[0001] Die Erfindung betrifft ein kaltgewalztes Stahlflachprodukt und ein Verfahren zu dessen
Herstellung.
[0002] Wenn hier von "Stahlflachprodukten" die Rede ist, sind damit Stahlbänder und -bleche
oder daraus gewonnene Zuschnitte gemeint.
[0003] Die Entwicklung gewichtsreduzierter Fahrzeuge, die die modernen Anforderungen an
einen minimierten Kraftstoffverbrauch bei gleichzeitig optimaler Fahrgastsicherheit,
hohem Komfort und Belastbarkeit erfüllen, ist in den letzten Jahren von der Automobilindustrie
vorangetrieben worden.
[0004] Aufgrund ihrer mechanischen Eigenschaften, insbesondere ihrer hohen Festigkeit und
guten Verformbarkeit, sowie ihrer beherrschten Herstellung und Verarbeitung eignen
sich insbesondere Stahlflachprodukte grundsätzlich für den Automobil-Karosseriebau
optimal. Jedoch müssen für die gewünschte Gewichtseinsparung die Blechdicken der im
Automobil eingesetzten Stahlflachprodukte reduziert werden. Zu diesem Zweck sind Stähle
mit höheren Festigkeiten entwickelt worden, die gleichzeitig eine gute Umformbarkeit
besitzen und somit für eine Leichtbauweise im Automobilbau besonders geeignet sind.
Hierzu zählen moderne Mehrphasenstähle, wie Komplexphasen-Stähle, Dualphasenstähle
und TRIP-Stähle.
[0005] Aus der
EP 2 028 282 A1 ist ein Dualphasenstahl bekannt, der neben einer Festigkeit von mindestens 950 MPa
und einer guten Verformbarkeit auch eine Oberflächenbeschaffenheit aufweist, die es
unter Anwendung eines einfachen Herstellverfahrens erlaubt, das aus diesem Stahl erzeugte
Flachprodukt im unbeschichteten oder mit einem vor Korrosion schützenden Überzug versehenen
Zustand zu einem komplex geformten Bauteil, wie einem Teil einer Automobilkarosserie,
zu verformen. Dies wird gemäß diesem Stand der Technik dadurch erreicht, dass der
bekannte Dualphasenstahl zu 20 - 70 % aus Martensit, bis zu 8 % aus Restaustenit und
als Rest aus Ferrit und / oder Bainit besteht. Dabei weist der bekannte Stahl (in
Gew.-%): C : 0,10 - 0,20 %, Si: 0,10 - 0,60 %, Mn: 1,50 - 2,50 %, Cr: 0,20 - 0,80
%, Ti: 0,02 - 0,08 %, B: < 0,0020 %, Mo: < 0,25 %, Al: < 0,10%, P: < 0,2 %, S: < 0,01
%, N: < 0,012 % und als Rest Eisen und unvermeidbare Verunreinigungen auf. Ein aus
einem solchen Stahl erzeugtes Stahlflachprodukt ist als Warmband oder Kaltband verwendbar.
Si dient bei dem bekannten Stahl zur Steigerung der Festigkeit durch Härtung des Ferrits
bzw. Bainits. Um diesen Effekt nutzen zu können, ist ein Mindestgehalt an Si von 0,10
Gew.-% vorgesehen. Gleichzeitig ist der Si-Gehalt jedoch auf 0,6 Gew.-% beschränkt,
wobei niedrigere Obergrenzen für den Si-Gehalt als besonders bevorzugt herausgestellt
werden, um die Gefahr von Korngrenzoxidation zu minimieren.
[0006] Neben der Eignung zur großvolumigen bzw. großflächigen Verformung zu einem Bauteil
spielt insbesondere bei Stahlflachprodukten, die für den Karosseriebau verwendet werden
sollen, auch das Verhalten bei lokal eng begrenzter Verformung eine wichtige Rolle.
Solche Verformungen treten auf, wenn in ein Stahlflachprodukt bzw. eine daraus gebildete
Platine oder ein aus einer solchen Platine geformtes Bauteil Öffnungen, Flansche,
Durchstellungen, Ausstülpungen oder desgleichen eingeformt werden.
[0007] Als Maß für das Verhalten eines Flachmaterials bei einer solchen Verformung ist in
Woestmann, S., Köhler, T., Schott, M., "Forming High-Strength Steels," SAE Technical
Paper 2009-01-0802, 2009, doi:10.4271/2009-01-0802 das nach Marciniak so genannte Lochaufweitungsverhältnis λ
M vorgeschlagen worden, mittels dessen sich die Kantenrissempfindlichkeit eines Werkstoffs
bei Verformungen der voranstehend erwähnten Art bewerten lässt. Die Untersuchung nach
Marciniak sieht dabei vor, dass in eine rechteckige Platine, die in quer zur Walzrichtung
220 mm und in Walzrichtung 200 mm lang ist, mittig mit einem Stempel eine Lochung
mit einem Durchmesser von 20 mm (d
0) eingebracht. Der Schneidspalt beträgt dabei 8 % bis 14 % der Blechdicke. Für die
Prüfung wird die Platine derart in das Prüfwerkzeug eingespannt, dass der Schneidgrad
des Loches sich auf der Unterseite befindet. Die Niederhaltekraft beträgt maximal
400 kN. Unterhalb des Werkzeugs wird dann ein runder Stempel mit einem Durchmesser
von 100 mm gegen die Probe verfahren und die Platine bis zum Versagen der Lochkante
aufgewölbt. Der beim Auftreten eines ersten Risses der Lochkante erreichte maximale
Lochdurchmesser d
M wird erfasst und das Lochaufweitungsverhältnis λ
M als Verhältnis d
0/d
M, angegeben in "%", bestimmt.
[0008] Vor dem Hintergrund des voranstehend erläuterten Standes der Technik bestand die
Aufgabe der Erfindung darin, ein mit einfachen Mitteln herstellbares Stahlflachprodukt
anzugeben, das trotz hoher Festigkeitswerte eine optimale Verformbarkeit besitzt,
die durch eine hohe Bruchdehnung und ein gutes Lochaufweitungsverhältnis λ
M gekennzeichnet ist. Darüber hinaus sollte ein Verfahren angegeben werden, das auf
einfache Weise die Herstellung eines solchen Stahlflachprodukts ermöglicht.
[0009] In Bezug auf das Stahlflachprodukt ist diese Aufgabe erfindungsgemäß dadurch gelöst
worden, dass ein solches Stahlflachprodukt die in Anspruch 1 angegebenen Merkmale
aufweist.
