TECHNISCHES GEBIET DER ERFINDUNG
[0001] Die Erfindung betrifft eine Anordnung und ein Verfahren zur Steuerung von Bahnsteigtüren
eines Bahnsteigs.
HINTERGRUND DER ERFINDUNG
[0002] Seit einigen Jahren werden die Gleisbereiche in Bahnhöfen immer häufiger durch in
der Regel verglaste Wände mit sogenannten Bahnsteigtüren von den Bahnsteigen getrennt.
Dies erhöht nicht nur die Sicherheit für Reisende, sondern erlaubt auch eine energetisch
günstigere Klimatisierung der Bahnhöfe.
[0003] Zur möglichst synchronen Steuerung des Öffnens und Schließens von Bahnsteig - und
Zugtüren sind verschiedene Verfahren und Anordnungen bekannt. Die
DE 10 2004 045 558 beschreibt ein Verfahren zur Steuerung von Türen eines Schienenfahrzeugs und der
korrespondierenden Türen einer Bahnsteigwand, wobei die Türverfügbarkeit (das Vorhandensein
und die Funktionstüchtigkeit einer Tür) des Fahrzeugs und der Bahnsteigwand vor dem
Halt am nächsten Bahnhof über einen funkgestützten Übertragungskanal zwischen Fahrzeug
und Bahnsteig übertragen, aufbereitet und dann einem Fahrgast-Informationssystem im
Fahrzeug bzw. am Bahnsteig übermittelt wird. Am Bahnsteig soll dann eine Kommunikation
zwischen korrespondierenden Türen jeweils von Tür zu Tür über Infrarot-Schnittstellen
erfolgen.
[0004] In der
GB 2 436 152 wird eine Vorrichtung zum Steuern von Türen eines Schienenfahrzeugs und einer Bahnsteigwand
beschrieben, wobei jeder Tür des Fahrzeugs und jeder Tür der Bahnsteigwand jeweils
ein eigener Transceiver zugeordnet ist. Die Kommunikation zwischen einer Tür des Fahrzeugs
und einer Tür der Bahnsteigwand erfolgt auf direktem Weg über den jeweiligen Transceiver,
wobei die Steuerbefehle der Türen fahrzeugseitig erfolgen.
[0005] Aus der
WO 2011/069503 A1 sind ein Verfahren und ein System zur synchronen Steuerung von Bahnsteigtüren und
Zugtüren bekannt, das sich in der Praxis besonders bewährt hat. Dabei wird nach Halt
eines Zuges eine Kommunikationsverbindung zwischen einer zugseitigen Türsteuereinheit
und einer bahnsteigseitigen Türsteuereinheit aufgebaut, über die dann das synchrone
Öffnen und Schließen der Zugtüren und der Bahnsteigtüren zwischen den Steuereinheiten
abgestimmt wird, wobei vorteilhaft Paare aus einander gegenüberliegenden Zug - und
Bahnsteigtüren gebildet werden, wobei jedes Paar aus Zugtür und Bahnsteigtür unabhängig
von anderen Paaren gesteuert werden kann. Dies erlaubt es beispielsweise, bei Vorliegen
einer Störung einer Zugtür die Zugtür und die entsprechende Bahnsteigtür geschlossen
zu lassen, während andere Türen geöffnet werden. Auch ist es dadurch möglich, einen
türpaarspezifischen Einklemmschutz zu realisieren, so daß, falls beim Schließen der
Türen ein Einklemmen detektiert wird, nur das entsprechende Paar aus Zug- und Bahnsteigtür
geöffnet werden muß, während die anderen Paare schließen können.
[0006] Bahnsteigwandsysteme werden in der Regel an stark frequentierten Bahnsteigen eingesetzt,
an denen Züge oft im Minutentakt halten. Eine wodurch auch immer bedingte Störung
in der Steuerung des Öffnens und Schließens der Bahnsteigtüren kann daher den Fahrplan
und die Abläufe in dem jeweiligen Schienennetz empfindlich stören. Es besteht deshalb
der Wunsch, unabhängig von einer Kommunikationsverbindung zwischen Zugtürsteuerung
und Bahnsteigtürsteuerung zuverlässig das Öffnen und Schließen der Bahnsteigtüren
zu steuern.
