[0001] Die Erfindung betrifft eine Flachbett-Bogenstanz- und/oder -prägemaschine gemäß dem
Oberbegriff von Anspruch 1 und ein Verfahren zum Schnellabschalten einer Flachbett-Bogenstanz-
und/oder -prägemaschine gemäß Anspruch 7.
Stand der Technik
[0002] Als Stanzen wird das Schneiden mit in sich geschlossenen geometrischen Zuschnittsformen
bezeichnet, die kreisförmig, oval oder mehreckig sowie Phantasieformen aller Art sein
können. Auch die in der Druckweiterverarbeitung geübten Praktiken, wie Stanzen mit
Locheisen, Eckenabstoßen und Registerstanzen werden zu diesem Bereich gezählt. Die
Stanzung erfolgt gegen eine Stanzunterlage oder gegen Stempel, teilweise sind es auch
Schervorgänge. Verpackungsmaterialien aus Kunststoff, Folienmaterial, Papier, Karton,
Pappe oder Wellpappe werden hauptsächlich im Bogenformat, aber auch im Bahnformat
gestanzt. Beim Stanzvorgang können zusätzlich aber auch Rilllinien oder Blindprägungen
in den Nutzen eingebracht werden. Da es sich bei den Endprodukten um anspruchsvolle
Verpackungen hinsichtlich technischer und graphischer Ausführung handelt (etwa Verpackungen
für Kosmetik, Zigaretten, Pharmazie, Lebensmittel, etc.), werden besondere Anforderungen
nicht nur an die Verpackungsmaterialien selbst gestellt, sondern es sind für optimale
Resultate auch Stanzwerkzeuge mit geringsten Toleranzen und äußerst präzise und zuverlässig
arbeitende Stanzmaschinen erforderlich. Diesen Ansprüchen wird das Flachbettstanzen
am besten gerecht. Dabei werden im Falle der Bogenbearbeitung die gedruckten und auf
einer Palette gestapelten Bogen der Stanzmaschine zugeführt. In der Maschine werden
in einer Ausrichteinrichtung die zu stanzenden Bogen passgenau ausgerichtet, von einem
Greiferwagen übernommen und exakt in der Stanzeinrichtung zwischen einem fest gelagerten
Untertisch und einem über einen Kniehebel oder Exzentergetriebe vertikal bewegbaren
Obertisch positioniert. Auch bekannt sind Maschinen, in welchen der Untertisch gegen
einen festen Obertisch bewegt wird.
[0003] In bekannten Bogenstanz- und Prägemaschinen, die zum Stanzen, Prägen, Ausbrechen,
ggfs. Nutzentrennen und Ablegen von Bogen aus Papier, Pappe und der gleichen eingesetzt
werden, ist es bekannt die Bogen mittels Greiferwagen durch die einzelnen Stationen
der Maschine zu bewegen. Ein jeweiliger Greiferwagen besitzt eine Greiferbrücke, an
der Greifer befestigt sind, die die Bogen an einem vorderen Ende ergreifen. Ein Greiferwagen
besitzt weiterhin seitliche Fahrwagen, welche mit endlosen Ketten des Transportsystems
verbunden sind und wodurch die Greiferwagen durch die Maschine bewegt werden. Durch
diese Art der Bewegung der Bogen durch die Maschine wird eine hohe Maschinenleistung
ermöglicht, da die Bogen in den einzelnen hintereinander angeordneten Stationen der
Maschine, insbesondere Stanz-, Ausbrech- und Nutzentrennstation (cutting - stripping
- blanking), nacheinander bearbeitet werden.
[0004] Eine derartige Flachbettstanze ist beispielsweise aus der
DE 30 44 083 A1 und der
US 7,658,378 B2 bekannt. Die beiden Tische sind mit Schneid- und Rillwerkzeugen bzw. entsprechenden
Gegenwerkzeugen bestückt, mit denen aus dem taktweise zwischen die Tischfläche geführten
Bogen die Nutzen ausgestanzt und gleichzeitig die zum sauberen Falten notwendigen
Rillen eingedrückt werden. In der nachfolgenden Ausbrecheinrichtung wird der Abfall
über Ausbrechwerkzeuge maschinell entfernt. Je nach Ausstattung der Maschine können
schließlich die gestanzten Nutzen in einer hierfür vorgesehenen Nutzentrenneinrichtung
separiert werden.
