[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Papiermaterial, ein Verfahren zur Herstellung
eines Papiermaterials, sowie daraus hergestellte Artikel, wie beispielsweise einen
Papierbecher.
[0002] Papiermaterialien, die gegenüber Wasser eine Barrierewirkung aufweisen, also wasserundurchlässig
sind, sind sowohl für die Lebensmittelindustrie als auch für das Gastronomiegewerbe
von großer Bedeutung. Typischerweise werden bekannte Papiermaterialien dieser Art
mit Polyethylen extrusionsbeschichtet, um dem Papiermaterial die gewünschten Barriereeigenschaften
zu verleihen. Um aus derartigen Papiermaterialien ohne zusätzliche Haftmittel geformte
Artikel, wie beispielsweise Papierbecher, herstellen zu können, müssen sie heißsiegelfähig
sein. Dabei müssen derartige Papierbecher, sofern sie als Trinkgefäße für Heißgetränke
eingesetzt werden sollen, lediglich innenseitig eine Barrierewirkung gegen Wasser
aufweisen. Für Kaltgetränke hingegen wird in der Regel die Beschichtung beidseitig
aufgetragen, da in diesem Fall Wasser an der Außenseite des Trinkgefäßes kondensieren
kann.
[0003] Verpackungsmaterialien oder geformte Artikel aus Papiermaterialen werden in der Regel
nach einmaliger Verwendung weggeworfen und dem Entsorgungssystem zugeführt. Aufgrund
ihrer gewöhnlich verwendeten Polyethylenbeschichtung sind sie nicht rezyklierbar,
d. h. wiederverwertbar, und müssen anderweitig entsorgt werden, was ökonomisch von
Nachteil und für die Umwelt eine Belastung ist.
[0004] Der vorliegenden Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, ein neuartiges Papiermaterial,
das wasserundurchlässig, polyethylenfrei, rezyklierbar und geeignet für die Herstellung
geformter Artikel wie Papierbecher sein soll, sowie ein Verfahren zur Herstellung
eines derartigen Papiermaterials bereitzustellen, wobei geformte Artikel aus dem neuartigen
Papiermaterial ebenso wasserundurchlässig und rezyklierbar sein sollen.
[0005] Diese Aufgabe wird durch die in den Ansprüchen gekennzeichneten Ausführungsformen
gelöst.
[0006] Insbesondere wird ein Papiermaterial bereitgestellt, umfassend ein Papiersubstrat
und eine Beschichtung, wobei die Beschichtung einen Mittelstrich, umfassend, bezogen
auf das Gesamtgewicht des Mittelstrichs, 40 bis 90 Gewichtsprozent (Gew.-%), Pigment,
20 bis 55 Gew.-% Bindemittel und 0 bis 5 Gew.-% eines oder mehrerer Zusatzstoffe,
und einen Barrierestrich, umfassend, bezogen auf das Gesamtgewicht des Barrierestrichs,
0 bis 20 Gew.-% Pigment, 80 bis 100 Gew.-% Bindemittel und 0 bis 5 Gew.-% eines oder
mehrerer Zusatzstoffe umfasst, wobei sich der Mittelstrich zwischen dem Papiersubstrat
und dem Barrierestrich befindet, wobei die Pigmente, Bindemittel und die einen oder
mehreren Zusatzstoffe in jedem Strich gleich oder verschieden sein können, und wobei
die Beschichtung polyethylenfrei ist.
[0007] In einer bevorzugten Ausführungsform der vorliegenden Erfindung befindet sich die
Beschichtung auf beiden Seiten des Papiersubstrats, sodass das Papiermaterial beidseitig
eine Barrierewirkung gegen Wasser aufweist. Wie bereits oben erwähnt, ist dies besonders
für Papiermaterialien von Vorteil, aus denen Papierbecher für Kaltgetränke hergestellt
werden sollen, da hierbei aufgrund von Kondensation an der äußeren Oberfläche des
Bechers auch die Außenseite des Bechers wasserundurchlässig sein sollte. Dabei können
die ober- und unterseitig aufgetragenen Striche gleich oder verschieden voneinander
sein, beispielsweise bezüglich der Strichaufträge, Pigmente, Bindemittel, Zusatzstoffe
sowie dem Vorhandensein eines oder zweier Vorstriche. In einer anderen Ausführungsform
weist das Papiermaterial nur auf einer Seite des Papiersubstrats eine Beschichtung
auf. Aus derartig gestrichenem Papiermaterial können Papierbecher mit wasserundurchlässiger
Innenseite für Heißgetränke, wie Tee, Kaffee oder Kakao, hergestellt werden. Bevorzugt
enthält der Mittelstrich, bezogen auf das Gesamtgewicht des Mittelstrichs, 45 bis
85 Gew.-%, besonders bevorzugt 50 bis 70 Gew.-%, beispielsweise 66 Gew.-% Pigment.
Andere bevorzugte Bereiche sind 45 bis 70 Gew.-% und 50 bis 85 Gew.-% Pigment. Die
in der vorliegenden Anmeldung genannten Bereiche sind beliebig miteinander kombinierbar.