OFFENBARUNG DER ERFINDUNG
[0007] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, eine Anordnung und ein Verfahren zum Steuern
des Öffnens und Schließens von Bahnsteigtüren anzugeben, die es ermöglichen, unabhängig
von einer Kommunikationsverbindung zwischen Zugtürsteuerung und Bahnsteigtürsteuerung
die Bahnsteigtüren im wesentlichen synchron mit den Zugtüren zu öffnen und zu schließen.
[0008] Die Aufgabe wird gelöst von einer Anordnung mit den Merkmalen des Anspruchs 1 bzw.
einem Verfahren mit den Merkmalen des Anspruchs 6. Der nebengeordnete Anspruch 14
betrifft die Verwendung einer Anordnung mit verschiedenen Sensoren zur Realisierung
eines Backup-Systems zum Steuern des Öffnens und Schließens von Bahnsteigtüren. Die
Unteransprüche betreffen vorteilhafte Ausgestaltungen und Durchführungsformen.
[0009] Die Erfindung ermöglicht es, durch eine zuverlässige Detektion des Öffnens und Schließens
der Zugtüren die Bahnsteigtüren unabhängig von einer Kommunikationsverbindung zu einer
die Zugtüren steuernden Steuereinheit zu steuern und im wesentlichen synchron zu den
Zugtüren zu bewegen. Dabei kann die die Zugtüren steuernde Steuereinheit zugseitig
vorgesehen oder aber in Form einer übergeordneten Steuerung realisiert sein, die einen
vollautomatischen Zugbetrieb ohne Fahrzeugführer ermöglicht.
[0010] Die Erfindung erlaubt es vorteilhaft auch, existierende Türsteuerungen, bei denen
eine Kommunikationsverbindung zwischen einer Zugtür- und einer Bahnsteigtürsteuerung
aufgebaut wird, mit einem Backup-System nachzurüsten, das bei Auftreten einer Störung
in der Kommunikationsverbindung eingreift und die Bahnsteigtüren quasi synchron mit
den Zugtüren öffnet und schließt, so daß die Reisenden die Störung in der Kommunikationsverbindung
nicht bemerken und insbesondere keine Verzögerung im Zuglauf entsteht.
[0011] Weitere Einzelheiten und Vorteile der Erfindung ergeben sich aus der nachfolgenden,
rein beispielhaften und nicht-beschränkenden Beschreibung von bevorzugten Aus- und
Durchführungsformen.
BESCHREIBUNG BEVORZUGTER AUSFÜHRUNGSFORMEN
[0012] Die erfindungsgemäße Anordnung umfaßt eine bahnsteigseitige Türsteuereinheit zum
Steuern des Öffnens und Schließens der Bahnsteigtüren eines mit einer Bahnsteigwand
zur Trennung von Bahnsteig und Gleisbereich versehenen Bahnsteigs.
[0013] Die Anordnung kann als Backup-System ausgelegt sein, das die Steuerung nur dann übernimmt,
wenn es zu einer Störung in der die Synchronisation des Öffnens und Schließens der
Zug- und Bahnsteigtüren erlaubenden Kommunikation zwischen Bahnsteig und Zug bzw.
zwischen Bahnsteig und einer übergeordneten Steuerung kommt. Eine solche übergeordnete
Steuerung kann eine Steuerung sein, die den Zugbetrieb vollautomatisch steuert und
einen Betrieb ohne Fahrzeugführer ermöglicht. Eine solche Steuerung könnte auch den
Betrieb der Bahnsteigtüren steuern. Während eine Kommunikationsverbindung einer solchen
Steuerung zu einem Fahrzeug ohne Fahrzeugführer für den sicheren Zugbetrieb notwendig
ist, kann die Verbindung zu den Bahnsteigtüren gestört sein, da es die erfindungsgemäße
Anordnung erlaubt, die Bahnsteigtüren unabhängig von einer Kommunikation mit dem Zug
oder mit einer übergeordneten Steuerung in Abhängigkeit von dem Öffnen und Schließen
der Zugtüren dadurch zu steuern, daß das Öffnen und Schließen der Zugtüren beobachtet
wird und die Bahnsteigtüren dieser Bewegung folgen.