[0005] Bei Bogenstanzmaschinen gemäß dem Stand der Technik zum Anmeldezeitpunkt, und so
auch bei der Bogenstanzmaschine Dymatrix 106 der Heidelberger Druckmaschinen AG, wird
der Kettenantrieb des Bogentransportsystems bei Überlast mittels einer Überlastkupplung,
die als Festpunktkupplung ausgeführt ist, vom Antrieb getrennt. Die Überlast kann
beispielsweise in Folge von Kollision der Greiferbrücken mit Werkzeugen oder aufgrund
von Papierstauungen entstehen. Die Festpunktkupplung ist als Rastkupplung ausgeführt,
welche in einer Winkellage einrasten kann. Im Bereich der Überlastkupplung ist ein
Auslösesensor integriert, so dass dieser das Auslösen der Kupplung feststellen und
an den Antrieb weiterleiten kann. So wird nachfolgend die Schwungmasse des Antriebs
durch einen steuerbaren Pneumatikzylinder vom Antriebsstrang getrennt und gleichzeitig
der Antriebsstrang durch eine Bremse abgebremst, durch eine sogenannte Kupplungsbremskombination.
Nachteilig an dieser Ausführung ist zweierlei: Das Auslösemoment der Festpunktkupplung
muss so hoch eingestellt werden, dass beim normalen Maschinenbetrieb während einem
kompletten Zyklus, d.h. Maschinenwinkel 0 bis 360°, die Kupplung nicht auslöst.
[0006] Zum Zweiten besteht die Gefahr, dass durch das Auslösen der Überlastkupplung und
das damit verbundene Aufheben der Synchronisation von Transportketten und Hubbewegung
der Bearbeitungsstationen, insbesondere der Stanzstation, die an den Transportketten
befestigten Greiferbrücken mit den sich absenkenden Stanzwerkzeugen bzw. Ausbrech-
bzw. Ablagewerkzeugen kollidieren und dabei zerstört werden.
Aufgabenstellung
[0007] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es daher, eine Flachbett-Bogenstanz- und/oder
- prägemaschine zu schaffen, bei der ein besserer Schutz des Antriebs im Fall von
auftretenden Überlasten gewährleistet ist und die Zerstörung von Greiferbrücken und
Bearbeitungswerkzeugen im Fall einer Abschaltung der Maschine aufgrund von Überlast
weiter reduziert wird, als auch ein Verfahren zu beschreiben, wie eine Schnellabschaltung
einer Flachbett-Bogenstanz- und/oder -prägemaschine mit diesen Vorteilen umgesetzt
werden kann.
[0008] Gelöst wird diese Aufgabe durch eine Flachbett-Bogenstanz- und/oder -prägemaschine
zur Bearbeitung von Bogen insbesondere aus Papier, Pappe, Karton oder Kunststoff mit
einem Bogentransportsystem, mindestens einer Bearbeitungsstation mit hubbewegtem Werkzeug,
mindestens einem Antrieb zum Antreiben des Bogentransportsystems und der mindestens
einen Bearbeitungsstation und mit einer Maschinensteuerung. Bevorzugt ist ein gemeinsamer
Antrieb für Bogentransportsystems und Bearbeitungsstationen vorgesehen. Das Bogentransportsystem
besitzt bevorzugt zwei, alternativ auch mehrerer umlaufende im Wesentlichen parallele
Ketten mit daran befestigten Greiferwagen mit Greifern und einem Kettenantrieb zum
Antreiben der Ketten, wobei die Ketten mit dem Kettenantrieb in Eingriff stehen. Der
Kettenantrieb wiederum ist über einen Antriebsstrang mit dem Antrieb verbunden. Erfindungsgemäß
ist der Antriebsstrang über eine schaltbare Kupplungs-Brems-Kombination mit dem Antrieb
und über eine schaltbare Kupplung mit dem Kettenantrieb verbunden. In vorteilhafter
Weise besitzt das Bogentransportsystem mindestens einen Sensor zur Überwachung des
Bogentransportsystems auf Fehler und/oder Defekte und die Kupplungs-Brems-Kombination,
die Kupplung und der mindestens eine Sensor sind mit der Maschinensteuerung in einer
Datenaustauschverbindung, zum Schalten der Kupplungs-Brems-Kombination und gegebenenfalls
der Kupplung in Abhängigkeit vom Messergebnis des Sensors. In anderen Worten: der
mindestens eine Sensor des Bogentransportsystems überwacht permanent das Bogentransportsystem
auf eine eventuelle Überlast, übermittelt das Messergebnis insbesondere über Datenleitungen
an die Maschinensteuerung, wo eine Auswertung der Messergebnisse erfolgen und bei
Überschreitung von in der Maschinensteuerung hinterlegten zulässigen Sollwerten die
Kupplungs-Brems-Kombination und gegebenenfalls auch die Kupplung ausgelöst werden
können. Besonders vorteilhaft an dieser Ausgestaltung der Maschine ist, dass nicht
nur ein Grenzwert als zulässiger Sollwert in der Maschinensteuerung hinterlegt werden
kann, sondern vielmehr Sollwertverläufe hinterlegt werden können, d.h. zulässige Werte
in Abhängigkeit des Maschinenwinkels. Auch möglich ist, dass nicht nur ein Sollwert
hinterlegt wird, sondern ein Toleranzband, welches dann gleichzeitig eine Maximalwertüberwachung,
d.h. eine Kollisionsprävention als auch eine Minimalwertüberwachung, d.h. eine Detektion
auf Kettenriss der Transportkette, umfasst.
