[0001] Die Erfindung betrifft eine Schleudergussvorrichtung, umfassend eine drehbar gelagerte
und angetriebene Welle, die drehfest mit einer Kokillenaufnahme verbunden ist, wobei
in der Kokillenaufnahme eine Kokille angeordnet ist, wobei Mittel zur Erzeugung einer
Luftströmung an mindestens einer Oberfläche der Kokille und/oder der Kokillenaufnahme
vorhanden sind.
[0003] Leichtmetalle werden zumeist in Blöcken gegossen und anschließend durch Schmieden
und/oder mehrmaliges Auswalzen verfestigt. Zwischen den einzelnen Arbeitsgängen sind
aufwändige Glühprozesse erforderlich.
[0004] Alternativ kommt eine gattungsgemäße Schleudergussvorrichtung zum Einsatz, wenn rotationssymmetrische
Bauteile hergestellt werden müssen. Hierzu wird flüssiges Metall in eine um ihre Mittelachse
rotierende Gussform (Kokille) gefiillt. Durch reibungsbedingte Schubkräfte wird die
Schmelze bei Rotation der Kokille ebenfalls in Rotation versetzt und durch die Zentrifugalkraft
an die Wandung der Kokille gepresst. Die Drehzahl der Kokille wird so gewählt, dass
hinreichend hohe Zentrifugalkräfte wirken, unter denen die Schmelze erstarrt.
[0005] Verglichen mit dem statischen Gießverfahren entsteht bei hinreichend hohen Drehzahlen
der Kokille so ein Metallgefüge mit wesentlich weniger Poren, Lunkern und einem höheren
Reinheitsgrad. Dies führt zu einer erhöhten Festigkeit des Materials. Die Außenkontur
des Bauteils wird durch die Innengeometrie der Kokille definiert.
[0006] Bei Schleudergießen wird typischerweise zwischen den Abgüssen mit Spritzwasser gekühlt.
Dieser Arbeitsgang erfordert nachteilig Zeit und hat einen hohen Wasserverbrauch zur
Folge.
[0007] Die nasse Umgebung an der Schleudergussvorrichtung führt im Zusammenwirken mit der
Verdampfung des Wassers bzw. Verschmutzung durch Schlichte, Metalldämpfe und Schlacken
zu einem unattraktiven Arbeitsplatz.
[0008] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, eine gattungsgemäßes Schleudergussvorrichtung
zu schaffen, mit der die genannten Nachteile vermieden werden können. Es soll also
eine verbesserte Kühlung auch ohne Einsatz von Kühlwasser erreicht werden. Die Vorrichtung
soll so in einfacher Weise sauber gehalten werden können, der Verschmutzungsgrad am
entsprechenden Arbeitsplatz soll demgemäß vermindert werden.
[0009] Die Lösung dieser Aufgabe durch die Erfindung ist dadurch gekennzeichnet, dass für
die Luftströmung ein Strömungskanal gebildet wird, der zwischen einer radial außenliegenden
Oberfläche der Kokille und einer radial innenliegenden Oberfläche der Kokillenaufnahme
verläuft, wobei die radial außenliegende Oberfläche der Kokille mindestens einen wendelförmig
verlaufenden Steg aufweist.
[0010] Die Mittel zur Erzeugung einer Luftströmung umfassen dabei bevorzugt ein Radialgebläse.
Dieses kann ein Schaufel- oder Gebläserad aufweisen, das drehfest mit der Welle und/oder
mit der Kokillenaufnahme verbunden ist.
[0011] Das Schaufel- oder Gebläserad des Radialgebläses kann axial angrenzend an der Kokillenaufnahme
angeordnet sein, wobei bevorzugt im axialen Bereich zwischen Schaufel- oder Gebläserad
und Kokillenaufnahme eine sich radial erstreckende Trennwand angeordnet ist. Die Trennwand
grenzt bevorzugt einen Unterdruckraum und einen Überdruckraum voneinander ab. Der
Unterdruckraum kann die Kokillenaufnahme zumindest weitgehend einschließen.
[0012] Das Schaufel- oder Gebläserad des Radialgebläses kann eine Anzahl Durchbrüche aufweisen,
um eine Strömung in axialer Richtung durch das Schaufel- oder Gebläserad zu ermöglichen.
