[0001] Die Erfindung betrifft eine Polyamid-Formmasse, die blasformbar ist und eine erhöhte
Resistenz gegen Säuren, insbesondere gegen Schwefelsäure und Essigsäure aufweist.
Durch das Verfahren des Extrusionsblasformens lassen sich daraus Formkörper, insbesondere
Rohre und Schläuche, herstellen, die aufgrund der genannten vorteilhaften Eigenschaften
als Leitungen, insbesondere als Leitungen für Luftsysteme die bei Motorfahrzeugen
mit Abgasen in Kontakt kommen, verwendet werden können.
[0002] Im Abgas eines Verbrennungsmotors finden sich nicht nur die theoretischen Verbrennungsprodukte
CO
2 und H
2O, sondern unter anderem auch kleine Anteile von Säuren. Den Hauptanteil dieser Säuren
machen Schwefelsäure oder je nach Zusammensetzung des Kraftstoffs auch Essigsäure
aus. Essigsäure entsteht z.B. durch unvollständige Oxidation von Ethanol, der oft
in einem gewissen Anteil in den heutigen Kraftstoffen enthalten ist. Der Ursprung
der Schwefelsäure im Abgas sind schwefelhaltige Kraftstoffbestandteile (Mercaptane),
aus welchen bei der Verbrennung im Motor die Schwefelsäure durch Oxidationsprozesse
entsteht.
[0003] Das säurehaltige Abgas wird unter anderem zu einem Problem, wenn es mit einer Leitung
aus einem Kunststoff in Kontakt kommt, der nicht säurebeständig ist. Durch die Einwirkung
der Säuren setzt dann ein molekularer Abbau ein, wodurch die mechanischen Eigenschaften
der Leitung bis zum Zerfall absinken können. Ein repräsentatives Dokument aus dem
Stand der Technik in Bezug auf diese Problematik ist die Offenlegungsschrift
DE 199 12 600 A1. In dieser Druckschrift wird als Kunststoff Polyoxymethylen (POM) beschrieben, das
durch Zusatz von sterisch gehinderten Aminen und wahlweise weiteren Stabilisatoren
säurestabil ausgerüstet wird. Auf Seite 8 von
DE 199 12 600 A1 wird in den Zeilen 16 bis 17 auf Schwefelsäure hingewiesen, die sich im Motorraum
oder Abgassystem durch Verbrennung von schwefelhaltigen Kraftstoffbestandteilen bilden
kann.
[0004] Im Kraftfahrzeugbau werden oft Rohre aus Polyamid-Formmassen eingesetzt, weil Polyamide
im Allgemeinen ein gutes Eigenschaftsprofil hinsichtlich mechanischer, thermischer
und chemischer Beständigkeit aufweisen. So beschreibt beispielsweise die
EP 2 325 260 A1 eine Polyamidformmasse zur Herstellung von verschiedenen Leitungssystemen im Automobilbereich.
Für die Herstellung von Luftführungsteilen wird in der Regel das Extrusionsblasformen
angewandt, das durch Varianten wie 3D-Blasformen oder Saugblasformen die Herstellung
komplizierter Geometrien auf abfallarme und wirtschaftliche Art erlaubt. Die in der
EP 2 325 260 A1 beschriebenen Formmassen sind auf Grund ihrer zu hohen Schmelzefestigkeit und vor
allem wegen der schlechten Oberfläche des erhaltenen Bauteils nicht zum Extrusionblasformen
geeignet. Nur Polyamid-Formmassen in einem bestimmten Schmelzefestigkeitsbereich kommen
hierfür in Frage. Ist die Schmelzefestigkeit zu gering, neigt ein vertikal extrudierter
Schmelzeschlauch aus Polyamid unter dem Eigengewicht in der Regel zu schnellem Auslängen
und Abtropfen/Abreissen. Bei einer zu hohen Schmelzefestigkeit hingegen kommt es nicht
zu Ausformung eines Schlauchs, vor allem werden schlechte Oberflächeneigenschaften
beobachtet. In der
EP 1 329 481 A2 wird eine blasformfähige Formmasse auf Basis von Polyetheramiden (einem Polyamid-Elastomer)
beschrieben und durch eine Mindest-Viskosität charakterisiert.
[0005] Damit eine Polyamid-Formmasse zur Herstellung von Leitungen (d.h. Rohren oder Schläuchen)
für Luftsysteme die mit Abgas in Kontakt kommen geeignet ist, muss sie zum Einen blasformbar
sein, und zum Anderen eine hohe Säurebeständigkeit aufweisen. Solche Polyamid-Formmassen
waren bisher nicht bekannt.
[0006] Es war deshalb die Aufgabe der vorliegenden Erfindung, eine Polyamid-Formmasse zur
Verfügung zu stellen, die sowohl blasformbar als auch säurebeständig ist, und sich
für die Herstellung von Formkörpern und deren Verwendung als Leitung, insbesondere
als Leitung für Luftsysteme, die bei Motorfahrzeugen mit Abgasen in Kontakt kommen,
eignet.
[0007] Diese Aufgabe wird gemäss der vorliegenden Erfindung mit einer Polyamid-Formmasse
mit den Merkmalen von Anspruch 1 gelöst.
[0008] Die erfindungsgemässe Polyamid-Formmasse hat folgende Zusammensetzung:
- (a) 45 - 97.9 Gew.-% eines Copolyamids, wobei dieses aufgebaut ist aus
(a1) mindestens einem Diamin ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus 1,6-Hexandiamin,
Nonandiamin, und 1,10-Decandiamin, und (a2) Terephthalsäure, und
(a3) mindestens einem weiteren polyamidbildenden Monomer ausgewählt aus der Gruppe:
Dicarbonsäure mit 8 - 18 Kohlenstoffatomen, Lactam mit 6 bis 12 Kohlenstoffatomen,
Aminosäure mit 6 bis 12 Kohlenstoffatomen, und Mischungen davon;
- (b) 2 - 10 Gew.-% zumindest eines Schlagzähmodifikators;
- (c) 0.1 - 10 Gew.-% zumindest eines Viskositätsmodifikators; und
- (d) 0 - 35 Gew.-% Additive und/oder Zusatzstoffe;
wobei sich die Komponenten (a) bis (d) in der Summe auf 100 Gew.-% der Polyamid-Formmasse
ergänzen.
