[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung von Partikeln enthaltend Metall-organische
Gerüstverbindungen.
[0002] Metall-organische Gerüstverbindungen (engl.: metal-organic framework (MOF)) gehen
zurück auf die Synthese von MOF-5 von Yaghi et al. aus den 1990'ern (s. auch
US 5,648,508) und stellen somit eine recht junge Materialklasse dar, die aufgrund ihrer ausgezeichneten
Eigenschaften derzeit intensiv untersucht wird. MOFs, die zu den Koordinationspolymeren
gezählt werden können, bestechen durch ihren modularen Aufbau bestehend aus sogenannten
Konnektoren, die meist von Übergangsmetallionen oder -clustern gebildet werden und
über multifunktionelle Linker, meist organische Moleküle, miteinander verbunden sind.
[0003] Als metallorganische Gerüstverbindungen (Metal-Organic Frameworks, MOFs) werden hochporöse
Materialien bezeichnet, die eine kristalline Struktur, bestehend aus metallischen
Clustern ("Knoten") und Liganden in Form organischer Moleküle ("Linker") als Grundbauelemente
(vgl. auch metallorganische Verbindungen), aufweisen. Durch Variation der organischen
Linker kann die Porengröße im Nanometerbereich eingestellt werden.
[0004] Als Applikationen von MOFs werden heute Gasspeicherung, Gastrennprozesse, Medizintechnik
bis hin zu Biomaterialien und Sensorik, aber auch Katalysatoren und Optoelektronik
diskutiert. Ihre Stärke liegt in der extrem großen Porosität in Kombination mit molekularen
Baugruppen, die spezifische Interaktionen mit zu adsorbierenden Molekülen eingehen
können (s. auch
Kaskel S. 2010 Chemie Ingenieur Technik 82(7):1019-1023).
[0005] Für die industrielle Anwendung ist es wichtig, die MOFs in einer Form bereitzustellen,
die sie für viele Anwendungen brauchbar macht. MOFs werden nach dem Stand der Technik
jedoch meistens als kristallines Pulver erhalten. Für die jeweilige Anwendung muss
dieses meist mit Bindemitteln versehen und pelletiert werden (s. z. B.
US 6,893,564 B2). Nachteilig können Bindemittel jedoch die spezifische Oberfläche und das Porenvolumen
durch Pore-Blocking-Effekte reduzieren. Bindemittel sind Stoffe, durch die Feststoffe
mit einem feinen Zerteilungsgrad (z. B. Pulver) miteinander bzw. auf einer Unterlage
verklebt werden. Bindemittel werden meist in flüssiger Form den zu bindenden Feststoffen
zugesetzt.
[0006] Schoedel A. et al. 2010 (Angew. Chem. Int Ed. 49:7225-7728) beschreiben einen Ansatz zur Herstellung von Einschicht-MOF-Filmen durch Grenzphasenreaktion.
Dazu wird ein metallionenhaltiges Polyethylenglykolgel mit einer Lösung des Linkers
überschichtet. Dabei entsteht ein MOF-Nanofilm, mit wenigen oder nur einer einzigen
kristallografischen Orientierung und einer Dicke von 500 bis 550 nm. Für die Herstellung
von MOFs in industriellem Maßstab ist das beschriebene Verfahren ungeeignet. Da die
Bildung der MOFs zudem nur an der Grenzschicht erfolgt, können keine MOFs mit dreidimensionaler
Form erzeugt werden.
[0009] Imaz et al. 2009 (Angew. Chem. Int Ed. 48:2325-2329) beschreiben die Synthese von Metall-organischen Kugeln durch Zugabe einer wässrigen
Zn(II)-Salzlösung zur ethanolischen Lösung eines zweizähnigen Brückenliganden unter
heftigem Rühren. Die Kugeln weisen dabei eine Größe von 100 bis 1500nm auf und sind
somit für industrielle Anwendungen nur bedingt geeignet.
