[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung zum Herstellen von Dosen
aus Dosenrohlingen mittels Druckumformen.
[0002] Dosen werden üblicherweise aus Dosenrohlingen, sogenannten Butzen, mittels Druckumformen
hergestellt.
[0003] Die derart hergestellten Dosen müssen eine vorgegebene Dosenbodendicke aufweisen,
um beispielsweise einem Fülldruck ausreichend standzuhalten.
[0004] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren und eine Vorrichtung zum
Herstellen von Dosen aus Dosenrohlingen mittels Druckumformen zur Verfügung zu stellen,
die eine einfache und zuverlässige Einstellung und/oder Regelung einer gewünschten
Dosenbodendicke ermöglichen.
[0005] Die Erfindung löst diese Aufgabe durch ein Verfahren nach Anspruch 1 und eine Vorrichtung
nach Anspruch 5.
[0006] Das Verfahren dient zum Herstellen von Dosen aus Dosenrohlingen mittels Druckumformen.
[0007] Beim Druckumformen kann es sich um (Kalt-)Rückwärtsfließpressen handeln. Hierbei
wird der Werkstoff, beispielsweise Aluminium, unter Einwirkung eines hohen Druckes
zum Fließen gebracht. Hierzu wird ein Dosenrohling in einer teilweise geschlossenen
Matrize bzw. einem teilweise geschlossenen Gesenk angeordnet und mittels eines Stempels,
der in die Matrize eindringt, druckbeaufschlagt. Das Dosenmaterial fließt durch den
Spalt zwischen Stempel und (geschlossener) Matrize entgegengesetzt zur Stempelbewegung
bzw. zum Stempelarbeitshub, d.h. rückwärts am Stempel entlang.
[0008] Bei dem Druckumform-Vorgang zum Herstellen einer Dose wird folglich der Dosenrohling
herkömmlich in eine Matrize eingelegt und anschließend wird mittels eines Stempels
eine Kraft auf den Dosenrohling ausgeübt. Der Stempel führt herkömmlich einen, insbesondere
rein translatorischen, Arbeitshub aus, dessen Lage (Position, Entfernung) relativ
zur Matrize einstellbar ist. Eine Veränderung der Lage des Arbeitshubes relativ zur
Matrize verändert die Eindringtiefe des Stempels in die Matrize, wodurch sich die
Dosenbodendicke verändert.
[0009] Da es sich bei den bislang genannten Verfahrensschritten um an sich bekannte Verfahrensschritte
handelt, sei auch auf die einschlägige Fachliteratur verwiesen, um Wiederholungen
zu vermeiden.
[0010] Während eines jeweiligen Druckumform-Vorgangs wird eine durch den Stempel auf den
Dosenrohling ausgeübte bzw. bewirkte Kraft oder eine hiermit in Beziehung stehende
Kraft an mindestens einer vorgegebenen Position des Arbeitshubes gemessen.
[0011] Die Lage bzw. Position des Arbeitshubes relativ zur Matrize, d.h. die Eindringtiefe
des Stempels in die Matrize, wird in Abhängigkeit von der gemessenen Kraft eingestellt
bzw. geregelt.
[0012] Der Erfindung liegt die Erkenntnis zugrunde, dass die Dosenbodendicke von der gemessenen
Kraft abhängt. Die gemessene Kraft kann daher als Istwert eines geschlossenen Dosenbodendicken-Regelkreises
verwendet werden, wobei als Stellgröße die Lage bzw. Position des Arbeitshubes relativ
zur Matrize dient.
[0013] Das Verfahren kann weitere folgende Schritte aufweisen: Vergleichen der gemessenen
Kraft mit einer vorgebbaren bzw. vorgegebenen Soll-Kraft, die empirisch oder rechnerisch
ermittelt werden kann, und Verlagern des Arbeitshubes in Richtung der Matrize, wenn
die gemessene Kraft größer als die Soll-Kraft ist, und Verlagern des Arbeitshubes
entgegen der Richtung der Matrize bzw. weg von der Matrize, wenn die gemessene Kraft
kleiner als die Soll-Kraft ist.
[0014] Die vorgegebene Position kann in einem Bereich zwischen 80% und 90% des Arbeitshubes
(in eine Richtung) liegen.