[0014] Zum Aufbau einer oben genannten Kommunikationsverbindung können beispielsweise zugseitig
und bahnsteigseitig jeweils eine Funk-Sende-Empfangseinheit vorgesehen sein, die im
Niederfrequenzbereich zwischen etwa 50 und 200 kHz arbeiten. Damit läßt sich dann,
wie in der
WO 2011/069503 A1 beschrieben, eine Kommunikationsverbindung zwischen der zugseitigen Steuereinheit
und der bahnsteigseitigen Steuereinheit aufbauen, über die das Öffnen und Schließen
der Zug- und Bahnsteigtüren synchronisiert werden kann. Dabei ist die Zugtürsteuerung
üblicherweise das "Mastersystem", das vorgibt, wann Türen geöffnet und geschlossen
werden sollen, und dem das bahnsteigseitige Türsteuerungssystem folgt.
[0015] Der oben genannte Frequenzbereich hat den Vorteil, daß eine damit aufgebaute Verbindung
von Funksignalen von Mobiltelefonen, WLAN-Netzen oder Bluetooth-Verbindungen praktisch
nicht gestört wird. Zudem können entsprechende Sende-Empfangseinheiten leicht so ausgelegt
werden, daß die für einen guten Empfang benötigte Signalstärke vorteilhaft relativ
schnell abnimmt, nämlich innerhalb eines Ausbreitungsbereichs von etwa 60 - 80 cm,
so daß anhand der Stärke einer damit aufgebauten Kommunikationsverbindung auch ermittelt
werden kann, wie groß der Versatz zwischen der bahnsteigseitigen und der zugseitigen
Sende-Empfangseinheit ist, woraus wiederum auf das korrekte Halten des Zuges geschlossen
werden kann.
[0016] Dabei wird unter dem Begriff "korrektes Halten" hier in der üblichen Weise verstanden,
daß der Zug an einer Position hält, in der die Zugtüren den Bahnsteigtüren so gegenüberliegen,
daß bei geöffneten Zug- und Bahnsteigtüren ein Übergang der Passagiere vom Zug auf
den Bahnsteig bzw. vom Bahnsteig in den Zug möglich ist. Da die Bahnsteigtüren in
der Regel etwas breiter ausgebildet sind als die Zugtüren, kann der Zug innerhalb
einer gewissen Toleranzlänge halten.
[0017] Erfindungsgemäß sind ferner Mittel zum Erfassen des korrekten Haltens eines Zuges
an dem Bahnsteig vorgesehen, die unabhängig von einer Kommunikationsverbindung zwischen
Zug und Bahnsteig arbeiten können. Diese Mittel können z.B. mehrere Lichtschranken
im Bereich des vorderen oder hinteren Zugendes oder im Bereich der Räder, die das
Vorhandensein eines Zuges in einem bestimmten Bereich detektieren können, bahnsteigseitige
RFID-Chip-Leseeinheiten, die RFID-Chips an einem Zug auslesen können, wenn der Zug
in einem bestimmten Bereich hält, und/oder eine Bildaufnahme- und Bildauswerteeinheit
umfassen, die ein Bild des Gleisbereichs erfassen und auswerten kann. Besonders bevorzugt
werden sogenannte Rad- oder auch Achsensensoren verwendet, die an den Schienen montiert
werden und erfassen, ob sich ein Rad bzw. eine Achse eines Schienenfahrzeugs an einer
bestimmten Stelle befindet. Sind die Fahrzeuge mit Gummirädern ausgestattet, wie z.B.
manche Monorail-Systeme, kann die Zugposition auch mittels Induktionsschleifen ermittelt
werden.
[0018] Bei der derzeit bevorzugten Ausführungsform sind zur Erfassung des korrekten Haltens
eines Zuges an dem Bahnsteig drei Radsensoren, einer im Bereich des Zuganfangs, einer
im Bereich der Zugmitte und einer im Bereich des Zugendes vorgesehen. Dies erlaubt
es, Fehlermeldungen zu generieren, wenn die Sensoren voneinander abweichende Meldungen
erzeugen. Da ein gleichzeitiger Ausfall zweier Sensoren unwahrscheinlich ist, kann
so vorgegangen werden, daß, wenn zwei Sensoren das korrekte Halten eines Zuges bestätigen,
der dritte Sensor aber keinen Zug detektiert, das korrekte Halten eines Zuges angenommen
und in der nachfolgend noch dargelegten Weise die Bahnsteigtüren geöffnet und geschlossen
werden. Gleichzeitig kann eine Fehlermeldung generiert werden, die den Ausfall eines
Sensors anzeigt, so daß dieser ausgetauscht werden kann.