[0008] Gemäß der vorliegenden Erfindung unterliegt das Pigment keiner besonderen Einschränkung
und umfasst alle in der Herstellung von gestrichenem Papier üblichen Pigmente und
deren Gemische. Als bevorzugtes Pigment wird Kaolin verwendet. Das Pigment kann einen
organischen Füllstoff, beispielsweise Stärke oder Cellulosefasern, oder einen anorganischen
Füllstoff, beispielsweise Calciumcarbonat, Titandioxid, Talk und/oder Kieselgur, umfassen.
[0009] Eine bevorzugte Ausführungsform der vorliegenden Erfindung besteht darin, dass das
Pigment des Mittelstrichs, bezogen auf das Gesamtgewicht des Pigments des Mittelstrichs,
50 bis 100 Gew.-% Kaolin und 0 bis 50 Gew.-% eines anorganischen Füllstoffs umfasst,
beispielsweise 50 bis 75 Gew.-% Kaolin und 25 bis 50 Gew.-% eines anorganischen Füllstoffs
oder 75 bis 100 Gew.-% Kaolin und 0 bis 25 Gew.-% eines anorganischen Füllstoffs.
Ein bevorzugter anorganischer Füllstoff für den Mittelstrich ist Calciumcarbonat,
beispielsweise "Hydrocarb 60".
[0010] Bevorzugt enthält der Mittelstrich, bezogen auf das Gesamtgewicht des Mittelstrichs,
25 bis 50 Gew.-%, besonders bevorzugt 30 bis 40 Gew.-%, beispielsweise 33 Gew.-% Bindemittel.
Andere bevorzugte Bereiche sind 25 bis 40 Gew.-% und 30 bis 50 Gew.-% Bindemittel.
[0011] Das erfindungsgemäß verwendete Bindemittel unterliegt keiner besonderen Einschränkung
und umfasst alle in der Herstellung von gestrichenem Papier üblichen Bindemittel und
deren Gemische, mit der Maßgabe, dass das Bindemittel polyethylenfrei ist. Mögliche
Bindemittel sind Acrylatpolymere, Copolymere von Styrol und einem ethylenisch ungesättigtem
Monomer, beispielsweise Styrol-Acrylat-Copolymere oder Styrol-Butadien-Copolymere.
[0012] Bevorzugte Bindemittel des Mittelstrichs sind Copolymere, gebildet durch Reagierenlassen
von Styrol und einem ethylenisch ungesättigtem Monomer, besonders bevorzugt Styrol-Acrylat-Copolymere,
insbesondere bevorzugt Styrol-Butadien-Copolymere. Durch die Verwendung von derartigen
Copolymeren im Mittelstrich wird vorteilhaft eine geschlossene Oberfläche als Untergrund
für den funktionellen Barrierestrich erzeugt.
[0013] Die Glasübergangstemperatur des Bindemittels des Mittelstrichs (und, falls vorhanden,
des Vorstrichs) beträgt vorzugsweise -20 bis 30 °C, besonders bevorzugt -10 bis 20
°C. Andere bevorzugte Bereiche der Glasübergangstemperatur des Bindemittels des Mittelstrichs
sind -20 bis 20 °C oder -10 bis 30 °C. Dabei sind die in der vorliegenden Anmeldung
genannten Glasübergangstemperaturen, sofern nicht anders angegeben, mittels Kalorimetrie
mit Differentialabtastung gemessen. Liegt die Glasübergangstemperatur des Bindemittels
des Mittelstrichs im oben genannten Bereich, so kann ein Mittelstrich mit ausreichenden
Flexibilitätseigenschaften für einen späteren Umformungsprozess (z. B. Falzen, Wickeln,
Rollen, Rändeln etc) erhalten werden. Das gleiche gilt analog für das Bindemittel
des gegebenenfalls vorhandenen Vorstrichs.
