[0001] Die Erfindung bezieht sich auf eine Turbinenrotorschaufel einer Gasturbine mit einem
in radialer Richtung (bezogen auf eine Triebwerksachse der Gasturbine) bzw. in Längsrichtung
der Schaufel ausgebildeten Schaufelprofil sowie mit einer Schaufelspitze. Als Schaufelspitze
wird im Zusammenhang mit der vorliegenden Erfindung das radial außenliegende Ende
der Turbinenrotorschaufel bezeichnet.
[0002] Die Erfindung betrifft weiterhin nicht nur Rotorschaufeln, sondern auch Statorschaufeln,
wobei die Schaufelspitze bei Statorschaufeln als radial innenliegendes Ende der Schaufel
definiert ist.
[0003] Im Stand der Technik ist es bekannt, dass am Radialspalt zwischen den Rotorschaufeln
und einem Gehäuse bzw. zwischen Statorschaufeln und einer Nabe ein durch den Druckunterschied
von der Schaufeldruckseite zur Schaufelsaugseite getriebener Leckagemassenstrom entsteht.
Dabei sind Lösungen vorgeschlagen worden, die diesen Leckagemassenstrom verringern
und/oder den negativen Einfluss eines sich bildenden Schaufelspitzenwirbels auf die
Turbinenaerodynamik verringern.
[0004] Zur Verbesserung der Strömung über die Schaufelspitzen der Rotoren werden hauptsächlich
umlaufende Dichtkanten (Squealer), teils aber auch Überhänge an der Schaufelspitze
(Wingletausführungen) vorgesehen. Squealerkonstruktionen (
US 2010/0098554 A1) bewirken aber nur eine geringe Verbesserung der Aerodynamik. Die Winglet-Konstruktion
gemäß
US 7,118.329 B2 besitzt einen Überhang zur Druckseite nahe der Schaufelhinterkante und eine umlaufende
Dichtkante an der Schaufelspitze mit einer Öffnung an der Schaufelhinterkante. Die
Konstruktion gemäß
US 6,142,739 besitzt einen saug- und druckseitigen Überhang, welcher sehr klein nahe der Schaufelvorderkante
ist und entlang der Schaufelskelettlinie bis zur Schaufelhinterkante immer weiter
überhängt. Des Weiteren besitzt diese Konstruktion eine Öffnung der Schaufelspitzenkavität
an der Hinterkante.
[0005] Die aus dem Stand der Technik bekannten Lösungen bringen zum einen nur geringe aerodynamische
Vorteile, zum anderen sind die Überhänge (Winglets) so dimensioniert, dass sie insbesondere
von der dünnen Schaufelhinterkante schlecht getragen werden können und die mechanische
Festigkeit der Schaufel beeinträchtigen.
[0006] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, eine Turbinenrotorschaufel der eingangs
genannten Art zu schaffen, welche bei einfachem Aufbau und einfacher, kostengünstiger
Herstellbarkeit eine Optimierung des Leckagemassenstroms ermöglicht und eine gute
Bauteilfestigkeit aufweist.
[0007] Erfindungsgemäß wird die Aufgabe durch die Merkmalskombination des Anspruchs 1 gelöst,
die Unteransprüche zeigen weitere vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung.
[0008] Erfindungsgemäß ist somit vorgesehen, dass die Schaufelspitze zumindest an ihrer
Saugseite, ausgehend von einem Staupunkt an der Schaufelvorderkante bis zu einem Schnittpunkt
der saugseitigen Profillinie der Schaufel mit einem Hinterkantenkreis einen Überhang
(Winglet) aufweist. Der Überhang weist am Staupunkt und am Schnittpunkt mit dem Hinterkantenkreis
im Wesentlichen einen Wert von Null auf und erreicht seinen Maximalwert bei etwa 40
% der Lauflänge der saugseitigen Profillinie.
[0009] Erfindungsgemäß ist somit eine strömungsoptimierte und hinsichtlich der Festigkeit
der Schaufel vorteilhafte Konstruktion geschaffen, bei welcher die aerodynamischen
Verluste minimiert werden.
[0010] Besonders günstig ist es, wenn die Größe des saugseitigen Überhangs (senkrechter
Abstand von der saugseitigen Profillinie) in etwa 45% des Durchmessers des maximal
in das Schaufelprofil einbeschreibbaren Kreises T
max erreicht.