[0013] Die Kokillenaufnahme weist bevorzugt einen Grundkörper und einen Kokillenklemmdeckel
auf, wobei im montierten Zustand der Kokille zwischen dem Grundkörper und dem Kokillenklemmdeckel
mindestens ein radial verlaufender Lufteintrittskanal ausgebildet wird.
[0014] Besonders bevorzugt kommt die vorgeschlagene Vorrichtung bei der Verarbeitung von
Leichtmetallen mit hohem Gießdruck zum Einsatz, um hohe Festigkeiten zu erreichen.
Die Kühlung der Vorrichtung und insbesondere der Kokille ist bei der vorgeschlagenen
Ausgestaltung optimiert, wobei bevorzugt ausschließlich auf die Luftkühlung abgestellt
wird.
[0015] Vorteilhafter Weise kann bei hinreichenden Drehzahlen der Kokille ein hoher Gießdruck
aufgebaut werden, der zu einem verbesserten Gefüge führt.
[0016] Durch die vorgeschlagene Ausgestaltung der Schleudergussvorrichtung kommt es vorteilhaft
zu einer Zeitersparnis in der Produktion durch den Wegfall einer Spritzwasserkühlung.
Damit geht vorteilhaft einher, dass kein Wasser benötigt wird und kein separater Kühlaufwand
betrieben werden muss.
[0017] Das Umfeld der Vorrichtung kann sauber gehalten werden, insbesondere wenn ein Absaugen
der Metalldämpfe und der Schlichtestäube erfolgt.
[0018] Mit der vorgeschlagenen Vorrichtung können besonders vorteilhaft Wälzlagerkäfige
aus Leichtmetall hergestellt werden, insbesondere als Massivkäfige.
[0019] In der Zeichnung ist ein Ausführungsbeispiel der Erfindung dargestellt. Es zeigen:
- Fig. 1
- schematisch in der geschnittenen Seitenansicht eine Schleudergussvorrichtung,
- Fig. 2
- ein Schaufel- oder Gebläserad eines Radialgebläses, gesehen in Achsrichtung, das Bestandteil
von Mitteln zur Erzeugung einer Luftströmung sind, und
[0020] Fig. 3 schematisch noch einmal die Schleudergussvorrichtung nach Fig. 1, wobei verschiedene
Druckräume markiert sind.
[0021] In Fig. 1 ist eine Schleudergussvorrichtung 1 dargestellt, mit der rotationssymmetrische
Metallteile aus einer Schmelze hergestellt werden können. Das Schleudergussverfahren
ist als solches hinlänglich bekannt, so dass weitergehende Ausführungen hierzu nicht
nötig sind. Die Vorrichtung 1 ist für hohe Drehzahlen ausgelegt. Hohe Drehzahlen erlauben
einen hohen Gießdruck und - was nachfolgend näher erläutert wird - den Einsatz eines
Radialgebläses 6, das einen hohen Luftstrom erzeugt, um eine ausreichende Kühlung
zu erreichen.
[0022] Die Vorrichtung 1 hat eine Welle 2, die sich in axialer Richtung a erstreckt, die
in einem Festlager 20 und einem Loslager 21 radial und axial gelagert ist. Die Welle
2 wird über einen Keilriemen 22 bzw. eine Anzahl derselben von einem Motor 30 angetrieben,
der in Fig. 3 dargestellt ist. Mit der Welle 2 drehfest verbunden ist eine Kokillenaufnahme
3, in der eine Kokille 4 angeordnet ist.
[0023] Die Kokillenaufnahme 3 besteht aus einem im Wesentlichen hohlzylindrischen Grundkörper
16, der mit einem Kokillenklemmdeckel 17 stirnseitig abgeschlossen werden kann.
[0024] Die auswechselbare Kokille 4 (für unterschiedliche Außendurchmesser des Gussteils)
hat an ihren axialen Enden Zentrierkegel 23 und 24 (Kegelansätze), mit denen eine
präzise Zentrierung der Kokille 4 im Grundkörper 16 möglich ist. Der Kokillenklemmdeckel
17 wird mit Schrauben fixiert. Ein Kokillendeckel 26 mit Gieß-Einfüllöffnung wird
beispielsweise durch einen Bajonett-Verschluss, durch Keile oder durch Fliehkrafthebel
mit der Kokille 4 dicht verbunden. Das flüssige Metall gelangt über eine Eingussrinne
25 ins Innere der Kokille 4.