[0014] Bevorzugte Bindemittel des Barrierestrichs sind heißsiegelfähige Bindemittel, beispielsweise
Polystyrol, Polymethylmethacrylat und Polyurethanester.
[0015] Durch die erfindungsgemäße Verwendung eines der oben genannten Polymere oder Copolymere
als Bindemittel im Mittelstrich, zusammen mit einem der oben genannten Bindemittel
im Barrierestrich (und gegebenenfalls dem Vorstrich), kann ein Papiermaterial mit
einem Wasserwiderstandswert von weniger als 5 g/m
2, gemessen mittels eines Cobb-Tests (Normalbedingungen, Wassereinwirkung für 30 Minuten),
erhalten werden. Für die Wasserundurchlässigkeit des Papiermaterials ist es insbesondere
vorteilhaft, wenn das Massenverhältnis von Pigment zu Bindemittel des Mittelstrichs
größer ist als das entsprechende Massenverhältnis des Barrierestrichs und, falls ein
Vorstrich vorhanden ist, das Massenverhältnis Pigment/Bindemittel des Vorstrichs größer
ist als das entsprechende Massenverhältnis des Mittelstrichs. Darüber hinaus wird
durch die erfindungsgemäße Zusammensetzung der einzelnen Schichten, insbesondere dadurch,
dass die Beschichtung polyethylenfrei ist, ein Papiermaterial bereitgestellt, das
rezyklierbar ist und damit wiederverwertet werden kann. Zusätzlich ist das Papiermaterial
auf der gestrichenen Seite, und auch auf der gegebenenfalls vorhandenen ungestrichenen
Seite, bedruckbar.
[0016] Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform der vorliegenden Erfindung wird der Barrierestrich
durch Beschichten des Mittelstrichs mit einer wässrigen Polymer- oder Copolymeremulsion
gebildet, wobei die wässrige Polymer- oder Copolymeremulsion, bezogen auf das Gesamtgewicht
der wässrigen Polymer- oder Copolymeremulsion, 30 bis 70 Gew.-% Wasser und 30 bis
70 Gew.-% mindestens eines Polymers oder Copolymers, ausgewählt aus der Gruppe, bestehend
aus Polystyrol, Polymethylmethacrylat, Polyurethanester und einem Copolymer, gebildet
durch das Reagieren von Styrol und einem ethylenisch ungesättigten Monomer, beispielsweise
Styrol-Acrylat-Copolymer und Styrol-Butadien-Copolymer, umfasst. Besonders bevorzugt
enthält die wässrige Polymer- oder Copolymeremulsion 40 bis 60 Gew.-% Wasser. Der
Anteil an dem Polymer in der wässrigen Polymer- oder Copolymeremulsion beträgt besonders
bevorzugt 40 bis 60 Gew.-%. Geeignete Polymer- oder Copolymeremulsionen sind beispielsweise
Acronal S940 (umfassend ein Copolymer von Acrylsäureester und Styrol) und Acronal
A969 (umfassend ein Copolymer von Acrylsäureester und Methacrylsäureester) von der
Firma BASF sowie Michem Coat 95 ("MC95", umfassend Acryl-Styrol-Copolymer) der Firma
Michelman. Das Beschichten unterliegt keiner besonderen Einschränkung und kann auf
beliebige Weise erfolgen, beispielsweise durch Luftrakelbeschichten, Rakelbeschichten,
Gravurbeschichten, Stabbeschichten, Gießbeschichten, Sprühbeschichten. Bevorzugt erfolgt
das Beschichten der wässrigen Polymer- oder Copolymeremulsion durch Rakelbeschichten,
insbesondere bevorzugt mit Glättschaber.
[0017] Erfindungsgemäß können der Vorstrich, der Mittelstrich und der Barrierestrich jeweils
einen oder mehrere Zusatzstoffe enthalten. Beispiele für derartige Zusatzstoffe sind
Verdickungsmittel, Entschäumer, Antischaummittel, Dispergierhilfsstoffe, Natronlauge,
etc. Als Antischaummittel kann beispielsweise das Produkt "Nalco74101" von der Firma
Nalco verwendet werden, ein geeignetes Verdickungsmittel ist beispielsweise "Rheocat
66" von der Firma Coatex.
[0018] Der Mittelstrich enthält bevorzugt 1 bis 5 Gew.-%, besonders bevorzugt 0,3 bis 1,0
Gew.-% eines oder mehrerer Zusatzstoffe.
