[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zum Bau eines Verkehrswegetunnels
in Tübbingbauweise, bei dem Tübbingbauteile in einer maschinell erzeugten Hohlraumbohrung
zusammengesetzt werden, um eine geschlossene Tunnelwand zu bilden, und der Zwischenraum
zwischen der Innenwand der Hohlraumbohrung und den Außenwänden der Tübbingbauteile
mit Perlkies aufgefüllt wird.
[0002] Verkehrswegetunnel müssen auch Gebiete durchqueren, in denen geologisch problematische
Umgebungsverhältnisse herrschen, wie zum Beispiel Umgebungen mit wasserreaktivem Baugrund.
Beispiele für solche geologisch problematischen Umgebungsverhältnisse sind der Queenstone
- Tonstein im Bereich der großen Seen in Nordamerika und der Anhydrit im Raum Stuttgart.
Bei Tunneln in Tübbingbauweise wird der Ringspalt zwischen der Hohlraumbohrung und
den Tübbingbauteilen mit einer Mörtelsuspension verfüllt, um die Tübbingbauteile zu
stabilisieren und in dem aufgelockerten Boden einzubetten. Das Einspritzen von Mörtelsuspensionen
in denen Ringspalt erfolgt unter Druck.
[0003] Weiterhin kann bei geringeren Anforderungen an die Einbettung die Mörtelsuspension
auch durch einen Einkorn-Perlkies ersetzt werden. Diese Bauweise kann aber nur in
bestimmten Locker-Festgesteinsformationen mit geringeren Anforderungen an die Bettung
oder in stabilen Baugrundverhältnissen eingesetzt werden.
[0004] Beim Bau von Verkehrswegetunnel in Gebieten mit geologisch problematischen Umgebungsverhältnissen
kommt es oft zu Schäden an den Tunneln, wenn zum Beispiel in Umgebungen mit wasserreaktiven
Lockergesteinen oder Festgesteinen eine Verfüllung des Ringspalts mit Mörtelsuspensionen
erfolgt, da es dort aufgrund des Wassergehaltes des Mörtels zu Reaktionen kommt, die
zu schädigenden Rückwirkungen auf die Tunnelwand führen. Aus diesem Grund ist der
Einsatz von Mörtelsuspensionen beim Tunnelbau in einigen Gebieten problematisch.
[0005] Es ist Aufgabe der vorliegenden Erfindung, ein Verfahren zum Bau von Verkehrswegetunneln
in Tübbingbauweise anzugeben, mit der einschalige oder zweischalige Hohlraumbauwerke
auch bei geologisch problematischen Umgebungsverhältnissen wie quellfähigen Baugründen
mit Ringspaltverfüllung verfüllt, gebettet und gedichtet werden können. Weiterhin
sollen die Klüftigkeit und etwaige Hohlräume oder Poren des umgebenden Gesteins zementfrei
verfüllt und gedichtet werden können.
[0006] Zur Lösung dieser Aufgabe dient das Verfahren mit den Merkmalen des Patentanspruchs
1. Vorteilhafte Ausführungsformen der Erfindung sind in den Unteransprüchen aufgeführt.
[0007] Es ist vorgesehen, dass der Verkehrswegetunnel in einer maschinell erzeugten Hohlraumbohrung
in einschaliger Bauweise mittels Tübbingbauteilen erstellt wird oder zweischalig,
mit einer zusätzlichen Ortbetoninneschale erstellt wird, um eine geschlossene Auskleidung
zu erhalten. Der Zwischenraum zwischen der Innenwand der Hohlraumbohrung und den Außenwänden
der Tübbingbauteile, im Folgenden auch Ringspalt genannt, wird mit Perlkies aufgefüllt.
Erfindungsgemäß ist vorgesehen, dass nach Auffüllung des Zwischenraums mit Perlkies,
Silikatharz als zementfreie Ringspaltverfüllung unter Druck in den Zwischenraum eingespritzt
wird, um den Zwischenraum zu verfüllen, abzudichten und die Tübbingbauteile zu betten.
Dieser Verpressvorgang wird mit einem Überdruck je nach statischen Erfordernissen
ausgeführt. Die Dichtwirkung des ausgehärteten Silikatharzes verhindert gleichzeitig
Bewegungen und Reaktionen von Atmosphärilien.