[0010] Schwab M G et al. 2008 (Adv. Engineer. Mat 10(12), 1151 - 1155) beschreiben ein Verfahren zur Einbindung von metall-organischen Gerüstverbindungen
in ein makroporöses monolithisches PolyHIPE. Durch die Imprägnierung der inneren Oberfläche
des PolyHIPE mit MOFs wird die ohnehin große spezifische Oberfläche der PolyHIPEs
durch Aufbringen der MOF -Beschichtung weiter erhöht und so ein Kompositmaterial mit
neuen Adsorptionseigenschaften erhalten. Die Herstellung einzeln vorliegender MOFs
wird nicht beschrieben. Buso et al. (AMERICAN CHEMICAL SOCIETY USA, Bd. 23(4), 929-934)
offenbaren die Herstellung von Si02-Nanopartikel durch die Umsetzung von Tetraethoxysilan
in einem klassischen Sol-Gel-Verfahren. Die Nanopartikel (NP) werden anschließend
als Kristallkeime für die Bildung von MOF-Kristallen verwendet. Dazu werden die NP
entweder in einer MOF- Precursorlösung suspendiert. Alternativ werden die NP auf einem
SiliciumWafer immobilisiert und getrocknet und anschließend mit einer MOF-Precursorlösung
in Kontakt gebracht.
Horcajada et al. (ADVANCED MATERIALS, Bd. 21(19), 1931-1935) offenbaren eine Methode zur Herstellung von dünnen Filmen, welche Nanopartikel und
MOFs enthalten. Dazu wird ein poliertes Silicium-Wafer-Substrat in eine kolloide MOF-Precursorlösung,
welche Nanopartikel enthält, eingetaucht oder die kolloide MOFPrecursorlösung auf
einer Glasoberfläche ausgeliert. Aufgabe der Erfindung ist die Bereitstellung von
Partikeln, insbesondere sphäroidalen Partikeln, enthaltend Metall-Organischen Gerüstverbindungen
(MOF) ohne Zuhilfenahme von Bindemitteln, welche die spezifische Oberfläche und das
Porenvolumen durch Pore-Blocking-Effekte reduzieren können.
[0011] Erfindungsgemäß wird die Aufgabe gelöst durch ein Verfahren zur Herstellung von Partikeln
enthaltend Metall-Organischen Gerüstverbindungen (MOF) durch Gelierung einer MOF-Gel-Precusorlösung,
dadurch gekennzeichnet, dass die Gelierung
- a. in einem mit der MOF-Gel-Precusorlösung nicht mischbaren Fluid oder
- b. in Poren einer makroporösen Matrix
erfolgt und anschließend eine Trocknung erfolgt.
[0012] Die hergestellten Partikel liegen in Form eines getrockneten Gels, insbesondere eines
Xerogels oder eines Aerogels vor.
[0013] Vorteilhaft erfolgt die Gelierung ohne Zusätze von Bindemittel. Insbesondere werden
keine Silane, Silicate, Graphit, alumniumhaltigen Komponenten, Kaolin (oder andere
keramische Binder), Polysiloxane, Polymethylmethacrylat, Polyvinylalkohol, Polyacrylsäure,
Stärke (oder andere synthetische oder natürliche Polymere) zugesetzt.
[0014] Die MOF-Gel-Precusorlösung enthält mindestens ein Metallsalz, mindestens einen Linker,
bevorzugt ein organischer Linker, sowie mindestens ein, bevorzugt polares, Lösungsmittel.
[0015] Geeignete Metallsalze, Linker und Lösungsmittel sind dem Fachmann bekannt.
[0016] Bezüglich geeigneter Linker und Metallsalze wird insbesondere auf
US 6,893,564, insbesondere Spalte 3, Zeilen 8ff für die Linker ("bidentate organic compounds")
und insbesondere Spalte 2 Z. 40ff Metallsalze ("metal component"), und
US 5,648,508, insbesondere Spalte 11, Zeilen 10-51, Abschnitt "The Metal Ions" für die Metallsalze
und Spalte 5 Zeile 61 bis Spalte 11 Z. 7, Abschnitt "The Ligands" für die Linker,
verwiesen, die hiermit durch Bezugnahme ausdrücklich mit einbezogen werden.
[0017] In Variante a wird die MOF-Gel-Precusorlösung zur Gelierung bevorzugt in das nicht
mischbare Fluid eingetropft. Die Tropfen haben bevorzugt einen Durchmesser von 0,1
bis 10mm, bevorzugt, 0,5 bis 5 mm.