[0009] Weitere bevorzugte Merkmale und Ausführungsformen der erfindungsgemässen Polyamid-Formmasse
ergeben sich aus den abhängigen Ansprüchen. Zudem werden ein Herstellungsverfahren
und Formkörper aus der Polyamid-Formmasse, sowie deren Verwendung als Leitungen für
Luftsysteme die bei Motorfahrzeugen mit Abgasen in Kontakt kommen, beansprucht.
[0010] Anwendungsmöglichkeiten der vorliegenden Erfindung werden anhand einer schematischen
Abbildung näher erläutert, welche den Umfang der vorliegenden Erfindung nicht einschränken
soll. Dabei zeigt:
- Fig. 1
- eine 3D-Ansicht eines Automobilmotors mit Turbolader und Luftführungsleitungen, die
aus der erfinderischen Formmasse hergestellt werden können.
[0011] In einer bevorzugten Ausführungsform der Polyamid-Formmasse sind als Diamine (a1)
1,6-Hexandiamin
und 1,10-Decandiamin gewählt, d.h. beide zugleich in Kombination. Ausgeschrieben hat
eine solche Polyamid-Formmasse somit die Zusammensetzung:
(a) 45 - 97.9 Gew.-% eines Copolyamids, wobei dieses aufgebaut ist aus
(a1) 1,6-Hexandiamin und 1,10-Decandiamin, und
(a2) Terephthalsäure, und
(a3) mindestens einem weiteren polyamidbildenden Monomer ausgewählt aus der Gruppe:
Dicarbonsäure mit 8 - 18 Kohlenstoffatomen, Lactam mit 6 bis 12 Kohlenstoffatomen,
Aminosäure mit 6 bis 12 Kohlenstoffatomen,
und Mischungen davon;
(b) 2 - 10 Gew.-% zumindest eines Schlagzähmodifikators;
(c) 0.1 - 10 Gew.-% zumindest eines Viskositätsmodifikators; und
(d) 0 - 35 Gew.-% Additive und/oder Zusatzstoffe;
wobei sich die Komponenten (a) bis (d) in der Summe auf 100 Gew.-% der Polyamid-Formmasse
ergänzen.
[0012] Eine besonders bevorzugte Ausführungsform der Polyamid Formmasse besteht aus:
- (a) 69 - 90.9 Gew.-% eines Copolyamids, wobei dieses aufgebaut ist aus
(a1) 1,6-Hexandiamin und 1,10-Decandiamin, und
(a2) Terephthalsäure, und
(a3) mindestens einem weiteren polyamidbildenden Monomer ausgewählt aus der Gruppe:
Dicarbonsäure mit 8 - 18 Kohlenstoffatomen, Lactam mit 6 bis 12 Kohlenstoffatomen,
Aminosäure mit 6 bis 12 Kohlenstoffatomen, und Mischungen davon;
- (b) 7 - 10 Gew.-% zumindest eines Schlagzähmodifikators;
- (c) 0.1 - 5 Gew.-% zumindest eines Viskositätsmodifikators; und
- (d) 2 - 16 Gew.-% Additive und/oder Zusatzstoffe;
wobei sich die Komponenten (a) bis (d) in der Summe auf 100 Gew.-% der Polyamid-Formmasse
ergänzen.
[0013] Ganz besonders bevorzugt sind Ausführungsformen der beiden vorangehend beschriebenen
Rezepturen, bei denen das mindestens eine weitere polyamidbildende Monomer (a3) Dodecandisäure
ist. Bei entsprechenden molaren Mengenverhältnissen der Monomeren erhält man so das
bevorzugte Copolyamid PA 10T/612.
[0014] Das Copolyamid weist bevorzugt einen geringen Überschuss der Säureendgruppen auf,
kann aber auch ausgeglichene Endgruppen oder einen leichten Überschuss der Aminoendgruppen
aufweisen.
[0015] In einer weiteren bevorzugten Ausführungsform weist das Copolyamid eine relative
Viskosität von kleiner als 2.5, bevorzugt kleiner als 2.0 und besonders bevorzugt
von kleiner als 1.9, bestimmt nach ISO 307 wie unter Tabelle 1 angegeben, auf. Bevorzugt
wird aber eine Mindest-Relativviskosität von 1.5 eingehalten.
[0016] Wird als Diamin (a1) Nonandiamin, worunter alle isomeren Diamine mit 9 Kohlenstoffatomen
umfasst sind, verwendet, so sind Isomerenmischungen aus dem linearen Isomer n-1,9-Nonandiamin
und seinem verzweigten Isomer 2-Methyl-1,8-Octandiamin besonders bevorzugt. In diesen
Mischungen bildet n-1,9-Nonandiamin die Hauptkomponente.
[0017] Gemäss einer bevorzugten Ausführungsform der vorgeschlagenen Polyamid-Formmasse ist
diese dadurch gekennzeichnet, dass innerhalb der Diamine von (a1) der Anteil von 1,6-Hexandiamin
10-40 mol-% und der Anteil von 1,10-Decandiamin 60-90 mol-% ausmacht und keine weiteren
Diamine vorhanden sind, und dass innerhalb der Dicarbonsäuren von (a2) und (a3) der
Anteil an Terephthalsäure 60-90 mol-% ausmacht, und der Anteil an weiterer Dicarbonsäure
10-40 mol-% ausmacht, wobei vorzugsweise innerhalb von (a1) der Anteil von 1,6-Hexandiamin
15 - 35 mol-% und der Anteil von 1,10-Decandiamin 65 - 85 mol-% ausmacht, und innerhalb
der Dicarbonsäuren von (a2) und (a3) der Anteil an Terephthalsäure 65 - 85 mol-% ausmacht,
und der Anteil an weiterer Dicarbonsäure 15 - 35 mol-%.
[0018] Eine etwas spezifischere Ausführungsform ist dadurch gekennzeichnet, dass neben 1,6-Hexandiamin
und 1,10-Decandiamin keine weiteren Diamine innerhalb von (a1) vorhanden sind und
der Anteil von 1,6-Hexandiamin 15 - 25 mol-% und der Anteil von 1,10-Decandiamin 65
- 75 mol-% ausmacht, und dass innerhalb der Dicarbonsäuren von (a2) und (a3) der Anteil
an Terephthalsäure 65 - 75 mol-% ausmacht, und der Anteil an weiterer Säure 15 - 25
mol-% ausmacht, wobei vorzugsweise die weitere Säure ausgewählt ist als Dicarbonsäure
mit 8 - 18 Kohlenstoffatomen, und daneben keine weiteren polyamidbildenden Monomere
vorliegen.