[0019] Wenn mit der erfindungsgemäßen Anordnung ein o.g. Backup-System aufgebaut werden
soll, so umfaßt die Anordnung ferner Mittel zum Erkennen einer Störung in der Datenkommunikation
zwischen der bahnsteigseitigen Steuereinheit und einer die Zugtüren steuernden Steuereinheit.
Diese Mittel sind vorzugsweise computerimplementiert und können je nach Ausgestaltung
der Mittel zum Aufbau einer Datenkommunikation zwischen den Türsteuereinheiten in
unterschiedlicher, dem jeweiligen Einsatzfall optimal angepaßter Weise ausgebildet
sein. Sie können beispielsweise in Form eines Softwaremoduls realisiert sein, das
ein von den Mitteln zum Erfassen des Öffnens und Schließens der Zugtüren geliefertes
Signal mit dem der bahnsteigseitigen Türsteuereinheit über die Kommunikationsverbindung
gemeldeten Zustand der Zugtüren vergleicht. Da, wie nachfolgend noch dargelegt, die
Mittel zum Erfassen des Öffnens und Schließens von Zugtüren redundant ausgelegt sind,
kann, wenn bei dem Vergleich ein Abweichen zwischen den über die Kommunikationsverbindung
gemeldeten Türzuständen und den tatsächlich erfaßten Türzuständen festgestellt wird,
auf eine Störung in der Kommunikationsverbindung geschlossen werden. Unter dem Begriff
"Störung" wird hier natürlich auch der Fall verstanden, in dem gar keine Kommunikationsverbindung
zwischen der bahnsteigseitigen Türsteuereinheit und einer die Zugtüren steuernden
Steuereinheit aufgebaut werden kann.
[0020] Ist der Aufbau einer Kommunikationsverbindung vorgesehen, so sieht die erfindungsgemäße
Anordnung vor, daß die bahnsteigseitige Türsteuereinheit, die bei intakter Kommunikationsverbindung
üblicherweise die von der die Zugtüren steuernden Steuereinheit ausgelösten Befehle
zum Öffnen und Schließen der Türen an die Bahnsteigtüren weitergibt, so ausgebildet
ist, daß sie das Öffnen und Schließen der Bahnsteigtüren im Falle der Störung der
Kommunikationsverbindung unabhängig von der Kommunikationsverbindung steuern kann.
Natürlich erlaubt die erfindungsgemäße Anordnung auch in denjenigen Fällen eine Steuerung
der Bahnsteigtüren, in denen der Aufbau der genannten Kommunikationsverbindung zwischen
einer die Zugtüren steuernden Steuereinheit und einer die Bahnsteigtüren steuernden
Steuereinheit überhaupt nicht vorgesehen ist.
[0021] Die erfindungsgemäße Anordnung umfaßt ferner wenigstens einen im Bereich einer Bahnsteigtür
befestigten Laserscanner, der zum Gleis gewandt ist und einen bestimmten Raumbereich
abtastet, um nach Einfahrt eines Zuges das Öffnen und Schließen der Zugtüren zu detektieren.
Einfache Laserentfernungsmesser, die nur punktuell den Abstand zwischen Bahnsteig
und Zugtür überwachen, sind dazu wenig geeignet, da sie das Detektieren des Öffnens
und Schließens nicht mit der notwendigen Sicherheit erlauben. Laserscanner können
dagegen einen bestimmten Flächen- oder Winkelbereich, z.B. einen Winkelbereich von
90 ° in einer von einem über einer Bahnsteigtür befestigten Laserscanner schräg nach
unten gerichteten Meßebene abtasten und den Abstand zwischen dem jeweiligen Laserscanner
und einem davor befindlichen Objekt messen. Diese Daten können dann an eine elektronische
Auswerteeinheit übertragen werden.
[0022] Die Meßebene kann z.B. so gerichtet sein, daß ein Laserscanner dann, wenn sich kein
Fahrzeug im Bahnsteig befindet, den Gleisboden erfaßt. Bei einem einfahrenden Zug
detektiert der Laserscanner dann die Oberfläche des Zuges mit geschlossenen Türen.