[0018] Nicht mischbares Fluid bedeutet, dass dieses mit der MOF-Gel-Precusorlösung kein
homogenes Gemisch bildet, insbesondere keine Lösung. Das nicht mischbare Fluid ist
ein Gas oder bevorzugt eine Flüssigkeit. Bevorzugte nicht mischbare Gase sind ausgewählt
aus Luft, Stickstoff, Argon und Kohlendioxid sowie anderen Gasen die keine Reaktion
mit der MOF-Gel-Precursorlösung eingehen. Bevorzugte nicht mischbare Flüssigkeiten
sind ausgewählt aus Silikonen, Alkanen (bevorzugt C6-C20), Alkenen (bevorzugt C6-C20),
Fetten und Ölen (bevorzugt C12-C24), Perfluorkohlenwasserstoffen oder Mischungen dieser
Flüssigkeiten oder anderen nicht mischbaren Flüssigkeiten.
[0019] Zur Herstellung der MOF-Gel-Precusorlösung werden bevorzugt 0,5 bis 5 g Metallsalz
(bevorzugt Eisennitrat-nonahydrat) und 0,2 bis 2 g Linker (bevorzugt Trimesinsäure)
in 20 ml Lösungsmittel (vorzugsweise ein C1-C5-Alkohol-/Wassergemisch, bevorzugt ein
Ethanol-/Wassergemisch, besonders bevorzugt 99:1 bis 1:1 Ethanol (vol): Wasser (vol),
weiter bevorzugt 25: 1 bis 2:1 Ethanol) gelöst.
[0020] Bevorzugt erfolgt eine Kühlung auf -20°C (insbesondere bei niedrigen Konzentrationen)
bis -80°C, bevorzugt auf -30°C bis -80°C. Die kalten Lösungen werden gemischt.
[0021] Die so erhaltene gekühlte MOF-Gel-Precursorlösung wird daraufhin tropfenweise in
das nicht mischbare Fluid (bevorzugt Silikonöl) mit einer Temperatur von -20°C (sehr
langsame Gelierung) bis 78°C (schnelle Gelierung) eingetropft. Die Temperatur wird
dabei generell unterhalb des Siedepunktes des verwendeten Lösungsmittels gewählt.
Die so gebildeten, gelierten MOF-Gelkugeln werden anschließend vom nichtmischbaren
Fluid getrennt, gewaschen und getrocknet.
[0022] Vorteilhaft liegen alle Stoffe, die für die Herstellung benötigt werden schon in
der Precursorlösung vor. Die Reaktion zum MOF und die Erstarrung des Gels setzen aufgrund
einer Temperaturerhöhung und in kurzer Zeit ein. Das nicht mischbare Fluid wird ausschließlich
zur Formgebung (Tropfenbildung) genutzt. Dies bietet neben einer schnelleren Reaktionsgeschwindigkeit
die Vorteile einer definierbaren Partikelgrößeneinstellung, die Möglichkeit Gase als
nicht mischbares Fluid einzusetzen (bspw. in einem Sprühturm o.ä.) und die Möglichkeit
das nicht mischbare Fluid zu zirkulieren ohne es aufreinigen zu müssen (ökologischer
und ökonomischer Vorteil).
[0023] Vorteilhaft kann das erfindungsgemäße Verfahren bei Normaldruck durchgeführt werden.
[0024] Durch Variante a des Verfahrens wird ein Partikel erzeugt, in dem die MOFs in Form
eines Aerogel oder Xerogel vorliegen. Ein Aerogel wird bevorzugt durch Trocknung mit
überkritischem Kohlendioxid oder anderem überkritischen Medium erzeugt. Das Xerogel
wird durch eine gängige Trocknung (bevorzugt bei 40 °C bis 100 °C z. B. Trockenschrank
oder Vakuumtrocknung) erhalten.
[0025] In Variante b erfolgt die Gelierung in Poren einer makroporösen Matrix. Dazu wird
die MOF-Gel-Precusorlösung in die makroporöse Matrix eingegossen, geliert dort und
füllt die Poren (nahezu) aus. Die makroporöse Matrix wird bevorzugt komplett mit der
MOF-Gel-Precursorlösung ausgefüllt. Die Gelierung erfolgt bevorzugt durch Inkubation
bei Temperaturen zwischen -40 und 150 °C, vorzugsweise 20 bis 120°C, besonders bevorzugt
20 bis 80 °C. Je höher die Temperatur, desto schneller erfolgt die Gelierung. Die
Inkubationszeit beträgt bevorzugt mindestens 1 Sekunde und weiter bevorzugt mindestens
2 Stunden, und bevorzugt nicht mehr als 72 Stunden. Nach oben sind der Inkubationszeit
im Prinzip keine Grenzen gesetzt, aus wirtschaftlichen Gründen beträgt diese jedoch
bevorzugt bis zu 70 Stunden, weiter bevorzugt bis 40 Stunden. Anschließend wird das
gebildete Gel bevorzugt gewaschen und getrocknet, wodurch sich die Größe der Partikel
verringert. Wahlweise vor oder nach der Trocknung erfolgt noch ein Waschen der Gele
oder Partikel um nicht umgesetzte Ausgangsstoffe zu entfernen, welche sonst die Poren
verstopfen könnten. Die Trocknung erfolgt (in Abhängigkeit des verwendeten Lösemittels)
bevorzugt bei Temperaturen zwischen 10 und 160 °C, vorzugsweise 30 bis 80 °C unter
Normaldruck oder Vakuum Nach dem Trocknen werden die Partikel von der Matrix abgetrennt.