[0019] Die als Komponente (a3) eingesetzten C
8-C
18 Dicarbonsäuren können aromatischer, aliphatischer und/oder cycloaliphatischer Natur
sein. Geeignete aromatische Dicarbonsäuren sind beispielsweise Isophthalsäure (IPS),
Korksäure (C8), Azelainsäure (C9), Sebazinsäure (C10), Undecandisäure (C11), Dodecandisäure
(C12), Brassylsäure (C13), Tetradecandisäure (C14), Pentadecandisäure (C15), Hexadecandisäure
(C16), Heptadecandisäure (C17), Octadecandisäure (C18), cis- und/oder trans-Cyclohexan-1,4-dicarbonsäure,
cis- und/oder trans-Cyolohexan-1,3-dicarbonsäure (CHDA), und/oder Mischungen davon.
Besonders bevorzugt ist dabei die Dicarbonsäure mit 8-18 Kohlenstoffatomen ausgewählt
aus der Gruppe Isophthalsäure, Sebazinsäure (C10), Undecandisäure (C11) und Dodecandisäure
(C12), wobei Letztere insbesondere bevorzugt ist.
[0020] Als Schlagzähmodifikator (b) ist ein Maleinsäureanhydrid-gepfropfter Blend aus Ethylen-Propylen-Copolymer
und Ethylen-Butylen-Copolymer bevorzugt. Ein solcher Schlagzähmodifikator ist unter
dem Handelsnamen Tafmer MC201 von der Firma Mitsui Chemical (JP) erhältlich.
[0021] Weitere bevorzugte Schlagzähmodifikatoren sind Ionomere. Ionomere besitzen kleine
Mengen an ionischen Gruppen gebunden an eine unpolare Polymerkette. Zur Anwendung
kommen erfindungsgemäss Ionomere, hergestellt aus den Monomeren α-Olefin, α,β-ungesättigte
Carbonsäure und gegebenenfalls weiteren Comonomeren, wobei die Ionomere ganz oder
teilweise durch Metallionen neutralisiert sind. Beispiele für das α-Olefin sind Ethen,
Propen, Buten, Penten und Hexen, die allein oder in Kombination eingesetzt werden.
Beispiele für die α,β-ungesättigte Carbonsäure sind Acrylsäure, Methacrylsäure, Ethacrylsäure,
Itaconsäure, Maleinsäureanhydrid, Maleinsäuremonoethylester, und Maleinsäure. Die
Carbonsäuren können allein oder in Kombination eingesetzt werden, bevorzugt werden
die Carbonsäuren Acrylsäure und Methacrylsäure. Beispiele für die erfindungsgemässen
Comonomere sind Acrylsäureester, Methacrylsäureester, Styrol, Norbornen-Derivate,
etc. Handelsprodukte sind z.B. ACLYN (Honeywell) und Surlyn (DuPont).
[0022] In einer weiteren Ausführungsform werden Blockpolymere des SEBS-Typs (Styrol-Ethylen/1-Buten/Styrol)
als Schlagzähmodifikatoren (SZM) verwendet. Bevorzugte SZM auf Basis von Styrolmonomeren
(Styrol und Styrolderivate) und anderen vinylaromatischen Monomeren sind auch Blockcopolymere
aufgebaut aus alkenylaromatischen Verbindungen und einem konjungierten Dien sowie
hydrierte Blockcopolymere aus einer alkenylaromatischen Verbindung und konjungierten
Dienen oder Kombinationen dieser SZM-Typen. Das Blockcopolymer enthält mindestens
einen Block abgeleitet von einer alkenylaromatischen Verbindung und wenigstens einem
Block abgeleitet von einem konjungierten Dien. Bei den hydrierten Blockcopolymeren
wurde der Anteil an aliphatisch ungesättigten Kohlenstoff-Kohlenstoff-Doppelbindungen
durch Hydrierung reduziert. Als Blockcopolymere sind Zwei-, Drei-, Vier-und Polyblockcopolymere
mit linearer Struktur geeignet. Jedoch sind verzweigte und sternförmige Strukturen
ebenfalls erfindungsgemäss einsetzbar. Auch verzweigte Blockcopolymere die man in
bekannter Weise, z.B. durch Pfropfreaktionen von polymeren "Seitenästen" auf eine
Polymer-Hauptkette erhält, können verwendet werden.
[0023] Weitere bevorzugte Schlagzähmodifikatoren sind Ethylen-Vinylacetat-Copolymere, welche
in einer besonders bevorzugten Ausführungsform mit Maleinsäureanhydrid gepfropft sind.
Eine weitere Gruppe von bevorzugten Schlagzähmodifikatoren bilden Copolymere auf Polyolefinbasis
die Acryl- oder Methacrylsäure enthalten, insbesondere seien hier Schlagzähmodifikatoren,
wie Acrylkautschuke, z.B. Ethylen-Glycidyl-Methacrylat, Ethylen-Acrylsäureester-Glycidyl-Methacrylat
oder sogenannte MBS- bzw. Kern-Mantel-Schlagzähmodifikatoren, z.B. auf Basis Methacrylat-Butadien-Styrol
genannt.
[0024] In einer bevorzugten Ausführungsform weisen die Schlagzähmodifikatoren gemäss der
vorliegenden Erfindung einen Pfropfanteil von 0.3 bis 1.0 %, insbesondere bevorzugt
von 0.4 bis 0.8 % und besonders bevorzugt von 0.5 bis 0.6 % auf.
[0025] Die Schlagzähmodifikatoren der vorliegenden Erfindung werden in 2 bis 10 Gewichtsprozent,
bevorzugt in 4 bis 10 Gewichtsprozent, und besonders bevorzugt einerseits in 5 bis
6 Gewichtsprozent oder alternativ andererseits in 6 bis 9 Gewichtsprozent, bezogen
auf 100 Gewichtsprozent der Polyamidformmasse, welche sich aus den oben beschriebenen
Komponenten (a) bis (d) zusammensetzt, eingesetzt. Die Summe aller die Schlagzähigkeit
der erfindungsgemässen Polyamidformmasse erhöhenden Modifikatoren ist bevorzugt nicht
höher als maximal 10 Gewichtsprozent.