[0011] In besonders günstiger Ausgestaltung der erfindungsgemäßen Schaufel ist weiterhin
vorgesehen, dass die Schaufelspitze an ihrer Druckseite, ausgehend von einem Staupunkt
an der Schaufelvorderkante bis zu einem Schnittpunkt der druckseitigen Profillinie
der Schaufel mit dem Hinterkantenkreis, ebenfalls einen Überhang (Winglet) aufweist,
welcher am Staupunkt und am Schnittpunkt im Wesentlichen Null beträgt und welcher
einen Maximalwert bei etwa einer Lauflänge zwischen 20 % und 60 % der Gesamtlauflänge
der druckseitigen Profillinie aufweist.
[0012] Zur Verbesserung der Strömung und zur weiteren Verminderung des Leckagemassenstroms
kann es weiterhin günstig sein, dass am radial äußeren Randbereich der Schaufel (bei
einer Rotorschaufel) bzw. am radial inneren Randbereich bei einer Statorschaufel eine
umlaufende Dichtkante ausgebildet ist. Diese kann beispielsweise einen im Wesentlichen
rechteckigen Querschnitt haben, so dass sich im mittleren Bereich der Schaufelspitze
eine Vertiefung/Kavität ausbildet.
[0013] Die Dichtkante kann weiterhin bevorzugterweise einen Bereich mit einer reduzierten
Höhe bzw. einen Bereich mit einer Höhe von Null aufweisen, welcher im Bereich des
saugseitigen Überhangs zwischen einer Lauflänge der saugseitigen Profillinie von 10
% bis 30 % vorgesehen ist. Somit wird eine Öffnung ausgebildet, durch welche eine
Zuströmung der gehäusenahen Grenzschicht auf die Schaufelspitze erfolgen kann.
[0014] Besonders vorteilhaft ist es, die Höhe sowie die Breite der Dichtkante in Abhängigkeit
von einem Schaufelspitzenspalt zu bemessen. Die radiale Höhe kann dabei zwischen der
Hälfte des Schaufelspitzenspalts und dem dreifachen Schaufelspitzenspalt betragen.
Hinsichtlich der Breite der Dichtkante kann diese zwischen dem dreifachen Schaufelspitzenspalt
und dem sechsfachen Schaufelspitzenspalt ausgebildet sein.
[0015] Hinsichtlich der Höhe des Überhangs (Winglets) in radialer Richtung kann es besonders
günstig sein, wenn diese Höhe maximal 10 % der radialen Länge des Schaufelprofils
beträgt. Ein bevorzugter Wert liegt bei 5 %. Dies bedeutet, dass ca. 90 % bis 95 %
des Schaufelprofils unverändert ausgebildet ist und dass lediglich die äußeren 10
bzw. 5 % der Länge des Schaufelprofils mit dem erfindungsgemäßen Überhang bzw. Winglet
versehen ist.
[0016] Um die Strömungsverhältnisse weiter zu optimieren, kann es günstig sein, den Übergang
vom Schaufelprofil zu dem Überhang (Winglet) abgerundet auszubilden.
[0017] Weiterhin kann es vorteilhaft sein, den Kantenbereich des Überhangs (Winglets) am
radialen Ende mit einem Winkel zu versehen. Dieser Winkel ist in einer Ebene definiert
die durch einen radialen Vektor von der Dichtkante zur Triebwerksachse und einem Vektor
normal zur Dichtkante aufgespannt wird. Der Winkel bildet sich dann zwischen einer
Tangente an der äußeren Dichtkantenfläche und dem Radialenvektor. Dabei ist es besonders
günstig, wenn die Tangente an der druckseitigen Dichtkante der Schaufel in einem Winkel
zwischen 10° und 50° von der Schaufel weg gerichtet und an der saugseitigen Dichtkante
in einem Winkel von 10° bis 50° bei einer Lauflänge 0,1≤s≤0,3 zur Schaufel hin gerichtet
und bei einer Lauflänge zwischen 0,4≤s≤1 in einem Winkel zwischen 10° und 50° von
der Schaufel weg gerichtet ausgebildet ist.