[0009] In vorteilhafter Weiterbildung der erfindungsgemäßen Flachbett-Bogenstanz- und/oder
- prägemaschine ist der mindestens eine Sensor im Kraftfluss des Kettenantriebs angeordnet,
insbesondere in einem Kettenrad des Kettenantriebs oder im Bereich einer Einlaufkurve
oder Auslaufkurve des Kettenrades. Alternativ oder zusätzlich kann der Sensor auch
in einem Kettenspanner des Kettenantriebs integriert sein. Alternativ oder zusätzlich
kann der Sensor auch die verschleißbedingte Kettenlängung messen, d.h. die Änderung
des Abstanden zwischen je zwei Kettenbolzen. Alternativ oder zusätzlich kann der Sensor
sich auch in mindestens einer Kette und/oder in mindestens einem Greiferwagen befinden.
Dadurch kann die vorherrschende Kraft direkt vor Ort gemessen und überwacht werden.
Der Sensor kann dabei als Kraftsensor, Wegsensor, Temperatursensor oder optischer
Sensor ausgeführt sein. Alternativ kann der Sensor auch als akustischer Sensor ausgeführt
sein, welcher etwas beabstandet zum Bogentransportsystem in der Maschine angeordnet
ist und Abweichungen von den normalen Transportgeräuschen detektieren kann. Kraftsensoren
und Wegsensoren können insbesondere im Bereich des Kettenspanners eingesetzt werden.
Mittels Temperatursensoren kann die Temperatur von Kettenführungen oder Ketten detektiert
werden und z.B. bei mangelnder Schmierung schnell reagiert werden. Akustische Sensoren
können der Erkennung von Schallmustern und deren Änderungen dienen, z.B. im Falle
eines Defekts der Kettenführungsbahn. Kontaktsensoren können an der Vorderkante der
Greiferbrücke zur Detektion von einzelnem Papier oder angehäuftem Papier dienen. Auch
kann eine sensorische Auswertung von Schwingungen im Bereich des Bogentransportsystems
erfolgen.
[0010] Die Erfindung betrifft auch ein Verfahren zum Schnellabschalten einer wie obenstehend
beschriebenen Flachbett-Bogenstanz- und/oder -prägemaschine bei einem Fehler und/oder
Defekt des Bogentransportsystems mit den nachfolgenden Schritten:
[0011] Durch die Maschinensteuerung erfolgt ein Vergleich der Messergebnisse mit in der
Maschinensteuerung hinterlegten und/oder berechneten Sollwerten. Bei einer festgestellten
Abweichung von den hinterlegten bzw. berechneten Sollwerten erfolgt ein sofortiges
Abschalten einer zwischen Antrieb und Antriebsstrang angeordneten Kupplungs-Brems-Kombination
zum Trennen des Antriebsstrangs vom Antrieb und zum Abbremsen des Antriebsstrangs.
Dies kann problemlos zu jedem Zeitpunkt erfolgen, da weiterhin die Synchronität aller
Maschinenbestandteile, d.h. der Transportketten mit den Greiferbrücken relativ zu
den hubbewegten Werkzeugen der Bearbeitungsstationen gewährleistet ist. In einem nächsten
Schritt erfolgt ein Überprüfen des momentanen Maschinenwinkels und bei Abwesenheit
von Kollisionsgefahr von hubbewegten Werkzeugen und Greiferwagen erfolgt ein sofortiges
Schalten der Kupplung zwischen Antriebsstrang und Kettenantrieb zum Trennen des Kettenantriebs
vom Antriebsstrang. Bei Kollisionsgefahr kann gegebenenfalls ein zeitverzögertes Schalten
der Kupplung erfolgen, welche insoweit zeitverzögert ist, dass dann keine Kollisionsgefahr
mehr besteht. Dadurch wird zwar in Kauf genommen, dass gegebenenfalls eine Greiferbrücke,
welche einen Defekt aufweist, durch eine zu hohe Überlast zerstört wird, jedoch mit
dem Vorteil, dass alle sich gerade im Bereich unterhalb eines Bearbeitungswerkzeugs
befindlichen Greiferbrücken nicht zerstört werden.
[0012] Dieses erfindungsgemäße Verfahren als auch die obenstehend beschriebene erfindungsgemäße
Stanzmaschine haben dabei die nachfolgenden Vorteile:
- Die in der antriebsseitigen und bedienseitigen Transportkette auftretenden Kräfte
können separat gemessen und überwacht werden.