Hat der Zug so gehalten, daß die Zug- und Bahnsteigtüren zueinander ausgerichtet sind,
detektiert der Laserscanner ein Öffnen und Schließen der Zugtüren über zumindest einen
Teil der Zugtüröffnungsbreite. Der Laserscanner tastet kontinuierlich den vor ihm
liegenden Raum ab, so daß Änderungen in der Stellung der Zugtüren erkannt und die
Bewegungen der Zugtüren entsprechend gesteuert werden können. Zugtürmodellabhängig
kann vorgesehen sein, daß die Laserscanner die durch die Zugtüren freigegebene Öffnung
abtasten oder, wenn die Zugtüren beim Öffnen und Schließen außen am Zug entlanglaufen,
den Bereich der Zugaußenwand abtasten, den die Zugtüren beim Öffnen und Schließen
überstreichen.
[0023] Bei einer bevorzugten Ausführungsform umfaßt die Anordnung Mittel zum Ausgeben eines
Wartesignals für den Zug, die von der bahnsteigseitigen Türsteuereinheit gesteuert
werden. Eine solche Ausgestaltung erlaubt es vorteilhaft, ein Abfahren des Zuges in
den Fällen zu verhindern, in denen - aus welchen Gründen auch immer - die Bahnsteigtüren
noch geöffnet sind, dies der dem Zugführer oder einer den Zug automatisch führenden
Steuereinheit aufgrund einer Störung in der Kommunikationsverbindung nicht angezeigt
wird.
[0024] Wird das erfindungsgemäße Verfahren zur Realisierung eines Backupsystems eingesetzt,
bei dem eine Kommunikation zwischen einer die Bahnsteigtüren steuernden Steuereinheit
und einer die Zugtüren steuernden Steuereinheit aufgebaut wird, kann das erfindungsgemäße
Verfahren wie folgt arbeiten: nach der Einfahrt eines Zuges wird z.B. wie in der
WO 2011/069503 A1 beschrieben der Aufbau einer Kommunikationsverbindung zwischen einer bahnsteigseitigen
Türsteuereinheit und einer die Zugtüren steuernden Türsteuereinheit gestartet. Unabhängig
von diesem Start des Aufbaus der Kommunikationsverbindung, die zustande kommen mag
oder nicht, wird das korrekte Halten des Zuges an dem Bahnsteig erfaßt, insbesondere
mittels dreier oben beschriebener Radsensoren oder in anderer, dem jeweiligen Einsatzort
und den dort vorhandenen Möglichkeiten optimal angepaßter Weise.
[0025] Kommt eine Kommunikationsverbindung zustande, kann darüber das Öffnen und Schließen
der Zug- und Bahnsteigtüren synchronisiert werden, z.B. derart, daß eine zugseitige
Türsteuereinheit als Mastersystem das Öffnen und Schließen sowohl der Zug- als auch
der Bahnsteigtüren auslöst.
[0026] Unabhängig von dem Bestehen einer Kommunikationsverbindung zwischen der bahnsteigseitigen
und der zugseitigen Türsteuereinheit wird erfindungsgemäß das Öffnen und Schließen
der Zugtüren des an dem Bahnsteig haltenden Zuges erfaßt. Dazu sind bahnsteigseitig
im Bereich einer oder vorzugsweise mehrerer Bahnsteigtüren Laserscanner vorgesehen,
die jeweils eine Zugtür oder, bei bestimmten Zugmodellen, den Bereich neben den geschlossenen
Zugtüren, den die Türen beim Öffnen überdecken, eines am Bahnsteig haltenden Zuges
abtasten, wobei durch entsprechende Auswertung der Signale das Öffnen und Schließen
der Zugtüren erfaßt werden kann.
[0027] Um eine Redundanz in das System zu bringen, kann zusätzlich zu dem wenigstens einem
Laserscanner insbesondere im Bereich einer oder mehrerer Bahnsteigtüren jeweils eine
Kamera angebracht sein, die es ermöglicht, das Öffnen und Schließen der Zugtüren durch
Auswerten von Videobildern der Zugtüren zu erfassen.
[0028] Das Öffnen und Schließen der Zugtüren kann zusätzlich auch durch Ultraschallaufzeitmessung
mittels entsprechender, im Bereich der Bahnsteigtüren angeordneter Ultraschallsendeempfänger
erfaßt werden.