[0025] Um auf eine Wasserkühlung verzichten zu können, sind Mittel 5 zur Erzeugung einer
Luftströmung vorgesehen. Diese bestehen im Ausführungsbeispiel aus einem Luftkanalsystem
das fluidisch mit einem Radialgebläse 6 in Verbindung steht.
[0026] Das Radialgebläse 6 hat ein Schaufel- oder Gebläserad 7, das in Fig. 2 näher skizziert
ist. Das Schaufel- oder Gebläserad 7 weist Luftleitschaufeln 19 auf, so dass bei Rotation
des Schaufel- oder Gebläserades 7 ein radial nach außen gerichteter Luststrom entsteht.
[0027] Das Schaufel- oder Gebläserad 6 hat Durchbrüche 15, die eine axial durchsetzende
Luftströmung ermöglichen. Das Radialgebläse 6 ist durch einen Gebläsedeckel 28 abgeschlossen.
[0028] Das genannte Luftkanalsystem umfasst einen Strömungskanal 8, der sich zwischen der
radial außenliegenden Oberfläche 9 der Kokille 4 und der radial innenliegenden Oberfläche
10 der Kokillenaufnahme 3 in axiale Richtung a erstreckt. Die Kokille 4 weist an ihrer
äußeren zylindrischen Oberfläche einen wendelförmig verlaufenden Steg 11 auf.
[0029] Dies hat zur Folge, dass die Luft - angesaugt vom Radialgebläse 6 - einen wendelförmigen
Weg nimmt, wenn es den Strömungskanal 8 passiert. Die Kühlwirkung der Kokille 4 ist
damit verbessert.
[0030] Zwischen dem Grundkörper 16 der Kokillenaufnahme 3 und dem Kokillenklemmdeckel 17
wird eine Anzahl von Lufteintrittskanälen 18 gebildet, über die Umgebungsluft in den
Strömungskanal 8 eintritt.
[0031] Eine Trennwand 12 ist im Übergangsbereich des Grundkörpers 16 der Kokillenaufnahme
3 und dem Radialgebläse 6 angeordnet. Wie es am besten in Fig. 3 gesehen werden kann,
werden hierdurch zwei Druckräume abgetrennt, nämlich ein Unterdruckraum 13 von einem
Überdruckraum 14 (markiert mit "+" und "-" - Symbolen in Fig. 3). Der Unterdruckraum
13 wird links mit einer Sicherheitshaube begrenzt, die als Berstschutz dient.
[0032] Angegeben ist in dieser Figur weiterhin die Richtung der einströmenden Zuluft 32
und der ausströmenden Abluft 33. Ein Lufteinlass 27 ist in einer stirnseitigen Endplatte
der Kokillenaufnahme 3 eingebracht, womit die Kühlung des Kokillenbodens möglich ist.
Die zuströmende Luft wird mittels eines Luftfilters 31 gereinigt.
[0033] Die Kühlluft für den Mantel der Kokille 4 wird also über Strömungskanal 8, der einen
Ringspalt bildet, angesaugt. Metalldämpfe aus der Eingussrinne 25 und aus der Einfüllöffnung
werden durch den Unterdruck abgesaugt, der links von der Trennwand 12 entsteht. Die
Kühlung des Kokillenbodens erfolgt durch die Luft, die durch den Lufteinlass 27 (Bohrung)
radial zu den Durchbrüchen 15 (Luftauslässen) strömt.
[0034] Die unter Überdruck stehende Luft rechts der Trennwand 12 wird durch die Luftleitschaufeln
19 mit Gebläsedeckel 28 gefördert und nach oben (über das Dach) abgeleitet und mit
Filtern gereinigt.
[0035] Die wendelförmige Trapezkühlfläche am Außenumfang der Kokille 4 unterstützt die Förderung
des Kühlluftstromes zu den Durchbrüchen 15 (Luftauslässen). Die Luftleitschaufeln
19 mit dem Gebläsedeckel 28 fördern den erforderlichen Luftstrom zur Abfuhr der Wärme,
die hauptsächlich eingebracht wird durch das Gießmaterial sowie durch die Reibung
der Lager 20, 21.
[0036] Die Kühlung der Lager 20, 21 erfolgt durch den Luftstrom, der über den Luftfilter
31 angesaugt wird und durch den hohlzylindrischen Grundkörper 16 strömt.