[0018] Die erfindungsgemäße Wingletkonstruktion hat die Eigenschaft, die Überströmung der
Turbinenschaufelspitzen so zu verbessern, dass der Leckagemassenstrom über die Schaufelspitze
verringert wird (Wirkungsgradverbesserung im Rotor) und gleichzeitig die Abströmung
im Bereich der Rotorschaufelspitze hinsichtlich des Abströmwinkels vergleichmäßigt
wird (Wirkungsgradverbesserung in den stromab liegenden Schaufelreihen). Diese Vorteile
werden durch folgende strömungsmechanische Effekte erreicht:
- Durch die relative schnelle Verkleinerung des großen saugseitigen Überhangs im Bereich
(b) entsteht eine konkave Schaufelspitzenform. Das führt dazu, dass der Schaufelspitzenwirbel
stromab einen immer größeren Abstand zur Schaufel gewinnt.
- Als Folge wird der Schaufelspitzenwirbel von der saugseitigen Schaufelumströmung entkoppelt
und interagiert nicht oder nur sehr wenig mit dem sich in diesem Bereich entwickelnden
Sekundärströmungswirbel. Diese Entkopplung trägt maßgeblich zur Wirkungsgradverbesserung
der Schaufelspitzenströmung durch das Winglet bei.
- Der Überhang des Winglets reduziert den treibenden Druckgradienten zwischen Druckseite
und Saugseite und verringert damit den Leckagemassenstrom.
- Die Öffnung der umlaufenden Dichtkante des Winglets sorgt für eine Einströmung von
relativ kalter gehäusenaher Luft in die Kavität des Winglets. Die Trajektorie dieser
Zuströmung (Stromlinienkrümmung) bewirkt einen Druckgradienten in Richtung Druckseite
der Schaufel. Hierdurch wird eine weitere Reduktion des Leckagemassenstromes erzielt.
Weiterhin verringert die aufströmende relativ kalte Luft die Kühlungsanforderungen
für das Winglet.
- Die Form (Tangentenwinkel) der umlaufenden bzw. unterbrochenen Dichtkante ist in Abhängigkeit
der Profillauflänge so gestaltet, dass an gewünschten Positionen Strömungsablösungen
hervorgerufen werden (z.B. Druckseite) und an anderen Positionen (z.B. Saugseite)
Strömungsablösungen vermieden werden.
[0019] Im Folgenden wird die Erfindung anhand eines Ausführungsbeispiels in Verbindung mit
der Zeichnung beschrieben. Dabei zeigt:
- Fig. 1
- eine schematische Darstellung eines Gasturbinentriebwerks gemäß der vorliegenden Erfindung,
- Fig. 2
- eine vereinfachte Draufsicht auf den Endbereich der erfindungsgemäßen Schaufel,
- Fig. 3
- eine Ansicht, analog Fig. 2, mit Angabe der Schnittlinien der Fig. 4 bis 6,
- Fig. 4 bis 6
- Teil-Schnitte gemäß den Schnittlinien in Fig. 3,
- Fig. 7
- eine Darstellung, ähnlich Fig. 5, mit Angabe der Definitionen zur Bemessung des Schaufelendbereichs,
- Fig.8, 9
- stirnseitige Ansichten, analog den Fig. 2 und 3, zur Darstellung des erfindungsgemäßen
Überhangs,
- Fig. 10, 11
- Dickenverteilungen des saugseitigen und druckseitigen Überhangs bezogen auf die Lauflänge
der saugseitigen bzw. druckseitigen Profillinie,
- Fig. 12
- eine perspektivische stirnseitige Ansicht, analog den Fig. 2 und 3, mit Darstellung
der Dichtkante,
- Fig. 13
- eine Draufsicht auf die Darstellung gemäß Fig. 12 mit Strömungslinien,
- Fig. 14
- eine Schnittansicht, analog den Fig. 4 bis 6, mit Darstellung des Strömungsverlaufs,
und
- Fig.15
- eine Draufsicht zur Verdeutlichung des in Fig. 14 gezeigten Strömungsverlaufs.
[0020] Das Gasturbinentriebwerk 10 gemäß Fig. 1 ist ein allgemein dargestelltes Beispiel
einer Turbomaschine, bei der die Erfindung Anwendung finden kann. Das Triebwerk 10
ist in herkömmlicher Weise ausgebildet und umfasst in Strömungsrichtung hintereinander
einen Lufteinlass 11, einen in einem Gehäuse umlaufenden Fan 12, einen Mitteldruckkompressor
13, einen Hochdruckkompressor 14, eine Brennkammer 15, eine Hochdruckturbine 16, eine
Mitteldruckturbine 17 und eine Niederdruckturbine 18 sowie eine Abgasdüse 19, die
sämtlich um eine zentrale Triebwerksachse 1 angeordnet sind.