[0029] Da RFID-Chips und die entsprechenden Leseeinheiten immer kostengünstiger werden und
da zudem RFID-Chips leicht an Zugtüren angebracht werden können, ist es auch möglich,
im Bereich der Bahnsteigtüren RFID-Chipleseeinheiten anzubringen, z.B. drei oder mehr
Leseeinheiten nebeneinander, die eine Bewegung eines an einer Zugtür eines am Bahnsteig
haltenden Zuges angebrachten RFID-Chips entlang dieser Sensoren und damit das Öffnen
und Schließen der Zugtüren erfassen.
[0030] Da bei Zugtüren üblicherweise beim Öffnen und Schließen bestimmte charakteristische
Geräusche und akustische Signale erzeugt werden, kann das Öffnen und Schließen der
Zugtüren auch durch Auswerten eines mittels eines oder mehrerer im Bereich der Bahnsteigtüren
angeordneter Mikrofone erfaßten akustischen Signals erfaßt werden.
[0031] Ist der Aufbau einer Kommunikationsverbindung zwischen einer bahnsteigseitigen Türsteuereinheit
und einer die Zugtüren steuernden Steuereinheit vorgesehen, kann das Vorhandensein
einer Störung in der Kommunikationsverbindung z.B. durch Vergleich der von den Mitteln
zum Erfassen des korrekten Haltens eines Zuges gelieferten Daten mit den von den Mitteln
zum Aufbauen einer Kommunikationsverbindung gelieferten Daten ermittelt werden. Beispielsweise
kann es sein, daß die Mittel zum Erfassen des korrekten Haltens eines Zuges erfaßt
haben, daß ein Zug am Bahnsteig in einer das Aus- und Einsteigen erlaubenden Position
gehalten hat, daß aber keine Kommunikationsverbindung aufgebaut wurde. Auch kann es
sein, daß zwar eine Kommunikationsverbindung zwischen der bahnsteigseitigen Türsteuereinheit
und einer zugseitigen Türsteuereinheit aufgebaut wurde, daß aber aufgrund einer Störung
in der Kommunikationsverbindung der bahnsteigseitigen Türsteuereinheit nicht angezeigt
wird, daß die Zugtüren öffnen oder schließen, während die Mittel zum Erfassen des
Öffnens und Schließens der Zugtüren eine Bewegung der Zugtüren erfassen. In solchen
Fällen erhält die bahnsteigseitige Türsteuereinheit Autonomie gegenüber der zugseitigen
Türsteuereinheit derart, daß sie nicht auf irgendwelche Informationen von der zugseitigen
Türsteuereinheit warten muß, sondern auf Basis des erfaßten Öffnens und Schließens
der Zugtüren das Öffnen und Schließen der Bahnsteigtüren steuern kann. Die Bahnsteigtüren
folgen also in einem solchen Fall der Bewegung der Zugtüren, wobei vorteilhaft vorgesehen
sein kann, daß die Geschwindigkeit, mit der sich die Bahnsteigtüren in Fällen einer
Störung der Kommunikationsverbindung bewegen, geringfügig höher ist als in den Fall,
in dem die Kommunikationsverbindung störungsfrei besteht, um sicherzustellen, daß
es zwischen der Bewegung der Zugtüren und der Bewegung der Bahnsteigtüren nicht zu
einem für die Reisenden merklichen Versatz kommt.
[0032] Vorteilhaft wird zumindest dann, wenn eine Störung der oben genannten Kommunikationsverbindung
vorliegt, ein Wartesignal für den Zug erzeugt. Dabei kann vorgesehen sein, daß ein
solches Wartesignal optisch in an sich bekannter Weise ausgegeben wird. Werden die
Züge vollautomatisch, also ohne Zugführer betrieben, ist ein optisches Ausgeben nicht
notwendig. Das Wartesignal kann in anderer maschinenlesbarer Weise ausgegeben werden,
auch z.B. indirekt dadurch, daß dem Zug, wenn er elektrisch betrieben wird, nicht
der zur Abfahrt notwendige Strom zugeführt wird, solange die Bahnsteigtüren geöffnet
sind.