[0019] Der Barrierestrich enthält bevorzugt, bezogen auf das Gesamtgewicht des Barrierestrichs,
90 bis 100 Gew.-%, besonders bevorzugt 95 bis 100 Gew.-%, beispielsweise 100 Gew.-%
Bindemittel. Der Gehalt an Pigment im Barrierestrich beträgt vorzugsweise 0 bis 10
Gew.-%, besondere bevorzugt 0 bis 5 Gew.-%, beispielsweise 0 Gew.-%. Darüber hinaus
enthält der Barrierestrich bevorzugt 0 bis 2,5 Gew.-%, besonders bevorzugt 0 bis 1
Gew.-%, beispielsweise 0 Gew.-% eines oder mehrerer Zusatzstoffe.
[0020] Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform der vorliegenden Erfindung befindet sich
zwischen dem Papiersubstrat und dem Mittelstrich ein Vorstrich, wobei der Vorstrich,
bezogen auf das Gesamtgewicht des Vorstrichs, 75 bis 95 Gew.-%, bevorzugt 85 bis 90
Gew.-% Pigment, 5 bis 20 Gew.-% , bevorzugt 10 bis 15 Gew.-% Bindemittel und 0 bis
5 Gew.-% eines oder mehrerer Zusatzstoffe umfasst. Für Pigment, Bindemittel und Zusatzstoff(e)
des Vorstrichs gelten, soweit nicht anders beschrieben, die gleichen Maßgaben wie
für die Bestandteile des Mittelstrichs.
[0021] Eine bevorzugte Ausführungsform der vorliegenden Erfindung besteht darin, dass das
Pigment des Vorstrichs, bezogen auf das Gesamtgewicht des Pigments des Vorstrichs,
50 bis 100 Gew.-% Kaolin und 0 bis 50 Gew.-% eines weiteren anorganischen Füllstoffs
umfasst, beispielsweise 50 bis 75 Gew.-% Kaolin und 25 bis 50 Gew.-% eines weiteren
anorganischen Füllstoffs oder 75 bis 100 Gew.-% Kaolin und 0 bis 25 Gew.-% eines weiteren
anorganischen Füllstoffs. Ein bevorzugter weiterer anorganischer Füllstoff für den
Vorstrich ist Calciumcarbonat.
[0022] Das erfindungsgemäß verwendete Papiersubstrat unterliegt keiner besonderen Einschränkung
und umfasst jedes gängige Papier, das für die Herstellung von gestrichenem Papier
geeignet ist. Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform ist das Papiersubstrat hochgeleimtes
Papier, umfassend, bezogen auf das Gesamtgewicht des Papiersubstrats, weniger als
10 Gew.-% Asche, 90 bis 99 Gew.-% Zellstoff und 1 bis 3 Gew.-% Leimungsmittel, wobei
der Zellstoff, bezogen auf das Gesamtgewicht des Zellstoffs, 90 bis 100 Gew.-% Kurzfaser
umfasst. In diesem Zusammenhang bezeichnet der Begriff "Kurzfaser" Zellstofffasern,
die eine maximale Länge von 800 µm aufweisen. Dabei unterliegt das Leimungsmittel
keinen besonderen Einschränkungen und umfasst, bezogen auf das Gesamtgewicht des Leimungsmittels,
bevorzugt 40 bis 60 Gew.-%, besonders bevorzugt 45 bis 55 Gew.-% Alkylketen-Dimer
und bevorzugt 40 bis 60 Gew.-%, besonders bevorzugt 45 bis 55 Gew.-% Harzleim. Darüber
hinaus weist das erfindungsgemäß verwendete Papiersubstrat vorzugsweise ein spezifisches
Flächengewicht von 100 bis 450 g/m
2, besonders bevorzugt 200 bis 350 g/m
2 auf. Soweit nicht anders angegeben, beziehen sich die genannten Flächengewichte des
Rohpapiers oder des Papiermaterials auf das lufttrockene (lutro) Rohpapier oder Papiermaterial,
d. h. mit einer Papierrestfeuchte von 3,5 Gew.-%.
[0023] Der verwendete Zellstoff unterliegt keiner besonderen Einschränkung. Der Begriff
"Zellstoff" umfasst jeden für die Papierherstellung geeigneten Zell- oder Faserstoff.
Bevorzugt wird Eukalyptus- oder Birkenzellstoff verwendet. Auch die verwendete Asche
unterliegt keiner besonderen Einschränkung und kann beliebig gewählt werden. Bevorzugt
wird Calciumcarbonat, beispielsweise Hydrocarb 60GU der Firma Omya, verwendet.