- Es kann nicht nur eine Maximalkraft überwacht werden, sondern es können zahlreiche
weitere Kriterien definiert werden, was ein wesentlich früheres Abschalten der Maschine
ermöglicht, beispielsweise kann Verschleiß detektiert werden und die Maschine präventiv
abgeschaltet und die verschlissenen Teile ausgetauscht werden.
- Die Schadensfolgen eines Abschaltens aufgrund von Überlast können wesentlich minimiert
werden, da die Kollision der Greiferbrücken mit den hubbewegten Werkzeugen vermieden
wird
- Die schaltbare Kupplung kann kostengünstiger ausgeführt werden als die Festpunktkupplung.
[0013] In einer besonders vorteilhaften und daher bevorzugten Weiterbildung des erfindungsgemäßen
Verfahrens zum Schnellabschalten sind die Sollwerte abhängig vom Maschinenwinkel und/oder
von der Maschinengeschwindigkeit und/oder von dem Bogengewicht eines zu bearbeitenden
Bogens, da die auftretenden Kräfte im Wesentlichen von diesen Faktoren abhängen. Die
Sollwerte können entweder durch die Maschinensteuerung berechnet werden oder sind
in dieser hinterlegt.
[0014] In einer Weiterbildung des erfindungsgemäßen Verfahrens werden die Messergebnisse
vor dem Vergleich mit den Sollwerten einer Berechnung unterzogen. So kann beispielsweise
eine Differenzbildung der antriebsseitig und bedienseitig gemessenen Kräfte erfolgen,
es kann eine zeitliche Ableitung der Messergebnisse durchgeführt werden, um Veränderungen
besser analysieren zu können.
[0015] In einer vorteilhaften Weiterbildung des erfindungsgemäßen Verfahrens kann es sich
bei den berechneten Sollwerten, welche für den Vergleich mit den Messwerten herangezogen
werden, um Mittelwerte von zurückliegenden Messergebnissen handeln. So kann beispielsweise
ein maschinenwinkelabhängiger Mittelwert der Messergebnisse aus den zurückliegenden
zehn Messungen gebildet werden. Dies ermöglicht es, dass Abweichungen schneller detektiert
werden können. Auch können hierdurch die sich verändernden Kräfte aufgrund der Erwärmung
von Schmiermittel in der Maschine Berücksichtigung finden.
[0016] Hinsichtlich weiterer Vorteile und in konstruktiver und funktioneller Hinsicht vorteilhafter
Ausgestaltungen der Erfindung wird auf die Unteransprüche sowie die Beschreibung von
Ausführungsbeispielen unter Bezugnahme auf die beiliegenden Zeichnungen verwiesen.
Ausführungsbeispiel
[0017] Die Erfindung soll an Hand bevorzugter Ausführungsbeispiele noch näher erläutert
werden. Es zeigen in schematischer Darstellung
- Fig. 1
- eine erfindungsgemäße Bogenstanzmaschine
- Fig. 2
- den Antrieb eines Bogentransportsystems gemäß dem Stand der Technik
- Fig. 3a
- einen erfindungsgemäßen Antrieb eines Bogentransportsystems
- Fig. 3b
- eine Detailansicht des Kettenantriebs aus Fig. 3a
- Fig. 4a
- ein Kräftediagramm für einen Antrieb gemäß Fig. 2
- Fig. 4a
- ein Kräftediagramm für einen erfindungsgemäßen Antrieb gemäß Fig. 3a
[0018] Einander entsprechende Elemente und Bauteile sind in den Figuren mit gleichen Bezugszeichen
versehen.
[0019] In Figur 1 ist der prinzipielle Aufbau einer Bogenstanz- und -prägemaschine 100 zum
Stanzen, Ausbrechen, Nutzentrennen und Ablegen von Bogen aus Papier, Pappe, Kunststoff
und dergleichen dargestellt. Die Stanz- und Prägemaschine 100 besitzt einen Anleger
1, eine Stanzstation 2, eine Ausbrechstation 3 und einen Ausleger 4 mit Ablage- und
Nutzentrennstation, die von einem gemeinsamen Maschinengehäuse 5 getragen und umschlossen
werden und von einem Antrieb 705 angetrieben werden. Von einer Seite, der sogenannten
Bedienerseite, sind die Bearbeitungsstationen 2, 3, 4 zugänglich; auf der gegenüberliegenden
Seite, der sogenannten Antriebsseite, befindet sich der Antriebsstrang der Bogenstanz-
und -prägemaschine 100. Eine Maschinensteuerung 15 steuert die Abläufe innerhalb der
Stanzmaschine 100.