[0015] Mittels des Druckumformvorgangs hergestellte Dosen bzw. Zylinder können automatisch
aussortiert bzw. ausgeschleust werden, wenn die gemessene Kraft (FM) und somit die
entsprechende Bodendicke außerhalb eines vorgegebenen Toleranzbereichs liegt. Somit
kann ein nachfolgender Kontrollschritt mit dediziertem Messen der Bodendicke gänzlich
entfallen, d.h. es kann ein vollautomatisierter Herstellungsprozess inklusive integrierter
Bodendickenkontrolle und Aussortieren von Dosen mit fehlerhafter Bodendicke implementiert
werden.
[0016] Die Vorrichtung ist zur Durchführung des oben genannten Verfahrens ausgebildet.
[0017] Die Vorrichtung weist auf: eine herkömmliche Matrize, in die ein herkömmlicher Dosenrohling
einlegbar ist, einen herkömmlichen Stempel zur Ausübung einer Kraft auf den Dosenrohling,
wobei der Stempel einen Arbeitshub ausführt, und eine herkömmliche Stelleinrichtung,
mittels der die Lage des Arbeitshubes relativ zur Matrize einstellbar ist.
[0018] Die Vorrichtung weist weiter ein Messmittel zum Messen einer durch den Stempel auf
den Dosenrohling ausgeübten Kraft an mindestens einer vorgegebenen Position des Arbeitshubes
und ein Steuermittel zum automatischen Einstellen der Lage des Arbeitshubes relativ
zur Matrize in Abhängigkeit von der gemessenen Kraft auf.
[0019] Die Vorrichtung kann weiter eine Kniehebelpresse aufweisen, wobei das Messmittel
ein Dehnungssensor bzw. Dehnungsmesstreifen ist, der auf einem solchen Kniehebel der
Kniehebelpresse angeordnet ist, der mit dem Stempel mechanisch gekoppelt ist.
[0020] Die Vorrichtung kann weiter einen Drehwinkelgeber zur Erfassung der momentanen Position
des Arbeitshubes aufweisen.
[0021] Die Erfindung wird nachfolgend unter Bezugnahme auf die Zeichnungen beschrieben.
Hierbei zeigt schematisch:
- Fig. 1
- ein seitliches Schnittbild einer Vorrichtung zum Herstellen von Dosen aus Dosenrohlingen
mittels Druckumformen,
- Fig. 2
- eine Draufsicht auf einen Ausschnitt der in Fig. 1 gezeigten Vorrichtung und
- Fig. 3
- ein Kraft-Weg-Diagramm eines mittels der in den Figuren 1 und 2 gezeigten Vorrichtung
durchgeführten Druckumform-Vorgangs.
[0022] Fig. 1 zeigt ein seitliches Schnittbild einer Vorrichtung zum Herstellen von Dosen
aus Dosenrohlingen mittels Kaltrückwärtsfließpressen.
[0023] Die Vorrichtung weist ein herkömmliches Gesenk bzw. eine herkömmliche Matrize 8 auf,
in die ein nicht dargestellter Dosenrohling herkömmlich einlegbar ist.
[0024] Weiter ist ein herkömmlicher Stempel 7 zur Ausübung einer Kraft auf den Dosenrohling
vorgesehen, wobei der Stempel 7 einen translatorischen bzw. stempelaxialen Arbeitshub
A ausführt.
[0025] Zur Erzeugung der notwendigen Umformkräfte ist eine herkömmliche Kniehebelpresse
vorgesehen, wobei ein vorderer Kniehebel 5 der Kniehebelpresse mittels einer Kopplungseinrichtung
mit dem Stempel 7 mechanisch gekoppelt ist.
[0026] Mittels einer Stelleinrichtung in Form eines Stellmotors 4, der auf einen Presskeil
3 einwirkt, ist die Lage bzw. Entfernung des Stempels 7 bzw. des Arbeitshubes A relativ
zur Matrize 8 und somit eine Eindringtiefe des Stempels 7 in die Matrize 8 einstellbar,
d.h. mittels der Stelleinrichtung 4 und 3 lässt sich eine Dosenbodendicke einstellen.