[0024] Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform der vorliegenden Erfindung betragen der Strichauftrag
des Vorstrichs, falls vorhanden, 2 bis 20 g/m
2, besonders bevorzugt 5 bis 15 g/m
2, der Strichauftrag des Mittelstrichs 2 bis 25 g/m
2, besonders bevorzugt 5 bis 20 g/m
2, und der Strichauftrag des Barrierestrichs 2 bis 22 g/m
2, besonders bevorzugt 5 bis 18 g/m
2.
[0025] Das spezifische Flächengewicht des erfindungsgemäßen Papiermaterials beträgt vorzugsweise
200 bis 600 g/m
2, besonders bevorzugt 300 bis 500 g/m
2, insbesondere bevorzugt 350 bis 450 g/m
2.
[0026] Gemäß einer weiteren bevorzugten Ausführungsform ist das Papiermaterial der vorliegenden
Erfindung heißsiegelfähig, vorzugsweise bei einer Kraft von 100 bis 1000 N und einer
Temperatur von 80 bis 400 °C. Eine durch Heißsiegeln unter den genannten Bedingungen
gebildete Verbindung zwischen zwei Oberflächen des Papiermaterials der vorliegenden
Erfindung, beispielsweise bei einem aus dem Papiermaterial hergestellten geformten
Artikel, ist wasserundurchlässig. In diesem Zusammenhang bedeutet der Begriff "wasserundurchlässig",
dass bei einem Cobb-Test kein Wasser durch die Verbindung, gebildet durch Heißsiegeln,
dringt. Darüber hinaus bedeutet der Begriff "wasserundurchlässig", dass ein erfindungsgemäßer
Papierbecher, der mit Kaffee (13 g Kaffeepulver pro 330 mL Wasser, 80°C) gefüllt wird,
eine halbe Stunde nach dem Befüllen mit Kaffee keine dunklen Verfärbungen aufweist
und bei dem keine Flüssigkeit durch die Verbindung, gebildet durch Heißsiegeln, gedrungen
ist (visuelle Auswertung).
[0027] Ein weiterer Gegenstand der vorliegenden Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung
des vorstehend beschriebenen Papiermaterials, wobei das Verfahren die Schritte
- (a) Bereitstellen eines Papiersubstrats,
- (b) gegebenenfalls Auftragen einer Vorstrichzusammensetzung auf mindestens eine Oberfläche
des Papiersubstrats, gefolgt von Trocknen,
- (c) Auftragen einer Mittelstrichzusammensetzung auf das Papiersubstrat, oder, falls
vorhanden, auf den Vorstrich, gefolgt von Trocknen,
- (d) Auftragen einer Barrierestrichzusammensetzung auf den Mittelstrich, gefolgt von
Trocknen,
umfasst.
[0028] Die erfindungsgemäß verwendeten Vor-, Mittel- und Barrierestrichzusammensetzungen
sind bevorzugt wässrige Gemische, umfassend 10 bis 90 Gew.-%, besonders bevorzugt
20 bis 80 Gew.-%, Wasser, sowie die oben beschriebenen Bestandteile des jeweiligen
Strichs als Feststoffanteil.
[0029] Das Trocknen unterliegt keiner besonderen Einschränkung und kann auf beliebige Weise
erfolgen. So kann beispielsweise durch das Anwenden von erwärmter Luft getrocknet
werden. Vorzugsweise weist die erwärmte Luft eine Temperatur von 50 bis 130°C, besonders
bevorzugt 60 bis 120 °C, auf. Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform erfolgt das
Trocknen mehrstufig, beispielsweise unter Verwendung von Infrarotstrahlern, Heißluft-Schwebetrocknern
und/oder dampfbeheizten Trockenzylindern. Nach dem Trocknen kann das Papiermaterial
abgekühlt und weiterverarbeitet werden.
[0030] Ein weiterer Gegenstand der vorliegenden Erfindung betrifft einen geformten Artikel,
umfassend das oben beschriebene Papiermaterial. Herstellungsverfahren für geformte
Artikel, wie beispielsweise Papierbecher, Joghurtbecher, Verpackungen für Fastfoodprodukte
und andere Lebensmittel, sind im Stand der Technik bekannt. Gemäß einer bevorzugten
Ausführungsform der vorliegenden Erfindung ist der geformte Artikel ein rezyklierbarer
Papierbecher für heiße und/oder kalte Getränke.