[0026] Die erfindungsgemässe Polyamid-Formmasse enthält einen Viskositätsmodifikator (c),
welcher bei der thermoplastischen Verarbeitung zu einem Molekulargewichtsaufbau durch
Kettenverlängerung von Polyamidmolekülen führt. Eine bevorzugte Variante eines Viskositätsmodifikators
ist ein Polycarbonat in einem säureterminierten Polyamid. Ein solcher Viskositätsmodifikator
ist beispielsweise unter der Bezeichnung Brüggolen
® M 1251 von der Firma Brüggemann Chemical (Deutschland) im Handel erhältlich, wobei
es sich um ein Masterbatch aus einem niedrigviskosen Polycarbonat in einem säureterminierten
Polyamid 6 handelt. Eine andere bevorzugte Variante eines Viskositätsmodifikators
ist ein acrylsäuremodifiziertes Polyethylen hoher Dichte, vorzugsweise mit einem Pfropfgrad
im Bereich von 5 bis 6 %. Ein solcher Polymer-Modifikator wird beispielsweise von
der Firma Chemtura unter dem Handelsnamen Polybond
® 1009 vertrieben und weist einen Pfropfgrad von 6 % auf.
[0027] Weitere bevorzugte Viskositätsmodifikatoren sind aromatische Polycarbodiimide, welche
z.B. von der Firma Rhein-Chemie (Deutschland) unter dem Namen Stabaxol
® P vertrieben werden. Andere bevorzugte Viskositätsmodifikatoren sind acrylsäuremodifizierte
lineare Polyethylene niedriger Dichte, wie z.B. das von der Firma OKA-Tec angebotene
Okabest
® 2400. Weitere bevorzugte Viskositätsmodifikatoren sind 1,1'-carbonyl-bis-caprolactamate,
welche z.B. von der Firma DSM unter dem Namen Allinco
® CBC vertrieben werden, sowie Bisoxazoline, wie z.B. 1,4-Phenylen-bis(2-oxazolin).
[0028] Die Viskositätsmodifikatoren der vorliegenden Erfindung werden in 0.1 bis 10 Gewichtsprozent,
bevorzugt in 0.1 bis 5 Gewichtsprozent und besonders bevorzugt in 0.2 bis 4 Gewichtsprozent
bezogen auf 100 Gewichtsprozent der Polyamidformmasse, welche sich aus den oben beschrieben
Komponenten (a) bis (d) zusammensetzt, eingesetzt.
[0029] Von Polycarbonaten in einem säureterminierten Polyamid und acrylsäuremodifizierten
Polyethylenen als Viskositätsmodifikatoren werden bevorzugt 1 bis 10 Gewichtsprozent,
insbesondere bevorzugt 2 bis 8 Gewichtsprozent und besonders bevorzugt 2 bis 5 Gewichtsprozent
bezogen auf 100 Gewichtsprozent der Polyamid-formmasse, welche sich aus den oben beschrieben
Komponenten (a) bis (d) zusammensetzt, eingesetzt.
[0030] Von 1,1'-carbonyl-bis-caprolactamaten und aromatischen Polycarbodiimiden als Viskositätsmodifikatoren
werden bevorzugt 0.1 bis 4 Gewichtsprozent, insbesondere bevorzugt 0.1 bis 2 Gewichtsprozent
und besonders bevorzugt 0.1 bis 0.5 Gewichtsprozent bezogen auf 100 Gewichtsprozent
der Polyamidformmasse, welche sich aus den oben beschrieben Komponenten (a) bis (d)
zusammensetzt, eingesetzt.
[0031] Die Viskositätsmodifikatoren gemäss der vorliegenden Erfindung führen bei der thermoplastischen
Verarbeitung zu einem Molekulargewichtsaufbau durch Kettenverlängerung der Polyamidmoleküle
und wirken grundlegend anders als Schlagzähmodifikatoren.
[0032] Optional enthält die erfindungsgemässe Polyamid-Formmasse Additive und/oder Zusatzstoffe
(d), die bevorzugt ausgewählt sind aus einer Gruppe, die Stabilisatoren; Pigmente;
Farbstoffe; Leitfähigkeitsadditive wie z.B. Russ, Graphit oder Kohlenstoffnanofibrillen;
Flammschutzmittel, insbesondere halogenfreie Flammschutzmittel wie z.B. Phosphinsäuresalze;
Glasfasern und Schichtsilikate (bevorzugt Montmorillonit) umfasst. Diese Additive
werden in 0 bis 35 Gewichtsprozent, bevorzugt in 0.01 bis 20 Gewichtsprozent, insbesondere
bevorzugt von 1 bis 10 Gewichtsprozent und besonders bevorzugt in 1 bis 8 Gewichtsprozent
bezogen auf 100 Gewichtsprozent der Polyamidformmasse, welche sich aus den oben beschriebenen
Komponenten (a) bis (d) zusammensetzt, verwendet.
[0033] Die erfindungsgemässe Polyamid-Formmasse ist vorteilhafterweise beständig gegen Säuren,
bevorzugt gegen Schwefelsäure und Essigsäure. Der Begriff Polyamid-Formmasse steht
dabei für die Zusammensetzung, welche neben dem entsprechenden Granulat auch daraus
nach irgendeinem Verfahren hergestellte Formkörper beliebiger Geometrie, insbesondere
auch daraus hergestellte Rohre und Schläuche umfasst. In einer bevorzugten Ausführungsform
liegen die mechanischen Eigenschaften nach der unten beschrieben Lagerung in Säure
nicht unter 50 % der Ausgangswerte.
[0034] Die erfindungsgemässe Polyamid-Formmasse ist blasformbar und weist bei der angewandten
Verarbeitungstemperatur eine Schmelzefestigkeit auf, die bevorzugt im Bereich von
35 bis 55 Sekunden, insbesondere bevorzugt im Bereich von 36 bis 53 Sekunden und besonders
bevorzugt im Bereich von 37 bis 52 Sekunden liegt. Formmassen mit einer Schmelzefestigkeit
ausserhalb des genannten Bereichs weisen die bereits oben genannten Nachteile bezüglich
der Blasformbarkeit auf. Die von der Anmelderin entwickelte Methode zur Messung der
Schmelzefestigkeit, für welche die oben genannten bevorzugten Bereiche für die Schmelzefestigkeit
gelten, wird weiter hinten beschrieben.
[0035] Das bevorzugte Verfahren zur Herstellung von Rohrteilen aus einer erfindungsgemässen
Polyamid-Formmasse besteht darin, dass eine Polyamid-Formmasse der beschriebenen Zusammensetzung
extrusionsblasgeformt wird.