[0020] Die Bogen 6 werden durch einen Anleger 1 von einem Stapel 6.1 durch einen sogenannten
Saugkopf 18 vereinzelt, dem Bogentransportsystem 7 zugeführt und von an Greiferbrücken
eines Greiferwagens 8 befestigten Greifern an ihrer Vorderkante ergriffen und in Bogentransportrichtung
B intermittierend durch die verschiedenen Stationen 2, 3 und 4 der Stanz- und Prägemaschine
100 hindurchgezogen.
[0021] Das Bogentransportsystem 7 besitzt mehrere Greiferwagen 8, sodass mehrere Bogen 6
gleichzeitig in den verschiedenen Stationen 2, 3 und 4 bearbeitet werden können. Die
Greiferwagen 8 werden von einem Kettenantrieb angetrieben welcher in den Fig. 2 und
3a näher dargestellt ist.
[0022] Die Stanzstation 2 besteht aus einem unteren Tiegel, einem sog. Untertisch 9, und
einem oberen Tiegel, einem sog. Obertisch 10. Der Obertisch 10 ist vertikal hin- und
herbewegbar gelagert und mit einem Oberwerkzeug 30 mit Stanz- und Rillmessern versehen.
Der Untertisch 9 ist fest im Maschinengestell gelagert und mit einer Gegenplatte 20
zu den Stanz- und Rillmessern versehen. Alternativ kann auch der Obertisch 10 feststehend
und der Untertisch 9 bewegt sein. Beim Prägen kommen an Stelle der Stanz-und Rillwerkzeuge
Prägewerkzeuge, insbesondere in Form sogenannter Prägeklischees, zum Einsatz.
[0023] Der Greiferwagen 8 transportiert den Bogen 6 von der Stanz- und Prägestation 2 in
die nachfolgende Ausbrechstation 3, die mit Ausbrechwerkzeugen 21, 23 ausgestattet
ist. In der Ausbrechstation 3 werden mit Hilfe der Ausbrechwerkzeuge 21, 23 die nicht
benötigten Abfallstücke 11 aus dem Bogen 6 nach unten herausgestoßen, wodurch die
Abfallstücke 11 in einen unter der Station eingeschobenen wagenartigen Behälter 12
fallen oder von dort aus abtransportiert werden.
[0024] Von der Ausbrechstation 3 gelangt der Bogen 6 in den Ausleger 4, wo der Bogen 6 entweder
nur einfach abgelegt wird, oder aber gleichzeitig eine Trennung der einzelnen Nutzen
eines jeweiligen Bogens 6 erfolgt. Dazu besitzt der Ausleger 4 ein Nutzentrennwerkzeug
21, 23. Der Ausleger 4 kann auch eine Palette 13 enthalten, auf der die einzelnen
Bogen 6 bzw. Nutzen in Form eines Stapels 14 aufgestapelt werden, so dass nach Erreichen
einer bestimmten Stapelhöhe die Palette 13 mit dem Bogenstapel 14 aus dem Bereich
der Stanz- und Prägemaschine 100 weggefahren werden kann. Um die Maschine 100 während
des Stapeltausches nicht anhalten zu müssen können Hilfsstapeleinrichtungen zum Einsatz
kommen (nicht dargestellt).
[0025] Fig. 2 zeigt ein Bogentransportsystem 7 gemäß dem Stand der Technik, wie es beispielsweise
in der Bogenstanzmaschine Dymatrix 106 der Heidelberger Druckmaschinen zum Anmeldezeitpunkt
Verwendung findet. Das Bogentransportsystem 7 besitzt eine Transportkette mit Führungsbahn
701, wobei an der Transportkette Greiferwagen 8 mit Greifern zum Ergreifen von hier
nicht dargestellten Bogen 6 befestigt sind. Angetrieben wird die Transportkette 701
von einem Kettenantrieb 704, welcher als Kettenrad ausgeführt ist. Der Kettenantrieb
704 wiederum ist über einen Antriebsstrang 710 mit einem Antriebsrad 707 verbunden.
Das Antriebsrad 707 ist mit dem Antrieb 705 der Bogenstanzmaschine 100 verbunden.