[0031] Die vorliegende Erfindung stellt ein Papiermaterial bereit, das durch seine besonderen
Eigenschaften überraschenderweise gleichzeitig wasserundurchlässig und rezyklierbar
ist. Darüber hinaus werden ein Verfahren zur Herstellung eines derartigen Papiermaterials
sowie geformte Artikel, umfassend das Papiermaterial, bereitgestellt. Geformte Artikel,
die das erfindungsgemäße Papiermaterial umfassen oder daraus bestehen, insbesondere
Papierbecher, können wiederverwertet werden, womit derartige geformte Artikel ökonomisch
von Vorteil sind und eine geringere Umweltbelastung verursachen als herkömmliche Papierbecher
und Verpackungen.
[0032] Die nachstehenden Beispiele dienen als weitere Erläuterung der vorliegenden Erfindung,
ohne darauf beschränkt zu sein.
Beispiel 1: Herstellung von gestrichenem Papiermaterial
Rohpapier
[0033] Das Rohpapier wurde in einer Langsiebpapiermaschine mit Hybridformer der Firma Escher-Wyss
aus 94 Gew.-% gebleichtem Zellstoff (95 Gew.-% Kurzfaser und 5 Gew.-% ungestrichener
Rückstoff), 3 Gew.-% Asche und Leimungsmittel (50 Gew.-% Alkylketen-Dimer und 50 Gew.-%
Harzleim) hergestellt. Es wurden 30 Liter Leimungsmittel pro Tonne lufttrockenem (lutro)
Rohpapier eingesetzt. Dies entspricht einem Anteil an Leimungsmittel, bezogen auf
das Gesamtgewicht des Papiersubstrats, von 3 Gew.-%.
| Bezeichnung |
spezifisches Flächengewicht Rohpapier [g/m2] |
| |
ofentrocken (otro) |
lutro |
| CF-BLE - BBB |
317 |
328 |
| CF-BLE - III/R |
317 |
328 |
| CF-BLE - BB |
255 |
264 |
Vorstrich
[0034] Auf Rohpapiere CF-BLE - BBB und CF-BLE - BB wurden beidseitig, auf CF-BLE - III/R
einseitig, mittels Walzenauftragswerk und Glättschaber 10 g/m
2 der Beschichtungszusammensetzung 3272, entsprechend einem Feststoff-Strichauftrag
von 8 g/m
2, aufgetragen und durch Anwenden von erwärmter Luft mit einer Temperatur von 120°C
getrocknet.
Beschichtungszusammensetzung 3272:
[0035]
| Komponente |
Gewichtsteile |
| Hydrocarb 90 GU |
50 |
| Miragloss 90 |
50 |
| Topsperse GX-N |
0,12 |
| Acronal PR 8828 X |
14 |
| Natronlauge (10 %) |
0,051 |
| Rheocat 66 |
0,3 |
| Mischzeit: mindestens 10 Minuten |
| Leimung (Gewichtsteile): |
14,0 |
| Feststoffgehalt (%): |
70,5 |
| pH-Wert soll (+/- 0,1) |
8,4 |
| Dichte (errechnet): |
1,629 |
| Binderverhältnis (%): |
|
| Acronal PR 8828 X |
100 |
| Pigmentverhältnis (%): |
|
| Hydrocarb 90 GU |
50 |
| Miragloss 90 |
50 |
Hydrocarb 90 GU - Pigment Calciumcarbonat Dispersion 90er Feinheit
Miragloss 90 - Pigment (Glanz-) Kaolin Dispersion in 90er Feinheit
Topsperse GX-N - Dispergiermittel Polycarboxylat in wässriger Lösung
Acronal PR 8828 X - Bindemittel Styrol/Acrylsäureester
Rheocoat 66 - Rheologie-Hilfsmittel (Acrylpolymer)
Mittelstrich
[0036] Danach wurden beidseitig, bei CF-BLE - III/R mit Vorstrich einseitig auf der Vorstrichseite,
mittels Walzenauftragswerk und Glättschaber 10 g/m
2 der Beschichtungszusammensetzung 3273, entsprechend einem Feststoff-Strichauftrag
von 8 g/m
2, aufgetragen und durch Anwenden von erwärmter Luft mit einer Temperatur von 120 °C
getrocknet.