[0036] Beim Verfahren des Extrusionsblasformens werden vorzugsweise die Varianten 3D-Blasformen
oder Saugblasformen angewandt. Eine Beschreibung des Extrusionsblasformprozesses mit
allen gängigen Varianten, angefangen beim konventionellen Blasformen über verschiedene
3D-Technologien bis zum sequentiellen Blasformen und dem Coextrusionsblasformen, findet
sich zum Beispiel im Technischen Datenblatt "Verarbeitung von Grilamid und Grilon
durch Extrusionsblasformen" der Firma EMS (EMS-GRIVORY) aus dem Februar 1998.
[0037] Formmassen die zum Blasformen geeignet sind, können auch über andere Verfahren wie
z.B. Spritzgiessen, Extrusion und Coextrusion verarbeitet werden, bei denen die Schmelzefestigkeit
nicht von Belang ist. Gleiches gilt auch für die erfindungsgemässen Formmassen.
[0038] Generell eignen sich die erfindungsgemässen Polyamid-Formmassen für alle Anwendungen,
bei denen Blasformbarkeit und Säurebeständigkeit gefordert wird.
[0039] Die bevorzugte Verwendung der erfindungsgemässen Formmassen, daraus hergestellter
Formkörper oder eines Verfahrens zur Herstellung von Formkörpern aus solchen Formmassen
besteht in der Verwendung für Leitungen für Luftsysteme die bei Motorfahrzeugen in
Kontakt mit Abgasen kommen. Insbesondere ist bei dieser Verwendung die Leitung für
Luftsysteme bei einem Ottomotor oder Dieselmotor eingebaut, und dabei besonders bevorzugt
bei Motoren mit Abgas-Turbolader.
[0040] In der beispielhaften Figur 1 ist ein Automobilmotor mit Luftführungssystem abgebildet.
Aus erfindungsgemässen Polyamid-Formmassen können z.B. die Reinluftleitung (3), das
Ladeluft-Vorlaufrohr (4) und/oder das Ladeluft-Rücklaufrohr (5) gebildet sein. In
diese Rohre gelangen Motorabgase z.B. über die Kurbelgehäuse-Entlüftungsleitung (2)
oder durch kleine Leckagen in der Wellenlagerung des Abgas-Turboladers. Eine hohe
Säure- und Temperaturbelastung muss aber insbesondere das Ladeluft-Rücklaufrohr an
derjenigen Stelle aushalten, wo im Falle einer Abgasrückführung (welche der Reduktion
der Stickoxid-Bildung dient) der rückgeführte Abgas-Teilstrom eingeleitet und zugemischt
wird. Die erfindungsgemässe Polyamid-Formmasse bzw. eine daraus hergestellte Leitung
kommt aber auch in Betracht für die Kurbelwellenentlüftungsleitung oder eventuell
sogar als Abgasrückführungsleitung im Bereich nach dem Abgasrückführungskühler.
[0041] Die Luftführungsleitungen sind normalerweise einschichtig ausgebildet. Sie könnten
aber auch eine oder mehrere zusätzliche Schichten umfassen. Weitere Schichten können
prinzipiell aus allen auf dem beanspruchten Copolyamid haftenden Polyamiden bestehen,
wobei PA 612, PA 610, PA 12, PA 1010, PA 1012, PA 6, PA 66 und PA 46 bevorzugt sind.
Die erfindungsgemässe Polyamid-Formmasse bildet dabei die innere Schicht, die im Kontakt
mit Abgas steht.
[0042] Die vorliegende Erfindung wird anhand der nachfolgenden Beispiele, welche die Erfindung
illustrieren, nicht aber den Erfindungsumfang einschränken sollen, näher dargestellt.
[0043] Die in der nachfolgenden Tabelle 1 aufgeführten Materialien wurden in den Beispielen
und Vergleichsbeispielen eingesetzt.
[0044] Die Formmassen für die erfindungsgemässen Beispiele B1, B2 und B3, sowie für die
Vergleichsbeispiele VB1 bis VB7 wurden dann auf einem Zweiwellenextruder der Fa. Werner
und Pfleiderer Typ ZSK25 hergestellt. Es wurden die in Tabelle 2 angegebenen Mengenanteile
der Ausgangsstoffe in Gewichtsprozent (Gew.-%) bezogen auf 100 Gew.-% der gesamten
Formmasse im Zweiwellenextruder compoundiert.
[0045] Die mechanischen Eigenschaften und Beständigkeitsmessungen wurden an spritzgegossenen
Standardprüfkörpern (Zugstäben) durchgeführt. Die Methoden sind nach der Tabelle 2
aufgeführt.