[0010] In Bezug auf das Verfahren besteht die erfindungsgemäße Lösung der oben genannten
Aufgabe darin, dass bei der Herstellung eines erfindungsgemäßen kaltgewalzten Stahlflachprodukts
die in Anspruch 4 angegebenen Arbeitsschritte durchlaufen werden.
[0011] Ein erfindungsgemäßes Stahlflachprodukt wird demnach aus einem Stahl erzeugt, der
aus (in Gew.-%)
C: 0,12 - 0,19 %,
Mn: 1,5 - 2,5 %,
Si: >0, 60 - 1,0 %,
Al : ≤ 0,1 %,
Cr: 0,2 - 0,6 %,
Ti: 0,05 - 0,15 %,
und als Rest aus Eisen sowie herstellungsbedingt unvermeidbaren Verunreinigungen besteht.
Dabei zählen zu den betreffenden unvermeidbaren Verunreinigungen (in Gew.-%) bis zu
0,1 % Mo, bis zu 0,03 % Nb, bis zu 0,03 % V, bis zu 0,0008 % B, bis zu 0,01 % S, bis
zu 0,1 % P, bis zu 0,01 % N.
[0012] Gleichzeitig weist ein erfindungsgemäßes Stahlflachprodukt im kaltgewalzten Zustand
- ein perlit- und bainitfreies Gefüge mit 4 - 20 Vol.-%, insbesondere mindestens 6 Vol.-%
Martensit, 2 - 15 Vol.-% Restaustenit, Rest Ferrit,
- eine Bruchdehnung A80 von mindestens 15 %,
- eine Zugfestigkeit Rm von mindestens 880 MPa,
- eine Streckgrenze ReL von mindestens 550 MPa und
- ein Lochaufweitungsverhältnis λM von mehr als 6 %
auf.
[0013] Das Gefüge des erfindungsgemäßen Stahlflachprodukts zeichnet sich dadurch aus, dass
es 2 - 15 Vol.-%, insbesondere mindestens 5 Vol.-%, besser noch mehr als 8 Vol.-%
Restaustenit aufweist. Gleichzeitig ist das Gefüge eines erfindungsgemäßen Stahls
im technischen Sinne frei von Bainit und Perlit. D. h., im kaltgewalzten Zustand sind
im Gefüge eines erfindungsgemäßen Stahlflachprodukts allenfalls Spuren von Bainit
oder Perlit vorhanden, die keinen Einfluss auf die technischen Eigenschaften des erfindungsgemäßen
Stahlflachprodukts haben. Die Anwesenheit wirksamer Bainit- oder Perlit-Anteile im
Gefüge eines erfindungsgemäßen Stahlflachprodukts würde dessen Bruchdehnung und damit
einhergehend dessen Verformbarkeit, insbesondere die angestrebt guten Lochaufweitungseigenschaften,
verschlechtern. Durch die erfindungsgemäß vorgegebenen Gehalte an Restaustenit wird
jedoch die geforderte Bruchdehnung von mindestens 15 % erreicht, die ein erfindungsgemäßes
Stahlflachprodukt besitzt.
[0014] Gegenüber konventionellen modernen Mehrphasenstählen weist ein erfindungsgemäßes
kaltgewalztes Stahlflachprodukt deutliche Unterschiede auf. Komplexphasenstähle weisen
im Vergleich zum erfindungsgemäßen Stahlflachprodukt in der Regel ein höheres Streckgrenzenverhältnis
bei einer als Produkt von Zugfestigkeit Rm und Bruchdehnung A80 berechneten geringeren
"Güte" auf. Dies ist auf die verhältnismäßig hohe Streckgrenze und die dabei
geringere Dehnung der bekannten Stähle zurückzuführen
[0015] Das Verformungsverhalten des erfindungsgemäßen Stahlflachprodukts ähnelt dem eines
Dualphasen-Stahls. Ein großer Unterschied ist dabei jedoch in den Gefügen zu finden.
Während ein erfindungsgemäßes Stahlflachprodukt einen Restaustenitanteil von bis zu
15 % aufweist, haben Dualphasen-Stähle keinen oder nur sehr geringe Restaustenitgehalte.
[0016] TRIP-Stähle weisen im Gegensatz zum erfindungsgemäßen Stahlflachprodukt wesentlich
höhere Bruchdehnungen auf. Hieraus ergeben sich in der Regel Güten (Rm*A80) von 20000
MPa*% und mehr. Jedoch müssen TRIP-Stähle mit erhöhten Gehalten an Kohlenstoff, Silizium
und/oder Aluminium legiert sein, um zum einen durch eine hinreichende Stabilisierung
des Restaustenits den sogenannten TRIP-Effekt zu erzielen und zum anderen die entsprechende
Festigkeit zu erreichen. Ein solches Legierungskonzept führt jedoch zu einer Schweißeignung,
die deutlich schlechter ist als die eines erfindungsgemäßen Stahlflachprodukts, bei
dem durch eine insbesondere im Hinblick auf den Si-Gehalt optimierte Einstellung der
Gehalte an den Legierungselementen einerseits hohe Festigkeiten und andererseits eine
gute Schweißeignung erzielt werden.
[0017] Das nach Marciniak bestimmte Lochaufweitungsverhältnis λ
M beträgt bei einem erfindungsgemäßen Stahlflachprodukt mindestens 6 %, wobei regelmäßig
Lochaufweitungsverhältnisse λ
M von 7 % und mehr erreicht werden.
[0018] Ein erfindungsgemäßes Stahlflachprodukt besitzt bei einer Mindestzugfestigkeit Rm
von 880 MPa eine hohe Bruchdehnung von mindestens 15 % und damit einhergehend eine
Güte (Rm*A80), die regelmäßig mindestens 14000 MPa*% beträgt. Typischerweise liegen
die Zugfestigkeiten Rm erfindungsgemäßer Stahlflachprodukte im Bereich von 880 - 1150
MPa.
[0019] Die Streckgrenze eines erfindungsgemäßen Stahlflachprodukts beträgt mindestens 550
MPa, wobei regelmäßig Streckgrenzen von 580 MPa und mehr erreicht werden. Typischerweise
liegen die Streckgrenzen erfindungsgemäßer Stahlflachprodukte im Bereich von 580 -
720 MPa. Für ein erfindungsgemäßes Stahlflachprodukt beträgt das Streckgrenzenverhältnis
(ReL/Rm) demnach ebenso regelmäßig 0,55 - 0,75.
[0020] Die Bruchdehnung A80 eines erfindungsgemäßen Stahlflachprodukts beträgt mindestens
15 %, wobei regelmäßig Bruchdehnungen A80 von bis zu 25 % erreicht werden.