[0033] Da das Öffnen und Schließen der Zugtüren heutzutage in der Regel von der zugseitigen
Türsteuerung zentral für alle Türen des Zuges so gesteuert wird, daß diese synchron
öffnen und schließen, reicht es theoretisch aus, das Öffnen und Schließen einer Zugtür
zu überwachen. Vorteilhaft ist jedoch vorgesehen, daß das Öffnen und Schließen wenigstens
dreier räumlich versetzter Zugtüren, insbesondere einer Zugtür im vorderen Zugbereich,
einer Zugtür im mittleren Zugbereich und einer Zugtür im hinteren Zugbereich erfaßt
wird, und zwar vorzugsweise mittels dreier unabhängig voneinander arbeitender Sensoreinrichtungen,
die vom Typ her gleich oder verschieden sein können. Auf solche Weise wird ein redundantes
System erzeugt, das auch dann zuverlässig arbeitet, wenn eine Sensoreinrichtung ausfällt.
[0034] Das Ausfallen bzw. die Störung einer Sensoreinrichtung, z.B. einer der genannten
Laserabtasteinrichtungen, kann dadurch festgestellt werden, daß die Ergebnisse aller
drei Sensoreinrichtungen fortlaufend miteinander verglichen werden.
[0035] Die Erfindung betrifft schließlich auch die Verwendung einer Anordnung mit verschiedenen
räumlich getrennten Sensoren zum Erfassen des korrekten Haltens eines Zuges an einem
mit Bahnsteigtüren ausgerüsteten Bahnsteig und mit verschiedenen räumlich getrennten
Sensoren zum Erfassen des Öffnens und Schließens der Zugtüren eines an dem Bahnsteig
haltenden Zuges zur Realisierung eines Backup-Systems zur Steuerung des Öffnens und
Schließens der Bahnsteigtüren. Dieses Backup-System übernimmt dann in den Fällen,
in denen eine Kommunikationsverbindung zwischen einer bahnsteigseitigen Türsteuereinheit
und einer die Zugtüren steuernden Steuereinheit nicht aufgebaut werden kann oder die
Kommunikationsverbindung gestört ist, die Steuerung des Öffnens und Schließens der
Bahnsteigtüren. Bei einem vollautomatisch arbeitenden System, bei dem fahrzeugführerlose
Züge zentral gesteuert werden, ist die Steuereinheit, die die Zugtüren steuert, auch
für die Steuerung der Bahnsteigtüren zuständig. Zur Gewährleistung eines reibungslosen
Betriebes ist dann bahnsteigseitig eine Ersatzsteuereinheit vorgesehen, die, wenn
keine Verbindung zu der zentralen Steuerung aufgebaut werden kann, das Öffnen und
Schließen der Bahnsteigtüren auf Basis des erfaßten Öffnens und Schließen der Zugtüren
übernimmt.
1. Anordnung zur Steuerung von Bahnsteigtüren eines Bahnsteigs, umfassend
- eine bahnsteigseitige Türsteuereinheit zum Steuern des Öffnens und Schließens der
Bahnsteigtüren,
dadurch gekennzeichnet,
- daß Mittel zum Erfassen des korrekten Haltens eines Zuges an dem Bahnsteig vorgesehen
sind,
- daß wenigstens ein Laserscanner zum Erfassen des Öffnens und Schließens von Zugtüren
eines an dem Bahnsteig haltenden Zuges vorgesehen sind,
- daß die bahnsteigseitige Türsteuereinheit dazu ausgebildet ist, das Öffnen und Schließen
der Bahnsteigtüren auf Basis des mittels des wenigstens einen Laserscanners erfaßten
Öffnens und Schließens der Zugtüren zu steuern.
2. Anordnung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der wenigstens eine Laserscanner im Bereich einer Bahnsteigtür befestigt ist und
einen bestimmten Flächen- oder Winkelbereich in einer Meßebene abtasten und den Abstand
zwischen dem Laserscanner und einem davor befindlichen Objekt messen kann.
3. Anordnung nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß Mittel zum Ausgeben eines Wartesignals für den Zug vorgesehen sind, die von der bahnsteigseitigen
Türsteuereinheit gesteuert werden.