Tabelle 1: eingesetzte Materialien
| Stoff |
Handelsname |
Lieferant |
rel. Viskositäa) |
H2O-Gehalt [Gew.-%] |
| PA 66 |
Radipol A45 |
Radici |
2.7 |
0.3 |
| PA 6 (A) |
Grilon F47 |
EMS-CHEMIE AG |
4.0 |
0.05 |
| PA 6 (B) |
Grilon F34 |
EMS-CHEMIE AG |
3.0 |
0.04 |
| PA 10T/612 |
XE 4201 |
EMS-CHEMIE AG |
1.7 |
0.05 |
| Schlagzähmodifikator |
Tafmer MC201 |
Mitsui Chem. (JP) |
- |
0.1 |
| Viskositätsmodifikator 1 |
Polybond 1009 |
Crompton |
- |
0.2 |
| Viskositätsmodifikator 2 |
Brüggolen M 1251 |
Brüggemann |
- |
- |
| Schichtsilikat |
Cloisite 20A |
Rockwood Additives, Southern Clay Products (US) |
- |
<2.5 |
| Glasfasern |
GF Vetrotex 995 EC10-4.5 |
Saint-Gobain Vetrotex Deutschland GmbH |
- |
- |
| Masterbatch für Schwarzeinfärbung und Hitzestabilisierungb) |
- |
BASF, Crompton (US), Brüggemann Chem., DSM Andeno, W. Blythe, Isliker (CH) |
- |
- |
a) bestimmt nach ISO 307 (0.5 g Polyamid in 100 ml m-Kresol), Berechnung der relativen
Viskosität (RV) nach RV = t/t0 in Anlehnung an Abschnitt 11 der Norm,
b) Masterbatch wird bei EMS-CHEMIE AG hergestellt, und die Einzelkomponenten bei den
angegebenen Lieferanten bezogen. |
Tabelle 2: Zusammensetzung und mechanische Eigenschaften
| Zusammensetzung |
VB1 |
VB2 |
B1 |
B2 |
B3 |
VB3 |
VB4 |
VB5 |
VB6 |
VB7 |
| PA 66 |
40.2 |
- |
- |
- |
- |
- |
- |
- |
- |
- |
| PA 6 (A) |
40.2 |
- |
- |
- |
- |
- |
- |
- |
- |
- |
| PA 6 (B) |
- |
93.25 |
- |
- |
- |
- |
- |
- |
- |
- |
| PA 10.T/6.12 |
- |
- |
84.15 |
86.15 |
71.15 |
88.15 |
70.15 |
93.15 |
84.15 |
95.15 |
| Schlagzähmodifikator |
10.0 |
0.80 |
9.0 |
9.0 |
9.0 |
9.0 |
27 |
- |
13 |
- |
| Viskositätsmodifikator 1 |
4.0 |
4.0 |
4.0 |
- |
2.0 |
- |
- |
4.0 |
- |
- |
| Viskositätsmodifikator 2 |
- |
- |
- |
2.0 |
- |
- |
- |
- |
- |
2.0 |
| Cloisite 20A |
4.0 |
- |
- |
- |
- |
- |
- |
- |
- |
- |
| Glasfasern |
- |
- |
- |
- |
15.0 |
- |
- |
- |
- |
- |
| Masterbatch für Schwarzeinfärbung und Hitzestabilisierung |
1.6 |
1.95 |
2.85 |
2.85 |
2.85 |
2.85 |
2.85 |
2.85 |
2.85 |
2.85 |
| Mechanische Eigenschaften |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
| Zugmodul [MPa] |
2300 |
2700 |
1945 |
1950 |
5100 |
1900 |
1270 |
2220 |
1950 |
2440 |
| Reissfestigkeit [MPa] |
50 |
50 |
46 |
64 |
103 |
62 |
42 |
64 |
60 |
66 |
| Reissdehnung [%] |
46 |
50 |
13 |
12 |
2.5 |
14 |
17 |
4 |
13 |
7 |
| Schlagzähigkeit Charpy bei 23°C [kJ/m2] |
o.B. |
o.B. |
80 % = o.B., 20 % = 136 |
o.B. |
25 |
o.B. |
o.B. |
20 % = o.B., 80 % = 62 |
o.B. |
o.B. |
| Schlagzähigkeit Charpy bei -30°C [kJ/m2] |
o.B. |
o.B. |
20 % = o.B., 80 % = 56 |
o.B. |
27 |
o.B. |
o.B. |
50 |
o.B. |
o.B. |
| Kerbschlagzähigkeit Charpy [kJ/m2] bei 23°C |
15 |
10 |
48 |
17 |
5 |
51 |
83 |
5.9 |
49 |
8.2 |
| Kerbschlagzähigkeit Charpy [kJ/m2] bei -30°C |
8 |
8 |
13 |
13 |
4 |
14 |
50 |
6.8 |
14 |
7.6 |
| o.B. bedeutet: ohne Bruch |
Normen zur Bestimmung der mechanischen Daten
[0046] Die in den Tabellen 2 und 4 angegebenen mechanischen Daten wurden nach den folgenden
Normen bestimmt.
Zug-E-Modul:
[0047]
ISO 527 mit einer Zuggeschwindigkeit von 1 mm/min
ISO-Zugstab, Norm: ISO/CD 3167, Typ A1, 170 x 20/10 x 4 mm, Temperatur 23 °C.
Reissfestigkeit und Reissdehnung:
[0048]
ISO 527 mit einer Zuggeschwindigkeit von 50 mm/min bei unverstärkten und 5 mm/min
bei verstärkten Materialien
ISO-Zugstab, Norm: ISO/CD 3167, Typ A1, 170 x 20/10 x 4 mm, Temperatur 23 °C.
Schlagzähigkeit nach Charpy:
[0049]
ISO 179/*eU
ISO-Prüfstab, Norm: ISO/CD 3167, Typ B1, 80 x 10 x 4 mm
* 1 = nicht instrumentiert bei -30°C, 2 = instrumentiert bei 23°C.
Kerbschlagzähigkeit nach Charpy:
[0050]
ISO 179/*eA
ISO-Prüfstab, Norm: ISO/CD 3167, Typ B1, 80 x 10 x 4 mm
* 1 = nicht instrumentiert bei -30°C, 2 = instrumentiert bei 23°C.
Vorschriften Säurelagerung
Beständigkeit gegen wässrige Schwefelsäure (pH1):
[0051] Die Prüfkörper wurden in ein Bombenrohr (DN80/12-155657, Volumen = 1L) gegeben und
mit verdünnter (verdünnt mit destilliertem Wasser) Schwefelsäure (pH1), befüllt, so
dass die Prüfkörper komplett in die Lösung eintauchten. Anschliessend wurde das Bombenrohr
fest verschlossen und in einem Ofen auf 100°C erhitzt, und bei dieser Temperatur gehalten.
Nach den in Tabelle 4 angegebenen Zeiten wurden Prüfkörper entnommen und die mechanischen
Daten gemäss den oben angegebenen Normen ermittelt.
Beständigkeit gegen Schwefelsäuredämpfe:
[0052] In ein Bombenrohr (DN80/12-155657, Volumen = 1 L) wurden 200 mL verdünnte (verdünnt
mit destilliertem Wasser) Schwefelsäure (pH1) gegeben. Oberhalb dieser Lösung wurde
ein Gitter eingesetzt und die Prüfkörper auf dieses Gitter gestellt. Das Bombenrohr
wurde fest verschlossen und in einem Ofen auf 100°C erhitzt, und bei dieser Temperatur
gehalten, so dass die Prüfkörper mit den entstehenden Dämpfen in Kontakt kamen. Nach
den in Tabelle 4 angegebenen Zeiten wurden Prüfkörper entnommen und die ebenfalls
in dieser Tabelle angegebenen mechanischen Daten gemäss den oben angegebenen Normen
ermittelt.
