuerungskontur (7)
des Auslösehebels (6) teilweise hindurch greift.
3. Auslösemechanismus (10) nach einem der vorherigen Ansprüche, bei dem die erste Wirkfläche
(17) und die zweite Wirkfläche (18) des Stößels (12) in Richtung seiner Betätigungsbewegung
an verschiedenen, zueinander versetzten Stellen des Stößels (12) ausgebildet sind.
4. Auslösemechanismus (10) nach einem der vorherigen Ansprüche, bei dem der Stößel (12)
mit Hilfe einer Spule (11) elektromagnetisch bewegbar ist.
5. Auslösemechanismus (10) nach einem der vorherigen Ansprüche, bei dem der Auslösehebel
(6) zur Freigabe einer mit dem Bewegkontakt (5) mechanisch gekoppelten Klinke (9)
verbunden ist.
6. Auslösemechanismus (10) nach einem der vorherigen Ansprüche, bei dem der Bewegkontakt
(5) mit einem Festkontakt (4) des Schutzschaltgerätes (1) einen Schaltkontakt bildet,
wobei der Bewegkontakt (5) im Falle einer dynamischen Kontaktöffnung des Schaltkontaktes
derart auf den Auslösehebel (6) einwirkt, dass dadurch ein Entklinken der Schaltmechanik
bewirkt wird.
7. Elektromechanisches Schutzschaltgerät (1), welches einen Auslösemechanismus (10) nach
einem der Ansprüche 1 bis 6 aufweist.