[0008] In einer vorteilhaften Ausführungsform wird zum Auffüllen des Zwischenraums zwischen
den Innenwänden des Hohlraums und den Außenwänden der Tübbingbauteile Mehrkorn-Perlkies,
vorzugsweise Zweikorn-Perlkies, verwendet. Die Verbrauchsmenge des Silikatharzes kann
hierdurch erheblich reduziert werden.
[0009] Somit ist eine Füllung des Ringspalts, eine Abdichtung und Bettung der Tübbingbauteile
möglich, ohne das Wasser oder wässrige Substanzen in den Außenraum außerhalb der Tübbingbauteile
gelangt. Somit ist insbesondere der Bau von Tunneln unter problematischen geologischen
Verhältnissen in der Umgebung des Hohlraums möglich.
[0010] In einer bevorzugten Ausführungsform erfolgt das Einspritzen von Silikatharz unter
so hohem Druck, dass Auflockerungszonen oder eine natürlich vorhandene Klüftigkeit/
Porosität des umgebenden Gebirges verfüllt und gedichtet werden. Vorzugsweise erfolgt
dieses Einspritzen mit Silikatharz unter hohem Druck zumindest im Bereich von Übergängen
zwischen geologisch problematischen Umgebungen, die mit Wasser reagieren, und geologisch
unproblematischen Gebieten, in denen Wasser in der Umgebung der Hohlraumbohrung auftreten
kann, um eine Sperre gegen Wasserlängsläufigkeit entlang des Verkehrswegetunnels aus
der geologisch unproblematischen in die geologisch problematische Umgebung der Hohlraumbohrung
zu erzeugen.
[0011] In einer bevorzugten Ausführungsform wird modifiziertes, mit Wasser reagierendes
Silikatharz zum Einspritzen in den mit Perlkies verfüllten Zwischenraum verwendet,
das vorhandenes Brauchwasser aus der Bauphase zum Abbinden verwendet und somit aufbraucht.
[0012] In einer alternativen Ausführungsform wird modifiziertes, nicht mit Wasser reagierendes
Silikatharz zum Einspritzen in den mit Perlkies gefüllten Zwischenraum verwendet,
das vorhandenes Brauchwasser aus der Bauphase nicht verbraucht, sondern vor sich her
schiebt und durch gezielte Austrittsöffnungen entwässert.
[0013] In einer bevorzugten Ausführungsform wird quellfähiges Silikatharz in den mit Perlkies
gefüllten Zwischenraum einge-presst, das ein Quellmaß von 0,5 bis 1% aufweist, um
gleichzeitig aufgelockerte Umgebungsbereiche in einem höheren Maß zu stabilisieren.
[0014] Die Verwendung von Mehrkorn-Perlkies erlaubt eine dichtere Auffüllung des Zwischenraums
als Perlkies mit einfacher Korngröße, wodurch weniger Silikatharz benötigt wird. Insbesondere
ist die Verwendung von Zweikorn-Perlkies bevorzugt, z.B. mit einer Korngröße aus dem
Bereich 2 bis 4 mm und einer Korngröße aus dem Bereich 6 bis 8 mm, zum Beispiel zwei
Korngrößen von 3 mm und 7 mm.
[0015] Die Verwendung von Mehrkorn-Perlkiesen mit zu vielen Korngrößen oder sogar mit einer
einheitlichen Korngrößenverteilung zum Beispiel im Bereich von 2 bis 8 mm ist nicht
bevorzugt, da dann eine so dichte Packung des Mehrkorn-Perlkieses erfolgt, dass nur
noch wenig Volumen für das Silikatharz verbleibt; damit wäre dessen Funktion als Dichtungsmaterial
eingeschränkt.
[0016] Die Erfindung wird im Folgenden anhand eines Ausführungsbeispiels in den Zeichnungen
beschrieben, in denen:
Fig. 1 eine Querschnittsansicht eines nach einem erfindungsgemäßen Verfahren aufgebauten
Verkehrswegetunnels zeigt,
Fig. 2 eine Detailansicht aus der Schnittdarstellung aus Fig. 1 in einem Zwischenstadium
des Aufbauverfahrens zeigt, und
Fig. 3 eine Detailansicht wie in Fig. 2, aber nach einem weiteren Schritt des erfindungsgemäßen
Verfahrens zeigt.