Beständigkeit gegen wässrige Essigsäure (pH2):
[0053] Die Prüfkörper wurden in ein Bombenrohr (DN80/12-155657, Volumen = 1L) gegeben und
mit verdünnter (verdünnt mit destilliertem Wasser) Essigsäure (pH2), befüllt, so dass
die Prüfkörper komplett in die Lösung eintauchten. Anschliessend wurde das Bombenrohr
fest verschlossen und in einem Ofen auf 100°C erhitzt, und bei dieser Temperatur gehalten.
Nach den in Tabelle 4 angegebenen Zeiten wurden Prüfkörper entnommen und die mechanischen
Daten gemäss den oben angegebenen Normen ermittelt.
Beständigkeit gegen Essigsäuredämpfe:
[0054] In ein Bombenrohr (DN80/12-155657, Volumen = 1 L) wurden 200 mL verdünnte (verdünnt
mit destilliertem Wasser) Essigsäure (pH2) gegeben. Oberhalb dieser Lösung wurde ein
Gitter eingesetzt und die Prüfkörper auf dieses Gitter gestellt. Das Bombenrohr wurde
fest verschlossen und in einem Ofen auf 100°C erhitzt, und bei dieser Temperatur gehalten,
so dass die Prüfkörper mit den entstehenden Dämpfen in Kontakt kamen. Nach den in
Tabelle 4 angegebenen Zeiten wurden Prüfkörper entnommen und die ebenfalls in dieser
Tabelle angegebenen mechanischen Daten gemäss den oben angegebenen Normen ermittelt.
Schmelzefestigkeit
[0055] Unter der Schmelzefestigkeit wird das "Standvermögen" des Vorformlings beim Extrusionsblasformen
verstanden. Wie bereits oben erwähnt sind zum Extrusionsblasformen nur Formmassen
geeignet, deren Schmelzefestigkeit in einem bestimmten Bereich, d.h. in einem geeigneten
Verarbeitungsfenster, liegt. Die Anmelderin hat ein eigenes, praxisbezogenes Verfahren
entwickelt, nach welchem beurteilt wird, ob die Schmelzefestigkeit im genannten Bereich
liegt. Bei diesem Verfahren wird ein Schmelzeschlauch kontinuierlich über einen Winkelkopf
extrudiert. Als Messgrösse wird die Zeit verwendet, die der Schlauch benötigt, um
den Abstand von der Düse bis zum Boden zurückzulegen. Dieser Abstand beträgt bei der
verwendeten Anordnung 112 cm. Bei der Messung der Schmelzefestigkeit wird mit einem
konstanten Ausstoss von 100 Kubikzentimetern Formmassen-Schmelze pro Minute und einer
an den Polymertyp angepassten Temperatur (siehe Werte in Tabelle 3) gefahren. Die
Zeitmessung wird in dem Moment gestartet, wenn der aus einer ringförmigen Extrusionsdüse
kontinuierlich austretende Schmelzeschlauch an der Extrusionsdüse mit einem Spachtel
abgestochen wird. Man stoppt die Zeit, sobald der neu austretende und nach unten wandernde
Schlauchabschnitt den Boden berührt. Ein Material, das das zunehmende Eigengewicht
(durch die laufend extrudierte Schmelze) schlecht tragen kann, d.h. sich viskos zu
dehnen beginnt, wird sich stärker längen und dadurch die Spitze des Schmelzeschlauchs
den Boden früher berühren, d.h. die kürzere Messzeit entspricht einer geringeren Schmelzefestigkeit.
Der praktische Vorteil dieser Methode zur Ermittlung der Blasformfähigkeit ist, dass
sie nicht nur auf einer einzigen isoliert betrachteten Eigenschaft wie dem Molekulargewicht
des Polyamids oder einer Viskosität beruht, sondern dass noch alle weiteren Einflussgrössen,
die für das Verhalten des extrudierten Vorformling-Schmelzeschlauchs relevant sind,
automatisch und auf integrale Weise in die gemessene Zeit einfliessen.
[0056] Die folgenden Tabellen 3 und 4 stellen eine Übersicht über die experimentellen Untersuchungen
und Ergebnisse hinsichtlich Blasformbarkeit und Säurebeständigkeit dar.

Das Vergleichsbeispiel VB4 entspricht übrigens einer repräsentativen Zusammensetzung
aus der oben diskutierten
EP 2 325 260 A1. Trotz an und für sich entsprechender Copolyamid-Zusammensetzung war aber das Material
von VB4 nicht durch Blasformen verarbeitbar.
[0057] Die Zusammensetzungen gemäss VB1 und VB2 erwiesen sich zwar als blasformbar, zeigten
aber nach der Säurelagerung einen starken Abfall der mechanischen Eigenschaften. Bemerkenswert
ist dabei auch, dass die Vergleichsmaterialien aus VB1 und VB2 vor der Säurebehandlung
höhere Werte für die mechanischen Eigenschaften als die erfindungsgemässen Materialien
aufweisen, aber nach der Säurelagerung deutlich unter die Werte für das erfindungsgemässe
Material aus B1 abfallen.
[0058] Die Versuche haben also gezeigt, dass nur die ausgewogene, erfinderische Zusammensetzung
einer Polyamid-Formmasse mit allen drei obligatorischen Komponenten in den ausgewählten
Mengenanteilen gemäss Anspruch 1 die Aufgabenstellung in beiden Aspekten, Blasformbarkeit
und Säurebeständigkeit, zu erfüllen vermag. Die gute Säurebeständigkeit bei gleichzeitiger
Blasformbarkeit war für den Fachmann nicht zu erwarten.
[0059] Damit kann mit dieser Erfindung eine vorteilhafte Polyamid-Formmasse zur Verfügung
gestellt werden, welche sich wirtschaftlich durch Blasformen zu Formkörpern wie Rohren
und Schläuchen verarbeiten lässt, und die das Problem löst, dass Leitungen, insbesondere
Leitungen für Luftsysteme, die bei Motorfahrzeugen mit Abgasen in Kontakt kommen,
aus den bisher bekannten Polyamid-Blasformmassen nach kurzer Zeit durch Säuredämpfe
angegriffen wurden. Leitungen aus der vorliegenden, erfindungsgemässen Polyamid-Formmasse
haben jedoch eine derart erhöhte Säureresistenz, dass die mechanischen Eigenschaften
auch bei starker Säureeinwirkung nicht unter 50 % der Ausgangswerte abfallen und somit
eine sichere Funktion gewährleistet ist.