Vorteilhaft und überraschend haben die Erfinder festgestellt, dass das Abtrennen der
Partikel durch einfaches Herausschütteln der Partikel aus der Matrix erfolgen kann.
[0026] Das Templat-Schaum und MOF-Gel-Precursorlösung enthaltende Gefäß wird verschlossen
und 12h bei 80-100°C getempert um die Gelierung der MOF-Gel-Precursorlösung zu ermöglichen.
Das erhaltene MOF-Gel-Metallschaum-Komposit wird mit Ethanol gewaschen und anschließend
bei 80°C an Luft getrocknet. Die erhaltenen geschrumpften Xerogel-Partikel können
danach aus dem Schaumtemplat herausgeschüttelt und das Templat für weitere Partikelherstellung
wiederverwendet werden.
[0027] Durch Variante b des Verfahrens wird ein Partikel erzeugt, in dem die MOFs in Form
eines Xerogel vorliegen.
[0028] Die makroporöse Matrix ist bevorzugt ein makroporöser Schaum, bevorzugt aus Metall,
Keramik oder Kunststoff, oder eine andere makroporöse dreidimensionale Struktur (bevorzugt
aus Metall, Keramik, Kunstoff, Glas oder Textilien) mit einer bevorzugten Porengröße,
im Bereich von 0,1-15 mm, bevorzugt im Bereich 1-8 mm (Porendurchmesser). Um einheitliche
Partikelgrößen zu erhalten, sollten die Porengrößen möglichst gleichmäßig sein. Alternativ
oder zusätzlich können die hergestellten Partikel auch durch ein anschließendes Siebverfahren
nach ihrer Größe getrennt werden.
[0029] Die Lösungsmittel (für die Herstellung der MOF-Gel-Precusorlösung und das Waschen
des gebildeten Gels) in dieser Variante sind bevorzugt ausgewählt aus Wasser, Alkoholen,
DMF (Dimethylformamid), DEF (Diethylformamid), Ethern, Estern, Aminen, Pyrrolidonen
und Mischungen dieser Lösungsmittel, besonders bevorzugt sind, Wasser, Alkohole, DMF
und/oder DEF.
[0030] Nachfolgend werden für beide zuvor beschriebenen Varianten bevorzugte Komponenten
der MOF-Gel-Precusorlösung beschrieben:
Das Metallsalz in der MOF-Gel-Precusorlösung ist bevorzugt ausgewählt aus Salzen der
Metalle der Gruppen 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11, 12, 13, 14, 15 und 16 des Periodensystems
der Elemente (frühere CAS-Gruppen I A, II A , III A, IV B bis VIII B, und I B to VI
B), insbesondere Mg, Ca, Sr, Ba, Sc, Y, Ti, Zr, Hf, V, Nb, Ta, Cr, Mo, W, Mn, Re,
Fe, Ru, Os, Co, Rh, Ir, Ni, Pd, Pt, Cu, Ag, Au, Zn, Cd, Hg, Al, Ga, In, Tl, Si, Ge,
Sn, Pb, As, Sb, Bi und Lanthanoide, vorzugsweise Fe, Al, Zn, Cu, Ni, Pd, Pt, Ru, Rh,
Co, Ce und La. Bevozugte Metallionen sind ausgewählt aus Mg2+, Ca2+, Sr2+, Ba2+, Sc3+, Y3+, Ti4+, Zr4+, Hf4+, V4+, V3+, V2+, Nb3+, Ta3+, Cr3+, Mo3+, W3+, M3+, Mn2+, Re3+, Re2+, Fe3+, Fe2+, Ru3+, Ru2+, Os3+, Os2+, Co3+, Co2+, Rh2+, Rh+, Ir2+, Ir+, Ni2+, Ni+, Pd2+, Pd+, Pt2+, Pt+, Cu2+, Cu+, Fe2+, Ru3+, Ru2+, Os3+, Os2+, Co3+, Co2+, Rh2+, Rh+, Ir2+, Ir+, Ni2+, Ni+, Pd2+, Pd+, Pt2+, Pt+, Cu2+, Cu+, Ag+, Au+, Zn2+, Cd2+, Hg2+, Al3+, Ga3+, In3+, Tl3+, Si4+, Si2+, Ge4+, Ge2+, Sn4+, Sn2+, Pb4+, Pb2+, As5+, As3+ As+, Sb5+, Sb3+, Sb+, Bi5+, Bi3+, Bi+ Ce3+, Ce4+ und La3+.