Beschichtungszusammensetzung 3273:
[0037]
| Komponente |
Gewichtsteile |
| Hydrocarb 90 GU |
50 |
| Miragloss 90 |
50 |
| Topsperse GX-N |
0,12 |
| Acronal PR 8828 X |
50 |
| Natronlauge (10%) |
0,051 |
| Rheocat 66 |
0,3 |
| Mischzeit: mindestens 10 Minuten |
| Leimung (Gewichtsteile): |
50,0 |
| Feststoffgehalt (%): |
64,2 |
| pH-Wert soll (+/- 0,1) |
8,4 |
| Dichte (errechnet): |
1,393 |
| Binderverhältnis (%): |
|
| Acronal PR 8828 X |
100 |
| Pigmentverhältnis (%): |
|
| Hydrocarb 90 GU |
50 |
| Miragloss 90 |
50 |
Barrierestrich
[0038] Danach wurde beidseitig, bei CF-BLE - III/R mit Vor- und Mittelstrich einseitig auf
der Oberseite mit Vor-/Mittelstrich, mittels Walzenauftragswerk und Glättschaber oberseitig
(spätere Innenseite des Papierbechers) 10 g/m
2, entsprechend einem Feststoff-Strichauftrag von 8 g/m
2, und unterseitig (spätere Außenseite des Papierbechers) 6 g/m
2, entsprechend einem Feststoff-Strichauftrag von 4 g/m
2 der Beschichtungszusammensetzung 6000, beziehungsweise der Beschichtungszusammensetzung
6001, aufgetragen und durch Anwenden von erwärmter Luft mit einer Temperatur von 60°C
(Rezeptur 6000) beziehungsweise mit 120°C (Rezeptur 6001) getrocknet.
Beschichtungszusammensetzung 6000:
[0039]
| Komponente |
Gewichtsteile |
| Acronal A 969 |
100 |
| Miragloss 90 |
10 |
| Natronlauge (10%) |
0,1266 |
| Rheocat 66 |
0,8 |
| Nalco 74101 |
0,25 |
| Mischzeit: mindestens 10 Minuten |
| Leimung (Gewichtsteile): |
100,0 |
| Feststoffgehalt (%): |
41,5 |
| pH-Wert soll (+/- 0,1) |
8,5 |
| Dichte (errechnet): |
1,044 |
| Binderverhältnis (%): |
|
| Acronal A 969 |
100 |
Acronal A969 - Acrylsäureester mit Methacrylsäureester
Miragloss 90 - Pigment (Glanz-) Kaolin Dispersion in 90er Feinheit
Rheocoat 66 - Rheologie-Hilfsmittel (Acrylpolymer)
Nalco 74101 - Entschäumer
Beschichtungszusammensetzung 6001:
[0040]
| Komponente |
Gewichtsteile |
| Michelman MC 95 |
100 |
| Nalco 74101 |
0,01 |
| Mischzeit: mindestens 10 Minuten |
| Leimung (Gewichtsteile): |
100,0 |
| Feststoffgehalt (%): |
46 |
| pH-Wert soll (+/- 0,1) |
8,5 |
| Dichte (errechnet): |
1,05 |
| Binderverhältnis (%): |
|
| Michelman MC95 |
100 |
Michelman MC 95 - Acryl Styrol Copolymer
Nalco 74101 - Entschäumer
Endflächengewichte:
[0041]
| Bezeichnung |
spezifisches Flächengewicht Papiermaterial [g/m2] (lutro, Zielfeuchte von 6 Gew.-%) |
| CF-BLE - BBB 6000 |
400 |
| CF-BLE - III/R 6000 |
380 |
| CF-BLE - BB 6000 |
315 |
| |
|
| CF-BLE - BBB 6001 |
400 |
| CF-BLE - III/R 6001 |
380 |
| CF-BLE - BB 6001 |
315 |
Beispiel 2: Kaffee-Test
[0042] Aus den gestrichenen Papiermaterialien von Beispiel 1 wurden mit einer Vorrichtung
zur Herstellung von Papierbechern (PMC 1000 von der Firma Paper Machine Corporation)
Papierbecher hergestellt. Die fertigen Papierbecher wurden bis 1 cm unter dem oberen
Rand mit frisch gebrühtem Kaffee (Temperatur ca. 80 °C) befüllt. Nach einer halben
Stunde war durch die Siegelung kein Kaffee gedrungen und der Papierbecher wies keine
Verfärbungen aufgrund eindringender Flüssigkeit auf.
1. Papiermaterial, umfassend ein Papiersubstrat und eine Beschichtung, wobei die Beschichtung
einen Mittelstrich, umfassend, bezogen auf das Gesamtgewicht des Mittelstrichs, 40
bis 90 Gew.-% Pigment, 20 bis 55 Gew.-% Bindemittel und 0 bis 5 Gew.-% eines oder
mehrerer Zusatzstoffe, und
einen Barrierestrich, umfassend, bezogen auf das Gesamtgewicht des Barrierestrichs,
0 bis 20 Gew.-% Pigment, 80 bis 100 Gew.-% Bindemittel und 0 bis 5 Gew.-% eines oder
mehrerer Zusatzstoffe,
umfasst,
wobei sich der Mittelstrich zwischen dem Papiersubstrat und dem Barrierestrich befindet,
wobei die Pigmente, Bindemittel und die einen oder mehreren Zusatzstoffe in jedem
Strich gleich oder verschieden sein können, und
wobei die Beschichtung polyethylenfrei ist.