1. Polyamid-Formmasse mit folgender Zusammensetzung:
(a) 45 - 97.9 Gew.-% eines Copolyamids, wobei dieses aufgebaut ist aus
(a1) mindestens einem Diamin ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus 1,6-Hexandiamin,
Nonandiamin, und 1,10-Decandiamin, und
(a2) Terephthalsäure, und
(a3) mindestens einem weiteren polyamidbildenden Monomer ausgewählt aus der Gruppe:
Dicarbonsäure mit 8 - 18 Kohlenstoffatomen, Lactam mit 6 bis 12 Kohlenstoffatomen,
Aminosäure mit 6 bis 12 Kohlenstoffatomen, und Mischungen davon;
(b) 2 - 10 Gew.-% zumindest eines Schlagzähmodifikators;
(c) 0.1 - 10 Gew.-% zumindest eines Viskositätsmodifikators; und
(d) 0 - 35 Gew.-% Additive und/oder Zusatzstoffe;
wobei sich die Komponenten (a) bis (d) in der Summe auf 100 Gew.-% der Polyamid-Formmasse
ergänzen.
2. Polyamid-Formmasse gemäss Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass (a1) eine Kombination von 1,6-Hexandiamin und 1,10-Decandiamin ist.
3. Polyamidformmasse gemäss Anspruch 1 oder 2 mit folgender Zusammensetzung:
(a) 69 - 90.9 Gew.-% eines Copolyamids, wobei dieses aufgebaut ist aus
(a1) 1,6-Hexandiamin und 1,10-Decandiamin, und
(a2) Terephthalsäure, und
(a3) mindestens einem weiteren polyamidbildenden Monomer ausgewählt aus der Gruppe:
Dicarbonsäure mit 8 - 18 Kohlenstoffatomen, Lactam mit 6 bis 12 Kohlenstoffatomen,
Aminosäure mit 6 bis 12 Kohlenstoffatomen, und Mischungen davon;
(b) 7 - 10 Gew.-% zumindest eines Schlagzähmodifikators;
(c) 0.1 - 5 Gew.-% zumindest eines Viskositätsmodifikators; und
(d) 2 - 16 Gew.-% Additive und/oder Zusatzstoffe;
wobei sich die Komponenten (a) bis (d) in der Summe auf 100 Gew.-% der Polyamid-Formmasse
ergänzen.
4. Polyamid-Formmasse gemäss Anspruch 2 oder 3, dadurch gekennzeichnet, dass das mindestens eine weitere polyamidbildende Monomer (a3) Dodecandisäure ist.
5. Polyamid-Formmasse gemäss einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Schlagzähmodifikator (b) ein Maleinsäureanhydrid-gepfropfter Blend aus Ethylen-Propylen-Copolymer
und Ethylen-Butylen-Copolymer, ein Ionomer, ein Blockpolymer des SEBS-Typs, Ethylen-Vinylacetat-Copolymere,
oder ein Copolymer auf Polyolefinbasis das Acryl-oder Methacrylsäure enthält, ist.
6. Polyamid-Formmasse gemäss Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der Schlagzähmodifikator (b) in 4 bis 10 Gewichtsprozent, bevorzugt einerseits in
5 bis 6 Gewichtsprozent oder alternativ andererseits in 6 bis 9 Gewichtsprozent, bezogen
auf 100 Gewichtsprozent der Polyamidformmasse, welche sich aus den oben beschrieben
Komponenten (a) bis (d) zusammensetzt, eingesetzt wird.
7. Polyamid-Formmasse gemäss einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Viskositätsmodifikator (c) ausgewählt ist aus der Gruppe bestehend aus einem
Polycarbonat in einem säureterminierten Polyamid, einem acrylsäuremodifizierten Polyethylen
hoher Dichte, einem aromatischen Polycarbodiimid, einem acrylsäuremodifizierten linearen
Polyethylen niedriger Dichte, 1,1'-carbonyl-bis-caprolactamat und 1,4-Phenylen-bis(2-oxazolin).
8. Polyamid-Formmasse gemäss Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass der Viskositätsmodifikator in 0.1 bis 5 Gewichtsprozent und bevorzugt in 0.1 bis
4 Gewichtsprozent bezogen auf 100 Gewichtsprozent der Polyamidformmasse, welche sich
aus den oben beschrieben Komponenten (a) bis (d) zusammensetzt, eingesetzt wird.
9. Polyamid-Formmasse gemäss einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Additive und/oder Zusatzstoffe (d) ausgewählt sind aus einer Gruppe, die Stabilisatoren;
Pigmente; Farbstoffe; Leitfähigkeitsadditive wie Russ, Graphit und Kohlenstoffnanofibrillen;
Flammschutzmittel wie Phosphinsäuresalze; Glasfasern und Schichtsilikate umfasst.
10. Polyamid-Formmasse gemäss einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass sie beständig gegen Säure, insbesondere gegen Schwefelsäure und Essigsäure ist.
11. Polyamid-Formmasse gemäss einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass sie blasformbar ist und bei der angewandten Verarbeitungstemperatur eine Schmelzefestigkeit
im Bereich von 35 bis 55 Sekunden, bevorzugt im Bereich von 36 bis 53 Sekunden und
besonders bevorzugt im Bereich von 37 bis 52 Sekunden aufweist.
12. Formkörper, insbesondere Rohre und Schläuche, hergestellt aus einer Polyamid-Formmasse
gemäss einem der vorhergehenden Ansprüche.
13. Verfahren zur Herstellung von Formkörpern, insbesondere von Rohren und Schläuchen
aus einer Polyamid-Formmasse, dadurch gekennzeichnet, dass eine Polyamid-Formmasse gemäss einem der Ansprüche 1 bis 11 extrusionsblasgeformt
wird.
14. Verfahren gemäss Anspruch 13, dadurch gekennzeichnet, dass beim Extrusionsblasformen 3D-Blasformen oder Saugblasformen angewandt wird.
15. Verwendung einer Polyamid-Formmasse gemäss einem der Ansprüche 1 bis 11, eines Formkörpers
gemäss Anspruch 12 oder eines Verfahrens zur Herstellung von Formkörpern gemäss Anspruch
13 oder 14 für Leitungen, insbesondere Leitungen für Luftsysteme, die bei Motorfahrzeugen
mit Abgasen in Kontakt kommen.
16. Verwendung gemäss Anspruch 15, dadurch gekennzeichnet, dass eine Leitung für Luftsysteme die mit Abgasen in Kontakt steht bei einem Ottomotor
oder Dieselmotor eingebaut ist.