[0021] Der Zwischendruckkompressor 13 und der Hochdruckkompressor 14 umfassen jeweils mehrere
Stufen, von denen jede eine in Umfangsrichtung verlaufende Anordnung fester stationärer
Leitschaufeln 20 aufweist, die allgemein als Statorschaufeln bezeichnet werden und
die radial nach innen vom Triebwerksgehäuse 21 in einem ringförmigen Strömungskanal
durch die Kompressoren 13, 14 vorstehen. Die Kompressoren weisen weiter eine Anordnung
von Kompressorlaufschaufeln 22 auf, die radial nach außen von einer drehbaren Trommel
oder Scheibe 26 vorstehen, die mit Naben 27 der Hochdruckturbine 16 bzw. der Mitteldruckturbine
17 gekoppelt sind.
[0022] Die Turbinenabschnitte 16, 17, 18 weisen ähnliche Stufen auf, umfassend eine Anordnung
von festen Leitschaufeln 23, die radial nach innen vom Gehäuse 21 in den ringförmigen
Strömungskanal durch die Turbinen 16, 17, 18 vorstehen, und eine nachfolgende Anordnung
von Turbinenrotorschaufeln 24, die nach außen von einer drehbaren Nabe 27 vorstehen.
Die Kompressortrommel oder Kompressorscheibe 26 und die darauf angeordneten Schaufeln
22 sowie die Turbinenrotornabe 27 und die darauf angeordneten Turbinenrotorschaufeln
24 drehen sich im Betrieb um die Triebwerksachse 1.
[0023] Die Fig. 2 zeigt eine stirnseitige Ansicht eines Ausführungsbeispiels einer erfindungsgemäßen
Turbinenrotorschaufel 24. Es versteht sich, dass die stirnseitige Fläche nicht eben
ist, sondern Teil eines Zylindermantels um die Triebwerksachse 1. Zur Vereinfachung
der Darstellung ist in den nachfolgenden Figuren die Endfläche jeweils eben ausgebildet.
[0024] Die Fig. 2 zeigt somit eine erfindungsgemäße Formgebung der Rotorschaufelspitze in
der Draufsicht. Hierbei ist ein Merkmal der Erfindung die spezielle Formgebung des
saugseitigen Überhangs 30. Die erfindungsgemäße Formgebung des saugseitigen Überhangs
30 ist mittels der Fig. 8 und 10 näher beschrieben. Zwei Referenzpunkte, nämlich der
Staupunkt an der Schaufelvorderkante (unter 2D Anströmung) LE und der Schnittpunkt
der saugseitigen Profillinie mit dem Hinterkantenkreis TE, werden zur Beschreibung
des saugseitigen Wingletüberhangs benutzt. Zwischen diesen beiden Referenzpunkten
ist die dimensionslose Lauflänge s entlang der saugseitigen Profillinie definiert,
sodass s(LE)=0 und s(TE)=1 gilt. Entlang von s ist der Wingletüberhang T
w(s) als Dickenverteilung, d.h. als senkrechter Abstand zur saugseitigen Schaufelprofillinie
definiert. Dabei ist die Dickenverteilung mit der maximalen Profildicke T
max der Schaufelspitze (Durchmesser des größten in das Schaufelprofil einbeschreibbaren
Kreises 31) dimensionslos gemacht.
[0025] Um die aerodynamischen Effekte des saugseitigen Überhangs 30 zu nutzen, ist die Dickenverteilung
in Fig. 10 besonders vorteilhaft. An den beiden Referenzpunkten LE und TE ist die
Dickenverteilung nahe 0 (kein signifikanter Überhang 30 vorhanden). Ausgehend vom
Punkt LE steigt der Überhang 30 entlang von s anfangs nur sehr schwach an. Ab ca.
s=0,1 erfolgt eine rasche Zunahme der Dickenverteilung, Bereich (a), bis zum Maximum
T
w,max, welches bei ca. 40% der Lauflänge s=0,4, bzw. etwa im Bereich des engsten Querschnitts
(throat) der Schaufelpassage zwischen benachbarten Schaufeln erreicht ist. Zwischen
ca. 0,5<=s<=0,7, Bereich (b), nimmt die Dickenverteilung rapide bis auf ca. 20% T
w,max ab und geht schließlich langsam bis s=1 auf 0% zurück, Bereich (c). Des Weiteren
sind in Fig. 10 zwei weitere Dickenverteilungen (gestrichelte Linien gezeigt), die
somit einen Bereich für die besonders vorteilhafte Gestaltung des saugseitigen Überhangs
30 eingrenzen.