[0031] Besonders bevorzugt sind Metallsalze der Metalle ausgewählt aus Fe (als Fe
3+ oder Fe
2+), Al (als Al
3+) und Cu (als Cu
2+ oder Cu
+), vorzugsweise als Nitrat, Acetat, Sulfat oder Halogenid
Der Linker in der MOF-Gel-Precusorlösung ist bevorzugt ausgewählt aus cyclischen Resten
vorzugsweise Arylresten oder Heteroarylresten, mit 5 bis 20 C-Atomen und 2 bis 5,
bevorzugt 2 oder 3, polaren Gruppen oder Stickstoffatomen. Die polaren Gruppen sind
bevorzugt Carboxylgruppen, Carbonyl oder Stickstoffatome, Nitrilgruppen. Besonders
bevorzugte Linker sind ausgewählt aus aromatischen Polycarbonsäuren, bevorzugt aromatischen
Dicarbonsäuren oder aromatischen Tricarbonsäuren, insbesondere Terephthalsäure (1,4-Benzoldicarbonsäure),
2,5-Dihydroxyterephtalsäure, Trimesinsäure (1,3,5-Benzoltricarbonsäure), R6-bdc (1,2-Dihydrocyclobuta-benzol-3,6-dicarbonsäure),
Naphthalin-2,6-dicarbonsäure, Naphtalin-1,4-dicarbonsäure, Benzol-1,3,5-tribenzoat,
4,4'-Biphenyldicarbonsäure und den Salzen dieser Säuren.
[0033] In einer bevorzugten Variante des erfindungsgemäßen Verfahrens werden Mischungen
der oben genannten Linker und/oder Mischungen der oben genannten Linker mit Co-Linkern
eingesetzt.
[0034] Bevorzugte Co-Linker sind ausgewählt aus polar substituierten aromatischen Dicarbonsäuren,
insbesondere 5-substituierte Isophthalsäure. Bevorzugte polare Substituenten sind
ausgewählt aus Amino-, Hydroxy-, Nitrogruppen und Halogeniden, insbesondere Bromid.
Besonders bevorzugte Co-Linker sind ausgewählt aus:

5-Aminoisophthalsäure (CAS: 99-31-0),

5-Hydroxyisophthalsäure (CAS: 618-83-7)

5-Nitroisophthalsäure (CAS: 618-88-2),

5-Cyanoisophthalsäure (CAS: 23341-13-1),

5-Bromoisophthalsäure (CAS: 23351-91-9).
[0035] Das Lösungsmittel in der MOF-Gel-Precusorlösung ist bevorzugt ausgewählt aus Wasser,
Alkoholen, DMF (Dimethylformamid), DEF (Diethylformamid), Ethern, Estern, Pyrrilidonen
und Mischungen dieser Lösungsmittel, besonders bevorzugt sind, Wasser, Alkohole, DMF
und/oder DEF.
[0036] Die Konzentration von Metallsalz in der MOF-Gel-Precusorlösung liegt bevorzugt im
Bereich 0,01 Mol/L bis 10 Mol/L, bevorzugt 0,05 bis 5 Mol/L, besonders bevorzugt 0,1
bis 2 Mol/L.
[0037] Die Konzentration von Linker in der MOF-Gel-Precusorlösung liegt bevorzugt im Bereich
0,01 Mol/L bis 10 Mol/L, bevorzugt 0,05 bis 5 Mol/L, besonders bevorzugt 0,1 bis 2
Mol/L.
[0038] Die Konzentration von Mischungen von Linkern und Co-Linkern in der MOF-Gel-Precusorlösung
liegt bevorzugt im Bereich 0,01 Mol/L bis 10 Mol/L, bevorzugt 0,05 bis 5 Mol/L, besonders
bevorzugt 0,1 bis 2 Mol/L.