[0021] Aus der Dauerschwingfestigkeitsbestimmung nach DIN EN 50100 ergibt sich für erfindungsgemäße
Stahlflachprodukte ein k-Wert, der regelmäßig höher als 4 ist.
[0022] Kohlenstoff ist in einem erfindungsgemäßen Stahlflachprodukt in Gehalten von 0,12
- 0,19 Gew.-% vorhanden, um eine Festigkeitssteigerung durch interstitielle Mischkristallbildung
und Ausscheidungshärtung unter Bildung von Zementit (Fe
3C) zu bewirken. Der minimale Gehalt von 0,12 Gew.-% ist notwendig, um die erwünschte
Festigkeit zu erreichen. Der maximale Gehalt von 0,19 Gew.-% sollte nicht überschritten
werden, um den in der Praxis an die Schweißeignung von Stahlflachprodukten der erfindungsgemäßen
Art gestellten Anforderungen zu genügen.
[0023] Mangan ist in einem erfindungsgemäßen Stahlflachprodukt in Gehalten von 1,5 - 2,5
Gew.-% vorhanden. Durch die Zugabe von Mangan werden Streckgrenze und Zugfestigkeit
erhöht. So werden in einem erfindungsgemäßen Stahlflachprodukt durch die Anwesenheit
von mindestens 1,5 Gew.-% Mangan eine Zugfestigkeit Rm von mindestens 880 MPa und
eine Streckgrenze ReL von mindestens 550 MPa, insbesondere mindestens 580 MPa, ermöglicht.
Mehr als 2,5 Gew.-% Mn sollte in einem erfindungsgemäßen Stahl nicht vorhanden sein,
da bei höheren Mn-Gehalten die Gefahr der Entstehung von Manganseigerungen ansteigt,
die sich ungünstig auf das Werkstoffverhalten auswirken können.
[0024] Dem Gehalt an Silizium, das in einem erfindungsgemäßen Stahlflachprodukt in Gehalten
von >0,60 - 1,0 Gew.-% vorhanden ist, kommt eine besondere Bedeutung im Hinblick auf
die Ausbildung des Gefüges zu. Indem der Si-Gehalt mehr als 0,60 Gew.-% beträgt, wird
die Perlitbildung unterdrückt, was eine Anreicherung des Austenits mit Kohlenstoff
ermöglicht und damit einhergehend die Restaustenitstabilität erhöht. Der Restaustenit
wandelt bei der Umformung in Martensit um, wodurch eine zusätzliche Verfestigung erreicht
wird. Silizium bildet zudem mit Eisen Mischkristalle, durch die die Festigkeit im
Stahl gesteigert wird. Besonders sicher lassen sich die positiven Einflüsse der Anwesenheit
von Silizium in einem erfindungsgemäßen Stahlflachprodukt dann nutzen, wenn der Si-Gehalt
mindestens 0,65 Gew.-%, insbesondere mindestens 0,7 Gew.-%, beträgt. Um beim Warmwalzen
ungünstige Zunderausbildung zu vermeiden, ist gleichzeitig der Si-Gehalt auf höchstens
1,0 Gew.-% beschränkt, wobei eine solche Zunderbildung insbesondere dann begrenzt
wird, wenn der Si-Gehalt auf höchstens 0,95 Gew.-% begrenzt ist.
[0025] Der Stahl, aus dem das erfindungsgemäße Stahlflachprodukt besteht, ist aluminiumberuhigt.
Demzufolge enthalten erfindungsgemäße Stahlflachprodukte regelmäßig mehr als 0,01
Gew.-% und bis zu 0,1 Gew.-% Aluminium.
[0026] Chrom ist in einem erfindungsgemäßen Stahlflachprodukt in Gehalten von 0,2 - 0,6
Gew.-% vorhanden. Chrom wirkt im erfindungsgemäßen Stahlflachprodukt festigkeitssteigernd.
Hinzukommt, dass bei der im Zuge der Herstellung eines erfindungsgemäßen Stahlflachprodukts
erfolgenden Warmverarbeitung des Stahls durch die Anwesenheit von Cr die Bildung von
Bainit verzögert wird. Ein Gehalt von 0,2 Gew.-% ist erforderlich, um die notwendige
Festigkeit zu erreichen. Der Gehalt wird auf 0,6 Gew.-% begrenzt, da Versuche gezeigt
haben, dass ein zu hoher Chromgehalt sich ungünstig auf die Dehnung und damit einhergehend
auf die Güte (Rm*A80) des erfindungsgemäßen Stahlflachprodukts auswirkt.
[0027] Titan wird einem erfindungsgemäßen Stahlflachprodukt als Mikrolegierungselement in
Gehalten von 0,05 - 0,15 Gew.-% zugegeben. Aufgrund der Anwesenheit von Ti weist der
Stahl feinste Ausscheidungen von Ti(C,N) auf, die Festigkeitssteigerung und Kornfeinung
beitragen. Die Korngröße des Gefüges ist nach ASTM kleiner oder gleich 15, d. h. kleiner
oder gleich 1,9 µm. Um die gewünschten Ausscheidungen zu bilden, ist ein Ti-Gehalt
von mindestens 0,05 Gew.-% erforderlich, wobei sich die positive Wirkung von Ti dann
besonders sicher einstellt, wenn der Ti-Gehalt des Stahls mindestens 0,07 Gew.-%,
insbesondere mindestens 0,09 Gew.-%, beträgt. Ab einem Gehalt von 0,15 Gew.-% treten
keine weiteren Verbesserungen der Wirkung von Ti ein.
[0028] Aufgrund seiner Eigenschaften eignet sich ein erfindungsgemäßes Stahlflachprodukt
für Anwendungen, bei denen höhere Umformgrade in Kombination mit hohen Festigkeitswerten
notwendig sind. Typische Beispiele für diese Verwendungen sind crashrelevante Bauteile
wie Längsträger und auch dauerhaft im Betrieb belastete Fahrwerksteile.
[0029] Das erfindungsgemäße Verfahren zur Herstellung eines erfindungsgemäßen kaltgewalzten
Stahlflachprodukts umfasst folgende Arbeitsschritte:
- Eine Stahlschmelze, die (in Gew.-%) C: 0,12 - 0,19 %, Mn: 1,5 - 2,5 %, Si: >0,60 -
1,0 %, Al: ≤ 0,1 %, Cr: 0,2 - 0,6 %, Ti: 0,05 - 0,15 % und als Rest aus Eisen sowie
herstellungsbedingt unvermeidbaren Verunreinigungen besteht, wird zu einem Vorprodukt
vergossen, bei dem es sich um eine Bramme oder Dünnbramme handelt.