Im Falle eines Fehlers bzw. Defekts im Bereich des Bogentransportsystems 7, welcher
eine Zerstörung der Werkzeuge 20, 21, 23, 30 der Bogenstanzmaschine 100, der Greiferwagen
8 des Bogentransportsystems 7 oder des Antriebs 704, 710, 705 bewirken könnte, ist
eine bloße Abschaltung der Maschine 100 durch Abschalten des Antriebsmotors nicht
ausreichend. Deshalb ist im Bereich des Kettenantriebs 704 eine Überlast-Festpunktkupplung
703 vorgesehen. Diese Kupplung ist als Rastkupplung ausgeführt, welche nur in einer
Winkellage im Umfang gesehen einrasten kann. Die Kupplung 703 besitzt eine fest eingestellte
Ausrückkraft. Sobald diese Ausrückkraft überschritten wird, löst die Kupplung aus
und trennt den Kettenantrieb 704 vom Antriebsstrang 710. Sobald die Festpunktkupplung
703 auslöst, wird auch die Kupplungsbremskombination 706, 709 betätigt. Die Kupplungsbremskombination
706, 709 besitzt als Kupplung einen schaltbaren Pneumatikzylinder 709, welcher den
Antrieb 705 und seine Schwungmasse 708 von dem Antriebsrad 707 abstellt. Die Kupplungsbremskombination
706, 709 besitzt weiterhin eine Bremse, welche auf das Antriebsrad 707 einwirkt und
den gesamten Antriebsstrang 710 und damit auch die Bearbeitungsstationen 2, 3, 4 und
das Bogentransportsystem 7 abbremst.
[0026] Fig. 3a zeigt das Bogentransportsystem 7 einer erfindungsgemäßen Bogenstanzmaschine
100. Das Bogentransportsystem 7 ist dabei gleich wie in der Fig. 2 dargestellt aufgebaut.
Es unterscheidet sich jedoch im Antrieb der Transportkette 701. So ist anstelle der
Festpunktkupplung 703 im Bereich des Kettenantriebs 704 eine schaltbare Kupplung 713
angeordnet. Diese schaltbare Kupplung ist mit einer Maschinensteuerung 15 verbunden
und kann von dieser ausgelöst werden. Des Weiteren sind Sensoren 712 vorgesehen zur
Überwachung des Bogentransportsystems 7 auf Fehler bzw. Defekte. Der Überwachungssensor
712 kann dabei in die Transportkette 701 integriert sein und mit dieser mit bewegt
werden, so dass der Überwachungssensor 712 die Kettenspannung direkt in der Kette
701 messen kann. Alternativ kann ein Überwachungssensor 712 im Bereich des Kettenspanners
715 vorgesehen und als Kraft- bzw. Wegsensor ausgeführt sein und somit die Kettenspannung
der Transportkette 701 mittelbar über Kraft- bzw. Wegänderungen des Kettenspanners
715 erfassen. Eine weitere Alternative stellt ein akustischer Sensor 712 dar, welcher
permanent von dem Bogentransportsystem 7 erzeugte Geräusche erfasst und Abweichungen
vom normalen Geräuschpegel detektiert. Auch könnte der Überwachungssensor 712 an der
Vorderkante einer Greiferbrücke 8 angeordnet und als Kontaktsensor ausgeführt sein,
um so vor der Greiferbrücke angehäuftes bzw. sich befindliches Papier eines Papierstaus
detektieren zu können. Alle Sensoren 712 sind dabei mit der Maschinensteuerung 15
in einer Datenaustauschverbindung und können mit dieser über Datenleitungen oder kabellos
verbunden sein. In der Maschinensteuerung 15 erfolgt eine Auswertung der Messergebnisse
und eine Gegenüberstellung der von den Sensoren 712 erfassten Ist-Werten mit in der
Maschinensteuerung 15 hinterlegten bzw. von dieser berechneten Sollwerten. Bei nicht
zulässigen Abweichungen kann die Kupplungsbremskombination 706, 709 und/oder die schaltbare
Kupplung 713 von der Maschinensteuerung 15 ausgelöst werden.
[0027] In Fig. 3b ist der Kettenantrieb 704 in einer Detailansicht dargestellt und zeigt
weitere Anordnungsmöglichkeiten von Überwachungssensoren 712: so kann der Überwachungssensor
712 beispielsweise in die Einlaufkurve der Transportkette 701 integriert und als Dehnmessstreifen
ausgeführt sein. Auch könnte der Überwachungssensor 712 direkt in den Kettenantrieb
704 integriert sein. Als zusätzliche Sicherheit kann ein Abscherstift 714 vorgesehen
sein, welcher zwischen Kettenrad 704 und Antriebsstrang 710 angeordnet ist und welcher
auf das maximal in Betrieb der Bogenstanzmaschine 100 zu erwartende Drehmoment am
Kettenrad 704 ausgelegt ist.
[0028] In den Figuren 4a und 4b ist die wirksame Kraft F
K in der Transportkette 701 über den Maschinenwinkel p dargestellt. Während in Fig.
