[0001] Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren und eine Vorrichtung zum Gießen von
Rohren mit einem einen ringförmigen Formraum zwischen einem zylindrischen Kern und
einem Formmantel bildenden Formwerkzeug, wobei eine Metallschmelze in den Formraum
gegossen und durch Kühlung erstarrt wird.
[0002] Nahtlose Rohre können im Blockgussverfahren mit Hilfe eines Formwerkzeugs hergestellt
werden, das aus einem zylindrischen Kern und einem diesen Kern mit Abstand umschließenden,
rohrförmigen Formmantel aufgebaut ist, zwischen dem und dem Kern die Metallschmelze
eingebracht wird. Die Entformung des gegossenen Rohrs erfolgt nach der zugleich von
innen und außen einsetzenden Erstarrung der Schmelze. Das Blockgießen von Rohren ist
daher zeit- und arbeitsaufwendig, sodass der Bedarf nach einem kontinuierlichen Gießverfahren
von Rohren gegeben ist. Allerdings sind bekannte Stranggießanlagen zur Herstellung
von Rohren ungeeignet.
[0003] Um dünnwandige Rohre in einem kontinuierlichen Gießverfahren herstellen zu können,
wurde daher vorgeschlagen
JP (63010046 A), einen ringförmigen Formraum zu schaffen, der mit dem erstarrenden Rohrstrang mitbewegt
wird. Zu diesem Zweck werden der aus einem unteren und zwei seitlichen Plattenförderern
und einem an die beiden seitlichen Förderer anschließenden oberen Bandförderer gebildeten
Formmantel ein aus einzelnen axialen Abschnitten zusammengesetzter Kern zugeführt
und die Metallschmelze in den ringförmigen Formraum zwischen dem Kern und dem Formmantel
eingebracht, sodass der Schmelzestrang zwischen dem mitlaufenden Kern und dem ebenfalls
mitlaufenden Formmantel von innen und außen fortschreitend erstarrt, um nach dem Austritt
aus dem Formmantel über Kühldüsen gekühlt zu werden, bevor die im Stoßbereich zwischen
den Förderern des Formmantels gebildeten Grate spanabhebend beseitigt und der Rohrrohling
entsprechend den axialen Abschnitten des Kerns durchtrennt wird, um die abgetrennten
Rohrstücke von den zugehörigen Kernabschnitte axial abziehen zu können. Dieses Abziehen
der abgetrennten Rohrstücke von den Kernabschnitten ist erforderlich, um die einzelnen
Kernabschnitte in einer Umlaufbahn wieder auf die Zufuhrseite der Außenform bringen
zu können. Das Mitlaufen des Kerns mit dem Gießstrang vermeidet zwar eine Gleitreibung
zwischen der erstarrenden Innenschale des Gießstrangs und dem Kern, bringt aber erhebliche
Schwierigkeiten mit sich, weil beispielsweise bei der Schmelzezufuhr zum Formraum
zwischen dem Kern und dem Formmantel die Bewegung dieser Formteile berücksichtigt
werden muss. Außerdem kann der Kern kaum innerhalb des Formmantels zentrisch geführt
werden, sodass insbesondere bei einem horizontalen Stranggießen die Gefahr von über
den Umfang unterschiedlichen Wanddicken des Rohrrohlings besteht. Dazu kommt, dass
der Gießstrang in einzelne Rohrstücke unterteilt werden muss, was in Verbindung mit
dem Abziehen dieser Rohrstücke von den jeweiligen Kernabschnitten nicht nur den Handhabungsaufwand
vergrößert, sondern auch die kontinuierliche Gießgeschwindigkeit begrenzt und eine
Weiterverarbeitung des Rohrrohlings in Form eines Rohrstrangs ausschließt.
[0004] Der Erfindung liegt somit die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zum kontinuierlichen
Gießen von Rohren auch unter der Voraussetzung zu schaffen, dass der kontinuierlich
hergestellte Rohrstrang gegebenenfalls im unmittelbaren Anschluss an das Gießverfahren
durch ein Warmverformen weiterverarbeitet werden kann.