2. Papiermaterial nach Anspruch 1, wobei sich die Beschichtung auf beiden Seiten des
Papiersubstrats befindet.
3. Papiermaterial nach Anspruch 1 oder 2, wobei sich zwischen dem Papiersubstrat und
dem Mittelstrich ein Vorstrich befindet, wobei der Vorstrich, bezogen auf das Gesamtgewicht
des Vorstrichs, 75 bis 95 Gew.-% Pigment, 5 bis 20 Gew.-% Bindemittel und 0 bis 5
Gew.-% eines oder mehrerer Zusatzstoffe umfasst.
4. Papiermaterial nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei der Strichauftrag des
Mittelstrichs 2 bis 25 g/m2, der Strichauftrag des Barrierestrichs 2 bis 22 g/m2 und der Strichauftrag des Vorstrichs, falls vorhanden, 2 bis 20 g/m2 betragen.
5. Papiermaterial nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei das Papiersubstrat hochgeleimtes
Papier, umfassend, bezogen auf das Gesamtgewicht des Papiersubstrats, weniger als
10 Gew.-% Asche, 90 bis 99 Gew.-% Zellstoff und 1 bis 3 Gew.-% Leimungsmittel, ist,
wobei der Zellstoff, bezogen auf das Gesamtgewicht des Zellstoffs, 90 bis 100 Gew.-%
Kurzfaser umfasst
wobei das Leimungsmittel, bezogen auf das Gesamtgewicht des Leimungsmittels, 40 bis
60 Gew.-% Alkylketen-Dimer und 40 bis 60 Gew.-% Harzleim umfasst.
6. Papiermaterial nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei das Pigment des Mittelstrichs,
bezogen auf das Gesamtgewicht des Pigments des Mittelstrichs, 50 bis 100 Gew.-% Kaolin
und 0 bis 50 Gew.-% eines weiteren anorganischen Füllstoffs umfasst, und
wobei die Glasübergangstemperatur des Bindemittels des Mittelstrichs von -20 °C bis
30 °C beträgt.
7. Papiermaterial nach Anspruch 6, wobei das Bindemittel des Mittelstrichs ein Copolymer,
gebildet durch Reagieren von Styrol und mindestens einem ethylenisch ungesättigten
Monomer, umfasst.
8. Papiermaterial nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei der Barrierestrich durch
Beschichten des Mittelstrichs mit einer wässrigen Polymer- oder Copolymeremulsion
gebildet wird,
wobei die wässrige Polymer- oder Copolymeremulsion, bezogen auf das Gesamtgewicht
der wässrigen Polymer- oder Copolymeremulsion, 30 bis 70 Gew.-% Wasser und 30 bis
70 Gew.-% mindestens eines Polymers oder Copolymers, ausgewählt aus der Gruppe, bestehend
aus Polystyrol, Polymethylmethacrylat, Polyurethanester und einem Copolymer, gebildet
durch das Reagieren von Styrol und einem ethylenisch ungesättigten Monomer, umfasst.
9. Papiermaterial nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei das Papiermaterial heißsiegelfähig
ist.
10. Verfahren zur Herstellung eines Papiermaterials nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
wobei das Verfahren die Schritte
(a) Bereitstellen eines Papiersubstrats,
(b) gegebenenfalls Auftragen einer Vorstrichzusammensetzung auf mindestens eine Oberfläche
des Papiersubstrats, gefolgt von Trocknen,
(c) Auftragen einer Mittelstrichzusammensetzung auf das Papiersubstrat, oder, falls
vorhanden, auf den Vorstrich, gefolgt von Trocknen,
(d) Auftragen einer Barrierestrichzusammensetzung auf den Mittelstrich, gefolgt von
Trocknen,
umfasst.
11. Geformter Artikel, umfassend das Papiermaterial nach einem der Ansprüche 1 bis 9.
12. Geformter Artikel nach Anspruch 11, wobei der geformte Artikel ein rezyklierbarer
Papierbecher für heiße und/oder kalte Getränke ist.