- Das Vorprodukt wird bei einer 1100 - 1300 °C betragenden Austenitisierungstemperatur
durcherwärmt, wobei diese Durcherwärmung ein von einer niedrigeren Temperatur ausgehendes
Erwärmen umfassen kann oder als Halten der jeweiligen Bramme oder Dünnbramme unter
Ausnutzung der nach ihrer Erzeugung in ihnen vorhandenen Wärme ausgeführt werden kann.
Die Durchwärmung wird dabei unter Berücksichtigung der Geometrie des Vorprodukts und
der Leistungsfähigkeit der zur Verfügung stehenden Erwärmungseinrichtung so durchgeführt,
dass das Gefüge des Vorprodukts am Ende dieser Erwärmung vollständig austenitisch
ist.
- Das so bei der Austenitisierungstemperatur durcherwärmte Vorprodukt wird dann zu einem
Warmband warmgewalzt, dessen Dicke typischerweise 1,8 - 4,7 mm beträgt. Die Temperaturführung
in der mehrere, in der Regel fünf bis sieben Walzgerüste umfassenden Warmwalzstaffel
wird so gewählt, dass in den ersten beiden Gerüsten der Warmwalzstaffel keine Rekristallisation
stattfindet. Zu diesem Zweck sieht die Erfindung eine Warmwalzendtemperatur von 850
- 960 °C vor.
- Das aus dem letzten Gerüst der Warmwalzstaffel austretende Warmband wird anschließend
mit Luft, Wasser oder Luft und Wasser in Kombination auf eine 500 - 650 °C betragende
Haspeltemperatur abgekühlt und bei dieser Temperatur gehaspelt. Bei einer Haspeltemperatur
unterhalb von 500 °C wäre der Formänderungswiderstand im nachfolgenden Kaltwalzprozess
zu hoch. Bei einer oberhalb von 650 °C liegenden Haspeltemperatur besteht die Gefahr,
dass es zu in Bezug auf die Verformbarkeit schädlicher Korngrenzenoxidation kommt.
- Zur Verbesserung seiner Oberflächenbeschaffenheit kann das Warmband optional gebeizt
werden, wenn sich hierzu aufgrund von Qualitätsanforderungen die Notwendigkeit ergibt.
- Das erhaltene Warmband wird nun zu einem kaltgewalzten Stahlflachprodukt kaltgewalzt,
das typischerweise 0,6 - 2,5 mm dick ist. Dabei beträgt der beim Kaltwalzen erreichte
Kaltwalzgrad mindestens 30 %, damit eine Rekristallisation überhaupt möglich ist.
Um die Walzkräfte nicht zu hoch ansteigen zu lassen, sollte der Kaltwalzgrad 75 %
nicht überschreiten.
- Das kaltgewalzte Stahlflachprodukt wird dann einer Durchlaufglühung unterzogen. Dabei
wird das Stahlflachprodukt zunächst auf eine 750 - 900 °C betragende Glühtemperatur
erwärmt und bei dieser Glühtemperatur für mindestens 80 s, insbesondere für 80 - 300
s, gehalten. Die minimale Glühtemperatur von 750 °C und eine Haltedauer von mindestens
80 s sind notwendig, damit eine hinreichende Austenitisierung erreicht wird. Bei Glühtemperaturen
von mehr als 900 °C würde die Bildung von Austenit zu stark gefördert. Dies würde
zu einer Verschiebung der Gefügeanteile im Endprodukt führen, durch die die geforderte
Festigkeit von 880 MPa nicht mehr gewährleistet wäre.
- Nach dem Glühen wird das Stahlflachprodukt zweistufig abgekühlt.
[0030] In der ersten Stufe der Abkühlung wird das Stahlflachprodukt dabei mit einer Abkühlgeschwindigkeit
von 8 - 100 K/s auf eine 450 - 550 °C betragende Zwischentemperatur abgekühlt. Die
Abkühlgeschwindigkeit von mindestens 8 K/s wird hier benötigt, um die Bildung von
Perlit und Bainit zu vermeiden und trotzdem hinreichend viel Ferrit entstehen zu lassen.
In dem Temperaturbereich von 450 °C bis 550 °C findet zudem die erste Anreichung des
Austenits mit Kohlenstoff statt.
[0031] In der zweiten Stufe der Abkühlung wird das Stahlflachprodukt dann von der Zwischentemperatur
mit einer Abkühlgeschwindigkeit von mindestens 2 K/s auf 350 - 450 °C abgekühlt. Hierdurch
wird ein Teil des maximal 20 % betragenden Martensitgehalts erreicht, durch den die
880 MPa betragende Mindestzugfestigkeit Rm eines erfindungsgemäßen Stahlflachprodukts
gewährleistet wird.
- Nachdem die Endtemperatur des zweistufigen Abkühlens erreicht ist, wird das Stahlflachprodukt
überaltert. Die Endtemperatur nach einer Überalterungsdauer von 210 - 710 s beträgt
100 - 400 °C. Durch Diffusionsprozesse im Band beim Durchlaufen dieser Überalterungsbehandlung
wird der Restaustenit ganz oder teilweise stabilisiert, um die Dehnfähigkeit des Stahlflachprodukts
für nachfolgend an dem Stahlflachprodukt vorgenommene Umformungen zu erhöhen. Durch
die Umwandlung von stabilisiertem Restaustenit in Martensit bei Umformprozessen wird
zudem die Zugfestigkeit erhöht.
- Im letzten Schritt der am kaltgewalzten Stahlflachprodukt vorgenommenen Wärmebehandlung
wird das Stahlflachprodukt auf Raumtemperatur abgekühlt. Dabei kann aus dem nicht
stabilisierten Restaustenit weiterer Martensit entstehen, der die Festigkeit des Stahlflachprodukts
weiter erhöhen kann.
- Anschließend wird das Band mit einem Dressiergrad von 0,2 % bis 2,0 % nachgewalzt.
Ein Dressiergrad von 0,2 % wird benötigt, um die Planheit und die Oberflächenqualität
einzustellen. Dressiergrade von 2 % sollen nicht überschritten werden, da sonst die
Bruchdehnung zu stark absinkt.
- Optional kann das Stahlflachprodukt abschließend mit einer metallischen Schutzschicht
versehen werden, durch die beispielsweise ein für den jeweiligen Verwendungszweck
ausreichender Korrosionsschutz gewährleistet wird.