[0027] Ein Messmittel in Form eines Dehnungssensors 1 dient zum Messen einer durch den Stempel
7 auf den Dosenrohling ausgeübten Kraft FM (siehe Fig. 3) an mindestens einer vorgegebenen
Position P (siehe Fig. 3) des Arbeitshubes A. Der Dehnungssensor 1 ist auf dem vorderen
Kniehebel 5 der Kniehebelpresse angeordnet. Exemplarisch wird in Fig. 3 an genau einer
vorgegebenen Position P eine Kraft FM gemessen. Es versteht sich, dass vor der Position
P und/oder nach der Position P weitere Messpositionen vorgesehen sein können, an denen
eine zugehörige auf den Dosenrohling ausgeübte Kraft gemessen wird, wobei für diesen
Fall die Lage des Arbeitshubes A relativ zur Matrize 8 in Abhängigkeit von sämtlichen
gemessenen Kräften eingestellt wird.
[0028] Ein mit dem Dehnungssensor 1 und dem Stellmotor 4 gekoppeltes Steuermittel 9, beispielsweise
in Form eines Mikroprozessors, ist zum Einstellen der Lage des Stempels 7 bzw. des
Arbeitshubes A relativ zur Matrize 8 in Abhängigkeit von der gemessenen Kraft FM vorgesehen.
[0029] Das Steuermittel 9 vergleicht die gemessene Kraft FM mit einer gespeicherten, empirisch
ermittelten Soll-Kraft und verlagert den Stempel 7 bzw. den Arbeitshub A durch geeignetes
Ansteuern des Stellmotors 4 in Richtung der Matrize 8, wenn die gemessene Kraft größer
als die Soll-Kraft ist, so dass die Dosenbodendicke abnimmt, und verlagert entsprechend
den Stempel 7 bzw. den Arbeitshub A durch geeignetes Ansteuern des Stellmotors 4 weg
von der Matrize 8, wenn die gemessene Kraft FM kleiner als die Soll-Kraft ist, so
dass die Dosenbodendicke zunimmt.
[0030] Zur Erfassung einer momentanen Position des Arbeitshubes A ist ein Drehwinkelgeber
2 vorgesehen. Ein vollständiger Arbeitshub entspricht einer Drehung um 360 Winkelgrad.
[0031] Der Dehnungssensor 1 ist auf einer bearbeiteten Fläche, möglichst mittig, auf dem
vorderen Kniehebel 5 der Kniehebelpresse zu montieren.
[0032] Der Drehwinkelgeber 2 sitzt auf einer Kurvenwelle 6 der Kniehebelpresse. Einer vollständigen
Umdrehung der Kurvenwelle 6 entsprechen 360° des Drehgebers 2, d.h. 360° des Drehgebers
2 entsprechen einem vollständigen Arbeitshub der Kniehebelpresse.
[0033] Die axiale bzw. translatorische Hubbewegung des Stempels 7, d.h. eine Amplitude des
Arbeitshubes, ist konstant. Die Lage bzw. Position des Stempels 7 bzw. Arbeitshubes
relativ zur Matrize 8 kann mittels des Presskeils 3, der mittels des Stellmotors 4
angetrieben wird, verändert werden. Wird der Presskeil 3 nach unten geschoben, so
verlagert sich die Lage des Arbeitshubes Richtung Matrize bzw. Gesenk 8 und der Boden
der Dose wird dünner. Wird entsprechend der Presskeil 3 nach oben geschoben, so verlagert
sich die Lage des Arbeitshubes weg von der Matrize bzw. dem Gesenk 8 und der Boden
der Dose wird dicker. Es versteht sich, dass in Abhängigkeit von einem Pressentyp
dieses Verhalten invertiert sein kann.
[0034] Fig. 2 zeigt zur Verdeutlichung eine Draufsicht auf einen Ausschnitt der in Fig.
1 gezeigten Vorrichtung.
[0035] Fig. 3 zeigt ein Kraft-Weg-Diagramm bzw. Kraft-Winkel-Diagramm eines mittels der
in den Figuren 1 und 2 gezeigten Vorrichtung durchgeführten exemplarischen Druckumform-Vorgangs.
[0036] Der Nullpunkt des Drehwinkelgebers 2 ist kurz vor dem Auftreffen des Stempels 7 auf
den Dosenrohling. Die Kraftbeaufschlagung beginnt bei ca. 17° und endet bei ca. 115°.