4a der Kraftverlauf bei einer Bogenstanzmaschine gemäß dem Stand der Technik dargestellt
ist, zeigt die Fig. 4b den Kraftverlauf bei einer erfindungsgemäßen Bogenstanzmaschine
100. Bei einer Bogenstanzmaschine 100 nach dem Stand der Technik kann eine Ausrückkraft
F
A für die Festpunktkupplung 703 eingestellt werden. Solange die wirksame Kraft F
K in der Transportkette 701 unter diesem Grenzwert bleibt, löst die Festpunktkupplung
703 nicht aus. Zusätzlich ist die Bruchkraft F
B einer Greiferbrücke 8 dargestellt. Aus dieser Darstellung wird ersichtlich, dass
ein Brechen einer Greiferbrücke 8 eine wesentlich geringere Kraft erfordert, als die
Ausrückkraft F
A. Das heißt, trotz einer Zerstörung der Greiferbrücke wird die Festpunktkupplung 703
nicht auslösen und die Kupplungsbremskombination wird nicht aktiviert, so dass beim
weiteren Betrieb der Bogenstanzmaschine 100 weitere Aggregate der Maschine zerstört
werden können.
[0029] Aus Fig. 4b wird ersichtlich, dass bei der erfindungsgemäßen Stanzmaschine 100 keine
über den Maschinenwinkel p konstante Ausrückkraft F
A vorgesehen ist, sondern dass vielmehr in der Maschinensteuerung 15 eine vom Maschinenwinkel
p abhängige Kettenkraft hinterlegt ist, welche in dem Diagramm als gestrichelte Linie
dargestellt ist. Wird diese zulässige Kraft überschritten, was von den Sensoren 712
detektiert und von der Maschinensteuerung 15 ausgewertet wird, so wird von der Maschinensteuerung
15 die Kupplungsbremskombination 706, 709 und gegebenenfalls auch die schaltbare Kupplung
713 ausgelöst. In anderen Worten: es ist nicht länger eine Überwachung auf eine konstante
Maximalkraft vorgesehen, sondern es wird eine zeitabhängige Sollkraft, ggfs. mit Toleranzband
definiert, welche den Kraftverlauf in der Kette 701 über den Maschinenwinkel berücksichtigt.
Somit können Abweichungen in der zulässigen Kettenkraft F
K jeweils frühzeitiger erfasst werden und die Bogenstanzmaschine 100 kann rechtzeitig
angehalten werden, um weitere Zerstörungen zu verhindern. Dabei können in der Maschinensteuerung
15 insbesondere mehrere Kraftverlauf-Kurven hinterlegt sein.
Bezugszeichenliste
[0030]
- 1
- Anleger
- 2
- Stanz- und/oder Prägestation
- 3
- Ausbrechstation
- 4
- Ausleger, ggfs. mit Nutzentrennstation
- 5
- Maschinengehäuse
- 6
- Bogen
- 6.1
- Bogenstapel
- 7
- Bogentransportsystem
- 8
- Greiferwagen mit Greifern
- 9
- Untertisch / unterer Tiegel
- 10
- Obertisch / oberer Tiegel
- 11
- Abfallstücke
- 12
- Behälter
- 13
- Palette
- 14
- Auslagestapel
- 15
- Steuerung mit Interface und Eingabegeräten
- 16
- Zuführtisch mit einer Einheit zum Ausrichten der Bogen
- 18
- Saugkopf
- 20
- Unterwerkzeug
- 21
- Oberwerkzeug mit Stempeln
- 23
- Nutzentrenngitter oder Ausbrechbrett (Unterwerkzeug)
- 30
- Oberwerkzeug (Stanzwerkzeug)
- 100
- Flachbett-Bogenstanz- und/oder -prägemaschine (Stanzmaschine)
- 701
- Transportkette mit Führungsbahn
- 703
- Festpunktkupplung
- 704
- Kettenantrieb (Kettenrad)
- 705
- Antrieb
- 706
- Bremse
- 707
- Antriebsrad
- 708
- Schwungmasse
- 709
- schaltbarer Pneumatikzylinder
- 710
- Antriebsstrang
- 711
- Einlaufkurve
- 712
- Sensor
- 713
- schaltbare Kupplung
- 714
- Abscherstift
- 715
- Kettenspanner
- B
- Bogentransportrichtung
- E
- Bogentransportebene
- F
- Kraft
- FK
- Kraft in Transportkette
- FA
- Ausrückkraft
- FB
- Bruchkraft Greiferstücke
- ρ
- Maschinenwinkel
1. Flachbett-Bogenstanz- und/oder -Prägemaschine (100) zur Bearbeitung von Bogen (6)
insbesondere aus Papier, Pappe, Karton oder Kunststoff mit einem Bogentransportsystem
(7), mindestens einer Bearbeitungsstation (2, 3, 4) mit hubbewegtem Werkzeug (30,21),
mindestens einem Antrieb (705) zum Antreiben des Bogentransportsystems (7) und der
mindestens einen Bearbeitungsstation (2, 3, 4), und mit einer Maschinensteuerung (15),
wobei das Bogentransportsystem (7) umlaufende Ketten (701) mit daran befestigten Greiferwagen
(8) und einen Kettenantrieb (704) aufweist, wobei die Ketten (701) mit dem Kettenantrieb
(704) in Eingriff stehen, und
der Kettenantrieb (704) über einen Antriebsstrang (710) mit dem mindestens einen Antrieb
(705) verbunden ist,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Antriebsstrang (710) über eine schaltbare Kupplungs-Brems-Kombination (706, 709)
mit dem mindestens einen Antrieb (705) und über eine schaltbare Kupplung (713) mit
dem Kettenantrieb (704) verbunden ist und,
dass das Bogentransportsystem (7) mindestens einen Sensor (712) aufweist zur Überwachung
auf Fehler und/oder Defekte und,
dass die Kupplungs-Brems-Kombination (706, 709), die Kupplung (713) und der mindestens
eine Sensor (712) mit der Maschinensteuerung (15) in einer Datenaustauschverbindung
stehen, zum Schalten der Kupplungs-Brems-Kombination (706, 709) und ggfs. der Kupplung
(713) in Abhängigkeit von Messergebnissen des Sensors (712).