[0039] Die relativ hohen Konzentrationen an Metallsalz und Linker bieten neben der kürzeren
Reaktionszeit den Vorteil einer deutlich höheren Raum/Zeit-Ausbeute.
[0040] Gegenstand der Erfindung sind auch die mit dem erfindungsgemäßen Verfahren hergestellten
Partikel.
[0041] Die hergestellten Partikel sind bevorzugt annähernd kugelförmig oder sphäroidal.
Die hergestellten Partikel sind nicht kristallin, sondern liegen in einem Gel-Monolith
in amorpher Form vor. Die Abmessungen der Partikel wird bei Variante a durch die Tropfengröße
(z. B. durch Variation der Geschwindigkeit des Eintropfens) der MOF-Gel-Precusorlösung
in das nicht mischbare Fluid und durch die Konzentration der MOF-Gel-Precusorlösung
bestimmt. Bei Variante b bestimmen die Porengröße der Matrix und der Schrumpfungsfaktor
die Größe der Partikel. Der Schrumpfungsfaktor wird bevorzugt durch das Feststoff-Lösungsmittel-Verhältnis
in der MOF-Gel-Precusorlösung eingestellt. Die Partikel enthalten MOF-Primärpartikel,
welche im Gel vernetzt sind. Der Durchmesser der Primärpartikel liegt im Nanometerbereich
bevorzugt unter 50 nm. Bevorzugt liegt der Durchmesser der annähernd kugelförmigen
oder sphäroidalen Partikel unter 10 mm und bevorzugt über 0,1 mm, bevorzugt im Bereich
0,1 bis 5 mm.
[0042] Die Partikel sind bevorzugt bindemittelfrei. Bevorzugt enthalten sie unter 1 Gew-%,
bevorzugt unter 0,1 Gew. % Bindemittel. Sie enthalten insbesondere keine Silane, Silicate,
Graphit, alumniumhaltige Komponenten, Kaolin (oder andere keramische Binder), Polysiloxane,
Polymethylmethacrylat, Polyvinylalkohol, Polyacrylsäure, Stärke (oder andere synthetische
oder natürliche Polymere) bzw. nur Spuren dieser Komponenten, bevorzugt unter 1 Gew-%
bevorzugt unter 0,1 Gew. % (bezogen auf die Summe dieser Komponenten).
[0043] Die Partikel sind bevorzugt mikroporös und/oder mesoporös, d. h. die Poren haben
bevorzugt einen Durchmesser von < 2 nm bzw. < 50 nm. Das Mikroporenvolumen der Partikel
beträgt bevorzugt 0,1-6 cm
3/g, besonders bevorzugt 0,3-2,3 cm
3/g. Das totale Porenvolumen der Partikel beträgt bevorzugt 0,1-20 cm
3/g, besonders bevorzugt 0,5-10 cm
3/g. Die BET-Oberfläche liegt bevorzugt im Bereich 50-3000 m
2/g, besonders bevorzugt 700-2400 m
2/g. Die Bestimmung dieser Parameter erfolgt bevorzugt mittels Stickstoffadsorption
(insbesondere nach dem BET-Verfahren nach DIN 66131).
[0044] Während aus dem Stand der Technik bekannte kristalline MOF-Partikel in der Regel
eine Adsorptionsisotherme vom Typ-1 (nach IUPAC-Klassifizierung, vgl. [
K.S.W. Sing, Pure Appl. Chem., 1985, 57(4), 603-619]) aufweisen, was auf reine Mikroporosität hindeutet, zeigen die erfindungsgemäßen
Partikel, insbesondere die Aerogele - aber auch die Xerogele - eine zusätzliche, deutliche
Porosität im Bereich größerer Poren (Mesoporen für Xerogele, Mesoporen und Makroporen
für Aerogele). Vorteilhaft können durch diese zusätzlichen Poren deutlich bessere
Adsorptionskinetiken, besonders für größere, monolithische Partikel erzielt werden
(siehe auch Fig. 3).
[0045] Die erfindungsgemäßen Partikel finden Anwendung bei der Herstellung von Trocken-
und Adsorptionsmitteln, Ionentauschern und in der Katalyse, Gasspeicherung, Gastrennprozesse,
Medizintechnik, in Biomaterialien, der Sensorik, der Adsorption von toxischen Stoffen
(z.B. NH
3) und der Elektronik. Die erfindungsgemäßen Partikel eignen sich insbesondere zur
Reinigung oder Abtrennung von Gasen oder zur Entfernung von toxischen Gasen aus Luft.