[0037] Die vorgegebene Position P des Arbeitshubes A, an der die durch den Stempel 7 auf
den Dosenrohling ausgeübte Kraft FM gemessen wird, entspricht ca. 97°.
[0038] Wenn der Dosenboden dicker wird, erhöht sich die Kraft FM. Bei einem dünneren Boden
verringert sich die Kraft FM entsprechend.
[0039] Die Erfindung ermöglicht eine einfache und zuverlässige Regelung einer gewünschten
Dosenbodendicke allein mittels Kraftmessung an einer vorgegebenen Position des Arbeitshubes.
Eine aufwändige unmittelbare Messung der Dosenbodendicke kann daher entfallen.
[0040] Mittels des Druckumformvorgangs hergestellte Dosen bzw. Zylinder können automatisch
aussortiert bzw. ausgeschleust werden, wenn die gemessene Kraft (FM) und somit die
entsprechende Bodendicke au-ßerhalb eines vorgegebenen Toleranzbereichs liegt. Somit
kann ein nachfolgender Kontrollschritt mit dediziertem Messen der Bodendicke gänzlich
entfallen, d.h. es kann ein vollautomatisierter Herstellungsprozess inklusive integrierter
Bodendickenkontrolle und Aussortieren von Dosen mit fehlerhafter Bodendicke implementiert
werden.
1. Verfahren zum Herstellen von Dosen aus Dosenrohlingen mittels Druckumformen,
gekennzeichnet durch die Schritte:
- Ausführen eines Druckumform-Vorgangs zum Herstellen einer Dose, bei dem der Dosenrohling
in eine Matrize (8) eingelegt und anschließend mittels eines Stempels (7) eine Kraft
auf den Dosenrohling ausgeübt wird, wobei der Stempel (7) einen Arbeitshub (A) ausführt,
dessen Lage relativ zur Matrize (8) einstellbar ist,
- Messen einer durch den Stempel (7) auf den Dosenrohling ausgeübten Kraft (FM) an mindestens einer vorgegebenen
Position (P) des Arbeitshubes (A) und
- Einstellen der Lage des Arbeitshubes (A) relativ zur Matrize (8) in Abhängigkeit
von der gemessenen Kraft (FM).
2. Verfahren nach Anspruch 1,
gekennzeichnet durch die Schritte:
- Vergleichen der gemessenen Kraft mit einer Soll-Kraft und
- Verlagern des Arbeitshubes (A) in Richtung der Matrize (8), wenn die gemessene Kraft
größer als die Soll-Kraft ist, und Verlagern des Arbeitshubes (A) entgegen der Richtung
der Matrize (8), wenn die gemessene Kraft kleiner als die Soll-Kraft ist.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die vorgegebene Position (P) in einem Bereich zwischen 80% und 90% des Arbeitshubes
(A) liegt.
4. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass Dosen automatisch aussortiert werden, wenn die gemessene Kraft (FM) außerhalb eines
vorgegebenen Toleranzbereichs liegt.
5. Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens nach einem der Ansprüche 1 bis 4, aufweisend:
- eine Matrize (8), in die ein Dosenrohling einlegbar ist,
- einen Stempel (7) zur Ausübung einer Kraft auf den Dosenrohling, wobei der Stempel
(7) einen Arbeitshub (A) ausführt,
- eine Stelleinrichtung (4, 3), mittels der die Lage des Arbeitshubes (A) relativ
zur Matrize (8) einstellbar ist,
- ein Messmittel (1) zum Messen einer durch den Stempel (7) auf den Dosenrohling ausgeübten
Kraft (FM) an mindestens einer vorgegebenen Position (P) des Arbeitshubes und
- ein Steuermittel (9) zum Einstellen der Lage des Arbeitshubes (A) relativ zur Matrize
(8) in Abhängigkeit von der gemessenen Kraft (FM).
6. Vorrichtung nach Anspruch 5,
gekennzeichnet durch
- eine Kniehebelpresse, wobei das Messmittel ein Dehnungssensor (1) ist, der auf einem
Kniehebel (5) der Kniehebelpresse angeordnet ist, der mit dem Stempel (7) gekoppelt
ist.
7. Vorrichtung nach Anspruch 5 oder 6,
gekennzeichnet durch
- einen Drehwinkelgeber (2) zur Erfassung der Position des Arbeitshubes (8).