2. Flachbett-Bogenstanz- und/oder -Prägemaschine nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass in der Maschinensteuerung (15) zulässige Sollwerte für die Messergebnisse des Sensors
(712) hinterlegt sind.
3. Flachbett-Bogenstanz- und/oder -Prägemaschine nach einem der vorangehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass der mindestens eine Sensor (712) im Kraftfluss des Kettenantriebs angeordnet ist,
insbesondere in einem Kettenrad (704) des Kettenantriebs oder im Bereich einer Einlaufkurve
(711) oder Auslaufkurve des Kettenrades (704).
4. Flachbett-Bogenstanz- und/oder -Prägemaschine nach einem der vorangehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Sensor (712) in einen Kettenspanner (715) der Ketten (701) integriert ist und
/ oder dass der Sensor (712) die Kettenlängung misst.
5. Flachbett-Bogenstanz- und/oder -Prägemaschine nach einem der vorangehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Sensor (712) sich in mindestens einer Kette (701) und/oder in mindestens einem
Greiferwagen (8) und / oder auf mindestens einer Kettenbahn befindet.
6. Flachbett-Bogenstanz- und/oder -Prägemaschine nach einem der vorangehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Sensor (712) als Kraftsensor, Wegsensor, Temperatursensor, optischer Sensor oder
akustischer Sensor ausgeführt ist.
7. Verfahren zum Schnellabschalten einer Flachbett-Bogenstanz- und/oder - Prägemaschine
(100), insbesondere nach einem der vorangehenden Ansprüche, bei einem Fehler und/oder
Defekt im Bereich des Bogentransportsystems (7) mit nachfolgenden Schritten:
a) kontinuierliche Überwachung des Bogentransportsystems (7) mit mindestens einem
Sensor (712)
b) Senden der Messergebnisse (FK) des Sensors (712) an eine Maschinensteuerung (15)
c) Vergleich der Messergebnisse (FK) mit in der Maschinensteuerung (15) hinterlegten und/oder berechneten Sollwerten
(FA)
d) Bei einer festgestellten Abweichung sofortiges Schalten einer zwischen Antrieb
(705) und Antriebsstrang (710) angeordneten Kupplungs-Brems-Kombination (706, 709)
zum Trennen des Antriebsstrangs (710) vom Antrieb (705) und zum Abbremsen des Antriebsstrangs
(710)
e) Überprüfen des momentanen Maschinenwinkels (

) und bei Abwesenheit von Kollisionsgefahr von hubbewegtem Werkzeug (30, 21) und
Greiferwagen (8) sofortiges Schalten, bei Kollisionsgefahr ggfs. zeitverzögertes Schalten
einer Kupplung (713) zwischen Antriebsstrang (710) und Kettenantrieb (704) zum Trennen
des Kettenantriebs (704) vom Antriebsstrang (710).
8. Verfahren zum Schnellabschalten nach Anspruch 7,
dadurch gekennzeichnet,
dass es sich bei den berechneten Sollwerten in Schritt c) um Mittelwerte von zurückliegenden
Messergebnissen handelt.
9. Verfahren zum Schnellabschalten nach Anspruch 7 oder 8,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Sollwerte in Schritt c) abhängig sind vom Maschinenwinkel (

) und/oder der Maschinengeschwindigkeit und/oder dem Bogengewicht eines zu bearbeitenden
Bogens (6).
10. Verfahren zum Schnellabschalten nach einem der Ansprüche 7 bis 9,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Messergebnisse in Schritt c) vor dem Vergleich mit den Sollwerten einer Berechnung
unterzogen werden.