[0046] Anhand folgender Figuren und Ausführungsbeispiele soll die Erfindung näher erläutert
werden, ohne die Erfindung auf diese zu beschränken.
- Fig. 1
- skizziert schematisch das Verfahren zur Herstellung der MOF-Partikel durch Eintropfen
in eine nicht-mischbare Flüssigkeit.
- Fig. 2
- skizziert schematisch das Verfahren zur Herstellung der MOF-Partikel mit Hilfe eines
makroporösen Templates.
- Fig. 3
- zeigt die Isothermen der Stickstoff-Physisorption bei 77K für in der Variante a) des
erfindungsgemäßen Verfahrens erzeugte Aerogel- sowie Xerogelpartikel und in der Variante
b) des erfindungsgemäßen Verfahrens erzeugte Xerogel-Partikel, jeweils aus Eisen-BTC-Gel.
@STP bedeutet bei 0 °C und 100 kPa (Normbedingungen - "Standard Temperature and Pressure").
Ausführungsbeispiel 1- Variante a - Herstellung durch Eintropfen in nicht mischbare Flüssigkeit.:
[0047] 1,212 g Eisennitrat-nonahydrat (Fe(NO
3)
3*9H
2O) und 0,42 g Trimesinsäure (H
3BTC) werden separat in 20 ml eines Ethanol-/Wassergemisches (4:1, vol:vol) gelöst
und auf -60°C gekühlt. Die kalten Lösungen werden gemischt. Die so erhaltene gekühlte
MOF-Gel-Precursorlösung wird daraufhin tropfenweise in Silikonöl mit einer Temperatur
von 40°C gegeben. Die so gebildeten, gelierten MOF-Gelkugeln werden anschließend vom
Silikonöl getrennt, mit Ethanol gewaschen und wahlweise überkritisch mit CO
2 (Aerogel-Kugeln) oder an Luft bei 70°C (Xerogel-Kugeln) getrocknet.
[0048] Die gebildeten Aerogelkugeln weisen eine Oberfläche von 1300±200 m
2g
-1 (multi-point BET-Bestimmung, p/p
0 von 0,05 bis 0,2), ein Mikroporenvolumen von 0,5±0,1 cm
3g
-1 und ein totales Porenvolumen von 3,0-10,0 cm
3/g
-1 (bestimmt bei p/p
0 ≥ 0,99) auf. Die konventionell getrockneten Xerogelkugeln besitzen eine spezifische
Oberfläche von 800±400 m
2g
-1, ein Mikroporenvolumen von 0,4±0,2 cm
3g
-1 und ein totales Porenvolumen von 0,5±0,3 cm
3g
-1 (Berechnung s.o.).
[0049] Die Aero- und Xerogel-Kugeln wurden anschließend bei Temperaturen bis zu 150°C im
Vakuum ausgeheizt, um deren Porenvolumen von Lösungsmittelresten und anderen flüchtigen
Stoffen zu befreien. Anschließend wurden jeweils ca. 100 mg der Gelpartikel in eine
evakuierte Sorptionsmesszelle gegeben und bei 77K mit definierten Mengen von Stickstoffgas
beaufschlagt. Aus der Messung des Drucks in der Messzelle kann das von den Partikeln
durch physikalische Kräfte adsorbierte Stickstoffvolumen bestimmt werden. Die Ergebnisse
dieser Messungen - das adsorbierte, auf Normbedingungen gemäße DIN 1343 umgerechnete
Volumen in Abhängigkeit des Relativdrucks - sind in
Fig. 3 dargestellt und zeigen eine deutliche Porosität der Aerogele und Xerogele im Bereich
größerer Poren (Mesoporen für Xerogele, Mesoporen und Makroporen für Aerogele).