[0026] In den Fig. 8 und 9 ist ein Schaufelprofil 29 als gestrichelte Linie eingezeichnet,
diese Linie entspricht dem Schaufelprofil unter dem Überhang (Winglet) 30 bei 90 %
der Schaufelhöhe. Die Linie 38 zeigt die Kontur des saugseitigen Überhangs (Fig. 8),
während die Linie 39 die Kontur des druckseitigen Überhangs (Fig. 9) zeigt. Mit dem
Bezugszeichen 31 ist der Kreis eingezeichnet, welcher im Bereich der maximalen Dicke
des Querschnitts des Schaufelprofils 29 einbeschreibbar ist. Das Bezugszeichen 32
zeigt den Hinterkantenkreis.
[0027] Wie in den Fig. 2 und 3 dargestellt, ist der Rand des Überhangs 30 in Form einer
Dichtkante 33 ausgebildet, welche im Wesentlichen umlaufend ausgeführt ist. Sie weist,
wie nachfolgend noch beschrieben werden wird, eine Öffnung 34 auf (Fig. 12 und 13).
Während in Fig. 8 der saugseitige Überhang im Einzelnen dargestellt und erläutert
ist, zeigt die Fig. 9 den druckseitigen Überhang mit seiner Kontur 39.
[0028] Die Fig. 4 bis 7 zeigen jeweils Schnittansichten längs den in Fig. 3 gezeigten Schnittlinien.
[0029] Die Dickenverläufe der Überhänge an der Saugseite bzw. der Druckseite sind in den
Fig. 10 und 11 dargestellt. Dabei ist der Verlauf jeweils über eine dimensionslose
Lauflänge s aufgetragen, die sich vom Staupunkt an der Schaufelvorderkante LE entlang
der saug- bzw. druckseitigen Profillinie bis zum Schnittpunkt der Profillinie mit
dem Hinterkantenkreis TE erstreckt. Die Größe des Überhangs T
w(s) ist auf den Durchmesser des maximal in das Schaufelprofil einbeschreibbaren Kreis
T
max normiert. Es ergibt sich, an welchen Stellen jeweils die Maximalwerte besonders günstig
vorgesehen sind. Die gestrichelten Linien in den Fig. 10 und 11 zeigen einen bevorzugten
Bemessungsbereich, während die durchgezogene Linie eine optimierte Lösung darstellt.
[0030] Die Rotorschaufelspitze weist, wie in den Fig. gezeigt, folgende bevorzugte konstruktive
Eigenschaften auf, um die Auswirkung der Rotorspitzenspaltleckageströmung auf den
Turbinenwirkungsgrad so klein wie möglich zu gestalten:
- Einen relativ kleinen, aber signifikanten druckseitigen Überhang Tw(s), der, wie in Fig. 9 und 11 gezeigt, zwischen 0≤s≤0,2 sehr klein ist, von s=0,2
bis s=0,6 bis auf sein Maximum von 15% Tmax anwächst und schließlich von s=0,6 bis zur Schaufelhinterkante abfällt, sodass der
druckseitige Überhang bei s=1 tangential an den Hinterkantenkreis übergeht. Eine günstige
Gestaltung des druckseitigen Überhanges kann mittels der gestrichelten Kurven in Fig.
11 eingegrenzt werden.
- Eine Öffnung, zumindest aber eine Verringerung der Höhe d der umlaufenden Dichtkante
im vorderen Bereich des saugseitigen Überhangs zwischen ca. s=0,1 und s=0,3, wie in
Fig. 12 und 13 gezeigt.
- Eine mittels des Rotorschaufelspitzenspaltes (nominal im Normalbetrieb) t definierte
Höhe d der umlaufenden bzw. unterbrochenen Dichtkante auf dem Winglet von ca. 0,5t≤d≤3t
(siehe Fig. 7).