[0017] Fig. 1 gibt einen Überblick über einen nach einem erfindungsgemäßen Verfahren aufgebauten
Verkehrswegetunnel. In dem umgebenden Gestein ist durch eine Tunnelbohrmaschine eine
Hohlraumbohrung hergestellt worden. In der Hohlraumbohrung sind Betonfertigteile (Tübbingbauteile)
aneinandergesetzt, um eine Auskleidung der Hohlraumbohrung zu bilden. Zwischen den
Tübbingsegmenten sind Dichtungen, zum Beispiel aus Ethylen-Propylen-Dien-Kautschuk
(EPDM) vorgesehen. Zwischen den Außenwänden der Tübbingbauteile und der Innenwand
der Hohlraumbohrung verbleibt zunächst ein Ringspalt. In Fig. 1 ist dieser Ringspalt
über einen unteren Teil des Umfangs ungefüllt gezeigt, während der überwiegende Teil
des Umfangs des Ringspalts als mit Perlkies und Silikatharz gefüllt dargestellt ist.
Dies soll nur darstellen, dass ursprünglich, vor dem Verfüllen des Zwischenraumes
zwischen den Außenwänden der Tübbingbauteile und der Hohlraumbohrung ein Freiraum
vorhanden war. Tatsächlich ist der Ringspalt dann nach Verfüllung stets vollständig
aufgefüllt, d.h. über den ganzen Umfang. In den Tübbingbauteilen sind Durchdringungen
vorgesehen, durch die Zugang zu dem Ringspalt besteht.
[0018] Fig. 2 zeigt eine Detailansicht eines Querschnitts durch einen Verkehrswegetunnel
in einem Zwischenstadium des erfindungsgemäßen Aufbauverfahrens. Nach Aneinandersetzen
der Tübbingbauteile in der Hohlraumbohrung wird in einem ersten Schritt der verbliebene
Ringspalt durch die Durchdringungen in den Tübbingbauteilen hindurch mit Perlkies
gefüllt, vorzugsweise mit Mehrkorn-Perlkies, in diesem Ausführungsbeispiel mit Zweikorn-Perlkies,
zum Beispiel mit den Korngrößen 2 mm und 8 mm.
[0019] Fig. 3 zeigt die gleiche Detailansicht des Schnitts durch den Verkehrswegetunnel
wie in Fig. 2 nach einem weiteren Verfahrensschritt, nämlich der Injektion von Silikatharz
durch die Durchdringungen in den Tübbingbauteilen. Das Silikatharz wird unter Druck
eingespritzt, so dass es alle verbleibenden Hohlräume zwischen den Körnern in der
Kornfüllung des Ringspalts auffüllt. Vorzugsweise wird das Silikatharz unter so hohem
Druck eingepresst, dass Auslockerungszonen oder eine natürlich vorhandene Klüftigkeit/Porosität
des umgebenden Gesteins verfüllt und gedichtet werden. Dies ist in Fig. 3 dadurch
dargestellt, dass das schwarze Silikatharz auch entlang einiger Linien außerhalb des
Ringspalts in das umgebende Gebirge eingedrungen ist. Dadurch erfolgt eine Vergütung
des umgebenden Gebirges. Ein solches Einspritzen von Silikatharz unter hohem Druck
ist insbesondere im Bereich von Übergängen zwischen geologisch problematischen Umgebungen,
die mit Wasser reagieren, und geologisch unproblematischen Gebieten, in denen Wasser
in der Umgebung der Hohlraumbohrung auftreten kann, sinnvoll, um eine Sperre gegen
Wasserlängsläufigkeit in Längsrichtung des Verkehrswegetunnels aus der geologisch
unproblematischen in die geologisch problematische Umgebung der Hohlraumbohrung zu
erzeugen. Durch solche Sperren wird verhindert, dass der Verkehrswegetunnel selbst
zur Wasserleitung entlang seiner Längsrichtung in das geologisch problematische Gebiet
mit wasserreaktiven Bestandteilen beitragen könnte.
[0020] Das Einpressen von Silikatharz mit erhöhtem Druck kann zum Beispiel bei einem Druck
von 10 bis 15 Bar erfolgen.
[0021] In den Figuren sind die Durchdringungen in den Tübbingbauteilen, durch die sas Perlkies
und das Silikatharz in den Ringspalt eingeführt werden, aus Gründen der vereinfachten
Darstellung mit konstantem Durchmesser gezeigt. Tatsächlich sind konische Durchdringungen
bevorzugt, deren Durchmesser sich von der Innenwand des Tübbingbauteils zur Außenwand
hin vergrößert. Durch die konische Formgebung bleibt die Durchdringung nach Auffüllung
mit dem Silikatharz nach dessen Aushärtung dicht verschlossen.