[0037] Zur Feinauswuchtung für höhere Drehzahlen sind - nicht dargestellte - Gewindebohrungen
im Mantel des Grundkörpers 16 im Bereich der Kokille 4 vorgesehen, die bei Bedarf
mit unterschiedlich langen Gewindebolzen verschlossen werden.
Bezugszeichenliste
[0038]
- 1
- Schleudergussvorrichtung
- 2
- Welle
- 3
- Kokillenaufnahme
- 4
- Kokille
- 5
- Mittel zur Erzeugung einer Luftströmung
- 6
- Radialgebläse
- 7
- Schaufel- oder Gebläserad
- 8
- Strömungskanal
- 9
- radial außenliegende Oberfläche der Kokille
- 10
- radial innenliegende Oberfläche der Kokillenaufnahme
- 11
- wendelförmig verlaufender Steg
- 12
- Trennwand
- 13
- Unterdruckraum
- 14
- Überdruckraum
- 15
- Durchbruch
- 16
- Grundkörper
- 17
- Kokillenklemmdeckel
- 18
- Lufteintrittskanal (Luftansaugöffnung)
- 19
- Luftleitschaufel
- 20
- Festlager
- 21
- Loslager
- 22
- Keilriemen
- 23
- Zentrierkegel
- 24
- Zentrierkegel
- 25
- Eingussrinne
- 26
- Kokillendeckel mit Gieß-Einfüllöffnung
- 27
- Lufteinlass zur Kühlung des Kokillenbodens
- 28
- Gebläsedeckel
- 29
- Sicherheitshaube (Berstschutz)
- 30
- Motor
- 31
- Luftfilter
- 32
- Zuluft
- 33
- Abluft
- a
- axialer Richtung
1. Schleudergussvorrichtung (1), umfassend eine drehbar gelagerte und angetriebene Welle
(2), die drehfest mit einer Kokillenaufnahme (3) verbunden ist, wobei in der Kokillenaufnahme
(3) eine Kokille (4) angeordnet ist, wobei Mittel (5) zur Erzeugung einer Luftströmung
an mindestens einer Oberfläche der Kokille (4) und/oder der Kokillenaufnahme (3) vorhanden
sind,
dadurch gekennzeichnet, dass
für die Luftströmung ein Strömungskanal (8) gebildet wird, der zwischen einer radial
außenliegenden Oberfläche (9) der Kokille (4) und einer radial innenliegenden Oberfläche
(10) der Kokillenaufnahme (3) verläuft, wobei die radial außenliegende Oberfläche
(9) der Kokille (4) mindestens einen wendelförmig verlaufenden Steg (11) aufweist.
2. Schleudergussvorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Mittel (5) zur Erzeugung einer Luftströmung ein Radialgebläse (6) umfassen.
3. Schleudergussvorrichtung nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass das Radialgebläse (6) ein Schaufel- oder Gebläserad (7) aufweist, das drehfest mit
der Welle (2) und/oder mit der Kokillenaufnahme (3) verbunden ist.
4. Schleudergussvorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass das Schaufel- oder Gebläserad (7) axial angrenzend an der Kokillenaufnahme (3) angeordnet
ist, wobei im axialen Bereich zwischen Schaufel- oder Gebläserad (7) und Kokillenaufnahme
(3) eine sich radial erstreckende Trennwand (12) angeordnet ist.
5. Schleudergussvorrichtung nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass die Trennwand (12) einen Unterdruckraum (13) und einen Überdruckraum (14) voneinander
abgrenzt.
6. Schleudergussvorrichtung nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass der Unterdruckraum (13) die Kokillenaufnahme (3) zumindest weitgehend einschließt.
7. Schleudergussvorrichtung nach einem der Ansprüche 3 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass das Schaufel- oder Gebläserad (7) eine Anzahl Durchbrüche (15) aufweist, um eine
Strömung in axialer Richtung (a) durch das Schaufel- oder Gebläserad (7) zu ermöglichen.
8. Schleudergussvorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass die Kokillenaufnahme (3) einen Grundkörper (16) und einen Kokillenklemmdeckel (17)
aufweist, wobei im montierten Zustand der Kokille (4) zwischen dem Grundkörper (16)
und dem Kokillenklemmdeckel (17) mindestens ein radial verlaufender Lufteintrittskanal
(18) ausgebildet wird.