[0005] Ausgehend von einem Verfahren der eingangs geschilderten Art löst die Erfindung die
gestellte Aufgabe dadurch, dass die Metallschmelze über ein vom Kern koaxial durchsetztes
Gießrohr oder über den Kern selbst in einem kontinuierlichen Strang durch den sich
zwischen dem feststehenden Kern und einer mitlaufenden Kokille gebildeten Formraum
gefördert und während der Förderung über die Kokille fortschreitend von außen nach
innen bis zur Durcherstarrung erstarrt wird.
[0006] Der im Gegensatz zur mitlaufenden Kokille feststehende Kern stellt eine wesentliche
Voraussetzung für eine einfache, gleichmäßige und kaum störungsanfällige Schmelzezufuhr
zum ringförmigen Formraum zwischen dem durch die Kokille gebildeten Formmantel und
dem Kern dar, weil der Kern ein an einen Gießbehälter angeschlossenes Gießrohr axial
durchsetzen oder dieses Gießrohr selbst bilden kann. Durch die Maßnahme, den sich
zwischen der einen Formmantel bildenden Kokille und dem Kern bildenden rohrförmigen
Strang aus Metallschmelze über die mitlaufende Kokille ausschließlich von außen fortschreitend
zu kühlen, wird erreicht, dass weder im Kokillenbereich noch im Bereich des die Kokille
durchsetzenden Kerns das gleichmäßige Abziehen des erstarrten Rohrstrangs behindernde
Widerstände auftreten können, weil im Bereich der bereits erstarrten Außenschale des
Strangs die den Formmantel bildende Kokille mit dem Strang mitläuft und im Kernbereich
die noch flüssige Innenschale des Strangs eine störungsfreie Axialbewegung des Strangs
gegenüber dem Kern ermöglicht. Es sind folglich die Abzugsgeschwindigkeit des Strangs
und die Kühlungsrate des Strangs über die Kokille unter Berücksichtigung der axialen
Kokillenlänge so aufeinander abzustimmen, dass der Strang kurz vor dem Erreichen des
auslaufseitigen Endes des Kokille durcherstarrt ist.
[0007] Die Austrittstemperatur des Rohrstrangs am Auslaufende der umlaufenden Kokille ermöglicht
eine unmittelbar anschließende Warmverformung, um beispielsweise den Querschnitt des
Rohrstrangs gegebenenfalls in mehreren Verformungsstufen umzuformen bzw. seinen Durchmesser
zu reduzieren. Zu diesem Zweck kann der kontinuierlich gegossene Strang nach dem Austritt
aus der Kokille unmittelbar einer Weiterverarbeitung durch ein Warmwalzen unterzogen
werden.
[0008] Zur Durchführung des Verfahrens können vergleichsweise einfach aufgebaute Vorrichtungen
vorgesehen werden, die sich dadurch auszeichnen, dass der rohrförmige Formmantel des
an einen Gießbehälter angeschlossenen Formwerkzeugs als eine umlaufende, zum feststehenden
Kern koaxiale Kokille ausgebildet ist, die wenigstens zwei umlaufende Plattenketten
mit sich zu einer umfangsgeschlossenen Hohlform ergänzenden, gekühlten Formelementen
aufweist. Die aus dem Gießbehälter in den ringförmigen Formraum zwischen dem Kern
und der Kokille fließende Metallschmelze wird von der umlaufenden Kokille erfasst
und über deren Formelemente gekühlt, sodass die Metallschmelze während ihrer Förderung
im Bereich der umlaufenden Kokille von außen nach innen fortschreitend erstarrt. Der
sich über den Formmantel hinaus durch die Kokille erstreckende Kern sichert dabei
den inneren Querschnitt des Rohrstrangs, der im Bereich des nicht gekühlten Kerns
über eine weite Strecke noch flüssig ist und damit das Abziehen vom Kern erheblich
vereinfacht.