[0022] Als Silikatharz kann zum Beispiel ein 2-komponentiges, nichtschäumendes, leicht flexibilisiertes
Injektionsharz auf Silikatbasis zur Injektion von wasserführenden Rissen sowie zur
Boden- und Gesteinsverfestigung verwendet werden. Das Silikatharz wird durch Mischen
von zwei Komponenten hergestellt, wobei diese Komponenten A und B eine Wasserglas-Komponente
A und eine Isocyanate enthaltende Komponente B umfassen. Nach der homogenen Vermischung
beider Komponenten entsteht eine viskose Emulsion, die kein weiteres Wasser aus dem
Injektionsgebiet aufnimmt, sondern es aufgrund der hohen Dichte vor sich her schiebt.
Das bevorzugte Silikatharz hat folgende technische Daten:
Mischungsverhältnis A:B 1:1 Volumenteile
[0023]
- Verarbeitungszeit
- ca. 60 Sekunden (abhängig von der Temperatur)
- Endaushärtung
- ca. 20 Minuten (abhängig von der Temperatur)
- Druckfestigkeit
- ca. 14 N/mm2 (DIN 12190)
- Spannungswert
- ca. 150 MPa (DIN 53504)
- Zugfestigkeit
- ca. 2,0 MPa (DIN 53504)
- Reissdehnung
- ca. 1% (DIN 53504)
- Verarbeitungstemperatur
- 15 - 30°C (Bauteiltemperatur)
[0024] Die beiden Komponenten werden im Mischungsverhältnis 1:1 (Volumenteile) mithilfe
von Zweikomponenten-Injektionspumpen direkt aus den Behältern gefördert und durch
einen Statikmischer homogen vermischt. Die anfangs flüssige Mischung erreicht schnell
einen nicht mehr fließfähigen Zustand und härtet dann rasch ohne Aufschäumen aus.
1. Verfahren zum Bau eines Verkehrswegetunnels in Tübbingbauweise, bei dem
Tübbingbauteile in einer maschinell erzeugten Hohlraumbohrung zusammengesetzt werden,
um eine geschlossene Auskleidung zu bilden, und
der Zwischenraum zwischen der Innenwand der Hohlraumbohrung und den Außenwänden der
Tübbingbauteile mit Perlkies aufgefüllt wird,
dadurch gekennzeichnet,
dass nach Auffüllen des Zwischenraums mit Perlkies Silikatharz als zementfreie Ringspaltverfüllung
unter Druck eingespritzt wird, um den Zwischenraum zu verfüllen und abzudichten und
die Tübbingbauteile zu betten.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass als Perlkies ein Mehrkorn-Perlkies verwendet wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass das Einspritzen von Silikatharz unter so hohem Druck vorgenommen wird, dass Auslockerungszonen
des umgebenden Gebirges verfüllt und gedichtet werden.
4. Verfahren nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass der Schritt des weiteren Verfüllens mit Silikatharz unter hohem Druck zumindest im
Bereich von Übergängen zwischen geologisch problematischen Umgebungen, die mit Wasser
reagieren, und geologisch unproblematischen Gebieten, in denen Wasser in der Umgebung
der Hohlraumbohrung auftreten kann, vorgenommen wird, um eine Sperre gegen Wasserlängsläufigkeit
entlang des Verkehrswegetunnels aus der geologisch unproblematischen in die geologisch
problematische Umgebung der Hohlraumbohrung zu erzeugen.
5. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass zum Einspritzen in den mit Perlkies verfüllten Zwischenraum modifiziertes, mit Wasser
reagierendes Silikatharz verwendet wird, das vorhandenes Brauchwasser aus der Bauphase
zum Abbinden verwendet und somit aufbraucht.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass zum Einspritzen in den mit Perlkies gefüllten Zwischenraum modifiziertes, nicht mit
Wasser reagierendes Silikatharz verwendet wird, das vorhandenes Brauchwasser aus der
Bauphase vor sich her schiebt und durch Austrittsöffnungen entwässert.
7. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass zum Einspritzen in den mit Perlkies gefüllten Zwischenraum ein quellfähiges Silikatharz
verwendet wird, das ein Quellmaß von 0,5 bis 1% aufweist, um gleichzeitig aufgelockerte
Umgebungsbereiche in einem höheren Maß zu stabilisieren.