- Eine mittels des Rotorschaufelspitzenspaltes t definierte Breite b der umlaufenden
bzw. unterbrochenen Dichtkante auf dem Winglet von ca. 3t≤b≤6t (siehe Fig. 7).
- Eine Höhe h des Winglets von nicht mehr als 10 % der mittleren Höhe des Rotorschaufelprofiles.
In besonders günstiger Ausführung sollte h∼5% der mittleren Höhe des Rotorschaufelproflies
betragen (siehe Fig. 7). Dabei ist h als der radiale Abstand der Wingletspitze von
dem radialen Schaufelprofilschnitt anzusehen, bei dem die Aufweitung des Schaufelprofils
in das Winglet deutlich beginnt.
- Einen stetigen, mit angemessenen Radien R (bzw. geeigneten Kurvenformen) abgerundeten,
sanften Übergang zwischen dem Wingletüberhang und dem Schaufelprofil (siehe Fig. 7).
- Einen von der Profillauflänge s abhängigen, beispielhaft mittels der Schaufelschnitte
A:A, B:B und C:C in Fig. 7 definierten Winkel β zwischen der Tangente an der äußeren
Dichtkante 35 und dem Radialenvektor 36, sodass die Tangente an der Druckseite stets
von der Schaufel mit einem Winkel zwischen 10°≤βDS≤50° weg zeigt und die Tangente an der Saugseite zwischen 0,1≤s≤0,3 zu der Schaufel
mit einem Winkel zwischen 10°≤βss≤50° hin zeigt, jedoch zwischen 0,4≤s≤1 stets mit einem Winkel von 10°≤βSS≤50° von der Schaufel weg zeigt.
[0031] Zur Verdeutlichung der obenstehenden Ausführungen zeigen somit die Fig. 4 bis 6 jeweils
Schnittansichten gemäß Fig. 3, aus welchen sich die bevorzugten Ausgestaltungen ergeben.
Insbesondere zeigen die Fig. 4 bis 6 die jeweiligen Winkel β zwischen der Tangente
35 und dem Radialenvektor 36. Die Fig. 7 verdeutlicht nochmals die Dimensionsdefinitionen
und stellt zusätzlich schematisch das Gehäuse 40 sowie den Schaufelspitzenspalt 37
dar.
[0032] Aus den Fig. 12 bis 15 ergibt sich nochmals eine Darstellung der Strömungsverhältnisse.
Die Fig. 13 zeigt dabei insbesondere eine Einströmung durch die Öffnung 34 sowie eine
Strömung durch den Schaufelspitzenspalt 37. Entsprechend zeigen die Fig. 14 und 15
zur Verdeutlichung ein Beispiel eines sich ausbildenden Schaufelspitzenspaltwirbels
41 sowie eines Sekundärströmungswirbels 42.
Bezugszeichenliste:
[0033]
- 1
- Triebwerksachse
- 10
- Gasturbinentriebwerk / Kerntriebwerk
- 11
- Lufteinlass
- 12
- Fan
- 13
- Mitteldruckkompressor (Verdichter)
- 14
- Hochdruckkompressor
- 15
- Brennkammern
- 16
- Hochdruckturbine
- 17
- Mitteldruckturbine
- 18
- Niederdruckturbine
- 19
- Abgasdüse
- 20
- Leitschaufeln
- 21
- Triebwerksgehäuse
- 22
- Kompressorlaufschaufeln
- 23
- Leitschaufeln
- 24
- Turbinenrotorschaufeln
- 26
- Kompressortrommel oder -scheibe
- 27
- Turbinenrotornabe
- 28
- Auslasskonus
- 29
- Schaufelprofil (unter dem Winglet bei ca. 90% Schaufelhöhe)
- 30
- Überhang / Winglet
- 31
- Kreis (mit maximalem in das Schaufelprofil einbeschreibbaren Durchmesser)
- 32
- Hinterkantenkreis
- 33
- Dichtkante
- 34
- Öffnung der Dichtkante
- 35
- Tangente an der Dichtkante
- 36
- Radialenvektor an der Dichtkante
- 37
- Schaufelspitzenspalt
- 38
- Kontur des saugseitigen Überhangs
- 39
- Kontur des druckseitigen Überhangs
- 40
- Gehäuseendwand des Turbinenrotors
- 41
- Schaufelspitzenspaltwirbel
- 42
- Sekundärströmungswirbel
- DS
- Druckseite
- SS
- Saugseite
- LE
- Staupunkt an der Schaufelvorderkante
- TE
- Schnittpunkt der saug- bzw. druckseitigen Profillinie mit dem Hinterkantenkreis
- b
- Breite der Dichtkante
- d
- Höhe der Dichtkante
- h
- Höhe des Überhangs (Winglet)