Ausführungsbeispiel 2 - Variante b - Herstellung durch Eingiessen in makroporösen Schaum:
[0050] 0,5 g Trimesinsäure (H
3BTC) und 1,12 g Aluminiumnitrat-nonahydrat (Al(NO
3)
3*9H
2O) werden in jeweils 30 ml Dimethylformamid (DMF) gelöst. Die Lösungen werden vereinigt
und die so erhaltene MOF-Gel-Precursorlösung in einen makroporösen, offenporigen Alumiumschaum
(als Templat-Schaum) mit einer Porengrößenverteilung zwischen 3 und 5 mm gegossen
(bspw. zylindrischer Schaummonolith in einem verschließbaren Glasgefäß mit Innendurchmesser
entsprechend des Schaumaußendurchmessers). Das Templat-Schaum und MOF-Gel-Precursorlösung
enthaltende Gefäß wird verschlossen und 12h bei 80-100°C getempert, um die Gelierung
der MOF-Gel-Precursorlösung zu ermöglichen. Das erhaltene MOF-Gel-Metallschaum-Komposit
wird mit Ethanol gewaschen und anschließend bei 80°C an Luft getrocknet. Die erhaltenen
geschrumpften Xerogel-Partikel können danach aus dem Schaumtemplat herausgeschüttelt
und das Templat für weitere Partikelherstellung wiederverwendet werden.
[0051] Die erhaltenen sphäroidalen Xerogelpartikel weisen eine Oberfläche von 1900±500 m
2g
-1 (multi-point BET-Bestimmung, p/p
0 von 0,05 bis 0,2), ein Mikroporenvolumen von 0,8±0,3 cm
3g
-1 und ein totales Porenvolumen von 1,0±0,3 cm
3/g
-1 (bestimmt bei p/p
0 ≥ 0,99) auf.
[0052] Gemäß Variante b) des erfindungsgemäßen Verfahrens gewonnene Xerogelpartikel aus
Eisentrimesatgel wurden anschließend - analog zu Ausführungsbeispiel 1 - im Vakuum
ausgeheizt und in einer geeigneten Messzelle deren Stickstoff-Physisorption bei 77K
bestimmt. Die Ergebnisse dieser Messung sind in Figur 3 dargestellt und zeigen auch
für die gemäß Variante b) des erfindungsgemäßen Verfahrens hergestellte Partikel eine
Porosität im Bereich größerer Poren.
1. Verfahren zur Herstellung von sphäroidalen Partikeln, die bevorzugt in Form eines
getrockneten Gels, insbesondere eines Xerogels oder eines Aerogels vorliegen, enthaltend
Metall-Organische Gerüstverbindungen (MOF) durch Gelierung einer MOF-Gel-Precusorlösung,
dadurch gekennzeichnet, dass die Gelierung
a.) in einem mit der MOF-Gel-Precusorlösung nicht mischbaren Fluid oder
b.) in Poren einer makroporösen Matrix
erfolgt und anschließend eine Trocknung erfolgt.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die MOF-Gel-Precursorlösung zur Gelierung in das nicht mischbare Fluid eingetropft
wird.
3. Verfahren nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass das nicht mischbare Fluid ausgewählt ist aus Silikonen, Alkanen, Alkenen, Fetten,
Ölen, Perfluorkohlenwasserstoffen oder Mischungen dieser Flüssigkeiten.
4. Verfahren nach Anspruch 1, wobei die Gelierung in Poren einer makroporösen Matrix
erfolgt, dadurch gekennzeichnet, dass sich die Größe der Partikel bei der Trocknung verringert, und diese anschließend
von der Matrix abgetrennt werden.
5. Verfahren nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass das Abtrennen aus der formgebenden Matrix durch Herausschütteln erfolgt.
6. Verfahren nach Anspruch 4 oder 5, dadurch gekennzeichnet, dass die formgebende Matrix eine makroporöse dreidimensionale Struktur, bevorzugt aus
Metall, Keramik, Kunstoff, Glas oder Textilien, mit einem bevorzugten Porendurchmesser
im Bereich von 0,1-15 mm ist.
7. Sphäroidale Partikel hergestellt nach einem Verfahren gemäß einem der Ansprüche 1
bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass sie im Gel vernetzte MOF-Primärpartikel aufweisen sowie unter 1 Gew.-%, bevorzugt
unter 0,1 Gew.-% Bindemittel enthalten oder bindemittelfrei sind.
8. Partikel nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass sie eine Größe von 0,05 bis 10 mm und/oder ein Mikroporenvolumen von 0,1 bis 6 cm3/g und/oder eine BET-Oberfläche im Bereich 50 bis 3000 m2/g, aufweisen.
9. Verwendung der Partikel nach Anspruch 7 oder 8 zur Reinigung oder Abtrennung von Gasen
oder zur Entfernung von toxischen Gasen aus Luft.