[0032] Die Abkühlung in der ersten Stufe der zweistufigen Abkühlung kann mit jedem geeigneten,
eine ausreichende Abkühlgeschwindigkeit gewährleistenden Medium vorgenommen werden.
Hierzu werden in der Praxis zur Verfügung stehende Kühleinrichtungen verwendet. So
kann die Abkühlung in bewegter Luft erfolgen. Jedoch ist es auch denkbar, die Abkühlung
mit Hilfe von Wasser vorzunehmen, das auf das Stahlflachprodukt gesprüht wird.
[0033] Die Abkühlung in der zweiten Stufe der zweistufigen Abkühlung kann gemäß einer praxisgerechten
Ausgestaltung der Erfindung dadurch erfolgen, dass das Stahlflachprodukt durch Kontakt
mit den gekühlten Rollen abgekühlt wird. Alternativ oder ergänzend kann das Stahlflachprodukt
in der zweiten Stufe der zweistufigen Abkühlung durch einen bewegten Luftstrom gekühlt
werden.
[0034] Die Überalterungsbehandlung kann beispielsweise dadurch erfolgen, dass das Stahlflachprodukt
bei der Überalterungsbehandlung einen gegenüber der Umgebung abgeschirmten Raum durchläuft.
Dabei wird die Temperatur des Stahlflachprodukts auf 100 - 400 °C eingestellt. Ausgehend
von der Temperatur, mit der das Stahlflachprodukt in die Überalterungsbehandlung eintritt,
kann diese Einstellung der Temperatur als Erwärmen, Abkühlen oder Halten ausgeführt
werden.
[0035] Die Beschichtung des Stahlflachprodukts mit der metallischen Schutzschicht kann besonders
effektiv elektrolytisch erfolgen.
[0036] Nachfolgend wird die Erfindung anhand von Ausführungsbeispielen näher erläutert.
[0037] Die Figur zeigt ein Diagramm, in dem die für eine erfindungsgemäße Glühung typischen
Spannen des Temperaturverlaufs über die Zeit dargestellt sind.
[0038] Sieben Stahlschmelzen 1 - 7, deren Zusammensetzungen in Tabelle 1a angegeben sind,
sind zu Brammen vergossen worden, wobei die Stahlschmelzen 1 - 5 erfindungsgemäß und
die Schmelzen 6 und 7 wegen ihres außerhalb der erfindungsgemäßen Vorgaben liegenden
Si- bzw. Cr-Gehalts nicht erfindungsgemäß sind.
[0039] Die Brammen sind anschließend bei einer 1100 - 1300 °C betragenden Austenitisierungstemperatur
durcherwärmt worden, so dass die Brammen beim Eintritt in die nachfolgend durchlaufene
Warmwalzstaffel ein vollständig austenitisches Gefüge besaßen.
[0040] Die Brammen sind dann bei den in Tabelle 1b angegebenen Warmwalzendtemperaturen WET
zu Warmband mit einer Dicke dKW von 1,8 - 4,6 mm warmgewalzt, anschließend an Luft
auf die jeweilige, ebenfalls in Tabelle 1b angegebene Haspeltemperatur HT abgekühlt
und bei der jeweils erreichten Haspeltemperatur HT gehaspelt worden. Anschließend
erfolgte optional ein Beizen, um auf dem Warmband vorhandenen Zunder vor dem Kaltwalzen
zu entfernen und so optimale Oberflächenbeschaffenheiten beim nachfolgenden Kaltwalzen
zu ermöglichen.
[0041] Das daraufhin durchgeführte Kaltwalzen des jeweiligen Warmbands zu einem kaltgewalzten
Stahlflachprodukt mit einer Dicke dKW erfolgte jeweils mit den auch in Tabelle 1b
angegebenen Kaltwalzgraden KWG.
[0042] Anschließend sind Proben der so erhaltenen kaltgewalzten Stahlflachprodukte verschiedenen
Wärmebehandlungen A - J unterzogen worden, bei denen sie im Durchlauf jeweils auf
eine Glühtemperatur GT erwärmt, dann über eine Glühdauer tG bei der Glühtemperatur
GT gehalten, anschließend in einer ersten Abkühlstufe mit einer ersten Abkühlrate
r1 auf eine erste Zieltemperatur ZT1 und unmittelbar daran anschließend in einer zweiten
Abkühlstufe mit einer zweiten Abkühlrate r2 auf eine zweite Zieltemperatur ZT2 gebracht
worden sind.
[0043] Nach der zweiten Stufe der Abkühlung sind die jeweils erhaltenen Proben der kaltgewalzten
Stahlflachprodukte über eine Überalterungsdauer über eine 250 - 710 s betragende Dauer
tUeA bei einer am Ende der Behandlung 400 - 100 °C betragenden Überalterungstemperatur
TUeA in einem, gegenüber der Umgebung abgeschotteten Raum einer Überalterungsbehandlung
unterzogen worden. Die bei den Wärmebehandlungen A - J jeweils eingestellten Parameter
GT, tG, r1, ZT1, r2, ZT2 und tUeA sind in Tabelle 2 verzeichnet.
[0044] Nach einer Abkühlung auf die Raumtemperatur RT sind die Stahlflachproduktproben mit
einem Nachwalzgrad von D°, wie in Tabelle 1b angegeben, nachgewalzt worden.
[0045] Die Eigenschaften der so erhaltenen Stahlflachproduktproben sind in Tabelle 3 zusammengefasst.
[0046] Es zeigt sich, dass die aus den nicht erfindungsgemäß zusammengesetzten Stahlschmelzen
6 und 7 erzeugten Stahlflachproduktproben hinsichtlich ihrer Zugfestigkeit Rm bzw.
ihrer Streckgrenze ReL die erfindungsgemäß vorgegebenen Untergrenzen von 880 MPa bzw.
550 MPa, insbesondere 580 MPa, auch dann nicht erreichen, wenn sie einer Wärmbehandlung
unterzogen werden, die nach Maßgabe der Erfindung durchgeführt wird. Demgegenüber
übertreffen die erfindungsgemäß zusammengesetzt und wärmebehandelten Stahlflachproduktproben
regelmäßig diese Grenzwerte.