- R
- Verrundungsradien zwischen Überhang (Winglet) und Schaufelprofil
- s
- Lauflänge
- t
- Höhe des Schaufelspitzenspaltes
- Tmax
- maximale Schaufelprofildicke
- Tw
- Überhang (Winglet) -Größe
- Tw,max
- maximale Überhang (Winglet) -Größe
1. Turbinenrotorschaufel einer Gasturbine mit einer Schaufelspitze, wobei die Schaufelspitze
zumindest an ihrer Saugseite (SS), ausgehend von einem Staupunkt (LE) an der Schaufelvorderkante
bis zu einem Schnittpunkt (TESS) der saugseitigen Profillinie der Schaufel (24) mit einem Hinterkantenkreis (32)
einen Überhang (30) aufweist, welcher am Staupunkt (LE) und am Schnittpunkt (TEss)
im Wesentlichen Null beträgt und welcher einen Maximalwert bei in etwa 40 % der Lauflänge
(s) des saugseitigen Überhangs (30) aufweist.
2. Schaufel nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der Maximalwert des saugseitigen Überhangs (30) im Wesentlichen im Bereich des engsten
Querschnitts der Schaufelpassage ausgebildet ist.
3. Schaufel nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Schaufelspitze an ihrer Druckseite (DS), ausgehend von einem Staupunkt (LE) an
der Schaufelvorderkante bis zu einem Schnittpunkt (TEDS) der druckseitigen Profillinie der Schaufel (24) mit einem Hinterkantenkreis (32)
einen Überhang (30) aufweist, welcher am Staupunkt (LE) und am Schnittpunkt (TEDS) im Wesentlichen Null beträgt und welcher einen Maximalwert bei etwa einer Lauflänge
(s) von 20 % bis 60 % der Lauflänge (s) des druckseitigen Überhangs (30) aufweist.
4. Schaufel nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass am radial äußeren Randbereich der Schaufel (24) eine umlaufende Dichtkante (33) ausgebildet
ist.
5. Schaufel nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass die Dichtkante (33) im Bereich des saugseitigen Überhangs (30) zwischen einer Lauflänge
(s) von 10 % und 30 % eine verringerte oder auf einen Wert von Null reduzierte Höhe
(d) aufweist.
6. Schaufel nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass die verringerte Höhe (d) der Dichtkante (33) eine Öffnung (34) ausbildet, welche
sich zwischen 10 % und 30 % der Lauflänge (s) der Dichtkante (33) erstreckt.
7. Schaufel nach einem der Ansprüche 4 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass die Dichtkante (33) eine radiale Höhe (d) von 0,5t≤d≤3t aufweist, wobei t der im
Betrieb vorgesehene Schaufelspitzenspalt (37) ist und/oder dass die Dichtkante (33)
eine Breite (b) von 3t≤b≤6t aufweist.
8. Schaufel nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass die Höhe (h) des Überhangs (30) maximal 10 %, bevorzugt 5 % der radialen Länge des
Schaufelprofil (29) beträgt.
9. Schaufel nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass der Übergang vom Schaufelprofil (29) zu dem Überhang (30) abgerundet ausgebildet
ist.
10. Schaufel nach einem der Ansprüche 1 bis 9, dadurch gekennzeichnet, dass ein Winkel (β) zwischen einer Tangente (35) an der äußeren Kante des Überhangs (30)
und einem in Radialrichtung, bezogen auf eine Triebwerksachse (1) verlaufenden Vektors
(36) so ausgebildet ist, dass die Tangente (35) an der Druckseite (DS) von der Schaufel
(24) in einem Winkel (βDS) von 10°≤βDS≤50° weg gerichtet und an der Saugseite (SS) zwischen 0,1≤s≤0,3 mit einem Winkel (βSS) von 10°≤βSS≤50° zu der Schaufel (24) hin gerichtet und zwischen 0,4≤s≤1 mit einem Winkel von
10°≤βSS≤50° von der Schaufel (24) weg gerichtet ausgebildet ist.