[0009] Eine Möglichkeit, die Metallschmelze aus dem Gießbehälter in den Formraum zwischen
Kern und Kokille zu fördern, besteht darin, zwischen der Kokille und dem Gießbehälter
ein in die Kokille mündendes, vom Kern unter Freilassung eines Ringraums durchsetztes
Gießrohr vorzusehen, sodass die Metallschmelze bereits als rohrförmiger Strang in
die Kokille strömt. Betriebstechnisch ist es allerdings vorteilhafter, wenn der zylindrische
Kern das flüssigkeitsdicht abgeschlossene Einlaufende der Kokille durchsetzt und wenigstens
einen Schmelzekanal zwischen dem Gießbehälter und dem Formraum zwischen Kern und Kokille
aufweist, also das Gießrohr selbst bildet. Der Kern kann zu diesem Zweck eine das
einlaufseitige Ende der Kokille flüssigkeitsdicht verschließende Hülse aufweisen.
Die Metallschmelze fließt bei einer solchen Ausführungsform durch den Kern unmittelbar
in den Formraum zwischen Kern und Kokille. In beiden Ausführungsformen wird für ein
automatisches Nachführen der Metallschmelze in den ringförmigen Formraum zwischen
dem Kern und der Kokille in Abhängigkeit von der Abzugsgeschwindigkeit des Rohrstrangs
über den hydrostatischen Druck der Metallschmelze im Gießbehälter gesorgt.
[0010] Anhand der Zeichnung wird der Erfindungsgegenstand näher beschrieben. Es zeigen
- Fig. 1
- eine erfindungsgemäße Vorrichtung zum Gießen von Rohren in einem vereinfachten Längsschnitt
und
- Fig. 2
- eine der Fig. 1 entsprechende Darstellung einer unterschiedlichen Ausführungsform
einer erfindungsgemäßen Vorrichtung zum Gießen von Rohren.
[0011] Gemäß dem Ausführungsbeispiel nach der Fig. 1 ist ein Gießbehälter 1 zur Aufnahme
einer Metallschmelze vorgesehen, an den das aus einem Kern 2 und einer umlaufenden
Kokille 3 als Formmantel gebildete Formwerkzeug angeschlossen ist, wobei ein an den
Gießbehälter 1 angeschlossenes Gießrohr 4, das vom dornförmigen Kern 2 durchsetzt
wird, in der umlaufenden Kokille 3 mündet. Die Kokille 3 ist aus wenigstens zwei umlaufenden
Plattenketten 5 mit Formelementen 6 aufgebaut, die einander bezüglich des sich durch
die Kokille 3 erstreckenden Kerns 2 gegenüberliegen und sich zu einer der Umrissform
des herzustellenden Rohrstrangs 7 entsprechenden Hohlform ergänzen. Diese Formelemente
6 werden in an sich bekannter Weise gekühlt, sodass die aus dem Gießbehälter 1 in
den Formraum zwischen Kokille 3 und Kern 2 strömende Metallschmelze während ihrer
Förderung durch die mitlaufende Kokille 3 von außen nach innen erstarrt, um am Auslaufende
der Kokille 3 einen durcherstarrten Rohrstrang 7 abziehen zu können. Der Querschnitt
des Formraums zwischen dem Kern 2 und der Kokille 3 muss keinesfalls kreisförmig ausfallen.
Die Querschnittsform des zu gießenden Rohrstrangs 7 wird im Allgemeinen in Abhängigkeit
vom Endquerschnitt der herzustellenden Rohre gewählt werden.
[0012] Die Ausführungsform nach der Fig. 2 unterscheidet sich von der nach der Fig. 1 im
Wesentlichen nur durch die Ausbildung des Formwerkzeugs und damit verbunden durch
die Zuführung der Metallschmelze in den ringförmigen Formraum zwischen dem Kern 2
und der Kokille 3. Die Metallschmelze aus dem Gießbehälter 1 wird nämlich gemäß der
Fig. 2 über einen Schmelzekanal 8 durch den Kern 2 zugeführt, der das flüssigkeitsdicht
abgeschlossene, einlaufseitige Ende des durch die Kokille 3 flüssigkeitsdicht durchsetzt.