Tabelle 1a
| Stahl |
C |
Mn |
Si |
Al |
Cr |
Ti |
P |
N |
S |
| 1 |
0,17 |
1,9 |
0,72 |
0,04 |
0,37 |
0,114 |
0,012 |
0,0048 |
0,001 |
| 2 |
0,13 |
2,3 |
0,65 |
0,06 |
0,23 |
0,07 |
0,007 |
0,009 |
0,007 |
| 3 |
0,16 |
1,7 |
0,75 |
0,03 |
0,57 |
0,108 |
0,013 |
0,007 |
0,006 |
| 4 |
0,18 |
2,1 |
0,94 |
0,02 |
0,34 |
0,143 |
0,009 |
0,007 |
0,009 |
| 5 |
0, 14 |
1,5 |
0,83 |
0,08 |
0,48 |
0, 135 |
0,018 |
0,006 |
0,002 |
| 6 |
0,15 |
1,8 |
0,53 |
0,05 |
0,43 |
0,15 |
0,014 |
0,003 |
0,003 |
| 7 |
0,14 |
2,4 |
0,73 |
0,06 |
0,05 |
0,09 |
0,009 |
0,004 |
0,005 |
| Gehaltsangaben in Gew.-%, Rest Eisen und unvermeidbare Verunreinigungen |
Tabelle 1b
| Stahl |
WET [°C] |
HT [°C] |
dW [mm] |
KWG [%] |
dKB [mm] |
D° [%] |
Erfindungsgemäß? |
| 1 |
900 |
530 |
2,0 |
50 |
1,0 |
0,51 |
JA |
| 2 |
910 |
560 |
2,0 |
45 |
1,1 |
0,69 |
JA |
| 3 |
870 |
510 |
2,0 |
55 |
0,9 |
0,30 |
JA |
| 4 |
950 |
635 |
4,6 |
50 |
2,4 |
1,50 |
JA |
| 5 |
935 |
545 |
1,8 |
60 |
0,7 |
0,25 |
JA |
| 6 |
910 |
530 |
2,4 |
50 |
1,2 |
0,96 |
NEIN |
| 7 |
910 |
530 |
3,4 |
50 |
1,7 |
0,78 |
NEIN |
Tabelle 2
| Wärmebehandlung |
GT [°C] |
tG, [s] |
r1 [K/s] |
ZT1 [°C] |
r2, [K/s] |
ZT2 [°C] |
TUeA [°C] |
tUeA [s] |
| A |
750 |
150 |
9, 3 |
500 |
4,3 |
400 |
260 |
440 |
| B |
810 |
150 |
11,6 |
500 |
4,3 |
400 |
280 |
440 |
| C |
840 |
150 |
13 |
500 |
4,3 |
400 |
290 |
440 |
| D |
900 |
150 |
15 |
500 |
4,3 |
400 |
270 |
440 |
| E |
810 |
200 |
8,4 |
500 |
3,1 |
400 |
150 |
600 |
| F |
810 |
90 |
18,5 |
500 |
6,9 |
400 |
350 |
250 |
| G |
810 |
150 |
13,4 |
450 |
4,3 |
350 |
300 |
440 |
| H |
810 |
150 |
9,7 |
550 |
4,3 |
450 |
320 |
500 |
| I |
810 |
150 |
14,8 |
500 |
4,3 |
350 |
350 |
440 |
| J |
810 |
150 |
17,9 |
500 |
4,3 |
350 |
400 |
440 |
Tabelle 3
| Stahl |
Wärmebehandlung |
ReL [MPa] |
Rm [MPa] |
A80 [%] |
Gefügeanteile [%] |
Rm*A [MPa*%] |
ReL/Rm |
Steigung Wöhler-Kurve |
Lochaufweitung λ [%] |
Erfindungsgemäß? |
| Ferrit |
Restaustenit |
Martensit |
| 1 |
A |
670 |
1123 |
15,1 |
75 |
5 |
20 |
16957 |
0,60 |
7,5 |
11,9 |
JA |
| 1 |
B |
660 |
1010 |
15,8 |
76 |
5 |
19 |
15958 |
0,65 |
8,9 |
12,5 |
JA |
| 1 |
C |
642 |
945 |
16,8 |
80 |
7 |
13 |
15876 |
0,68 |
12,4 |
13,8 |
JA |
| 2 |
E |
581 |
891 |
18,9 |
77 |
10 |
13 |
16840 |
0,65 |
11,5 |
7,4 |
JA |
| 2 |
F |
591 |
887 |
16, 8 |
80 |
9 |
11 |
14902 |
0,67 |
13,1 |
7,8 |
JA |
| 2 |
G |
602 |
901 |
19,2 |
78 |
12 |
10 |
17299 |
0,67 |
5,9 |
7,9 |
JA |
| 3 |
B |
651 |
922 |
16,2 |
80 |
11 |
9 |
14936 |
0,71 |
10,6 |
12,8 |
JA |
| 3 |
C |
629 |
892 |
17,1 |
79 |
13 |
8 |
15253 |
0,71 |
7,1 |
13,9 |
JA |
| 3 |
D |
591 |
882 |
19,4 |
81 |
12 |
7 |
17111 |
0,67 |
12,8 |
14 |
JA |
| 4 |
F |
632 |
1078 |
15,1 |
77 |
8 |
15 |
16278 |
0,59 |
13,2 |
12,3 |
JA |
| 4 |
G |
664 |
1023 |
17,2 |
79 |
9 |
12 |
17596 |
0,65 |
12,6 |
12,5 |
JA |
| H |
667 |
1031 |
17,3 |
76 |
10 |
14 |
17836 |
0,65 |
4, 6 |
12,2 |
JA |
| 5 |
D |
603 |
897 |
20,1 |
79 |
13 |
8 |
18030 |
0,67 |
8,3 |
13,4 |
JA |
| 5 |
E |
663 |
1030 |
16,2 |
77 |
10 |
13 |
16686 |
0,64 |
13,0 |
12,1 |
JA |
| 5 |
I |
657 |
1021 |
17,3 |
77 |
5 |
18 |
17663 |
0,64 |
9,1 |
12,3 |
JA |
| 5 |
J |
641 |
986 |
19,8 |
76 |
14 |
9 |
19523 |
0,65 |
7,6 |
15,4 |
JA |
| 6 |
C |
560 |
840 |
21,2 |
84 |
8 |
8 |
17808 |
0,67 |
11,5 |
10,3 |
NEIN |
| 6 |
D |
491 |
812 |
22 |
80 |
10 |
10 |
17864 |
0,60 |
11,9 |
12,2 |
NEIN |
| 7 |
B |
531 |
876 |
18,3 |
81 |
9 |
10 |
16031 |
0,61 |
5,8 |
5,9 |
NEIN |
| 7 |
C |
512 |
823 |
19,1 |
85 |
9 |
6 |
15719 |
0,62 |
9,9 |
5,7 |
NEIN |
1. Kaltgewalztes Stahlflachprodukt, das
- aus einem Stahl hergestellt ist, der aus (in Gew.-%)
C: 0,12 - 0,19 %,
Mn: 1,5 - 2,5 %,
Si: >0,60 - 1,0 %,
Al: ≤ 0,1 %,
Cr: 0,2 - 0,6 %,
Ti: 0,05 - 0,15 %
und als Rest aus Eisen sowie herstellungsbedingt unvermeidbaren Verunreinigungen besteht,
und das
- ein perlit- und bainitfreies Gefüge mit 4 - 20 Vol.-% Martensit, 2 - 15 Vol.-% Restaustenit,
Rest Ferrit,
- eine Bruchdehnung A80 von mindestens 15 %,
- eine Zugfestigkeit Rm von mindestens 880 MPa,
- eine Streckgrenze ReL von mindestens 550 MPa und
- ein Lochaufweitungsverhältnis λM von mehr als 6 % aufweist.