4. Anordnung nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß zusätzlich zu dem wenigstens einen Laserscanner weitere Mittel zum Erfassen des Öffnens
und Schließens von Zugtüren vorgesehen sind, die zumindest eines der folgenden Mittel
umfassen: eine Kamera, ein Mikrofon, einen Ultraschallsendeempfänger, RFID-Chip-Leseeinheiten.
5. Anordnung nach einem der Ansprüche 1 bis 4, ferner umfassend
- Mittel zum Aufbauen einer Kommunikationsverbindung zwischen der bahnsteigseitigen
Türsteuereinheit und einer das Öffnen und Schließen der Zugtüren eines an dem Bahnsteig
haltenden Zuges steuernden Steuereinheit, und
- Mittel zum Erkennen einer Störung in der Kommunikationsverbindung zwischen der bahnsteigseitigen
Türsteuereinheit und der zugseitigen Türsteuereinheit.
6. Verfahren zum Steuern von Bahnsteigtüren eines Bahnsteigs, umfassend
- Erfassen des korrekten Haltens eines Zuges an dem Bahnsteig,
- Erfassen des Öffnens und Schließens der Zugtüren des an dem Bahnsteig haltenden
Zuges mittels wenigstens eines Laserscanners und
- Steuern des Öffnens und Schließens der Bahnsteigtüren auf Basis des erfaßten Öffnens
und Schließens der Zugtüren.
7. Verfahren nach Anspruch 6, gekennzeichnet durch Erzeugen eines Wartesignals für den Zug, solange die Bahnsteigtüren geöffnet sind.
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 6 oder 7, dadurch gekennzeichnet, daß das Öffnen und Schließen der Zugtüren zusätzlich durch Auswerten von Videobildern
der Zugtüren erfaßt wird.
9. Verfahren nach einem der Ansprüche 6 bis 8, dadurch gekennzeichnet, daß das Öffnen und Schließen der Zugtüren zusätzlich durch Ultraschallaufzeitmessung
erfaßt wird.
10. Verfahren nach einem der Ansprüche 6 bis 9, dadurch gekennzeichnet, daß das Öffnen und Schließen der Zugtüren zusätzlich durch Auswerten eines akustischen
Signals erfaßt wird.
11. Verfahren nach einem der Ansprüche 6 bis 10, dadurch gekennzeichnet, daß das Öffnen und Schließen der Zugtüren zusätzlich durch Auswerten der Signale von
RFID-Chip-Leseeinheiten erfaßt wird.
12. Verfahren nach einem der Ansprüche 6 bis 11, dadurch gekennzeichnet, daß mittels wenigstens dreier unabhängig voneinander arbeitender Sensoreinrichtungen,
insbesondere mittels dreier voneinander arbeitender Laserscanner, das Öffnen und Schließen
der Zugtüren erfaßt wird.
13. Verfahren nach einem der Ansprüche 6 bis 12, ferner umfassend
- Starten des Aufbaus einer Kommunikationsverbindung zwischen einer bahnsteigseitigen
Türsteuereinheit und einer die Zugtüren eines an dem Bahnsteig haltenden Zuges steuernden
Steuereinheit,
- Ermitteln des Vorhandenseins einer Störung in der Kommunikationsverbindung zwischen
der bahnsteigseitigen Türsteuereinheit und der die Zugtüren steuernden Steuereinheit
und, bei Vorhandensein einer Störung in der Kommunikationsverbindung,
- Steuern des Öffnens und Schließens der Bahnsteigtüren auf Basis des erfaßten Öffnens
und Schließens der Zugtüren.
14. Verwendung einer Anordnung mit verschiedenen räumlich getrennten Sensoren zum Erfassen
des korrekten Haltens eines Zuges an einem mit Bahnsteigtüren ausgerüsteten Bahnsteig
und mit verschiedenen räumlich getrennten Laserscannern zum Erfassen des Öffnens und
Schließens der Zugtüren eines an dem Bahnsteig haltenden Zuges zur Realisierung eines
Backup-Systems zur Steuerung des Öffnens und Schließens der Bahnsteigtüren, das in
den Fällen, in denen eine Kommunikationsverbindung zwischen einer bahnsteigseitigen
Türsteuereinheit und einer die Zugtüren steuernden Steuereinheit nicht aufgebaut werden
kann oder die Kommunikationsverbindung gestört ist, die Steuerung des Öffnens und
Schließens der Bahnsteigtüren übernimmt.