Dieses einlaufseitige Ende der Kokille 3 wird durch eine von der Metallschmelze nicht
benetzbare Büchse 9, beispielsweise aus Grafit, abgeschlossen. Die Metallschmelze
tritt durch Durchtrittsöffnungen 10 im Kern 2 in den Formraum zwischen dem Kern 2
und der Kokille 3 ein und bildet einen Rohrstrang, der während seiner Förderung durch
die mitlaufende Kokille 3 von außen nach innen durcherstarrt.
[0013] Die Lagerung des feuerfesten, nicht gekühlten Kerns 2, der fliegend gegenüber der
Kokille 3 gehalten werden muss, ist aus Übersichtlichkeitsgründen weder beim Ausführungsbeispiel
nach der Fig. 1 noch beim Ausführungsbeispiel nach der Fig. 2 dargestellt. Gemäß der
Fig. 2 ist allerdings eine im Vergleich zu Fig. 1 einfache Befestigung am Gießbehälter
1 möglich, weil keine Rücksicht auf das Freihalten eines Ringraums zwischen dem Gießrohr
4 und dem das Gießrohr 4 durchsetzenden Kern 2 genommen werden muss.
[0014] Obwohl für das Gießen von Rohren horizontale Stranggießanlagen gemäß den Fig. 1 und
2 besonders vorteilhaft sind, weil keine Umlenkung des Formlings erforderlich ist,
ist die Erfindung selbstverständlich nicht auf ein horizontales Stranggießen beschränkt,
weil die erfindungsgemäßen Vorteile auch beim vertikalen Gießen oder beim Gießen unter
einer beliebig geneigter Achse genützt werden können.
1. Verfahren zum Gießen von Rohren mit einem einen ringförmigen Formraum zwischen einem
zylindrischen Kern (2) und einem Formmantel bildenden Formwerkzeug, wobei eine Metallschmelze
in den Formraum gegossen und durch Kühlung erstarrt wird, dadurch gekennzeichnet, dass die Metallschmelze über ein vom Kern (2) koaxial durchsetztes Gießrohr (4) oder über
den Kern (2) selbst in einem kontinuierlichen Strang durch den sich zwischen dem feststehenden
Kern (2) und einer mitlaufenden Kokille (3) gebildeten Formraum gefördert und während
der Förderung über die Kokille (3) fortschreitend von außen nach innen bis zur Durcherstarrung
erstarrt wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der kontinuierlich gegossene Strang nach dem Austritt aus der Kokille (3) unmittelbar
einer Weiterverarbeitung durch ein Warmwalzen unterzogen wird.
3. Vorrichtung zum Gießen von Rohren nach einem Verfahren gemäß Anspruch 1 mit einem
Formwerkzeug aus einem zylindrischen Kern (2) und einem diesen Kern (2) unter Freilassung
eines ringförmigen Formraums umschließenden, rohrförmigen Formmantel, dadurch gekennzeichnet, dass der rohrförmige Formmantel des an einen Gießbehälter (1) angeschlossenen Formwerkzeugs
als eine umlaufende, zum feststehenden Kern (2) koaxiale Kokille (3) ausgebildet ist,
die wenigstens zwei umlaufende Plattenketten (5) mit sich zu einer umfangsgeschlossenen
Hohlform ergänzenden, gekühlten Formelementen (6) aufweist.
4. Vorrichtung nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass zwischen der Kokille (3) und dem Gießbehälter (1) ein in die Kokille (3) mündendes,
vom Kern (2) unter Freilassung eines Ringraums durchsetztes Gießrohr (4) vorgesehen
ist.
5. Vorrichtung nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass der zylindrische Kern (2) das flüssigkeitsdicht abgeschlossene Einlaufende der Kokille
(3) durchsetzt und wenigstens einen den Formraum zwischen Kern (2) und Kokille (3)
mit dem Gießbehälter (1) verbindenden Schmelzekanal (8) aufweist.
6. Vorrichtung nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass der Kern (2) eine das einlaufseitige Ende der Kokille (3) flüssigkeitsdicht verschließende
Hülse (9) aufweist.