2. Kaltgewalztes Stahlflachprodukt nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass sein Si-Gehalt mindestens 0,65 Gew.-% beträgt.
3. Kaltgewalztes Stahlflachprodukt nach einem der voranstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass sein Ti-Gehalt mindestens 0,07 Gew.-% beträgt.
4. Verfahren zur Herstellung eines gemäß einem der Ansprüche 1 bis 3 beschaffenen kaltgewalzten
Stahlflachprodukts umfassend folgende Arbeitsschritte:
- Vergießen einer Stahlschmelze, die (in Gew.-%)
C: 0,12 - 0,19 %,
Mn: 1,5 - 2,5 %,
Si: >0,60 - 1,0 %,
Al: ≤ 0,1 %,
Cr: 0,2 - 0,6 %,
Ti: 0,05 - 0,15 %
und als Rest aus Eisen sowie herstellungsbedingt unvermeidbaren Verunreinigungen besteht,
zu einem Vorprodukt, bei dem es sich um eine Bramme oder Dünnbramme handelt,
- Durcherwärmen des Vorprodukts auf eine 1100 - 1300 °C betragende Austenitisierungstemperatur,
- Warmwalzen des durcherwärmten Vorprodukts zu einem Warmband, wobei die Warmwalzendtemperatur
850 - 960 °C beträgt,
- Abkühlen des Warmbands auf eine 500 - 650 °C betragende Haspeltemperatur,
- Haspeln des auf die Haspeltemperatur abgekühlten Warmbands,
- optionales Beizen des Warmbands,
- Kaltwalzen des Warmbands zu einem kaltgewalzten Stahlflachprodukt, wobei der beim
Kaltwalzen erreichte Kaltwalzgrad mindestens 30 % beträgt,
- Durchlaufglühen des kaltgewalzten Stahlflachprodukts, wobei das Stahlflachprodukt
im Zuge des Durchlaufglühens
- auf eine 750 - 900 °C betragende Glühtemperatur erwärmt und bei dieser Glühtemperatur
für 80 - 300 s gehalten wird und
- im Anschluss an das Glühen zweistufig abgekühlt wird, wobei das Stahlflachprodukt
- in der ersten Stufe der Abkühlung mit einer Abkühlgeschwindigkeit von 8 - 100 K/s
auf eine 450 - 550 °C betragende Zwischentemperatur und
- in der zweiten Stufe der Abkühlung von der Zwischentemperatur mit einer Abkühlgeschwindigkeit
von 2 - 100 K/s auf 350 - 450 °C abgekühlt wird,
- Überaltern des Stahlflachprodukts über eine Überalterungsdauer von 210 - 710 s,
wobei am Ende der Überalterung die Temperatur 100 - 400 °C beträgt,
- Abkühlen des Stahlflachprodukts auf Raumtemperatur,
- Nachwalzen des Stahlflachprodukts mit einem Nachwalzgrad, der 0,2 - 2 % beträgt,
- optionales Beschichten des Stahlflachprodukts mit einer metallischen Schutzschicht.
5. Verfahren nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass die Abkühlung in der ersten Stufe der zweistufigen Abkühlung in bewegter Luft erfolgt.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 4 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass das Stahlflachprodukt mindestens in der zweiten Stufe der zweistufigen Abkühlung
durch Kontakt mit den gekühlten Rollen abgekühlt wird.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 4 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass das Stahlflachprodukt in der zweiten Stufe der zweistufigen Abkühlung durch einen
bewegten Luftstrom gekühlt wird.
8. Verfahren nach Anspruch 4 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass das Stahlflachprodukt bei der Überalterungsbehandlung einen gegenüber der Umgebung
abgeschirmten Raum durchläuft, in dem die Temperatur des Stahlflachprodukts ausgehend
von einer maximal 450 °C betragenden Eintrittstemperatur am Ende 100 - 400 °C beträgt.
9. Verfahren nach einem der Ansprüche 4 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass die Beschichtung mit der metallischen Schutzschicht elektrolytisch erfolgt.
1. Cold-rolled flat steel product, which
- is produced from a steel that is composed of (in % by weight)
C: 0.12 - 0.19%,
Mn: 1.5 - 2.5%,
Si: > 0.60 - 1.0%
Al: ≤ 0.1%,
Cr: 0.2 - 0.6%,
Ti: 0.05 - 0.15%
with the remainder being iron and unavoidable impurities caused by the production
process,
and which comprises
- a perlite- and bainite-free structure having 4 - 20% by vol. martensite, 2 - 15%
by vol. residual austenite, remainder ferrite,
- an elongation at break A80 of at least 15%,
- a tensile strength Rm of at least 880 MPa,
- a yield strength ReL of at least 550 MPa and
- a hole expansion ratio λM of more than 6%.
2. Cold-rolled flat steel product according to claim 1, characterised in that its Si content is at least 0.65% by weight.
3. Cold-rolled flat steel product according to any one of the preceding claims, characterised in that its Ti content is at least 0.07% by weight.
4. Method for producing a cold-rolled flat steel product created according to any one
of claims 1 to 3, comprising the following steps:
- casting a steel melt which is composed of (in % by weight)
C: 0.12 - 0.19%,
Mn: 1.5 - 2.5%,
Si: > 0.60 - 1.0
Al: ≤ 0.1%,
Cr: 0.2 - 0.6%,
Ti: 0.05 - 0.15%
with the remainder being iron and unavoidable impurities caused by the production
process,
to form a primary product which is a slab or thin slab,
- heating through the primary product to an austenitization temperature of 1,100 -
1,300 °C,
- hot rolling the heated-through primary product to form a hot strip, wherein the
hot-rolling end temperature is 850 - 960 °C,
- cooling the hot strip to a coiling temperature of 500 - 650 °C
- coiling the hot strip cooled to the coiling temperature,
- optional pickling of the hot strip,
- cold-rolling the hot strip to form a cold-rolled flat steel product, wherein the
level of cold rolling achieved during cold rolling is at least 30%,
- continuous annealing of the cold-rolled flat steel product, wherein during the course
of continuous annealing the flat steel product
- is heated to an annealing temperature of 750 - 900 °C and is held at this annealing
temperature for 80 - 300 s and
- following the annealing process is cooled in two stages, wherein the flat steel
product
- is cooled in the first cooling stage at a cooling rate of 8 - 100 K/s to an intermediate
temperature of 450 - 550 °C and
- is cooled in the second cooling stage from the intermediate temperature at a cooling
rate of 2 - 100 K/s to 350 - 450 °C,
- overageing the flat steel product for an overageing period of 210 - 710 s, wherein
at the end of overageing the temperature is 100 - 400 °C,
- cooling the flat steel product to room temperature,
- temper rolling the flat steel product with a level of temper rolling of 0.2 - 2%,
- optional coating of the flat steel product with a metallic protective layer.
5. Method according to claim 4, characterised in that cooling in the first stage of the two-stage cooling process occurs in moving air.
6. Method according to either of claims 4 to 5, characterised in that the flat steel product is cooled, at least in the second stage of the two-stage cooling,
by contact with the cooled rollers.
7. Method according to any one of claims 4 to 6, characterised in that the flat steel product is cooled in the second stage of the two-stage cooling process
by a moving flow of air.
8. Method according to claims 4 to 7, characterised in that during the overageing treatment the flat steel product passes through a space screened
from the environment and in which the temperature of the flat steel product, starting
from a maximum inlet temperature of 450 °C, is 100 - 400 °C at the end.
9. Method according to any one of claims 4 to 8, characterised in that the coating with the metallic protective layer is made electrolytically.
1. Produit plat en acier laminé à froid qui
- est fabriqué à partir d'un acier qui contient les éléments suivants (en % en poids)
C : 0,12 - 0,19 %,
Mn : 1,5 - 2,5 %,
Si : > 0,60 - 1,0 %,
Al : ≤ 0,1 %,
Cr : 0,2 - 0,6 %,
Ti : 0,05 - 0,15 %
le reste étant du fer et des impuretés inévitables imputables au procédé de fabrication,
et qui présente
- une structure sans perlite et sans bainite avec une proportion de martensite de
4 - 20 % en volume, une proportion d'austénite résiduelle de 2 - 15 % en volume, le
reste étant du ferrite,
- un allongement à la rupture A80 d'au moins 15 %,
- une résistance à la traction Rm d'au moins 880 MPa,
- une limite d'élasticité ReL d'au moins 550 MPa
et
- un rapport d'élargissement du trou λM supérieur à 6 %.
2. Produit plat en acier laminé à froid selon la revendication 1, caractérisé en ce que son contenu de Si se monte à au moins 0,65 % en poids.
3. Produit plat en acier laminé à froid selon une des revendications précédentes, caractérisé en ce que son contenu de Ti se monte à au moins 0,07 % en poids.
4. Procédé de fabrication d'un produit plat en acier laminé à froid constitué selon une
des revendications de 1 à 3 comportant les étapes de travail suivantes:
- coulée d'une masse fondue d'acier qui contient les éléments suivants (en % en poids)
C: 0,12 - 0,19 %,
Mn: 1,5 - 2,5 %,
Si: > 0, 60 - 1,0 %,
Al: ≤ 0,1 %,
Cr: 0,2 - 0,6 %,
Ti: 0,05 - 0,15 %
le reste étant du fer et des impuretés inévitables imputables au procédé de fabrication,
pour former un produit semi-fini consistant en une brame ou une brame mince,
- réchauffement du produit semi-fini à une température d'austénisation de 1100 - 1300
°C,
- laminage à chaud du produit semi-fini réchauffé pour former un feuillard à chaud,
auquel cas la température finale de laminage à chaud est de 850 - 960 °C,
- refroidissement du feuillard à chaud à une température de bobinage de 500 - 650
°C,
- bobinage du feuillard à chaud refroidi à la température de bobinage,
- décapage, au choix, du feuillard à chaud,
- laminage à froid du feuillard à chaud pour former un produit plat en acier laminé
à froid, auquel cas le degré de laminage à froid atteint lors du laminage à froid
est d'au moins 30 %,
- recuit continu du produit plat en acier laminé à froid, auquel cas lors du recuit
continu le produit plat en acier
- est réchauffé à une température de recuit de 750 - 900 °C et est maintenu à cette
température de recuit pendant 80 - 300 secondes et
- est refroidi en deux étapes, à la suite du processus de recuit, auquel cas le produit
plat en acier est refroidi
- dans la première étape du processus de refroidissement à une température intermédiaire
de 450 - 550 °C avec une vitesse de refroidissement de 8 - 100 K/s et
- dans la deuxième étape du processus de refroidissement à partir de la température
intermédiaire à une température de 350 - 450 °C avec une vitesse de refroidissement
de 2 - 100 K/s,
- vieillissement du produit plat en acier pendant une durée de vieillissement de 210
- 710 secondes, auquel cas à la fin du processus de vieillissement la température
est de 100 - 400 °C,
- refroidissement du produit plat en acier à une température ambiante,
- laminage complémentaire du produit plat en acier avec un degré de laminage de 0,2
- 2 %,
- revêtement, au choix, du produit plat en acier avec une couche de protection métallique.
5. Procédé selon la revendication 4, caractérisé en ce que le refroidissement dans la première étape du processus de refroidissement à deux
étapes a lieu par de l'air en circulation.
6. Procédé selon une des revendications de 4 à 5, caractérisé en ce que le produit plat en acier est refroidi au moins dans la deuxième étape du processus
de refroidissement à deux étapes par un contact avec des rouleaux refroidis.
7. Procédé selon une des revendications de 4 à 6, caractérisé en ce que le produit plat en acier est refroidi dans la deuxième étape du processus de refroidissement
à deux étapes par un flux d'air en circulation.
8. Procédé selon une des revendications de 4 à 7, caractérisé en ce que le produit plat en acier lors de traitement de vieillissement traverse un espace
protégé par rapport à l'environnement, dans lequel la température du produit plat
en acier passe d'une température d'entrée étant au maximum de 450 °C à une température
étant à la fin de 100 - 400 °C.
9. Procédé selon une des revendications de 4 à 8, caractérisé en ce que le revêtement avec une couche de protection métallique a lieu de manière électrolytique.